Luzhong ist eine faszinierende, aber relativ unbekannte chinesische Stadt, sagt ein chinesischer TV-Beitrag. Über 1700 Jahre sei sie alt und sie beherbergte viele berühmte Figuren der Kulturgeschichte, besonders Dichter. Da sie in China (!) nicht so bekannt sei, kämen nicht so viele Besucher undviele Häuser seien heruntergekommen, darunter auch die Häuser der berühmten Dichter. Auch heute sei sie ideal für Dichter, heißt es, ein Ort, wo sich Inspiration von selbst einstelle.
Leider versäumt der Artikel, auch nur einen Namen der berühmten Dichter zu nennen. Sechsmal kommt das Wort „poet“ in dem kurzen Artikel vor, aber kein Vers und kein Name. Wahrscheinlich sagt auch das Fehlen etwas über das heutige China aus?
Google findet hauptsächlich Traktoren aus Luzhong und sonst viele Artikel in merkwürdigem Englisch, offenbar maschinell aus dem Chinesischen übersetzt.
Die Stadtwerke Gruppe verleiht heuer zum 6. Mal den Kärntner Lyrikpreis.
„Es ist noch nie so viel Lyrik gedruckt worden wie heute“, sagt Manfred Posch, Jury-Sprecher des Stadtwerke-Lyrik-Wettbewerbes, und kann diesen Boom auch mit eigenen Erfahrungen belegen. Als im vergangenen Jahr die Klagenfurter Lyrikerin Anna Baar im Festsaal der Stadtwerke Gruppe mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde, waren 300 Literaturbegeisterte mit dabei. (…)
Mittlerweile ist der Preis „ein Fixstern am österreichischen Literaturhimmel“, wie Karré nicht ohne Stolz wissen lässt. Zwei Maecenas-Ehrungen bestätigen ihn jedenfalls in seiner Absicht, das diesbezügliche Sponsoring auch künftig weiterzuführen. Karré: „Wir sind wirtschaftlich erfolgreicher als man es uns zutrauen würde. Wenn die Zahl der Einreichungen so bleibt wie bisher, dann werden wir den Lyrikpreis ein Leben lang haben“. (…)
„Wir rechnen heuer wieder mit 240 bis 280 Bewerbungen“, sagt Stadtwerke-Sprecher Harald Raffer, der als „Juror ohne Stimmrecht“ der Expertenrunde beiwohnen wird. Erstmals mit im Boot ist neben dem Land Kärnten auch die Stadt Klagenfurt. Sie stellt einen Preis in der Höhe von 1500 Euro zur Verfügung. Für Kulturamtsleiterin Manuela Tertschnig ist dies nur ein weiterer, „logischer Schritt, um Literatur im öffentlichen Raum“ sichtbar zu machen.
Bis zum 28. Oktober haben Kärntner Literaten noch Gelegenheit, Texte für den diesjährigen Wettbewerb einzureichen.
Erwartet werden bei freier Themenwahl „sprachkünstlerisch anspruchsvolle Ausdrucksformen lyrischen Sprechens“, wobei beide Landessprachen zugelassen sind. Der Lyrikpreis und die weiteren Auszeichnungen werden dann am 21. November im Rahmen einer finalen Lesung vergeben. (…)
Um Lyrik nachhaltig unters Volk zu bringen, ist daran gedacht, die preisgekrönten Gedichten künftig in den Stadtwerkebussen zu präsentieren. Vorbilder dafür findet man in diversen U-Bahnen oder in den Verkehrsschiffen Venedigs. Motto: „Poesie sul Vaporetto“. Romed Karré: „Das setzen wir um“. / Erwin Hirtenfelder, Kleine Zeitung
Berühmte Gedichte Annettes können in den Pavillons mit allen Sinnen erlebt und sozusagen begangen werden.
Beispiel:
Entspannt geht es weiter im Pavillon „Im Grase“, wo Kunstrasen unter den Füßen raschelt. Vogelgezwitscher und die bodennahe Wandbemalung mit Gräsern und Wiesenblumen spielen auf die natürliche Umgebung an. Ein mit Kunstrasen bedeckter Pyramidenstumpf in der Mitte lädt dazu ein, sich anzulehnen und so das Liegen im Gras nachzuempfinden. Währenddessen lassen sich die rundum stehenden Texte an den Stellwänden lesen. Die Themen „Ich-Versenkung“, „Lebendige Erinnerung“, „Ich-Zeit“ und „Schreibprogramm“ werden in diesem Pavillon aufgegriffen. Wer vom Ausruhen im Gras noch nicht genug hat, kann anschließend im Garten des Rüschhauses spazieren gehen und ein paar der herunter gefallenen Äpfel, Pflaumen und Birnen aufsammeln.
/ Ellen Bultmann, Westfälische Nachrichten
Heute im Radio:
Die literarische Menagerie der Sabine Scho | Von Frank Kaspar
Sendung am Dienstag, 17.9. | 22.03 Uhr | SWR2

Zoologischer Garten Berlin | © Sabine Scho
„Der Mensch ist das Tier, das sich andere Tiere hält“, notierte der Philosoph Hans Blumenberg.
Die Lyrikerin Sabine Scho hat in Zoos rund um die Welt beobachtet, was „Schautiere“ und ihre Gehege über uns Menschen sagen. Auf den Spuren von Blumenberg und Walter Benjamin entdeckt sie den Zoo als literarischen Ort und „Kulisse einer Menschensehnsucht“.
Für ihr Mixed Media Projekt „Tiere in Architektur“ sammelte sie Bilder von Tierhäusern, die ihre Bewohner in exotische Szenerien versetzen. Wie ein Park gewordener Roman soll der Zoo das Wissen um die Welt und unseren Platz darin noch einmal ordnen und begehbar machen.
Ein poetischer Kraftakt, der melancholisch stimmt, weil er zum Scheitern verurteilt ist.
Auszüge aus 2 – kontroversen – Stimmen zur Anthologie Hieb- und Stichfest:
In „Hieb und Stichfest“ geraten Lothar Klünner und Klaus M. Rarisch heftig aneinander, in der Art eines Streitgesanges, den sie traditionsbewußt als Tenzone bezeichnen, und in dem es mal wieder darum geht, was das eigentlich soll, mit dem Sonett. Dergleichen selbstbezügliches Dichten hat einen langen, metareflexiven Bart. Erinnert sei nur an August Wilhelm Schlegels Sonett aus dem Jahr 1800, das ganz in poetologischer Manier den Titel „Das Sonett“ trägt oder Robert Gernhards ironisches Anti-Sonett mit der Schlußzeile „Ich find Sonette unheimlich beschissen“. (…)
Ich will nicht verhehlen, daß mir ein Sonettist wie Rarisch – und so ein vermeintlicher Sonettablehner wie Klünner noch viel mehr – in seinem Ton und Tun schon beinah wie ein Hobbyfunker vorkommt, der mit nerdhafter Freude Alpha-Bravo-Charlie in den Äther spricht und auf die Antwort eines Kollegen hofft. Da ist diese putzige Verschrobenheit, der Ernst bei allem Unernst, wenn es darum geht, die Form zu erfüllen und auf die Formerfüllung zu pochen. Der fachgesimpelte Streit, bei aller Ironie. Als ob Sonette besonders was für verhinderte Bastler seien, die lieber mit der Sprache hantieren als mit Kleber und Holz. Und wie die meisten Modellbauer sind auch die Sonettverfasser überwiegend männlich. Habe ich früher nicht auch Panzermodelle gebastelt?
Nummer 2:
Es gibt zu Sonetten, so beobachtete ich das bisher, immer zwei Fraktionen. Die einen, die selbst Sonette als Kunstform schätzen und weiterhin kultivieren möchten oder sich zumindest an ihr reiben. Die anderen, die damit nichts verbinden, nichts anfangen können, in ihnen allenfalls einen ewig-gestrigen Zeitvertreib sehen, eine Art „Hobbyfunkertum“. Ist „Hobby“ schon böse, weil es das Sonett in die Nähe des Kunsthandwerks rückt, ist es das „‑funkertum“ im Zeitalter des Smartphones erst recht. Es so zu sehen, sei jedem herzlich gegönnt. Allerdings muss man sich bei einer solchen Sichtweise dann evtl. nachsagen lassen, dass man die letzten 25 Jahre Entwicklung der deutsch-deutschen Poesie verschlafen hat.
1995, als die Sonette des Bändchens entstanden, mag die Beschäftigung mit der romanischen Strophenform vielleicht noch exotisch gewesen sein; heute, 2013, kommt am „tönenden“ sonetto,dem „kleinen Tonstück“, keiner vorbei. Auch anderswo werden Sonette geschrieben, man reibt sich seit Jahrzehnten auch z. B. in USA (David Lerner, s. a. Fixativ, an der 14-Zeilen-Form. Versmaß (oder nennen wir es gebundene Sprache) ist – wer jemals wirklich in die Materie eingetaucht ist – für alle Dichter immer (noch) Thema, ob nun freie Form oder nicht, und von Marion Poschmann über Lars Reyer bis Ann Cotten hat dieses Klanggedicht in jüngster Zeit Konjunktur. Auch in Steffen Popps kürzlich erschienenem Gedichtband Dickicht mit Reden und Augen geht es um die 14-zeilige Form, die immer wieder zu Spiel und Auseinandersetzung reizt. Deshalb erstaunt diese Geste umso mehr, mit Gernhardt und Schlegel im Gepäck oberflächlich abzuwinken. Wie offenkundig! Wie fad!
Beide stehen bei Fixpoetry, Stimme 1 ist von Christian Kreis und Stimme 2 von Armin Steigenberger. Wer hat recht? Man kann ausm Bauch entscheiden, beschissen oder nicht, oder die so materialreiche wie preiswerte Anthologie lesen. Wo man mittellange (14 Zeilen a 10/11 Silben) und kürzere findet. Wie dieses kürzeste Sonett aus nur 14 Silben (und immer noch gereimt, siehe da! und sagt auch noch was!):
Lothar Klünner:
DEM HALBTIER
Zwo-
mal
Mo-
ral?
So
zahl
to-
tal!
Barst? –
Irrst
schwer:
Sparst.
Birst
eh’r.
19. Mai 1995
Klaus M. Rarisch, Lothar Klünner und Andere: Hieb- und Stichfest. Eine Tenzone in Sonetten, 60 Seiten, 2. leicht vermehrte Auflage 2012, ISBN 978-3-942901-06-2, 8 Euro, Reinecke & Voß Leipzig 2012
Ein Bericht über die zweite Vorentscheidung des Münchner Lyrikpreises 2013/14 ist jetzt online.
Die vier Juroren : Bettina Hohoff, die Herausgeberin der Neuen Sirene, Florian Voß, Lyriker und Verleger der Lyrikedition 2000, Carl Christian Elze, Sieger des Lyrikpreises München 2010, sowie Àxel Sanjosé, Lyriker und Lehrbeauftragter der Universität München.
Das Protokoll referiert im Detail öffentlich vorgetragene Pro- und Kontraargumente der Juroren zu den Autoren. Ich zitiere hier anonymisiert einige „Stellen“, aus denen vielleicht ersichtlich wird, daß nicht jeder froh sein wird über etwas Transparenz.
Dies lobte er, tadelte jedoch die Gefälligkeit, derer sich die Autorin beim Schreiben befleißige. Er habe sich gefragt, ob hier Kitsch geschrieben werde oder ob nicht doch Kitsch konterkariert werden solle. Für letzteres habe er jedoch zu wenig Signale gefunden.
N.N. hob eine konstante Sprachhaltung hervor, drohte jedoch auch damit, an manche Wörter mit dem Rotstift herangehen zu wollen.
… er fügte hinzu, die Gedichte entbehrten jeglicher Rätselhaftigkeit. Danach breitete sich für eine Minute betretenes Schweigen aus. Die Länge dieses Schweigens war immerhin rätselhaft…
N.N. schloß die Diskussion mit den Worten ab: die leere Form des Sonetts bleibt stehen.
schau dich an, deine zifferblättrige Haut – wie spät bist du? nicht nach, nicht vor – die Uhr geht genau nach dir
/ Hansjürgen Bulkowski
Er starb am Donnerstag schwimmend vor der Küste des sizilianischen Ortes Mondello im Alter von 78 Jahren an einem Herzinfarkt. Die Staatssicherheit in der DDR, die dafür sorgte, dass Rohleders Theaterstücke nicht aufgeführt werden durften, führte den Viehpfleger in der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) als “ Beckett vom Bauernhof“ und hielt in den Akten fest: “ Vorsicht, er könnte ein zweiter Kunze werden.“
Kurz vor dem Ende der DDR setzte Heiner Müller durch, dass Rohleders Stück “ Das Fest“ an der Berliner Volksbühne uraufgeführt wurde. Rohleders Stücke umkreisen das Thema Entfaltung und Zerstörung von Individualität in einer totalitären Welt. (…)
Im sizilianischen Mondello fand der Dichter aus Waltersdorf bei Greiz ein zweites Zuhause und italienische Künstler, die seine Stücke ins Italienische übersetzten, darunter ein so genuin-thüringisches Werk wie “ Die Neuberin“.
Für den sizilianischen Komponisten Joe Schittino schrieb Rohleder Libretti, so wie für dessen Ätnea-Lieder. In Zusammenarbeit mit Schittino entstand das Oratorium „Wenn Wasser zu Stein wird“, die Geschichte von Mödlareuth, einem Ort, in dem der Bach bis 1989 die Grenze zwischen der Bundesrepublik und der DDR war. Dieses Oratorium wird mit Hilfe der thüringischen Landesregierung 2014 von der Vogtland-Philharmonie zum 25. Jahrestag des Mauerfalls in der Greizer Stadtkirche uraufgeführt.
Rohleder wurde 2011 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. In Wuppertal hat sich die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft für Lesungen und Aufführung der Werke Rohleders eingesetzt. Zurück bleibt Rohleders erster und letzter Gedichtband über sein Leben in Italien.
Klaus Rohleder wird am Ort seiner Familie in Waltersdorf beerdigt.
/ Jürgen Serke, Ostthüringer Zeitung
Roughbooks fokussieren (fast) ausschließlich den Inhalt. Urs Engeler vertreibt im gleichnamigen Verlag die momentan 28 Roughbooks nach einem neuen, erfolgsversprechenden Konzept: Die Titel sind vornehmlich über die Verlagshomepage zu beziehen. Sie werden losgelöst von den Mechaniken des Literaturbetriebs verkauft. Die Vorteile liegen auf den Händen von Autor, Leser und Verlag.
Eine Bühne. Ein Tisch. Fünf Stühle. Eine Ständerlampe. Eine Flasche Rotwein. Weingläser. Ein Glas Whiskey mit Eis, vermutlich Jim Beam. Eine Packung Marlboro Rot, Box. Mikrofone. Urs Engeler stellte die vier anwesenden Autoren vor. Es waren dies:
Dagmara Kraus, Lyrikerin und Übersetzerin
Michael Stauffer, Dichterstauffer
Bruno Steiger, Schriftsteller, Essayist und Kritiker
Christian Filips, Lyriker, Dramaturg und Performer
Alternierend lasen die Autoren nun aus ihren Werken. Spannend und eindrücklich war der Einblick in das Schaffen der in doch unterschiedlichen Genres arbeitenden Künstler. Von Poesie, Improvisation, möglichem Unmöglichen, Experimentellem bis hin zu echter, wohlgemeinter Lebenshilfe reichte der Bogen. Aber auch sehr viel Lehrreiches aus der Tierwelt (Ameisen, Hühner) verwöhnte die Ohren und den Geist – ernst wie witzig. Urs Engeler hat Auszüge aus einem kommenden Werk von Ulf Stolterfoht vorgetragen und zeitgleich Korrektur gelesen (!). Als Zugabe las Christian Filips neuen Stoff und Urs Engeler verteilte Roughbooks.
Die Abendjury, bestehend aus
wählte am 13. September
ins Finale des Lyrikpreises München 2013.
Den Juroren fiel die Auswahl schwer, und sie bedauerten, aufgrund des hohen Niveaus aller Beiträge, sich für eine Auswahl entscheiden zu müssen.
Damit sind bis jetzt ins Finale gewählt:
Die Einreichfrist für die dritte und letzte Lesung ist der 30. Oktober 2013.
Warum ist Eckard Sinzig nicht halb so berühmt wie andere Dichter, trotz viermal größerem Wortschatz und Themenradius, wirklichem Lebensdrama sowie Wunderkindstatus: Rowohlt brachte vor über 25 Jahren den Roman eines 25jährigen:Idyllmalerei auf Monddistanz, ein Faustschlag in die übliche bläßliche Landschaft; vier weitere Romane kamen, ja Bestseller: Die Jungfrauenhatz, deren weitere Ausbreitung Sinzigs darin bloßgestellter Vater juristisch stoppte, woraufhin Sinzig junior als der inzwischen ebenfalls vergessene Dirk Zaesing weiterschrieb.
Nach seinem vierten, völlig ausgeflippten Roman Die Unterseiten der Oberschenkel, Meta-Pornographie für Erleuchtungsmonster, platzte der Wortspei-Berserker vor Literaturverachtung, versank tief im Buch des Lebens, bereiste 166 Länder, lebte jahrelang in Maharadschakreisen, arbeitete als Manager in Kikkomanistan und publiziert, jenseits seines literarischen Karriereknicks, auf der Basis seiner fast unauftreibbar vergriffenen Romane, urplötzlich einen Lyrikband, voll von Jumbotassen, Fruchtzwergen, Disketten-Rollboxen, Kropfträgern, Euterbeißern, voll von Butterspargel und Seidenmalerei, hinter denen Strengstoff und Inferno wühlt, voll von Dickdärmen, die als Paste am Schornstein kleben. Die Gedichte heißen Das Elend der Rendezvouz, oder:Die kalte Qualle im Hochzeitsbett. Oder auch Letzter Ausweg Ruhrgebiet, Kunstgriff bei drohender Vertierung, und spucken seltsame Zeilen aus: »Ich bin nicht euer Hans-Otto«, oder: »Halten Sie Geist für waschbar?« Oder: »Auch Mörder benutzen Mundwasser«. Kaum guckt das lyrische Ich dieser Lyrik, zusammen mit ihrem Autor Eckard Sinzig, in eine mexikanische Zeitung, erblickt er programmatisch das Foto eines Rekordrauchers, der mittels herausgebrochener Zähne und aufgespleißter Mundwinkel achtzig Gipszigaretten in seinem Kopfbereich freihändig unterbringt. Da empfindet einer Sympathie für Amokläufer, bewundert die Schönheit von Einschußstellen, hat das Zeug zum Massenmörder und sitzt brav auf seinem Geranienbalkon; da ist einer Nihilist und kämpft hierbei mit einem bäurisch gesunden Appetit. / Ulrich Holbein, karawa.net
Dass die Königsdisziplin der Literatur, die Lyrik, vom Buchpreis ausgeschlossen ist, zeigt nur, dass man ihm nicht allzu sehr vertrauen sollte.
Sagt Ulrich Greiner, Die Zeit.
Und fügt hinzu:
Wenn die erfolgreichen Schriftsteller ohnehin ihren Weg machen, wer also braucht diesen Preis, den es seit 2005 gibt und den eine jährlich wechselnde siebenköpfige Jury verleiht?
Zunächst brauchen ihn die Buchhändler. Im Jahr 2012 sind sage und schreibe 14.838 belletristische Neuerscheinungen auf den Markt gekommen. Niemand kann das alles lesen.
Und den altmodisch gebildeten Buchhändler, der seiner Nase und seiner literarischen Kennerschaft vertraut, gibt es immer weniger. Der Buchhandel ist das Nadelöhr. Was hier nicht hindurchgeht und auf dem Ladentisch seinen Platz findet, hat nur eine marginale Chance auf Erfolg. (…)
Wer den Buchpreis außerdem braucht, sind die Medien. (…) Alle Zeitungen, Magazine und Sender werden jetzt die sechs Autoren – es sind Mirko Bonné, Reinhard Jirgl, Clemens Meyer, Terézia Mora, Marion Poschmann und Monika Zeiner – filmen und fotografieren, rezensieren und porträtieren.
Der 1969 geborene Lyriker Hendrik Rost versteht unter Schreiben sogar ausdrücklich ein Totengespräch. „Ad plures ire“ – zu den Vielen gehen – hat er einmal ein Gedicht betitelt und die lateinische Wendung, mit der die Römer das Sterben umschrieben, zum Prinzip der Poesie schlechthin erklärt. Jeder Vers fügt sich für ihn in „ein Dauermurmeln, das plötzlich an unvermuteter Stelle neu ansetzt“.
Dazu gehört, dass ihm auch die Idee des Zu-den-Vielen-Gehens erst durch Walter Benjamin zugewachsen ist. Und dazu gehört, dass „Ad plures ire“ ein den Tod beschwörendes Motto des Russen Ossip Mandelstam trägt. Doch Hendrik Rosts Gedichte waren nie schwer und schwarz, sondern bei allen Melancholien immer licht und transparent. Sie waren überdies stets voraussetzungslos zugänglich. Das gilt auch für seinen sechsten Lyrikband „Licht für andere Augen“, der in drei Abteilungen 66 Gedichte enthält und ihn auf der Höhe seines über die Jahre erworbenen Könnens zeigt. Wo er früher auf den Schultern literarischer Riesen gelegentlich über Prätentiöses stolperte, da geht er heute durchweg elegant – und auf Zehenspitzen. / Gregor Dotzauer, DLR
Die Academy of American Poets Prizes vergab ihre diesjährigen Preise im Gesamtwert von über $200,000 an:
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