Am 22. November wurde Hans Bergel im vollbesetzten Ausstellungssaal des Gerhart-Hauptmann-Hauses in Düsseldorf der nach Andreas Gryphius (1616-1664) benannte Große Literaturpreis der KünstlerGilde von deren Vorsitzendem, Prof. Dr. Wolfgang Schulz, überreicht. Der Direktor des Hauses, PD Dr. Winfried Halder, hatte die Gäste begrüßt, die Berliner Historikerin und Germanistin Renate Windisch-Middendorf hielt die Laudatio. Bergel sei „Zeitzeuge u n d Chronist des 20. Jahrhunderts“, sagte sie einleitend, „sein Werk erwächst aus leidenschaftlicher u n d genauer Befragung autobiografischer Erfahrung“. Sie nannte Bergel einen „Sprachvirtuosen“, einen „Sachwalter des Kulturgedächtnisses“ und seinen Roman „Die Wiederkehr der Wölfe“ (2006) ein „polyhistorisches Erzählwerk als Epochenanalyse“. Sein gesamtes Werk sei als „Schreiben gegen das Vergessen“ zu verstehen. Bergel, der als erster Siebenbürger Sachse den Gryphius-Preis erhielt, dankte mit einer Ansprache.
Einige Autoren sind nicht nur Wanderer mit Doppelblick aus zwei Systemen in Rumänien und Deutschland, sondern interferieren auch zwischen der Welt der Siebenbürger Sachsen und der Banater Schwaben: Horst Samson, der im Bărăgan geboren, im Banat aufwuchs und in Siebenbürgen zur Schule ging, oder Ilse Hehn, im Banat geborene und in Mediasch tätige Lehrerin, auch sie ist eine Schriftstellerin zwischen zwei Welten, ebenso Franz Heinz, der vom Banat nach Österreich evakuiert wurde und nach dem Studium in Bukarest als Redakteur des Neuen Weg tätig ist.
Diese Autoren sind nicht nur Banater oder Siebenbürger, sie sind auch Wanderer zwischen verschiedenen Welten, Kulturen, Traditionen und Systemen. So schildert Hans Bergel in „Der Barackentrottel“ und „Der Major und die Mitternachtsglocke“ Erlebnisse aus der politischen Haft an der Donau. Klaus Hensel analysiert in seinen Gedichten „Beschnittenes Leben“, „Versimstes Glück“ oder „Der Koffer meiner Mutter“ oder „Taxi“ Erinnerungen, Reflektionen auf Reisen. Franz Hodjak ist angekommen in „Riemenschneiders Heilig-Blut- Altar“, im Blau der Bilder von Yves Klein, im Gedicht „Ausführung“ oder bei den „Walen“ Tomi Ungerers.
Rolf Bossert, dessen tragischer Tod bekannt ist, ist in der Anthologie mit seinem Gedicht von „Einem, der nie ankam“ vertreten und spricht vom „Niemandsland von Vaterland und Muttersprache“. Von Frieder Schuller stammt in der Sparte „Dramatik“ das Stück „Ossis Stein oder Der werfe das erste Buch“. Der kürzlich verstorbene Ingmar Brantsch ist vertreten mit einem Essay über die deutschsprachige Literatur in und aus Rumänien. (…)
Siebzehn Autoren der von Horst Samson, Generalsekretär des Exil-P.E.N., herausgegebenen Anthologie „Heimat – gerettete Zunge“, davon neun Siebenbürger, sieben Banater Dichter und eine Literaturdozentin, schildern „bestimmte Einblicke in politisch brisante Phasen der rumänischen Nachkriegsgeschichte“, die „repressiven Erfahrungen mit dem kommunistischen Regime“, „Geschichten aus dem Hinterland“, die „dörfliche Gemeinschaft“ aus einer „untergehenden Welt, die längst ihre magische Anziehungskraft verloren hat“ – so Wolfgang Schlott, Vorsitzender des Exil P.E.N.-Clubs, im Vorwort. Die Autoren der „poetisch verdichteten Reflexionen“ sind: Hans Bergel, Ingmar Brantsch, Walter Engel, Franz Heinz, Ilse Hehn, Klaus Hensel, Franz Hodjak, Johann Lippet, Peter Motzan, Gerhard Ortinau, Horst Samson, Helmut Seiler, Olivia Spiridon, Dieter Schlesak, Frieder Schuller, Balthasar Waitz, Renate Windisch. (…)
Samson, der in seinem Gedicht „Pünktlicher Lebenslauf“ den Blick des Vaters mit jenem des Sohnes vereint, wird zum Mitwisser der Erlebnisse und des Schweigens, wie seinem Prosastück „Exkurs über die Endlosschleife“ zu entnehmen ist. Ilse Hehn, die zurückkehrt nach Temeswar, reflektiert: „T. eine Stadt wirre Ver/ flechtungen das Wort nicht auf/ gehoben vermisst ein/ Grinsen…“. Horst Samson nimmt in „Die Vermessung der Traurigkeit“ Abschied von „Wörtern,/ Landschaften,/ Vom Schicksal der Vögel,/ Dem Wind“ und von der Heimat, der „alten Welt“, die er verlässt. Sein Kopf wird zur „Urne der Erinnerungen“.
(…) Viele Autoren pflegen den Doppelblick und gelten zu Recht nicht als Heimatdichter. Die deutschen Autoren aus Rumänien hingegen sind nicht nur Doppelblickende, sondern haben auch Doppel-Lebensläufe; sie sind „Dolmetscher einer Erfahrung“, wie Peter Motzan im Essay „Eine Erfolgs- und /oder eine Endzeitgeschichte?“ zitiert.
Horst Samson (Hrsg.): „Heimat – gerettete Zunge. Visionen und Fiktionen deutschsprachiger Autoren aus Rumänien. Eine literarische Begegnung“ (mit einem Vorwort von Prof. Dr. Wolfgang Schlott), Ludwigsburg Pop-Verlag 2013, 373 Seiten, Preis: 25 Euro. ISBN: 978-3-86356-051-5.
Grossartig! Der Perlentaucher initiiert unter der kundigen Kuratel von Marie Luise Knott eine Lyrik-Kolumne – noch ein Beleg dafür, dass die Poesie, vorab die zeitgenössische, bei den Medien, auch den neuen, an Terrain und Interesse gewinnt. Und grossartig doch, wieviel Positives die Kolumnistin von ihrem „Streifzug durch das lyrische Jahr 2013“ zu berichten hat, nicht nur über die von ihr ausgewählten Autoren und Texte, nein, über Dichtung schlechthin.
Dichtung, so wird uns hochgemut mitgeteilt, kann so gut wie alles – sie vermag „die Zeit aufzuheben“, lässt uns „ins Fantasieren geraten“, sie bewirkt, dass uns beim Lesen „das Glück befällt“, sie „lässt Worte, Bilder, Gedanken gehegt wuchern“, und was sie „mit ihrer Sprache berührt, wird lebendig“. Und ja – da verlässt ein Dichter seine „Versschmiede“ und geht (frei nach Baudelaire) „in den Zauberwald der Sprache mit der Absicht, sich … zu beleben“!
Das alles grenzt an Magie. Hier soll, allen Ernstes, die Macht der Poesie bezeugt werden, Wirklichkeit nicht bloss in Worten vorzuführen, sie vielmehr in Tat und Wahrheit zu erschaffen. Sieben recht verschiedenartige Autoren hat Marie Luise Knott bei ihrem Streifzug aufgegriffen, doch alle – ob Zeitdiagnostiker oder Naturlyriker, Bildungskrämer oder Sprachakrobaten ‒ scheinen gleichermassen zu bestätigen und zu liefern, was sie sich im Umgang mit Gedichten als „ein Ereignis von Lust und Freiheit“ erhofft: Poesie soll „in aller Schönheit eine Störmaschine“ sein.
Auffallend ist nun aber – und dies betrifft schon eher die Dichter als deren geneigte Leserin ‒ , dass sich die vielen herbeizitierten Verszeilen trotz unterschiedlichster Intention in ihrer Machart wie in ihrer Gesinnung kaum von einander abheben. Vorherrschend ist ein Kammerton, der zwischen Plaudern und Raunen seinen Hallraum findet – zwischen lyrischen Versatzstücken wie diesen: „Es ist warm und ich rieche Regenschauer. / Der Barhocker dreht sich. Wenn ich mein Bein bewege.“ – „gezeichnetes gelände in gestundeter seligkeit der verwahrlosung.“ – „Warum tanzte ich nicht auf den Champs Elisées / als die Menge mit Hurrarufen das Kriegsende begrüsste?“ – „Die Welt der Türrahmen, Flure, Treppenhäuser und Wege … wie ein Widerschein des Mondes in dunklem Wasser.“ – „Wir fanden Freude am Geplänkel / wir lösten im Auto den Augen die / Binde und den Worten die Fesseln …“ – „Jetzt müssten die Kirschbäume blühen, dass es heisst: wieder und wieder.“ – Oder auch: „pop! geht das wiesel, kanister mit diesel, stiefel voll blut, pop, pop!“ Usf.
Marie Luise Knotts durchweg wohlwollende Einzelhinweise auf Stolterfoth, Lindner, Egger, Kennel, Kinsky, Mort und Hartwig können für zeitgenössisches, zumal deutschsprachiges Dichten als einigermassen repräsentativ gelten, doch sie liessen sich auch – mit den gleichen Worten – auf (zum Beispiel:) Popp, Krüger, Scheuermann, Bossong, Bleutge, Falb oder Rost beziehen. Geplaudert wie geraunt! Und … aber wer hat noch was mitandern, also eigenen Worten zusagen?
Tom Bresemann: Du beschäftigst dich mit langen Gedichten. Nach Walter Höllerers Thesen zum langen Gedicht wird in ihnen und ihrer »Art sich zu bewegen und da zu sein … die Republik erkennbar, die sich befreit«. Sind lange Gedichte für Dich Metropolen des Sprechens?
A. Becker: Eigentlich komme ich ja vom Gedicht her – das will heißen, dass ich dort in meiner Kindheit in Polen von Poesie und von Dichtern umgeben gewesen bin. Es war ganz natürlich, dass wir Gedichte geschrieben und über sie gesprochen haben. Ein Prosaautor war jemand, der im Ausland lebte oder zum Kanon der polnischen Literatur gehörte: Es waren hohe Berge und Elfenbeintürme, die uns verdächtig vorkamen. (…)
In meinem neuen Gedichtband, dessen Veröffentlichung für 2014 geplant ist, gibt es ein langes Poem von 18 Seiten, in dem ich von meiner kleinen Heimat erzähle. Ich erzähle auf drei Ebenen: privat (autobiografisch), historisch (universell irdisch) und metaphysisch (himmlisch transzendental). Der Gesang, gepaart mit dem Poem, also die Minnesängertradition und natürlich die griechischen Dichter, die auf dem Hof und auf der Straße Unterhaltung und Bildung geboten haben – das ist sicherlich eine Art der Dichtung, die ich sehr bewundere. In der ich mich wohlfühle. / Poetenladen
Dieses Gespräch und weitere Gespräche und Beiträge zum Thema in poet nr. 15
Literaturmagazin poetenladen, Leipzig Herbst 2013 232 Seiten, 9.80 Euro
Sie sei „eine Art Grand Mère der Ost-Intelligenz“, schrieb die westlich gelegene Zeit am 21.11. über Katja Lange-Müller. Moritz von Uslar sprach mit ihr im Rahmen seiner Kolumne „Auf ein Frühstücksei mit…“. Zitate:
War je eine deutsche Schriftstellerin Rock ’n‘ Roll, dann sie – so rau, präzise und unsentimental ihre Sprache, so viel gerühmt ihre Trink- und Rauchfestigkeit. Mit ihrer Berliner Schnauze kann sie ganze Kneipenrunden unterhalten.
(…)
Wer ist das, dieser Adolf Endler, von dem sie immer wieder spricht? Sie ist überrascht, dass man so offen ahnungslos fragt. „Vor allem ein großer, großer Dichter. Und ein großer Anarchist.“ Neben Clemens Meyer, der wirklich Gas gibt: Ist die deutsche Gegenwartsliteratur zu brav? „Der Meyer hält den Stab der großen Empiriker wie Wolfgang Hilbig hoch. Das macht er gut.“
Felix Philipp Ingold liest ein vergessenes Gedicht, als wärs ein fremdes:
Beim vorliegenden Text (wie überhaupt in meinen Gedichten) sind als Dominanten die Assonanz und das Paradoxon auszumachen, beides ist für meine poetische Rhetorik gleichermassen bestimmend. Die Assonanz wird, ausgehend von einem beliebigen Leitwort, als Klangentfaltung bewerkstelligt, das Paradoxon gibt dem Widersinn eine gleichsam definitorische Bedeutung. Allein an diesen Charakteristika kann ich mein vergessenes Gedicht als meinen Text wiedererkennen. Für dessen aufwendige, stellenweise vielleicht etwas aufdringliche Instrumentierung werden auf engem Raum so gut wie alle dafür sich anbietenden Möglichkeiten genutzt – die einfache Lautähnlichkeit, die Paronomasie, der Gleichklang, der Stabreim. Assonantisch sind in diesem weiten Verständnis Klangverbindungen und Echoklänge wie ähnlich :: nämlich; nährt :: nähert; Schwester :: Schwere :: Begehren; nährt :: wehrt ::währt; Luft :: Lust :: (ent)lässt usf.
Mit den Klangähnlichkeiten kontrastieren die hier gehäuften paradoxalen Wortverbindungen und Metaphernbildungen, z. B. „fremd ist was sich berührt“; „Entferntes so ähnlich“; „kostet Gabe“; „keine Lust ihr Lachen nicht entlässt“; „Sieg und Schmerz“; „eine Nacht wie Wir hereinbricht von unten“ usf. Aus der Spannung zwischen harmonischer beziehungsweise harmonisierter Klanggestalt und entschiedenem Widersinn ergibt sich die poetische Eigenständigkeit und Unverwechselbarkeit des Gedichts, dessen Qualität sich darin allerdings nicht erschöpft. Die hier erwähnten technischen Daten und Verfahren seiner Herstellung machen aus ihm noch lange kein Meisterwerk. / Mehr bei Planet Lyrik
“Mittagswut”, Lesung mit Felix Philipp Ingold. Musik Heinz-Erich Gödecke im Greifswalder Koeppenhaus, 27.11.
27.12.2013, 22:58 Uhr · Kann man beschreiben, was nachts auf der Tanzfläche in einem vorgeht? Die Dichterin Martina Hefter kann es. Jan Wagner tanzte als Kind mit der Mangelwäsche. Wie das ging, steht hier auch.
Der Winter, nicht der Sommer birgt die schönsten Tage zum Lesen von Gedichten. Es ist früh dunkel, es ist kalt, Weihnachten ist vorüber. Aber Sylvester scheint noch weit zu sein, das neue Jahr ein Phantom. Nichts und niemand könnte uns ablenken. Die Zeit steht still. Jesus liegt in seiner Krippe, die Theater spielen bloß Komödien. Die Museen sind zu voll. Der Baum duftet. Wir wollen nichts essen und nichts kaufen und nichts einlösen und nichts umtauschen. Wir wollen nur lesen. Wir wollen nur Gedichte.
Von Martina Hefter und Jan Wagner stammen die hier wiedergegebenen Gedichte. Es sind Tanzgedichte! Wenn auch auf sehr verschiedene Weisen. Den Werken sind biographische Hinweise vorangestellt. / Wiebke Hüster, faz.net
Zu Unrecht gehört sie zu den weniger bekannten Autoren Deutschlands. Ihr Revier war die Spreewelt rund um Erkner. Deren herber Glanz findet sich in ihren schönsten Gedichten. Nun ist Helga M. Novak „äußerster Gewalt“ gewichen. Ein Nachruf von Gert Loschütz, FAZ.net 26.12.
Dass sie im alten Westen nicht so bekannt ist, wie sie es hätte sein können, oder so, wie ihre Freundin Sarah Kirsch es war, hat wohl seinen Grund darin, dass sie sich immer wieder entzog. Mit fünfzehn meldete sie sich selbst auf einem Internat an, das zugleich Kaderschule war. Einer lupenreinen DDR-Karriere hätte nichts mehr im Weg gestanden, wäre das trotzige Kind nicht mit jener scharfen Beobachtungsgabe geschlagen gewesen, die es den Widerspruch zwischen Propaganda und Wirklichkeit rasch erkennen und bald auch spitzzüngig kommentieren ließ.
Wer wissen möchte, wie junge Menschen, die nach der Erfahrung mit dem Nazifaschismus ihre Hoffnung auf den Sozialismus setzten, die ersten DDR-Jahre erlebten, lese „Vogel Federlos“, das zweite ihrer autobiographischen Bücher, das eine solche Fülle von Material enthält, dass ich mich beim Wiederlesen fragte, wie es ihr gelungen ist, alles das über die Zeit zu retten. Parteitagsbeschlüsse, Lehrpläne, Auszüge aus Zeitungen, Reden und Flugblättern, alles hat Eingang in dieses verrückte Buch gefunden. (…)
Nein, die Autorin Novak existierte und existiert einfach nicht: wenn man so will, ein Sieg der den Staat überdauernden Totschweigestrategie des MfS, und als nach dem Untergang der DDR ihre Bücher endlich erscheinen konnten, gab es an den Erfahrungen der Ausgewiesenen und Weggegangenen, deren bloße Existenz ein stiller Vorwurf war, kein Interesse mehr.
Dabei ist sie die große Dichterin der Mark, die Einzige, die Peter Huchel das Wasser reichen kann. Wie er in der Havellandschaft verwurzelt ist, ist sie es in der Spreewelt rund um Erkner. „Löcknitz Werlsee Peetzsee Möllensee und Grünheide“, das ist ihr Revier, ihre Gegend, der sie die schönsten (fast immer aus Trennungsschmerz geborenen) Gedichte gewidmet hat. Hierher ist sie, „ausgerüstet mit einem falschen Pass“, immer wieder zurückgekehrt, hier, schwor sie, „bleibe ich und weiche nur noch äußerer Gewalt“.
I open every spring with a garden more precisely laid out and cared for than the year before, and by the end of summer it’s collapsed into a tangle of weeds, bugs and disorder. Here’s Gabriel Welsch, a poet from Pennsylvania, carrying a similar experience right into winter.
A Garden’s End
Forsythia, scaled and bud-bangled,
I pruned to a thatch of leaves
for the curb, by the squirrel-gnawed
corn, silk strewn, kernels tooth carved
and husks shorn over the ground
pocked with paw prints.
The borers mashed the squash vine,
the drought tugged the roots of sage,
catmint languished by the sidewalk,
tools grew flowers of rust.
That winter we left our hope
beneath the snow, loved through the last
of the onions, watched the late leeks freeze
to crystal, bent like sedges, their shadows
on the snow. That winter we left
our hope beneath the snow.
Demonstrationen finden nur noch in kleinem Umfang am nahegelegenen Galatasaray-Platz auf der Mitte der Istiklal Caddesi statt, und sobald ein paar Leute sich versammeln, Transparente zeigen, Slogans rufen, baut sich die Polizei vor ihnen auf: Wasserwerfer, Mannschaftsbusse, Gewehre für Plastikgeschosse und Tränengasgranaten im Anschlag. Das Drohpotential ist permanent sichtbar.
Mitte Dezember lässt man eine kleine Demo gewähren, doch als die Kundgebung vorbei ist und die Gruppe sich auflöst, schlägt die Polizei ohne Vorwarnung zu, jagt eine Handvoll Protestler die Gassen zum Tarlabasi Boulevard hinab und ballert auf der vierspurigen Straße mit Tränengas um sich. Eine Woche später kommen rund zweihundert Menschen im Gezi-Park zusammen, um der Toten vom Sommer zu gedenken. Sie werden mit Tränengas und Wasserwerfern verjagt, einige werden vor dem Divan Hotel verhaftet. Im Sommer hatten dort Hunderte Schutz gefunden. Die Koc Holding, die das Hotel betreibt, hat nun die Steuerfahndung am Hals. Erdogans Retourkutsche für Zivilcourage.
Die Stimmung unter jenen, die im Sommer so voller Hoffnung auf den Straßen für mehr Demokratie eintraten, wirkt resigniert. Jede kleine Demonstration wird von der Polizei attackiert, um zu verhindern, dass aus 20 doch wieder 2000 werden, wenn man sie in Ruhe lässt. Gegen hunderte Gezi-Protestler wird Anklage erhoben, immer wieder gibt es Razzien und Verhaftungen, Journalisten werden gefeuert oder massiv unter Druck gesetzt, in keinem Land der Welt sitzen laut Reporter ohne Grenzen so viele Journalisten in Haft wie in der Türkei, nicht einmal Iran und China können da mithalten. / Gerrit Wustmann, heise online
Gott steht über allem, auch in der Liebe. Sex vor der Ehe gibt es nicht. Ägypten ist ein Land, wo Moral und Sitte eine grosse Rolle spielen. In diesem traditions-bewussten Land geben 83 Prozent der Frauen an, schon einmal sexuell belästigt worden zu sein.
Als ihre Freunde und Kollegen wollen wir Sie darauf aufmerksam machen, dass die Lyriker und Aktivisten Fateme Ekhtesari und Mehdi Moosavi seit dem 7. Dezember verschwunden sind. Es wurde bestätigt, dass die beiden sich seit Heiligabend in dem berüchtigten Evin-Gefängnis im Teheran befinden.
Fateme Ekhtesari, geboren 1986, ist Teil des 2013 initiierten Literaturaustauschs “Eine Widerstandsbewegung auf meinem Schreibtisch”, in dem sechs Lyrikerinnen aus dem Iran und sechs Lyrikerinnen aus Schweden gemeinsam die persischen Gedichte ins Schwedische übersetzt haben. Die Zusammenarbeit führte zu einer Ausgabe der Zeitschrift ”Kritiker” mit dem Thema persische Gegenwartspoesie sowie Poesiefestivals in Stockholm und Göteborg im September. Bei der Rückkehr wurde Fateme verhaftet und stundenlang verhört, ihr Facebook-Account wurde gehackt und ihr Blog gelöscht.
Am 6. Dezember war Fateme gemeinsam mit ihrem Lehrer in kreativem Schreiben, dem 1976 geborenen Lyriker und Aktivisten Mehdi Moosavi, auf dem Weg in die Türkei. Am Flughafen wurde ihnen mitgeteilt, sie hätten Ausreisevorbot und wurden zu einem Verhör am folgenden Tag vorgeladen. Sie entschieden sich, nicht zum Verhör zu erscheinen. Einige Stunden später waren sie verschwunden. Seitdem hat niemand etwas von ihnen gehört. Am 24. Dezember bestätigten Quellen innerhalb des Evin-Gefängnis, sie befänden sich dort. Kontaktieren Sie bitte die Administratoren für weitere Informationen und Vermittlung der Kontaktangaben. Bitte machen Sie auf alle Ihnen möglichen Wegen auf diese Veranstaltung aufmerksam.
Wir würden uns wünschen, dass sie alle Ihnen verfügbare Kanäle und Foren benutzen, um von der Situation der Autoren zu berichten. Die Angehörigen von Fateme und Mehdi haben sich entschieden, die Außenwelt mit lauter Stimme darauf aufmerksam zu machen, was gerade passiert.
Dieser Text findet sich auf Schwedisch, Englisch, Deutsch, Spanisch und Persisch auf einer schwedischen Facebookseite. Unter den Kommentaren auf der Seite auch u.a. ein Gedicht beider Autoren auf Tschechisch und Englisch.
Perhaps you’ve experienced the sudden, unsettling intimacy of putting on somebody else’s jacket and finding a wad of tissue in the pocket. Here’s a fine poem by Debra Nystrom, raised in South Dakota and now teaching in Virginia.
Little Parka
Dream of Mom’s red parka gone—
someone stole it right out of the closet
of the burned-down house—what
good could it do anybody else, broken
zipper that always got caught,
she’d jimmy it loose, just part
of putting it on—and she was so tiny,
the arms too short even for me,
too-tiny gloves in the pockets, thumbs
stubby, practically useless to anyone
but her—they deserve it if they shove in
a hand, find the tissue she used and then
left there who knows which cold day,
what she needed it for, or why.
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