2 Nachrichten. Der iranische Menschenrechtsaktivist Karim Dahimi berichtet auf Akhbar Rooz (Köln), dass der iranisch-arabische Exil-Dichter Seyyed Moussa Moussavi (auch Seyed Mousa Mousavi) am 6. März in Beuningen (Holland) von Unbekannten (Agenten des Regimes) entführt und in einem Haus entkleidet, fotografiert und mit Elektrokabeln gefoltert worden ist. Laut Moussavi sagten die Entführer, „Hatten wir dich nicht vor kurzem gewarnt?“
Moussavi hatte an der Uni Hamburg eine Lesung seiner arabischen Gedichte abgehalten und erhielt darauf eine telefonische Drohung. Er gehört zur verfolgten Minderheit der Araber aus Ahwas (SW-Iran), die vom iranischen Regime des Separatismus beschuldigt werden.
http://www.akhbar-rooz.com/news.jsp?essayId=58819
Für diese Nachricht gibt es bisher nur eine Quelle. Ein Namensvetter wurde kürzlich in Ahwas verhaftet, es könnte sich aber auch um zufällige Namensgleichheit handeln. http://iranhr.blogspot.de/2014/02/prisoner-record-created-mousa-mousavi.html
Jedenfalls hat Akhbar Rooz ein Foto des Dichters veröffentlicht.
2. Oppositionelle syrische Schriftsteller haben in London einen Exilverband gegründet:
Heute (11.3.) übernimmt Holger Pils das Lyrik Kabinett in der Amalienstraße. Zum Start stellt er Mittwoch, 19.3. den Dichter Tuvia Rübner vor. Für AZ-Leser hat er ein (sehr kurzes) Gedicht schon einmal interpretiert
Über die Flüchtigkeit des Lebens
Noch
Nicht
Mehr
Tuvia Rübner
Kürzer geht’s kaum. Ist das überhaupt ein Gedicht? Die Fragen, die wir uns üblicherweise stellen – nach Metrum, Vers, gar Reim – scheinen überflüssig. Der Dichter Tuvia Rübner gibt sich im wahrsten Sinne des Wortes einsilbig. Dreimal einsilbig. Aber hier fehlt nichts.
(…) Das Gedicht greift nach dem Leben mit drei Worten. Mit ihm geht es, wie mit dem Leben selbst: Kaum hat es angefangen, ist es auch schon vorbei. Etwas ist „Noch Nicht“ richtig losgegangen, da ist es auch schon „Nicht Mehr“. (…)
Rübner schreibt heute wieder auf Deutsch und Hebräisch und ist einer der großen Dichter seines Landes, in Deutschland aber noch viel zu wenig bekannt. Er kann sich immer noch wundern und schreibt atemberaubende Gedichte. Sein neuer Gedichtband heißt „Wunderbarer Wahn“.
Am Mittwoch, 19.3., stellen wir ihn um 20 Uhr im Lyrikkabinett in der Amalienstr. 83 / Rückgebäude vor: „Wunderbarer Wahn“, Tuvia Rübner zum 90. Geburtstag. Lesung: Bernhard Albers, Gespräch: Heinrich Detering und Reinhard Kiefer, 7 Euro
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
This touching poem by Dan Gerber, who lives in California, captures the memory of a father’s advice, but beneath the practical surface of that advice we can sense a great deal of emotion, which shows through a little crack at the moment the father clears his voice before continuing.
Advice
You know how, after it rains,
my father told me one August afternoon
when I struggled with something
hurtful my best friend had said,
how worms come out and
crawl all over the sidewalk
and it stays a big mess
a long time after it’s over
if you step on them?
Leave them alone,
he went on to say,
after clearing his throat,
and when the rain stops,
they crawl back into the ground.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2012 by Dan Gerber, from his most recent book of poems, Sailing through Cassiopeia, Copper Canyon Press, 2012. Poem reprinted by permission of Copper Canyon Press. Introduction copyright © 2014 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Voß will hoch hinaus und geht dafür tief hinab: Dante selbst führt, wie einst Vergil den großen Dichter, durch ein Szenario der Vorhölle oder Apokalypse, die hauptsächlich in Berlin-Kreuzberg/Neukölln angesiedelt ist (mit Ausflügen nach Kassel und Schöneweide). doch damit nicht genug, Metaphern jagen sich, kraftstrotzende Ausdrücke (die Wörter Gammastrahlung, Ziegenstiefel, Knaster, Mugge, Heliumwind, Bunker, Bomben, Wolfsquinte etc. finden sich allein auf der ersten Seite) überhäufen den Leser, der sich in einem Panorama wiederfindet, das wohl an mittelalterliche Höllenbilder gemahnen soll.
sein titelgebender Zyklus ist in der Tat ausgeflippt: eins der schrillsten Lyrikkapitel der letzten Jahre. dabei handelt es sich um eine recht beherrschte Durchgeknalltheit, um nicht zu sagen fast gemütliche. mit den Worten aus einem seiner älteren Werke: eine Odyssee im Ohrensessel. der mit Sündern, Hitler, Lenin und Totensäcken, sowie Engeln, Käfern und Teufelsautos gespickte Limbus ist auch in der Form eher konventionell. bis auf pathetisierende, meist an die Bibelsprache angelehnten Formeln und einige Reime, haben wir es mit einer deskriptiven Erzählhaltung zu tun. so schlurft Voß behäbig an all den Aussätzigen und krebsgeschwürigen Engeln vorbei, in Flipflops eben. das Kaputte, scheint er uns sagen zu wollen, ist nur da draußen. gerade diese Beobachtungshaltung, die implizite Behauptung, dass es sich nicht um traumatische Albvisionen, hieronymus’sche Versuchungen, um Kämpfe mit inneren Dämonen handelt, sondern um ein Sittengemälde, gibt dem Ganzen einen eigentümlich verschleppten Tonfall.
(…)
der Dichter Voß hat sich in diesem Band gefunden. seine Gedichte sind verschnürt zu vier kohärenten Kapiteln, die jede eine mögliche seiner Tonlagen widerspiegeln. die Sprache des Bandes ist üppig, allerdings ein bißchen schrebergärtnig arrangiert. neue Erkenntnisse wird man ebenso wenig finden wie diffizile Operationen am Wort, dafür vor allem gegen Ende sehr stimmige Atmosphären und Todesreflexionen. im Grunde, bei allen Ausflügen in den Irrwitz und die Expressivität, ist Florian Voß ein zu alt gewordener Barockdichter, der die Vanitasklage anstimmt, aber mit einer alten Gitarre vom Flohmarkt – und so, als säße man dabei in einer dieser Kreuzberger Bars mit rotem Brokat, verschnörkelten Spiegeln und ausgestopften Monstern. / Hendrik Jackson, Fixpoetry
Florian Voß
In Flip-Flops nach Armageddon
Verlagshaus J. Frank
2013 · 100 Seiten · 13,90 Euro
ISBN: 978-3-940249-78-4
Literaturlandkarten der Schweiz: Streifzüge durch das Land der Dichtung
Willkommen zu einer besonderen Entdeckungsreise! Präsentiert wird eine andere Landkarte der Schweiz, eine durch und durch literarische. An dieser erdachten, erdichteten Schweiz haben viele verschiedene Stimmen ihren Anteil: In der Schweiz geborene Autorinnen und Autoren stehen neben solchen aus anderen Herkunftsorten – Dichter und Dichterinnen, die vorübergehend oder dauerhaft in der Schweiz gelebt haben, die einen aus freiem Willen, die anderen als Flüchtlinge vor Krieg, Not und Angst. Im Zentrum steht die deutsche Literatur, ergänzt um Kostbarkeiten aus den Literaturen der französischen, der italienischen und der rätoromanischen Schweiz. Mehr
EL CIRCO
Dos atletas saltan de un lado a otro de mi alma
lanzando gritos y bromeando acerca de la vida:
y no sé sus nombres. Y en mi alma vacía escucho siempre
cómo se balancean los trapecios. Dos
atletas saltan de un lado a otro de mi alma
contentos de que esté tan vacía.
Y oigo
oigo en el espacio sonidos
una y otra vez el chirriar de los trapecios
una y otra vez.
Una mujer sin rostro canta de pie sobre mi alma,
una mujer sin rostro sobre mi alma en el suelo,
mi alma, mi alma: y repito esa palabra
no sé si como un niño llamando a su madre a la luz,
en confusos sonidos y con llantos, o bien simplemente
para hacer ver que no tiene sentido.
Mi alma. Mi alma
es como tierra dura que pisotean sin verla
caballos y carrozas y pies, y seres
que no existen y de cuyos ojos
mana mi sangre hoy, ayer, mañana. Seres
sin cabeza cantarán sobre mi tumba
una canción incomprensible.
Y se repartirán los huesos de mi alma.
Mi alma. Mi
hermano muerto fuma un cigarrillo junto a mí.
Der Zirkus
Zwei Artisten springen von der einen Seite meiner Seele zur anderen,
rufen laut und machen Späße über das Leben:
Und ich kenne ihre Namen nicht. Und in meiner leeren Seele höre ich immer,
wie die Trapeze hin und her schaukeln. Zwei
Artisten springen von der einen Seite meiner Seele zur anderen,
froh, dass sie so leer ist.
Und ich höre
höre im Raum Geräusche
ein ums andere Mal das Quietschen der Trapeze
ein ums andere Mal.
Eine Frau ohne Antlitz singt aufrecht stehend auf meiner Seele,
eine Frau ohne Antlitz auf meiner Seele, die am Boden liegt,
meine Seele, meine Seele: Und ich wiederhole dieses Wort,
weiß nicht, ob wie ein Kind, das seine Mutter ans Licht ruft,
in verworrenen Lauten und weinend; oder aber einfach
um so zu tun, als habe es keinen Sinn.
Meine Seele. Meine Seele
ist wie harte Erde, auf der sie herumtreten, ohne sie zu sehen:
Pferde und Kutschen und Füße, und Wesen,
die es nicht gibt und aus deren Augen
mein Blut fließt, heute, gestern, morgen.
Wesen ohne Kopf werden auf meinem Grab ein unverständliches Lied singen.
Und sie werden die Knochen meiner Seele unter sich teilen.
Meiner Seele. Mein
toter Bruder raucht eine Zigarette neben mir.
(aus dem spanischen: à.s.).
zu Leopoldo María Panero siehe #30
Keine Ahnung, aus welchem Milieu Ralf Bönt stammt. (War das nicht der Kämpfer für den unterdrückten Mann?) Jedenfalls gibt er sich redlich Mühe, Florian Keßler („Die [Klein][Bürgerkinder] Schriftsteller beschreiben das Milieu, das sie am besten kennen“) ins Recht zu setzen. Bönt lebt seit 20 Jahren in Ostberlin und beschreibt dem Hamburger Weltleser die Zustände im Kapitalismus des Ostens, der ganz anders als der gute alte westliche ist. Er hat es selber erlebt. Anfangs war das noch spannend:
Es war eine herrliche Zeit. Mit den anderen Redakteuren der Literaturzeitschrift „Konzepte“ traf ich mich kurz vor Mitternacht in der Kommandantur am Wasserturm im Prenzlauer Berg, und gegen eins kam Bert Papenfuß-Gorek herein, sah mich und brüllte: „Heil Hitler! Was willst du denn hier?“ Er gab die „Sklaven“ heraus, ein Anarchistenblatt. Die Sommer waren oft warm, und wenn die Sonne aufging, tranken wir ein letztes Bier auf der Straße, irgend jemand warf sich auf die Pflastersteine, breitete Arme und Beine aus und rief: „Warum nach Rom fahren?“
Lang ist das her. Die Sklaven probten den Aufstand, aus Sklaven wurden Gegner und dann vielleicht wieder was andres. Bönt hat nichts davon mitgekriegt, weil brave Kinder keine Anarchistenblätter lesen, das tun die nicht! Er hat nur gehört, daß Papenfuß in die Unterhaltungsbranche gegangen sein soll. Ab und zu fährt ein Ossi im Mercedes vor und droht dem Bürger Bönt.
Der Kapitalismus des Ostens ist eben, ich hätte es, in der S-Bahn geboren und als ein Leser George Orwells, wissen sollen, der schlimmere.
So ist der Welt-Leser im Bild. Alles ist in der Ordnung. Gestern hatte ihm Krause beschrieben, wie die 47er/68er die Schriftstellerin Lewitscharoff verführten. Was wird er morgen erfahren?
Die Buchhandlung der Lyrikverlage
12. bis 14.03.2014 / Mi-Fr 18-01.00 Uhr
Begleitende Ausstellung 12.03. – 22.03.2014
”Starren und warten”
mit Johanna Benz, Sara Bock, Anna Gille und Marc Lotzmann
Mittwoch: 12.03.2014
Ausstellungseröffnung
20.00 Uhr
Valeri Scherstjanoi (hochroth Paris)
Jan Kuhlbrodt/Martina Hefter (Performance)
21.00 Uhr
Eberhard Häfner (Verlagshaus J. Frank)
Mikael Vogel (Verlagshaus J. Frank)
Stephan Reich (Verlagshaus J. Frank)
22.00 Uhr
Carl-Christian Elze (luxbooks)
Janin Wölke (hochroth Berlin)
Tristian Marquardt (kookbooks)
23.00 Uhr
Daniela Seel (kookbooks)
Rozalie Hirs (hochroth Berlin/kookbooks)
Bertram Reinecke (roughbooks)
00.00 Uhr
G. H. H. (hochroth Berlin)
Martin Piekar (Verlagshaus J. Frank)
Donnerstag: 13.03.2014
20.00 Uhr
Marlen Pelny (Voland & Quist)
Margret Kreidl (Edition Korrespondenzen)
Peggy Neidel (poetenladen)
21.00 Uhr
Katharina Schultens (kookbooks)
Jan Skudlarek (luxbooks)
Charlotte Warsen (luxbooks)
22.00 Uhr
Volker Sielaff (luxbooks)
Rudolph Bauer (Sujet Verlag)
Madjit Mohit, ÜS (Sujet Verlag)
23.00 Uhr
Jayne-Ann Igel (gutleut verlag)
Kristin Schulz (gutleut verlag)
Timo Berger (parasitenpresse)
00.00 Uhr
Swantje Lichtenstein (Verlagshaus J. Frank)
Crauss (Verlagshaus J. Frank)
Freitag: 14.03.2014
20.00 Uhr
Dagmara Kraus (Reinecke & Voß)
Georg Leß (parasitenpresse)
Adrian Kasnitz (parasitenpresse)
21.00 Uhr
Boris Preckwitz (Lyrikedition 2000)
Peter Neumann (edition AZUR)
Mathias Jeschke (edition AZUR)
22.00 Uhr
Udo Kawasser, ÜS (hochroth Wien)
Verena Stauffer (hochroth Wien)
Farhad Showghi (kookbooks)
23.00 Uhr
Friederike Scheffler (kookbooks)
Sarah Rehm (poetenladen)
Andreas Altmann (poetenladen)
00.00 Uhr
Lydia Daher (Voland & Quist)
Kenah Cusanit (hochroth Berlin)
Am Freitag 14.3.
15.00 Uhr Messegelände
Lesung und Gespräch. Bertram Reinecke liest Übertragungen zu Dylan Thomas »Do Not Go Gentle Into That Good Night« und spricht über die handwerklichen und strukturellen Aspekte des Nachdichtens. (Im Rahmen von Marktplatz Druckgrafik) Halle 3, Stand F 502 (Diese Veranstaltung ist nicht im Programm von „Leipzig Liest“ verzeichnet.)
Hier Künstlerbücher von Annegret Rouél
Die Lyrikerin Safiye Can hat ihr erstes Buch veröffentlicht. „Rose und Nachtigall“ ist eine Sammlung von Liebesgedichten.
Bei einem Besuch ihrer Tante, die in Samsun am Schwarzen Meer lebt, schenkt ihr diese zum 15. Geburtstag einen Band mit türkischer Poesie. Safiye ist so fasziniert, dass sie selbst beginnt, Gedichte zu schreiben; erst auf Türkisch, dann merkt sie, dass ihr in Deutschland das Publikum dafür fehlt. So schreibt sie konsequent auf Deutsch weiter. (…)
Der Band, in fünf Kapitel angeordnet, enthält konkret-visuelle Poesie sowie Langgedichte. Bestechend die realistische Sprache: Das lyrische Ich spricht direkt den Leser an. Der Abschnitt „Rose und Nachtigall“ erinnert an eine Tradition, die von altpersischer Literatur bis zu Oscar Wilde reicht. „Dem Leser“ gewidmet, dürfte das Buch überraschen als erster professioneller Ansatz einer zweisprachigen Lyrikerin aus Offenbach und Beitrag zur multikulturellen Identität dieser Stadt. / Ernst Buchholz, Offenbach-Post
ATTENTION POETS AND POETRY LOVERS!!!!
“VOICES FROM THE WORLD IN WORDS OF POETRY”
We would like to invite everyone to bring his/her own poems – or poems from your favourite poet(s) – to read to us. THE POEMS CAN BE READ IN ANY LANGUAGE OF COURSE LISTENERS ARE ALSO WARMLY WELCOMED!!!
During this POETRY NIGHT we reunite poets and poetry lovers from around the world to share our country’s language and poetry. Be part of this amazing night and enjoy the uniqueness and beauty of a poem recited in a different language.
Day: Saturday, 5th April from 7:30pm to 9pm
Local: Espacio Gallery 159 Bethnal Green Road, London E2 7DG
For further information contact: THIAGO
goathidrenaxela@gmail.com
http://goathidrenaxela.wix.com/cantodecantos
Thank you!
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
This year’s brutal winter surely calls for a poem such as today’s selection, a peek at the inner workings of spring. Susan Kelly-DeWitt lives and teaches in Sacramento.
Apple Blossoms
One evening in winter
when nothing has been enough,
when the days are too short,
the nights too long
and cheerless, the secret
and docile buds of the apple
blossoms begin their quick
ascent to light. Night
after interminable night
the sugars pucker and swell
into green slips, green
silks. And just as you find
yourself at the end
of winter’s long, cold
rope, the blossoms open
like pink thimbles
and that black dollop
of shine called
bumblebee stumbles in.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2001 by Susan Kelly-DeWitt, whose most recent book of poems is The Fortunate Islands, Marick Press, 2008. Poem reprinted from To a Small Moth, Poet’s Corner Press, 2001, by permission of Susan Kelly-DeWitt and the publisher. Introduction copyright © 2014 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Die aktuelle Leonce-und-Lena-Preisträgerin packt in ihren neuen Gedichtband ziemlich listige Texte, die eigentlich sehr leicht zu lesen sind, hinter denen aber viel mehr steckt. Zum einen schafft sie es als einzige deutschsprachige Dichterin hinter die Fassaden unserer hauptsächlich durch die Finanzwirtschaft hervorgerufenen Krisen zu schauen, zum anderen präsentiert sie damit ein Netz aus Mythen und surrealen Zusammenhängen. Selbst da, wo ihre Bildkombinationen noch so schrill sind, bringt sie das mit einer fast unheimlichen Selbstverständlichkeit rüber und stellt damit eine glaubwürdige, hochfiktive Realität her. Aber schliesslich produziert die Beobachtung der Beobachtung selbst nur subjektive Realitäten, denen oft der ontologische Verweis verloren geht, so dass sich dieses Konstrukt in reiner Fiktion auflöst. Da aber ein Beobachter auch immer ein Ausgeschlossener bleibt, hängt man als Leser, also als Beobachter dritter Ordnung, oft ein bisschen in der Luft und bleibt theoretisch nur an der Oberfläche des Textes. Obwohl das mitnichten wenig ist, fallen die Texte tendenziell wieder in die Autoreferenzialität und die Dekonstruktion zurück. Doch das ist jetzt ein Problem der praktischen Theorie. Vergesst sie und geniesst das Buch*! / Walter Fabian Schmid, Signaturen
Katharina Schultens: gorgos portfolio. Gedichte. Berlin (kookbooks) 2014. 63 S., 19,90 Euro.
*) Vielleicht also den Rest der Rezension erst hinterher lesen? 😉
Timofiy Havryliv: Die Ukraine ist ziemlich bunt. Alleine dieser Umstand, dass die Ukraine aus verschiedenen kulturellen Traditionen besteht, widerlegt diese Sichtweise einer Grauzone. Ich glaube, wenn man die Welt ohne Menschen sieht, nur als ein Schachbrett, dann kann die Ukraine manchmal auch als eine Grauzone vorkommen. Aber es ist ein junges, modernes, dynamisches Land, das nach einem Modell für sich sucht und schon weiß, was es möchte. Die ersten, glaube ich, Reformen werden dann bald schon endlich kommen. Die Ukraine ist ziemlich bunt und das ist ein großer Vorteil, aber die politischen Eliten haben in der Vergangenheit, auch bis heute – der letzte, der das zu krass ausgenutzt hat, war Janukowitsch – diese Vorteile immer wieder versucht, in Nachteile zu verwandeln, indem sie die Menschen in einem Teil der Ukraine gegen die Menschen in einem anderen Teil der Ukraine einzustimmen versuchten, was eigentlich nicht gelungen ist. Wir haben auch im Laufe der letzten Ereignisse gesehen, dass auf dem europäischen Maidan in Kiew die Vertreter aller Ethnien, Religionsbekenntnisse, Kulturlandschaften, die es in der Ukraine heutzutage gibt, gestanden haben, und wie gesagt: sie haben diesen einen gemeinsamen Nenner: Ihre Heimat, die Ukraine, die sie umgestalten wollen, und sie und wir – ich bin auch Ukrainer -, wir haben ein gutes Recht dazu, aus der Ukraine ein modernes Land zu machen. In der Ukraine ist eine politische Nation im Entstehen und diese Multikulturalität ist ein ziemlicher Vorteil. Das finde ich ziemlich toll. Ich glaube, das, was die Ukraine braucht, ist mehr Befugnisse für die Städte, für die Kommunen, für die lokale Ebene sozusagen. Das hat alles das Regime von Janukowitsch vernichtet. Das müssen wir zum Teil zurückhaben und zum Teil neu einführen, dass die Menschen wo sie leben auch viel mehr mit entscheiden können. Da sehe ich einen Ausweg.
Michael Köhler: Multikulturalität als Vorteil in der Ukraine – der Schriftsteller und Übersetzer Timofiy Havryliv war das.
/ DLF
Der Zeitung Die Welt verdanken wir eine interessante Wendung der Lewitscharoff-Debatte. Nämlich fünf Erkenntnisse des Lesers von Welt:
1. Alfred Andersch war ein lyrischer Volksverhetzer.
2. Die Zeit ist (oder war bis mindestens 1980) ein linkes Kampfblatt, das sich nicht entblödete, Anderschs Hetze nachzudrucken.
3. Lewitscharoff ist eine der klügeren Autoren.
4. Ihre Dresdner Rede war ein Fall politischen Engagements, das nunmehr
5. endgültig ad absurdum geführt ist.
Gedicht statt Kommentar, ein engagiertes, eingreifendes und reales Gedicht aus Volksmund:
Salamander,
Arsch auseinander,
Arsch wieder zu
und raus bist du
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