Gegenüber der Schwitters-Ausgabe von Friedrich Lach, 1973-1981 erschienen, haben sich Ursula Kocher und Isabel Schulz unter Mitarbeit von Julia Nantke und Antje Wulff dem materialbasierten Edieren verschrieben. Das bedeutet eine Orientierung am Originalzustand der überlieferten Textzeugen und den gänzlichen Verzicht auf traditionelle Ordnungskriterien wie Textgattungen. Mit ihnen wäre einem so unorthodoxen und experimentellen Dichter wie Schwitters ohnehin nicht beizukommen. Das zeigt die zwar wegen der Zusammenstellung damals noch unzugänglicher Texte verdienstvolle, aber für wissenschaftliche Zwecke unzulängliche Lach-Ausgabe. Der editionsphilologische Ansatz des interdisziplinär aufgestellten Teams, die Literaturwissenschaft vertreten durch die Bergische Universität Wuppertal und die Kunstgeschichte durch das Sprengel Museum Hannover mit der Kurt und Ernst Schwitters Stiftung, bewährt sich in besonderem Maße an dem hier darzustellenden Material. Die Kladden sind als Gesamtkunstwerk interessant, nicht nur die Text-Bild-Destillate der unmittelbaren Autorschaft Schwitters. / Gabriele Wix, literaturkritik.de
Kurt Schwitters: Alle Texte. Die Sammelkladden 1919-1923. [3. Band einer auf 9 Bände angelegten Gesamtausgabe]
Herausgegeben von Ursula Kocher und Isabel Schulz. In Zusammenarbeit mit dem Sprengel Museum Hannover.
Walter de Gruyter Verlag, Berlin 2014.
1075 Seiten, 149,95 EUR.
24,5 x 17,5 cm groß, rund 2 kg schwer.
ISBN-13: 9783050064437
Im Rahmen der Ausstellungsreihe „Kabinett in der Galerie“ zeigt das Kupferstichkabinett in der Neuen Nationalgalerie anlässlich der hier präsentierten Ständigen Ausstellung „Ausweitung der Kampfzone. 1968–2000. Die Sammlung, Teil 3“ ca. 35 Grafiken, Zeichnungen sowie ein dreidimensionales Objekt des aus Sachsen stammenden Künstlers und Denkers Carlfriedrich Claus.
Ausgehend von seinem experimentellen Umgang mit Sprache im Kontext der visuellen Poesie hat Claus um 1960 den neuen Bildtypus des Sprachblattes entwickelt, in dem sich zeichnend schreibend sein Denken kristallisierte. Geschult an den Schriften von Karl Marx, Rudolf Steiner, Ernst Bloch und weiteren Quellen der jüdisch-christlichen sowie fernöstlichen Ideengeschichte bekannte sich Claus – seinen Erfahrungen im dogmatischen Staatssozialismus der DDR zum Trotz – zum Ideal einer kommunistischen Gesellschaft, in der der „naturalisierte Mensch“ im Einklang mit einer „humanisierten Natur“ lebt. Seine oft beidseitig auf transparenten Bildunterlagen ausgeführten Schreibzeichnungen, grafisch höchst reizvolle Bildgespinste, veranschaulichen Prozessuales sowie Dialektisches (2 Seiten: These + Antithese = Synthese). Sie sind über ausführliche Einzeltitel, entschlüsselbare Textstellen und signalhaft wiederkehrende Zeichen, etwa von Auge und Hand, Winkel und Balkenformen, inhaltlich dennoch nicht ganz einfach zu erschließen. / Museumsportal Berlin
Zitate aus: Ein Ende der (Sprach-)Musik steht nicht zu befürchten
In Jürg Halters neuem Gedichtband präsentiert sich der MC als MV. Von Maren Jäger, literaturkritik.de
„‚Eminent politisch’ ist dieser Autor nicht, bestenfalls in einem guten, aber unspezifischen Sinn ‚kulturkritisch’ oder ‚medienkritisch’; „
soso
„Anders als viele Gegenwartslyriker hat Halter sein Publikum im Blick“
aha
„Halters Gedichte sind alles andere als hermetisch; aus ihnen spricht ein selbstbewusstes Ich,“
huch?
Das letzte Wort sei dem Gedicht „Mein Beitrag zum Weltkulturerbe“ überlassen, in dem Halter in ironischer Gigantomanie das Dilemma der Gegenwartslyrik ausspricht, die ihr Dasein im Spannungsfeld zwischen dem Bewusstsein der eigenen Nischenexistenz und emphatischer Selbstbehauptung führt. Fast schon anrührend mutet daher die Schlusswendung an, die plötzlich in gänzlich unironischem Trotz dasteht und nicht anders kann:
„Ich wünsche diesem Gedicht Millionen von Lesern
in allen möglichen Sprachen.
Ich wünsche, dass dieses Gedicht fortgeschrieben wird
bis in die fernste Zukunft;
mindestens so lange, wie es die Menschen gibt,
soll dieses Gedicht hier rezitiert werden.
Ich denke, dies nicht zu erhoffen
ist kaum weniger vermessen als ein Gedicht
überhaupt zu veröffentlichen.“
oh, wirklich ganz unironisch?
Die regierende Sozialistische Partei Venezuelas (PSUV) hat ein Gebet an den gestorbenen Präsidenten Hugo Chávez offiziell gebilligt. Die Formel nach Vorbild des christlichen „Vaterunser“ wurde am Montag auf dem Parteitag in Caracas vorgestellt. „Unser Chávez, der du bist im Himmel (…) Spende uns Licht, damit wir nicht der Versuchung des Kapitalismus‘ erliegen“, sagte eine Sprecherin auf dem Podium. / Der Standard
„Chávez nuestro que estás en el cielo, en la tierra, en el mar y en nosotros, los y las delegadas, santificado sea tu nombre, venga a nosotros tu legado para llevarlo a los pueblos de aquí y de allá.
Danos hoy tu luz para que nos guíe cada día, no nos dejes caer en la tentación del capitalismo, mas líbranos de la maldad de la oligarquía, del delito del contrabando porque de nosotros y nosotras es la patria, la paz y la vida. Por los siglos de los siglos amén. Viva Chávez“
Die 64. Wangener Gespräche weisen in diesem Jahr eine Besonderheit auf. War es bislang üblich, den Eichendorff-Literaturpreis an einem Sonntag zu verleihen, so bekommt ihn Adam Zagajewski diesmal bereits am Samstagabend zuerkannt. Ulrich Schmilewski vom Kulturwerk Schlesien in Würzburg wird dem polnischen Schriftsteller, Lyriker und Essayisten den Preis übergeben, die Laudatio hält Michael Krüger aus München. Krüger ist seit 2013 Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. / Schwäbische Zeitung
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
Faith Shearin’s poetry is conversational while moving gracefully and almost effortlessly toward conclusions that really have some punch to them. This one is a good example of that. Shearin lives in Maryland.
Music at My Mother’s Funeral
During the weeks when we all believed my mother
was likely to die she began to plan
her funeral and she wanted us, her children,
to consider the music we would play there. We remembered
the soundtrack of my mother’s life: the years when she swept
the floors to the tunes of an eight track cassette called Feelings,
the Christmas when she bought a Bing Crosby album
about a Bright Hawaiian Christmas Day. She got Stravinsky’s
Rite of Spring stuck in the tape deck of her car and for months
each errand was accompanied by some kind
of dramatic movement. After my brother was born,
there was a period during which she wore a muumuu
and devoted herself to King Sunny Ade and his
African beats. She ironed and wept to Evita, painted
to Italian opera. Then, older and heavier, she refused
to fasten her seatbelt and there was the music
of an automated bell going off every few minutes,
which annoyed the rest of us but did not seem to matter
to my mother who ignored its relentless disapproval,
its insistence that someone was unsafe.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2013 by the Alaska Quarterly Review. Faith Shearin’s most recent book of poems is Moving the Piano, Stephen F. Austin Univ. Press, 2011. Poem reprinted from the Alaska Quarterly Review, Vol. 30, No. 3 & 4, by permission of Faith Shearin and the publisher. Introduction copyright © 2014 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Zweite Lesung Lyrikpreis München 2014
Zur zweiten Lesung am 19.09. um 19:30 Uhr im Münchner Literaturbüro,
Milchstraße 4, wurden von der Vorjury eingeladen:
Kathrin Bach, Berlin
Adrian Kasnitz, Köln
Hellmuth Opitz, Bielefeld
Walter Fabian Schmid, Biel, CH
Frank Schmitter, München
Sebastian Unger, Berlin
Eva Christina Zeller, Tübingen
Kalmenzone. (elektronische) Literaturzeitschrift hier
Heft 5, August 2014 Schwerpunkt: Übersetzen
mit Beiträgen von
Uta Egenhoff, Stephan Weidt, Judith Rang, Gudrun Paul, Dina Diercks, Roland Ißler, Ulrich Bergmann, Rainer Maria Gassen, Benedikt Ledebur, Romain John van de Maele, Michael Hillen, Jörg Kleemann, Ernesto Castillo, Marcus Müller-Roth, Crauss, Winand Herzog, Cleo A. Wiertz
Aus dem Inhalt:
LUIS DE CAMÕES: COM QUE VOZ? MIT WELCHER STIMME? besprochen von Dina Diercks und Roland Ißler
Ulrich Bergmann
FRANCESCO PETRARCA: SONETT 104 (RIME 134)
Rainer Maria Gassen
VON EINIGEN DER ERSTEN SONETTENDICHTER IN ENGLISCHER SPRACHE
Benedikt Ledebur
SELBSTBEOBACHTUNG BEIM ÜBERSETZEN
Alle bisher erschienen Ausgaben können als Pdf heruntergeladen werden.
Die 1915 geborene Lyrikerin Christine Lavant war kein Geschöpf der österreichischen Salons. Zeit ihres Lebens wohnte sie in bäuerlicher Umgebung. Die Hauptschule hatte sie abgebrochen. Ihre Texte aber sind derartig souverän, dass man Lavant eine der bedeutendsten Dichterinnen deutscher Sprache nennen muss. Eine vierbändige Werkausgabe trägt ihre wunderbaren Texte nun erstmals zusammen. (…)
500 bis 600 unveröffentlichte Gedichte und Gedichtentwürfe sind im Lavant-Nachlass gefunden worden. Das übertrifft – wie Amann sich ausdrückt – „alles, was man bei einer Autorin des 20. Jahrhunderts im Nachlass finden kann“. Insgesamt ergibt das ein Konvolut von rund 1800 Gedichten! Eine enorme Produktion für eine Autorin, die sich ihre Existenz die längste Zeit ihres von Krankheit gezeichneten Lebens durch Stricken sichern musste und in qualvoller Enge das Zimmer mit einem ungeliebten, 30 Jahre älteren Ehemann teilen. Lavants existentieller Hunger nach Liebe, ihr Ringen mit Krankheit und Einsamkeit, ihr Kreisen um Tod und Verlöschen, ihre Sinnsuche in Religionen und Esoterik sind ihren Gedichten eingeschrieben. In dem jetzt vorliegenden Band, der zunächst alle zu Lebzeiten veröffentlichten Gedichte enthält, sind diese Wegmarken auf Schritt und Tritt erkennbar. Aber die enorme Kraft ihrer Bilder und ihr kompositorisches Geschick, Eindeutigkeiten immer wieder aufzulösen und die Balance zu verschieben, um ein Ich oder ein Du der Kenntlichkeit zu entziehen – das hebt ihre Kunst weit über alles Autobiografische hinaus. Im immer wiederkehrenden Motiv der Liebe bzw. der gescheiterten Liebe changiert die Ansprache des lyrischen Ich an ein Du zwischen Gottesanrufung und Zwiegespräch mit einem Geliebten:
Du wirst mich behalten müssen
im Netz deines Willens
Ich mag nicht mehr in die Welt hinaus,
wo die Sonne sinnlos aufsteigt und sinkt
und der Mond sich fiebrig verviertelt.
Hier drinnen herrscht weder Tag und Nacht,
hier fällt die Versuchung der Sterne hinweg,
aufzuknieen aus altem Leiden,
um ins nächste stürzen zu müssen.
In deinem Netz ist die Schwäche fromm.
Wie ein vom Lichte erlöster Falter
schläft ein das geängstigte Herz.
Du wirst mich behalten müssen
mit allem, was ich verloren habe
und was mich schwer macht,
so steinern schwer, dass das Netz deines Willens oft zittert.
Christine Lavant: Zu Lebzeiten veröffentlichte Gedichte
/ Angela Gutzeit, SWR (SWR2 Buch der Woche am 1.9.2014)
How Chinese characters can change English language education*: Jonathan Stalling at TEDxOU
*) and poetry reading
Seit drei Jahren gibt es etwas Unterhaltung bei Straßenbahnfahrten in Halle. Gedichte zeitgenössischer Autoren Sachsen-Anhalts sind zu sehen.
Vom 1. bis 19. September 2014 beschäftigt sich eine Ausstellung im Ratshof in Halle damit. Gezeigt werden Gedichte ausgewählter Lyriker, die seit drei Jahren in hallischen Straßenbahnen kursieren. Die Gedichte wurden typographisch gestaltet von der Grafikerin Hannelore Heise.
Zu den zeitgenössischen Lyrikern zählen unter anderem Christine Hoba, Christian Kreis, Holger Leisering, Dieter Mucke, Rainer Kirsch und André Schinkel. Seit diesem Jahr sind auch Dichter der Vergangenheit, von Eichendorff über Novalis bis hin zu Sarah Kirsch, vertreten. / Halle Spektrum
am ersten Schultag – zu groß die Tüte, zu viel Zukunft in kindlichen Händen
Hansjürgen Bulkowski
[Francis] Ponge geht es um die außermenschliche Wirklichkeit, die er möglichst präzise in den Blick zu nehmen versucht. In seiner Kurzprosa und Lyrik will er einem Ding, das belebt oder unbelebt sein kann, den ihm angemessenen Ausdruck verleihen: einer Zigarette oder einem Stück Seife, aber auch Pflanzen, Muscheln, Steinen oder den Meeresküsten.
„Bis dorthin, wo es den Grenzen naht, ist das Meer eine einfache Sache, die sich Woge um Woge wiederholt. Aber in der Natur werden die einfachsten Dinge nicht ohne große Förmlichkeiten, ohne viel Umstände zugänglich, die dichtesten nicht, ohne eine gewisse Abhobelung zu erfahren. Daher stürzt sich der Mensch, wohl auch aus Rachsucht gegenüber der Unermesslichkeit, die ihn anödet, vorschnell auf die Ränder oder die Einschnitte der großen Dinge und möchte sie definieren.“ / Maike Albath, DLF
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