Mark Strand, whose spare, deceptively simple investigations of rootlessness, alienation and the ineffable strangeness of life made him one of America’s most hauntingly meditative poets, died on Saturday at his daughter’s home in Brooklyn. He was 80.
His daughter, Jessica Strand, said the cause was liposarcoma, a rare cancer of the fat cells.
Mr. Strand, who was named poet laureate of the United States in 1990 and awarded the Pulitzer Prize for Poetry in 1999 for his collection “Blizzard of One,” made an early impression with short, often surreal lyric poems that imparted an unsettling sense of personal dislocation — what the poet and critic Richard Howard called “the working of the divided self.” / Nachruf von William Grimes, New York Times
Diese rührende poetische Liebeserklärung an Deutschland (Übersetzung hier, hier der Originaltext) schrieb die damals 22 Jahre alte russische Dichterin Marina Zwetajewa am 1.Dezember 1914 als Antwort auf den Deutschenhass, der nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges ihre Landsleute ergriffen hatte. Zwetajewa, deren Vater Iwan Zwetajew das Moskauer Museum für westeuropäische Kunst begründete und deren Mutter eine Pianistin polnisch-deutscher Herkunft war, betrachtete die westliche Hochkultur als ihren Existenzgrund. Als Gymnasiastin hatte sie Frankreich, Deutschland und die Schweiz bereist, sie übersetzte Lyrik aus mehreren europäischen Sprachen. Doch in Deutschland stehe die Wiege ihrer Seele, hielt sie im Tagebuch fest, ihren „Seelenhauptteil“, wie die Russin sich ausdrückte, hielt sie für deutsch.
Marina Zwetajewa fühlte ihre persönliche Treue, die sie Deutschland in lebenslanger Verliebtheit geschworen habe, wie es in der vorletzten Strophe auch im russischen Original exaltiert heißt, durch die politischen Verhältnisse auf die Probe gestellt. Die schrecklichen Nachrichten etwa von der Zerstörung der Kathedrale von Reims durch deutschen Beschuss, von Misshandlungen russischer Kriegsgefangener durch die Deutschen, vom Absturz der einstigen Kulturnation in die chauvinistische Barbarei klangen für sie wie eine hysterisierte Hetzkampagne. Den Philosophen Immanuel Kant sieht sie in der dritten Strophe zeitentrückt als schmalgesichtigen Alten durch Königsberg spazieren, im polemischen Gegensatz zum russlanddeutschen Denker Wladimir Ern (1882 bis 1917), der schon im ersten Kriegsherbst sein Pamphlet „Von Kant zu Krupp“ formulierte, worin er Kants Vernunftkritik und die Kruppsche Waffentechnik zu Manifestationen des gleichen, prinzipiell aggressiven deutschen Geistes erklärte.
(…) An eine Veröffentlichung der Verse war natürlich nicht zu denken. Doch sie trug sie während des Krieges mehrfach vor, mit weniger Erfolg in Moskau, mit umso größerem dafür in Russlands zweiter, europäischer Hauptstadt. Die Petrograder Lesung mit Anna Achmatowa, Nikolai Gumiljow, Sergej Jessenin, Michail Kusmin, die bei Eis und Schnee den Beginn des letzten vorrevolutionären Jahres 1916 feierten, sei sogar zu einem regelrechten „Gelage zu Zeiten der Pest“ geraten, erinnerte sich Zwetajewa zwanzig Jahre später. Allerdings ganz ohne Wein und Rosen, allein durch Ausschweifungen des schattenhaften Dichterwortes, wobei die allgegenwärtigen Vokabeln „Front“ und „Rasputin“ nicht einmal vorkamen. / Kerstin Holm, Frankfurter Anthologie
das Kind, das du gewesen bist, nimmt dich an die Hand und zeigt dir, was du alles übersehen hast
Hansjürgen Bulkowski
Sein Kollege Konstantin Ames trug einzelne Gedichte vor, die stark dadaistische Züge trugen. Ames trug seine Gedichte in einer unvergleichlichen Art vor, die ihn als genüsslichen Buchstabenkünstler auswies. Jedoch sind seine Gedichte nicht zitierfähig und schon gar keine Stimmungslyrik, was dazu führte, dass das Publikum am Ende streckenweise irritiert war. Aber genau das, so sagte er, fände er gut und richtig. Ein Gedicht, welches man sofort verstünde, hinterlasse keine Spuren. So stimmten die Gäste darin überein, dass er eigentlich alles noch einmal vortragen müsse. / Wilstersche Zeitung
(Die anderen Lesenden waren Artur Dziuk und Heike Falkenberg)
Vinyoli-Jams
An einem 30. November starb der katalanische Dichter Joan Vinyoli (1914-1984). Im Jahr der 100. Wiederkehr seines Geburtstages finden rund um dieses Datum privat organisierte „poetische Jams“ in Cafés und Kneipen zu seinem Gedenken statt, natürlich auch als Hommage an Vinyolis bevorzugte Aufenthaltsorte. Mit dabei sind u.a. das legendäre „Bang-bang“, wenige Meter von seiner Wohnung entfernt, wo oft ausgedehnte Abende mit Gabriel Ferrater endeten. Hier die aktuelle Liste, mit „Buch und Wein“ (Frankfurt a.M., Bergerstraße 122) als Abschluss.
Hier ein Vinyoli-Gedicht über den Tod, das an eine berühmte Zeile von Pavese anknüpft:
Vindrà la mort
Vindrà la mort i els ulls m’arrencarà:
veuré llavors un altre firmament.
La finitud és un vaixell varat,
l’hortalissa que menjo no té cucs,
el silenci m’impregna de clarors.
La mort és purament un canvi més.
Dann kommt der Tod
Dann kommt der Tod und reißt mir beide Augen aus:
dann werd ich einen andren Sternenhimmel sehn.
Die Endlichkeit ist ein an Strand gesetztes Schiff
und das Gemüse, das ich ess, hat keinen Wurm,
mit Helligkeiten imprägniert die Stille mich.
Der Tod ist weiter nichts als noch ein Wandel mehr.
(aus: Domini màgic, 1984; dt. Übertragung: à.s.)
Der Schöpfer der «Chaises poèmes», Gedicht-Stühle, der Bildhauer Michel Goulet, geboren 1944 in Quebec, lebt in Montreal. Er gilt als einer der wichtigsten Bildhauer seiner Generation. Das Projekt «Chaises poèmes» ist dem Dichter Henri Michaux gewidmet. 28 dieser Stühle werden zusammen mit städtischem Mobiliar, Lyrik und zeitgenössischer Kunst in Namur, Dinant und Viroinval ausgestellt. / L’Avenir
Heute, Samstag, 18 – 19 Uhr, München, Kurfürstenstr. 14, „Studio“ (U-Bahn Universität):
Marichka Pohorilko liest aus dem Gedichtband von Bohdan Solchanyk, Geschichtsprofessor, Maidan-Aktivist und Dichter, gestorben am 20. Februar 2014 in Kiew, Institutskaya Str.. Anschließend Diskussion und Gespräch. Der Lviver Historiker starb in Kiew im Kugelhagel von Scharfschützen, nachdem er am Abend davor, einer Eingebung folgend von Lviv (Lemberg) nach Kiew aufgebrochen war, um die um ihr Leben kämpfenden Demonstranten der Maidan-Bewegung zu unterstützen. Kurz zuvor hatten sich Solchanyk und Marichka Pohorilko verlobt. Eine limitierte Anzahl von Gedichtbänden Bohdan Solchanyks werden frei vergeben. Die Veranstaltung ist eintrittsfrei.
INVITATION for today, Saturday, 18h, Kurfuerstenstr. 14 „Studio“: Marichka Pohorilko reads Poems of Bohdan Solchanyk, historian, Maidan activist and poet, who died on Feb. 20th, 2014 in Kiew, Institutskaya Str. in the hail of sniper bullets. A limited amount of books are available on this evening for free, entrance is free.
Ein ebenso hehres wie paradoxes Unterfangen initiierte Die Zeit im März 2011, als sie unter dem griffigen (und höchst aufschlussreichen) Motto „Macht, Gedichte“ elf LyrikerInnen versammelte und sie mit dem Angebot lockte, Politik aus der Nähe zu erleben, sich von Andrea Nahles, Katrin Göring-Eckardt und Christian Lindner beim Blick hinter die politischen Kulissen unter die Fittiche nehmen zu lassen. Hehr, weil die Gedichte in der Tat wöchentlich im Politikteil, „an prominenter Stelle, nicht irgendwo rechts unten versteckt“, abgedruckt wurden und weil (neben einigen kümmerlichen Exemplaren, die bestenfalls ‚irgendwie politisch‘ waren) doch einiges aufhorchen ließ, etwa Ann Cottens „Hymne auf die Zukunft“. Paradox, weil hier eine bizarre Inversion der (mutmaßlichen) Genese eines politischen Gedichts stattfand: Am Anfang war nicht der Wut-Dichter, der sagt, was gesagt werden muss (oder plärrt, was er plärren zu müssen glaubt), sondern die Redaktion einer Wochenzeitung, die den Versuch unternahm, eine totgesagte Gattung durch Auftragsarbeiten zu reanimieren. Es musste das politisches Gedicht, dessen Fehlen von besagter Redaktion beklagt wurde, also „erst künstlich beatmet werden, damit es überhaupt wiederentdeckt werden“ konnte (Michael Braun im DLR Kultur).
Jemand, der in die Riege der Elf Zeit-Lyriker fehlte, war Tom Schulz, in dessen Werk das politische Gedicht eine Konstante ist. Hätten die Zeit-Redakteure etwa seinen 2006 als Band 7 der Reihe Lyrik bei kookbooks erschienenen Band Vergeuden, den Tag gekannt, oder die von ihm 2009 im Rotbuch-Verlag herausgegebene Anthologie alles außer Tiernahrung. Neue politische Gedichte, man hätte vielleicht nicht ganz so laut die Leerstelle beklagt oder sich (weniger rhetorisch) fragen müssen: „Oder liegt es an den unaufmerksamen Zeitungen, übersehen wir das Politische in der ja sehr reichen deutschen Lyrikszene?“ Genau, liebe Zeit-Redaktion, Tom Schulz habt Ihr übersehen.
Er ist aber auch alles andere als ein Wutbürger oder ein zorniger junger Mann, davon konnte man sich am 27. Oktober in Essen überzeugen, als der 44-jährige das Zwischenspiel Lyrik des Duisburg-Essener Poet in Residence eröffnete. Tom Schulz ist bescheiden, ein wenig verschmitzt und (wenn das Wort nicht so abgenutzt wäre!) ‚unaufgeregt’, sein Konversationston ist das gepflegte Understatement, ob er sich diplomatisch über Dichterkolleg*innen äußert, die mit viel Talent und wenig Wagnis brillieren („Sieht der nur arte-Dokumentarfilme?“), oder lakonisch über Selbstexegesen von geschätzten Lyriker*innen, die Essays über das Schreiben eines Verses verfassen („Dafür interessiere ich mich zu wenig für mich selber“). / Maren Jäger, literaturkritik.de
Es gibt Leute, die meinen, „Die Zeit“ hat ein Problem mit der Gegenwartsliteratur – ein Kompetenzproblem. Da setzt sich schon mal die Politikredaktion an die Spitze der politischen Lyrik nach dem bewährten Rezept, mit Monika Rinck und Ann Cotten wirds schon gut gehen. Es kam für fast jeden Geschmack was heraus, aber politische Lyrik? Wollten sie das beweisen? Kannten sie das Problem? Vorher? Nachher? Schweigen. Und überhaupt. Jetzt drehn sie den Spieß einfach um. Die Gegenwartsliteratur hat ein Problem. Ist sie doch, wie jeder Journalist genau weiß, nach Gusto entweder zu brave oder zu perfekte Literaturinstitutsliteratur. Wozu das ausforschen, wenn man es wegforschen kann (Achtung, Isotopiebruch). Auszug aus der „Zeit“ von gestern:
Die deutsche Literatur hat jetzt ein Problem. Das Problem besteht aber nicht darin, dass ein Vers des Rappers Haftbefehl auf einem CSU-Wahlkampfplakat verwendet wurde, das ist nur peinlich, sonst nichts. Das Problem besteht in der Herausforderung, die der rappende Verseschmied für die zeitgenössische Dichtung darstellt. Haftbefehl, bürgerlich Aykut Anhut, 28 Jahre alt, kommt aus Offenbach, einer Stadt, die Kulturbürgern bislang als zu umfahrendes Krisengebiet vor Frankfurt galt. Und ausgerechnet dort soll der Quell sprachlicher Innovation sprudeln?
(…) Pädagogische Lesarten versagen vor dieser Rollenprosa. Es ist Literatur, und deshalb sind deutsche Autoren jetzt in der Klemme: Sie müssen sich zukünftig an der Sprachmacht dieses Deutschkurden abarbeiten.
(…) In Haftbefehl-Songs werden Plattenverträge mit Genitalien unterzeichnet; dass die Libido ganz in der Profiterzeugung aufgehen kann, wenn man nur kapitalistisch genug orientiert ist, hat wohl kaum ein Dichter so drastisch formuliert. Oder das hier: »Wasch die Hände mit Evian und pisse Dom Pérignon.« (…)
Was an Haftbefehl fasziniert und verstört, das ist sein Talent. Die sprachliche Verwegenheit lässt sich nicht in Literaturinstituten züchten. »Zeit ist Geld, Habibi, Tipp-Ex auf Rammstein-Vertrag, und gib mir einfach die Kopie.« (…) Allen, die Literatur lieben: Gebt euch die Kugel. / Daniel Haas, Die Zeit Nr. 49, S. 54.
Alles klar? Kulturbürger, gebt Kugel! Und auf Rapkonzerten gibts Zeit-Jahresabonnements als Eintrittskarte. Dann klappts auch mit der „Zeit“.*
*) Nein, kein Kommentar über Rap. Nur über „Zeit“. Denn auch „Zeit“ ist Geld, Habibi.
BaZ: Herr Bichsel, am Sonntag stimmen wir über Ecopop ab. Sie sind Teil eines Künstlerkomitees gegen die Initiative. Man hat Ihr Engagement aber kaum wahrgenommen.
Peter Bichsel: Ach bitte, es gibt diese alte Klage: Warum schweigen die Schriftsteller? Früher haben sie noch nicht geschwiegen – sie schweigen ja gar nicht! Sie werden einfach nicht mehr wahrgenommen. Es liegt an der Zeit. Als Max Frisch sich engagiert hatte und auch ich, war das eine andere Zeit, eine politischere Zeit. Heute ist Politik kaum mehr ein Thema.
Das ist doch Unsinn.
Wir leben in einer Zeit der Entpolitisierung. Es gibt inzwischen sogar eine Politik-Feindschaft. Blocher macht sein Geschäft mit Politik-Feindschaft.
Wie meinen Sie das?
Dieser blöde Staat, diese blöden Politiker, diese blöde Classe politique – er macht sein Geschäft mit den Unpolitischen und hat Erfolg damit. / Mehr
BALTIC SEA LIBRARY-ABEND: FINNLAND UND SCHWEDEN
30 Nov 2014 – 19:30
Lyrik im ausland
lyrik im ausland spezial:
Das Online-Projekt Baltic Sea Library (vertreten durch Klaus-Jürgen Liedtke, leitender Herausgeber, und Clas Zilliacus, Redakteur Schwedische Literatur) stellt mit Edith Södergran und Henry Parland zwei historische Autoren der finnlandschwedischen Avantgarde vor, die aktuell neu in die Baltic Sea Library aufgenommen wurden, und denen – in neuer Übersetzung ins Deutsche – jeweils ein Teilband der frisch erschienenen, fünfteiligen Ausgabe „Finnlandschwedische Literatur der Avantgarde“ (Verlag Kleinheinrich, 2014) gewidmet ist.
Im zweiten, der Gegenwart verpflichteten Teil des Abends lesen Cia Rinne (mehrsprachig) und Anders Olsson (Schwedisch / Deutsch) eigene Gedichte.
Geöffnet ab 19:30 Uhr, Beginn um 20:00 Uhr Veranstaltung bei facebook
Moderation: Klaus-Jürgen Liedtke
I. Teil
Meriam Abbas (Berlin) und Agneta Rahikainen (Helsingfors/Helsinki) lesen (Schwed./Dt.) aus dem Werk von
Edith Södergran (1892-1923)
Klaus-Jürgen Liedtke (Berlin) und Clas Zilliacus (Åbo / Turku) lesen (Schwed./Dt.) aus dem Werk von
Henry Parland (1908-1930)
II. Teil
Anders Olsson (Stockholm) und
Cia Rinne (Berlin)
Meriam Abbas (Berlin), geb. in Bagdad, wuchs zweisprachig auf, Abitur in Berlin. Schauspielausbildung am Mozarteum in Salzburg (1991-94). Engagements am Schauspielhaus Wien (Kainz Medaille), Volkstheater Wien (Karl Skraup Nachwuchspreis), Schauspielhaus Zürich, Münchner Kammerspiele, Schauspielhaus Köln, Hans Otto Theater Potsdam und Burgtheater Wien, zuletzt am Schauspielhaus Hannover und Renaissance Theater Berlin. Kino und TV: u.a. in „Nachtgestalten“ von Andreas Dresen, zuletzt in „ Das Ende der Geduld“, ARD, von Christian Wagner. Regelmäßige Mitarbeit im Hörfunk. 2013 erschien ihr Hörbuch mit Gedichten von Edith Södergran: „Ich selbst bin Feuer“ im Verlag Kleinheinrich, Münster. Zur Zeit ist sie in ihrem ersten Kinderstück „Mio Mein Mio“ im FEZ in Berlin zu sehen.
Klaus-Jürgen Liedtke (Berlin), geb. 1950, Autor und seit 2010 Herausgeber der virtuellen Ostseebibliothek als digitales Projekt. Zahlreiche Übersetzungen aus dem Schwedischen: u.a. 7 Bände von Gunnar Ekelöf (1991-2004), 5 Bände „Finnlandschwedische Avantgarde“ (2014) im Verlag Kleinheinrich, Münster). Eigene Lyrik: „Scherben Leben Brocken Tod“ (Gemini Berlin 2001, auch als Hörbuch), Prosa: „Die versunkene Welt“ (Die Andere Bibliothek, 2008). Celan-Preisträger 2005.
Anders Olsson (Stockholm), geb. 1949, ist Lyriker, Kritiker und lehrt Literaturwissenschaft an der Universität Stockholm. Seit 2008 Mitglied der Schwedischen Akademie. 1987 erschien auf deutsch sein „Berliner Tagebuch“, 2012 die Studie „Ekelöfs Nein“ und 2013 seine siebte Gedichtsammlung „doch so unendlich leicht dir zu antworten“ als erste Gedichtsammlung auf deutsch (alle Bücher sind im Verlag Kleinheinrich, Münster erschienen).
Agneta Rahikainen (Helsingfors/Helsinki), geb. 1963, tätig als Programmleiterin bei der Schwe-dischen Literaturgesellschaft in Finnland. Veröffentlichungen u.a. über Henry Parland, die Fotografien von Edith Södergran und zuletzt „Kampen om Edith“ (Der Kampf um Edith, eine neue Biografie über Edith Södergran), und ihre Doktorarbeit „Poeten och hennes apostlar“ (Die Dichterin und ihre Apostel), beide 2014.
Cia Rinne, in Göteborg als Tochter finnisch/finnlandschwedischer Eltern geboren, lebt in Berlin. Sie schreibt visuelle, konzeptuelle und akustische Poesie in verschiedenen Sprachen – zuletzt erschienen von ihr „should we blind ourselves and leave thebes“ (2013) und „notes for soloists“ (2009). Als Bildende Künstlerin stellte sie zuletzt unter anderem in Tallinn (Kumu Art Museum) und Seattle (INCA) aus. Rinnes reduzierte poetische Arbeiten erweisen sich in ihren ebenso fokussierten wie humorvollen Lesungen gleichsam als Partituren, in denen sie auf engstem Raum verschiedene Sprachen überblendet und mehrbödige, nach-muttersprachliche Bedeutungskonstellationen entstehen lässt.
Clas Zilliacus (Åbo/Turku), geb. 1943, Prof. (em.) der Literaturwissenschaft an derÅbo Akademie, der schwedischsprachigen Universität in Finnland, Essayist, Kritiker, Übersetzer (u.a. von Shakespeare), Wissenschaftliche Veröffentlichungen über Beckett, Hörspiele, finnische Pressegeschichte, die Geschichte der finnlandschwedischen Literatur.
The virtual Baltic Sea Library is a continuously growing anthology of representative literary texts broadly connected with the Baltic Sea that seeks to provide multiple insights into the Baltic Sea region. The authors of the texts “held” by the library either come from this region or have written texts that deal with aspects of life on the Baltic Sea: be it with an intellectual and psychological analysis of social life in a beach resort or with exile in the Baltic Sea area. Special attention is given to authors who have travelled to neighbouring countries and written about their journeys and experiences.
In establishing these connections the library is creating a network of contacts across the Baltic Sea region and compiling a collection of texts around the various national mythologies of the Baltic Sea states. The translation of these texts into other Baltic languages is helping to shape a common cultural denominator and building up a comprehensive basis for a transnational literary history of the Baltic Sea region.
Christian Marek, Althistoriker an der UZH, hat eine sensationelle Entdeckung gemacht. Im türkischen Milas fand er in der Umgebung einer Grabanlage eine Steinstele mit einem eingemeisselten Gedicht. Mit seinen 124 Zeilen handelt es sich um die längste in Stein gemeisselte altgriechische Versinschrift, die bisher bekannt ist. (…)
So viel steht jetzt schon fest: «Es handelt sich um ein Gedicht, das vor allem vom Leben und Wirken aber auch von den Kämpfen eines Mannes namens Pytheas handelt. «Pytheas hiess der berühmte Architekt des Mausoleums von Halikarnassos», erklärt Marek und vermutet, dass der Pytheas der Versinschrift möglicherweise mit dem Architekten identisch ist.
In poetischer Sprache und im Versmass des trochäischen Tetrameters erzählt das Gedicht die Lebensgeschichte eines vielbeschäftigten Mannes. Das Versmass war damals beliebt und wurde oft in Begleitung einer Flöte auch singend vorgetragen. Die besondere Herausforderung für Marek und sein Team besteht nun darin, die fehlenden Teile so weit wie möglich zu ergänzen und den Text zu interpretieren. Ende 2015 soll der wissenschaftliche Befund in einem Buch veröffentlicht werden. Eins ist jedoch jetzt schon sicher: In Zukunft werden aufbauend auf Mareks Erkenntnissen noch viele Wissenschaftler an diesem aussergewöhnlichen Fund arbeiten, um einen vertieften Blick in die Zeit der Perser und alten Griechen zu erhalten.
Münster, 26.11. 2014. Kulturministerin Ute Schäfer hat heute im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster den mit jeweils 7.500 Euro dotierten Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen an 19 junge Künstlerinnen und Künstler verliehen.
Prominente Künstlerinnen und Künstler wie Pina Bausch, Karin Beier, Christoph Schlingensief, Katharina Sieverding, Günther Uecker, Wim Wenders und Frank-Peter Zimmermann erhielten in frühen Jahren diese Ehrung. Gewürdigt werden die Leistungen in den Sparten Bildende Kunst, Literatur, Musik, Film, Theater, Architektur und Medienkunst. Die Auszeichnung wird seit 1957 jährlich von der Landesregierung vergeben. Die Preisträgerinnen und Preisträger sollten in der Regel nicht älter als 35 Jahre alt und durch Geburt, Wohnsitz oder ihr Schaffen mit dem Land Nordrhein-Westfalen verbunden sein.
Die Preisträger 2014 in der Sparte „Dichtung, Schriftstellerei“ sind Julia Trompeter und Christoph Wenzel. Mehr
Sie war eine Cousine Paul Celans. Mit ihm war sie in einer zionistisch-sozialistischen Jugendgruppe aktiv, zu Hause in Czernowitz. Am 16. Dezember 1942 starb Merbaum* im ukrainischen NS-Zwangsarbeitslager Michailowka, kurz vor dessen Befreiung durch die Rote Armee, am Flecktyphus. Sie wurde nur 18 Jahre alt.
Kurz vor ihrem Ende schrieb sie: „Ich möchte leben. / Ich möchte lachen und Lasten heben / und möchte kämpfen und lieben und haßen / und möchte den Himmel mit Händen faßen / und möchte frei sein und atmen und schrei’n. / Ich will nicht sterben. Nein: / Nein.“
58 ihrer handschriftlichen hinterlassenen Gedichte existieren noch und Marion Tauschwitz hat sie transkribiert.** Eine Stärke des Buches liegt darin, dass die Autorin im biographischen Teil immer wieder aus Merbaums Gedichten zitiert und auf ihren vollständigen Abdruck weiter hinten verweisen kann. Selma Merbaum wird wie der vier Jahre ältere Celan und Rose Ausländer heute zur Weltliteratur gezählt. / Matthias Dohmen, Vorwärts
Marion Tauschwitz: „Selma Merbaum. Ich habe keine Zeit gehabt zuende zu schreiben. Biografie und Gedichte. Mit einem Vorwort von Iris Berben“. Mit zahlreichen Abbildungen. Berlin: Verlag zu Klampen, 2014, 349 Seiten, 28,00 Euro. ISBN 978-3-86674-404-2 (EPub 20,99 €)
*) Warum Selma Meerbaum-Eisinger jetzt „Selma Merbaum“ heißt, erklärt eine informativere Besprechung von Florian Hunger im „Psychosemitischen Buchblog„:
Die langjährige Vertraute und allerseits anerkannte Biographin der deutsch-jüdischen Lyrikerin Hilde Domin (1909-2006), Marion Tauschwitz, hat sich in langjähriger gewissenhafter Reche der ebenso mühseligen wie verdienstvollen selbstgestellten Aufgabe gewidmet, anhand historischer Fakten und Zeitzeugenberichten sowie gut dokumentierter Aussagen von überlebenden Weggefährten, Freunden und Bekannten der ermordeten Dichterin eine nahezu lückenlose, ausführliche literarische Lebensbeschreibung von Selma Merbaum zu erarbeiten, die mit ihrem umfangreichen, akribisch zusammengestellten Anhang nicht nur wissenschaftlichen Ansprüchen genügt, sondern auch dem unvorbelasteten, lediglich am tragischen Schicksal der talentierten Kusine von Paul Celan interessiertem Leser eine ausgesprochen faktenreiche und fesselnde, mitunter erschütternde Lektüre bietet. (…)
Eines der unspektakulärsten, jedoch gleichzeitig auch wichtigsten grundsätzlichen Resultate der Recherchearbeit von Marion Tauschwitz ist eine durch sorgfältige Prüfung der erhalten gebliebenen offiziellen Registereinträge sowie durch Schul- und Deportationslisten eindeutig zu belegende, endgültige Klärung der Namensverhältnisse der jungen Dichterin: während bisherige Veröffentlichungen von „Meerbaum“ oder „Meerbaum-Eisinger“ (nach dem Stiefvaternamen) ausgingen, ist nun zweifelsfrei die endgültige Lesart „Merbaum“ bestätigt – eine andere Schreibweise tauchte in offiziellen Dokumenten offenbar niemals auf. Erstaunlich, wie Selma Merbaums leiblicher Vater, ein Schuh-Einzelhändler aus ärmlichen Verhältnissen, der an Tuberkulose starb, als seine Tochter gerade erst ein Jahr alt war, durch eine grundsätzliche Entscheidung unbewusst den Keim für Selmas Liebe zur deutschen Sprache legte, als er sich nämlich nach dem Ersten Weltkrieg für ein Leben in der deutschsprachigen Lokalmetropole Czernowitz entschied, weil er sich in der deutschen Sprache heimischer fühlte als im Rumänischen, Polnischen oder Jiddischen.
Sprecht Rumänisch! Auf Korridoren und in Klassenzimmern forderten überdimensionale Plakate die Einhaltung des Gebots ein. Eigens dafür eingestelltes Personal patrouillierte während der Pausen mit kleinen Reitgerten durch die Gänge, um notfalls mit Gewalt durchzusetzen, was das Wort nicht erreicht hatte. Mit Fantasie und Einfallsreichtum schafften die Mädchen sich kleine Fluchten und übertölpelten die Kontrolleure: Sie hängten deutschen Wörtern kurzerhand rumänische Endungen an und hatten eine Sprache, die nur sie verstanden.
Noch eine Mitteilung des Verlages:
In dieser spannenden, sprachlich einfühlsamen und wissenschaftlich fundierten Biografie hat Marion Tauschwitz das Leben der jungen Dichterin rekonstruiert und alle ihre Gedichte nach den Originalhandschriften neu übertragen
**) In bisherigen Ausgaben waren 57 überlieferte Gedichte enthalten.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
I love poems with sudden surprises, and here’s one by Jennifer Gray, a Nebraskan. Will you ever see depressions puddled with rain without thinking of the image at her conclusion?
Horses
The neighbor’s horses idle
under the roof
of their three-sided shelter,
looking out at the rain.
Sometimes
one or another
will fade into the shadows
in the corner, maybe
to eat, or drink.
Still, the others stand,
blowing out their warm
breaths. Rain rattles
on the metal roof.
Their hoof prints
in the corral
open gray eyes to the sky,
and wink each time
another drop falls in.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2013 by Jennifer Gray. Reprinted by permission of Jennifer Gray. Introduction copyright © 2014 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
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