Die Vorjury – Helwig Brunner (AT), Martin Fibiger (CZ), Martina Hefter (D), Tereza Riedlbauchová (CZ), Michael Spirit (CZ) und Michael Wüstefeld (D) – hat zehn Kandidatinnen und Kandidaten für die Endrunde zum Dresdner Lyrikpreis 2014 ausgewählt.
Gewinnerin des Dresdner Lyrikpreises 2014 ist Lea Schneider.
Den Publikumspreis erhielt Thilo Krause.
Mitglieder der Hauptjury
Das SIGNUM-Sonderheft zum Wettbewerb ist ab sofort im Literaturhausshop erhältlich.
Die diesjährigen Finalisten waren:
KERSTIN BECKER, geboren 1969 in Frankenberg/Sa., war unter anderem Schriftsetzerin, Friedhofsgärtnerin und Insulanerin, bevor sie sich ganz der Literatur verschrieb. Heute lebt sie als Lyrikerin, freie Autorin und Lektorin in Dresden. Sie hat bereits in zahlreichen Literaturzeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Ihr Einzelband „Fasernackte Verse“ erschien 2012 im Fixpoetry Verlag, Hamburg (jetzt Horlemann). Ihr neuer Gedichtband wird im Frühjahr 2016 in der Edition Azur erscheinen. Im Rahmen des „Ohana“ Projekts von Ruth Habermehl fanden sich ausgewählte Gedichte Beckers in Leipzig in Gedichtautomaten. Im Kunsthof Gohlis in Dresden ist Becker Mitinitiatorin und Editorin der Lyrik-Freiluftgalerie „Gedichte im Wind“. Sie gewann unter anderem den zweiten Preis des Lyrikpreis München 2013, im Jahr 2014 erhielt Becker bereits ein Stipendium der Kulturstiftung Sachsen in der „At Home Gallery“ in Šamorín / Slowakei und war für den Lyrikpreis Meran nominiert.
MIROSLAV ČERNÝ wurde im mährisch-schlesischen Opava geboren, wo er bis heute lebt. Nach dem Abitur studierte er Englisch und Tschechisch an der Universität in Ostrava, wo er zurzeit als Dozent für nichtslawische Sprachen und Literaturen arbeitet. Neben einer Reihe von Fachtexten veröffentlichte er vier Gedichtbände, zwei Reiseberichte und einige Übersetzungen. Als Herausgeber beteiligte er sich an der Vorbereitung der Gesamtedition des bedeutenden tschechischen Sprachwissenschaftlers Jan Firbas. Er ist verheiratet und hat einen Sohn.
MILAN DĚŽINSKÝ, 1974 in Kyjov geboren, ist Dichter, Übersetzer und seit 2010 Stadtverordneter in Roudnice nad Labem, wo er auch lebt. Er absolvierte ein Lehramtsstudium (Tschechisch und Englisch) an der J. E. Purkyně-Universität in Ústí nad Labem. Dort begann er bereits Mitte der 1990er Jahre mit der Gründung einer Studentenzeitschrift literarisch aktiv zu werden. Er veröffentlichte bereits mehrere Gedichtbände, zuletzt „Přízraky“ („Trugbilder“, 2007) und „Tajný život“ („Geheimes Leben“, 2012). Von der Kritik wurden diese sehr positiv aufgenommen, einige wurden für den Literaturpreis Magnesia Litera für Lyrik nominiert. Milan Děžinský übersetzt mehrere Autoren aus dem Englischen. Seine Gedichte, Rezensionen und Übersetzungen wurden in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Regelmäßig erscheinen seine Gedichte im Jahrbuch der besten tschechischen Gedichte des Verlages Host.
RADEK FRIDRICH, geboren 1968 in Děčín, ist Dichter, bildender Künstler, Autodidakt, Übersetzer und Kritiker. Er studierte Bohemistik und Germanistik in Ústí nad Labem, wo er zwischenzeitlich auch lehrte. Zurzeit unterrichtet er in Děčín an der Fachschule für Gesundheitswesen. Im Jahr 2008 veröffentlichte er seine Übersetzungen deutscher Sagen aus dem Gebiet um Děčín: „Modroret“ („Blaulippe“). Seine Lyrik publizierte er in verschiedenen Zeitschriften und mehreren Gedichtbänden. Die Texte wurden ins Deutsche, Polnische, Englische, Kroatische, Bulgarische, Französische und Slowenische übersetzt. Zuletzt erschienen seine Gedichtbände „Krooa krooa“ (2011), ausgezeichnet mit dem Magnesia Litera Preis 2012 für Poesie und „Nebožky/Selige“ (zweisprachig, 2011).
MARIE ILJAŠENKO wurde 1983 im ukrainischen Kiew, in einer Familie mit tschechisch-polnischen Wurzeln geboren. Sie studierte Komparatistik an der Karls-Universität in Prag, wo sie derzeit ihre Promotion beendet. Außerdem ist sie als Übersetzerin und Zeitschriftenredakteurin tätig. Sie hat bislang Gedichte, Prosa und Essays in Tschechien und der Slowakei veröffentlicht. In diesem Jahr wird ein eigener Gedichtband erscheinen. Sie lebte einige Zeit in Polen und jetzt wieder in Prag. Zu Hause fühlt sie sich im gesamten Mitteleuropa.
LENKA JURÁČKOVÁ, 1974 in Nový Jičín geboren, studierte Tschechisch und Geschichte in Olomouc. Heute lebt sie mit ihrer Familie in ihrer Geburtsstadt und arbeitet hier als Lehrerin für Tschechisch und Geschichte. Ihr Werk wurde bereits in den Magazinen „Host“, „Weles“ und „Psí víno“ sowie in dem Sammelband „Nejlepší české básně roku 2012“ („Die besten tschechischen Gedichte 2012“) veröffentlicht. Zuletzt erschienen von ihr die Gedichtbände „Sukně s hnědavými suky“ (2008) und „Čemeřice“ (2014).
THILO KRAUSE, geboren 1977 in Dresden, lebt mit seiner Familie in Zürich. Studium des Wirtschaftsingenieurwesens in Dresden und London, danach Promotion an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, wo er seit 2008 in der Forschung arbeitet. Im Herbst 2012 erschien sein Debüt „Und das ist alles genug“ im poetenladen Verlag (in der Reihe Neue Lyrik der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen). Für den Gedichtband erhielt er unter anderem den Schweizer Literaturpreis. 2013 wurde Krause für die Arbeit an seinem zweiten Buch mit einem Werkjahr der Stadt Zürich ausgezeichnet.
KNUT SCHAFLINGER, geboren 1951 in Graz, lebt in Hamburg und Augsburg. Nach einem Studium in Wien war er bis 1995 freier Filmemacher beim Bayerischen Fernsehen. Seither ist er bei den ARD Tagesthemen in Hamburg Redakteur und Chef vom Dienst. Als Dozent war er an der Henry-Nannen-Journalistenschule in Hamburg und an der Bayerischen Akademie für Fernsehen in München tätig. Schaflinger veröffentlichte bereits in zahlreichen Literaturzeitschriften und Anthologien. Außerdem erschienen acht Einzelbände, zuletzt „Beim Verlassen des Hauses“ im Verlag Ralf Liebe (2014). Er ist unter anderem Preisträger des Lyrikpreis Feldkirch 2005.
LEA SCHNEIDER, geboren 1989 in Köln, studiert seit 2008 Soziologie und Komparatistik in Berlin, Shanghai, Taipei und Frankfurt/Oder. Sie ist Mitbegründerin des Berliner Lyrikkollektivs G13. Als Übersetzerin ist Schneider spezialisiert auf zeitgenössische chinesische Lyrik. Ihre Gedichte wurden in Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht, ihr Debütband „Invasion rückwärts“ erscheint im Herbst 2014 im Verlagshaus J. Frank, Berlin. Unter anderem war sie zum Poesiefestival Berlin, zum International Poetry Festival Beijing, zum Open Mike und zum „Poet Bewegt“-Wettbewerb für junge Literatur eingeladen.
DANIELA SEEL, geboren 1974 in Frankfurt/Main, lebt als Dichterin und Verlegerin in Berlin. 2003 gründete sie mit dem Buchgestalter Andreas Töpfer den Verlag kookbooks – Labor für Poesie als Lebensform, der 2006 den Kurt-Wolff-Förderpreis erhielt. Hier erschien auch ihr Gedichtband „ich kann diese stelle nicht wiederfinden“ (2011). Zurzeit arbeitet sie an „was weißt du schon von prärie“, das 2015 bei kookbooks erscheinen wird. Sie erhielt unter anderem den Friedrich-Hölderlin-Förderpreis sowie den Ernst-Meister-Förderpreis (beide 2011).
In der HAUPTJURY wirken mit:
VERONIKA DUDKOVÁ, Fachjurorin, geboren 1969 in Prag, studierte Germanistik und Nordistik in Prag, Passau und Oslo. Als langjährige freischaffende Übersetzerin überträgt sie Texte aus dem Deutschen, Norwegischen und Altisländischen (Joseph Roth, Hermann Hesse, Johannes Urzidil, Knut Hamsun u. a.). Außerdem arbeitet sie als Redakteurin und Lektorin mit führenden tschechischen Verlagshäusern zusammen. Von 2004 bis 2008 war Dudková Mitglied im Ausschuss des Tschechischen Übersetzerverbandes. 2008 bis 2010 arbeitete sie als Koordinatorin im Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren, von 2010 bis 2012 war sie Mitarbeiterin der gemeinnützigen Gesellschaft Collegium Bohemicum in Ústí nad Labem. Seit 2013 ist Dudková im Jüdischen Museum in Prag angestellt.
CORNELIA EICHNER, geborenes Jurymitglied, Mitglied im Ausschuss für Kultur des Stadtrates der Landeshauptstadt Dresden
PETER GEIST, Fachjuror, geboren 1956 in Greifswald, Literaturwissenschaftler, Kritiker, Essayist und Herausgeber, lebt in Berlin. Von ihm sind zahlreiche Veröffentlichungen zur deutschsprachigen Literatur nach 1945 erschienen, insbesondere zur Lyrik. Dazu gehören unter anderem: „Deutsche Lyrik des 20. Jahrhunderts in Einzel- und Gruppenporträts“ (mit Ulrike Ursula Heukenkamp, 2006), „Echtermeyer. Deutsche Gedichte von den Anfängen bis zur Gegenwart“ (mit Elisabeth Paefgen, aktualisierte und erweiterte Ausgabe, 2010), zuletzt Arbeiten zur „Poesie des undergrounds“, zur postmodernen Naturlyrik und zu Volker Braun.
WANDA HEINRICHOVÁ, Fachjurorin, geboren 1968 im slowakischen Žilina, lebt seit 1988 in Prag. Sie ist Dichterin, Übersetzerin und Literaturkritikerin. Im Verlag Opus veröffentlichte sie 2008 eine Gedichtauswahl von Durs Grünbein („Lekce lební báze“). Im Jahr 2011 erschien ihr Gedichtband „Nalomenou“ im Verlag Literární salon. Gemeinsam mit Ivan Wernisch gab sie die Anthologie der besten tschechischen Gedichte des Jahres 2013 heraus, die im bekannten Verlag Host erschien.
CHRISTA MÜLLER, geborenes Jurymitglied, Mitglied im Ausschuss für Kultur des Stadtrates der Landeshauptstadt Dresden
ILMA RAKUSA, Fachjurorin, geboren 1946, studierte Slawistik und Romanistik und lebt als Autorin, Übersetzerin und Publizistin in Zürich. Zuletzt erschienen ihr Erinnerungsbuch „Mehr Meer“ (2009), das Berlin-Journal „Aufgerissene Blicke“ (2013) und der Erzählungsband „Einsamkeit mit rollendem r“ (2014). Sie erhielt unter anderem den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung (1998), den Adelbert-von-Chamisso-Preis (2003) und den Schweizer Buchpreis (2009).
MANFRED WIEMER, geborenes Jurymitglied, Leiter des Amtes für Kultur und Denkmalschutz der Landeshauptstadt Dresden
………………………………………………………………………
Dresdner Lyrikpreis
Der Dresdner Lyrikpreis wird im Zweijahresturnus – immer in einem geraden Jahr – vergeben. Der Preis, der zur Förderung des gegenwärtigen poetischen Schaffens durch die Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt Dresden ausgelobt wird, ist mit 5.000 Euro dotiert.
Sibylle Lewitscharoff, für die Lavant unter den Frauen die größte Dichterin des 20. Jahrhunderts ist, hält es für gut möglich, dass die Gedichte eine doppelfädige Bedeutung haben: „Ein Versteckspiel mit scheinreligiösen Inhalten, wobei eigentlich ein sehr, sehr profanes Liebesgewitter dahintersteckt.“
Das Verdienst der Herausgeber dieses Buches liegt (nachzulesen in den Nachworten) im Aufzeigen dieser sinnlich-erotischen, die leibliche Gegenwart wahrnehmende und über die katholische Begrifflichkeit hinausgehende Lesart in Lavants Gedichten. In dieser Lesart konnte man Die Bettlerschale als Leerform oder leeres Gefäß, Die Spindel im Mond als das Aufgehen des Männlichen im Weiblichen und Der Pfauenschrei als Lust- oder Liebesschrei deuten, auch wenn dieser Dreischritt von Begehren, Erfüllung und erneuter Vereinsamung in diesen Gedichtbänden chronologisch nicht nachvollziehbar ist. „Gute Gedichte“, schrieb Thomas Kling über Lavants Lyrik, „sind immer Produkte des kontrollierten Außersichseins, nicht von innerlicher Schlafwandelei.“ / Wilhelm Huber, DER STANDARD 22.11.
An die Anderen
(ein Aufruf gegen den open-mike-Appell von Björn Kuhligk)
„In berlin the dogs have no jobs“ (Mara Genschel)
Liebe Autorinnen und Autoren, liebe in der Vorrunde Ausgeschiedene, liebe Teil- und Arbeitnehmer und alle, die sich nichts von allem nennen dürfen!
Ganz bestimmt hat der oder die eine oder andere von euch Björn Kuhligks bodenständigen open-mike-Appell zum Anlass genommen, auf die Tastatur seines MacBook Air (o.ä.) zu kotzen. Das ist gut so. Empört euch! Habt ihr dieses vollbracht, geht aber hin und wischt die Tastatur wieder sauber und rein. Nehmt dafür nicht irgendeinen Lappen, sondern am besten ein Produkt aus der guten Swiffer-Serie. Gehet sodann eurem eigentlichen Beruf nach und schreibt auf dem nunmehr wieder wie neuen Gerät eine authentische, positive Kundenbewertung für das von euch verwendete Säuberungsprodukt. Vier Sterne sind Minimum! Tut dies unter einem eurer zahlreichen, kreativen Pseudonyme. Vergesst überdies nicht, euer Werk sachgemäß zu verlinken.
Seid hierbei stets dankbar, dass ihr euch eure Zeit völlig frei einteilen könnt, wie übrigens überall in der weiten Welt der Selbstständigkeit. So bleibt euch nach dem Tag im Call Center noch genügend Zeit für das Verfassen weiterer suchmaschinenoptimierter Rezensionen. Im Handumdrehen werdet ihr genügend Geld beisammen haben, um euch beispielsweise das erträumte Praktikum in der Literaturwerkstatt Berlin zu finanzieren.
Euren Text „Ein Quäntchen Widerstand“ (AT) reicht bei allen gängigen Publikationsorganen ein. Seht aber zu, dass euch vorher die Pointe entfällt und kürzt ihn entsprechend! Verheddert euch nicht in Verbindlichkeiten. Zu ungenau sind die politischen Träume des Schriftstellers, und zu niedlich. Was dieser heute fordert, haut ihm jener morgen zehnfach um die Ohren. Drum fordert nichts! Danket stattdessen, für was euch gegeben.
Rottet euch fürderhin zusammen und lästert. Seid hässlich, das macht euch interessant. Dokumentiert sodann unvorteilhafte Anekdoten übereinander in einem öffentlich einsehbaren Online-Tagebuch, um euch ein wenig wohlverdiente Erleichterung zu verschaffen. Distanziert euch von euren Kollegen. Andernfalls seid ihr am Ende völlig ununterscheidbar – vor GOtt nicht nur, sondern auch vor der Jury.
Habt ihr aber einmal die Altersgrenze für Wettbewerbe überschritten, so verfasst Appelle in autoritärem Ton und platziert sie in Foren wie diesem. Macht hierfür vom Imperativ reichlich Gebrauch. Geizt auf keinen Fall mit dem Imperativ, er macht schön!
Mara Genschel
Quelle: lyrikkritik
Was liegt näher, als seinen Bericht über ein lokales Ereignis, auf das man lobend hinweisen will, ein Allgemeinbashing voranzustellen, das zwar nicht originell ist, die Autorin oder den Autoren [Achtung, ich bediene mich aus hinterlistigen Motiven des verbreiteten falschen Akkusativs, M.G.] aber als KennerIn selbst der winzigsten Biotope erscheinen läßt. In diesem – häufigen – Fall also dem Paralleluniversum der „aktuellen deutschsprachigen Lyrik“. Hier tut es Maren Jäger, obwohl der Anlaß gerade nicht auf ihren Gegenstand paßt, ein löbliches und nicht allzu selbstverständliches Beispiel nämlich universitärer Nichtignoranz aus Essen. Deshalb vollzieht sie ab dem dritten Satz eine jähe Volte*:
Die aktuelle deutschsprachige Lyrik (deren illusorischer Singular bereits vor sechs Jahren von Martin Endres aufgespießt wurde) hat es nicht leicht – und genießt obendrein nicht den allerbesten Ruf. In seinen Zehn Thesen zur Poesie polemisiert Michael Lentz 2005: „Keine Strömungen derzeit, höchstens Brisen und Rettungsschwimmer, kein Arschloch der Jahrtausendwende. Es herrscht weitgehend eine Bravheit, dass die Verdauungsorgane ihre Tätigkeit einstellen sollten.“ Ungeachtet aller Unkenrufe, die der Gegenwartslyrik Formlosigkeit und eine Inflation des Banalen attestieren, erfuhr sie in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom – sofern man die zahllosen Autorendebüts, die sprunghafte Vermehrung von Anthologien und Periodika, die Erschließung neuer Leserschichten und Verbreitungsformen (Internetforen, Poetry Slams & Co) als Indikatoren gelten lässt.
In seltsamem Widerspruch dazu steht ihre weitgehende Vernachlässigung durch die Literaturwissenschaft.
Ihre eigentliche Information (die den Bashingkopf nicht nötig hätte) aber bekommt eine eigene Nachricht.
*) Kunstgriff beim Mischen im Kartenspiel; (Reiten) das Reiten eines Kreises von kleinem Durchmesser; (Fechten) seitliches Ausweichen (Duden – Das Fremdwörterbuch, 9. Aufl. Mannheim 2007)
KulturHaus Loschwitz schreibt:
Der diesjährige Abend zur Wahl des Stipendiaten, dem „poet in residence 2015“ spricht zum wiederholten Male ein lyrikaffines, poetisch interessiertes, der Literatur leidenschaftlich verbundenes Publikum an: denn jeder Besucher hat eine Stimme und kann mitentscheiden!
Zu Wahl stehen in diesem Jahr
Monika Littau, Andreas Reimann und Christoph Szalay.
Die Veranstaltung fand gestern abend statt. Gewählt wurde der Leipziger Lyriker Andreas Reimann.
Das 3-monatige Lyrik-Stipendium wird vom Verein »Literarisches Dresden e.V.« seit 2013 ausgeschrieben.
Ermöglicht wird es durch eine kontinuierliche, zweckgebundene Spende aus der Wirtschaft, welche dem Verein über die Firma KREACON e.K. vermittelt wurde.
Jeweils im Zeitraum von 6. Januar bis 31. März erhält ein Autor bzw. eine Autorin freie Unterkunft im Gästehaus des KulturHaus Loschwitz und ein Stipendium in Höhe von 900 Euro monatlich. Das Stipendium wird nach Antritt der Stelle monatlich ausgezahlt.
Die in der Zeit des Stipendiums entstehenden lyrischen Arbeiten sollen einen Bezug zur Stadt Dresden oder der sächsischen Kulturlandschaft erkennen lassen. Im Ergebnis wird diese lyrische Arbeit gedruckt, im Rahmen einer bibliophilen Schriftenreihe in kleiner Auflage publiziert. Alle darüber hinausgehenden Rechte verbleiben bei dem Autor bzw. der Autorin. Die Publikation wird jeweils im September des Jahres in einer öffentlichen Veranstaltung im KulturHaus Loschwitz präsentiert. Für die Mitwirkung an dieser Veranstaltung erhält der Autor bzw. die Autorin ein Honorar. / poet-in-dresden.de
Bisherige Stipendiaten waren
2013: Carl-Christian Elze
Im Alter von 91 Jahren ist am Dienstag (18.11.14) die Lyrikerin Elli Michler gestorben. Die gebürtige Würzburgerin wurde mit ihrem Gedicht „Ich wünsche Dir Zeit“ auf der ganzen Welt bekannt. (…) Im März 2010 wurde Elli Michler für ihr lyrisches Werk das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. / BR (das Gedicht hier zum Nachlesen)
Aus: Jan Kuhlbrodt, Faltungen – zum Experiment
Wie es scheint, wird das Experiment als Gattung betrachtet, was dem Begriff widerspricht. Denn im Grunde müsste das Experiment ja im Bereich vor jeder Gattung liegen. Aus dem Experiment könnte sich, wenn es denn gelingt, eine Gattung konstituieren.
Was verbindet also Texte?
Das ist natürlich eine unsinnige Frage. Eine Frage, die von ihrem metaphorischen Gehalt her sofort auf eine falsche Fährte führt, denn verbunden sind Texte zunächst durch etwas ihnen rein Äußerliches, die Willkür der Auswahl, die sie in einer Publikation zusammenbindet, und durch die Unmöglichkeit, irgendetwas, schon gar nicht die sogenannte experimentelle Dichtung, in seiner Vollständigkeit zu präsentieren.
(…)
Mayröcker steht für eine Art experimentelle Innerlichkeit. Die Sprache durchwandert das Selbst und trifft dort auf die Sedimente von Welt. Innerlichkeit hat hier also nichts mit dem Kitsch zu tun, der anderenorts unter diesem Label verbreitet wird. Sie ist analytisch. Und an Mayröcker schließen sich all jene an, die auf diesem Feld experimentieren und forschen.
Jürgen Becker erforscht die Ränder der Gattung zumindest auf literarischem Gebiet, vielleicht könnte man an dieser Stelle auch Brinkmann nennen. Eventuell hat es auch etwas mit dem B im Nachnamen zu tun. Beide also arbeiten zwischen Hörspiel und Prosa am Gedicht.
Elke Erb schließlich, auch eine, die forscht. Vielleicht könnte man ihre Art mit literarischem Exerzitium des 21. Jahrhunderts beschreiben. Alles wird Gegenstand lyrischer Analyse, und dabei unterscheidet sie nicht zwischen hergestellter und (sozusagen im Volksvorurteil) natürlicher Welt. Und Ausgangspunkt dieser Analyse ist ein Wundern.
Die Kleider der hier ausnahmsweise namentlich angeführten Alten werfen Falten. Wie gute Großeltern sitzen sie nicht auf einem Sockel, sondern mitten unter uns, und wir spielen zwischen den Falten. Verlassen auch schon mal das Zimmer, um bei den Nachbarn reinzuschauen und langsam wird uns auch klar, dass wir fremde Sprachen lernen sollten, um uns zu verstehen.
(Das wussten die angeführten Alten schon, vor allem Jandl und Erb haben in übersetzerischer Hinsicht Unglaubliches geleistet, aber die sind ja schon lange erwachsen.)
Am Ende eine sehr sehr unvollständige Liste der Kinder und Enkelkinder, wie sie mir in den Sinn gekommen sind. Zwei Stunden später wäre das sicherlich anders ausgefallen:
Rinck, Falkner, Czernin, Hefter, Winkler, Piekar, Crauss, Berends, Futscher, Popp, Filips, Seel, Elze, Bresemann … …
(Komplett bei Signaturen)
Große Freude löste die Nachricht gestern aus, dass José F. A. Oliver im Januar den mit 10 000 Franken dotierten »Basler Lyrikpreis« erhalten wird. Die erste Ehrung Olivers, die außerhalb Deutschlands stattfindet – und eine Anerkennung, die von Lyrikern vergeben wird. » Es gibt nichts Schöneres als die Wertschätzung unter Dichterkollegen«, sagte José Oliver gestern.
Ausdrücklich belohnt werden sollen mit dem Preis die Innovationskraft und der Mut von Dichterinnen und Dichtern, gegen den Strom zu schwimmen, heißt es in der Pressemitteilung des Vereins »Internationales Lyrikfestival Basel«. Er soll dazu beitragen, »herausragende Stimmen einer breiteren Öffentlichkeit bekanntzumachen«. José Oliver erhalte diesen Preis für sein „umfangreiches, beeindruckendes Werk“. »José Oliver hat seine Poesie ganz tief in die deutsche Sprache eingeschrieben, eingegraben, ja, die deutsche Sprache mit ihr umgegraben», schrieb der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Harald Weinrich.
Das Basler Lyrikfestival findet vom 23.- 25. Januar 2015 im Literaturhaus Basel statt. /Claudia Ramsteiner, Baden Online
Es ist mir seltsam ergangen mit Dombrowskis Gedichten: Zwar war mir von Anfang an klar, dass sie mir gefielen, nur wusste ich nicht recht zu sagen, warum. Dieses unmittelbare Gefallen mag, dachte ich, auf die starken Bilder zurückzuführen sein, die wir in den Gedichten immer wieder finden. / Dirk Uwe Hansen, Signaturen
Dominik Dombrowski: Fremdbestäubung. Gedichte. Köln (parasitenpresse) 2014. 44 Seiten. 9,00 Euro.
Die Greifswalder Tagung „Poetische Horizonte“, die vom 13. bis 16.11. „Dichter, Lyrikverlage, Literaturwissenschaft“ zusammenführte, hinterließ neben den Spuren sprühender Funken bei Beteiligten und Gästen viele Stunden Tonaufzeichnungen, an deren Aufarbeitung in den nächsten Jahren intensiv gearbeitet werden wird. Eine erste Kost- bzw. Tonprobe wird morgen abend im unabhängigen Radio 98,1 zu hören sein (Raum Greifswald oder Internet). Sie hören u.a. Bertram Reinecke, Simone Kornappel, Pindar (gesungen von Immanuel Musäus), Odile Endres, Léonce Lupette, Silke Peters, Norbert Lange und Elke Erb.
Zur Vorfreude hier ein poetischer Gruß an Greifswald von Elke Erb.
Gestern wurde das 5. Literaturfest München eröffnet (bis zum 7. 12.), das in diesem Jahr keine Lyrik-Veranstaltung im Programm führt.
Ernesto Cardenal, der fast 90 Jahre alte Revolutionär, Theologe, Dichter und ehemalige Kulturminister Nicaraguas las in St. Veit Gedichte. Eingeladen wurde er von der Katholischen Frauenbewegung, er ist gerade auf Lesereise.
Papst Johannes Paul II rügte Cardenal 1983 bei seinem Nicaraguabesuch öffentlich: Das Priesteramt und politische Ämter seien unvereinbar. Cardenal blieb dennoch Kulturminister, als Priester wurde er suspendiert. Bei seiner Lesung am Montagabend in St. Veit ging es Cardenal nicht nur um seine neuesten Gedichte, sondern nach wie vor um Revolution: „Mein Traum ist, dass es noch eine weitere Revolution gibt wie in Nicaragua.“ (…)
Auch heute noch ist Cardenal Schriftsteller, Theologe und Revolutionär: „Ich bin mit der Berufung zum Dichter geboren, sie hat mich zu Gott gebracht, Gott hat mich zu meiner Berufung als Revolutionär gebracht.“/ ORF
Für seinen Beitrag zur Überwindung der deutschen Teilung wird der Schriftsteller Reiner Kunze mit dem Franz-Josef-Strauß-Preis ausgezeichnet. Die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung erklärte zur Begründung, in den Texten des 81 Jahre alten früheren DDR-Dissidenten zeige sich die Hoffnung auf einen offenen Umgang mit dem freien Denken und der Kreativität des Einzelnen. (…) Der Franz-Josef-Strauß-Preis wird seit 1996 verliehen. Kunze ist der erste Schriftsteller, der die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung erhält. Die Preisverleihung soll im kommenden Frühjahr stattfinden. / Thüringer Allgemeine
Der mit 8.000 Euro dotierte Georg-Trakl-Preis für Lyrik 2014 geht an die Autorin Waltraud Seidlhofer. Je 4.000 Euro wurden laut der Landeskorrespondenz Salzburg von der Republik Österreich und dem Land Salzburg zur Verfügung gestellt. Den mit 3.000 Euro dotierten Georg-Trakl-Förderpreis erhält der Lyriker Peter Enzinger.
Seidlhofer wurde 1939 in Linz geboren und lebt in Thalheim bei Wels. Sie war als Bibliothekarin in Linz und Wels tätig und ist Mitglied der Linzer Künstlervereinigung Maerz und Gründungsmitglied der Grazer Autorinnen- und Autorenversammlung. Enzinger stammt aus Zell am See und lebt jetzt in Wien. Der Lyriker wurde bereits 2005 mit dem Förderungspreis der Stadt Wien ausgezeichnet. / Der Standard
Neueste Kommentare