Basstubik

„Meine Gedichte sind nicht mit der Zielsetzung geschrieben, zur Lyra gesungen zu werden, sondern zur Basstuba. Folglich handelt es sich nicht um Lyrik, sondern um Basstubik“, fasst der in Ebersberg lebende Lyriker Wolfgang Oppler sein Werk zusammen. / unternehmen-heute.de

With Refugees

Cate Blanchett performs the rhythmic poem ‘What They Took With Them’ alongside fellow actors Keira Knightley, Juliet Stevenson, Peter Capaldi, Stanley Tucci, Chiwetel Ejiofor, Kit Harington, Douglas Booth, Jesse Eisenberg and Neil Gaiman.

The poem was written by Jenifer Toksvig and was inspired by stories and first-hand testimonies from refugees forced to flee their homes and items they took with them.

One of the sources for the poem was Brian Sokol’s photography project, ‘The Most Important Thing,’ made in collaboration with UNHCR. Many of Brian’s photos, along with firsthand accounts from the refugees he photographed, are featured in the film.

Released exclusively on Facebook, the film urges people to sign the #WithRefugees petition to help ensure refugees have the basics to build back their lives – an education, somewhere safe to live and the opportunity to work.

To see the full version of the film and to sign the petition go to www.withrefugees.org. / UNHCR, the UN Refugee Agency

Haus für Poesie

Jetzt ist die Literaturwerkstatt, die nach einem Zwischenspiel in der Brunnenstraße 2004 in die Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg gezogen ist, unter der Leitung von Thomas Wohlfahrt so groß geworden, dass sie nicht mehr Literaturwerkstatt heißen will. Und weil sie dadurch groß geworden ist, dass sie sich mehr und mehr auf die Lyrik konzentriert hat, steht auf der Tafel, nachdem Wohlfahrt sie im Verein mit dem Regierenden Bürgermeister von ihrer violetten Hülle befreit hat: „Haus für Poesie“.

In dem Namen stecken zwei Botschaften. Die eine ist: Wir sind in Berlin die erste Adresse für Lyrik, wir widmen uns der Stärkung der Dichtkunst als eigenständiger, starker Ausdrucksform, wir haben die 1999 gegründete Website lyrikline.org zu einem großen Archiv der Dichterstimmen gemacht, wir organisieren das internationale Übersetzungsprojekt VERSschmuggel, wir richten alljährlich das ZEBRA Poetry Film Festival aus und das Internationale Poesiefestival und nicht zuletzt alljährlich den Open Mike. Der ist allerdings kein spezieller Lyrik-Wettbewerb, sondern ein allgemeiner Nachwuchswettbewerb.

Die zweite Botschaft steckt darin, dass dem „Haus für Poesie“ mit der Werkstatt und der Literatur auch der Ortsname abhanden gekommen ist. „Haus für Poesie Berlin“ mag es nicht heißen, das klingt ihm zu regional, war es doch als „Deutsches Zentrum für Poesie“ konzipiert. Unter diesem Titel lief die Kampagne, durch die im Jahr 2013 die Literaturwerkstatt zu einer nationalen Institution werden und an die Seite des Deutschen Literaturarchivs Marbach, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt und der Klassik Stiftung Weimar treten wollte. Das Ziel war: „Die Literaturwerkstatt Berlin legt den Grundstein und geht im Deutschen Zentrum für Poesie auf.“ Aus diesem Upgrading ist nichts geworden; es gibt in Deutschland, in Berlin viele Orte, die auch eine Menge für die Lyrik tun, aber im Verzicht auf eine Ortsbindung lebt im „Haus der Poesie“ der nationale Anspruch fort. Nichts schlimmer, als wenn bei der Weihe eines neuen Hauses pathetische Weihestimmung herrscht. Die Gefahr wurde im Roten Rathaus durch den Dichter Oswald Egger erfolgreich gebannt. Ihm fiel die Ehre zu, die neue Institution mit der alljährlich gehaltenen „Berliner Rede zur Poesie“ zu eröffnen. Und er bedankte sich, indem er in seinen Satzgirlanden, Wortkaskaden, und Anagrammen keinen Stein auf dem andern ließ, schon gar nicht die Steine eines Hauses für Poesie. „Ist die Poesie ein Schul- und Hausmeisterlein – aus Deutschland?“ „Wer ist diese Poesie, die jetzt kein Haus hat, und – wird sie lange bleiben? Sitzt sie in einem Haus mit Telefonen? Wer ist sie? Sind wir sie? Alle? Sie? Ein Haus mit tausendzwei Stockwerken, und sie denkt in meinem Kopf, da kämpft sie, wo ich wohne, sie ist heimisch, nicht vertraut“ (nachzulesen in Oswald Egger:Was nicht gesagt ist. 1. Berliner Rede zur Poesie. Wallstein Verlag, Göttingen 2016. 48 S., 12,90 Euro.) / Lothar Müller, Süddeutsche Zeitung

Was kann Lyrik

Bumillo fragt die Lyrikerinnen und Lyriker, die Dichterin und Verlegerin Daniela Seel sowie den Leiter des Münchner Lyrik-Kabinetts Holger Pils: „Was kann Lyrik, was Romane, Zeitung, Fernsehen und Hörfunk nicht können?“ Die Antworten sind so vielfältig wie die Poesie der Gegenwart, und die ist reichhaltig. / Südlicht

Wie verkauft man Lyrik?

Tatsächlich kann man, was den deutschsprachigen Raum betrifft, kaum von einem Markt für Lyrik sprechen, solange bei gut 100 Millionen Muttersprachlern eine verkaufte Auflage von 500 Exemplaren als Erfolg gewertet wird.  (…) Bei einer 500er-Auflage gibt es im Mittel in Mainz, Linz oder Genf jeweils einen Käufer / eine Käuferin (da sie knapp über 200.000 Einwohnern liegen), während es in Kassel, Salzburg und Basel (knapp darunter) statistisch keine/n geben dürfte, von Bozen ganz zu schweigen.
Diesem wirklich überschaubaren Kreis von Käufern steht eine Dichtung gegenüber, die sich in den letzten dreißig Jahren auf die wunderbarste Weise entwickelt hat, mit einer solchen Vielzahl von unterschiedlichen Ansätzen und Strategien, dass das Missverhältnis von sehr guter Lyrik zu immer dünner werdenden Publikationsmöglichkeiten dazu führte, dass das Geschäft des Lyrik-Verlegens heute im Wesentlichen von kleinen, sehr kleinen oder sehr, sehr kleinen Verlagen geleistet wird. Genannt seien stellvertretend kookbooks, Edition Korrespondenzen, roughbooks, Peter Engstler Verlag, Verlagshaus Berlin, Reinecke & Voß, Edition Rugerup, Parasitenpresse, Quiqueg, hochroth und die edition AZUR, die jeweils ganz unterschiedliche Modelle entwickelt haben, um mit relativ wenig Geld relativ großartige Bücher machen zu können.

Mein Verlag, die Brueterich Press, setzt nun, ähnlich wie die roughbooks, auf ein Abo-Modell. / Ulf Stolterfoht, mehr im Freitag Blog

Überholt?

Zuschauer sind meist enttäuscht von ihnen, und die Schriftsteller finden sie lästig. Warum gibt es dann eigentlich immer noch Autorenlesungen? Von der Langlebigkeit einer literarischen Urszene. / Michael Wolf, Die Welt (Lesedauer: 7 Minuten)

Thema Lesung in L&Poe

Poetisch

setzt die Rezension von Rainer Kasselt zu Volker Brauns neuem Gedichtband ein, gar mit einem „heroischen“ trochäischen Achtheber (oder im Maß der Nationalhymne?):

Ihn beherrscht ein eignes Wesen, heiter macht es ihn und trüber. Es schenkt ihm seine Freiheit, seine Engnis. Der gebürtige Dresdner Volker Braun, 77, nennt dieses Wesen „Dämon“ und meint damit sein doppelt qualbeladenes Dichterherz.

Lesen Sie, wie es weitergeht: Sächsische Zeitung

Volker Braun: Handbibliothek der Unbehausten, Suhrkamp Verlag, 110 Seiten, 20 Euro

Poetopie

die Moderne – eine alte Jungfer, die niemals alt werden wollte

Hansjürgen Bulkowski

Barto, Charms, Majakowski – Kinderbücher 1918 – 1938

Die Universität Princeton zeigt eine digitale Ausstellung von 46 sowjetischen Kinderbüchern der Jahre 1918 – 1938. Die Auswahl stammt aus der Cotsen Children’s Library und umfaßt Vers und Prosa, Malerei, Zeichnung, Fotomontage und in einzelnen Fällen typographische Experimente, wie sie typisch für die sowjetische Avantgarde der Zeit waren. 160 Bücher der riesigen Sammlung russischer Kinderbücher stehen digital zur Verfügung, darunter Bücher von Agnija Barto, Alexander Deineka, Wladimir Majakowski, Daniil Charms, Arkadi Gaidar, Samuil Marschak, Alexander Wwedenski, Alexej Krutschonych, Valentin Katajew, Jewgeni Schwarz, Viktor Schklowski und vielen anderen.

/ princeton.edu | citifox.ru

Engagiert

Unter dem Titel „Neuberger Lyrik und mehr“ ist ein Buch erschienen, dass Gedichte und Texte von den beiden bereits verstorbenen Neuberger Literaten Josef „Pepi“ Radostics und Elisabeth Sakovics und den noch vier aktiven Ida Boisits, die Tochter von Elisabeth Sakovits, Robert Novakovits, Manuela Schmidt und Karl Knor enthält.

(…) Die Gedichte sind in deutscher und kroatischer Sprache verfasst.

Der Reinerlös aus dem Buchverkauf soll gespendet werden für die Renovierung des örtlichen Kriegerdenkmals, das derzeit saniert wird. Damit wollen die Kulturschaffenden einen Beitrag zum Erhalt eines Neuberger Kulturgutes leisten. / BVZ.at

Schönstes Gedicht

Jan Böhmermann hat mit seinem umstrittenen Gedicht Schmähkritik den neuen Preis für Popkultur in der Kategorie Schönste Gedichte* gewonnen. Der ZDF-Moderator war zu der Preisverleihung nicht anwesend. „Aus terminlichen Gründen, wegen Magen-Darm-Problemen und weil ich gerade zwei juristische Verfahren am Laufen habe, kann ich mich nicht so einfach öffentlich äußern zu dem Thema, zu dem ich heute Abend ausgezeichnet wurde“, sagte er in einer Videobotschaft.

Gegen Böhmermann läuft derzeit ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. / Die Zeit

*) Auf der Website des Preises heißt sie aber „Schönste Geschichte“ mit der Unterzeile „Jede Form popkulturell konnotierter medialer Berichterstattung aus TV, Radio, Internet, Print etc.“

Sehr kurze Gedichte

Schließlich gibt es eine Reihe von sehr kurzen Gedichten, die sozusagen unversehens den Lippen entspringen und die man während der Arbeit sofort in das Notizbuch einträgt, damit sie nicht verloren gehn: Im Wald // ein Reh geht, es nickt / im Takt mit den Schritten / 16.11.06. Oder: Zur Liebe so begabt / wie der Ararat / ins Tal blickt und lächelt. / 24.10.10. – Aber sie alle verblassen neben diesem:

* * *
Das Aus hat (wie
der Laut sagt)
keinen Garten.

Da habe ich mich wohl selbst übertroffen und weiß nicht, wie. – Es fällt mir aber auf, dass etliche den Spruch sofort verstehen. – Meine Freundin trug ihn mit Beifall in einer Kneipenrunde vor, die sie öfter aufsucht. – Ein Freund schrieb ihn sich augenblicklich auf, nachdem ich ihn vorgelesen hatte. – Vielleicht liegt es an den Lauten, den beiden au, und dem überraschenden Garten dann. Wie kann man das erklären? Offenbar doch mit einer geheimen Resonanz. Einem folgsamen Gehör in uns? Das Gehör geht mit und entscheidet selbst. – Es geht auch mit bei ähnlichen Folgen in anderen Gedichten. Aber nicht so isoliert wie hier. – Ich habe den Spruch in einem Zug aufgeschrieben, ohne zu überlegen.

Elke Erb, aus: Wie ein Gedicht entsteht, der Freitag Blog

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

„Zeugnis ablegen und den Opfern eine Stimme geben“

Man vergisst, dass soziale Veränderungen wie die Französische Revolution auch das gesamte literarische System veränderten. Wer finanzierte von nun an Poesie? Wer verbreitete, wer las sie? Der Hofadel? Die Bourgeoisie? Und was ist mit der Russischen Revolution, die ganz neue Formen politischer Loyalität von Dichtern verlangte? Welchen Zielen nützt, was jemand schreibt? Wer zahlt die Rechnung? Die Antwort darauf ist so kompliziert geworden, dass es verlockend scheint, zu behaupten, der Dichter nütze nur sich selbst: „la poésie pour la poésie“ – Poesie sei nicht politisch.

Angesichts der Globalisierung wollen Dichter auch von Menschen am anderen Ende der Welt verstanden werden. Sie besingen nicht mehr die Amsel oder den Bussard, sondern den „Vogel“; nicht mehr die Pappel oder den Mangobaum, sondern den „Baum“. Alles, was ortsgebunden war und den Dichter mit seiner Community verband – Poiesis in der und für die Polis –, wird nicht selten im Namen einer geschichtlichen wie geografischen Neutralität aus den Gedichten verbannt. Die Ideologie der Zeitlosigkeit vereint mit der einer Ortlosigkeit. Man schreibt nicht für seine Zeitgenossen, sondern für eine imaginäre Zukunft. In meinen Augen ist ein Text politisch, der sich seiner Zeit und seines – lebenden – Publikums bewusst ist. Gegen die Verbrechen, die sich zu Füßen von Benjamins Engel anhäufen, hat Poesie vielleicht nur diese Funktion: Zeugnis abzulegen und den Opfern eine Stimme zu geben. Und dann ist da noch die geschichtliche Flexibilität von Poesie: Die Gedichte Catulls bringen uns die Römische Republik nahe und haben uns heute noch etwas zu sagen. Dabei schrieb Catull über seine Polis und seine Zeit.

Ricardo Domeneck, aus einem Beitrag bei der Freitag

Ricardo Domeneck, Dichter, lebt in São Paulo und Berlin
Übersetzung aus dem Portugiesischen von Odile Kennel

Freiheitsberaubung

Seit dem 19. August sitzt die türkische Journalistin und Autorin Asli Erdoğan in einem Istanbuler Gefängnis. Viele ihrer Kollegen haben sich für sie eingesetzt und ihre Freilassung gefordert. Für sie ist die Inhaftierung besonders schwer zu ertragen, weil sie krank ist und regelmäßig Medikamente nehmen muss.

Vor dem Gefängnis, in dem Erdoğan festgehalten wird, wird auch eine Mahnwache abgehalten. Daran ist auch die Schriftstellerin Gaye Boralioglu beteiligt. Sie berichtete im Deutschlandradio Kultur über die medizinischen Probleme der Inhaftieren:

„Es geht ihr natürlich noch immer nicht sehr gut. Die gesundheitlichen Probleme haben nicht nachgelassen, das heißt sie kann ihre Medikamente nur eingeschränkt nehmen und es ist nur relativ besser geworden. Aber wir sind besorgt, denn die Umstände in den türkischen Gefängnissen lassen sehr zu wünschen übrig.

Am Montag sei der Einspruch gegen die Verhaftung Erdoğans abgewiesen worden, beklagt Boralioglu. Es sehe so aus, als ob ihre Freiheitsberaubung noch länger andauern werde. / DLR

Poesiefestival von Formosa

In Tamsui / Neu-Taipei, Taiwan, findet am 20.September das 2. Internationale Poesiefestival von Formosa statt. 30 taiwanesische und ausländische Dichter werden auftreten:  aus Bangladesch, Kolumbien, Irak, Tunesien und Japan. / Taiwaninfo