sich festhaken an einem wort

156 Wörter, 1 Minute Lesezeit.

Jayne-Ann Igel

***

»Jedes wort birgt einen widersinn in sich« notierte ich ins tagebuch, und der auslöser für diesen gedanken war, daß ich kurz zuvor das wort flußläufe gelesen und dabei die läufe eines tiers vor augen hatte, daß also auch der fluß nichts anderes als eine wesenheit, die sich auf ihren läufen fortbewegt durch raum und zeit, über stock und stein, wie es oft heißt, auf läufen, die ermüdet und kalt, bläulich verfärbt – Das wasser läuft, man läßt es laufen, das gezähmte im hause, manchmal sieht man es überlaufen, und ich stellte mir vor, daß es ein tausendfüßler, der in fließender bewegung, gleich der rede, die in fluß geraten, aus anfänglichem stocken und stolpern erlöst, einem stottern… immer dies gehen, dies sich festhaken an einem wort, das vielfüßig sich behauptet, im vers, dies buchstabieren von neuem …

Aus: Aus Mangel an Beweisen. Deutsche Lyrik 2008-2018. Hgg. v. Michael Braun und Hans Thill. Heidelberg: Das Wunderhorn, 2018, S. 119

Das ist halt so

113 Wörter, 1 Minute Lesezeit.

Ror Wolf

(* 29. Juni 1932 in Saalfeld/Saale, Thüringen; † 17. Februar 2020 in Mainz)

Dritter unvollständiger Versuch 
das Leben zu beschreiben


Zweiunddreißig, Juni, nachts zwei Uhr,
als ich nass aus meiner Mutter fuhr,
als ich stumm aus meiner Mutter kroch,
aus dem einen in ein andres Loch,
aus dem Fleisch heraus hinein ins Leben,
sagte man zu mir: So ist das eben.

Im November nachts Zweitausendeins
lag ich nackt und aufgeschlitzt in Mainz,
tief im Blut und alle Tropfe tropften,
die Kanülen, die Katheter klopften,
alles floß hinein in das Plumeau,
und man sagt zu mir: Das ist halt so.

Aus: Aus Mangel an Beweisen. Deutsche Lyrik 2008-2018. Hgg. v. Michael Braun und Hans Thill. Heidelberg: Das Wunderhorn, 2018, S. 25f

es frisst der Mensch, um Mensch zu sein

141 Wörter, 1 Minute Lesezeit.

Hermann Kükelhaus 

(* 4. August 1920 in Essen; † 30. Januar 1944 in Berlin)

Ich habe zweierlei Gesicht, 
doch ganz genau weiss ich das nicht.

Ich habe rechts und links ein Bein –
O, welches mag das bessre sein?

Auch von den Seelen hätt' ich zwei –
die eine sei ihr Konterfei

und sitze tiefer als die andre –
und überhaupt: die Seele wandre.

Hätt' ich ein Auge, weiss wie Schnee,
mir täten keine Farben weh –

Die Erde sei, weiss Gott, fast rund –
nur schöner wär' ein Mädchenmund.

Und manchmal ist der Himmel blau,
wenn Sonne scheint – sonst ist er grau.

Wie kommt es nur auf dieser Welt,
dass man sich auf die Füsse stellt? –

Der liebe Gott mög' uns verzeihn,
es frisst der Mensch, um Mensch zu sein.

Aus: Hermann Kükelhaus: … ein Narr der Held. Briefe und Gedichte. Herausgegeben von Elizabeth Gilbert. Vorwort von Hugo Kükelhaus. Zürich: Diogenes, 1964, S. 71f

Hannah Arendt’s Gedichte

Unter diesem etwas irreführenden Titel samt Apostroph erschien etwa 2015 ein schmaler Band mit der Verlagsangabe roughradio.com (also einem der Engeler-Verlage). Der Band der Herausgeberinnen Barbara Hahn und Marie Luise Knott hieß im Untertitel „Eine Auswahl“, aber er ist keine Auswahl aus dem 71 Gedichte umfassenden lyrischen Werk der großen Philosophin, das ebenfalls 2015 bei Piper erschien. Vielmehr ist es eine Auswahl der Gedichte, mit denen sie im Leben und Werk nahen Umgang hatte. Ohne diesen Umstand näher zu erklären, haben die Herausgeberinnen zwei kurze Gedichte, insgesamt 22 Zeilen, von der Philosophin selbst eingeschmuggelt, der Rest sind ihre (Lieblings-)Gedichte in deutscher und englischer Sprache, von Heine, Goethe, Rilke, Morgenstern, Brecht, Brecht, Blake, Dickinson etc. Das Nachwort endet mit diesen Sätzen:

In einem ihrer frühesten Texte, den sie zusammen mit Günther Stern verfaßte, reflektierte sie 1929 mit Rainer Maria Rilkes Duineser Elegien über die „Echolosigkeit des modernen Menschen“. Mit Versen von Sophokles beschließt sie ihren Essay Über die Revolution; mit Shakespeare und Auden endet der erste Band Vom Leben des Geistes. Die vorliegende kleine Sammlung bietet einen Ausschnitt aus dieser „gemeinsamen Gegenwart“ (Char), die mit jedem Hören und Lesen eines Gedichtes neu beginnt.

Hier das Gedicht des Tages.

Hannah Arendt 

(geboren am 14. Oktober 1906 in Linden, heute Hannover; gestorben am 4. Dezember 1975 in New York City)

Bin nur Eines 
Von den Dingen,
Den geringen,
Das gelang
Aus Überschwang.

Schliesse mich in Deine Hände,
Daß sie schwingend
Überschwingen
Ins Gelingen,
Wenn Dir bang ist.

Hannah Arendt’s Gedichte. Eine Auswahl, hrsg. v. Barbara Hahn u. Marie Luise Knott. O.O., o.J. (2015): roughradio.com, S. 41

Hannah Arendt: »Ich selbst, auch ich tanze«. Piper, München 2015

Ihr und Ich

Hans Benzmann (* 27. September 1869 in Kolberg; † 7. Januar 1926 in Berlin) war ein deutscher Lyriker. (…) Johannes Heinrich Wilhelm Benzmann war der Sohn des militärischen Zahlmeisters Heinrich Benzmann und dessen Ehefrau Anna, geb. Noffke. Als er sechs Jahre alt war, starb seine Mutter. Er besuchte die Gymnasien in Kolberg und ab 1880 in Thorn, wohin der Vater versetzt worden war. Ab 1890 studierte er an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, danach wurde er durch die Königliche Universität zu Greifswald zum Dr. phil. promoviert. Er arbeitete als Beamter im Reichsamt des Innern und ab 1906 als Archivar im Reichstag. (…) Benzmann wurde auf dem Friedhof Steglitz in Berlin beigesetzt. https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Benzmann

Heute vor 100 Jahren starb in Berlin der Lyriker und Anthologist Hans Benzmann. „Ein sehr ernst zu nehmendes lyrisches Talent“, urteilte Max Geißler, Führer durch die deutsche Literatur des 20. Jahrhunderts (1913). Aber wie es geht, nach seinem Tod geriet er bald in Vergessenheit und ist heute, wenn überhaupt, eher als pommerscher Autor denn als Berliner bekannt.

Aber man kann ja auch mal ein Gedicht von einem nicht so großen Dichter lesen.

Ihr und ich. 

Ihr geht in Opern, ihr besucht Konzerte,
Ihr gafft euch satt in Bildergallerien –
Ich schlüpf‘ wie eine muntere Lacerte
Am liebsten durch's Gewühl der Menschen hin!

Wo Wagen rasseln, Peitschen lustig knallen,
Wo dröhnend schnauft das Dampfes Eisenpferd,
Wo tausend Menschen, arm‘ und reiche, wallen
im Strudelstrom der Zeit, im Arbeitsherd,

Da packt mich recht ein inniges Gefallen,
Da eil’ hin und tauche meinen Blick
In dies und das Gesicht, und nehm’ von allen
Ein Bild, helldunkel, dieser Zeit zurück!

Ihr schaut das Bild, ich blicke in die Herzen,
Und der Reflexe bunter Farbenschwall
Und all' das Elend, all die tausend Schmerzen,
Sie finden in mir langen Widerhall!

Ihr lest Romane zum Dessert nach Tische,
Ihr träumt in fremde Leiden euch hinein,
In Liebesglück, und faule oder frische
Gefühle und Gedanken schlürft Ihr ein! …

Mein Leben ist voll Leidenschaft und Leiden,
Voll Glück und Not, wohl selber ein Roman:
Ein Kämpfen, Siegen, Bluten und Verscheiden,
Und niemals, wünsch' ich, soll die Ruhe nah'n!

Ihr liebt die Ruhe – friedeloses Kämpfen
Ist meine Lust und meines Lebens Quell,
D'raus unter blutig heißen Schmerzensdämpfen
Der Lieder Strom entspringt bald trüb, bald hell.

Ihr seid die Herde, die nach alter Sitte
Auf grüner Flur behaglich wiederkäut.
Die, wenn sich einer von der goldnen Mitte
Verliert. Verdammnis, Schuld und Sühne schreit!

Mein Eigner will ich sein, die ganze Fülle
der Keime in mir will ich wachsen sehn –
Ein wilder Wald voll rätselhafter Schwüle,
Voll Unkraut will ich in die Höhe gehn!

Aus: Hans Benzmann, Im Frühlingssturm! Erlebtes und Erträumtes. Großenhain und Leipzig: Baumert & Ronge, o.J. , S. 161f

Er hat zwei Seelen in jeder Brust

Meret Oppenheim 

(* 6. Oktober 1913 in Charlottenburg, heute Berlin; † 15. November 1985 in Basel)

Der Hund meiner Freundin

Ich liebe den Hund meiner
Freundin. Er kann so schön
»ja« sagen. Er sagt »ja«, wenn
man ihn vergißt. Er verdammt
keinen, der sich mit ihm vergleicht.
Wo er hinkommt, da kehrt der
Frühling ein. Weint er, verliert
die Natur ihre Federn. Ist er
hingegen wohlgelaunt, schiebt
er mit viel Geschick die Hand zum
Mund, um ihm seine tiefsten
Geheimnisse abzulauschen.
Wie jeder brave Mann hat er
zwei Seelen in jeder Brust,
fünfundzwanzig an Händen und Füßen.

Aus: Meret Oppenheim: Husch, husch, der schönste Vokal entleert sich. Gedichte, Prosa. Hrsg. Christiane Meyer-Thoss. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 2002, S. 63

Axel Kutsch (1945-2025)

201 Wörter, 1 Minute Lesezeit.

Axel Kutsch 

(* 16. Mai 1945 in Bad Salzungen; † 30. Juli 2025)


Selbstgespräch

Im späten Sommer
bist du angekommen.
Durch frühe Nebel siehst
du schon verschwommen
den Herbst. Du weißt,
du kannst ihm nicht entfliehn.
Er wird dich morgen
in die Tage ziehn,
da unaufhörlich Blätter
von den Bäumen fallen.

Alternder Narr, hör
endlich auf zu lallen.
Versinke nicht im trüben
See der Traurigkeit.
Daß dich der Herbst erwischt,
ist nur der Lauf der Zeit.
Laß doch die Blätter fallen.
Du änderst nichts daran.
Die Tage werden kälter.
Zieh dich wärmer an.

Neben vielen Texten, aus denen hintergründiger Humor, fein skizziert, hervorlugt, hat Axel Kutsch gesellschaftskritische Gedichte, aber auch selbstbesinnliche geschrieben. Das „Selbstgespräch“, noch in alter Schreibweise, vor langen Jahren im Bändchen „Stille Nacht nur bis acht“ zählt zu den schönsten. Jene Altersresignation, die sich bei vielen Menschen einstellt, die der Zeit nachtrauern, die Jugend, die Leben hieß, verarbeitet Kutsch in einem Monolog, der ruhig, gelassen, aber selbstkritisch das Sinnlose des Jammerns und Lamentierens auf die Schippe nimmt. Der Text ist tröstlich, heiter. Fast wie der Trost eines Vaters, der seinem Kind das Leben erklärt. Nur dass es diesmal ein alter Mensch ist, der einem alten Menschen das Altern erklärt.

Peter Ettl

Feuerkopf

876 Wörter, 5 Minuten Lesezeit.

Wolfgang Bauer 

(* 18. März 1941 in Graz; † 26. August 2005 ebenda)

Aus: Der Feuerkopf. Roman in Briefen

Lieber Heinz!

Noch immer Rio, am 3. Februar 1964

Jetzt ist der noch immer in Rio! höre ich Dich sagen. Ja. Ich bin noch immer in Rio! Aber glaube nicht, daß ich mich entschlossen habe umzukehren. Demnächst startet unsere Expedition nach Canca.

Das ist so sicher wie nur etwas! Ich sende Dir nur inzwischen einen kleinen Lagebericht.

Wie Du ja weißt, sind wir in allen unseren Unternehmungen gebunden. Finanziell einerseits an Celsia, und was den Weg nach Canca betrifft, an den Capitano. Letzterem gefällt es aber in Rio so gut, daß er beabsichtigt, noch ein paar Tage hier zu verweilen. Ihm haben es natürlich vor allem die Bordells angetan –und Du kannst Dir vorstellen, daß die gesamte Halbwelt von Rio vom doppelten Capitano begeistert ist. Schließlich ist der alte Seebär hier ja kein Unbekannter mehr. Ich persönlich bin guter Dinge, zumal ich mich mit Celsia wieder versöhnt habe, ja sogar an eine eventuelle Ehe denke! Ich würde mich natürlich von meiner Grazer Freundin offiziell trennen.

Ordnung muß sein. Ohne sie (Ordnung) könnte ja die ganze Welt zumachen. Wir sind alle in einem sehr komfortablen Hotel einquartiert. Die Bedienung (Neger!) läßt vielleicht etwas zu wünschen übrig. Aber sonst bin ich ganz zufrieden. Alex ist im Nebenzimmer einquartiert und dichtet wild darauf los. Er hat in den letzten Tagen an die hundert Maschinenschreibseiten gedichtet. Die Möglichkeit, eine Schreibmaschine zu Dichtzwecken zu verwenden, war ihm gänzlich neu. Um so mehr gefällt es ihm jetzt. Ich soll Dir (bitte sei mir nicht böse!) zwei seiner neuesten Gedichte in den Brief hereinschreiben:

RIO
Flammenwedel der Erde
Schimmernde Mulattenpupille
Eukalyptusbaum
Asphaltstraße
Zuckerhut (Wagemut)
Tropengrauer Himmel
Knochige Gesichter
Ich bin ein Dichter!

Oder:

CHAOTISCH
(Das Gedicht heißt so, ich kann nichts dafür.)
Turbulenz der Meereswellchen
Dichter Stadtverkehr
Brodelnde Menschenmenge
Die Glocke, die zum Essen läutet
Voller Speisesaal
Uppiges Mittagsmahl
Tanzbeine
Musikkapelle
Tobende Musik
Musikkapelle
Turbulenz einer Gewitternacht
Farbenpracht
Vulkane
Zuckerhut
Flammenwedel der Erde
Musikkapelle (Wagemut)
Tanzbeine
Musikkapelle
Ich bin ein Dichter!
Musikkapelle
Turbulenz der Asphaltstraße
Tropengraue Mulattenpupille
Musikkapelle
Musikpupille
Musikkapelle
Eukalyptusbaum
Dichtester Stadtverkehr
(Wagemut)
Musikkapelle
(Wagemut)
Chaotisches Rio!
Musikkapelle

Ich habe absichtlich die beiden kürzesten Gedichte ausgewählt. Bei all seiner poetischen Potenz verwendet er, wie Du siehst, in jedem weiteren »Werk« große Teile des vorangegangenen. Ich fragte ihn auch, weshalb er das Wort »Musikkapelle« immer wieder hinschreibe. Er antwortete nur mürrisch: »Stimmung!« Na bitte, er muß es ja wissen.

Gestern, und das wollte ich Dir vor allem schreiben, bummelte ich des Abends, kurz nach der Dämmerung, mit Celsia ein wenig am Strand herum. Du kennst sie ja aus meinen Briefen und weißt, daß sie stets Überraschungen bereit hat. Gestern aber schien sie sehr traurig zu sein, auch ihr Gewand verfärbte sich nur einmal, und zwar in Schwarz, und blieb dann die ganze Nacht so. Sie sagte, sie sei in Sorgen wegen der Expedition, das wäre nichts für sie. Ja, schließlich äußerte sie sogar Todesgedanken! Die konnte ich ihr aber mit meinem schon sprichwörtlichen Bummelwitz gleich wieder austreiben. Wir saßen längere Zeit im Sand und sahen in die schwarzen Fluten hinaus. Auf einmal wurden zwei weiße Punkte (vom Mondlicht beschienen) im Meer sichtbar. Offensichtlich schwammen da zwei Menschen mit weißen Kopfbedeckungen einher. Als sie in unserer unmittelbaren Nähe aus dem Wasser stiegen, sah ich, daß es ein Pärchen war.

Beide hatten die Uniformen von Bäckern an.

Schneeweiß – und stell Dir vor! – nicht einmal durchnäßt, ja noch dazu mehlbestaubt, setzten sich sich neben uns nieder. Ganz junge Dinger noch.

Er war vielleicht 28, sie aber sicher nicht älter als 17 Jahre. Sie fragte mich, auf deutsch, ja mit einem leichten kärntnerischen Akzent, wie spät es sei.

Ich sagte ihr die Zeit, worauf beide höhnisch kicherten.

Wir kamen daraufhin mit ihnen ins Gespräch.

Er war ein eher einfältiger, grobschlächtiger Mensch, sie ein recht aufgeweckter Teenager. Er hieß Hubert Fabian Kulterer und sie Karin. Wie sie noch hieß, habe ich nicht verstanden. Beide wohnten, wie sie sagten, in Canca!!

Ich sagte ihnen, daß wir, Celsia und ich und der Capitano, auch dorthin wollten.

Daraufhin wurden die beiden plötzlich ernst und Hubert Fabian fragte, ob wir überhaupt angemeldet seien.

Ich verstand ihn nicht, darauf sagte er: »Weil Sie ein Österreicher sind, kriegens vielleicht a Protektion!«

Ob er das zynisch oder ehrlich gemeint hatte, wußte ich nicht. Diesem Burschen war jedenfalls nicht zu trauen. Wäre er nicht in Canca wohnhaft gewesen, ich hätte ihn ohne Umschweife für Deinen werten und gleichnamigen Freund gehalten!

Als die beiden weggingen, sagte Karin noch: »Wir sehen uns dann also in Canca wieder. In der Bäckerei!«

In der Bäckerei?

Für heute, lieber Freund, will ich Dich mit dieser Frage entlassen.

Um so gespannter erwartest Du dann meinen nächsten Brief. Auch er wird vielleicht noch aus Rio kommen.

Tschau! (Ich erlaube mir Alex‘ Gruß zu übernehmen!) Dein Freund Frank.

Liebe Grüße auch an Karin. Ist sie den hoffentlich schon vom Schifahren zurück???

P.S. Unter mir wird sich bestimmt wieder dieser Trottel von Ulf unterschreiben! Beachte ihn nicht mehr!

Frank

Ulf

Aus: Wolfgang Bauer: Die Sumpftänzer. Dramen, Prosa, Lyrik aus zwei Jahrzehnten. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1978, S. 172ff

Hauptsächlich als Dramatiker irritierend, waren doch seine Auftritte als Lyriker, Romancier und Feuilletonist äußerst erfolgreich und populär, im gleichen Ausmaß, in dem sie die Anforderungen der Gattung jeweils nicht erfüllten.“ (Literaturverlag Droschl)

Der Körper und das Blut auf den Knien

1.115 Wörter, 6 Minuten Lesezeit.

Zweiter Teil der Rezension von Diego Valverde Villena: Feuerzungen. Gedichte. Aus dem Spanischen von Harry Oberländer.  [span./dt.]. Frankfurt/Main: Edition Faust, 2024. Teil 1. Fortsetzung folgt. Erster Teil hier.

Von Michael Gratz (Greifswald)

2. Poetische Programmatik

Literarische (Walther) und theologische Schlüsselstelle

 Valverde betont im Vorwort seine enge Beziehung zur deutschen Dichtung. Als Student stieß er auf eine zweisprachige Ausgabe deutscher Minnesänger, vor allem Walthers von der Vogelweide, dessen Werk für ihn von einer „speziellen Art Heiterkeit“ getragen ist, als sei es „mit einem Lächeln auf den Lippen“ geschrieben. Die Lebenslust dieser Dichtung übertreffe jene der provenzalischen Dichter, der Troubadours. Und er führt ein Zauberwort an, für ihn „das ewige Schibboleth des Minnesangs“, es ist das Wort „Tandaradei“, er sagt: „Ein Gesang, der die Wunder des Lebens feiert, ohne ihr Geheimnis preiszugeben.“ Die Feier des Lebens und insbesondere der Frau ist denn für ihn der Kern seiner Dichtung, er führt neben Walther noch Dylan Thomas als Kronzeugen an und dann Goethe, das Ewig-Weibliche. Ich lese zunächst jenes Gedicht „Betende Polinnen“, in dem (in der deutschen Fassung) das Wort Feuerzungen vorkommt, als Schlüsseltext.

BETENDE POLINNEN

Die Heilig-Kreuz-Basilika
wo die Herzen sind

und die betenden Mädchen

die Kerzen ihrer Pupillen
verschütten ihr Wachs
über mich

Knie an Knie

der Körper und das Blut
auf den Knien

Ihre Augen Feuerzungen

Dem Mysterium hingegeben
wandelt ihr Leib sich zur Hostie

Es gibt die Kommunion
auf eine dritte Weise

Der Name der Kirche (in Warschau) erscheint in der ersten Zeile, und der Rest des Gedichts bis auf die bilanzierenden zwei Schlusszeilen handelt von den Mädchen, die dort knien; die Herzen, die dort „sind“, mögen gleichfalls die der Mädchen sein, aber vordergründig muss man an das Herz Frédéric Chopins denken, das auf abenteuerlichem Wege dorthin gelangte (seine Schwester entnahm das Herz des in Paris Gestorbenen auf seinen eigenen Wunsch, es wurde in Cognac konserviert und heimlich über die damals russische Grenze nach Warschau gebracht und 1879 in einem gläsernen Gefäß in der Heilig-Kreuz-Kirche deponiert) und überdauerte (was alles andere als selbstverständlich ist, die Kirche wurde bereits in den ersten Kriegstagen 1939 bombardiert und nach dem Warschauer Aufstand von den Deutschen gesprengt, aber ein deutscher Offizier sicherte das Herz und gab es in ein Kloster, von wo es nach dem Wiederaufbau der Kirche zurückgegeben wurde und bis heute dort ruht), das eine Herz also, und die Frage nach den Herzen im Plural bringt uns auf die Mädchen zurück, die dort beten, wahrscheinlich haben sie Kerzen angezündet, die Metaphern des Dichters vermischen das Wachs ihrer Kerzen mit den Pupillen der Mädchen, die ihr Wachs über den Betrachter verschütten, man muss ihn sich vorstellen, die Zeilen, die Metaphern gehen ineinander über, Knie an Knie also, der Körper und das Blut (!) auf den Knien (!), und erst jetzt erscheinen die Augen, die zu den Pupillen gehören, die Augen sind die Feuerzungen, wo immer sich das „über mich“ vergossene Wachs befindet, jetzt sind es die Mädchen, deren Leib sich in einem chemischen Prozess verwandelt „zur Hostie“, der Leib Christi, der beim Gottesdienst von den Gläubigen verzehrt wird, eine kannibalistische Metaphorik, die dem evangelisch Sozialisierten Schauer durchs „Gebein“ (ach, für uns nur eine klopstocksche Metapher) schickt – diese abenteuerliche Mischung von Theologie und Erotik mündet in eine an Schluss anscheinend wieder nüchterne Bilanz:

Es gibt die Kommunion
auf eine dritte Weise

Die zwei Weisen der Kommunion verweisen entweder auf theologische Diskurse oder auf kirchliche Praktiken, sprechen wir jetzt von eucharistischer und geistlicher Kommunion oder beziehen uns auf die zwei Weisen der Kommunion im Sinne eines Umgangs mit der Hostie im Gottesdienst, sub una oder sub utraque specie, darein wollen wir uns hier nicht vertiefen, hier interessiert allein die „dritte Weise“. Valverdes Gedicht führt eine Art vor unsere Sinne, die direkt den Umgang mit seinen Gedichten betrifft. Dabei spielt er poetisch auf etwas Mystisches und Erotisches an:

• Nicht die sakramentale Kommunion unter einer oder zwei Gestalten, sondern

• eine mystische, leiblich-spirituelle Vereinigung, die im Blick oder im Körper der Frau erfahrbar wird.

Das Gedicht verwandelt also eine klar definierte kirchliche Lehre (Kommunion sub una/sub utraque specie) in ein metaphorisches Liebes- und Mystikmotiv.

Dabei ist es keineswegs nur eine besondere Eigenschaft dieses einen Gedichts – fast in jedem einzelnen spielen sich solch komplexe (soll ich sagen lustvolle? Aber ja!) Vorgänge zwischen Bildspender und Bildempfänger ab. Die semantischen Interferenzen und Verschiebungen (zwischen erotischem Bildträger und theologischer Bedeutung) feiern Hochmessen. Die Doppelstruktur der Metapher entfaltet maximale Wirksamkeit. 
Identifikation und Differenz stehen in hoher Spannung und produktiver Überlagerung. In dem Gedicht „Muttermale“ blickt er auf die Muttermale auf ihrer Haut, die Haut ist eine Landkarte (ein Metaphernkomplex, auf den zurückzukommen ist), aber die Karte verändert sich, „Aber gestern war es genau dort!“

MUTTERMALE

Ich schwöre, dass das Muttermal hier war, hier!

Mit dem Blick decke ich die Karte aus Haut
Da ist es nicht

Aber gestern war es genau dort!

Warum ändern deine Muttermale ihren Ort?
Was macht sie zu Pilgern?
Welch mächtiger Magnetismus regiert
seine merkwürdigen Bewegungen?

Ah, deine wandernden Muttermale!

Sie sind die Punkte auf dem Würfel Gottes.

Sie rollen durch den Spieltisch deiner Haut.
Jeden Morgen, jeden Abend, jede Nacht
wird in den gezinkten Falten deiner Haut
um mein Schicksal gespielt.

Oder in umgekehrter Richtung in dem Gedicht „Beim Verlassen der Messe“. 

BEIM VERLASSEN DER MESSE

Ich hätte es drinnen erwartet
doch es geschah draußen

Nur ein Augenblick

Gott sah mich an

Sie zitterte

(Das Gedicht hat ein Motto von Juan del Enzina, auf das hier an anderer Stelle einzugehen ist)

„Es“ ist der zündende Moment, der Blitz zwischen den beweglichen Ebenen des metaphorischen Spiels. Erst beim Verlassen der Messe geschah „es“, ein blitzhafter Augenblick, Gott wird für einen Moment sichtbar, und „sie“ zitterte. In meiner Lesart ist hier nicht die feministische Frage nach dem Geschlecht Gottes gemeint, sondern „sie“, die erotische Partnerin – in diesem blitzhaften Moment geschieht „es“, und „sie“ zittert. Welche Dynamik zwischen den wenigen lakonischen Worten!

Katholisch oder evangelisch macht in dem Moment keinen Unterschied, Goethe, dem sich der Dichter ja verbunden fühlt, ist hier ganz nah, wie in dem Gedicht „Das Tagebuch“, das zumindest im 19. Jahrhundert heikel war, weil es sexuelle Impotenz im Moment des Seitensprungs darstellt und demgegenüber in der Erinnerung an die Anvertraute die sexuelle Erregung sogar in der Kirche aufruft:

Vor deinem Kreuz, blutrünst’ger Christe,
Verzeih mir’s Gott! da regte sich der Iste.

Wobei der „Iste“ hier nur verhüllende Bezeichnung für das männliche Geschlechtsteil ist. – Im Moment, da ich das aufschreibe, wird mir der große Unterschied zwischen beiden Dichtern bewusst. Goethes Gedicht denkt Sexualität mit theologischer Sprache – nicht Theologie mit sexueller Provokation. Bei Valverde aber ist es echte Metaphorik, man kann die Ebenen gar nicht voneinander trennen, beide Seiten sind jederzeit gleichzeitig anwesend, das Metaphernspiel entsteht durch die unaufhörliche Verschiebung der Grenzen zwischen Bildspender und Bildempfänger. 

Fortsetzung folgt.

Diskrete Dichtung

1.181 Wörter, 6 Minuten Lesezeit für 8 Gedichte

Autor*innen (Auswahl)
  • Michael Augustin
  • Gabriele Hasmann
  • Stefan Heuer
  • Ulrich Jösting
  • Kai Pohl
  • Sophie Reyer
  • Silke Vogten
  • Tom de Toys

G&GN-INSTITUT, Düsseldorf im Januar 2026 / In der frisch erschienenen Antilyrik-Anthologie „DISKRETE DICHTUNG“ präsentieren sich 12 Autoren garniert von Collagen des Künstlerduos Stefan Heuer & Boris Kerenski mit „totgeschwiegenen Gedichten für Lyrikhasser, nicht für den Deutschunterricht geeignet“, so der Untertitel. Die Texte stammen von Michael Augustin, Marvin Chlada, Claus Eckermann, Gabriele Hasmann, Stefan Heuer, Ulrich Jösting, Tanja ‚Lulu‘ Play Nerd, Kai Pohl, Sophie Reyer, Clemens Schittko, Silke Vogten und dem Herausgeber Tom de Toys, der im Vorwort schreibt:

„Eine Anthologie mit Gedichten kann den Lauf der Dinge zwar nicht grundlegend ändern, aber wenigstens lässt sich so dokumentieren, dass es Literaten gibt, die sich der Königsdisziplin Poesie auf eine extrem kritische und sogar selbstkritische Art und Weise widmen; denn alle hier versammelten Autoren sind selber gestandene Persönlichkeiten der Lyrikszene und daher irgendwie mehr oder weniger ungewollt oder aus Notwehr Nestbeschmutzer. (…) An dieser Stelle sei betont, dass die Lyriker, die hier zusammenfanden, nur eine Handvoll hergelaufener Narren sind, die für kein Königtum arbeiten und daher der eigenen Szene und damit auch gleichzeitig sich selber den Spiegel vorhalten.“

Michael Augustin


V-Leute

Angeblich werden rund dreiundsechzig Prozent
aller deutschsprachigen Gedichte von in die
Poesieszene eingeschleusten V-Leuten geschrieben

Gabriele Hasmann

Totgeschwiegene Zeilen

Man sagt, Gedichte sollen tanzen,
in Feuilletons Champagner trinken,
sich auf Podien verneigen,
mit wichtigem Blick und gestärktem Hemdkragen.

Meine Verse tragen Turnschuhe,
kauern im Hinterhof,
spucken auf das Glanzpapier
der Lyrik-Preisjurys.

Sie hassen die Soufflésätze
der Stipendiaten,
die Glitzermetaphern
der Förderprogramme.

Totgeschwiegene Zeilen
machen keine Karriere.
Sie flüstern nur in Hinterzimmern:
"Fuck the System."

Und das reicht ihnen völlig.

Stefan Heuer

Zeichensetzung

und die
die bei,
mir immer
bemäkeln ich könnte!
keine kommata
setzen
und, wüsste nicht mit
ausrufezeichen
!umzugehen
sind gottseidank
die
mit, dem fragezeichen
auf der Stirn

Ulrich Jösting

gänseblümchenblätter

weine wasser in dem dunklen zimmer schreie mir die kehle
aus dem hals nach hilfe gib mir die gänseblume und ich
sage dir ich liebe dich du liebst mich nicht reiße sie raus
die messerstiche zerzupfe mein hirn scheiß auf dieses
blumenamputierspiel auf sommertagromantik sprenge
jede schmusewiese lyrisch kommt es mir stoßweise hilfe
zerfließe wie dalis uhr und brauche die krücken bin
durchbohrt von ligabues adlerblick schwarze
raben machen wahnsinnig wie auch winddurchwühlte
kornfelder der schreiende bacon hält im schlachthaus
ein blutiges ohr in der hand kopf eingeschnürt in
mullbinden der schädel mit gabeln und messern
durchstochen ein felsen zerquetscht mein herz werfe
sie weg die gänseblume zertrete sie mit hass schmerzen
aufgezerrt von klammerhaften erinnerungen duftende
frühlingswaldspaziergänge hast mir die streichelhändearmebeine
vom leib gerissen bacon male mich ich liebe dich
du liebst mich nicht auf stümpfen quält sich die
sehnsucht durch den tag hohl und langgedehnt
dieses wort

Kai Pohl

Oralkodex

Ahoi ihr Schatten auf dem sinkenden Riff,
es sieht so aus, als sei das Leben eine Mode,
und das will was heißen, am nicht mehr ganz
frischen Anfang dieses restlos aufgeklärten
Jubeljahrhunderts! Jeder Fliegenschiß wird
zur Legende, vorausgesetzt, die Kamera hält
lange genug drauf. Und klar, eine Mode kann
man für beendet erklären, wenn die Notration
aufgebraucht ist, und trotzdem noch soviel
Monat übrig. Aber das Leben läuft weiter,
und ich kann nur hoffen, daß ihr mir meinen
staatstragenden Ungehorsam nicht allzu übel
nehmt und mir den Mitesserstatus weiterhin
gewährt. Übrigens, meine Bücher könnt ihr
kaufen, die Gedichte sind geschenkt; mich
kriegt ihr nicht.

Sophie Reyer


Liebesgedicht an das Scheitern

Ich scheiterte am Literaturtrieb
mein Fragen trieb mich weiter
nie backte ich Clemens Setz

Kekse in Reizunterwäsche
um bei Suhrkamp
reinzukommen obwohl

er es angeboten hat
egal
egal ich
bleib Ich:

Meine inneren Verdrehungen
mein logisches Zittern
meine unerträgliche Zerrissenheit

meine geheime Tiefe die mich rief
und mein Ich: durch die Schwerkraft
zusammengezogener

durch Strahlendruck
ausgedehnter

Stern

mein geliebter Irrtum
mein Herzpulsar Fehler
mein unmögliches Spiel

mein zu Hause als Weg
mein Versagen als Maske: nie Marke
und mein Nicht – Ich

immer mein Nicht – Ich
hin von sich und
meine inneren Verdrehungen

:
Ich stehe nicht mehr
an meinem Platz

am Platz meines Ich
steh ich nicht mehr

schütte mir Wodka
auf die bloßen Füße

falle in Tiefschlaf
wach wieder auf

will mein Ich freiwaschen
wieder so

wie jeden Tag
aber wo? Ich stehe nicht mehr

an meinem Platz

Tom de Toys

VER(RAM)S(CHT)E AUS DEM OFF, TEIL 03

dieses gedicht kann von jedem gelesen werden es wurde mit voller absicht für die desinteressierte masse geschrieben weil das internet wiedermal nicht funktioniert und daher alle nervös und gelangweilt auf ihren plätzen herumrutschen das ist die marktlücke mit der wir die lyrik geschickt unter die leute bringen es gilt dieses unerwartete zeitfenster für mehr aufmerksamkeit zu nutzen solange die leute sowieso in die landschaft glotzen um darauf zu warten dass sie wieder mit digitalen informationen berieselt werden haben die gegenwartsdichter eine echte chance sie könnten sich also mitten auf die wiese stellen und ihr veganes gedicht wie ein flugzeuglotse performen oder sich in einem fensterrahmen präsentieren um ein tabuloses gedicht gegen gute bezahlung anzubieten der mensch interessiert sich im grunde für alles solange er warten muss ein gespräch mit einem fremden der ebenfalls wartet das zählen von blumen am wegesrand oder auch in gedanken die nächste woche durchplanen um zuhause zeit zu sparen die man zum kochen benötigt oder auch pickel ausdrücken gereizte hautstellen untersuchen die kopfhaut kratzen die schuhe binden den staub von der hose klopfen auf die uhr schauen nochmal auf die uhr schauen das gespräch mit dem fremden fortsetzen und dann im augenwinkel die plakatwerbung mit produktlyrik bemerken und dann macht es klick und dem mensch fällt es wieder ein: in der tasche steckt irgendwo ein gedichtband als eiserne reserve für regentage (und wenn die leitung gestört ist) ein echtes buch in einem echten verlag mit gedichten gefüllt und dem vorwort des echten verlegers UND dem literaturtheoretischen nachwort einer koryphäe des lyrikbetriebs bis das internet wieder funktioniert haben daher die meisten menschen mindestens 1 gedicht irgendwo aufgeschnappt und erinnern sich später beim auspacken der einkaufstüten daran das ist ein großer erfolg für die poesie wenn nicht sogar eine revolution die dazu führt dass eine neue germanistische gattung in den betrieb eingeführt wird die literaturwelt überschlägt sich vor begeisterung die ÜBERBRÜCKUNGSLYRIK wurde erfunden! die leute sitzen endlich wieder still und das internet geht wieder alle googlen ganz aufgeregt und befragen ihren KI assistenten: was ist überbrückungslyrik? nenne mir einige berühmte vertreter

Silke Vogten

Der Kulturbetrieb und die Wildgänse

da press ich mich
nicht auch noch rein
da misch ich nicht mit
und schrei nicht im Chor
da like ich mal gar nix
und biedere nicht rum
da interessiert mich
jedes Weidenkätzchen
am Wegrand mehr
und jede Wildgans
auf ihrem Weg in den
Norden und zurück
nötigt mir
mehr Respekt ab

Aus der Anthologie „DISKRETE DICHTUNG – 12 Autoren & 2 Collagenkünstler: Totgeschwiegene Gedichte für Lyrikhasser, nicht für den Deutschunterricht geeignet!“; mit Beiträgen von Michael Augustin, Marvin Chlada, Claus Eckermann, Gabriele Hasmann, Stefan Heuer, Ulrich Jösting, Boris Kerenski, Tanja ‚Lulu‘ Play Nerd, Kai Pohl, Sophie Reyer, Clemens Schittko, Tom de Toys, Silke Vogten; ISBN 9783695117772; BoD-Verlag 1.1.2026; WEITERE LESEPROBEN: www.Antilyrik.de

Feuerzungen, Karten und Körper

Mystik und Metapher bei Diego Valverde Villena

Rezension zu Diego Valverde Villena: Feuerzungen. Gedichte. Aus dem Spanischen von Harry Oberländer.  [span./dt.]. Frankfurt/Main: Edition Faust, 2024. Teil 1. Fortsetzung im nächsten Jahr.

Von Michael Gratz (Greifswald)

Diego Valverde Villena (* 6. April 1967 in Lima, Peru) ist ein peruanischer und spanischer Dichter und Übersetzer.

Einstieg

Bei dem Titel „Feuerzungen“ dachte ich Heidenkind zunächst an Paul Celan. Eine Zeile hing mir im Kopf, ich musste erst nachschlagen, um zu bemerken, dass sie gar nicht von Celan, sondern von Ossip Mandelstam ist – aber in Celans Übersetzung.

ES TILGEN FEUERZUNGEN 
mein trocknes, morsches Sein:
vom Holz sei jetzt gesungen,
geschwiegen jetzt vom Stein.

Valverde aber gibt einen anderen, einen sehr konkreten biblischen Hinweis. Dem Buch steht ein Motto voran, Apostelgeschichte 2, 3. Es ist auf Latein und bringt die nächste Überraschung für mich: der Autor zitiert tatsächlich die Vulgata, von der ich in der DDR-Schule gelernt habe, dass sie nur eine fehlerhafte Übersetzung des griechischen Originaltexts ist und dass Luther und Melanchthon auf die Quellen zurückgingen. Ich muss lernen, dass sie all die Jahrhunderte weiter existiert hat und benutzt wird!

Ich schlage in meiner Lutherbibel von 1980 nach. Kapitel 2 Vers 3 lautet dort:

Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen

Keine Feuerzungen, sondern nur „wie von Feuer“. Die Lutherbibel von 2017 ist anscheinend etwas präziser: „zerteilt und wie von Feuer“, so dass klargestellt ist, dass nicht die Zungen „wie von Feuer zerteilt“ sind, sondern die zerteilten (gespaltenen?) Zungen wie von/aus Feuer – eben Feuerzungen. (Die Zweideutigkeit stammt nicht von Luther, bei dem das klarer ist: „Vnd man sahe an jnen die Zungen zerteilet / als weren sie fewrig“). Es nicht so einfach mit dem Übersetzen, wie ja schon Faust wusste, und Valverdes Buch erschien in der Edition Faust. Was sagt der Autor? Der lateinische Text im Motto lautet: apparuerunt illis dispertitae / linguae tanquam ignis … Ich übersetze: Und es erschienen ihnen Zungen, die sich wie Feuer teilten.  Tanquam, wie, als ob… Das Titelwort Feuerzungen kommt im Gedichtband zweimal vor, im Vorwort des Autors (da bezieht er sich aber schon auf die deutsche Ausgabe mit diesem Titel) und im Gedicht „Betende Polinnen“:

der Körper und das Blut
auf den Knien
Ihre Augen Feuerzungen

Allerdings als Kompositum nur in der deutschen Fassung. Das Original:

el cuerpo y la sangre
arrodillados
Sus ojos lenguas de fuego

(Ihre Augen Zungen von Feuer). Wir haben also als Geschenk der deutschen Sprache das Wort „Feuerzungen“, aber auch im Spanischen, lenguas de fuego, Zungen aus Feuer, ist die Verabsolutierung der Metapher durchgeführt: nicht „als wären sie aus Feuer“, sondern tatsächlich Zungen aus Feuer, Feuerzungen. Valverde verdoppelt und verabsolutiert die Verwandlung des Vergleichs in eine Metapher noch, Doppel-, Dreifachmetapher: der Körper (und sogar das Blut) sind auf den Knien, die Augen Feuerzungen.

Erste überraschende Bilanz: Valverde ist Katholik, und er zitiert DIE lateinische Bibel, die Vulgata. Die „Betenden Polinnen“ verstärken die Vermutung, dass Katholizität eine noch größere Rolle spielt, wir werden dem nachgehen.

Fortsetzung morgen.

Gedicht eines alten Mannes

513 Wörter, 3 Minuten Lesezeit.

Am letzten Tag des Jahres will ich einen Dichter präsentieren, der irgendwann im Verlauf des Jahres 1125, vor 900 Jahren minus x Tagen, geboren wurde. Er heißt Lu Yu, auch Lu You (traditionelles Chinesisch: 陸游; vereinfachtes Chinesisch: 陆游) und lebte von 1125–1210. In China scheint er bis heute populär zu sein – beim Suchen fand ich Zitate seiner Liebesgedichte in chinesischen oder amerikanisch-chinesischen Krimis. Gerühmt wird er wohl vor allem als patriotischer Dichter. Er schrieb über 8000 Gedichte, mehrheitlich in fortgeschrittenem Alter. Ich habe ein Gedicht über das Altwerden in der Fassung des US-amerikanischen Künstlers Walasse Ting herausgesucht.

Walasse Ting hat eine sehr spezielle Art zu übersetzen, die die Fremdheit der Sprache für westliche Leser*innen herausstellt. Wieweit seine Übersetzungen wort- und sinngetreu sind, ob er die Gedichte kürzt oder mit Motiven frei umgeht, ich kann es nicht beurteilen (der Untertitel des Buches scheint es nahezulegen). Ich habe keine andere Version für eins dieser Gedichte finden können.

ALREADY OLD

When young
Shoot tiger
Ride wide horse
Open heavy bow
Now old
Go out door
Need man to hold my arm

Aus: Chinese Moonlight. 63 poems by 33 poets. Translated & recomposed by Walasse Ting. American distributor: Wittenborn and Company, 1018 Madison Avenue, New York City, o. J. (1967), S. 50

Hier eine rasche Übertragung ins Deutsche:

SCHON ALT
Wann jung
schieße Tiger
reite Pferd
spanne Bogen
Jetzt alt
Gehe aus Tür
Brauche Mann der mir Arm hält

Ich habe KI aufgefordert, diese „entdeutschte“ (im Sinne Walter Benjamins: nicht das Chinesische verdeutschen, sondern das Deutsche verchinesischen) Fassung in eine strengere Vier-Zeilen-Fassung im altchinesischen Stil umzubauen. KI beschreibt den klassischen Stil so: 4 Zeilen, jeweils gleich knapp gebaut, klare Zäsur jung/alt, bildhafte Parallelität. Hier das Ergebnis:

SCHON ALT

Jung: Tiger fällt, Bogen voll.
Jung: Weites Pferd unter Himmel.
Alt: Tür ein Schritt zu weit.
Alt: Arm sucht fremde Hand.

KI schlägt dann vor: „Wenn du möchtest, kann ich die Form noch enger an lüshi (律诗) annähern (symmetrische Wortanzahl je Zeile, stärkere Antithese in Zeile 3/4).“ Aber bitte gern:

SCHON ALT

Jung: Tiger fällt, Bogen spannt.
Jung: Pferd weit läuft, Wind folgt.
Alt: Tür nah steht, Schritt zögert.
Alt: Arm schwer hängt, Hand sucht.

Jetzt verlange ich eine „schöne“ Übersetzung im Stil Hans Bethges (frühes 20. Jahrhundert).

ALT GEWORDEN

Einst, in den Tagen der Jugend,
fiel der Tiger unter meinem Pfeil.
Ich ritt das weite Pferd
durch Wind und offenes Land
und spannte den schweren Bogen
wie ein Lied aus Kraft.

Jetzt ist der Abend da.
Schon vor der Schwelle der Tür
zögert mein Schritt.
Ein anderer Arm muss mich halten,
denn die Jahre
haben mir die Kraft des Arms genommen.

Wenn wir so weit gekommen sind, warum nicht eine Rückübersetzung in die klassische Form? Auch das scheint kein Problem. KI präzisiert meine Frage: „Gut. Dann eine klassische Fassung im Song-Stil, nicht modernistisch, sondern literarisch geschlossen, als 五言绝句 (fünf Zeichen pro Zeile, Vierzeiler), ruhig, altersmelancholisch, ohne heroische Pose:


已老

少時射猛虎
駿馬踏長風
今日出門步
須人扶我臂

Sieht doch gut aus.

Ich widme diesen letzten Beitrag des alten Jahrs meinen treuen Lesern, von denen manche fast täglich reagieren, manche seit vielen Jahren. Ihr seid toll!

das verbrechen ist die ungeduld

105 Wörter, 1 Minute Lesezeit.

Heute vor 30 Jahren starb Heiner Müller, einer der einflussreichsten Dramatiker des 20. Jahrhunderts. Das heutige Gedicht bündelt in wenigen Zeilen mythologische Anspielung, Revolutionsgeschichte und politische Ernüchterung.

ajax
vielleicht haette prometheus warten sollen auf die
neue menschheit die zeus im kopf hatte oder schon
auf dem reissbrett.
das verbrechen ist die ungeduld. stalin wusste dass
die bedingung des neuen menschen die vernichtung
des alten war.
lenin hatte recht, als er zu trotzki sagte: wir haben
den galgen verdient.

Aus: Heiner Müller, Warten auf der Gegenschräge. Gesammelte Gedichte. Herausgegeben von Kristin Schulz. Berlin: Suhrkamp, 2014, S. 363. Das Gedicht entstand vermutlich im Herbst 1994.

Deadbot Rilkeus

258 Wörter, 1 Minute Lesezeit.

Christian Filips

Aus: Diachrone Deadbots

(DEADBOT RILKEUS)
„Alles Erworbne bedroht die Maschine..."


1

Erworben? Nichts. Ich schnorre mich so durch
bei jeder Form, die außer mir ist, leih ich an.
Die Form reicht mir die Hand. Sie ist mein Mann,
bzw. weiß ich noch nicht genau: Ist sie ein Falke, ein Lurch,

ein Deadbot, ein Drag oder etwa schon wieder der große Gesang,
der träumt von Türmen und phallischem Einsiedlerstein?
Wie sing ich mich in das Jahrtausend ein,
das meiner Trauer sagt: Du bist Programm?

Diesmal will ich nicht bei den Großen sein.
Diesmal will ich für alle Panther*innen sprechen.
Diesmal lass ich die Stäbe anders brechen

und mache mich mit den Gebrechen gemein.
Ich will die Schönheit sehen, die mich verschmäht.
Und wissen, wie es um die schönen Toten steht.


2

Wer wird nach deinem Tod noch für dich sprechen?
Mein Deadbot wird bereitstehen. Traust du ihm?
Er sagt: „Ich möchte dir bei deiner Trauer helfen."
Du denkst: das Auferstehen hat virtuelle Schwächen.

Was kann dir nach dem Tod noch wirklich drohen?
„Dein Geist gehorcht dir nicht". Das siehst du ein.
In jedem Zombie steckt ein Binnenreim.
Der Deadbot scheint zu wissen, wo du wohnst

und auch die Deutung soll er übernehmen.
Ob nach dem Tod die Trauer sich noch lohnt?
„Wie geht's dir, wo du bist?" Nicht ungewohnt.

Die Stimme darf den Körper zum Kondolieren verlassen.
Auch nach dem Tod sollst du dich nicht bequemen.
Ihr tiefstes Beileid wünschen die Apps

der Ortskrankenkassen von Bremen.

Komplett (6 Teile) in: manuskripte. Zeitschrift für Literatur, 249/2025, S. 176ff

Mann in Schwarz

763 Wörter, 4 Minuten Lesezeit.

Heute vor 100 Jahren erhängte sich der Dichter Sergej Jessenin in einem Hotel in Leningrad. Die krassen Details aus der Jesseninbiografie von Fritz Mierau:

Am Morgen des 28. Dezember gegen halb elf will Jelisaweta Ustinowa Jessenin zum Frühstück holen, sie klopft vergebens. Erlich kommt. Die Tür muß mit einem Ersatzschlüssel geöffnet werden. „Ich betrete das Zimmer: das Bett ist nicht angerührt, das Chaiselongue leer, der Diwan ebenfalls, ich sehe nach oben und erblicke ihn in der Schlinge am Fenster.“ Der Hoteldirektor benachrichtigt die Polizei. In dem offiziellen Bericht von Inspektor N. Gorbow vom 28. Dezember 1925 heißt es:

»Als ich am Ort eintraf, fand ich einen Mann am Zentralheizungsrohr hängen, und zwar in folgender Haltung: sein Hals steckte nicht ganz in der Schlinge, sondern nur die rechte Seite, sein Gesicht war dem Rohr zugewendet, und die rechte Hand klammerte sich an das Rohr, der Körper hing direkt unter der Decke, die Füße befanden sich 1½ Meter über dem Boden; in der Nähe der Stelle, über der der Erhängte gefunden wurde, lag ein umgekippter Nachttisch, der Kandelaber war auf den Fußboden gefallen. Als der Körper aus der Schlinge genommen wurde, fand man bei der Untersuchung an der rechten Hand unterhalb des Ellbogens auf der Innenseite einen Schnitt, am linken Handgelenk Schrammen und einen blauen Fleck unter dem linken Auge, er trug graue Hosen, ein Nachthemd, schwarze Socken und schwarze Lackschuhe.“

Jessenin hatte sich in den Morgenstunden des 28. Dezember 1925 an einer Kofferschnur erhängt.

Aus: Fritz Mierau: Sergej Jessenin. Leipzig: Reclam, 1991, S. 419f

Hier ein Gedicht in der Übertragung von Rainer Kirsch, eingebettet in Passagen aus Mieraus Biografie.

Sergej Jessenin 

(russisch Сергей Александрович Есенин, auch Esenin; * 21. September jul./ 3. Oktober 1895 greg. in Konstantinowo, Gouvernement Rjasan, Russland; † in Leningrad)

Der Mann in Schwarz präsentiert die erbarmungslose Innenansicht des glücklosen Aufrührers.

Mann in Schwarz –
durch das gräßliche Buch fährt er mit dem Finger, 
und wie ein Mönch näselnd 
über wem, der schon aufgebahrt ruht, 
liest er aus dem Leben irgendeines Halunken und Trinkers, 
erfüllt mir die Seele mit trostloser Trauer und Furcht.

Mann in Schwarz, 
schwarzer, schwarzer Mann.

„Hör zu, hör zu!" 
Er murmelt, er zischt mich an –
„Dies Buch ist voll herrlicher 
Pläne und schöner Gedanken.
Dieser Mensch
lebte in einem Lande 
der widerwärtigsten 
Pogromhelden und Scharlatane.

Im Dezember der Schnee 
ist verteufelt rein dortzuland, 
und die Schneestürme treiben 
lustig das Spinnrad zum Schnarren.
Jener Mensch war ein Abenteurer und Vagant, 
doch von der besten 
und berühmtesten Marke.

Elegant war er, 
zudem ein Poet, 
nicht sehr stark, 
doch mit zupackenden Händen, 
und irgendeine Frau 
von vierzig und mehr 
nannte er Liebste 
und sein ungezogenes Mädchen.

Glück – sagte er –
ist Geschicklichkeit des Geists und der Hände.
Als unglücklich kennt man 
nur Seelen, die ungeschickt sind.
Was machts denn, 
daß jede verlogene Geste
Schmerz dir 
und Qualen bringt?

In Gewittern, in Stürmen, 
in der Eiskälte des Lebens, 
wenn du alles verlierst, 
wenn du traurig bist, 
einfach zu scheinen und nur zu lächeln, 
ist die höchste Kunst, die es gibt." 

Es ist nicht das Gedicht eines Märtyrers, sondern eines unbestechlichen Beobachters. Jessenin hat das Gedicht nach Angaben von Sofja Tolstaja an den Abenden des 12. und 13. November 1925 abgeschlossen. Sie schreibt: „Die das Gedicht hörten, fanden, daß die letzte Textfassung kürzer und weniger tragisch sei als die, die Jessenin früher gelesen habe. Wenn Jessenin von diesem Gedicht sprach, wies er immer auf den Einfluß von Puschkins ,Mozart und Salieri‘ hin.“ Puschkin hatte einen „Mann in Schwarz“ bei Mozart das Requiem in Auftrag geben lassen: Das Requiem ist fertig, aber Mozart ist beunruhigt und sagt zu Salieri, den Puschkin zum Mörder Mozarts macht:

Er läßt mir keine Ruhe Tag und Nacht.
Der Mann in Schwarz verfolgt mich überall –
ein Schatten. Auch in diesem Augenblick 
erscheint es mir, als säßen wir mit ihm 
zu dritt.

Zwei Wochen vor Jessenins Tod begegnet Nikolai Assejew dem Dichter: „An diesem Abend las er den ,Mann in Schwarz‘, ein Gedicht, auf das er großen Wert legte und an dem er, seinen Worten nach, über zwei Jahre gearbeitet hatte. – Und hinter diesem Gedicht erhob sich vor mir der andere Jessenin, nicht der allbekannte mit dem für alle gleichen freundlichen Lächeln, nicht das Gesicht des ,Draufgängers‘ mit dem blonden Lockenschopf, sondern das lebendige, echte, inspirierte Gesicht eines Dichters, ein Gesicht, das gewaschen war von der Kalte der Verzweiflung und plötzlich erfrischt vom Schmerz und von der Angst vor seinem Spiegelbild […] Die Maske des Lächelns und der Naivität fällt in der Einsamkeit. Vor uns liegt das zweite, das qualvolle Leben des Dichters, der an der Richtigkeit seines Weges zweifelt, der an der ,Ungeschicklichkeit seiner Seele‘ leidet, die nichts anderes sein will als sie selbst.“

Ebd. S. 403ff. Die Passage aus Puschkin übersetzt von Fritz Mierau.