Kategorie: Europa

Urs Allemann †

muhmen UND, oh!,
zehn nonnenstein, schwundgatten DER pferde

Kurze Gedichte

Ich liebe eben kurze gedichte, sage ich geistesabwesend
Diese bedenkenlosen existenzen mit runden kanten
Muss es ein langsames gedicht sein?, fragt der horizont

POESIEALLEE: GEDICHTE FÜR FRIEDHÖFE

Ein paar Blätter noch
Die sich festklammern
An einem dünnen Ast
Der sich festklammert
An einem dürren Baum
Der sich festklammert
An einem losen Boden
Der sich festklammert
An der Welt

Blümerant

Es ist einfach, was die Überschrift ankündigt, ein Geburtstagsblaublau.

Zeit, neue Gedichte zu schreiben

Es ist Zeit, neue Gedichte zu schreiben.
Denn die alten Gedichte haben keine Kraft mehr,
und die alten Dichter müssen nicht mehr sterben.
Sie haben vergessen, worum man sie bat.
Wer bitte braucht noch ihre Ratschläge.

Weit weit bis ans Ende der Welt

Und wies zur Welt kam war’s ein Mädchen
Und hatte keine Glückshaut um
Und ihre Rabenbrüder flogen auf und davon

Verfluchtes Land

In Abgründen der Nacht, wenn Kyjiw ruht
liege ich wach und krieg kein Auge zu,
den lieben Freund so böswillig verleumdet wissend.

Stieg er so weit hinab?

Ließ er sein einsames
Gesicht vom Mond bestrahlen wenn er es nicht mehr aushielt
das Geschrei der Toten in den Büchern

Heimweh. Wüsten und Friedrich

und die Pfützen sind wie Scherben, und im Schnee
versickert Blut

Versäumnis waltet in diesem Gedicht

In diesem Gedicht kommt das Wort Deutschland nicht
vor, dampft kein Kaffee und waltet kein Goethe.

Nun wuchs ihm Gewicht zu durch den Schmerz

Das war es wohl, was sie ihm hinterließ: die unbekannte,
zornige Verzagtheit über seine Ergebung hinaus,
eine Hingabe, tiefer noch als seine Arbeit verlangte,
an eine Schönheit, die so völlig außer Reichweite
schien für den dumpfen Schlag

Ararat

Die Flossenschläger aber: Kleine Fische, große Fische,
schwömmen am Bosporus vorbei, unter
dem Regenbogen

Michalis Ganas †

Das Blau, das dich umgibt,
ist die Asche

der verbrannten Zeit.

Der im Trennungslied weiterlebt

Ich zittre, sie zu fassen,
und finde mich verlassen!
Und du? und du?
Vielleicht auf ewig vergißt Luisa mich!
Vielleicht auf ewig vergißt sie mich!

Jürgen Becker †

wir müssen bald gehen
draußen die Äste lassen keinen Zweifel
die Wärme in den Mauern trügt