Kategorie: Europa

„Dem Dichter kann sie sein Gedicht nicht rauben“

Hat sie uns vieles auch geraubt, die Zeit,
Dem Dichter kann sie sein Gedicht nicht rauben,
Noch dir und mir, woran wir Beide glauben,
Gehn wir nur immer unsern Weg zu zweit.

Vu nemt men a bisele Glik

und der Kapo
im Schatten der Erde.
Die im Winde klirrenden »links«.
Und der Kapo trunken von Küssen:
Vu nemt men a bisele mazl.

als mir die sprache abhanden kam

als mir die sprache abhanden kam
vielleicht trank ich gerade kaffee
oder schlug eine zeitung auf.
vielleicht zog ich die vorhänge zu
oder sah auf die straße, als sie
mich verließ, ich dachte noch,
was für ein röcheln

Aus den briefen an unbekannte

gerhard, frage ich mich
wie schreibt man ein fettes gedicht
#TillmannSeverin #GerhardFalkner

mer šprahen

šprahen der mušel
šprahen des merbaums
merere šprahen

Kind von Traurigkeit

Ich bin ein Kind von Traurigkeit.
Vor meinen Augen sah Stirn Welt.
Krone trug ich stets um m Hals.
Gut Freund mit der Betonung früh.
Ich bin ein Kind von Traurigkeit.

Kultur

Er ist fünfundvierzig.
Im Schmetterlingsstil
schwimmt er durch seinen
eigenen Mist von klein auf.
Das ganze Zimmer ist voll.

Paul Pörtner 100 (Neue Musik und Neue Poesie)

die stählernen engel der dinge
holen uns ein.

Frederike Frei 80

Wo wohnen die Wörter im
Schlaf in der Stille des
Sturms im ruhig Blut im
unwirschen un in der
Einsilbe Nein, im Nachhall
des Ja, immer im Nimmer, im
Zimmergrau, im Immerblau

Rufe zur Nacht

Ich, der Dichter Jesse Thoor –
dem Zünglein, Zeh und Ohr
und die Seele fror!

wie ich es drehe oder mich

wo dämmerung die dünung abstellt,
den strand zuklappt, radiert der wind die letzten segel aus
und legt sich auf die seite, schläft mit dem gesicht zum horizont.

Alltagslyrik (Eugen Gomringer 100)

bewegt sich einzelnes
ruht alles

alles ruht
einzelnes bewegt sich

100-Jahre-Serie

Es ist nicht schwierig, bei uns in Deutschland, mißverstanden zu werden. Das Talent: zu schreiben, erhält sich noch in einigen Exemplaren; das Talent: zu lesen, scheint ausgestorben.

Wer denn?

wer ist denn schon zu hause
wenn er bei sich ist
wer ist denn schon bei sich
wenn er zu hause ist

Er allein

Keiner hat es kommen sehn
Jeder hielt sich ferne.
Alle ließen es geschehn
Aber, ach, nicht gerne.