Sehr kurze Gedichte

Schließlich gibt es eine Reihe von sehr kurzen Gedichten, die sozusagen unversehens den Lippen entspringen und die man während der Arbeit sofort in das Notizbuch einträgt, damit sie nicht verloren gehn: Im Wald // ein Reh geht, es nickt / im Takt mit den Schritten / 16.11.06. Oder: Zur Liebe so begabt / wie der Ararat / ins Tal blickt und lächelt. / 24.10.10. – Aber sie alle verblassen neben diesem:

* * *
Das Aus hat (wie
der Laut sagt)
keinen Garten.

Da habe ich mich wohl selbst übertroffen und weiß nicht, wie. – Es fällt mir aber auf, dass etliche den Spruch sofort verstehen. – Meine Freundin trug ihn mit Beifall in einer Kneipenrunde vor, die sie öfter aufsucht. – Ein Freund schrieb ihn sich augenblicklich auf, nachdem ich ihn vorgelesen hatte. – Vielleicht liegt es an den Lauten, den beiden au, und dem überraschenden Garten dann. Wie kann man das erklären? Offenbar doch mit einer geheimen Resonanz. Einem folgsamen Gehör in uns? Das Gehör geht mit und entscheidet selbst. – Es geht auch mit bei ähnlichen Folgen in anderen Gedichten. Aber nicht so isoliert wie hier. – Ich habe den Spruch in einem Zug aufgeschrieben, ohne zu überlegen.

Elke Erb, aus: Wie ein Gedicht entsteht, der Freitag Blog

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: