98. Viele und 147 Wörter

Die Frankfurter Schriftstellerin Eva Demski ist Gastgeberin der 18. Wiesbadener Literaturtage. Vom 2. bis 8. Juni gestaltet sie im Literaturhaus Villa Clementine ein Programm, das sich in diesem Jahr um Lyrik drehen wird. Jana Kinne (FR) sprach mit ihr:

Lyrik ist für viele Menschen schwer zugänglich. Ist die Poesie das richtige Thema?

Die Menschen brauchen Lyrik. Viele merken gar nicht, wie oft sie mit ihr konfrontiert sind, ob das Songtexte sind oder ob das Werbung ist. Ich will, dass Menschen Lyrik angstfreier betrachten können.

Von Ihnen selbst sind keine Gedichte veröffentlicht worden. Haben Sie selbst Angst vor der Lyrik?

Nein, das hatte ich nie. Ich schreibe Gedichte, veröffentliche sie aber nicht, weil sie etwas sind, das ich für mich behalten und nicht für den Kommerz freigeben möchte.

Es wird Abende über politische Dichtung geben, über Tiere in der Poesie und über den Klassiker – das Liebesgedicht. Gibt es einen Programmpunkt, der Ihnen besonders am Herzen liegt?

Ja, das ist der Abend mit Paulus Böhmer. Seine Gedichte sind rhapsodische und unglaublich schöne Weltbeschreibungen. Böhmer ist jemand, der noch zu entdecken ist. Es ist sein Weltentwurf, der mich fasziniert.

Über was schreibt Böhmer?

Er schreibt über alles, über Blumen, über Katzen, seine Heimat, die Bibel oder über Sex. Und das alles in einer riesigen Sprachströmung, in der kein Wort zu viel ist. Es gibt Leute, die ihn nicht mögen, aber es gibt auch Menschen, die werden regelrecht drogenabhängig von seinen Gedichten. Das ist es, was mich besonders interessiert.

Die Wirkung der Poesie auf den Menschen?

Ja, ich will wissen, was das geschriebene Wort im Leser auslösen kann. Und ich will das Publikum dazu bringen, selbst zu schreiben. Es wäre schön, wenn ich aus den Wiesbadenern die Dichter herauskitzeln könnte.

Wie wollen Sie das erreichen?

Ich habe für die Ausstellung im Kunsthaus, die danach fragt, aus was Gedichte eigentlich gemacht sind, 147 Wörter ausgewählt. Aus diesen können die Besucher immer wieder neue Gedichte formen. So sollen während der Literaturtage zahlreiche Gedichte entstehen.

 

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