18. poet in residence an der Uni: Sprachanatom Guy Helminger

04.06.2012, 12:10 | Autor: idw |

„Sprache ist überall“, behauptet der in Köln lebende Luxemburger Lyriker, Romancier, Dramatiker, Hörspielautor und Fernsehmoderator Guy Helminger, der vom 18. bis 21. Juni als poet in residence an der Unversität Duisburg- Essen (UDE) lehren wird. In seinen Poetikvorlesungen und dem Schreibseminar öffnet er die Tür zu diesem Anatomieraum etwas mehr als nur einen Spalt breit. Aber bitte beachten: „Laut wird es dabei, weil Sprache immer laut ist.“

„Braucht man sich ’einfach‘ nur zu bücken und kann mit einem Gedicht aufwarten?“ Das ist die Ausgangsfrage für die Sprachanatomien, die Helminger in und mit seinen Texten praktiziert. In seinen UDE-Vorlesungen werden sie reflektiert und am lebenden Objekt der Literatur vorgeführt. „Ich selbst“, so Helminger, „bringe meine Funde immer in meinen Anatomieraum. Dort steht eine Tastatur, mit der ich Skalpelle von unterschiedlicher Größe bediene, daneben liegen Nadel, Nähfaden und Verband. Die Körperteile, Sehnen, Synapsen, die sich zeigen, sind von eigentümlicher Schönheit, manchmal kleben an ihnen Pläne, Fotografien, manchmal sind da dunkle Flecken, die sich nicht aufhellen lassen. Und manchmal schneide ich mich selbst, weil ich nicht zwischen Fremdkörper und eigenem Leib unterscheiden will.“

Der in Esch-sur-Alzette (Luxemburg) geborene Helminger studierte Germanistik und Philosophie in Luxemburg, Heidelberg und Köln, war Barkeeper in einer legendären Kölner Punk-Kneipe (wovon der Roman „Die Schlammkröte“ erzählt), Schauspieler, Regieassistent und 3D-Grafiker. Sein literarisches Schreiben begann zunächst mit Lyrik, Hörspielen und Theaterstücken, bevor ab ca. 2001 auch vermehrt erzählende Texte und Romane wie „Morgen war schon“ (2007) und „Neubrasilien“ (2010) hinzukamen. Seit 2010 moderiert Helminger die Fernsehsendung „Kultur“ bei RTL-Luxemburg. 2002 erhielt Helminger den Prix Servais, 2004 den 3sat-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb und 2006 den „Prix du mérite culturel de la ville d´Esch“.

Termine:

Öffentliche Poetik-Vorlesungen: (Campus Essen. Bibliothekssaal, Gebäude R11)

  • Montag, 18. Juni, 16.40 bis 18 Uhr: „Gedichtlappen. Lyrik und der dunkle Rest“
  • Dienstag, 19. Juni, 16.30 bis 18.00 Uhr: „Verweilen, bis es weh tut. Literatur und ihre Langsamkeit“
  • Mittwoch, 20. Juni, 16.30 bis 18.00 Uhr: „ICH! Und ist da noch wer? Die Biographie als Basis von Literatur“
  • Öffentliche Ergebnispräsentation der Schreibwerkstatt für UDE-Studierende: am Donnerstag, 21. Juni, 16.30 bis 18.00 Uhr
  • Öffentliche Lesung in der Stadtbibliothek Essen: Mittwoch, 20. Juni, 20 bis 21.30 Uhr: Guy Helminger liest aus seinen Texten

Weitere Informationen:
http://www.uni-due.de/poet_in_residence/ausblick.shtml 

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