ein Mörder, der seit 26 Jahren in der Todeszelle sitzt, ist ein Dichter. Ein „amerikanischer Archetyp“, da er im Gefängnis zu schreiben begann. / NYT *) 9.3.04 Leseprobe:
Only twice in twelve long years
Has the Self in me transformed
To weighing less than a cent,
And blended with the evening,
Or heard ringing in my ears,
Or seen a star do its thing,
Umbrellaed aloft on air.
Swooping into a huge swarm
Of mosquitoes and gnats, there,
On velvety wings, I went
Gliding and eating until
Chilled to my buoyant marrow,
Convinced not to eat my fill,
To leave some for tomorrow.
Über einen poetischen Herren-Abend mit den (richtig:) Herren Steffen Jacobs, Hellmuth Opitz und Matthias Polityck berichtet Maike (?) Schiller im Hamburger Abendblatt vom 11.3.04 – Fast beim Thema: Die Presse aus Wien am 11.3.04 über genderspezifischen Sprachgebrauch. Schöpferisch besonders in den Leserbriefen, Zitat:
Ich schlage vor, auch männliche Bezeichnungen für folgende weibliche Tätigkeiten einzuführen:NUTTERICH, POSTITUIERTER, HEBAMMERICH, etc. (Prost!)
Über das Frankfurter Konzert des aus dem Wahnsinn erwachten Brian Wilson (Beach Boy) und die späte Rekonstruktion des „Smile“-Albums von 1967 in der BLZ vom 12.3.04 (vgl. L&P 02/2004, 77) Zwei Popmärchen. – Hier am selben Ort eine andere Erweckungsstory, Majakowski betreffend (Mysterium Buffo an der Volksbühne).
Mehr Brian Wilson: NZZ 12.3.04 (und fast alle andern)
Baudelaire schmähte Belgien (und meinte Rubens). (BLZ 10.3.04). – Bernd Müllender lobt Belgien (aber meint nicht seine Lyrik). (taz 10.3.04)
Steffen Jacobs plädiert in der FAZ vom 9.3.10 über das „gewitzte Gedicht“: „Wider den lyrischen Ernst“. – In der gleichen Ausgabe eine behutsame Auseinandersetzung Stefan Weidners mit der Orientalistin Annemarie Schimmel. Natürlich Off the line.
Wie der Reichsführer SS und der Dichter und Akademiepräsident Hanns „Schlageter“ Johst einander liebten / Die Zeit 12/04
besprochen in der Zeit 12/04
Johann Wolfgang von Goethe/ Peter Schössow:
Meeres Stille und Glückliche Fahrt; C. Hanser, München 2004; 32 S., 12,90 ¤ (ab 6 J.)
In der NYT*) vom 11.3.04 schwärmt Jeremy Eichler für ein Mahler-Schumann-Rückert-Konzert in der Carnegie Hall.
Naugarder Straße 14, 10409 Berlin (S-Bhf Greifswalder Str.)
DIE SIBIRISCHE ZELLE
Freitag, 12.3.2004
Die infrasonore Stimme präsentiert:
„DAS GUTE SIEGT“
Nachrichten des Gelingens
& verbesserte Lieder von
Herrmann Bohlen & Frieder Butzmann
Beginn: 21.00 Uhr (doors open at 8 p.m.)
— Eintritt:3 Euro —
anschl.: Musik und Getränkeausschank
Ein interessanter Fall. Kein anderer als Woody Allen erklärt*) sich als Fan eines genialen irischen Dichters: Sean O´Shawn. Hier über ihn. Aber anderswo erscheint er als Erfindung von S.M. Hall, III. Wer erfand wen? Kennt jemand einen dieser drei?
What Rough Beast,
By S. M. Hall, III.
By S. M. Hall, III. This is an unusual collection of well crafted poetry. It is excellent work. The author creates an entire poet, (The great Irish poet/genius Sean O’Shawn) and traces his development as a great poet from the early years, when he thought every poem had to start with Roses are Red, Violets are Blue, into a great lyric poet who dies in 1970. It is clear that Hall is having a great deal of fun here. You will too as you enjoy the creation with him. Paperback $13.95. CD Hall reading his poems, $13.95. Or, buy the combo for only $19.95. / zum Verlag
The New Republic*) 10.3.04:
The Irish Genius
by Woody Allen
„On her death bed, O’Shawn’s mother, Bridget, begged her son to abandon poetry and become a vacuum cleaner salesman.“
http://online.c.topica.com/maab1XOaa43KOa7uQehe/
Vor kurzem [2002] wurde die erste Antologie sephardischer – einer spanisch-jüdischen Sprache – Gedichte den Freunden der Poesie vorgestellt. Der Band enthält in deutscher und türkischer Übersetzung Gedichte von 18 in verschiedenen Ländern lebenden, in der Türkei geborenen Dichtern. Der Titel „Los kaminos s’inchereon de Arena“ („sandbedeckte Wege“) ist einem Lied entnommen, das von den sephardischen Juden in Istanbul gesungen wurde.
Als die sephardischen Juden im Jahr 1492 aus Spanien vertrieben wurden, fanden viele von ihnen Aufnahme im Osmanischen Reich. Ihre Sprache, Spaniolisch, ging eine Verbindung mit der Sprache ihrer neuen Heimat ein, wurde weiterentwickelt und von Generation zu Generation weitergegeben. Heute steht diese Sprache vor dem Aussterben. Der geistige Vater der Antologie, Dr. Robert Schild, der auch Autor bei der jüdischen Wochenzeitung „Salom“ (Istanbul) ist, erklärt dies damit, daß seit dem 19. Jahrhundert die türkischen Juden es zunächst vorzogen, französisch, später vor allem türkisch zu sprechen. / Yasemin Özbek, Istanbul Post 18.5.2002
Hier über die Anthologie (mit dreisprachigen Beispielseiten)
Ein Gedicht aus der Anthologie:
Beki L. Bahar: La Kaye de el Bezo
(Heutzutage ist diese Gasse
die engste in ganz Toledo
dort wo einstens das Judenviertel war)
Gelangst du eines Tages
Nach Toledo
Und kommst durch eine Gasse,
Die “Der Kuß” heißt,
Die Gasse in der
Die Zeit schläft,
Dann erinnere dich, mein Geliebter,
Was vor fünfhundert Jahren war:
Dein Haus meinem Haus gegenüber
Und wie du dich von deinem Fenster
Zu meinem herübergebeugt
Und mir meinen ersten Kuß
Geraubt hast …
(Hier ein Faksimile der Seite Sefardisch, Deutsch und Türkisch)
Hier ein Text eines der Herausgeber:
Bei dieser Anthologie handelt es sich wieder um einen Notfall, wie bei allen bisher erschienenen Büchern unserer Reihe „Am Herzen Europas“: Auch das Sefardische ist vom Aussterben bedroht und das trotz des Jahres der Sprachen 2001.
Wie diese interessante Sprache über unsere Zeit hinaus gerettet werden kann, wissen wir nicht. Diese Anthologie ist der Versuch einiger Engagierter – ein Zeichen der Hoffnung – wie die Übersetzer-Schule von Toledo, 1216 gegründet, wo die verschiedenen Kulturen, Juden, Moslems, Christen, in offener Gesellschaft friedlich zusammenlebten, ihre Texte in die Sprachen der anderen übertrugen, sich einander erklärten und näher kamen.
Gerald Kurdoglu Nitsche, Oktober / Ekim 2001
Eine historische Sehenswürdigkeit – nicht weniger als der „jüdische Vatikan von Sadagora – hat sich in dem literaturträchtigen Örtchen Sadagora bei Czernowitz erhalten, berichtet die NZZ am 4.3.04
Hier historische Fotos aus Sadagora
Hier ein Gedicht von Paul Celan (ich will mal hoffen, daß Suhrkamp jetzt nicht von Reemtsma lernt: denn diverse Enthusiasten haben tatsächlich fast den gesamten Celan ins Netz gestellt, obwohl er noch nicht mal 34 Jahre tot ist). Das Gedicht trägt den langen – Villonesken – Titel:
EINE GAUNER- UND GANOVENWEISE
GESUNGEN ZU PARIS EMPRÈS PONTOISE
VON PAUL CELAN
AUS CZERNOWITZ BEI SADAGORA
(Sadagora verhält sich zu Czernowitz so wie Villons Pontoise zu Paris, und auch sonst ist in dem Gedicht manches Krumme grade oder umgekehrt).
Hier das Gedicht auf Rumänisch, hier Italienisch)
Eine von Papst Johannes Paul II. verfasste Gedichtsammlung entwickelt sich zum Verkaufsschlager. Wie der Verlag des Vatikan mitteilte, wurden bereits mehr als eine Million Exemplare des «Römischen Triptychon» gedruckt.
Die Gedichte wurden in 20 Sprachen übersetzt, darunter Japanisch, Koreanisch und Rumänisch.
Allein 600.000 Gedichtbände wurden in der Muttersprache des Papstes, Polnisch, gedruckt, wie Vatikansprecher Ciro Benedettini mitteilte. / Netzeitung 5.3.04*)
Der folgende Radioessay veranschaulicht voller Witz, auf welche Weise unter Zuhilfenahme stimulierender Mittel – in diesem Fall Haschisch – Dichtung entsteht; als Kronzeugen werden Théophile Gautier, Gérard de Nerval, Fitz Hugh Ludlow und Walter Benjamin aufgerufen. Über das Schreiben und Protokollieren in tranceartigen Zuständen informiert der abschliessende Erfahrungsbericht, der zu dem Ergebnis kommt, dass Texte, die mit und ohne Einnahme bewusstseinsverändernder Stoffe notiert werden, keine signifikanten Unterschiede aufweisen müssen. Das Buch kann insgesamt auch als theoretische Fundierung von Anders‘ eigener surrealistischer Dichtung und vor allem seiner Protokolle, die jüngst unter dem Titel «Marihuana Hypnagogica» erschienen sind, gelesen werden. / Jürgen Brocan, NZZ 2.3.04
Richard Anders: Wolkenlesen. Über hypnagoge Halluzinationen, automatisches Schreiben und andere Inspirationsquellen. Verlag Wiecker Bote, Greifswald 2003. 169 S., EUR 15.-.
Oswald Egger, Südtiroler Schriftsteller, der in seiner hochartifiziellen Poesie Theorie und Durchführung gerne in eins schlägt, ist nach Hombroich gekommen, hat dort die Homotopie entdeckt und ist mit dem Buch «-broich» wiedergekehrt. Wenn die Homotopie in der Sprache der Mathematik eine stetige Abbildung in topologischen Räumen ist, dann ist sie in Oswald Eggers Sprache ein stetes Wuchern. Darin wird die algebraische Topologie zur poetischen. In 81 Gleichungen, die in ebenso vielen Tagen entstehen, vermisst Oswald Egger das Gelände immer wieder neu. In Wäldern und auf Wiesen, in norddeutschen Moorlandschaften, auf Parkplätzen und Kohlehalden findet er die komplexen Ebenen einer allgegenwärtigen Natur. «Zwergtraut», «Auer-Ralle» und «Eultiere» hausen in einer «quirl umwälzten Welt» zwischen «gepfropften Stovelkiefern», Bauschutt und Misch-Schlacken. / Paul Jandl, NZZ 2.3.04
Oswald Egger: -broich. Homotopien eines Gedichts. Edition Korrespondenzen, Wien 2003. 84 S., Fr. 31.80.
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