Die beiden Suhrkamp-DVDs mit üppigem Booklet, 2009 zu Enzensbergers Achtzigstem erschienen, bieten ein Dutzend Filmdokumente aus fünfzig Jahren: Zunächst ein halbes Dutzend rund zehnminütiger „TV-Dokumente“, darunter eine „Hessenschau“ des Jahres 1960, die Straßenszenen Nachkriegsfrankfurts mit Selbstbekundungen des dreißigjährigen Dichters mischt
Haupt- und Kernstück sind drei ‚abendfüllende‘ Filme, die ihr Entstehen, mehr oder minder vollständig, Hans Magnus Enzensberger verdanken. Am geringsten dürfte sein Anteil an Dagmar Knöpfels „Requiem für eine romantische Frau“ (1999) zu veranschlagen sein, einer halb fiktionalen Dramatisierung der bitteren Liaison Auguste Bußmanns mit Clemens Brentano. Hier zeichnet Enzensberger für das „Treatment“, den Kern des Drehbuchs, verantwortlich. Auch mag ihm zu danken sein, dass der sprachliche Gestus der ‚Kunstperiode‘ akkurat nachgeahmt wird, ohne dem heutigen Zuschauer peinlich künstlich zu scheinen.
Was „Durruti – Biographie einer Legende“ (1972) betrifft, hat Enzensberger „Buch, Regie und Produktion“ besorgt. Lange bevor ‚Zeitzeugen‘-Gespräche zur allerorten grassierenden Mode wurden, hat Enzensberger mit einigen der Weggefährten Buenaventura Durrutis dessen Leben und Wirken rekonstruiert. Seine Leistung ist umso höher einzuschätzen, als Dreharbeiten im Spanien des Generalissimus Franco vonnöten waren.
Im Filmessai „Ich bin keiner von uns“ (2000) führt Ralf Zöller Regie. Das Drehbuch hat der Regisseur gemeinsam mit Enzensberger, seinem Protagonisten, entworfen. Es handelt sich um ein anspruchsvolles, in Teilen stark stilisiertes und hermetisches Stück Filmkunst, das wenig Ehrgeiz zeigt, sich einer breiten Öffentlichkeit zu erklären. literaturkritik.de
Radolfzell – „Poesie zur freundlichen Erinnerung heißt eine Ausstellung, die ab Dienstag, 23. Februar, in der Volksbank gezeigt wird. Die Vernissage findet um 19 Uhr statt. Im Zentrum steht das Poesiealbum. Walter Binder und Uwe Donath haben das Poesiealbum von Sophie Frick, geborene Sättele, aus der Zeit von 1860 bis 1900 als Grundlage für die Ausstellung genommen. Im Südkurier
Rolf Schwendter, dreifacher Doktor, von 1975 bis 2003 zur Emeritierung Professor für Subkultur-Forschung an der Kasseler Universität, einer, der die Hochschule wie kaum ein anderer mit der Stadt verbunden hat. In der übervollen Kasseler Werkstatt, wo er am Dienstagabend Einblicke in seine Lyrik gibt, zu klopfenden Handbewegungen auf dem Tisch seine Lieder singt, ist der Beginn eher privat bei einem Glas Tee.
1990 hat er mit „Dich singe ich Sozialismus“ eines seiner wohl melancholischsten Gedichte geschrieben, wurde gar mit Walt Whitman verglichen. HNA.de
Duisburg (RP) Mit dem Ruhrgebiet verbindet man heute mehr Schriftsteller denn je. Kaum beachtet allerdings wird die Lyrik, die im Ruhrgebiet geschrieben wurde und wird, nur wenige kennen ihre Traditionen oder jungen Stimmen. Das möchte das Literaturbüro Ruhr e.V. gerne ändern und schrieb deshalb im Sommer 2009 den Gedichtwettbewerb „Traurige Hurras und freche Verse“ aus, an dem sich jeder Teilnehmer mit maximal drei Gedichten beteiligen konnte. Das Literaturbüro wollte aber nicht allein auf das Eintreffen der Gedichte warten, vielmehr wurden Gedichtbände von den späten 50er Jahren bis heute vorgestellt.
Entstanden ist nun die Anthologie „Stimmenwechsel. Poesie längs der Ruhr“. Der Band wird am Freitag, 26. Februar, 20 Uhr, in der Kulturzentrale HundertMeister (Dellplatz 16a) von Gerd Herholz im Gespräch mit einigen der Autoren vorgestellt. Eintritt: 3,50 Euro. In Duisburg
Leibgarden
Männer schlachten einander; Krieger Kinder, Frauen nicht schonen.
Einundzwanzig Sippen flohen vor den Rebellen.
Nur ein Vater verlebte das Ende des engen Weges:
Der mußte seine zwei kleinen Mädchen opfern.
Melden gehorsamst: Auch Kaisers Garden sind Helden.
In ewigen Siegen bekriegen sie das eigene Volk,
Roher als Nordens tierische Horden.
Sieh die Wildwasser des Han, die Blutfluten, die roten!
Leibgarden durften am Ufer alle Männer ausmorden,
Tapfer zu lagern auf Weibern und Töchtern der Toten.
Deutsch von Albert Ehrenstein
Aus: Ich bin der unnütze Dichter, verloren in kranker Welt. Nachdichtungen aus dem Chinesischen von Albert Ehrenstein. Berlin: Friedenauer Presse 1984 (2. Aufl.. 1. 1970), S. 7.
Du Fu (Tu Fu, auch Du Shaoling oder Du Gongbu) lebte von 712 – 770.
To Edward Dahlberg
Don´t use the telephone.
People are never ready to answer it.
Use poetry.
1970
An Edward Dahlberg
Nimm nich das Telefon.
Die Leute antworten doch nich.
Nimm Gedichte.
Aus: Jack Kerouac, Scattered Poems. San Francisco: City Lights Books, 1990 (11. Auflage. 1. 1970), S. 55.
© (Für Auswahl und Nachdichtung) Michael Gratz 2000.
„Marie Luise Kaschnitz sagte den einen Satz: Ingeborg Bachmann ist ein Mythos“. Lakonische Kollegialität ist ihre Stärke. Meckel liest ihr ein Gedicht vor. Sie kommentiert mit einer Frage: „Warum dieses Gedicht?“ Er wolle, rechtfertigte sich der jüngere Poet, mit Sprache eine Landschaft „erschaffen, die es bisher nicht gab“. / Helmut Weidhase, Südkurier 18.2.
Christoph Meckel: „Wohl denen die gelebt“. Erinnerungen an Marie Luise Kaschnitz. Mit Grafiken des Autors. Libelle-Verlag, Lengwil. 64 S., 16,90 Euro
Christoph Meckel: „Nachtsaison“. Erzählungen. Hanser Verlag, München. 254 S., 19,90 Euro
«Um die Ungewissheit zu beenden: Ich werde heute nicht urteilen», sagte der Bundesrichter nach einer Anhörung in Manhattan. «Es gibt noch zu viel zu verarbeiten.»In dem Verfahren geht es um den Plan von Google, weltweit Millionen von Büchern einzulesen und ins Internet zu stellen. Ursprünglich hatte der Konzern Bücher aus der ganzen Welt ohne besondere Absprache mit den Verlagen und Autoren digitalisieren wollen. Weiteres hier
im Alter von 73 Jahren ist die amerikanische Lyrikerin Lucille Clifton. 2001 gewann sie den National Book Award für ihren Band „Blessing the Boats: New and Selected Poems, 1988-2000“. 2007 war sie die erste schwarze Frau, die den Ruth Lilly Poetry Prize ($100,000) gewann. Sie veröffentlichte 11 Gedichtbände und über 20 Kinderbücher. 1979-1985 war sie Poet laureate des Bundesstaates Maryland. / Tulsa World 18.2.
In L&Poe:
2002 Sep # Susan Stamberg talks
2004 Nov #63. Symposion
2006 Mai #94. Geisterbegegnungen
2007 Mai #44. Ruth Lilly Poetry Prize
2008 Apr #133. GARY SNYDER WINS 2008 RUTH LILLY POETRY PRIZE
2009 Apr #71. Fanny Howe and Ange Mlinko Receive Major Literary Awards
2009 Apr #109. Hohe Auszeichnung für Linda Gregg
(alle im Archiv nachlesbar – einfach Jahr, Monat, Nummer aufsuchen)
In Michael Brauns DLF-Lyrikkalender am 18.2. das Gedicht „a wird eintreten“ von Oskar Pastior zum Lesen und Hören.
Begehren ist besser als Natur. Die Naturschönheit ist immer tautologisch (schön ist, was schön aussieht). Deshalb ist sie an sich auch so langweilig. Und muß mit anderem aufgeladen werden. Mit Mystik und Lyrik zum Beispiel. Der Honig, der in Vergils Text vom Himmel fällt und von Bienen lediglich gesammelt wird, ist viel schöner als der Honig, der von den Bienen ganz natürlich produziert und von Imkern kultiviert wird, allerdings auch weniger nahrhaft. / Peer Schmidt, junge Welt 18.10., über den Berlinalefilm »Bal« (Honig) (BRD/Türkei 2010) von Semih Kaplanoglu.
„La Guerra – Der Krieg“ ist der letzte Band der Werkausgabe des 1939 verstorbenen spanischen Nationaldichters Antonio Machado. Die Texte, die vor dem Hintergrund des Spanischen Bürgerkriegs entstanden, zeugen von seiner wachsenden Desillusionierung.
„Ich denk an Spanien, das ganz verkaufte,/von Fluß zu Fluß, von Berg zu Berg, von Meer zu Meer.“ dichtet Antonio Machado im Februar 1937 in Valencia, wohin er, aus Madrid kommend und der republikanischen Regierung folgend, vor den vorrückenden Truppen des Putsch-Generals Franco geflüchtet ist. …
Letzte Gedichte, darunter das auf die Ermordung Federico García Lorcas hin entstandene „Das Verbrechen geschah in Granada“, und Essays, Berichte und Bekenntnisse, einen Dramentext und Reflexionen von Machados „apokrypher“ Kunstfigur Juan de Mairena versammelt dieser Band. / Gregor Ziolkowski, DLR 16.2.
Antonio Machado: La Guerra – Der Krieg
Schriften aus den Jahren des Spanischen Bürgerkriegs
Herausgegeben und aus dem Spanischen übertragen von Fritz Vogelgsang
Ammann Verlag, Zürich 2010
320 Seiten, 34,95 Euro
ICH WERDE MÜDE, WEIL ICH NICHT MEHR DREIZEHN BIN,
Zu keinem Großkonzern gehör, zu keiner Schule,
Mich fickend, pissend, scheissend in den Medien suhle,
Gewalt und Sex kopiere, Angepasstheit hin
Und Ausgelaugtheit her, es gibt Genieoasen
In jedem Zeitungswinkel, in den Talk Show Soaps,
Mit siebzehn hätt ich alles hinter mir, des Lobs
Nun voll, liess ich mir von den Jurys einen blasen,
Wie kann man diese Brühe sich nur einverleiben,
Es gäb kein Land, in dem ich lieber draussen läge,
Die Ostsee und der rauhe Wind, die ganze Scheisse.
In Sachsen lohnt es sich, noch länger wach zu bleiben,
Für meinen eigenen Tod wär ich wohl viel zu träge,
Ich seh den Güterzügen zu und werde weise.
/ Thomas Kunst, Leipzig
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