Lob von höchster Stelle ist er gewohnt. Literaturnobelpreisträger Günter Grass gefiel die „ungewöhnliche Art“ seiner Gedichte, der Kölner Autor Hans Bender schrieb ihm: „Ich bewundere Ihre Intelligenz, die Leichtigkeit, Klarheit Ihrer Formen, Ihrer Sprache.“ Doch in Hürth, wo er seit fast 40 Jahren lebt, ist der Autor Norbert Rosowsky weitgehend unbekannt.
Jetzt hat der 82-Jährige ein neues Buch vorgelegt: Nach einem Band mit Gedichten und einem mit Kurzprosa nun etwas längere Prosastücke mit dem Titel „Unzulängliche Beschreibung einer halben Ewigkeit“. / Kölner Stadt-Anzeiger
Mit ihrem Debüt „Wie kommt das Salz ins Meer“ hatte sie 1977 einen Gipfel erklommen, von dem aus es nur noch bergab ging: Jetzt wurde die österreichische Schriftstellerin Brigitte Schwaiger tot in der Donau gefunden. / Faz.net 27.7.
Nur dann wird der Arme wahrgenommen, wenn man glaubt, ihm auch sein Allerletztes aus der Tasche holen zu können. Denen, die so denken und handeln, sollte „sächsisch geholfen“ werden: „Mer wallen ich halfen!“, das heißt: „Wir wollen es euch schon zeigen!“ Satirische Gedichte sind nicht schön, weil sie unschöne Seiten unserer Wirklichkeit aufzeigen. Sie können aber gerade dadurch zu einem bewussteren Umgang mit der Welt, in der wir leben, führen.
Hanni Markel und Bernddieter Schobel, Siebenbürgische Zeitung, über Hellmut Seiler
Hier eins von zwei Mundartgedichten Seilers, die die Zeitung bringt:
Afrika
Dor wil ech uch iest! Gedärer
mät afgerässene Mellern stohn
un der Stroß; wonn em se frocht,
schnappe se za; riëde kenne
se net, awer villecht mät dem Hieft näcken:
mhm! Und Oaer bekitt em do, net wohr?
De Pursche gohn un Iestern de Medcher
besprätzen, dun beku se farwich Oaer!
De Omi hot do en Ruin, dä rijelt
se änj feest za, denn de Polizoa
äs sihr gefehrlich und stillt alles.
Kendj warde gestuehlen, datt se äm Geeld
bärrlen, net wohr? Und de Legt wällen
änt Gefingnes. Se erleichtre sich äm Stohn
end flachen derbä. Zefleddert Schenj
brähn än der Noocht zwäschen ären Zonjden.
Net wohr?
Den Einzelheiten trauen, die letzten Wörter
Wagen ins Gedächtnis sich hinaus. Ein junger
Tag erwartet, was wir anzubieten haben, jetzt.
HG Adler, aus: Einsamkeit, Gedicht, 1985
Gefunden in einer Besprechung von Katja Schickel zu
Hans G. Adler: Die Dichtung der Prager Schule.
Arco Verlag, Wuppertal 2010.
40 Seiten, 12,00 EUR.
ISBN-13: 9783938375365
„Gottfried Benn, geboren 1886 und aufgewachsen in Dörfern der Provinz Brandenburg. Belangloser Entwicklungsgang, belangloses Dasein als Arzt in Berlin“. Mit diesen drei Zeilen stellte sich der Dichter 1919 in in der berühmt gewordenen Lyrikanthologie „Menschheitsdämmerung“ vor. Mit diesen Zeilen beginnt auch Joachim Dycks kompetente Einführung in Leben und Werk Gottfried Benns, die vor allem eines deutlich macht, dass weder Leben noch Werk des Dichters belanglos waren – im Gegensatz zu denen anderer seiner schreibenden Zeitgenossen.
Gleichwohl sei sein Leben bestimmt gewesen durch den „primären Drang nach Abgrenzung“. Vielleicht habe sich deshalb die um 1968 einsetzende Forschung besonders für Benns Verhalten im Jahr 1933 interessiert, vermutet sein Biograf Joachim Dyck. Manche, die sich über Benn geäußert haben, wie jüngst Christian Schärff, meinen sogar, Benn habe sich in den Netzen der Nazis verfangen.
Diesen und ähnlichen Klischees versucht der Germanist Joachim Dyck, bekannt geworden als ausgewiesener Benn-Kenner – immerhin ist er Vorsitzender der Gottfried-Benn-Gesellschaft und Herausgeber des Benn-Forums – energisch zu widerlegen und zeigt sich redlich bemüht, Benns Werk im Zusammenhang mit der jeweiligen Zeitgeschichte zu erläutern. Dabei zeigt sich, wie Dyck gleich eingangs hervorhebt, dass die Dramatik von Benns Leben ebenso in der Radikalität seiner gesellschaftlichen Isolierung wie in der Radikalität seiner Ansichten liegt, die der Dichter oft mit ungewöhnlicher gedanklicher Schärfe und sprachlicher Virtuosität zum Ausdruck gebracht hat. / Ursula Homann, literaturkritik.de
Joachim Dyck: Gottfried Benn. Einführung in Leben und Werk.
Walter de Gruyter Verlag, Berlin 2008.
200 Seiten, 24,95 EUR.
ISBN-13: 9783110196399
So einfach kann es gehen. Der Name stammt aus dem Gedicht «Nur zwei Dinge» von Gottfried Benn. «Das Gedicht ist wunderschön. Es beschäftigt sich mit der Frage, warum wir hier auf der Welt sind, und was das Leben überhaupt für einen Sinn ergibt. ,Das Gezeichnete Ich‘ ist für mich ein natürlicher Mensch, ein Mensch mit Mitgefühl. Unserer berechenbaren, kalten Welt versuche ich ein Bollwerk der Empathie entgegenzusetzen.» Als Jugendlicher verbrachte Henri viel Zeit mit den Werken Friedrich Nietzsches, was seine Begeisterung für Philosophie erklärt. «Ich habe mit 16 echt gedacht, ich ticke genau wie Nietzsche. Heute lasse ich mich aber auch gern beeinflussen von ,Intouch‘ oder ,OK‘. Ich finde solche Zeitschriften sehr kurzweilig und schön.» / Frankfurter Neue Presse
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
Rhyming has a way of brightening a poem, and a depressing subject can become quite a bit lighter with well-chosen rhymes. Here’s a sonnet by Mary Meriam, who lives in Missouri. Are there readers among you who have felt like this?
The Romance of Middle Age
Now that I’m fifty, let me take my showers
at night, no light, eyes closed. And let me swim
in cover-ups. My skin’s tattooed with hours
and days and decades, head to foot, and slim
is just a faded photograph. It’s strange
how people look away who once would look.
I didn’t know I’d undergo this change
and be the unseen cover of a book
whose plot, though swift, just keeps on getting thicker.
One reaches for the pleasures of the mind
and heart to counteract the loss of quicker
knowledge. One feels old urgencies unwind,
although I still pluck chin hairs with a tweezer,
in case I might attract another geezer.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2009 by Mary Meriam, whose most recent book of poetry is The Countess of Flatbroke, (afterword by Lillian Faderman), Modern Metrics/Exot Books, 2006. Poem reprinted from Rattle, Vol. 15, no. 2, Winter 2009, by permission of Mary Meriam and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Eichendorffs poetischer Rang bleibt unbestritten, die Figur aber ist ambivalent. Einerseits: ‚Eichendorff‘, sagt Killmayer, ‚will sein Glück über die Welt, die Erde mitteilen, die von Gott geschaffen worden ist . . . Er ist glücklich in der Natur und in seinem Glauben.‘ Andererseits: Einem ganz und gar düsteren späten Eichendorff-Text haben sich die Komponisten Wolfgang Rihm und Manfred Trojahn verschrieben. ‚Klang um Klang‘ heißt das Gedicht, es geht um böse Jägerrufe in der Natur, einen Schuss, um verwirrende Stimmen: ‚Hüt dich zu dieser Stunde, / mein Herz ist mir so schwer!‘ Trojahn verwandelt das in eine brütende Traumepisode zweier Frauenstimmen, Rihm lässt einen Tenor in fließender Melodik anheben, ehe er diesen in verwunschene Tonräume schickt. …
Freilich, schon die neuere Germanistik sah den Romantiker Eichendorff durch die Widersprüche zwischen einem Ideal und der allmählich technifizierten Lebensrealität wie entzaubert dastehen: ‚Während sich die Wirklichkeit rasant verändert, steht in den Gedichten Eichendorffs die Zeit gleichsam still.‘ Schreibt Matthias Kruse in ‚Tänzer, Sänger, Spielmann‘ (Verlag Olms). ‚Durch Formeln, Klischees, „fast vorgestanzt wirkende Naturschilderungen“‚, mache es sich Eichendorff zum Anliegen, ‚die Zeit vor dem Verfall retten‘ zu wollen. / Wolfgang Schreiber, Süddeutsche 20.7.
Heute erscheint das Tagebuch des portugiesischen Literaturnobelpreisträgers, der vor gut einem Monat im Alter von 87 Jahren gestorben ist. Geschrieben wurden die Texte als Blog fürs Internet – darunter poetische Betrachtungen wie auch antisemitische Hasstiraden. / Rheinische Post
Tadeusz Dabrowski und Andre Rudolph lesen am Donnerstag (29.7.) in Dresden
Wir laden Sie herzlich ein zur Lesung in der Reihe
LITERARISCHE ALPHABETE
am Donnerstag, 29. 7. 2010, 20 Uhr im im LeseGarten, Prießnitzstraße 56, Dresden
(bei schlechtem Wetter in der Buchhandlung LeseZeichen)
Tadeusz Dabrowski (Gdansk) und Andre Rudolph (Leipzig) lesen aus ihren Büchern „Fluglärm über den Palästen unserer Restinnerlichkeit“ und „schwarzes quadrat auf schwarzem grund“.
Der australische Dichter Les Murray hat, auf die aktuelle europäische Poesie angesprochen, einmal gesagt, was ihn störe sei, daß diese zu sehr „von den Universitäten“ her komme. Was mit diesem Diktum aufs Korn genommen wird, ist die angestrengte Originalität eines Dichtens, bei dem alle Verbindungen zu unserer alltäglichen Erfahrung gekappt worden sind.
Dass es auch anders geht, beweisen die Bücher zweier Lyriker, die beide derselben Generation angehören: des 1975 in Warschau geborenen Andre Rudolph und des 1979 geborenen Tadeusz Dabrowski. Rudolphs Gedichte leuchten wie die Kinder in seinem Gedicht „Sonne über Platons Haus“, sind von verhaltener Ironie und voller farbiger Assoziationsgeflechte.
Der polnische Lyriker Tadeusz Dabrowski ist ein „gut trainierter Skeptiker“ (Michael Krüger), dessen scheinbar leicht dahingesprochene Gedichte die Möglicheiten unserer Existenz in einer rasenden Welt ausloten: Poesie als Gegenentwurf und bar jeder Bildungsattitüde.
Literaturforum Dresden e. V. in Kooperation mit der Buchhandlung LeseZeichen.
Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank und der Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur und Denkmalschutz.
Eintritt: 6 / 3 EUR
—
Buchhandlung LeseZeichen
Priessnitzstrasse 56
01099 Dresden
Meine neueste Übersetzung eines längeren persischen Gedichts ist Gorganis „Wīs und Rāmīn“, das ich in Paarreimen übersetzte (400 Seiten Paarreime!).
Meiner Meinung nach ist Gorganis Gedicht eine der ungewöhnlichsten Liebesgeschichten der Weltliteratur, wenn nicht gar die herausragendste. Ich ziehe sie sogar Nisamis Werk vor, so wunderbar es ist. Ich habe es gern übersetzt, beim Arbeiten fühlte ich eine Nähe zu Gorgani, wie ich sie zu keinem anderen Dichter gefühlt habe, manchmal war mir, als ob er mit mir das Zimmer teilte. Für Firdusi und Attar empfinde ich Respekt, für Gorgani Freundschaft. …
Übersetzungen verändern Kulturen, aber sie tun auf eine Art, auf die die Kultur vorbereitet ist. Im 18. Jahrhundert galt Sa’adi im Westen als der am meisten bewunderte Autor, weil sein Werk eine universale Ethik zu verkörpern schien, die der von den großen Figuren der europäischen Aufklärung verfochtenen zu ähneln schien (und die amerikanischen Transzendentalisten des 19. Jahrhunderts liebten ihn aus dem gleichen Grund).
Goethes romantischer Mystizismus* zog ihn zu deutschen Übersetzungen von Hafis, weil er in ihm etwas zu sehen glaubte, was er sowohl suchte als auch zu tun glaubte; ähnlich, wenn auch in völlig anderer Tonart, die heutige Popularitär Rumis im Westen – man liest seine Verse als gleichzeitig tief spirituell und sehr antidogmatisch.
Die meisten Westler, die sich für spirituell halten, stehen im Verdacht sektiererischen Dogmas, und Rumis Spiritualität, die eine wahrhaft universale ist und keine sektiererische, bedient dieses Gefühl. / Dick Davis, Professor of Persian at Ohio State University, im Gespräch mit Tamara Ebrahimpour, presstv.ir
*) Ob Goethes Sicht auf Hafis mit der Bezeichnung „romantischer Mystizismus“ getroffen ist, kann man bezweifeln. Goethe sagts so in einem wunderbaren Gedicht:
O f f e n b a r G e h e i m n i ß.
Sie haben dich heiliger Hafis
Die mystische Zunge genannt,
Und haben, die Wortgelehrten,
Den Werth des Worts nicht erkannt.
Mystisch heißest du ihnen,
Weil sie närrisches bey dir denken,
Und ihren unlautern Wein
In deinen Namen verschenken.
Du aber bist mystisch rein
Weil sie dich nicht verstehn,
Der du, ohne fromm zu seyn, selig bist!
Das wollen sie dir nicht zugestehn.
(Hier)
Und ich traue dem deutsch-persischen Dichter Cyrus Atabay, der in seiner Auswahl Hafisscher Liebesgedichte über Goethe schreibt:
Eine nicht versiegende Lebendigkeit hatte Goethe in Hafis erkannt, die Vielschichtigkeit eines Werkes, an der die Erklärungsmethoden der Fais-Forschung scheiterten, war ihm offenbar. Auch diese begriff allmählich, daß es unzureichend war, Hafis‘ Gedichte nur dem Wortlaut oder einem allegorischen Sinn nach verstehen zu wollen: der realistische sowie der mystische Bezug sind Aspekte eines Ganzen, in dem das Profane und das Heilige, irdische und himmlische Liebe, Sinnlichkeit und Geist ineinander übergehen. Die Doppeldeutigkeit, die zu dieser Frage Anlaß gab, ist ein von Hafis bewußt angewandtes Stilmittel: eine bewegliche Skepsis, die fortgesetzt alles bedenkt und relativiert. Gewiß bedient sich Hafis der überlieferten Form (eines konventionellen Inventars von Topoi), doch innerhalb dieser grenzen drückt er sowohl die Kritik der Zeit und der Gesellschaft wie seine eigene Erlebniswelt aus. Die Substanz eines Hafis-Verses ist unverkennbar: seine geistige Transparenz, seine Begeisterung für alles Lebende und die völlige Freiheit von jedem Dogmatismus.
Cyrus Atabay, Nachwort, in: Hafis, Liebesgedichte. Frankfurt/ Main: Insel 1980, S. 82
Die stärksten Gedichte entstanden früh. Sie stehen im Debütband, mit dem Schumann die Präsentation des Blass-Werks eröffnet. »Auch der Lyriker«, schrieb der 22-jährige Poet im Vorwort des Bandes, »wird nächstens ein Erkennender sein, ein Kämpfer, einer, der haltbare Grundlagen sucht …, einer, der für das Fortschreiten der Menschheit morastlosen Boden sucht; jemand, der (ich weiß was ich sage) für die Entwicklung kämpft.« Blass hat die Stadt gemocht, ihre hellen und schattigen Seiten, und er hat immer wieder über sie geschrieben, leise und beinahe zärtlich. Die wilde, ekstatische Gebärde seiner expressionistischen Freunde ist in seinen Versen nicht zu finden, dafür ein sicheres Gespür für wunderbare und leuchtende Bilder. Er war ein genauer, hochsensibler Beobachter, war dies auch in seiner Prosa, den Erzählungen und journalistischen Arbeiten, die Schumann ausgegraben und in zwei Bänden vorgestellt hat. Lesenswert noch immer, was der Kritiker Blass über die neuen Bücher der Kollegen sagte, über Stefan George, dem er sich bald sehr verbunden fühlte, über Döblin, Musil, Loerke, Kerr, Traven, die Lasker-Schüler oder René Schickele. / Klaus Bellin, ND 26.7.
Ernst Blass: Werkausgabe in drei Bänden. Band 1: Sämtliche Gedichte, 254 S.,, Band 2: Erzählungen und Feuilletons, 232 S., Band 3: Literarische Aufsätze, 168 S.. Hg. von Thomas B. Schumann, Edition Memoria, Klappenbroschur, je 26 €, zusammen 68 €.
A slate of events that celebrate Allen Ginsberg’s „Howl“ include readings by poet Anne Waldman and a concert with Kyp Malone of TV on the Radio. / Washington Post
Beat Memories: The Photographs of Allen Ginsberg
May 2–September 16, 2010
Inspiriert von der Lyrik des amerikanischen Poeten Walt Whitman, der Entgrenzung seines lyrischen Ichs in Song of Myself (Leaves of Grass), widmet sich Tenorio der Kausalität von Situationen und ihrer körperlichen Erfahrbarkeit und Umsetzung. In der Reibung mit den lyrischen Repliken konfrontiert sie ihre Bewegungen mit dem Spiel des Lichts, der Stille des Augenblicks und der Musik von John Cage. / berlin030.de
Tanz ─ vom 28. bis 30.07. Im Labor Gras
Paul-Lincke-Ufer 44, Kreuzberg
10 der von Ralph Dutli erstmals übersetzten Fatrasien (L&Poe 2010 Jul #82. Erfindung des Surrealismus) wurden in der FAZ vom 17.7. abgedruckt, und warum nicht 11? Spielt diese Zahl doch eine zentrale Rolle bei dieser eigenartigen Textgattung. Dutli schrieb:
Die Fatrasie ist ein kurzes Gedicht mit elf Versen. Die Zahl Elf bedeutet mehr als zwei Handvoll und weniger als ein Dutzend. Sie symbolisiert ein Zuviel und Zuwenig. Sie ist ein Signal für Verrücktheit und närrisches Treiben.
Warum also 10 und nicht 11 im ganzseitigen FAZ-Artikel? Das elfte fiel heraus, weil der Platz auf der Seite fehlte. Die Bilder einfach zu groß. Ralph Dutli war so freundlich, mir das fehlende Glied zu schicken:
Fatrasie 37
Ein Hund mit abgezogenem Fell
hatte sein Kleidchen hochgerafft,
um Klöster zu säen,
und ein abgenutzter Kamm
wurde deswegen sehr wütend
und stürzte sich ins Meer.
So laut begannen Hühner
mit vier Füßen zu schwatzen,
dass sie ein Wildschwein fingen;
mit einem vollen Topf Honigwein
machten sie den Esel fliegen.
Den FAZ-Artikel kann man auf Dutlis Seite nachlesen. Das Buch erscheint im August bei Wallstein.
Dutli, Ralph
Fatrasien
Absurde Poesie des Mittelalters
Einleitung von Dutli, Ralph
Verlag : Wallstein
ISBN : 978-3-8353-0774-2
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