115. Noch ein Preis aus Österreich

Beim seit 25 Jahren vergebenen BEWAG-Literaturpreis, mit dem burgenländische Autoren ausgezeichnet werden, gewannen in der Sparte Lyrik Gernot Schönfeldinger und Burgi Graner.

/ ORF

114. Schriftstellerinnen mit ungarischen Wurzeln

Zynische Tagebücher, pazifistische Romane, Gedichte in neuem Versmaß – die weiblichen Vertreterinnen der ungarischen Literatur haben viel Lesenswertes hervorgebracht. …

Von der baden-württembergischen Ehinger Bibliothek, die sich auf in deutscher Sprache erschienene ungarische Literatur spezialisiert hat, wurde am 20. September die erste Anthologie über „Schriftstellerinnen mit ungarischen Wurzeln“ veröffentlicht. Darin werden insgesamt 57 in deutscher Sprache publizierte Autorinnen vorgestellt, die ungarischer Herkunft oder Abstammung sind, beziehungsweise Teile ihres Lebens hier verbracht haben. Manche von ihnen sind in Ungarn zu Hause, andere schreiben darüber, verstehen sich aber als Angehörige anderer Nationen und gelten dort selbst als anerkannte Landesschriftstellerinnen. …

Im Bereich der Lyrik fanden sich Werke der 1913 verstorbenen Margit Kafka neben jungen modernen Poeten wie im vom DuMont Verlag veröffentlichten Gedichtband „Budapester Szenen“. / Luisa Stock, Pester Lloyd

 

22. November 2010 bis 22. Januar 2011, eintrittsfrei
Ervin Szabó Bibliothek
Szabó Ervin tér 1.
1088 Budapest, VIII.
Weitere Informationen:
www.ungarische-literatur.eu

 

113. Persisch und deutsch

Der iranische Dichter Ali Ghazanfari wird seinen dritten persischen und vierten deutschen Gedichtband veröffentlichen, meldet die Agentur IBNA. Außerdem bereitet er eine zweisprachige Anthologie „Deutsche Lyrik von den Anfängen bis zur Gegenwart“ vor (Verlag Tous). Sein deutsche Gedichtband, für den er noch keinen Titel hat, soll beim Engelsdorfer Verlag erscheinen.

112. Achter Feldkircher Lyrikpreis vergeben

In Feldkirch ist am Samstag der achte Feldkircher Lyrikpreis verliehen worden. Platz eins ging an die junge deutsche Autorin Kenah Cusanit. Die gebürtige Niederösterreicherin Regina Hilber belegte Platz zwei, Platz drei der Vorarlberger Udo Kawasser.

Über 500 Autoren aus zehn Ländern hatten ihre Werke bei dem Wettbewerb eingereicht. Eine vierköpfige Jury wählte die Preisträger aus.

In der Jury saßen Marcus Poettler, Autor und Preisträger 2009, die Pädagogin Marie-Rose Cerha, die Autorin und Radiokünstlerin Petra Ganglbauer sowie der Verleger Bernd Schuchter. / ORF

 

111. „PoesieFrühling“

Anmeldung zum Poesiefest „PoesieFrühling“

„Was ist Poesie für Dich?“

Jeder kann bei PoesieFrühling mitmachen: Privatpersonen, Schüler, Künstler, Vereine, Gewerbe, kulturelle Institutionen… Von privaten und öffentlichen Aktionen, Happenings bis zu organisierten Workshops und Veranstaltungen ist alles möglich. Eine Aktion kann eine Minute dauern, eine einmaliges Event sein oder während des ganzen Festivals stattfinden. Alle Sprachen sind willkommen, auch gerne gemischt.

Mitmachen kann z.B. auch bedeuten Räume (Laden, Imbiss, Wohnung…) für die Aktionen zur Verfügung zu stellen.

Das Poesiefestival findet vom 07. – 21. März 2011 statt.

Anmelden können Sie sich online bis zum 17. Januar 2011 unter www.poem-space.com/poesiefruehling/.

 

110. Irritationsmomente

R. S. Thomas war keine spielerische, experimentierfreudige Natur, sondern schliff seine Dichtungssprache früh zur schlanken Präzision eines chirurgischen Instruments, das nicht der Expression, sondern der Analyse dient; nur minime Irritationsmomente – ein momentanes Absinken des Tons, eine unerwartete Wendung, ein tückisches Enjambement – gebieten Achtsamkeit beim Abschreiten der scheinbar so luzid und schlüssig angelegten Gedankengänge. / Angela Schader, NZZ 24.11.

R. S. Thomas: Mit Fängen aus Feuer. Zweisprachig englisch/deutsch. Übersetzt von Kevin Perryman. Babel-Verlag, Denklingen 2010. 84 S., € 24.–.

109. MAÏAKOVSKI L’HOMME-POÈME

Yves Simon schreibt in Paris Match über die neue Majakowski-Biographie (vgl. hier)

Mit Foto: En août 1926, Vladimir Maïakovski avec Lili, son amour et sa muse, dans la station balnéaire de Tiaïr, en Crimée

La vie en jeu. Une biographie de Vladimir Maïakovski », de Bengt Jangfeldt, éd. Albin Michel, 589 pages, 25 euros.

 

108. Ausnahmeerscheinung

Wer noch zeitgenössische Gedichte liest, weiß, wie selten die Irritation auch in der Lyrik geworden ist. Es gibt wenig, was den einmal gesicherten Bereich wieder verlässt, damit „die Augen meiner Augen aufgehen“, wie E.E. Cummings es nannte. Unter dem Zwang zur Innovation werden Gedichte, die verblüffen, verwirren oder gar verstören, rar.

Eine Ausnahmeerscheinung ist der 1932 in Isny im Allgäu geborene Günter Herburger, der seit 1964 veröffentlicht, Mitglied der Gruppe 47 war und für seine Lyrik und seine Romane unter anderem den Peter-Huchel-Preis und den Hans-Erich-Nossack-Preis erhielt, beides vor fast zwanzig Jahren. / Mirko Bonné, FAZ

Günter Herburger: „Ein Loch in der Landschaft“. Gedichte. A 1 Verlag, München 2010. 104 S., geb., 18,80 Euro

107. Meine Anthologie 61: Srečko Kosovel, Stammbaum

Stammbaum 

Sklav.
Sklav Kneht.
Sklav Knehtovic Kneht.
Sklav Sklavjevic Knehtovic Demut.
Sklav II.
Sklav Demutovic III.
Knehtovic IV.
Janez Demut Feig, der Grossspurige.

Srečko Kosovel: Integrale. Übersetzung aus dem Slowenischen, Nachwort und Anmerkungen von Erwin Köstler. Drava-Verlag, Klagenfurt 1999, S. 78.

 

Srečko Kosovel

(1904-1926), bedeutender Vertreter der slowenischen Avantgarde, starb mit 22 an Meningitis.
weitere Ausgaben:
Ahnung von Zukunft, Leipzig 1986
Gedichte. slowen./dt. (Ü: Ludwig Hartinger) Klagenfurt 1988

106. Meine Anthologie 60: Abdallah Zrika, Das Rot der Sonnenhosen

Das Rot der Sonnenhosen 

1
Ah, wie sehen,
wo doch das Auge beschnitten ist?

Und ist dies eine Erde
oder ein Waschstein?

Und was ist dieser Weg, der sich vom Harem zum Paradies erstreckt?

Und diese Frau, die nur vom Rücken ihres Dieners durch das Fenster die Bahre sehen kann?

Und diese nutzlosen Wasserhähne aus dem Rost einer Kehle?

Und diese Sterndeuter, welche die Fliegen nicht in den Himmel schauen lassen?

Und diese Labyrinthe, die zu einem Hundebiß führen?

Aber ich weiß nicht, ob es zwischen Westen und Osten einen Schleier und einen Rosenkranz aus Sünden gibt.

2
Wie könnte deine Hand nicht zur Hure werden,
wo du doch jeden Tag malst?

Und was geschieht mit ihr, wenn die Leinwand ein Feld wird und dein Auge eine Krähe?

Und was hätten Monet, Renoir und Pissarro gemacht, wenn sie nicht hinaus an die frische Luft gegangen wären?

Und was wäre dann die Farbe der Narrheit, wenn nicht gelb?

Und was wäre ein Pinselstrich wert, wäre er nicht scharf wie eine Klinge?

Hast du dieses Gesicht gesehen, das einem Stück Brot ähnelt,
und Frauen wie Kartoffelknollen
und eine Sonne, die für keinen Morgen taugt?

Was hätte Matisse gemacht, hätte er nicht in eine rote Hose gefurzt?

Und was wäre dieser Tisch, hätte er nicht gewartet, bis Van Gogh aus der Ödnis des Krankenhauses gekommen wäre?

3
O Ingres,
warum beginnt der Körper beim Rücken?

O Degas,
wer tanzt,
die Hüfte oder der Hunger?

O Michelangelo,
was ist die Renaissance anderes als die Renaissance des Körpers ?

Und wäre die Entdeckung Amerikas möglich gewesen vor der Entdeckung der Falten des Körpers?

Ich vergaß, wie ich in diese völlig verfallene Bar geraten war, wo Manet in seiner öligen, zusammengeschrumpelten Hose stand, Bonnard einer Frau half, ihr Hemd auszuziehen, und Matisse einen Frauenschenkel mit dem Blau seiner Augen malte. Sonst sah ich niemanden.

Doch an der Tür erkannte ich noch Modigliani, der gerade versuchte, das Fahrrad einer Frau zu besteigen, die sich aus Versehen vornüberbeugte.

[1994]

Die Farbe der Ferne. Moderne arabische Dichtung. Hrsg. u. übersetzt von Stefan Weidner. München: C.H. Beck 2000, S. 218-220.

105. Albatros

Mein Lieblingsgedicht als Jugendlicher war The Rime of the Ancient Mariner. Der Dichter Samuel Coleridge hatte nie einen Albatros erblickt, als er dieses Langgedicht über die Ermordung eines Albatros und deren tragische Folgen verfasste, und ich damals auch nicht, aber ihm diente der Vogel mit der größten aller Spannweiten als Metapher, und mir leuchtete diese unmittelbar ein. Unvergesslich, wie der Seemann, der das heilige Tier getötet hat, gezwungen wird, dessen Kadaver um den Hals zu tragen. Als wäre dies das wahre Kreuz des Menschen. Umgeben von majestätisch über uns schwebenden Albatrossen kam mir dieses Gedicht in den Sinn, und es erschien mir als Folie für eine gegenwärtige Geschichte geeignet: „The spirit who bideth by himself / In the land of mist and snow, / He loved the bird that loved the man / Who shot him with his bow.“ Meine Geschichte war aufgehoben in einem Gedicht, das mich seit der Pubertät beschäftigt hat. Vielleicht hat Literatur keinen wichtigeren Antrieb, als die Leidenschaften der Kindheit nachzuholen. / Ilija Trojanow, DER STANDARD/ALBUM – Printausgabe, 27./28.11.

104. Junge Lyriker in Hamm

Ein ganz besonderes Fest der Sprache präsentierte der „Literarische Herbst“ am Donnerstagabend im Atelier des Hammer Künstlerbundes am Maximilianpark dank des lokalen Bezugs: Mit Christoph Wenzel und Jan Skudlarek stellten sich gleich zwei in Hamm geborene, junge Lyriker vor. / Werner Lauterbach, Westfälischer Anzeiger

103. Andrea Drumbl erhält den Kärntner Lyrikpreis 2010

Die Stadtwerke Klagenfurt Gruppe, die für ihr literarisches Engagement im Vorjahr eine „maecenas“-Anerkennung erhielt, lässt sich die Ausrichtung des Lyrikpreises insgesamt 25.000 Euro kosten. „Es ist uns wichtig, eine Literaturgattung zu fördern, die oft zu Unrecht ein Schattendasein führt,“ betonte Hausherr STW-Vorstand Romed Karré anlässlich der Preisverleihung am Donnerstag Abend. / Kleine Zeitung

102. «Du weisst doch, dass ich Bedeutung hasse.»

… er flüsterte mir zu: «Du weisst doch, dass ich Bedeutung hasse.»

Ich weiss, ich wusste auch damals, dass Pastior nach einer bedeutungsfreien Dichtersprache suchte, dass er keinen Bedeutungsraum hinter oder zwischen den Wörtern gelten lassen wollte. Gelten sollte das Wort als solches, als Klangleib – nichts besagend, bloss leichthin an die Sinne rührend. …

Naturgemäss stellt sich nun im Rückblick die Frage, ob nicht überhaupt Pastiors dichterische Arbeit, die man so gern als «hermetisch», «formalistisch» oder wenigstens als «ludistisch» bezeichnet hat, darauf angelegt war, in kunstvoller Weise «nichtssagend» zu sein, und ob sein konsequentes Bemühen, seine Texte von aller Bedeutung und vorab von jeder Eindeutigkeit freizuhalten, nicht auch andere denn poetologische Gründe hatte.

Ausser Frage steht nun jedenfalls, dass die Pastior-Philologie noch einmal über die Bücher gehen und nach allfälligen Spuren verdrängter «Bedeutung» suchen muss. Womöglich steht bei diesem «dunklen» Dichter doch weit mehr zwischen den Zeilen, als er selbst es wahrhaben wollte und als die Kritik es bisher erkennen konnte. / Felix Philipp Ingold, NZZ 26.11.

 

101. Europa

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