Der lauter Niemand Preis für politische Literatur ist nun vergeben. (Siehe Nr. 122 November)
Der erste Preis ging an Clemens Schittko, die beiden zweiten Preise an Susanne Eules und Marcus Roloff.
Auf der lauter niemand Seite findet sich, nicht gleich zu finden, auch eine kleine Nachlese zur Preisverleihung. (Rechts auf „preis politische lyrik“ klicken und dann etwas weiter unten.) Hier ein kurzer Auszug:
Es fehlt ihr also die Möglichkeit eines Tabubruchs welcher in offensichtlich stark restriktiv geführten Gesellschaften sowohl den Autoren in seinem Mut, wie auch den Leser in ihrer Wut beseelte, ähnlich wie eine Bombe nur hochgeht, weil sie einen Stahlmantel besitzt. (Anm.: Stefan Döring, der Juror, der nicht mitdiskutierte, vertrat damit eine der wenigen Möglichkeiten, sich wirklich außerhalb der Regel unserer Gesellschaft zu stellen, nämlich durch Verweigerung: Nur wie weit ist die nun wirksam? – Andererseits fragte der Stifter Eingangs, warum viele der eingereichten Texte eine so resignierte Haltung besäßen: Vielleicht, weil außer bei öffentlich inzenierten Wutritualen und -Predigten, bei welchen das Zeigen und Feiern eines Ausbruchswillens oft das einzig Interessante bleiben, kein Widerstand wirkliche Ansatzpunkte findet: Was bleibt ist das Gemecker von den Hinterbänken.
Der Berner Dichter und Pfarrer Kurt Marti, einundneunzig, auch ein lebenslanger Tagebuchschreiber, hat nun »Spätsätze« veröffentlicht. Sie handeln vom Lebensraum, der gleichsam aus drei Buchstaben besteht. Jenen drei Buchstaben, die das »Abendleben« vom »Ableben« trennen, und die herausfallen werden wie haltlos gewordene Zähne. / Hans-Dieter Schüt, ND 4.12.
Ein starker Jahrgang 2010 mit 53 Auszeichnungen, meldet die Stiftung Buchkunst:
1 034 Bücher von 457 Einsendern nahmen dieses Jahr am Wettbewerb »Die schönsten deutschen Bücher« der Stiftung Buchkunst teil.
Eine unabhängige, achtköpfige Zweite Jury entschied nach viertägiger Arbeit am 27. November 2010 über die diesjährigen »Schönsten«: 45 Bücher erhalten eine »Prämiierung«, 8 Bücher eine »Anerkennung«. Eine Woche zuvor hatte die siebenköpfige Erste Jury 301 Bücher an die Zweite Jury weiterempfohlen, 733 Bücher schieden in der ersten Runde aus.
Unter den PRÄMIIERUNGEN
GRUPPE 1: ALLGEMEINE LITERATUR:
Oswald Egger
Die ganze Zeit
Suhrkamp Verlag – Berlin
Preis: 44,80 Euro
ISBN: 978-3-518-42133-8
Typografie: Oswald Egger – Hombroich, Nina Knapitsch – Berlin
Herstellung: Nina Knapitsch – Berlin
Michael Lentz
Offene Unruh
100 Liebesgedichte
S. Fischer Verlag – Frankfurt am Main
Preis: 16,95 Euro
ISBN: 978-3-10-043926-0
Typografie: Katja von Ruville – Frankfurt am Main
Herstellung: Katja von Ruville – Frankfurt am Main
Auf der Short-List des Wettbewerbs, „Fünfundvierzig auch sehr schöne Bücher“, sind Bücher von Uwe Tellkamp und Rainer Maria Rilke.
Ein paar auch sehr schöne stehn überdies in meinem Regal.
Noch vor rund zwei Jahrzehnten kam die Türklingel am Abend des 6. Dezember kaum zur Ruhe, weil ganze Hundertschaften maskierter Halbwüchsiger von Haus zu Haus zogen, um das wohl unverschämteste Gedicht aller Zeiten gegen eine süße Gage runterzuleiern. Anno 2010 allerdings bleibt die Nachbarschaft von derlei altbackenem Brauchtum verschont, denn klingeln wird es in der Nacht von Montag auf Dienstag vornehmlich in den Kassen der Elektro-Großmärkte. / Frank Fischer, gamona.de
Auch vor der Lyrik machten neue Trends nicht Halt. Das „lange Gedicht“, in den 70er Jahren stark politisch beeinflusst, erlebe eine Wiedergeburt, jetzt als Naturgedicht. / Südwestpresse
re’trac·tion [-kʃn] s.
© 2001 Langenscheidt KG, Berlin und München; Internet-Wortschatz: © 2001 Langenscheidt KG, Berlin und München und sueddeutsche.de GmbH, München
I know a bank where the wild thyme blows, where oxlips and the nodding violet grows and hayfever sufferers sneeze wildly
In Xanadu did Kublai Khan a stately pleasure dome decree, but so many voters objected he cancelled it
I grow old, I grow old, I shall wear the bottom of my stomach rolled
James James Morrison Morrison Weatherby George Dupree couldn’t fit his name on the Child Protection Forms
Stop all the clocks, cut off the telephone , actually just wait I’ll order a pizza first
When I compare thee to a summer’s day, please recall that I’m English. William Shakespeare
SO YOU JUST HOLD THIS DOWN WHILE YOU TYPE EH? CLEVER! E E CUMMINGS
In retrospect, that red wheelbarrow wasn’t as important as I thought. Also, I was drunk. William Carlos Williams
Goe, and catche a falling starre / Get with child a mandrake roote / I knowe you woulde / you’de roote anythinge
While Death stopping for me was kindly, I should point out that he talked the entire goddamn ride. Emily Dickinson.
They fuck you up, your mum and dad, but being a librarian in Hull fucks you up even more. Philip Larkin
How do i love thee? let me count the ways. 1. oh, right. i don’t. Elizabeth Barrett Browning.
No, May is crueller. Eliot
Unverkennbar ermöglicht ihm die positiv zu sehende Schamlosigkeit eine produktiv verwirrende Tiefe. Dissonanzen großer Herbheit schneiden um so schärfer ins Ohr, als Seiler sich sonst in einen Rausch der Assonanzen, Alliterationen, Wort- und Zeilenwiederholungen hineinzuschreiben versteht. Manche Verse scheinen melancholische Wanderlieder zu sein, gerade recht für die Reise, ob mit dem Fahrrad, im Zug oder zu Fuß. Geradezu greifbar ist Gehen, Schreiten, Fahren, das Seiler oft mit seiner Autorenarbeit verbindet. „Ich schreib nicht mit der Hand allein“, heißt es bei Nietzsche, „der Fuß will stets mit Schreiber sein. Fest, frei und tapfer läuft er mir bald durch das Feld, bald durchs Papier.“ Als Wanderschreiber und Dichtergeher gleicht Seiler einem guten Reisekameraden, dem man auf der Leselebensreise gern folgen kann, zumal er den Tod kennt, aber in seinen Versen nicht über die Maßen fürchtet; selbst wenn er ihn im Treppenhaus überfällt.
Schön, wie leichthändig Seiler die Tradition einwebt, keck, auch kritisch, Hofmannsthal und George zuzwinkert, antike Elegie-Töne verwendet. Das Fußball-Epos „Die Fussinauten“ zeigt seine Freude am dramatischen Erzählen, das balladengeschult ist, wie „geruch der gedichte“ unterstreicht. / Rolf-Bernhard Essig, FR 3.12.
im felderlatein.
Von Lutz Seiler. Suhrkamp, Berlin. 100 S., 14,90 Euro.
Gefunden im roughblog:
„Das Internet ist für mich die größte emanzipatorische Erfindung der Menschheit seit der Erfindung der Schrift. (…) Es hat seit der Erfindung des Telegraphen und des Telefons nichts Vergleichbares gegeben, und das Netz schlägt diese Erfindungen ja noch, weil jeder mit jedem ganz nach eigenem Wunsch in Verbindung treten kann. Es ist ein verwirklichter Traum. Und jeder hat Zugang zu jedem. Ich bin eine begeisterte Anhängerin des Netzes. Und die schärfsten Restriktionen von Regierungen können immer auch von technisch Versierten umgangen oder ausgeschaltet werden. Das Netz ist demokratisch und subversiv zugleich. Es ist Gott.“
Quelle: Elfriede Jelinek in einer E-Mail-Korrespondenz mit Rita Thiele, abgedruckt im Programmheft zu „Das Werk. Im Bus. Ein Sturz“, Schauspielhaus Köln, 2010…
Der Schriftsteller Alfred Kolleritsch, Mitbegründer des Forum Stadtpark in Graz, sprach mit Thomas Trenkler über die Literaturzeitschrift „manuskripte“, die er seit 50 Jahren herausgibt.
Standard: Am Samstag werden mehr als 140 Autoren beim Festakt im Grazer Schauspielhaus dabei sein. Ein derart großes Autorentreffen gab es noch nie, oder?
Kolleritsch: Es war etwas verwegen von mir, alle wichtigen Autoren, die im Laufe der letzten 50 Jahre in denmanuskripten publiziert haben, einzuladen. Das Erfreuliche – und gleichzeitig Erschreckende – ist, dass fast alle zugesagt haben. Peter Handke kommt mit Hubert Burda, Ulla Berkéwicz kommt, Robert Menasse, auch Peter Turrini. Eine bunte Fülle. Die Jelinek kommt nicht, sie hat aber einen schönen Text geschickt.
Hainichen. Soviele zeitgenössische Dichter aus Sachsen in einem Buch gab es noch nie: 140 Lyrikerinnen und Lyriker sind es, die der Band „Es gibt eine andere Welt“ versammelt. Herausgegeben haben das Buch, das heute im Dichter-Museum von Hainichen, dem Gellert-Museum, seine Premiere erlebt, ebenfalls zwei Lyriker: der in Dresden lebende Axel Helbig und der aus Hainichen stammende Andreas Altmann, der im übrigen einer der Initiatoren der in der „Freien Presse“ erscheinenden Reihe „Gedicht der Woche“ ist. / Ulrich Hammerschmidt, Freie Presse 3.12.
Buch und Buchpremiere Andreas Altmann/Axel Helbig (Herausgeber): Es gibt eine andere Welt. Eine Anthologie aus Sachsen. Verlag poetenladen Leipzig. 400 Seiten. 24,80 Euro. ISBN 978-3-940691-23-1. – Buchpräsentation heute 20 Uhr im Gellertmuseum Hainichen.www.gellert-museum.de
Die amerikanische Lyrikerin Elyse Fenton gewann den diesjährigen Dylan Thomas Prize ( £30,000) für „Clamor“, eine Sammlung von Kriegsgedichten, die sie schrieb, während ihr Mann als Militärarzt in Bagdad diente. Damit ging zum wiederholten Mal in diesem Herbst ein Preis an ein Buch aus einem Kleinverlag, in diesem Fall dem Cleveland State University Poetry Center. / Guardian 2.12.
Neues auch vom Berliner Ohrenschmaus:
Kurz vor Weihnachten präsentieren wir einen israelischen Weihnachts- und Poesiefilm, basierend auf einem Gedicht von Jan Wagner (Deutschland).
Freuen kann man sich für 2011 schon einmal auf neue Dichter aus dem Maghreb, aus Italien, Israel, Katalonien, Zypern, Belgien, Russland und aus Skandinavien, und natürlich noch auf viele andere mehr.
Neue Autoren
Auf lyrikline.org sind zahlreiche Autoren neu. Mit dabei sind u.a. Gedichte des Booker-Preisträgers Michael Ondaatje (Kanada), der vor allem durch seinen Roman „Der englische Patient“ bekannt wurde. Cole Swensen (USA) und Yang Lian (China/USA) sind weitere nordamerikanische Autoren, die jetzt online zu lesen und zu hören sind. Ebenfalls neu sind die afrikanischen und asiatischen Dichter Nina Kibuanda (DR Kongo) und Babangoni wawa Chisale (Malawi) sowie Alaa Khaled (Ägypten), Zakaria Mohammed (Palästina) und Monzer Masri (Syrien).
Aus Europa sind neu dazugekommen:
Ulrikka S. Gernes (Dänemark), Konstantin Ames (Deutschland), María Eloy-García (Spanien) und die griechischen Dichter Jazra Khaleed, Dimitra Kotoula und Yannis Stiggas.
Neue Gedichte
gibt es von Gerhard Falkner (Deutschland).
Neue Übersetzungen
Außerdem wurden wieder zahlreiche neue Übersetzungen eingestellt:
Ins Arabische: Gerhard Falkner (Deutschland)
Ins Chinesische: Jan Wagner (Deutschland)
Ins Deutsche: Babangoni wawa Chisale (Malawi), María Eloy-García (Spanien), Ulrikka S. Gernes (Dänemark), Alaa Khaled (Ägypten), Jazra Khaleed (Griechenland), Nina Kibuanda (Kongo), Dimitra Kotoula (Griechenland), Zakaria Mohammed (Palästina), Monzer Masri (Syrien), Michael Ondaatje (Kanada), Yannis Stiggas (Griechenland), Cole Swensen (USA), Yang Lian (China/USA)
Ins Englische: Tsead Bruinja (Niederlande), Hélène Gelèns (Niederlande), Ulrikka S. Gernes (Dänemark), Jazra Khaleed (Griechenland)
Ins Französische: Tsead Bruinja (Niederlande)
Ins Hebräische: Monika Rinck (Deutschland), Jan Wagner (Deutschland)
Ins Litauische: Tsead Bruinja (Niederlande)
Ins Spanische: Tsead Bruinja (Niederlande)
Ins Türkische: Arjen Duinker (Niederlande), Joan Margarit (Spanien), Nikolai Madzirov (Mazedonien), Thomas Möhlmann (Niederlande), Ulrike Draesner (Deutschland)
Ins Ungarische: Jan Wagner (Deutschland)
Der Schriftsteller Saâdane Benbabaâli und der Interpret der andalusischen Musik Beihdja Rahal unternehmen gemeinsam eine musikalisch-poetische Reise. Das neue Buch „La Joie des âmes dans la splendeur des paradis andalous“ (Die Seelenfreude in der Pracht des andalusischen Paradieses) setzt die Bewahrung und Überlieferung des andalusischen Musikerbes fort, die sie mit einem ersten Buch 2008 begonnen hatten. Das Buch ist mit Audio-CD und DVD ausgestattet. Es biete dem Leser ein paar Schlüssel zur Lektüre einer oft falsch verstandenen Poesie, sagt der Autor.
Bisher hat Benbabaâli mehr als 200 andalusische Gedichte aus dem 600 oder 650 Texte umfassenden Gesamtkorpus ins Französische übersetzt. / L’Expression 28.11.
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