Allein der Auftakt zur schließlich publizierten 100-Seiten-Schrumpffassung aus Braschs Monsterprojekt ‚Mädchenmörder Bruhnke‘ hat eine exzentrische poetische Dichte, nach der man in der Gegenwartsliteratur suchen kann: ‚Als falle eine Zeit, die mir schon für immer vergangen schien, plötzlich wieder über mich her, wie ein großes Lachen aus einem längst zerfallenen Haus. Wie eine riesige Faust, aus einem unbekannten Wasser auftauchend und nach mir greifend, als wolle sie mich in die Tiefe und ins Weite ziehen, wo du mich lehren wirst, was ich immer lernen wollte, das Lieben und das Lassen.‘
Das klingt, wenn überhaupt, nach T. S.Eliot oder nach einer herben Antwort auf Rilkes ‚Malte Laurids Brigge‘, aber nie nach ‚DDR-Literatur‘.*) / HANS-PETER KUNISCH, SZ 27.12.
*) Ja, aber vielleicht ist das „DDR-Literatur“, und die Noll, Sakowski, Görlich etc. nur der Bodensatz, den alle Zeiten haben? Man beurteilt die Literatur um 1900 doch auch nicht nach dem Gusto Kaiser Wilhelms.
Die 41 Gedichte in Leopardis gesammelten „Canti“ sind charakteristisch und schön darin, daß sie sich auf der Grenze zwischen Gefühl und Gedanken bewegen, zwischen Gegenwärtigkeit und Abwesenheit. Wie kein anderer Dichter fängt Leopardi die feinsten Gefühlsregungen kurz bevor sie erlöschen. Es ist seine Sprache, die dieses Erlöschen bewirkt: sie präsentiert den ganzen Reichtum der Antike – die er sich durch jahrelanges Versenken in Horaz und Vergil erwarb – noch da, wo Töne von Bitterkeit und Skepsis an dieser Fülle zu nagen beginnen.
Jonathan Galassis Übersetzung ist groß, weil sie diese zarte Bewegung zwischen Gedanke und Gefühl spürt und überträgt. / PETER CAMPION, New York Times 17.12.
Als Probe der Anfang des Liebesgedichts „Aspasia“ im Original, in Galassis englischer und Helmut Endrulats deutscher Fassung:
Sometimes your image comes to mind again,
Aspasia. Either it shines fleetingly
in lived-in places, in other faces;
or in the empty fields, on a clear day,
under the silent stars,
as if evoked by gentle harmony,
that exalted vision reappears
in a soul still verging on dismay.
Torna dinanzi al mio pensier talora
Il tuo sembiante, Aspasia. O fuggitivo
Per abitati lochi a me lampeggia
In altri volti; o per deserti campi,
Al dì sereno, alle tacenti stelle,
Da soave armonia quasi ridesta,
Nell’alma a sgomentarsi ancor vicina
Quella superba vision risorge.
Wiederkehrt in die Erinnerung mir bisweilen
dein schönes Antlitz, Aspasia. Sei es, daß flüchtig
auf bevölkerten Plätzen dein Lächeln leuchtet
in fremden Gesichtern, sei’s, daß auf einsamen Feldern
am lichten Tag oder unter schweigenden Sternen,
wie von süßem Gesange wiedererweckt,
mir in der Seele, noch immer bestürzend nahe,
plötzlich jene stolze Erscheinung auftaucht.
Deutsch in: Giacomo Leopardi: Canti e Frammenti. Gesänge und Fragmente. Italienisch/ Deutsch. Stuttgart: Reclam 1990, S. 193
heute mache ich von meiner posterlaubnis für eine herzensangelegenheit gebrauch:
lieber michael gratz,
herzliche gratulation zum zehnten jahrestag der lyrikzeitung
einfach großartig. bitte fortsetzen.
im namen vieler
/àxel sanjosé
Liedertafel mit Konstantin Ames und Harald Muenz
Dienstag, 25. Januar 2011, 21 Uhr
Villa Elisabeth, Invalidenstr. 3, Berlin
“Vom Haartausend was mir gefällt: da muss was faul sein.” Konstantin Ames, “ein saarländisch-verschmitzter Fein-, Feuer- und lyrischer Poltergeist“ (DRadio), stellt seine vom Hören und Verhören, von kleinsten Lautverschiebungen und größten Sprechgesten geprägten “politischen fürdichte” vor, die soeben unter dem Titel “Alsohäute” bei “roughbooks” erschienen sind.
Während der in Berlin lebende Dichter Ames gesprochene Sprache in Text- und Schriftprozesse transformiert, arbeitet der Kölner Komponist Harald Muenz an einer “ästhetischen Phonetik”, die musikalische Vorgänge der Sprache freilegt und neu ordnet. In einer “Performance Lecture” erläutert er seine Sprechkompositionen, die zuletzt u.a. bei den Donaueschinger Musiktagen zur Aufführung kamen. Im Anschluß widmet sich ein Round Table der Rolle einer ästhetischen Phonetik für die Neue Musik und die zeitgenössische Lyrik.
Das Programm:
Leier Leier weh-weh-weh! (2011)
Sprechkanon von Bo Wiget / Konstantin Ames
Cum publicum
Alsohäute (2010)
Lesung mit Konstantin Ames
Aethelfrith sieht iffy und danny zu
u. haut die dann wie wenn (2010)
Diatriebe sic für 2 Stimmen und 1 erstmal abwesenden Mordskerl
Sprecher: Monika Rinck, Christian Filips, Konstantin Ames
deChiffrAGE (1993)
für blattlesenden Sprecher mit zufallsgesteuertem Live-Texttransformator
(Laptop) – Komposition: Harald Muenz
Ästhetische Phonetik / Sprach- und Sprechkomposition
Performance Lecture von Harald Muenz
ab 22.15 Uhr
Offenes Round-Table-Gespräch mit Wein und Käse
“Alsohäute”, Konstantin Ames, roughbooks 2011
Im Alter von 65 Jahren starb die Aktivistin, Verlegerin und feministische Lyrikerin Susan Bright aus Austin, Texas. /Austin American Statesman 30.12.
In Neuseeland starb der Autor und Philosoph Denis Dutton (66), Gründer des Webportals Arts and Letters Daily. / Los Angeles Times
Er war einer der bekanntesten und wohl auch meistgelesenen Autoren seiner Zeit. Die Nationalsozialisten haben seine Bücher, seine Lyrik, die Chansons, Romane und Theaterstücke verboten. Sie löschten die Erinnerung an ihn und sein überbordendes Œuvre gründlich aus.
Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Klabunds Heimatstadt, „nebelhaft in Tau gebettet / An der Grenze Schlesiens und der Mark“, wie er in der „Ode an Crossen“ gedichtet hatte, dem Erdboden nahezu gleich gemacht. Mit ihr sein Grab auf dem Friedhof auf der Anhöhe über dem Fluss. Am 9. September 1928 hatte Gottfried Benn hier die Totenrede gehalten, erinnert an den jungen Freund, der am 14. August, im schweizerischen Davos an den Folgen einer Tuberkulose gestorben war.
Seit der Jugend hatte Alfred Henschke die Krankheit in sich getragen. Vielleicht schrieb er deshalb wie ein Besessener. Mit seinem ersten von sage und schreibe 76 Büchern, dem Lyrikband „Morgenrot! Klabund! Die Tage dämmern!“, und einigen erotischen wie „gotteslästerlichen“ Gedichten in Alfred Kerrs Zeitschrift „Pan“ war er 1913 auf einen Schlag bekannt geworden. / Martin Stefke, Märkische Allgemeine
Akademie der Künste, Pariser Platz 4, Berlin-Mitte. Bis 9. Januar, täglich 10-22 Uhr.
Lyrikgedanken zwischen den Jahren
Von Theo Breuer
Ich habe vorhin in der Lyrikzeitung den Olson-Hinweis gesehen und anschließend den Aufsatz gelesen. Nun habe ich die Gedichte von Charles Olson aus dem Lyrikschrank genommen – und auch Echos von Robert Creeley, um wieder einmal in beiden Büchern zu lesen. Sie gehören zu jenen Gedichtbänden, in denen man nicht oft genug lesen kann. Ich hab’s längere Zeit nicht getan. Manchmal genügt ein kleiner Anstoß, um den Hunger auf diesen oder jenen Autor wieder zu wecken.
Axel Kutsch ∙ E-Mail vom 30.12.2010
Während ich an Weihnachten 2010 und den von so vielen Menschen als denkmerkwürdig empfundenen Tagen ›zwischen den Jahren‹ die von Oskar Pastior und Ernest Wichner aus dem Rumänischen übertragenen Gedichte Gellu Naums in dem über 800 Seiten starken, 2006 bei Urs Engeler Editor erschienenen Sammelband Pohesie lese – Gleich hinter dem Pfosten beginnt das große Flimmern –, frage ich mich heute, am 31. Dezember 2010, wie ich bislang ohne diese mich urgewaltig in die Zange nehmenden Gedichte haben leben können. Oder war dies bislang eben gar kein ›richtiges‹ Leben? Warum fiel dieses wuchtige Buch mir bislang nicht auf?
Ich will es nicht begreifen und denke gleichzeitig an Klaus Iseles Frage während eines langen Telefonats im November: »Wie viele Lyriktitel erscheinen Ihrer Einschätzung nach im Schnitt pro Jahr im deutschen Sprachraum nach 2000?« In den Büchern und Essays, die ich in diesem nun rasant zu Ende gehenden Jahrzehnt zu Themen der Lyrik verfaßt habe, gehe ich regelmäßig, ausführlich, differenziert und immer wieder verschiedene Zahlen in den Raum stellend auf diese Frage ein und gebe deshalb hier und heute, übrigens auch abweichend von dem, was ich am Telefon zum Verleger der Edition Isele aus Eggingen am Bodensee sagte, einfach bloß die lakonische Antwort: zu viele.
Denn Mut zur Lücke habe ich, wenn es um Bücher geht, nur sehr bedingt. Aus diesem Grunde versuche ich verzweifelt, die ›Lücken‹ fortlaufend zu schließen, seit Jahrzehnten wissend, daß sich mit jedem erfolgreichen Fang (oder Fund?) neue ›Löcher‹ auftun. In Matthias Kehles Lyrikblog lese ich als Reaktion auf Im Jahr des Buches 2010, ich hätte wohl alle relevanten Gedichtbände des Jahres 2010 gelesen. Habe ich das? Ist das überhaupt – relevant? (2010 las ich, nebenbei gesagt, deutlich mehr Prosa als Lyrik, ging dabei den meisten der im Feuilleton hervorgehobenen Prosatitel aus dem Weg, las etliche englische bzw. amerikanische Romane verschiedener Jahrgänge, nachdem ich mich im vergangenen Jahr insbesondere mit Romanen, die im Zusammenhang zum deutschen Buchpreis 2009 standen, befaßte.)
Gleichsam selbstquälerisch von mir als solche empfundene Lücken schließen, zu dieser Schwäche stehe ich genauso gern wie zu Single Malt und holländischem Lakritz (meine Freunde Bensch und Kraus wissen ein Lied davon zu singen), aber doch nicht, um sagen zu können, ich hätte den Überblick über das ›Relevante‹.
Ich habe k(l)einen Überblick. Ich will keinen anderen Überblick. Eher schon will ich den fortgesetzten Augenblick des Lesens, um zwischen Buchdeckeln gute Wörter aufzufinden.
Sind die Bücher, die ich anschließend benenne, ›Lücken‹ in der Sammlung? (Enthält ein Gedichtbuch auch nur ein »unerhörtes« Wort, so möchte ich es lieber nicht verpassen.) Ich wähle 20 in diesem Jahr erschienene Lyrikbände aus, die ich aus sehr unterschiedlichen Gründen bis heute nicht gelesen habe – was ich im Fall von Christian Enzensberger, Martina Hefter, Gert Jonke, Georg Kreisler und Horst Peisker, von denen ich bislang noch keine Gedichtbücher, nur einzelne Gedichte kenne, ab morgen bis irgendwann demnächst nachholen will:
Von den anderen Autorinnen und Autoren habe ich mindestens einen, wenn nicht (fast) alle Bücher gelesen. In diesen Fällen überlege ich seit einigen Jahren sehr genau, ob ich das neue Gedichtbuch lesen will (oder muß). Da ist zum einen die allezeit dräuende und seit etlichen Jahren bereits höchst unbequeme Platzfrage, zum anderen das ›Gefühl‹, einen Autor und sein Werk ›zur Genüge zu kennen‹ (eine naturgemäß blödsinnige Vorstellung), und schließlich, als wäre das nicht schon genug des Drucks, drängt sich schleichend und unerbittlich die garstige Alternative in den Vordergrund, das Werk eines Autors nicht mehr so sehr zu schätzen, wie es über einen mehr oder weniger langen Zeitraum wie selbstverständlich der Fall war. Gegen diese Problemtrias ist im Augenblick kein Kraut gewachsen. Ich wende mich also erquicklicheren Dingen zu.
Aus den drei ganz unterschiedlich ergrübelten Buchlisten 2010, angelegt in schwachen Momenten als bresthafte Formen des ›Überschauenwollens‹ einer längst unüberschaubaren literarischen Welt, die ich anläßlich der Niederschrift der Essays Marginalie zum Gedicht in drei Schritten. Lyrik im deutschen Sprachraum 2010, Lyrikgetwitter, Im Jahr des Buches 2010 · kribbelt und wibbelt es weiter (alle nachzulesen im Poetenladen) sowie dem in den letzten Tagen des Jahres entstandenen Aufsatz In der Nußschale · mit Zsuzsanna Gahse · Donauwürfel verfertigte, geselle ich den oben genannten 20 nicht von mir gelesenen Titeln eine Auswahl von 30 gelesenen Gedichtbüchern des Jahrgangs 2010 bei. So taucht für den Augenblick des Niederschreibens eine Eisbergspitze aus 50 Titeln auf, eine gleichsam permeabel konzipierte Skulptur mit Drehtür (jeder Lyrikleser ist eingeladen, eigene Modulationen vorzunehmen, so möchte ich, beispielsweise, gern noch Michael Basses skype connected, Jörg Neugebauers Die Stille bricht aus den Wolken, Bernhard Saupes Viersäftelehre oder Sylvia Steiners eine andere geografie einfügen, welche Titel aber dafür herausnehmen?), in der sich unendlich viele brillcharmfulminante Wort-, Vers-, Strophen-, Gedicht- und eine Reihe exzellenter Buchfunde machen lassen:
Im guten Lyrikjahrgang 2010 gab es, bekanntermaßen wegen des Verlagswechsels von S. Fischer zur DVA, keine Ausgabe vom Jahrbuch der Lyrik – das viele Autorinnen und Autoren durchaus kritisch sehen, in das trotzdem (fast) alle hineinwollen. (Im März 2011 erscheint das 28. Jahrbuch der Lyrik, diesmal herausgegeben von Christoph Buchwald und Kathrin Schmidt.) Sammelbände, deren Eigenarten ich so gern in einem Leserausch von A bis Z erlebe, erschienen 2010 dennoch reichlich, und jede einzelne der hier ausgewählten 10 Anthologien hat es buchstäblich wortsmäßig in sich, zeugt von der wibbelnden, kribbelnden Vitalität, die die Lyrik im deutschen Sprachraum nach 2000 weiterhin auszeichnet. Davon legt ebenfalls – sehr, sehr beredt – Zeugnis ab der eine Sammelband mit der 2011 im Impressum, der die Liste mit dem Ehrenwort Es gibt eine andere Welt anführt – – – was für ein Ausblick:
Eine Meldung, die ich nicht unkommentiert durchlassen mag, und es im kurzen Jahrrest nicht mehr schaffe: der Deutschlandfunk stellt den Lyrikkalender ein. Das ist für sich traurig, aber sie tuns auch noch mit der dümmsten aller Begründungen. Nach 5 Jahren und 1800 Gedichten müsse man aufhören, wenn man den Qualitätsstandard halten will: es gebe einfach nicht mehr genug gute Gedichte, die man in 1 Minute vorlesen könne. Peng! aus! die schließen nicht nur ihren Kalender, sondern die deutsche Lyrik gleich mit! Darüber reden wir noch; ich auch.
Nächstes Jahr. Dann wird die Lyrikzeitung 10 Jahr alt. Genau gesagt morgen.
Ich wünsche allen Lesern eine gute Feier ins Neue und viele unerhörte Gedichte 2011!
Heute wird der Dichter Rolf Haufs 75 Jahre alt und schenkt uns zum Geburtstag eine „Tanzstunde auf See“. …
Er hält bis heute seine Gedichte frei von Effekten, Pointen und, zumal, von Botschaften und Meinungen. Seine Gedichte, auch und gerade die neuen „Tanzstunde auf See“ lassen stets ihre autobiografische Grundierung erkennen, dazu oft einen surrealistischen Einschlag. „Nebel kommt sagt Sandburg / Auf Katzenfüßen“. Er ist vielleicht der große Unbekannte unter unseren gegenwärtigen Dichter, aber sicher einer der bedeutendsten.
Bei Haufs wird das Leben zur Literatur und das Ich zu einem Spiegel, in dem sich die gegenwärtige Welt reflektiert. Manchmal sogar in einem, allerdings nur scheinbar unmittelbarem Verständnis. Wenn er zum Beispiel seine Freundin einfach auf die Straße schickt: „Kerstin Hensel läuft über die Schönhauser Allee“, dann wird auch in solchen Versen der Stoff, die private Begebenheit transformiert. Frau Hensel erkundigt sich nach der „Jahreszeit“, die „Leute“ lachen über „französische Dessous“, trinken „einen Kaffee“ und die Allee öffnet sich zu einem (kleinen) Universum. / Martin Lüdke, FR 31.12.
Rolf Haufs: Tanzstunde auf See. Gedichte. Carl Hanser Verlag, München 2010, 96 S., 14,90 Euro.
Ein Berliner Fachblatt berichtet unter der Überschrift „LOVE-NEWS GEDICHTE ÜBER NUTTEN ++ OHNE RAT VON OMA ++ FRAUEN WOLLEN’S ÖFTER“:
Der Berliner Autor Peter Wiese hat einen Lyrik-Roman geschrieben, in dem er aus dem Leben von Prostituierten erzählt. Schwermütige Geschichten in lockeren Versen. „Die Töpferin“ ist im Frieling-Verlag erschienen, Preis: 15,90 Euro.
Der Lyriker Wulf Kirsten fühlte sich schon früh vom schwäbischen Parnass angezogen. Er durfte bereits zu DDR-Zeiten aus Weimar an den Neckar reisen, um dort über Hölderlin zu forschen. Den damaligen Bibliotheksleiter Paul Raabe habe er sehr geschätzt, erinnert sich Kirsten, und schon damals sei der Gedanke aufgekommen, „auch meine eigene Sammlung einmal dorthin zu geben“.
Inzwischen ist dieser Wunsch durch einen Vorvertrag Realität geworden. Kisten mit handschriftlichen Gedichtentwürfen und Korrespondenzen stehen in der Weimarer Wohnung zur Abholung bereit – natürlich für ein „angemessenes Honorar“, wie Kirsten nicht zu erwähnen vergisst. …
Im Deutschen Literaturarchiv befinden sich seit geraumer Zeit auch Manuskripte des Frankfurter Schriftstellers Martin Mosebach und des erst 48-jährigen Büchnerpreisträgers Durs Grünbein.
Grünbein sei „ein Freund des Hauses“, betont Ulrich Raulff, so habe sich dieser kleine Vorlass (er besteht aus dem Manuskript „Aroma“ und einer Art Collage-Tagebuch mit dem Titel „Buch der Reflexe“) fast von selbst ergeben. Man gehe gewöhnlich auf Autoren zu, deren Archive man haben wolle. / Heimo Schwilk, Die Welt
Noch ein Zitat aus dem Artikel aus Stuttgart, #112:
„Weißt du“, sagt Nikita, „im Slam hat der Pöbel die Macht, und seine Entscheidungen sind nun mal dumm und ungerecht. Manchmal gewinnt einer nur, weil er richtig angezogen ist.“ / Stuttgarter Nachrichten
Das ist wohl der Traum eines jeden unbekannten Poeten: Die eigenen Verse mal von einer allseits bekannten Stimme gesprochen zu hören. Von einer Stimme, die man auch noch blind erkennt. Diesen Traum hat sich der hallesche Dichter Marschel Schöne gerade erfüllt. Dem 34-Jährigen ist nämlich das Kunststück gelungen, mit Rolf Hoppe einen der wenigen wirklich berühmten ostdeutschen Schauspieler für sein CD-Projekt „Frühlingslieder“ zu gewinnen.
Und das ist nicht das einzige Kunststück an der Sache. Die Gedichte selbst sind – jedes für sich – auch eins. Sonst hätte Hoppe ihnen wohl auch kaum seine Stimme geliehen. Wunderbar aus der Zeit gefallen wirkt, was Schöne da zu Papier gebracht hat. / DETLEF FÄRBER UND WENDELIN STEINKÜHLER, Mitteldeutsche Zeitung
(Nun ja, so klingen die Verse: „Der junge Trieb / er fragt nicht was er soll und kann / sprießt unverzagt ins Blau hinein“)
Nur ein Wort:
„Jeder fungierte für die anderen als Lyrik-Polizei“, erinnert sich Ben Harper an die Sessions, die Anfang des Jahres stattfanden. / Hamburger Morgenpost
In seinem angestammten Haus in der im damaligen Vatikanstaat gelegenen Stadt Recanti, hoch über der Adria, schrieb der italienische Dichter Giacomo Leopardi, der größte, den sein Land nach Dante hervorgebracht hat, etwas, das sich jeder Lyrikleser einprägen sollte: „Alles seit Homer ist besser geworden, nur nicht die Poesie.“
Der kanadische Kritiker Michael Lista in einem Artikel über die fünf besten Lyrikbände des Jahres, von denen nur eins von einem Kanadier stammt und eins eben die neue Übersetzung Leopardis ist. Hier die Liste:
/ National Post 29.12.
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