Es war in den ersten Tagen des Augustes, als mit einem Male überall in unserer Stadt ein Gedicht von Ferdinand Freiligrath: „Die Todten an die Lebenden“*) — genannt, gekauft, gelesen und besprochen wurde. Es machte dasselbe solches Aufsehen und nahm so sehr die öffentliche Meinung in Anspruch, daß wir das Erscheinen des Gedichtes wohl „ein politisches Ereignis“ nennen dürfen. Vielen war das Gedicht eine unwillkommene Gabe, viele dagegen begrüßten es; alle aber sprachen die gleiche Besorgnis aus, der Dichter könne leicht dadurch auf einige Zeit in Untersuchungshaft gebracht werden.
/ Dirk Jürgensen, einseitig.info
*) Zuverlässiger ist der Text bei Wikisource, vgl. Kommentare
Die Palimpseste der Judith Zander vereinen schlagkräftige Satire und subtile Ironie. Auf der Folie von Hölderlins Pathos, Robert Burns‘ Liebes-Säuselei oder der harschen Melancholie der Sarah Kirsch wird die eigene Stimme souverän behauptet. So locker, leicht und frisch werden Traditionen selten entstaubt. Mit Goethes Prometheus spielt sie „in strauchengen himmeln“. Mit Sylvia Plath verwandelt sie sich in fließenden Tau, was in plötzlichen Wendungen wie „seele zu blutsuppe“ durchaus böse enden kann. Die Gedichte der 1980 in Anklam geborenen Autorin waren bisher nur in Zeitschriften und Anthologien zu lesen. Dort verblüfften sie mit präzise beschriebenen Augenblicken und fantasievollem Gebrauch mündlicher Rede. Hier nun bricht sich eine geniale Verknüpfungsgabe Bahn. Von den Erinnerungen an Kindheit und frühe Jugend über die Liebes- und Körpertexte bis zu den Raum-Gedichten und unorthodoxen Wind- und Wetterversen entwickelt sie ihren eigenen Stil. / Dorothea von Törne, Die Welt
Elke Erb
***
Immer noch, mit über sechzig noch, bist du unten, denke ich auf dem Rad, du kommst aus etwas heraus, immer wieder von unten, und schaust auf, von unten herauf, und oben wird dir etwas bedeutet, und eben das, daß dir oben etwas bedeutet wird, lenkt ja davon ab, daß du immer von unten kommst, zeitlebens von unten kommen wirst, lenkt ja ab, lenkt eben ab von dem unten, aus dem herauskommend du erst aufschaust, ausschaust zu Vorgängen oben, die etwas bedeuten, aber nicht etwas von unten, das sie ja leugnen, ihm die Aufmerksamkeit raubend, und unter dem Raub alle Herkunft verdeckend, verwischend wie Gauner Spuren.
Elke Erb: Sachverstand. Basel, Weil am Rhein, Wien: Urs Engeler Editor 2000, S. 82. (datiert: 6.3.99)
In der Tageszeitung junge Welt ein Interview, das Jan-Frederik Bandel im Jahr 2004 mit Hadayatullah Hübsch führte, der am 4.1. diesen Jahres starb. Darin spricht er über seine 60er bzw. Hippiezeit und seine Entwicklung als Autor. 3 Auszüge:
1
Aber die Beatniks, die haben mich umgeschmissen. 1962 erschien die Beat-Anthologie von Karl O. Paetel. Das war meine Welt. Die Beatniks waren die Krönung, das warf alles über den Haufen, und ich war fortan Beat. Burroughs hab’ ich natürlich nicht kapiert, Ginsberg hab’ ich kapiert, Howl kannte ich stellenweise auswendig. Das sind die Wurzeln. Hinzu kommt für mein jetziges Schreiben die mystische Poesie Persiens, Hafis, Rumi, Sadi und andere.
2
Ich hab’ in den siebziger Jahren – abgesehen von vielen Hörspielen – vor allem spirituelle Lyrik geschrieben, aber die wollte niemand haben. Ich habe in der FAZ ab und zu Gedichte veröffentlicht, die waren eher traditionell gestrickt. … Die Lyrik aus der Zeit verstaubt noch irgendwo. Das hat sich erst geändert, als ich einen Traum hatte, aus dem ich den Schluß gezogen habe, daß ich wieder Bücher veröffentlichen werde, da war dann 1979 der Einstieg mit »Abgedichtetes«. Den Faden zur Beatlyrik habe ich erst nach dem Tod meiner ersten Frau wieder aufgenommen, 1979.
3
Ich finde das Eintauchen in die Erinnerung sehr spannend – Arno Schmidt war vielleicht ein Schmetterlingsschwimmer, ich bin eher ein Taucher. Ich hab eine Phase gehabt, wo ich das exzessiv betrieben hab, Assoziationsketten zu bilden über Buchstaben, über Wörter, die in mein Unbewußtes führen und mir praktisch da in diesen Höhlen des Unbewußten helfen, mich zurechtzufinden, da was auszuleuchten, die dunklen Ecken sichtbar zu machen für mich selbst. Und das kann natürlich niemanden interessieren, wer will sich denn so weit hineinwagen in die Welt des anderen? Die Leute wollen sicherlich ein bißchen mitgenommen werden vom Leben des anderen, aber doch immer so, daß sie noch hübsch an der Oberfläche bleiben. Aber sich wirklich auf den anderen einlassen?
„Vorige Woche hat sich der Zirkel schreibender Arbeiter konstituiert“, notierte die Schriftstellerin Brigitte Reimann Anfang 1960 über eine Innovation in der künstlerischen Betätigung der Arbeiterklasse im Kombinat Schwarze Pumpe. Allzu großen Optimismus hinsichtlich der Produktion hochwertiger Literatur zeigte sie nicht. „Keine Potenzen, nehme ich an. Nur der kleine Volker Braun, Abiturient und seit vier Jahren in der Produktion, scheint begabt zu sein.“ / Gunnar Leue, Nordkurier
PS der kleine Volker Braun war „zur Bewährung“ in der Produktion, bevor er doch noch zum Studium zugelassen wurde
Den Tuareg hat Gert Müller ein Buch gewidmet, das erstmals 1997 erschien und heute als Standardwerk und Saharaklassiker gilt. / ORF
Wie Sand im Licht des Mondes. Dichtung der Tuareg [Gebundene Ausgabe]
Gert Müller
127 Seiten
Haymon Verlag 1997 (3. Aufl. 2003)
Aus dem Vorwort: „Bei den Nachdichtungen stand das Bemühen im Vordergrund, wörtlich übersetzte Vorlagen in eine Form zu bringen, die dem europäischen Empfinden zugänglich ist und doch die Identität der Aussage und Liedhaftigkeit der Tuaregpoesie bewahrt.“
Probe:
Einmal tat ich so, als liebte ich dich nicht,
bis man mir sagte, du seiest nicht mehr.
Kennst du den Hügel,
der mein Grab sein wird?
Dort häufe ich Steine auf mein Herz.
Der Wind trägt mir deinen Atem zu
und nimmt meine Sehnsucht mit
zu dir …
(S. 54)
(Wenigstens ein paar Proben wörtlicher Übersetzung hätte man sich gewünscht – gibt es doch längst eine andere Theorie und Praxis des Übersetzens, nach der es, wie schon Benjamin zitiert, nicht darauf ankomme, das Chinesische zu verdeutschen, sondern das Deutsche zu verchinesischen. Und gibt es die Praxis nicht schon längst? Haben nicht die Vorfahren der Deutschen ihre Sprache latinisiert, um Religion und Wissenschaft auszudrücken? So haben die Minnesänger sie arabisiert, woran auch ein deutscher Kaiser auf Sizilien mitwirkte, so hat Opitz die deutsche Dichtung nederlandisiert, andere sie verfranzösischt oder der alte Goethe verpersischt, Hölderlin gräzisiert, Brecht, Eich & andere sinisiert und japanisiert und so jeweils neue Ausdrucksmöglichkeiten geschaffen, ohne die unsere Dichtung immer noch wie das Hildebrandslied klänge. Tuaregisierung now!)
Yara Linss: Für mich ist es so, dass ich gerne in verschiedenen Sprachen singe. Vielleicht hat das damit zu tun, dass ich mit zwei Kulturen aufgewachsen bin. Und da ich halb Brasilianerin bin, sind eben auch portugiesische Lieder dabei.
Was natürlich gemein ist uns gegenüber, die des Portugiesischen nicht mächtig sind…
Ehrlich gesagt: Wenn wir englische Texte hören – verstehen wir die dann wirklich? Und trotzdem hören wir sie uns begeistert an. In erster Linie geht’s ja auch erst einmal um das klangliche Gesamtbild. Dazu gehört auch der spezielle Klang der jeweiligen Sprache – ganz unabhängig davon, was jetzt die einzelnen Wörter genau bedeuten.
Sind Sie dann bei den deutschsprachigen Texten anders vorgegangen als bei den englischen oder portugiesischen?
Nein, der Kompositionsprozess ist nicht immer gleich, aber ähnlich. Dabei geht es mir tatsächlich erst einmal um den Sprachklang. Man kann auch sagen, dass die einzelnen Worte mir die Musik diktieren. In erster Linie geht es also darum, was diese Textzeile mit mir macht – ganz unabhängig von der Sprache und von dem, was der Text im Tieferen bedeutet.
Interview: Maximilian Theiss, Abendzeitung
Yara Linss: „Poems“ (u.a. mit Texten von Dorothy Parker, James Joyce, Heinrich Heine und Else Lasker-Schüler)
An einem warmen Augustnachmittag 1955 saß Allen Ginsberg am Schreibtisch in seiner Ein-Zimmer-Hütte in San Francisco und bereitete sich auf eine Poesierevolution vor. Er bastelte an der poetischen Form herum auf der Suche nach einer offeneren, bekennenderen Schreibweise – einer „spontanen Prosa“ in den Worten seines Freundes Jack Kerouac, die die Energie der „bop refrains“ des Jazz einfangen und Kerouacs Maxime entsprechen würde, daß „der erste Gedanke der beste“ sei.
„Ich wollte kein Gedicht schreiben, sondern nur ohne Furcht das aufschreiben, was mir einfiel“, schrieb Ginsberg später. „Die Phantasie freisetzen, die Geheimniskrämerei aufbrechen und Zauberzeilen direkt aus meinem Gehirn hinkritzeln … für die Ohren meiner Seele und die goldenen Ohren weniger Einzelner“. Das Ergebnis war „Howl“. / Mick Brown, The Telegraph
In der Serie „Auf den Spuren der Literatur“ – Teil 7: Dichtung im alten China, Texte von Laotse, Wang Bo und Wang Changling, kommentiert von Klaus Grunenberg.
Darin dieses Gedicht:
Aus den Grenzgebieten
Über den Pässen der selbe Mond,
Der zur Qin -, zur Han-Zeit dort stand;
Zehntausend Meilen sind sie marschiert,
Keiner den Weg heim fand. –
Wachte der fliegende General
Noch wie einst in der Drachenstadt,
Es wagte sich über die Berge von Yin
Kein hunnisches Pferd mehr ins Land!
Wang Changling
Wang Changling (Chinesisch: 王昌龄), lebte etwa von 698–765, nach anderen Angaben 755. Er wird der Blütezeit der Tangperiode zugerechnet, die man traditionell von 714 – 766 ansetzt. Qin-Dynastie (221 v. Chr. – 206 v. Chr.) und Han-Dynastie (220 v. – 220 n.Chr.) lagen für Wang Changling auch schon lange zurück.
Im nächsten Jahr begeht man den 110. Geburtstag des Meisters der türkischen Poesie, Nazım Hikmet. Anna Stepanova, Tochter seiner großen Liebe Vera, die er in dem Gedicht ‘Saman Sarısı’ (Strohgelb) unsterblich machte, sagt: „Seine Gedichte gehören in die Schulbücher. Man soll sein Andenken bewahren, statt seine Überreste in die Türkei zu schaffen.“
Hikmet ist in Moskau zusammen mit seiner großen Liebe begraben. Er starb dort 1963 im Exil. „Man sollte ein Museum einrichten und sein Werk der jungen Generation zeigen.“, sagt seine Stieftochter.
Dem Dichter wurde erst vor wenigen Jahren postum die türkische Staatsangehörigkeit zurückgegeben, aber trotz seiner Popularität wurden seine Gedichte immer noch nicht in die Schulbücher aufgenommen. / Turkish Weekly
DONNERSTAG, 03.03.2011
IM TOTEN WINKEL BLINDER BIENEN
LESUNG MIT KATHRIN SCHMIDT UND MARCUS ROLOFF
blinde bienen und im toten winkel des goldenen schnitts – so heißen die aktuellen Gedichtbände von Kathrin Schmidt und Marcus Roloff, zwei der interessantesten lyrischen Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur und gleichzeitig zwei der gegensätzlichsten.
Kathrin Schmidts Gedichte sind geprägt von den wunderbar leichtfüßigen Wort- und Klangspielereien der Autorin, es sind Texte, die die Kunst der Sprachjonglage auf höchstem Niveau zelebrieren. Roloff entwirft in seiner Lyrik eine biographische Kartographie: Seine Gedichte schwirren durch Zeit und Raum und suchen Ortschaften seines Lebens auf – seien es die erinnerten Orte seiner Kindheit oder das Frankfurter Bahnhofsviertel. Eines ist Schmidt und Roloff aber gemein: Die Bilder, die sie in ihren Texten verarbeiten, überraschen stets durch den jeweils ganz eigenen Blick auf die Welt.
Kathrin Schmidt wurde 1958 in Gotha geboren. Nach ihrem Psychologiestudium arbeitete sie einige Jahre als Kinderpsychologin, seit 1994 ist sie als freie Autorin tätig. Obgleich sie zu den versiertesten Lyrikerinnen ihrer Generation gehört und zahlreiche Gedichtbände veröffentlicht hat, feierte sie mit dem Roman Du stirbst nicht ihren größten Erfolg und erhielt dafür den Deutschen Buchpreis 2009.
Marcus Roloff wurde 1973 in Neubrandenburg geboren. Er studierte Neuere Deutsche Literatur, Philosophie und Kulturwissenschaft in Berlin. Sein erster Lyrikband, Herbstkläger, erschien 1997, es folgten zwei weitere Bände sowie zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften. Marcus Roloff lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.
Eintritt: 6,-/3,-
Im Berlin der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts war Kaléko auf dem besten Weg sich als erfolgreiche Schriftstellerin und Lyrikerin zu etablieren. Mit ihrer pointensicheren „Großstadtlyrik“ hatte sie sich die Herzen der Berliner erobert. 1933 erschien ihr erstes Buch, das „Lyrische Stenogramheft“, deren erste Auflage bald vergriffen war. Ernst Rowohlt druckte die zweite und wagte es, 1935, ihr „Kleines Lesebuch für Große“ herauszubringen. Als sich herausstellte, dass Mascha Kaléko Jüdin ist, wurden die Bücher beschlagnahmt, ihre Werke fielen der nationalsozialistischen Bücherverbrennung zum Opfer. Die polnisch-deutsch-jüdische Dichterin emigrierte nach Amerika. / merkur-online
Am kommenden Samstag, 19. Februar 2011, wird in der Festhalle Pirmasens einer der Höhepunkte im Programm des Hugo-Ball-Jahres 2011 stattfinden: Zur „Langen Nacht der Preisträger“ reisen nicht weniger als zehn der bisherigen Hugo-Ball-Preisträger an und werden sich in Talkrunden und Lesungen mit Moderation und Musik präsentieren. So berühmte Autoren wie Judith Hermann, Klaus Wagenbach, Robert Menasse, Feridun Zaimoglu oder Thomas Rosenlöcher – um nur einige zu nennen – zeigen ihre Entwicklung seit der jeweiligen Verleihung des Hugo-Ball-Preises auf. Sie wurden stets von einer findigen und mit der richtigen Portion Spürsinn für Schriftstellerkarrieren ausgestatteten Jury ausgewählt, was sicher auch als eine Auszeichnung für den Hugo-Ball-Preis selbst zu werten ist, den die Stadt Pirmasens seit 1990 alle drei Jahre verleiht.
Gleich am darauf folgenden Morgen, am Sonntag, 20.Februar, wird mit der Verleihung des Hugo-Ball-Preises 2011 an den Schriftsteller Andreas Maier der nächste Höhepunkt im Rahmen des Hugo-Ball-Jahres geboten: die nicht minder hochkarätig besetzten Laudatoren, der Büchner-Preisträger Arnold Stadler und der Literaturkritiker Michael Braun, werden den Hauptpreisträger und den des Förderpreises, den Lyriker Ulrich Koch, würdigen. Stilvoll umrahmt wird die Preisverleihung von Balthasar Streiff, dem bedeutendsten Schweizer Alphornkünstler unserer Tage, der traditionelle undzeitgenössische Elemente dieses Musikinstrumentes perfekt und einfühlsam zuverbinden weiß.
Am 22. Februar 2011 feiert die Stadt Pirmasens den 125. Geburtstag von Hugo Ball, der 1916 im Cabaret Voltaire in Zürich mit Dada eine der wichtigsten Kunstrichtungen des 20. Jahrhunderts begründet hat, mit einem Festvortrag des Professors für Kunsttheorie und Ästhetik, Bazon Brock, im Carolinensaal.
Um den Valentinstag herum tummeln sich unfehlbar bei Literaturfreaks im WWW Beiträge über die erotischsten Verse der Dichter. Selbstverständlich sind die bösen Buben wie Byron und Shelley immer gut vertreten, aber erstaunlicherweise wird die Dichterin, die in meinen Augen die aphrodisierende Wirkung des geschriebenen Wortes am besten kennt, dabei so gut wie nie genannt.
Was mich an Emily Dickinson so fasziniert, ist, daß sie von außen betrachtet ein schlichtes, sprödes und provinzielles Mädchen aus New England war, die wahrscheinlich als alte Jungfer belächelt wurde, dazu bestimmt, jungfräulich zu sterben, aber dank ihrer unheimlichen Bildkraft ähneln ihre Sätze virtuellem Striptease. Ihre Worte flirten, scherzen und kitzeln die Vorstellungskraft.
Schreibt Stephanie Green in der Huffington Post und rückt einige „klassische“ Beispiele ihrer unartigen und doch schönen Gedichte ein, nicht ohne die Warnung: Versuchen Sie nicht, diese Gedichte allein in Ihrer Wohnung zu lesen. Hilfreich kann ein romantischer Partner sein oder ein elektronisches Gerät.
G&GN-INSTITUT NEUKÖLLE ALAAF / Das fragt sich der „ehemalige“ Dichter Herr De Toys im 14.Teil seines Therapietrip-Tagebuchblogs (www.Schmer-Zen.de) nach 7-wöchiger Analyse seiner somatoformen Symptome in einer Spezialklinik, als er sich über sein eigenes „trivial-esoterisches“ Gedicht ‘ANKUNFT’ aus dem Jahre 1991 wundert – und kommt zu folgenden Kurzschlussfragen:
„(…) DIENT DAS DISSOZIA-TIEFE nur als notwendige technik, um überhaupt in das leere der leere vorzustoßen? ganz abgesehen von der schier unlösbaren urfrage, ob es sich hierbei um „literatur“ handeln darf oder lediglich um eine aufgeschriebene selbsterfahrung (esoterik par excellence!). ist DAS womöglich der unterschied zwischen somatoformer und anti-neurotischer (desublimierter „direkter“) bewußtseinsaktivität: NICHT das totale ausblenden der mystischen leere an sich sondern die FREIGESETZTE FÄHIGKEIT, dieses schockierende kosmologische loch NICHT MEHR BESCHREIBEN zu müssen (um sich doch wieder an einen als worthülse verpackten GEDANKEN ÜBER DAS GESICHTSLOSE metaphorisch zu klammern -wie der falsche nihilist an das wortwörtlich nichtssagende wörtchen „nichts“ [dessen wahre natur transdualistisch OHNE das antipodische „alles“ gemeint ist, weil es wie das tao BEIDE SEITEN DER MEDAILLE AUF DERSELBEN „GROßEN“ SEITE der leeren unendlichkeit enthält {ein koan: stell dir das ganze sein als gigantische goldmünze mit nur 1 einzigen seite vor, auf der in geheimschrift eingestanzt zu lesen steht: „KEIN WORT HAT GÜLTIGKEIT – SELBST DIESER SATZ NICHT!“}]-, weil die aus dem loch resultierende Grundlose Inwesenheit als unerträgliches schleudertrauma auf die noch-neurotisch „entwurzelte“ psyche wirkt) sondern „es“ einfach nur im bewußtsein zu integrieren, es permaekstatisch zu verankern in einem der vielen noch ungenutzten hirnräume im hintersten winkel der schaltkreislabyrinthe. und dann ist da ja außerdem noch der LESER: je nachdem, ob er beim „lyrischen“ lesen in einem stabilen persönlichkeitskern ruht („stabil“ kann hier groteskerweise beides bedeuten: sowohl unneurotisch offen als auch genügend dicht sublimiert – welch ironie des schicksals!) oder selbst sowieso schon wegzufliegen droht, kann die lektüre für ihn entweder befreiend (bestätigend) oder beunruhigend (beängstigend) wirken, schlimmstenfalls sogar denselben „mystisch-psychotischen“ schub auslösen, der zur niederschrift führte? ich habe keine ahnung, ob lyrik „an sich“ solch eine macht auf die wahrnehmung ausüben kann. liegt die macht alleine beim leser oder zieht der text wie eine getarnte zauberformel den leser in seinen bodenlosen bann? ich würde spontan behaupten, daß beides stimmt und abhängig ist von der jeweiligen bewußtseinsverfassung beim lesen, WIE eigenmächtig ein leser sich des textes „bemächtigen“ kann oder/und ihm ausgeliefert ist. (…)“
DER GANZE TRIP: http://www.TherapieTRIP.de/
(incl. Festrede für den verabschiedeten Chefarzt)
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