Für den 72-jährigen Hemmericher ist die Tradition des Beierns mehr als eine Aneinanderreihung von rhythmischen Reimen, es ist eine Form der „rheinischen Bauernlyrik“ oder eine Gebrauchs- oder Volkslyrik, wie er es nennt. Damit seien die Beiersprüche eine „farbenfrohe Literaturgattung“, die so gleichbedeutend sei mit Kirchen-, Karnevals- oder -Volksliedern. Hier spiegelten sich oft Spott und Hohn gegen die Obrigkeit wider, soziale Missstände oder Rivalitäten zwischen den einzelnen Ortschaften werden in den kurzen prägnanten Versen thematisiert. So heißt es in einem Spruch aus Dersdorf beispielsweise übersetzt vom Vorgebirgsplatt ins Hochdeutsche: „Der Kaplan von Kardorf, der mag keinen Spargel. Der Kostverächter. Der Kostverächter“. Die Hemmericher meinten einst: „Die Kardorfer Leute haben Flöhe am Rücken und stinken wie die Ziegenböcke“. / Schaufenster Bonn
Zu Hübschs erstem Todestag erinnerten Freunde und Bewunderer nun in der Frankfurter Batschkapp an den Autor, der als einer der Wegbereiter alternativer Literaturformen wie Poetry Slam oder Social Beat gilt. Hübschs lyrisches Werk war von einer großen Liebe zur Musik durchdrungen, was bei seinen Lesungen spürbar war, die eher an explosive Rockkonzerte als an gepflegte Salonkultur erinnerten. Die Batschkapp war deshalb ein mehr als geeigneter Ort für den Gedenkabend, zumal Hübsch dort selbst während der Buchmesse einige Male eigens für diese Gelegenheit verfasste Gedichte vortrug, übrigens ausgerechnet bei der beliebten Disco-Veranstaltung „Idiot Ballroom“. Die mit Musik unterlegten Performances sollen zwar nicht für einhellige Begeisterung gesorgt haben, mündeten aber in Hübschs Buch „Die Batschkapp-Gedichte“, die der Autor, Musiker und Verleger Robsie Richter in seinem Verlag „Kopfzerschmettern-Medien“ veröffentlichte. / CHRISTIAN RIETHMÜLLER, FAZ
25 Jahre „Im Gespräch“
„Die Rache der Sprache ist das Gedicht.“ Peter Huemer spricht mit Ernst Jandl, Schriftsteller (Erstausstrahlung am 21. April 1988)
Für die Sendereihe „Im Gespräch“ ist das Jahr 2012 ein besonderes Jahr: Denn vor 25 Jahren wurde diese Sendung „erfunden“. Die vernünftigste Art 25 Jahre „Im Gespräch“ Revue passieren zu lassen, ist, herausragende Gespräche dem Archiv zu entnehmen und diese noch einmal zu spielen; weil es sich um Tondokumente handelt, die an die Zeit, an Personen und Begebenheiten erinnern, die es verdienen wieder einmal akustisch Raum zu gewinnen. …
Dieses Gespräch ist mehr als ein Gespräch. Denn immer wieder wird die Konversation unterbrochen, weil Jandl eines seiner Gedichte vorträgt: Auf jene unverwechselbare Art, die dreißig Jahre davor noch auf völliges Unverständnis, ja auf Ablehnung gestoßen war. / Ö1
Einen hübschen Tipp- oder Scanfehler entdeckte Günter Jürgensmeier (in der ASML = Arno Schmidt Mailingliste):
Im Sommer stieß ich beim Recherchieren im Internet Archive auf diesen Titel:
William Shakespeare: Sonnette. UNDICHTUNG von Stefan George.
http://www.archive.org/details/sonnetteundichtu00shakuoft
Dieser Tippfehler hätte Karl Kraus sicher gefallen, der über
diese UMdichtung urteilte:
Befund hoffnungslos. Totholz jede Zeile.
schreibt die Rheinische Post:
Köllges verband eine innige Kollegenschaft mit dem Lyriker Thomas Kling – und wenn beide auf der Raketenstation Hombroich auftraten, ahnte man: Der Mann musste nach draußen. In einem Raum zu sein und bleiben zu müssen, das hätte diesen maximal freien Geist maximal beunruhigt. Nach seiner langen Krebskrankheit ist Köllges jetzt, 59-jährig, gezwungenermaßen an einem Ort der Ruhe angekommen. / WOLFRAM GOERTZ, Rheinische Post
Auf den Tag ein Jahr nach dem Tod von Hadayatullah Hübsch gedachten Freunde, Fans und Familie des Verstorbenen – in der Frankfurter „Batschkapp“, einer seiner früheren Wirkungsstätten. …
Hübschs Auftritte in dem Frankfurter Tanztempel sind legendär. An den Buchmessen-Samstagen erschreckte Hübsch regelmäßig das tanzwillige Jungvolk in der „Batschkapp“ mit seinen Beatgedichten. Wild und wüst waren die bisweilen, wie das Gedicht „Leben“, dass Hübsch mit ganzem Körpereinsatz und auch stimmlich aus vollem Leib vorzutragen pflegte und das vor allem aus der immer wiederkehrenden Abfolge der Worte „Arbeiten“ und „Drogen“ besteht. …
„Leben“ jedenfalls kam in der „Batschkapp“ drei Mal zum Vortrag. Einmal von Hübsch selbst – per Video, der Protagonist war ja leider verhindert. Dann von Alexander Pfeiffer, der sich redlich mühte und heute Vorsitzender des hessischen Schriftstellerverbands und damit einer der Nachfolger Hübschs in dieser Position ist. Und als bemerkenswerte Punkrockversion der Band „Johnny Hates Rock“ von Hübschs Dichterfreund Robsie Richter, die zu diesem Zeitpunkt am Ende die Halle aber leider schon fast leergespielt hatte. Der Beatdichter Hübsch, der Pate von jüngeren Bewegungen, die unter Etiketten wie „Social Beat“ und „Poetry Slam“ laufen, stand im Mittelpunkt des Abends, Menschen, die ihn als Künstler schätzten und als Mensch mochten, standen auf der Bühne. …
Neben Pfeiffer und Richter etwa der Soundpoet Dirk Hülstrunk, der mit Pfeiffer moderierte, Kersten Flenter mit seinen klugen Gedichten und der liebenswürdige Theo Köppen aus Göttingen, der mit Hübsch Gedichte tauschte. Musikalisch trugen die „Double Dylans“ mit schrägen und coolen Folksongs über Rettiche und Bekehrungen und Tom Ripphahn mit Jocco-Abendroth-Liedern zum Gelingen bei. …
Gleich zu Beginn kündigten Alexander Pfeiffer und Dirk Hülstrunk die von Stadt und Land geförderte Veranstaltung als „1. Hadayatullah Hübsch Memorial Beat“ an. Das setzt voraus, das weitere folgen sollen. Das wäre schön. / Thomas Kurtenbach, Frankfurter Neue Presse
Die großen jüdischen Dichter des mittelalterlichen Spanien sind Teil des jüdischen Erbes, Namen wie Dunash ibn Labrat, Solomon ibn Gabirol, Moses ibn Ezra, Samuel Hanagid und Yehuda Halevi kommen einem in den Sinn. Doch es ist keine Überraschung, daß es alles Männer waren.
Umso erstaunlicher, daß es in dieser Zeit zahlreiche moslemische Frauen gab, deren Gedichte erhalten sind. Obwohl Moslems die Juden das „Volk des Buches“ nennen, waren es moslemische Frauen, die dauerhafte poetische Werke schufen.
Wie ist diese Diskrepanz zu erklären? Es fällt schwer anzunehmen, daß die moslemischen Frauen im damaligen Spanien soviel besser ausgebildet waren als ihre jüdischen Zeitgenössinnen. Arabisch wurde die lingua franca nach der moslemischen Eroberung des Landes im Jahr 711. Wurden, als die jüdischen Dichter auf Arabisch und später auf Hebräisch zu dichten begannen, die Frauen völlig ausgeschlossen?
Nur sehr wenige Gedichte jüdischer Frauen aus dieser Zeit sind erhalten. Das muß nicht unbedingt bedeuten, daß nicht mehr geschrieben wurden. Die Gedichte sind von hoher Qualität, nur die geringe Menge ist das Problem.
Kasmunah („die kleine Bezaubernde“ oder „die mit dem hübschen Gesicht“) aus Andalusien war die Tochter von Isma’il ibn Bagdala „dem Juden“. Ihre arabischen Verse wurden in eine im 15. Jahrhundert von einem Ägypter zusammeegestellte Anthologie von Gedichten von Frauen aufgenommen. Man weiß wenig von ihr, die Forschung streitet sich, ob sie im 11. oder 12. Jahrhundert lebte. Manche von denen, die die frühere Variante vorziehen, vermuten, daß sie die Tochter Samuel Hanagids war, der auch ibn Nagrella genannt wurde und der tatsächlich eine Tochter hatte. Man vermutet, daß die Namen Bagdala und Nagrella verwechselt wurden.
Fest steht jedenfalls, daß Kasmunahs Vater sie auf dem Weg schöpferischer Zusammenarbeit unterrichtete. Er schrieb zwei Zeilen, auf die sie entsprechend antworten mußte.
Den Stil, den er verwendete, nennt man Muwwashah, eine schwierige Form, in der beide brillierten. Wenn man ihre Verse liest, spürt man enorme Originalität und Gewandtheit in arabischer Dichtkunst und die Sanftmut einer kultivierten Frau.
Die Frau des Dichters Dunash ibn Labrat lebte gegen Ende des 10. Jahrhunderts. Man weiß wenig von ihr. Ihr Mann wurde in Fez geboren, er studierte in Bagdad und lebte einige Zeit am Hof des bedeutenden Diplomaten Hasdai ibn Shaprut in Córdova. Nicht einmal ihr Name ist überliefert, aber ihre Fertigkeit in hebräischer Dichtung ist erstaunlich. / RENÉE LEVINE MELAMMED, Jerusalem Post 5.1.
A Jewish poetess, named Kasmunah, daughter of Isma’il the Jew, is also counted among the bright geniuses of that nation. Her father, who was himself a man of considerable learning and a good poet, had bestowed the greatest care on her education, and imparted to her all the science which he himself possessed. He used to compose part of an ode and then give it to her to finish. He once said to her,—“ Tell me who is „The master of beauty, who fights and vanquishes those who oppose him, „and yet whose trespasses are excused?“ And she replied, almost immediately,
„The sun, which imparts its light to the minor constellations, and whose „face after this appears quite dark.“
Aus: The history of the Mohammedan Dynasties in Spain: extracted from the Nafhu-t-Tib Min Ghosni-l-Andalusi-r-Rattib … by Aḥmad b. Muḥammad al Makkari, Band 1.
Autor: Aḥmad Ibn- Muḥammad al- Maqqari
Herausgeber: Pascual de Gayangos
Übersetzt von Pascual de Gayangos
Verlag: Oriental Translation Fund, 1840
Original von Bayerische Staatsbibliothek
Von Google digitalisiert
544 Seiten
wer’s mag:
Noch heute langweile ich mich auf elitären Lesungen, bei denen mit einem Glas Rotwein in der Hand Literatur gefeiert wird. Die Menschen sollen lernen, dass man Autoren anfassen darf… / Rheinische Post
Arno Holz
Buch der Zeit . 1. Auflage 1886
Zum Eingang
Noch sproßt der Bart mir nicht ums Kinn,
Auch weiß ich, hört mich, ihr Teutonen,
Daß unter allen Epigonen
Just ich der allerletzte bin!
Doch laßt’s mich trotzdem euch gestehn:
Ihr jammert mich, ihr armen Dichter,
Ihr Groschen- und ihr Dreierlichter,
Von denen zwölf aufs Dutzend gehn.
Ihr stöhnt verzweifelt: Der Bien muß!
Und ampelt krampfhaft an der Leiter,
Doch ach, ihr kommt und kommt nicht weiter,
Wie weiland Fausti Famulus!
Seht, das ist eure Quintessenz,
Ihr fliedersüßen Lenzrhapsoden:
Ihr macht mit Hymnen und mit Oden
Den Nachtigallen Concurrenz!
Ihr glaubt verblendet, Poesie
Sei Lenznacht nur und Blüthenschimmer,
Ihr glaubt’s verblendet und singt immer
Ein und dieselbe Melodie!
Ihr dichtet jeden dritten Tag
Ein hohes Lied auf eure Liebe,
Reimt selbstverständlich darauf „Triebe“
Und gebt’s dann schleunigst in Verlag.
Zwar, seid ihr noch kein „großes Thier“,
Müßt ihr auf alle Fälle „zahlen“,
Doch dann wird’s auch mit Initialen
Gedruckt auf fein Velinpapier.
Und wird’s dann gratis noch versandt
An so und so viel Kritikaster,
Dann lobt man euern schlechten Knaster
Und schimpft den Kieselstein Demant.
Und wenn ihr fleißig schmiert und salbt,
Sorgt auch die Clique für Verbreitung,
– Denn wozu hat man sonst die Zeitung? –
Herr X hat wieder mal gekalbt!
Ein Liederbuch ist’s dieses Mal
In rothem Maroquin gebunden
Und überdies sehr warm empfunden
Und wunderbar original!
Und kauft man sich dann das Idol,
Dann sind’s die alten tauben Nüsse,
Die längst genossenen Genüsse,
Der aufgewärmte Sauerkohl:
Von Wein und Wandern, Stern und Mond,
Vom „Rauschebächlein“, vom „Blauveilchen“,
Von „Küßmichmal“ und „Warteinweilchen“,
Von „Liebe, die auf Wolken thront“!
Und will der Dichter hoch hinaus,
Dann streicht er die Rubrik: „Erotisch!“
Und hängt die Tafel: „Patriotisch!“
Als Firmenzeichen vor sein Haus.
Doch Blech bleibt Blech, und ob es auch
Der Jude oft als Gold verschachert …
Der Ruhm, den ihr zusammenprachert,
Ist eitel Moder, Dunst und Rauch!
Denn kräht auch dreist zu eurem Wisch
Die heutige Kritik ihr Amen,
Und legt man ihn auch jungen Damen
Alljährlich auf den Weihnachtstisch:
Und labt sich auch aus euerm Quell
Der Leutnant und der Ladenschwengel,
Und nippt aus ihm auch jeder Engel,
Die Gräfin und die Nähmamsell:
Laßt über euch und euer Wort
Ein einzig Menschenalter rollen,
Und was ihr singt ist längst verschollen,
Und was ihr pflanzt ist längst verdorrt!
Das aber macht, ihr habt noch nie
Das Sphinxbild eurer Zeit entschleiert,
Drum gähnt in allem, was ihr leiert,
Derselbe horror vacui.
Ich aber mag nicht, laß wie ihr,
Das Pfund, das Gott mir gab, verwalten,
Ich will hoch über mir entfalten
Der Neuzeit junges Lenzpanier.
Ich lache, wollt ihr blöden Blicks
Verjährten Tand modern staffiren
Und himmelbläulich phantasiren
Vom Waldgnom und vom Wassernix.
Ich lache, zählt ihr eins, zwei, drei
Die Kugeln, die ihr nie verschossen,
Die Thränen, die ihr nie vergossen,
Ein jeder Zoll ein Papagei.
Ich lache, doch mein Zorn hält Wacht,
Denn der St. Veitstanz wird zur Mode;
Ich weiß, ihr tanzt nur aus Methode,
Weil ein Narr viele Narren macht.
Doch tollt nur euern tollen Schwank,
Nur zu, je toller, desto besser:
Ich biet euch Kampf, Kampf bis aufs Messer,
Und gehe meinen eignen Gang!
Den Gang, den lichtumstrahlt die Kunst
Sieghaft zu wandeln mir geboten;
Und Herz an Herz mit ihren Todten,
Veracht ich euch und eure Gunst!
Denn mir schlägt nicht das Wort den Takt
Zum Reigen selbstischer Gedanken,
Ein Löwe, hat es seine Pranken
Tief in mein Herzfleisch eingehackt.
Nur, daß es mich nicht jäh zerfleischt,
Such ich’s mit Liedern zu beschwören,
Doch nicht beim Rauschen alter Föhren,
Die Nachts ein schwarzer Aar umkreischt.
Auch nicht ins Grab der Lorelei
Verirrt sich mehr mein schwankes Steuer;
Die Zeit verliebter Abenteuer,
Für mich ist sie schon längst vorbei.
Nein, mitten nur im Volksgewühl,
Beim Ausblick auf die großen Städte,
Beim Klang der Telegraphendrähte
Ergießt ins Wort sich mein Gefühl.
Dann glaubt mein Ohr, es hört den Tritt
Von vorwärts rückenden Kolonnen,
Und eine Schlacht seh ich gewonnen,
Wie sie kein Feldherr noch erstritt.
Doch gilt sie keiner Dynastie,
Auch kämpft sie nicht mit Schwert und Keule –
Galvanis Draht und Voltas Säule
Lenkt funkensprühend das Genie.
Und um sich sammelt es ein Heer
Von himmelstürmenden Ideen,
Gedanken blitzen und verwehen
Unzählig, wie der Sand am Meer.
Doch mehr als einer wird zur That
Und lenkt die Zukunft der Geschlechter,
Und als des Ideals Verfechter
Streut er der Zukunft goldne Saat.
Und auf flammt dann ein neues Licht,
Ein neuer Welttag für die Erde,
Denn auch die Menschheit hat ihr „Werde!“
Und sinnlos ist kein Traumgesicht.
Der ewge Friede baut sein Zelt
Und ob die Zeit sie auch verdamme,
Der Freiheit goldne Oriflamme
Weht leuchtend über alle Welt.
Und wenn dann Lied auf Lied sich ringt
In immer höhere Regionen
Und alle Völker, alle Zonen
Ein einzig großer Bund umschlingt:
Dann ist’s mir oft, als ob die Zeit,
Verlästert viel und viel bewundert,
Als ob das kommende Jahrhundert
Zu seinem Täufer mich geweiht.
Als müßt ich stoßen in die Brust,
Ein Winkelried, mir eure Speere:
Hie Wahrheit, Freiheit und hie Ehre! –
O Kampf der Liebe, Kampf der Lust!! –
Drum dir, die schmerzvoll mich gebar,
Dir, junge Zeit aus Blut und Eisen,
Leg ich mein Herz und seine Weisen
Nun stumm auf deinen Hochaltar!
Schaust du doch auch in’s Morgenroth
Und träumst von unentdeckten Welten;
Wirst du die Liebe mir vergelten,
Die tief für dich mein Herz durchloht?
Doch ob auch Dampf und Kohlendunst
Die Züge dieser Schrift verwaschen;
Kein flüchtig Glück will ich erhaschen,
Ich liebe dich, nicht deine Gunst!
Mir schwillt die Brust, mir schlägt das Herz
Und mir ins Auge schießt der Tropfen,
Hör ich dein Hämmern und dein Klopfen
Auf Stahl und Eisen, Stein und Erz.
Denn süß klingt mir die Melodie
Aus diesen zukunftsschwangern Tönen;
Die Hämmer senken sich und dröhnen:
Schau her, auch dies ist Poesie!
Sie kehrt nicht nur auf ihrem Gang
In Wälder ein und Wirthshausstuben,
Sie steigt auch in die Kohlengruben
Und setzt sich auf die Hobelbank.
Auch harft sie nicht als Abendwind
Nur in zerbröckelten Ruinen,
Sie treibt auch singend die Maschinen
Und pocht und hämmert, näht und spinnt.
Sie schaukelt sich als schwanker Kahn
Im blauen schilfumkränzten Weiher,
Sie schlingt den Dampf ums Haupt als Schleier
Und saust dahin als Eisenbahn.
Von nie geahnter Kraft geschwellt,
Verwarf sie ihre alten Krücken,
Sie mauert Tunnel, zimmert Brücken
Und pfeift als Dampfschiff um die Welt.
Ja, Wunder thut sie sonder Zahl,
Sie lindert jegliches Verhängniß,
Sie setzt den Fuß selbst ins Gefängniß
Und speist die Armuth im Spital.
Wohl war’s der Himmel, der sie schuf,
Doch heimisch ward sie längst auf Erden;
Drauf immer heimischer zu werden,
Ist ihr ureigenster Beruf!
So klingt das Lied, das hohe Lied,
Das dumpfauf mir die Hämmer dröhnen;
Euch aber, euch, die es verhöhnen,
Euch fordr‘ ich kühn in Reih und Glied!
Rückt an; mit offenem Visir
Und harter Faust will ich euch weisen:
Ich und mein Lied, wir sind von Eisen –
Ihr oder ich, ich oder ihr!
Denn nicht soll einst in später Zeit
Mit selbstgefälligem Behagen
Ein später Enkel von uns sagen,
Was roth wie Blut zum Himmel schreit:
„Poeten ohne Poesie,
Und keiner rief das Wörtchen: „Rette!“
Sie blökten allsammt um die Wette,
Wie eine Heerde Hammelvieh!“
Nein, nein und nein und aber nein!
Ein Schuft sein will ich, wenn’s so endet!
Das Blatt hat endlich sich gewendet!
Dies Buch soll deß ein Zeichen sein!
Soll sagen, was ihr nie gewollt:
Der Singsang hat sich ausgetutet –
Auch durch das junge Lied noch fluthet
Das alte Nibelungengold!
Drum ihr, ihr Männer, die ihr’s seid,
Zertrümmert euere Trugidole
Und gebt sie weiter, die Parole:
„Glückauf, glückauf, du junge Zeit!“
(Kursive Passagen im Original gesperrt)
In der Serie Lese-Zeichen stellt das Wiesbadener Tageblatt Idstein Autoren aus dem Idsteiner Land vor. Heute Daniela Seel. So beginnts:
Sie gilt als „die Ché Guevara der deutschen Verlagswirtschaft“ – Daniela Seel, in Idstein aufgewachsen, startete 2003 mit dem Künstler und Grafiker Andreas Töpfer „kookbooks“, „…die sicherlich spektakulärste Verlagsgründung der letzten Jahre …“, wie es die taz beschrieb. Heute zählt kookbooks im Bereich Lyrik zu den bedeutendsten Verlagen des deutschen Literaturbetriebes. Und das mit zeitgenössischer Lyrik, die trotz wachsenden Interesses nicht gerade als rentabel gilt.
Der britische Costa Prize wird in einzelnen Sparten vergeben. Den Lyrikpreis gewann die Poet laureate Carol Ann Duffy für ihr erstes Buch seit Übernahme des Amtes im Jahr 2009, „The Bees“.
Der Lyriker Matthew Hollis gewann in der Kategorie Biografie für sein Buch über den walisischen Kriegsdichter Edward Thomas, der 1917 gefallen ist. Das Buch „Now All Roads Leads to France: The Last Years of Edward Thomas“ behandelt seine letzten 5 Jahre, besonders seine Freundschaft mit dem amerikanischen Dichter Robert Frost.
Den Romanpreis erhielt Andrew Miller, den für den besten Debütroman Christie Watson und den für das beste Kinderbuch Moira Young.
Alle 5 stehen jetzt zur Entscheidung über den Costa Award für das beste Buch des Jahres, der Gewinner wird am 24.1. bekanntgegeben.
Alle Finalisten, die aus über 550 Kandidaten ausgewählt wurden, erhalten ein Preisgeld in Höhe von £5,000. Für den Gesamtsieger gibt es weitere £30,000. Im letzten Jahr ging der Hauptsieg übrigens an den Lyrikband, „Of Mutability“ von Jo Shapcott. / BBC 4.1.
Mehr:
Zu Wort kamen neben weltberühmten Autoren wie Sylvia Plath, Sergej Jesenin, Wladimir Majakowski und Marina Zwetajewa auch die Rumäniendeutschen Annemone Latzina (1942-1993), die die Leiterin der Veranstaltung Pilar Baumeister aus Spanien in ihre Anthologie „Wir schreiben Freitod… Schriftstellersuizide aus vier Jahrhunderten“ (Peter Lang-Verlag, Frankfurt am Main 2010) aufgenommen hat, und Georg Hoprich (1938-1969), den tragisch am Ostblocksozialismus gescheiterten Lyriker aus Siebenbürgen. Latzina und Hoprich wurden von Ingmar Brantsch präsentiert. Die sieben vorgetragenen und mit sozialhistorischem und biografischem Hintergrund erläuterten Gedichte aus dem einzigen Lyrikband von Georg Hoprich, „Gedichte“ (1983 im Dacia-Verlag Klausenburg/Cluj-Napoca post mortem unter erheblichen Risiken von Stefan Sienerth herausgebracht), fanden großen Anklang. / Siebenbürgische Zeitung
Leserkommentar: Es ist übrigens ebenfalls interessant: heute Nachmittag habe auch ich A. Latzina gegoogelt und mich gewundert, dass es eine rumänische und eine ungarische, aber keine deutsche Wikiseite über sie gibt. Warum?
Georg Hoprich ∙ Bäuchlings legt sich der Himmel, Nachwort von Bertram Reinecke, 101 Seiten, Broschur, Verlag Reinecke & Voß, Leipzig 2011.
In der Hauptstadt des indischen Bundesstaates Kerala, Thiruvananthapuram (früher Trivandrum) beginnt am 16.1. ein internationales Lyrikfestival, das dem Dichter Rabindranath Tagore gewidmet ist. An dem Festival nehmen 25 ausländische und 50 indische Dichter teil. Die Eröffnungslesung bestreitet der Dichter O N V Kurup. / ibn live
Liebe Leser,
nach mehr als zehn Jahren Lyrikmail habe ich mich nun entschieden, Lyrikmail nicht mehr fortzuführen. Diese Entscheidung fiel mir nicht leicht, aber ich schaffe es leider einfach zeitlich nicht mehr, mich um die die tägliche Dosis Poesie zu kümmern.
Vielen Dank für Ihr Verständnis und alles Gute,
Ihr Gregor Koall
Wenn Sie wollen können Sie Lyrikmail auf Facbook folgen, hier wird es auch künftig in loser Folge Gedichte geben:
http://www.facebook.com/lyrikmail die sie auch im Blog nachlesen können:
http://www.lyrikpost.de/blog/
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