Am 6. Juni wird zum ersten Mal der Lyrikpreis „Orphil“ vergeben. Das kündigt Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz an. Gestiftet wird der Preis von Ilse Konell, Witwe des 1991 verstorbenen Dichters George Konell, der viele Jahre seines Lebens in Wiesbaden verbrachte.
Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird anlässlich des 100. Geburtstags von George Konell im Literaturhaus Villa Clementine vergeben. …
Vergeben werden soll der Preis künftig alle zwei Jahre an Lyriker, die mit ihrem Werk Stellung beziehen und sich politischen wie stilistischen Moden zu widersetzen wissen. Eine unabhängige Jury, bestehend aus dem Kritiker und Herausgeber Michael Braun, dem Literaturkritiker Alf Mentzer vom Hessischen Rundfunk sowie der Schriftstellerin und diesjährigen Wiesbadener Poetikdozentin Silke Scheuermann, kürt den Preisträger.
Darüber hinaus nominiert die Jury den Träger des mit 2.000 Euro dotierten Orphil-Debütpreises. / Hessen-Tageblatt
»Was es ist wenn es ist, was es scheint und ob es erkennbar
ist in diesem Bannkreis ohne befassbare Mechanik
aus uns / für uns sprechend
sollen wir Gräber oder Tempel graben oder aufrichten, oder
einander die Horizontale vorschlagen
um der Vernichtung Herr zu werden«
Am Freitag, dem 13. April um 20 Uhr präsentiert das Verlagshaus J. Frank | Berlin in Kooperation mit der serendipity gallery im ACUD (Veteranenstraße 21, Berlin-Mitte) den Debüt-Band von Jinn Pogy: »Golems Totems. Million-Dollar-Kirschen und verstimmte Vögel«. Jinn Pogy liest aus ihrem neu erschienenen Gedichtband, im Anschluss an die Präsentation wird mit Live-Musik von Sam Dale, dem Sänger der Trash-Punk-Band »The Feminists«
gefeiert!
Lesung, Performance und magische Bucherweckung. Wild und schmutzig.
Wir freuen uns auf Sie,
Ihr Verlagshaus J. Frank | Berlin
Die Eröffnung bestreiten Literaten, die der russischen Literatur verbunden sind: Hendrik Jackson arbeitet u. a. als Essayist, Lyriker und Übersetzer. Als solcher hat er Alexej Parschtschikows noch zu Lebzeiten selbst zusammengetragene Gedichtsammlung Erdöl übersetzt. Jackson liest Texte des Dichters, ebenso eigenes. Originaldichtungen Parschtschikows, der den „Metarealisten“ zugerechnet wird, werden von dessen Witwe Ekaterina Drobyazko gelesen. Dann: Im Linzer Botanischen Garten etwa lesen Freitagnachmittag Christian Filips und Arno Camenisch: “ literarisches Übersetzen als Erkenntnismittel, um Ordnung ins Chaos dichterischer Einfälle zu bringen“, heißt es dazu. / Der Standard
Die Welt als Fragment und Collage: Michael Fiedlers „Geometrie und Fertigteile“ – Leipziger Internet Zeitung
Der Leipziger Poetenladen, der schon mit mehreren beherzten Veröffentlichungen dazu beigetragen hat, die Lyrikszene in der Region populärer zu machen, hat jetzt eine eigene Lyrikreihe gestartet mit dem ambitionierten Titel „Neue Lyrik“. Zwei Bände sind jetzt erschienen und feiern am Abend des 3. Feb…
Klausef Neider
leute, ich weiß die führende mehrzahl der köpfe oder führenden köpfe der mehrzahl sieht es anders und schüttelt womöglich den kopf: den titel des bandes finde ich faszinierend und vielversprechend, die arbeit, die in dem band steckt ist schätzenswert, die methoden arriviert und sanktioniert als zeitgemäße kunst generierend, nur mir kommen im ggs dazu die gedichte/texte, das ergebnis davon – wohl aufgrund des waltenden poetischen bewußtseins und wissens als oberste assemblierungs instanz – doch recht banal vor und „repetierend“, im vergleich zu, sagen wir den stilbildenden & dann trend gewordenen konventionell geschaffenen oder hergestellten … ( so ähnlich wie einige ansätze der multimedia- oder später computergenerierten kunst, an der oberfläche, im ergebnis, mit einem komplizierten aufwand & der neuen technik das erzeugten, was z.B. die graphik der nachkriegszeit, der siebdruck oder konstruktivismus bereits, mit anderen mitteln an- & dargeboten hatten (–> wie es sehr aufschlußreich und fast schon exemplarisch anthologisch in sachen formensprache, farbexplosivität und bildgestaltungsregister … in dem musical bzw. tanzfilm „ein amerikaner in paris“ zu sehen ist; so einige jahrzehnte davor.
20. März um 16:27
Tom Bresemann
wer sagt dass „wir“ das anders sehen 🙂 ?
20. März um 16:28
Klausef Neider
dasselbe pronomen in der einzahl … (das mit dem plural, sich selbst, angesichts der hg. und ver/teiler und besprecher als wohlweislich mutmaßlich dezidiert anderer meinung seiend, als sich damit der ansicht wieder exponierend empfand .. in etwa so!)
20. März um 16:32
Klausef Neider
ermittele auch, komm ich grad darauf, warum dann so eine arbeit, pradon artwork, nicht gleich vom rechner machen läßt? und dann interaktive oder sich wandelnder ergebnisse entsprechender programmierung.
20. März um 17:02
Michael Gratz
hast du den band gelesen? ich wette, das kann kein computer. empfehle im übrigen bertrams kommentar zur sache
20. März um 17:03
Klausef Neider
zu meinem letzten kommentar: bin sicher dazu wird uns unsere informatikfachkraft noch einiges sagen. gedichte liest sie ja nicht aber auch dazu. den band euer ehren bekenn ich gelesen zu haben! erhielt ihn von jemandem zugeschickt. das damit ihrs mir glaubt, sonst bin ich wie beim jobcenter bzw. sozialamt unglaubwürdig & beweispflichtig in sachen ausgaben & finanzielle verhältnisse – so dass ihr mich nur noch darüber informieren müsstet, wo der besagte kommentar des reinecke zu finden ist; am besten ohne porto, nur mit link(s deinerseits!)
20. März um 17:06
Michael Gratz
lyrikzeitung
20. März um 17:09
Richard Felix Duraj
weil du mich schon ins spiel bringst, klaus, nur soviel: es gibt bei doctor who, einer britischen soft-sf-serie, antagonisten des doktors namens ’silence‘, die auf dauer für alle unerkannt bleiben, weil sich nur an sie erinnert, wer sie grade auch tatsächlich ansieht, und sofort vergisst, ist der blick auf etwas anderes gerichtet. so geht es mir mit fiedlers gedichten. nichts bleibt hängen. also zucke ich nur mit den schultern und winke durch, wem es wohl gefällt.
20. März um 17:26
Richard Felix Duraj
und ja, hübscher titel.
20. März um 17:31
Michael Gratz
habt ihr mich noch lieb wenn ich zugebe, daß mir vom ersten lesen (wahrscheinlich in engelers zwischen den zeilen so vor 2 jahren) was hängengeblieben ist? 🙂
20. März um 17:35
Richard Felix Duraj
schadet nichts.
20. März um 17:42
Tom Bresemann
solang du dich noch selbst liebhaben kannst , trotz dessen , is doch alles gut !
20. März um 17:43
Michael Gratz
:-(
20. März um 17:47
Michael Gratz
ich merke, hier kann ich mir ironie nicht erlauben 😉
20. März um 18:01
Christian Kreis
Ganz unironisch: Vielleicht ist die Gattungsbezeichnung irreführend, und es sollte unter dem Titel eher Sprachinstallation stehen als Gedichte.
20. März um 18:35
Klausef Neider
@ Christian: das hätte was! und auch nicht nur auf papier beschränkt bleiben, als rauminstallation kann ich mir vorstellen, das sie anders wirken …
20. März um 19:39
Bertram Reinecke
na ich finde „irreführend“ ist etwas übertrieben, es sei denn, man nähme für sich in Anspruch, genau zu wissen, was ein Gedicht ist: Lesung Rudolf-Fiedler in der MB. Plötzlich passten die Sachen wunderbar zusammen und es wirkte erstaunlich aus einem Guss. Macht nun Rudolph auch eher Sprachinstallationen (eher kontraintuitiv für mich), macht er manchmal welche? Wie soll man sprechen? … Aber klar: Du hast ja eine sehr klare Vorstellung, was ein Gedicht (für Dich) ist …
20. März um 19:42
Klausef Neider
werde mir das nochmals & unter dem aspekt + hinweis ansehen (weiß nicht, ob mich dann eine gewisse konventionalität der einzelnen bilder, verszeilen usw. (ja, auch wenn das verweise und travestien sind u.a.m. / es bleibt ein grundsätzlicher zweifel an dem montierten, der montage, da sie ja immer rekurriert und oft nur neu adaptiert, inkl brüche & deko =struktionelnes) weniger stört und dem ganzen adäquat erscheinen läßt?) –> Dominik Dombrowski, Fixpoetry:
Fiedlers Texte sind alles andere als ein willkürliches Spiel, sie sind es vielleicht für eine gewisse Zeit während des Vorarbeitens, ehe sich dann aus der Montagetechnik etwas eröffnet und zu neuen Sichtweisen führt. Man muß sich schon ein wenig hineinarbeiten in die 31 Gedichte, die in die drei Kapitel „von vielerlei Keimen geschwollen, besingt jeder, was er liebt“, „niemand weiß, warum wir uns zuhören“ und „während die Ziegen noch klettern auf buschwerkbestandenen Felsen“ unterteilt sind. Und die Gedichte sind überdies so wenig voneinander abgegrenzt, daß man die drei Kapitel auch als drei Langgedichte verstehen könnte. Überhaupt liebt Fiedler das Vexierspiel. /
20. März um 22:13
Christian Kreis
zu Bertram: Ich halte mich da an Michael, der zu seinen Texten selbst Cut-ups sagt, und dieser Begriff, diese Unterscheidung trifft es dann (vielleicht) genauer. Natürlich ist es in den Zeiten des in allen Künsten erweiterten Kunstbegriffs überhaupt nicht mehr üblich, Maßstäbe für eine Gattung aufzustellen (und mir persönlich sind diese Maßstäbe, die es mal gab, ja auch nur bruchstückhaft bekannt). Unter dieser Entwicklung wäre das, was am wenigsten dem gleicht, das einmal Gedicht genannt wurde, ein Gedicht. Die Lawine der Kunst-ismen hat es möglich gemacht. Und doch hat beinah jeder Lyriker und Lyrikkritiker, wie mir scheinen will, sehr genaue Vorstellungen vom „guten Gedicht“.
20. März um 22:25
Bertram Reinecke
Wenn Michael Cut Ups sagt, ist das für mich nicht anders als wenn jemand Sonette sagt. Entweder man möchte die Gattungen gänzlich aufgeben, was man kann, dann geht es ja, aber wer Maßstäbe für Gedichte hat und diese ausspielt gegen einen erweiterten Kunstbegriff, der möchte ausgrenzen,, Immerhin räumst Du ein, dass Deine Kenntnisse bruchstückhaft sind. (Wer so alte Muster anwendet, sitzt ja auch zwischen den Stühlen: Immer zieht einem jemand über die Rübe: „Aber George isses nich … „)
Ersteinmal ist die Skepsis gegen Montagen genauso logisch, wie die gegen strenge Formen, sagen wir mal George, vielleicht sogar Rilke: ohne diese Formen hätte man sicher manches einfacher und noch treffender sagen können.
Dabei lebt Dichtung vom interplay. Und man entscheidet sich mit seiner Skepsis gegen einen großen Teil dessen, was Dichtung von je immer gewesen ist. Mit anderen Worten: Ich argumentiere hier mal konservativ: Dein rigider Neoklasszismus ist das eigentlich neue, wenn er so lange eingeführte Formen des Interplay scheel ansieht. Es ist ja wirklich diese Rutschigkeit des Vexierspiels, die man auch als eine Form des Interplay beschreiben könnte: Immer bleibt im Raume schweben: Tats das raffinierte Tier um des Reimes (etc. willen). Den Begriff Willkür kann man ebenfalls wenden wie eine Medaille: Keineswegs Willkür: „Die strengen Formen sind wirklich sehr streng bewußt und nicht ungenau“ oder: „Keineswegs schöpft der Dichter nur aus dem Verstand, die Formen sind offen genug für das unbewußte Spiel“ Aber es kann genauso gut sein, dass man anzielt, die Münze sozusagen auf der Kante stehen zu lassen: Je strenger die Form, desto mehr mischt sich das nOtwendige des eigenen Sprechens, das sicher nicht bis ins letzte bewusst ist, ein.
Der erweiterte Kunstbegriff ist da noch gar nicht im Raum. Von dem Unterschied: Werkästhetik vs. Prozessästhetik reden wir z.B dann an anderer Stelle.
Wenn man dauernd wie Michael mit seinem Anliegen bloß als Sonder- oder Randdichtung wahrgenommen wird, wie vielleicht von seinen Lehrern Hummelt, Pietraß, Seiler, Treichel, dann geht’s einem irgendwann auf die Nerven und man sagt eben Cut up um seine Ruhe zu haben und nicht wieder Missverständnisse damit zu erzeugen, dass einem da das Herz der Dichtung sitzt.
21. März um 00:07
Christian Kreis
Das Schöne an der Form ist ja, daß man sie selber er/füllen kann. Insofern ist nach meinem Verständnis die Montagetechnik aus vorgefundenen Satzbestandteilen keine Form. Und es schien mir zumindest so, als ob man mit Hilfe von Formen etwas (möglicherweise das, was das „Herz der Dichtung“ betrifft) treffender sagen wollte und konnte, als ohne sie. Das Spektrum lyrischer Formen und Mittel hat sich mit der Zeit erweitert, aber worauf ich als Leser nicht verzichten möchte, ist ein Individuum, das sich selbst an der lyrischen Sprachhervorbringung beteiligt hat. Die Sprache, die durch den Filter des Bewußtseins hindurchgegangen ist, läßt doch erst den Menschen entdecken, der sie gebraucht. Geschieht es nicht, habe ich das Gefühl, jemand zeigt mir nicht das Herz seiner Dichtung (was, nur nebenbei gesagt, bei Herta Müllers Montagetechnik, die anders vonstatten geht, nicht passiert). Michael kennt ja meine Vorbehalte, wir haben sie im Stolterfoht-Seminar diskutiert.
21. März um 02:23
Bertram Reinecke
ja, was heißt eben selbst erfüllen, darin äußert sich entweder dieser Vorbehalt erneut, der George oder Barock oder Dante in tieferer Schicht ausschließt (man kann dies und das mögen, das wird deswegen nicht so deutlich). So argumentiert, wenn Deine Rede das „selbst“ betont. Betont sie das „erfüllen“ lieferst Du ein halbes Argument gegen Herta Müller tatsächlich. Ihre Formen sind in einem gewissen Sinne sehr fuzzy also man könnte, genug Hartnäckigkeit vorausgesetzt so weit ich sehe, alles erreichen, sie sind also zunächst mal nicht unerfüllbar. Fiedler kommt mir dagegen restriktiver vor, da kann ein Text auch an Unerfüllbarkeit scheitern.
21. März um 02:59
Bertram Reinecke
Und die Herz-Emphase. Mich mutet Müller da eher gut aufgestellt an. Mich würde neben Verfahrensaspekten, die allerdings verblassen angesichts der interessanten Ergebnisse, eher eine Sprachtheorie einfallen, die sehr nahe dem ist, was der „Mythos vom Museum“ genannt wurde … ich denke Fiedler wird bereits den Vorbehalt, den Du hier wiederholst kennen, dass sie von Deiner Distanz nicht soo beleidigt sind.
21. März um 03:05
Christian Kreis
Damit wir uns nicht mißverstehen, ich meinte, Herta Müller montiert anders als Michael, man kann es ja am Gedichtbild (es kommt hier noch eine bildästhetische Komponente hinzu, Farbe und Form der ausgeschnittenen Worte etc.) sehen, sie schneidet meist einzelne Worte aus Zeitungen und Magazinen, die sie in Schubladen sammelt und auf einem Tisch ausbreitet (am DLL, kurz vor ihrer Poetikvorlesung, hat sie darüber Auskunft gegeben). Die einzelnen „Bauteile“ der Collage sind also sehr kleinteilig, ihrem ursprünglichen Kontext fast vollständig entrückt. Diese entäußerten geradezu materialisierten Worte werden von ihr in die Hand genommen, hin und her geschoben, regen die Phantasie, das Unter- und das Bewußtsein an, sodaß das Dazufinden und Dazulegen der Worte zu einem Gedicht (in dem es oft sogar reimt) ein Sichzueigenmachen der Worte wird, überdies fügt sie die Worte zu einer eindringlichen Sprachmelodie. Bei Michael klingen die hingestellten Wortgruppen oft sehr abgehackt. Es entsteht bei mir ein unpersönlicher Eindruck. Hinter dem Wortmaterial aus Fachsprachenquellen, die fleissig und akribisch herausgewälzt wurden, kommt der Dichter, und das ist Michael, noch gar nicht richtig zu Wort. Noch eine Anekdote. Eine Studentin am DLL sagte einmal: Als sie noch mit eigenen Worten (also jenen, die wir verinnerlicht haben) versucht habe, Gedichte zu schreiben, seien die immer so kitschig geworden, deshalb habe sie begonnen, mit fremdem Sprachmaterial zu arbeiten. Da dachte ich, die kitschigen Gedichte wären der ehrlichere Ausdruck ihres Vermögens gewesen. Denn was ist das Gedicht, kühle Spracharmatur, nach allen Seiten intellektuell abgesichert, ein Germanistenkitzel, „strenge sprachkritische Wörter-Archäologie“ (siehe Braun) von Lyrikingenieuren produziert. Auch, aber nur auch.
21. März um 16:29
Michael Gratz
nur auch, ja: gilt immer. gefühl nur auch, reim nur auch, ehrlicher ausdruck nur auch
21. März um 16:32
Christian Kreis
Ok, ich geb mich geschlagen, ich streiche das Auch.
21. März um 16:35
Michael Spyra
ich verstehe die texte als resultate eines spracherwerbsprozesses, zu dessen anfang nicht etwa die prosodie der stimmung freundlicher eltern stand, sondern die sprache im text. die eindrücke dieser textsprache haben freilich nur ein mal und nur einem (dem autor) der sich mit ihnen beschäftigt hat, den eindruck hinterlassen auch seine „vorsprachlichen gedanken“ durch sie sprechen lassen zu können, so wie es eben üblich ist für einen spracherwerbsprozess. da dass ganze situationsabhänig passiert, würde ich wohl über dieselben quellen drüberlesen, ohne das sie mich berühren. und hier ist auch wieder die individualität oder ‚das herz‘ des autors zu finden; eines autors nämlich, der mit den ihm besonderen passagen seiner primärtexte spricht – einer sprache, die sich widerum aus unserer genmeinsamen sprache generiert, weshalb sie auch lesen können.
ich dachte erst jedoch: ‚was soll das bitteschön, dieses sprachrecycling?! macht doch keinen sinn, weil die sprache eben keine erschöpfbare ressource ist; als müsse das sonnenlicht aufgearbeitet werden. /was versteckt der sich denn da hinter den worten ander?/ = ist aber genau so blöd, weil es kein patent auf sprache gibt.
21. März um 17:15
Bertram Reinecke
Ja, genau Christian, so ungefähr würde ich es auch beschreiben: Müller hat die Worte eben nur etwas materieller in der Hand, die ansonsten eben die Bausteine jeder Dichtung sind. Eine Verteidigung Fiedlers könnte natürlich darauf hinauslaufen, dass Fiedler durchaus Texte auf Augenhöhe dessen drauf hatte, was man heute Leipziger Schule um Norbert Hummelt nennt. Zumindest den Frühwerken, die sich in Bänden von Zander, Reyer, Friedel oder Küchenmeister ja noch finden, stand das nicht nach. Er möchte es bloß nicht mehr so.
Spyra trifft den Punkt aber besser, wenn er auf die Sprachsubstrate verweist. Es gibt eben vor der Sprache erst gar nichts zu sagen. Und mancher möchte sich am Gemenschel eben nicht beteiligen. Warum muss einem das wertvoll sein, sich als schöne Seele zu zeigen. Hat Brecht das getan? (Ich weiß aber, dass das in Halle irgendwie wichtiger genommen wird, lese gerade Bartsch.) Muss man daraus eine wir Sprache bauen? Und wer ist dann „wird“. Da ist ein Bild vom Menschen darin, wie es bspw. ein Husserl oder Benjamin abgelehnt hätten. (Nicht welches Bild, sondern dass man implizit auf eines zurückgreifen muss, wäre ihr Problem.)
Schon die Worte und wie „man“ sie benutzt, das kann eine Erfahrung der Fremde, Befremdung oder Entfremdung sein, die irgendwie als unmenschlich zu verdächtigen, nicht nur unhöflich sondern falsch wäre.
Jedes Gedicht benutzt Sprache als Fremdsprache, selbst das regelloseste Alltagsgedicht. Der Linguist kann das darüber einfangen, dass sich die Häufigkeiten der Worte massiv ändern, oder darüber, welche statistische Nähe eins zum anderen hat. (Wenn es schon sonst keine Auffälligkeiten gibt.) Insofern gibt es kein unentfremdetes Sprechen vor dem Technischen.
Und offensichtlich ist Fiedlers Sprechen ja gegen manche Angriffe doch nicht so abgesichert, wie Du unterstellst. Gerade so hab ich es am Institut auch erlebt. (Wenn Du es anders erlebt hast, liegt das an der Persönlichkeit von Ulf. Wenn Ulf und Braun loben, ist es dann abgesichert? Oder lobt z.B. Ulf nicht eher dessen Subjektivität?)
Die Subjektivität Fiedlers kommt gerade in mancher Rauhigkeit der Anschlüsse zur Geltung, finde ich. Ich, rein subjektiv, achte mehr auf die sytaktischen Anschlüsse (und lasse dennoch manchmal etwas stehen). Fiedler achtet mehr auf Gehalte und Gestalten der Substantive. Ganz ungeschützte geschmackliche Entscheidungen sozusagen … Christian, mit solchen Beobachtungen, das finde ich einen Weg, wo wir weiterreden könnten, mit Deinen philosophischen Interpretationen dieser Fakten, da unterliegst Du einer gar nicht so wenig verbreiteten Autosuggestion, finde ich.
21. März um 19:04 ·
Bertram Reinecke
Ach und wenn ich hier die Subjektivität von Fiedler und mir etwas technisch gegeneinander abgrenze: Es wäre natürlich leicht, dies wiederum als Symtome für- oder Ausdruck von etwas zu betrachten, ganz global: unterschiedlicher Lebensformen etwa … Auch welche Materialien man wählt …
21. März um 19:14
Als Derek Walcott 1992 den Nobelpreis erhielt, hörten viele Leser seinen Namen zum ersten Mal. Jetzt wurde der Dichter aus der Karibik mit dem höchsten Lyrik-Preis ausgezeichnet, den Großbritannien zu vergeben hat: Den T.S.Eliot-Prize erhielt er für den Gedichtband „Weiße Reiher“.* / DLR
Derek Walcott: „Weiße Reiher, Gedichte“
Deutsch von Werner von Koppenfels
Hanser Verlag, München 2012
183 Seiten, 17,90 Euro
*) Genauer gesagt, wurde der Preis im Januar 2011 für den 2010 erschienenen Gedichtband vergeben. Jetzt erschien die deutsche Ausgabe. Der zitierte Text gehört offenbar nicht zur Rezension von Helmut Böttiger, sondern ist eine redaktionelle Einleitung.
S.a. Julia Zarbach in Falter : Buchbeilage 11/2012 vom 14.3.2012 (Seite 24)
Reed Whittemore, der 1939 zu den Herausgebern einer Literaturzeitschrift gehörte, die einige der großen Dichter der Epoche veröffentlichte, darunter Archibald Macleish, Ezra Pound, e.e. cummings und William Carlos Williams, und der selber als Autor, Herausgeber, Collegeprofessor und zweimaliger Poet laureate der Vereinigten Staaten ein maßgeblicher Lyrikbotschafter wurde, starb am 6.4. im Alter von 92 Jahren.
Seine ironisch-verspielten Gedichte, die oft in Anthologien nachgedruckt wurden, erforschten Themen wie Ehe und Vaterschaft, Kapitalismus und Bürokratie und die Rolle des Dichters in der Gesellschaft.
Sein Gedicht “On the Unimportance of Words”, das 1954 in der Zeitschrift Poetry veröffentlicht wurde, karikiert mit seinem blind-optimistischen Ton amerikanisches Konsum- und Sozialverhalten:
Gentlemen,
Accept my word that this country is wiser and better
Than its words. It would be unpatriotic to think otherwise.
Of course we are not perfect.
…
Things are admittedly tough, and I would not have you
Student-voter-consumer Americans think
Otherwise.
But when you have added it up — the lies and the come-ons,
And the jargon and the platitudes and hosannas — when
you have granted
That verbally we are blockheads and cheats and worse
I ask you,
What does this matter so long as we keep the faith,
And our hearts are true and our minds clean, and we grow
More and bigger forever (and onward and upward)?
/ Adam Bernstein, Washington Post 10.4.
Poesie ist marktfähig! Mit dem großen Lyrikmarkt lädt das poesiefestival berlin ein zum Schmökern und Stöbern, am 9.6.2012 auf dem Gelände vor der Akademie der Künste, Hanseatenweg.
Ausgewählte Verlage, Antiquariate und Buchhändler für Lyrik bieten poetische Neuerscheinungen, Fundstücke und Raritäten. Mit dabei sind u.a. BELLAtriste, Carl Hanser Verlag + Akzente, Edit, Edition Korrespondenzen, Edition Rugerup, Fixpoetry, hochroth Verlag, KOOKbooks, Leipziger Literaturverlag, Literaturverlag Droschl, Luchterhand Literaturverlag, luxbooks, Lyrikedition 2000, Matthes & Seitz Berlin, Matthias Wagner Antiquariat, Poesiealbum / MärkischerVerlag, poetenladen verlag, roughbooks, Verlag C.H. Beck, Verlag Das Wunderhorn, Verlag Hans Schiler, Verlagshaus J. Frank I Berlin und Wallstein Verlag.
Für buntes Marktreiben sorgt ein lyrisch-musikalisches Bühnenprogramm.
Max Prosa, einer der derzeit aufregendsten deutschsprachigen Singer-Songwriter, gibt ein Unplugged-Konzert. Bernadette La Hengst, Mitbegründerin der Hamburger Schule, tritt auf, ebenso wie die Berliner Independent-Band Artwhy, die Dichterband Fön und der musizierende Dichter Jan Böttcher. Die deutsche Poetry-Slam-Meisterin Nora Gomringer bringt ihre Texte auf die Bühne, begleitet von dem Schlagzeuger und Perkussionisten Günter Baby Sommer. Die Dichter Christian Filips und Monika Rinck werden nicht nur ihr dichterisches Können präsentieren: Eigens für den Lyrikmarkt treten sie als Chansonniers auf. Der Dichter Rainer Stolz lädt ein zu einem poetischen Vogelspaziergang durch den Tiergarten, Bert Bredemeyer wird zur Balladen-Juke-Box, Elke Erb, Christian Filips und Bo Wiget beantworten kochend und dichtend dringende Haushaltsfragen. Für die Kinder gibt es ein eigenes Spiel- und Bastelprogramm rund um Poesie.
Der Eintritt ist frei.
Der Lyrikmarkt setzt den überaus erfolgreichen ersten Berliner Lyrikmarkt fort, der 2011 im Rahmen der 20-Jahr-Feier der Literaturwerkstatt Berlin in der Kulturbrauerei stattfand.
Das 13. poesiefestival berlin findet statt vom 1. – 9.6.2012 in der Akademie der Künste, Hanseatenweg 10. Weitere Informationen unter: www.literaturwerkstatt.org
Das poesiefestival berlin wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und findet statt in Kooperation mit der Akademie der Künste.
Sa 9.6.2012 11.00 – 18.00 Uhr
Lyrikmarkt
Akademie der Künste,
Hanseatenweg 10, 10557 Berlin
Mit: Arthwhy, Bert Bredemeyer, Jan Böttcher, Elke Erb, Christian Filips, Fön, Nora Gomringer mit Günter Baby Sommer, Bernadette La Hengst, Monika Rinck, Max Prosa, Rainer Stolz, Franz Tröger, Bo Wiget u. a.
Für Rückfragen und Informationen:
Boris Nitzsche/Jutta Büchter Presse/ÖA,
Literaturwerkstatt Berlin, Tel: 030. 48 52 45 25
www.literaturwerkstatt.org
Der mit 5.000 Euro dotierte ver.di-Literaturpreis Berlin-Brandenburg für das Jahr 2011 geht an die Berliner Autorin Saskia Fischer für ihren Lyrikband »Scharmützelwetter«.
Die Jury, der die Brandenburger Autorin Ingeborg Arlt, der Berliner Autor Michael Wildenhain sowie die Leiterin des ver.di-Landesbezirks Berlin-Brandenburg Susanne Stumpenhusen angehörten, entschied sich für den Band »Scharmützelwetter«, der im Jahr 2008 im Suhrkamp Verlag erschienen ist. »In ihren Gedichten verbinden sich Wirklichkeitsnähe und sprachkünstlerisches Können zu seltener Qualität«, so die Meinung der Jury.
Saskia Fischer wurde 1971 in Schlema/Erzgebirge geboren und lebt seit 2006 in Berlin.
25. April 2012, 18:00 Uhr
ver.di-Bundesverwaltung
10179 Berlin, Paula-Thiede-Ufer 10
Raum Böll/Seghers/Tucholsky
Die Autorin gehört mit zu den bekanntesten deutschen Lyrikerinnen der Gegenwart. In dem vorliegenden Geschenkband sind die beliebtesten und erfolgreichsten Gedichte der Autorin zusammengestellt.
Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes als Dank und Anerkennung für eine Lyrik, die Menschen Rückhalt und Zuversicht geschenkt hat, gehört für Elli Michler zu den beeindruckenden Momenten ihres Lebens. / brikada
„Ich wünsche dir Zeit“ ist eines der bekanntesten Gedichte, die jemals in deutscher Sprache geschrieben wurden. Kaum jemand, der es nicht schon bei einer privaten oder öffentlichen Feier gehört oder auf Postkarten und Kalendern gesehen hätte. Dieses Gedicht entstand 1987 und hat seitdem große Verbreitung gefunden. Baldur Seifert (†), dessen Vortrag des Gedichts im SWR eine noch nie da gewesene Hörer-Reaktion hervorrief, nannte es ein Jahrhundertgedicht. / ellimichler.de
Im März 2010 erhielt Elli Michler das Verdienstkreuz am Bande für ihr lyrisches Werk verliehen. In der Begründung des Bundespräsidenten heißt es: „Die Verleihung ist als Dank und Ansporn für den Rückhalt, den Sie vielen Lesern Ihrer Lyrik durch Ihre lebensbejahende Art geben, anzusehen.“ / ebd.
Hier der Anfang des Jahrhundertgedichts:
Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche dir Zeit, dich zu freun und zu lachen,
und wenn du sie nützt, kannst du etwas draus machen.
Jeder kann die Auszeichnung eines anderen anregen*. Dazu wendet er sich an die Staatskanzlei des Landes, in dem der Vorgeschlagene seinen Wohnsitz hat. Lebt die Person im Ausland oder ist sie Ausländer, so ist das Auswärtige Amt für den Vorschlag zuständig. Die Auszeichnung eines Mitarbeiters einer Bundesbehörde kann beim zuständigen Bundesminister angeregt werden. Die jeweilige Protokollabteilung hat die Aufgabe, die Angaben zu prüfen, bevor sie an die Ordenskanzlei im Bundespräsidialamtweitergeleitet werden. In der Praxis machen vor allem Behörden, Institutionen, Wirtschafts- und Sportverbände Vorschläge.
Neben dem Vorschlagsrecht auf Verleihung des Bundesverdienstkreuzes gibt es auch die Anregung auf Aberkennung eines bereits verliehenen Bundesverdienstkreuzes.
*) Das sollten wir jetzt auch mal tun!
Hier eine Liste der Schriftsteller, die das „Verdienstkreuz am Bande“ bislang erhielten:
Annahme verweigert:
Aberkannt:
Der deutsche Lyriker und [Drehbuchautor] Heinz Kahlau ist tot. Er starb am 6. April im Alter von 81 Jahren, wie seine Witwe gestern in Gummlin bestätigte. Er sei an Herzschwäche gestorben. Einen Termin für die Beisetzung gebe es noch nicht. Kahlau soll auf dem Friedhof von Stolpe auf der Insel Usedom seine letzte Ruhe finden. Er gehörte zu den meistgelesenen deutschsprachige Dichtern der Gegenwart. Auf rund vier Millionen Exemplare beläuft sich die Gesamtauflage seiner Gedichtbände. …
Über seine Anfänge schrieb er: „Mein erstes Gedicht wurde von einem 19-Jährigen geschrieben, dessen Beziehungen zur Poesie bis dahin die denkbar schlechtesten waren“. Sein Stiefvater fand, Lesen mache dumm und warf alles Gedruckte ins Feuer. Erst als Kahlau 1949 ein halbes Jahr Patient in der Tbc-Heilstätte Rathenow war, hatte er seine „erste vergnügliche Begegnung mit Gedichten“ und schrieb seine ersten Verse. Als dünnhäutig hat er sich selbst in „Weißer Mann“ charakterisiert: „Litt, bis er neunzehn war, an Depressionen, Wahnvorstellungen und Lebensangst,/ Versteckte sich manchmal vor Menschen./ Schreibt seitdem Gedichte.“
Es folgten weit über tausend veröffentlichte Gedichte, auch Dramen, Hörspiele, Kinderbücher. Er schrieb mit am DEFA-Film „Auf der Sonnenseite“, verfasste Songtexte für Karat und Bayon. Zu den zahlreichen Auszeichnungen , die er erhielt, gehören der Heinrich-Heine-Preis, der Nationalpreis III. Klasse und der Vaterländische Verdienstorden in Bronze.
Als Kahlau 1957 wegen kritischer Verse in Zusammenhang mit dem Ungarn-Aufstand Haft angedroht wurde, unterschrieb er eine Verpflichtungserklärung als Inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit, von der er sich 1964 entbinden ließ. Das hat er 1990 freiwillig und von sich aus offengelegt. / Dietrich Pätzold und Janina Fleischer, Oschatzer Allgemeine Zeitung
Mehr: Spiegel
Also geb ich nach und schreib am populärsten Thema weiter:
Die Wiener Presse meint:
Meinungsmacher mögen angewidert sein von der antiisraelischen „Das-wird-man-ja-noch-sagen-dürfen“-Lyrik des deutschen Nobelpreisträgers. Die Masse ist auf der Seite von Günter Grass.
Günter Grass verblüfft nicht nur mit seiner Ahnungslosigkeit. Fast mehr noch nervt seine lächerliche Pose als Draufgänger, der es endlich wagt, das Schweigen zu brechen.
Woche der altgriechischen Poesie in L&Poe 2.-8.4.

Sappho 167 LP/139 D
ᾠω πόλυ λευκότερον
“whiter by far than an egg”
(Anne Carson, If not, winter. Fragments of Sappho. New York: Vintage Books, 2002, S. 337)
viel weißer als ein ei
(von mir nach Carson übersetzt)
Andreas Bagordo übersetzt in der Tusculum-Ausgabe bei gleichem Wortlaut deutlich anders (eilos):
ich meine viel weißer
Dagegen Gottwein hat ebenfalls „Viel weißer als ein Ei“
106
W?ï'w po'lu leuko'teron.
[A thing] much whiter than an egg.
From Athenaeus.
Quelle:
The Poems of Sappho. Translated by Edwin Marion Cox [1925]
Transliterated by J.B. Hare [2000] hier
Hier noch eine Hörprobe der Ode an Aphrodite
· Sappho fr. 1, read in Greek by S.G. Daitz. From the Society for the Oral Reading of Greek and Latin Literature.
… wäre einzigartig in Deutschland, würde Aufgaben von gesamtstaatlichem, nationalem Interesse erfüllen, über die Grenzen unseres Landes hinaus sofort wahrgenommen und begrüßt werden und sich einreihen in den Verbund von Poesiezentren in aller Welt.
Es würde unmittelbar als deutliches Zeichen verstanden werden und eine ganze Kunstsparte, die Dichtkunst, aus ihrem Nischendasein befreien sowie deren Eigenständigkeit auch in unserem Land bewusst machen.
Ausnahmslos alle Dichterinnen und Dichter, Verlegerinnen und Verleger, Übersetzerinnen und Übersetzer sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus ganz Deutschland begrüßen daher die Gründung des DZP und haben das schriftlich kundgetan.
Dichtkunst ist Sprache – aber nicht alle Sprache ist Dichtkunst. Und doch durchdringt die Poesie alle Bereiche unseres Lebens und alle Künste.
Allein im Bereich der Kulturellen Bildung würde unmittelbar viel und mit großer Nachhaltigkeit bewegt werden können.
Mittelfristig würde das DZP dafür sorgen, dass in Deutschland entstandene Dichtung international wieder wahrgenommen wird und am internationalen Austauschverfahren teilhaben kann.
Zentral für das DZP ist der Aufbau einer MEDIATHEK POESIE, die geeignet ist, dieser Kunst ein „Gedächtnis“, ein Speicherort zu sein, und die als mehrmediale Wissensgrundlage für gegenwärtige und zukünftige Produktionen fungieren kann.
Als lebendiger Ort und flankiert mit Online-Präsentationen und Online-Datenbanken ist das DZP für alle Dichter, für die Fachöffentlichkeit und vor allem für die gesamte interessierte Öffentlichkeit „-barrierefrei-“ zugänglich.
Schreibt Thomas Wohlfahrt, informiert Planet Lyrik. (Daß hauptstädtische Institutionen ihre Informationen nicht an Provinzmedien streuen, ist klar. Planet geht dann wieder. Planet, ganz unironisch, ist großartig, ganz meine Meinung.)
Zu den Kosten heißt es dort:
Gesamt: 3,1 Millionen
davon Berlin: 515.000,- (zugesagt)
eigene Einnahmen: ca. 100.000
beim Bund beantragt: 2,5 Millionen.
Nach der bestenlistenbildenden Kooperation des Münchner Zentrums mit einer hohen Akademie in kurzer Zeit der zweite Ansatz zu einer Zentralisierung der Lyrik. Hm.
Willi Resetarits (63) sprach mit den OÖNachrichten über Musik, das Unbewusste, Erfahrungen und H.C. Artmann:
Ich möchte aber selbst Texte schreiben, mache es mir aber schwer, indem bei meinen Programmen immer ein Teil Artmann-Texte dabei sein muss.
Warum?
Weil ich ein blinder Verehrer bin. Weil ich die Kirche des Heiligen Artmann gegründet habe, in der ich der erste Prediger bin. Man muss sich Verpflichtungen auferlegen. Ich will natürlich auch die Werke des Meisters verbreiten helfen.
Was hat Artmann, was macht ihn für Sie so besonders?
Die Sprache stimmt. Die Sprache hat Melodie, hat Rhythmus. Nicht nur die Lyrik. Das merkt man, wenn ein scheinbar normaler Satz über die Jahre immer besser wird und du weißt nicht, warum.
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