71. Attacke

Herr Leitner erklärt den Medienleuten die Lyrikszene. Das macht er wie mit seinen Gedichten: so daß die es verstehen. Die Berichte klingen wie Kriegsberichterstattung:

In der Lyrik-Szene regt sich allerdings Widerstand gegen diese Häufung von Preisen: Dichter und Lyrik-Herausgeber wie Anton G. Leitner, Axel Kutsch und Ralf Liebe beklagen eine einseitige «Überförderung» einiger weniger Autoren, die der Gattung Lyrik letztlich wenig nütze. Sie machen sich daher dafür stark, die Vergabe öffentlicher Preisgelder in Deutschland neu zu ordnen.

… Im Gegensatz zu anderen multigeförderten Lyrikern verfüge Gomringer wenigstens noch über Unterhaltungspotenzial, sagt Leitner. Die meisten preisgekrönten Dichter der jüngeren Generation – zum Beispiel Ulrike Almut [sic], Ron Winkler und Daniela Seel – stünden für eine akademisch geprägte Lyrik, die sich dem Leser kaum erschliesse. / Tagesanzeiger

Ich nehme an, der Leser (wirklich?) und die politischen und Politiker-Stammtische werden beifällig nicken. Die wirklichen Probleme in der Literaturförderung stehen nicht in der Zeitung, auch nicht die konstruktiven Vorschläge und Überlegungen, die unterhalb der etablierten Medien vorgetragen werden. Auch nicht die Debatte um Gedichte wie das Auschwitz-Gedicht von Nora Gomringer oder jüngst um ein Gedicht von Norbert Hummelt oder um Gedichte junger Autoren, wie sie an nicht so wenigen Orten stattfinden (die vielleicht nur gemeinsam haben, daß sie vom Betrieb ignoriert werden). Darum geht es in dieser Attacke auch nicht. Das sind keine Aufklärer, sondern schreckliche Vereinfacher. (Darin unserm Grass nicht unähnlich).

In einem hat Leitner recht (aber es überlagert sich mit jener anderen Front):

Gomringer sei ein Beispiel dafür, dass Juroren gerne immer dieselben Autoren auswählen, sagt Leitner, Herausgeber der Zeitschrift «Das Gedicht» und selbst Lyriker. «Die Preise konzentrieren sich auf einen kleinen Kreis von Leuten, die immer wieder ausgezeichnet werden.» Die Jurys machten es sich einfach, wollten kein Risiko eingehen. «Sie denken sich: Da habe ich einen, der hat schon den und den Preis gekriegt, da kann ich nichts falsch machen.»

70. ALBA erscheint

Wir erwarten Euch diesen
Freitag, 20. April, um 19.30

Café Commune, Reichenberger Straße 157, Berlin

Wir stellen die erste Nummer der deutsch-lateinamerikanischen Literaturzeitschrift vor!

Mit Julián Herbert u.a.

Musik: Nico Miquea, Martin Goldenbaum, Zé Berlin

Der Eintritt ist frei.

Flyer auf facebook.com/revista.alba

***

Erstes Heft mit Texten u.a. von Alonso Cueto, Julián Herbert, Jorge Kanese, Mariana Mariasch, Horacio Castellanos Moya, Víctor Montoya, Lina Meruane, Cristina Peri Rossi, Fernanda Trías, Raúl Zurita sowie einem Dossier zu zeitgenössischer Lyrik aus Kolumbien.

Preis: 6,80€

Herausgeber/Redaktion: Timo Berger, Rike Bolte, Jorge J. Locane, Léonce W. Lupette, Julieta Mortati, María Ignacia Schulz, Karina Theurer, Claudia Wente, Association Alba Culture Hispano-Américaine à Paris.

69. On the potty

Did our Founding Fathers read while sitting on their chamber pots? In my childhood in Serbia, when outhouses were common in the countryside and toilet paper was regarded by ordinary folk as a decadent luxury, the pile of old newspapers we kept in there provided not only the necessary substitute, but also inviting reading material, which supplemented my education and entertained me. It used to be a common experience, and most likely still is in some homes, that if a child or a grownup was missing and could not be found, someone was sent to knock on the bathroom door. We’ve all had family members who spent inordinate amount of time on the potty or lying in a tub filled with water reading magazines and novels, until a small line had formed outside the door, each of us as impatient to relieve ourselves as to find out what the last occupant, looking guilty, had been reading in there.

As a guest in homes of strangers, I have discovered bathroom libraries that took my breath away by their size and intellectual pretensions. It was unclear to me whether Plato’s dialogues in original Greek, together with Marx’s The Communist Manifesto, Thomas Pynchon’s latest novel were there to impress the visitor, or in the case of another fellow who had a pile of memoirs by ex-presidents going back to Reagan, to make him laugh. I can’t say that I’ve encountered a whole lot of poetry in bathrooms, even in the homes of poets, though I’ve come across many an anthology. Would reading one of Hamlet’s soliloquies or John Keats’ “Ode to a Nightingale” in such a setting be unbecoming? / Charles Simic, The New York Review of Books Blog

Was mich betrifft, ich les auf dem Klo nur Lyrik. Lager sie aber nicht dort. (Falls wieder jemand mißverstehen möchte: ich hab nicht gesagt, ich les Lyrik nur auf dem Klo! Welche, sag ich sowieso nicht. Es kann jedeN treffen. Upps, schiefes Bild.) M.G.

68. Die Revolution gefiel mir

Ossip Mandelstam habe ich zuerst bei der Nationalen Volksarmee gelesen. Ich war Soldat im Grundwehrdienst, die Wehrpflicht dauerte 18 Monate – ein langes Stück Lebenszeit für einen jungen Menschen. Man war gefangen, es gab sechs Tage Urlaub pro Halbjahr und höchstens einmal pro Woche konnte man Ausgang bekommen – das war kein Recht, sondern wurde gewährt. Jeweils nach Dienst bis Mitternacht, das war am Mittwoch ab 18, Sonnabend ab 13 Uhr oder Sonntag nach dem Frühstück. Auch Frühstück war Dienst, man mußte mitmarschieren, der Spieß befahl ein Lied und wir sangen: „Rot ist meine Waffenfarbe“ oder sowas. Ich bekam nicht oft Ausgang am Sonntag. Einmal wollte ich mich vorm Frühstück drücken und sagte dem Unteroffizier, ich hätte Ausgang und wollte mich vorbereiten. Er ließ mich gewähren, aber ich bekam später 14 Tage Ausgangssperre „wegen Belügens von Vorgesetzten“.

Den langen Sonntag zwischen den Mahlzeiten hatte man also Lesezeit. Ich war schon leidenschaftlicher Leser von Gedichten. Seit 1967 erschien das monatliche Poesiealbum für 90 Pfennig. Heft 2: Wladimir Majakowski. Wahrscheinlich war etwas von ihm in der Schule vorgekommen, ich erinnere mich nicht, aber an Hugo Hupperts Verdeutschungen blieben Erinnerungen. „Zur Frage des Frühlings“ hieß eins der Gedichte, es hatte Metaphern wie

„Ja, heut und morgen, | beinah schon ewig / taumelt die Stube, | von Sonne besoffen.“

Oder:

„Das Tageslicht | dreht | seinen Flammenwerfer.“

[die geraden Striche im Text markieren Majakowskis berühmte Treppen im Vers].

Ebenfalls 1967 startete der Verlag Volk und Welt seine „Weiße Lyrikreihe“ mit einem Band von Anna Achmatowa. 1967 war das Jahr, in dem ich die russische Lyrik für mich entdeckte.

Die Armee hatte natürlich auch eine Bibliothek. Dort fand ich den Band „Oktober-Land. Russische Lyrik der Revolution“, der ebenfalls 1967 erschienen war. Der eingeklebte Ausleihzettel verriet mir, daß ich der einzige Ausleiher war*. Vorn das Faksimile aus einer Satirezeitschrift, „Solowej. Zeitschrift für Proletarische Satire“ vom Heiligabend 1917 mit einem Zweizeiler von Majakowski auf dem Titelblatt, in Hugo Hupperts Übersetzung:

„Friß Ananas, Bürger, | und Haselhuhn. / Mußt bald | deinen letzten Seufzer tun.“

Das erste Gedicht des Bandes war von Welimir Chlebnikow, es begann so:

„Die Freiheit kommt strahlend und nackt,  streut Blumen aufs Herz, immerzu. / Wir schreiten im rhythmischen Takt | und stehn mit den Sternen auf du.“
(Deutsch von Wilhelm Tkaczyk).

Die Revolution gefiel mir.

Auch Anna Achmatowa fand ich in dem Band wieder und Gedichte von Andrej Bely, Alexander Blok, Sergej Jessenin, Boris Pasternak und vielen anderen und eben auch eins von Ossip Mandelstam …

Michael Gratz, weiter in: Wasser Prawda

*) ich weiß es, weil ich das Buch geklaut hab. Falls es jemand heute im Bundeswehrfundus vermißt: ist verjährt, hoff ich.

67. Katharina im Schloß

Bad Mergentheim.  Mit Marcel Beyer, Sabine Scho und Katharina Schultens werden bei „Literatur im Schloss“ drei wichtige Stimmen der zeitgenössischen Lyrik zu hören sein. „Lyrik erleben“ findet am 9. Mai im Museum statt.

Heute stellt Mitveranstalter Ulrich Rüdenauer die junge Lyrikerin Katharina Schultens vor. / Südwestpresse

66. Gibt es die Aporien der Avantgarde und welche sind das?

Von Bertram Reinecke

Teil 1 im poetenladen / Teil 2 bei lyrikkritik.de

Auszug:

Stellt man sich dem Korpus der Werke ohne Scheuklappen, dürfte eine Literaturgeschichte, die eine Moderne als inzwischen historisch geworden beschreibt und von einer Postmoderne abgelöst sieht, kaum haltbar sein. Denn wenn ein ironisch distanzierter und verfahrenstechnisch interessierter Impetus auch für die Hauptwerke der frühen Modernen typisch ist, hat es keinen Sinn, die Prosa- und Hörspielwerke von Wolfgang Hildesheimer oder die Dichtungen von Rolf Schneider oder Robert Neumann als solche von Außenseitern der Moderne zu charakterisieren oder als Vorläufer der Postmoderne zu beschreiben. Sie wären allenfalls Außenseiter eines existenziell weltanschaulich geprägten Literaturbetriebs, was viel besser mit den Biografien dieser Leute zusammenstimmt. Ebenso wäre Brecht in diese Reihe einzuordnen. Wenig bekannt ist, dass er seine Meisterschüler an der Akademie der Künste Berlin (Ost) dazu ermunterte, sich in strengen Versen zu äußern. Wo der gestische Rhythmus zumindest in diesem Umfeld beginnt, Standard der Rede zu werden, bedeutet der strenge Vers wieder Verfremdung.[5] Oulipo eine moderne oder eine postmoderne Gruppe? Hat irgendwann ein Übergang zwischen dem modernen Oulipo und dem postmodernen Oulipo stattgefunden? Auch das eine absurde Frage, die die Trennung in Moderne und Postmoderne aufwirft. Oder soll man trotz des engen Gruppenbezugs scheiden: Hie der moderne Pastior, dort der postmoderne Calvino?

Ja man müsste, um das Begriffspaar Moderne / Postmoderne als Ordnungslinie in Frage zu stellen, noch einen Schritt weiter gehen: Für eine Postmoderne oft angeführte Merkmale wie ironische Distanz zu Verfahren, Reaktivierung von Sprechweisen, die ästhetisch abgenutzt sind, Spiel mit Zitat oder Einbindung von alltagsweltlichen Codes lassen sich allesamt an von Hoddis’„Weltende“ nachweisen. Zur Ironie hatten wir Stellung genommen, das Verfahren, streng fünfhebige Verse mittels klassischer Reimschemata in eine der gebräuchlichen Strophenformen zu binden, kann bereits seit Holz, Dehmel, Schaukal, Flaischlen oder Liliencron als veraltet gelten.[6] „Weltende“ zitiert Zeitungsmeldungen und enthält Alltagspartikel (hupfen/Schnupfen).

Wenn schon die Urszene des Expressionismus postmodern ist, dann lässt sich das Bemühen der Ismen nicht derart als freies maßstabloses Sprechen auffassen, wie es die Avantgardekritik gerne möchte, sondern diese Dichter stehen in viel komplexerem Verhältnis zu den Konventionen ihrer Zeit.[7] Moderne enthält dann bereits ihre eigene Postmoderne, deswegen kann diese jene nicht ablösen.[8]

Anmerkungen

[5]: Einer ähnlichen Verfremdung hat Brecht das kommunistische Manifest unterzogen, was keineswegs als Devotion eines frommen Marxisten zu verstehen ist. Marxist war Brecht schon, parteifromm sicherlich nicht. Eine theoretische Grundlage, in mythische Ferne gerückt, wird so erst vom zeitgenössischen Einspruch her anfragbar. Eine dialektische Bewegung ähnlich der Enzensbergers, die moderne Poesie ins Museum zu versetzen. Ähnlich steht es mit der für viele Interpreten irritierenden Bukower Elegie: „Bei der Lektüre eines sowjetischen Buches“, welche oftmals als stalinistischer Lapsus des Autors verstanden wurde. Allerdings gewinnt Brecht hier (und dies wurde oft übersehen) durch zahlreiche archaische und im Kontext der Elegien singuläre Verfahren Abstand zum geschilderten Sachverhalt. (Epitheta, nachgestellte Attribute, Anthropomorphisierungen.) Gleichzeitig mag der Sprecher in diesem Text explizit nicht durch eigene Anschauung für das geschilderte Geschehen einstehen. (Es gibt zwar im Zyklus auch „Bei der Lektüre des Horaz“ bzw. „eines spätgriechischen Dichters“. Die Gedanken werden in diesen beiden Texten jedoch als die des sprechenden Subjekts eingeführt und nicht als Dokumente wie im Erstgenannten). Das Gedicht stellt dadurch die Märchenhaftigkeit der sowjetischen

[6]: Vielleicht sogar zu Recht sind fast alle diese Dichter aus dem Kanon gefallen, so sieht es ein wenig aus, als hätte der Bruch zwischen der metrisch geordneten Tradition und den zumindest weniger sicht- und abzählbar geordneten Formen erst zwischen dem ersten Weltkrieg und den 50ern stattgefunden und als wäre Holz nur eine frühe Schwalbe gewesen, die noch keinen Sommer macht. Schaut man sich aber alte Anthologien an, wird man sehen, dass sich die ungebundene Lyrik schon kurz nach 1900 durchgesetzt hatte und dass die Verse der Expressionisten, aber auch die Rilkes, Georges oder Hoffmannsthals sich großteils als Rückgriffe verstehen (ob bewusst oder unbewusst). Bei den Frühvollendeten (Heym) mögen der konservative wilhelminische Gymnasialkanon und das Gesangbuch dabei eine große Rolle gespielt haben, wenn ihnen der Reim noch als Standartmittel vorkam. Als verslich auf der Höhe muss dagegen eher Bechers „Der Dichter meidet strahlende Akkorde“ angesehen werden, welches Flaischlens und Schaukals zur Anzeige erhöhter Gemütsbewegung entwickelte gegenrhythmische Technik radikalsiert und zum lyrischen Standard erklärt und damit zum direkten Vorläufer von Brechts gestischem Sprechen wird.

[7]: Das ist ja auch logisch: Avantgarden können die Mittel umwerten, gänzlich verzichten können sie auf solche nicht. Und wo immer man schaut, erweisen sich die von ihr aufgewerteten oder erfundenen Mittel als solche, die eine längere untergründige Vorgeschichte haben. Diese aufzuschließen und fruchtbar zu machen, ist eine Leistung der Avantgarden, die mindestens ebenso hoch zu bewerten ist, wie die Reflektion über den Wert künstlerischer Mittel und das viel seltenere Erfinden wirklich gänzlich neuer Verfahrenszüge.

[8]: Umberto Eco hat bereits vor 20 Jahren vorgeschlagen, den Begriff der Postmoderne mit dem des Manierismus zu verbinden. Folgt man Hockes gedankenreichem Buch „Die Welt als Labyrinth: Manier u. Manie in d. europ. Kunst. Von 1520 bis 1650 u. in d. Gegenwart. Band I.“, der unter dem nämlichen Begriff viele Züge dessen subsumiert, was wir heute für gewöhnlich postmodern nennen, würden der Großteil der Surrealisten, aber auch Werke von Picasso, Paul Klee und anderen unter diese Kategorie fallen.

65. Gomringer gewinnt

Die diesjährige Preisträgerin des Cuxhavener Ringelnatz-Preises für Lyrik, Nora Gomringer, hat ein in der Literaturszene viel beachtetes Gedicht zu Auschwitz geschrieben. Das Thema ‚hört nicht auf, die Welt ist voller Diskriminierung‘, sagte die 32-jährige Dichterin aus dem oberfränkischen Bamberg in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Gedicht unter dem Titel ‚Und es war ein Tag’* erschien 2006 und ist für die Cuxhavener Preisjury ein Grund, Gomringer an diesem Samstag, den 22. April, den mit 15000 Euro dotierten Ringelnatz-Preis zu übergeben. / Süddeutsche Zeitung

* hier von der Autorin gesprochen

64. Höltypreis für Lehnert

Der Dichter Christian Lehnert erhält in diesem Jahr den mit 20.000 Euro dotierten Hölty-Preis. Mit dem höchstdotierten Lyrikpreis im deutschsprachigen Raum solle das Gesamtwerk Lehnerts gewürdigt werden, teilten Stadt und Sparkasse Hannover am Dienstag mit. Die Gedichte des 42-Jährigen strahlten „selten gewordene Würde und Schönheit aus“, heißt es in der Begründung der Jury. / Standard

Hannoveranda ergänzt:

Der Hölty-Preis für Lyrik ist mit 20.000 Euro der höchstdotierteste* Lyrikpreis im deutschsprachigem Raum. Die Verleihung findet am 12. September 2012, 20 Uhr, im Kleinen Sendesaal des NDR Funkhauses in Hannover statt. Partner sind die Stadt Hannover und die Sparkasse Hannover. Namensgeber des Preises ist Ludwig Christoph Heinrich Hölty. Er wurde am 21. Dezember 1748 im Kloster Mariensee bei Hannover geboren und verstarb am 1. September 1776 ebenfalls in Hannover. Er war von seinem künstlerischen Rang her einer der bedeutendsten** deutschen Lyriker.

 *) höchstdotiert reicht schon; höchst dotiertest wär meiner Meinung nach noch möglich – aber was andres (aber da hab ich wahrscheinlich die hochmögenden Wissenschaftler gegen mich, die die letzte Rechtschreibreform verbrachen)

**) trotz Superlativitis: Hölty ist lesenswert

Der Jury 2008 (Thomas Rosenlöcher) gehörten an: Cornelia Jentzsch, Kathrin Dittmer, Michael Braun, Dr. Michael Krüger, Prof. Dr. Martin Rector. Nach der von  2010 und 2012 suche ich noch.

63. Pulitzer-Preis für Tracy K. Smith

Den Pulitzer-Preis 2012 für Lyrik erhält die in Brooklyn lebende Autorin Tracy K. Smith für ihren 2011 erschienenen Gedichtband „Life on Mars“ (Graywolf Press). Die Autorin wurde 1972 in Falmouth, Massachusetts, geboren. Sie ist Professorin of Creative Writing  an der Princeton University. „Life on Mars“ ist ihr dritter Lyrikband. Ein Pulitzer-Preis für Prosa wurde in diesem Jahr nicht verliehen.

62. Georg Trakl Förderungspreis 2012 für Lyrik ausgeschrieben

Gleichzeitig mit dem Georg-Trakl Preis 2012 vergibt das Land Salzburg den Georg-Trakl-Förderungspreis für unveröffentlichte Lyrik in der Höhe von 3.000 Euro. Einzureichen sind 15 unveröffentlichte Lyriktexte bis zum 25. April 2012. Daran erinnerte Kulturreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. David Brenner am 17.04.

Die Texte werden einer unabhängigen Jury ohne Bekanntgabe der Namen der Autorinnen und Autoren vorgelegt. Nur Einreichungen (Texte in dreifacher Ausfertigung) mit ausgefülltem und unterschriebenem Einreichungsbogen werden entgegengenommen. Es können sich nur Autorinnen und Autoren bewerben, die einen biographischen Bezug zu Salzburg haben, dieser ist explizit darzulegen. Ausgeschlossen sind diejenigen, die bereits mit einem Georg-Trakl-Förderungspreis ausgezeichnet wurden. / Österreich Journal

61. Umschreibung

Iran lobt Grass für Israel-kritisches Gedicht. Will der Iran damit bestätigen, dass „das iranische Volk von einem Maulhelden unterjocht und zum organisierten Jubel gelenkt wird“? Natürlich nicht. Diese Stelle des Gedichts von Günther Grass kommt auf den staatlichen Webseiten nicht vor; zumindest nicht so, wie Grass sie gedichtet hat.

Fars News, die Webseite der iranischen Revolutionsgarde, lässt die zweite Strophe einfach weg. Die halbstaatliche Mehrnews veränderte die zweite Strophe so, als wäre mit dem Maulhelden Netanjahu gemeint. / Dust and Trash

60. Über Schweigen

Offener Brief an Günter Grass

Von
Javad Asadian
Dichter und Schriftsteller
10.04.2012
hier

Die toten blutdurstigen Seelen, die das Land der Kultur und Gedichte seit über 30 Jahren okkupiert und ausgeplündert haben, jubelten über Ihre Darbietung von  Wahrheitsverdrehung.

Sie sind ein Meister des Schweigens. Die Mullahs vollziehen öffentlich das Verbrechen gegen die Menschheit im Iran. Mit Terror, Mord, Selbstmordanschlägen mischen sie sich in der ganzen Region ein, nur um die moderne Lebensform zu vernichten und die Scharia, die Koranischen Gesetze als Maßstab der Dinge zu bestimmen.

Sie sind ein Meister der Verdrehung. Khomeini, Khamenei, Ahmadinejad  betrieben innerhalb ihrer islamischen Herrschaft von Anfang an die Politik der Vernichtung Israels. Basiert auf islamischen Gründen, ist das jüdische Land neben Amerika als Hauptfeind der Mullahs deklariert.

Die Vernichtung Israels ist Staatstheorie der Islamischen Republik, die in Wirklichkeit den Weltfrieden bedroht.

Sie haben den Repräsentanten eines Massenmörderregimes als „Maulhelden“ bezeichnet, also als jemanden, der seinen Worten keine Taten folgen lässt. Sie haben diesem Regime ideologische Waffen für seinen Terror gegen die Iraner geliefert, und die islamistischen Schergen haben sich dafür umgehend bei Ihnen bedankt.

Es stellt sich die Frage, ob Sie in der Holocaustverleugnung des Islamischen Regimes ihre deutsche Seele wiedergefunden haben? Wie sonst soll man erklären, dass Sie über die Verbrechen  der Mullahs schweigen und versuchen, die Welt zum Schweigen bringen?

Damit Sie Frieden mit ihrer Vergangenheit schließen können, soll das Regime im Iran Rückendeckung für die Fortsetzung dieser Vergangenheit bekommen. In einer Welt der Heuchelei und  des Appeasements muss jedoch die Tatsache immer wieder betont werden, dass die islamische Regierung im Iran mit ihren Greisen im nationalen Bewusstsein der Iraner schon längst gestorben ist.  Ihre Herrschaft ist nur noch mit Massenmord aufrechtzuerhalten – begleitet vom Schweigen von Intellektuellen wie Herrn Günter Grass.

59. Berechnung

Berlin vergibt jährlich ca. dreizehn Arbeitsstipendien in Höhe von 12.000 Euro, davon gingen dieses Jahr sechs Stück an Lyrikerinnen und Lyriker (siehe hier).

Bayern vergibt zweijährlich (erstmals 2010, dieses Jahr zum zweiten mal) „bis zu sechs“ Arbeitsstipendien in Höhe von 6.000 Euro, davon ging eines an einen Lyriker (Àxel Sanjosé).

Ergibt:

12.000 Euro x 1/Jahr x 6 Lyriker/innen = 72.000 Euro für die Lyrik in Berlin

6.000 Euro x 0,5/Jahr x 1 Lyriker/in = 3.000 Euro für die Lyrik in Bayern

24:1 für Berlin.

(Weiß jemand andere Zahlen?)

58. Lyrik ist gut für die Massen

Lyrik ist gut für die Massen, während Prosa den schädlichen Individualismus unterstützt. Der „Große Kommandant“ will die Subjektivität eliminieren. Denn Denken bedeutet Widerstand und ist somit Verrat am Führer. Ebenso wird übrigens die traditionelle arabische Musik zugunsten von martialischer Blechmusik abgeschafft. Liebeslieder könnten schließlich zu Melancholie führen, zu Genuss und Meditation, was individualistisch und somit antipatriotisch ist.Wegen Landes-, genauer, Führerverrat wird Fathi denn auch seine Literatursendung im Fernsehen weggenommen und auch sein Schöpfer, der Autor Nihad Siris, durfte seit 2001 nicht mehr fürs Fernsehen arbeiten (wofür er zuvor die erfolgreiche, 25-teilige Serie „Seidenmarkt“ schrieb). / Sabine Vogel, FR 12.4.

Nihad Siris: Ali Hassans Intrige. Aus dem Arabischen von Regina Karachouli. Lenos Pocket, Basel 2012. 174 S., 12,90 Euro.

Vgl.: Nur Hirtenvölker bevorzugen die Poesie / 30. Das arabische Gedicht

57. Arbeitsstipendien für 13 Berliner Schriftsteller

Auch in diesem Jahr vergibt der Berliner Senat Arbeitsstipendien in Höhe von (zusammen) 156.000 Euro an 13 in Berlin lebende Autorinnen und Autoren.

Die diesjährigen Stipendiatinnen und Stipendiaten sind Barbara Bongartz, Nora Bossong, Daniel Falb, Julia Kissina, Simone Kornappel, Peggy Mädler, Moritz Rinke, Susanne Schädlich, Jana Scheerer, Ulf Stolterfoht, Ron Winkler, Uljana Wolf und Norbert Zähringer.

Die Jury hatte über 320 Bewerbungen zu entscheiden.