Am Vorabend des Himmelfahrtstags 2012 laden wir zum einmaligen Ausflug in die Surrealität:
Aristokratie & Wahnsinn – Spoken word Kammermusik
Elsa Fitzgerald & Ribi Rimini (Bern/Schweiz)
Mittwoch, 16. Mai, 20 Uhr
PANDA Theater (Kulturbrauerei, 2. Hof, neben der Literaturwerkstatt)
Eintritt 5,- € (nur Abendkasse)
Eine köstliche Entdeckung…
Herzlich willkommen!
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Berliner Literarische Aktion e.V.
Kastanienallee 2
D – 10435 Berlin
Tel.: ++49 (0) 30 / 53 15 59 63
email: info@berliner-literarische-aktion.de
www.berliner-literarische-aktion.de
Am Freitagabend hatte das zusammen mit der Schlösserstiftung präsentierte Stück „O, meine Phantasie ist heftig“ um die aus ärmlichen Verhältnissen stammende, in höfische Künstlerkreise aufgestiegene Dichterin Anna Louisa Karsch im Schlosstheater Premiere und wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. …
Im Zentrum des musikalischen Programms steht eine großartige Auswahl an Vertonungen von Gedichten der „deutschen Sappho“ und ihres Freundes Gleim durch Komponisten wie Carl Philipp Emanuel Bach und die Königsschwester Anna Amalie von Preußen. / Märkische Allgemeine
„Im riesigen Wortwalzwerk der Gegenwartsdichtung muss es eine Gießerei geben, in der der ganze Wortbruch und -schrott geschmolzen und Chemisch analysiert wird, um, durch die verschiedenen Abteilungen gegangen, als glänzender Stahl zu funkeln, scharf und elastisch.
Schmelzhütte des Worts zu sein, ist die Funktion Krutschonychs und der Gruppe seiner Sa’umer.“ hieß es da, und entfachte von neuem meine Suche nach den Gespenstern. Eine Einzelpublikation mit Texten Krutschonychs fand ich noch nicht, aber eine zweibändige Ausgabe mit den Werken Chlebnikows, die Peter Urban bei Rowohlt besorgt hatte. Das war schon mal ein Anfang. Und es sollte lange ein Anfang bleiben. Zwanzig Jahre lang, man wagt es gar nicht auszusprechen.
Im letzten Jahr dann erschien im jungen aber jetzt schon verdienstvollen Verlag Reinecke & Voß Krutschonychs „Phonetik des Theaters“. Valeri Scherstjanoi, der unverwüstliche Lautpoet hat sie besorgt und ausgestattet. Das kam für mich einer Befreiung gleich. Endlich hatte das Gespenst einen Körper bekommen. Dieses Buch gibt nun, zwar keinen erschöpfenden, aber einen instruktiven Einblick in das Wortwalzwerk des Sa’um. Und das Buch hat etwas erfrischend Zeitgemäßes, weil es nicht nur an der Dichtung, sondern auch an der Inszenierung der Dichtung arbeitet. Weil es eine Einheit aus Klang, Geste, Gebärde, Bewegung vorstellt, die dieses Kunstwerk ist, das wir eher vorläufig Gedicht nennen, denn:
„Die Aufgabe der sa-umnischen Sprache ist: Eine für die gegebene Sprache ungewöhnliche Lautreihe zu erspüren, das Ohr und den Hals, die den Laut aufnehmenden und reproduzierenden Organe des Hörens und des Sprechens zu erfrischen.“ (Krutschonych in: Woher und wie kamen die Sa-umniki? Phonetik des Theaters. S.64) / Jan Kuhlbrodt, Poetenladen
Alexej Krutschonych
Phonetik des Theaters
Herausgegeben von Valeri Scherstjanoi
Reinecke & Voß 2011
10 Euro, Taschenbuch
Seltsamer Kauz, dieser steppende Conférencier im Glitzerfrack. Lobt die schönen Menschen, die schöne Stadt, das schöne Theater. Und klagt im nächsten Moment radebrechend: „Weiß ich wirklich nicht, wo ist meine Heimat.“ Unvermittelt lässt er Heiner Müllers Lyrik in seine Rede gewittern, „im Regen aus Vogelkot im Kalkfell“, und im nächsten Moment droht er einem Zuschauer „Ich hau dir Fresse ein“. Aber hey, nur Spaß! Ein unberechenbarer Zeitgenosse, dieser Badearzt Tomas Stockmann. Noch dazu ist er schwarz. / Patrick Wildermann über eine Ibseninszenierung, Potsdamer Neueste Nachrichten
Auch nicht schlecht, also wer näher an Paris ist:
Monday 14th May 7:00 pm
Shakespeare & Company, 37 rue de la Bûcherie, 75005 Paris
Tonight we welcome a marathon reading of poets from Brooklyn-based indie Ugly Duckling Presse, ‚a publishing collective specializing in experimental poetry and new editions of forgotten textual artists, produces lovely, cheeky books by authors you’ve probably never heard of but your grandchildren will likely read in college.‘ – New York Times. Afterwards stay for music with punk, electronic Paris-based Ava’s Verden http://www.myspace.com/avasverden.
Authors include Steve Dalachinsky, the author of In Glorious Black & White; Christian Hawkey, the author of three books of poetry and associate professor at Pratt Institute; Filip Marinovich; Matvei Yankelvich, author of Today I Wrote Nothing;
Yuko Otomo bilingual poet and author of Garden: Selected Haiku, Small Poems, The Hand of the Poet, Cornell Box Poems, Genesis, and Fragile; Sarah Riggs, a translator and author of 60 Textos along with 28 télégrammes and 43 Post-Its, also a member of the bilingual poetry association Double Change; Jacqueline Waters, the author of the poetry collection A Minute Without Danger, and two chapbooks, The Saw That Talked and The Garden of Eden a College; Uljana Wolf the author of two books of poetry, kochanie ich habe brot gekauft and falsche freunde, as well as the essay BOX OFFICE. Hosted by Vladislav Davidzon.
KREUZWORT am 14.05. mit GUMZ, HÄFNER, KUHLIGK & ROLOFF
Öffentliche Veranstaltung · Von Kreuzwort Berlin
Montag
20:00
Wir legen noch einen drauf:
ALEXANDER GUMZ
EBERHARD HÄFNER
BJÖRN KUHLIGK
&
MARCUS ROLOFF
lesen Lyrik.
Mehr Informationen hier
Am 14.5.
Im Damensalon
Reuterstraße 39
U7/8 Hermannplatz // U8 Schönleinstraße
M29/194 Pflügerstraße
Einlass: ab 20 Uhr
Damage: 3 €
Aus dem vier Meter großen Verschlag, in dem Günter Ullmann sein Leben lang schrieb, ging der Blick in einen Hinterhof, den der Dichter folgendermaßen charakterisierte:
der winter
bleibt klein
die sonne hat
vier ecken
Es war die Sonne von Greiz, die Sonne der vogtländischen Provinz. Einer Provinz, die, wie es der Autor unseres Buches ausdrückt, die „dichteste Dichte dissidentischer Dichter“ in der DDR hervorbrachte.
Aus dem nur zehn Kilometer entfernten Reichenbach stammen Hans Joachim Schädlich, Jürgen Fuchs und Utz Rachowski, in Greiz selbst lebte lange Zeit Reiner Kunze und eben Günter Ullmann, dem Udo Scheer seine Biographie gewidmet hat. Sie ist nicht nur deshalb von Bedeutung, weil sie einen zu Unrecht wenig bekannten Dichter dem Vergessen entreißt, sondern auch, weil sich in seiner Lebensgeschichte mehrere für seine Generation exemplarische Biographien zu vereinen scheinen, die ein sehr komplexes Bild vom Leben in der großen Provinz namens DDR ermöglichen. / Bernd Wagner, DLR
Udo Scheer: Die Sonne hat vier Ecken. Günter Ullmann – Eine Biographie
Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2012
In Spanien sind bislang unbekannte Schriften des Dichters Federico García Lorca (1898-1936) entdeckt worden. Dazu gehört auch der möglicherweise letzte Liebesbrief, den der Autor vor seinem Tod geschrieben hatte. Wie die Zeitung «El País» am Samstag berichtete, wurden die Schriften im Nachlass des Kunstsammlers und -kritikers Juan Ramírez de Lucas (1917-2010) gefunden, der als junger Student mit dem Poeten eine Liebesbeziehung unterhalten hatte. …
Der irische Hispanist und Lorca-Biograf Ian Gibson plädierte dafür, die jetzt entdeckten Schriften möglichst bald zu veröffentlichen. Der dreiseitige, handgeschriebene Liebesbrief beginnt nach Angaben der Zeitung mit der Anrede: «Mein geliebter Juanito.» Er endet mit den Worten: «Mit Liebe von dieser Pausbacke, die Dich so sehr mag.» / Spaniens Allgemeine Zeitung
Die Identität des Liebhabers, dem Federico García Lorca in den letzten Jahren seines Lebens leidenschaftliche Gedichte schrieb, war bisher geheim. Jetzt wurde bekannt, daß der Kunstkritiker Juan Ramírez de Lucas in einer Schachtel Zeugnisse ihrer jahrelangen leidenschaftlichen Beziehung aufbewahrte, darunter ein bisher unbekanntes Gedicht und ein Tagebuch. Er gab die Schachtel seiner Schwester kurz vor seinem Tod 2010.
Aus den Dokumenten geht hervor, daß Lorca und der 19jährige Ramírez de Lucas gemeinsam nach Mexiko gehen wollten. Aber die Eltern des Studenten verweigerten die Zustimmung und drohten Lorca mit der Polizei.
Deshalb ging er nach Albacete, um mit ihnen zu reden, und Lorca ging nach Granada, wo einige Tage später Francos Truppen einmarschierten. Im August 1936 wurde er erschossen.
Unter den Dokumenten ist ein Brief Lorcas, in dem er den Freund zu Geduld mahnt und ihn auffordert, nicht mit seiner Familie zu brechen, sondern „politisch“ zu sein. Der Brief ist in der spanischen Zeitung El País abgedruckt.
Das handschriftliche Gedicht beschreibt die hoffnungslose Anziehung zum „blonden jungen Mann aus Albacete“. / Giles Tremlett in Madrid , Guardian 10.5.
Das Gedicht war nur zum privaten Gebrauch kostenlos zur Verfügung gestellt worden, wurde aber ohne Erlaubnis monatelang auf einer kommerziellen Webseite verwendet. Deshalb stehe der Dichterin Schadensersatz zu und zwar in der Höhe, die sie normalerweise für ihr Gedicht berechnet hätte. Es bestehe deshalb ein Anspruch in Höhe von 600,- €.
Amtsgericht Düsseldorf, Aktz. 57 C 14084/10 vom 30.03.2011
Quelle: Telespiegel.de
Alles wird gut:
Jeder Musiktitel, jedes Gedicht, jeder Film ist ein Werk, dem Respekt entgegenzubringen ist. (Kauder hilft den Künstlern)
Der Staat wird sich also um jedes Gedicht kümmern. Wenn das nicht schöne neue Zeiten sind. Mehr Respekt, meine Herren! Ihre Abmahnanwälte.
Auch schön:
Die Politik muss die Grundlagen erhalten, dass Künstler von ihrer Arbeit leben können
Autorenförderung? Hungert sie aus! / FAZ
„Der kuriose Herr, der die Nonsense-Literatur, das Limerick-Gedicht erfunden hat“ wurde am 12.5. vor 200 Jahren geboren:
„Es war einst ein Alter aus Wick,
der sagte: „Ticktick ticketick“,
tschickabuh tschickabix –
und sonst sagte er nix, der lakonische Alte aus Wick.“
Eine der scharfsinnigsten Analysen dieser Limerick-Gedichte hat Klaus Reichert gegeben. Das psychisch Derangierte, das in den Gedichten zum Ausdruck komme, werde lakonisch auf sich selbst zurückverwiesen.
„Daher kommt es, dass die Gestalten Lears die verzweifelte Stumpfheit von Irren haben; nicht mehr ansprechbar sind; in ihren Tick sich hüllen wie in einen Königsmantel; aber es ist der Mantel eines vertriebenen Königs, und er haust dort, wo es gleich ist, ob einer lacht oder weint.“ / Christian Linder, DLR
Vom Irren kommen wir auf den Iren: Lesen Sie in der NZZ, daß der Autor
für sein humoristisches Talent einen irischen Ururururururgrossvater verantwortlich machte
There are two Lears in English Literature: King and Edward. One veered off into madness. The other — Edward, born 200 years ago Saturday — veered off into “nonsense, pure and absolute,” as he put it. / Verlyn Klinkenborg, New York Times
Vogelstudien Edward Lears
„Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut, / In allen Lüften hallt es wie Geschrei, / Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei / Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.“
Zeitgenossen feierten die düsteren Reime emphatisch als „Marseillaise des Expressionismus“. Kurt Pinthus leitete damit 1920 seine berühmte Anthologie „Menschheitsdämmerung“ ein. Johannes R. Becher, selbst Lyriker und früher DDR-Kulturfunktionär, erinnerte sich 1957 rückblickend an die Wirkung des Poems: „Diese zwei Strophen, o diese acht Zeilen schienen uns in andere Menschen verwandelt zu haben, uns emporgehoben zu haben aus einer Welt stumpfer Bürgerlichkeit. Wir fühlten uns wie neue Menschen, wie Menschen am ersten geschichtlichen Schöpfungstag, eine Welt sollte mit uns beginnen, und eine Unruhe, schworen wir uns, zu stiften, dass den Bürgern Hören und Sehen vergehen sollte.“ …
1926 befand er sich in so desaströsem Zustand, dass seine Mutter ihn entmündigen ließ. Ein Jahr später lieferte man ihn nach einem eskalierten Streit mit Nachbarn in die geschlossene Abteilung der Tübinger Universitätsklinik ein.
Dort kam er unter die Obhut des berüchtigten rassistischen Chefarztes Robert Gaupp, der über die vermeintliche „Frühverblödung“ des Dichters Hölderlin vor 1843 äußerte, der Tod hätte ihn „von einem wertlos gewordenen Leben befreit“. Dieser Zynismus gewann Gestalt in den Massenmorden an „Minderwertigen“, die Hitler legitimierte. Auch van Hoddis fiel diesem Wahn zum Opfer. Im April 1942 deportierten ihn die Nationalsozialisten in das polnische Vernichtungslager Sobibor, wo er vermutlich im Mai oder Juni vergast wurde. / Ulf Heise, Märkische Allgemeine
Die französische Lyrik nach 1945 verdankt Georges Perros ihre Alltagstauglichkeit. Nun liegt sein großer Gedichtroman endlich auf Deutsch vor. …
Der „octosyllabe“ ist ein kurzes Versmaß, das nicht den lockeren Atem des in der Renaissance beliebten Zehnsilbers oder die dramatische Fülle des klassischen Alexandriners bietet. Perros ist ein existentieller Purist, er beschränkt sich, ringt um Luft, um Worte, so, wie er seinen Lebenskreis auf die Elementarlandschaft des bretonischen Douarnenez reduziert – in dieser Begrenzung findet er Freiheit, und Weber hat das begriffen. / Niklas Bender, FAZ
Georges Perros: „Luftschnappen war sein Beruf“. Gedichtroman. Aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Anne Weber. Matthes & Seitz, Berlin 2012. 162 S., geb., 22,90 €.
„Ein Gedicht ist für mich, wenn alles stimmt, wenn man das liest und sagt ja, wenn es also die Wahrheit der Sprache enthält.“ „Die Wahrheit“ ist für die Schriftstellerin Friederike Mayröcker keine Frage von richtig oder falsch. Die „Wahrheit der Sprache“, die sie meint, steht über diesen Kategorien, und: Man findet sie, so Mayröcker, am eindringlichsten und am gültigsten bei Friedrich Hölderlin.
Die Gedichte des deutschen Lyrikers befinden sich inmitten einer unüberschaubaren Zettellandschaft in Friederike Mayröckers Wohnung in Wien Margareten. Stets griffbereit liegt dort ein vielbenutztes Bändchen mit den gesammelten lyrischen Werken Hölderlins – oder jedenfalls fast griffbereit.
„Hälfte des Lebens“ heißt Hölderlins Anfang des 19. Jahrhunderts verfasstes berühmtes Gedicht. Friederike Mayröcker hat es unter ihre „25 Lieblingsgedichte“ gereiht und im gleichnamigen Lyrik-Band veröffentlicht, der vom Styria Verlag als Auftakt für eine umfangreiche Reihe in Kooperation mit Ö1 vorgestellt wurde. / Ö1
Nigeria hat über 150 Millionen Einwohner, einen Literaturnobelpreisträger, geschätzte fünf Buchhandlungen und ungefähr ebenso viele potenzielle Literaturnobelpreisträger. Zu denen gehört Chimamanda Ngozi Adichie, von der nun zwölf Erzählungen unter dem Titel Heimsuchungen erschienen sind. / Walter van Rossum, Die Zeit
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