Ausgezeichnet worden ist der 33-Jährige [in Meran] für seinen Zyklus „das schwarzbuch die farbfotos“ mit dem Alfred-Gruber-Preis, der mit 3 500 Euro dotiert ist. Darin setzt Wenzel mit ideenreichen Wortschöpfungen seiner Heimat – dem Ruhrgebiet allgemein und auch der Stadt Hamm speziell – ein derart originelles Denkmal, dass dies sogar dem Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine positive Würdigung wert war.
Zurzeit bereitet Wenzel als Herausgeber eine Anthologie mit rund zwei Dutzend westfälischen Lyrikern vor, in der neben Texten von ihm selbst auch Texte der Hammer Autoren Jan Szkudlarek [sic] und Andreas Bülhoff enthalten sein werden. Die Anthologie wird voraussichtlich im Sommer im „Sic-Literaturverlag“ erscheinen. / Westfälischer Anzeiger 10.5.
In der Süddeutschen Zeitung vom 9.5. schreibt Carlos Spoerhase über ökonomische Metaphern in der amerikanischen Literaturwissenschaft. Dabei geht er auf die Lyriker und Literaturwissenschaftler Adam Kirsch und Charles Bernstein ein:
Kirsch deutet den Niedergang der kleinen Buchhandlungen, die Verkleinerung der Kulturteile in den großen Zeitungen, die Verlagerung des Literaturbetriebs ins Internet und die kulturelle Randständigkeit der Literatur in den USA als Indizien für ein multiples kulturelles Organversagen, das den baldigen Zahlungsausfall des Systems ‚Literatur‘ nach sich ziehen werde. Kirsch geht es aber nicht allein darum, ob sich anspruchsvollere Literatur noch gut verkauft und Resonanz in den maßgeblichen Medien findet. Die Melancholie seines Prologs wird vielmehr von dem Eindruck gespeist, dass ein großes literarisches Traditionsunternehmen, das in den letzten 3000 Jahre aufgebaut wurde, nun dem Ende entgegengeht: Der kulturelle Kanon verliert seine Wirkmacht. (…)
Der Lyriker und Literatheoretiker Charles Bernstein, der an der University of Pennsylvania lehrt, hat das eben in ‚Poetry Bailout Will Restore Confidence of Readers‘ versucht (Charles Bernstein: Attack of the Difficult Poems. University of Chicago Press). Laut Bernstein sei auf dem Buchmarkt viel zu lange mit bloßen Poesie-Derivaten und giftigen Literatur-Anleihen gehandelt worden. Nun gelte es, die von verantwortungslosen Autoren und gierigen Verlegern produzierte Poesie wieder stärker zu beaufsichtigen. Vor allem aber müsse eine große Menge von wertlosen Gedichten, von ungedeckten ’subprime poems‘ vom Markt genommen werden, um dem massiven Vertrauensverlust der Lyrikleser entgegen zu wirken.
In dieser ebenso konsequenten wie satirischen Übertragung der ökonomischen Metapher auf den Bereich der Literatur ist der Leser der Betrogene, der nach fremden Regulierungsinstanzen ruft. Nicht so bei Kirsch. Hinter Kirschs kulturkritischer Klage über den aktuellen Wertverfall der Literatur steht eine andere Figur: Es ist der Poet in der Rolle des betrogenen Investors, der sich um die pflichtschuldige Überweisung seiner Kettenbrief-Dividende gebracht sieht.
Der 87jährige Dichter Ernesto Cardenal erhält den diesjährigen Premio Reina Sofía (Königin-Sofía-Preis) für Iberoamerikanische Literatur. Der Preis wird seit 21 Jahren vergeben – jetzt zum ersten Mal an einen Nikaraguaner. Er ist mit 42.000 € dotiert und soll das poetische Werk eines lebenden Autors auszeichnen, das durch seinen literarischen Wert eine bedeutende Bereicherung des kulturellen Erbes Lateinamerikas und Spaniens darstellt.
Der Botschafter Spaniens in Nikaragua, León de la Torre Krais, würdigte den berühmten Dichter bei einem intimen Empfang mit Freunden und Mitgliedern des Internationalen Poesiefestivals Granada (Nikaragua). Cardenal sagte: „Dieser Preis bedeutet mir viel. Ich wurde fast nie ausgezeichnet, der einzige internationale Poesiepreis, den ich erhielt, war der chilenische Pablo-Neruda-Preis, den mir die damalige Präsidentin Michelle Bachelet überreichte“. / El nuevo diario
Thomas Kunst
ZUSAMMEN KOCHEN, TANGO-KURS, MUSEUM,
Zur Ausstellungseröffnung und zur Disse.
Du willst zuviel, ich mache Kompromisse.
Vergiß nicht morgen unser Jubiläum.
Dein Telefon liegt auf dem Tisch, behalts
Getrost so bei, die Strahlen in der Nacht –
Ich habe meinen Finger naß gemacht
Und lösch das Display neben deinem Hals.
Wir schlafen wenig, das war erst die zweite,
Die erste Nachricht klang schon sehr vertraut.
Du antwortest nicht gleich, das kann noch warten.
Die Walther weicht mir nicht mehr von der Seite.
Ich mache Übungen und bin nicht laut.
Die Sehnsucht zählt zu deinen Eigenarten.
Am Vorabend des Himmelfahrtstags 2012 laden wir zum einmaligen Ausflug in die Surrealität:
Aristokratie & Wahnsinn – Spoken word Kammermusik
Elsa Fitzgerald & Ribi Rimini (Bern/Schweiz)
Mittwoch, 16. Mai, 20 Uhr
PANDA Theater (Kulturbrauerei, 2. Hof, neben der Literaturwerkstatt)
Eintritt 5,- € (nur Abendkasse)
Eine köstliche Entdeckung…
Herzlich willkommen!
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Berliner Literarische Aktion e.V.
Kastanienallee 2
D – 10435 Berlin
Tel.: ++49 (0) 30 / 53 15 59 63
email: info@berliner-literarische-aktion.de
www.berliner-literarische-aktion.de
Am Freitagabend hatte das zusammen mit der Schlösserstiftung präsentierte Stück „O, meine Phantasie ist heftig“ um die aus ärmlichen Verhältnissen stammende, in höfische Künstlerkreise aufgestiegene Dichterin Anna Louisa Karsch im Schlosstheater Premiere und wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. …
Im Zentrum des musikalischen Programms steht eine großartige Auswahl an Vertonungen von Gedichten der „deutschen Sappho“ und ihres Freundes Gleim durch Komponisten wie Carl Philipp Emanuel Bach und die Königsschwester Anna Amalie von Preußen. / Märkische Allgemeine
„Im riesigen Wortwalzwerk der Gegenwartsdichtung muss es eine Gießerei geben, in der der ganze Wortbruch und -schrott geschmolzen und Chemisch analysiert wird, um, durch die verschiedenen Abteilungen gegangen, als glänzender Stahl zu funkeln, scharf und elastisch.
Schmelzhütte des Worts zu sein, ist die Funktion Krutschonychs und der Gruppe seiner Sa’umer.“ hieß es da, und entfachte von neuem meine Suche nach den Gespenstern. Eine Einzelpublikation mit Texten Krutschonychs fand ich noch nicht, aber eine zweibändige Ausgabe mit den Werken Chlebnikows, die Peter Urban bei Rowohlt besorgt hatte. Das war schon mal ein Anfang. Und es sollte lange ein Anfang bleiben. Zwanzig Jahre lang, man wagt es gar nicht auszusprechen.
Im letzten Jahr dann erschien im jungen aber jetzt schon verdienstvollen Verlag Reinecke & Voß Krutschonychs „Phonetik des Theaters“. Valeri Scherstjanoi, der unverwüstliche Lautpoet hat sie besorgt und ausgestattet. Das kam für mich einer Befreiung gleich. Endlich hatte das Gespenst einen Körper bekommen. Dieses Buch gibt nun, zwar keinen erschöpfenden, aber einen instruktiven Einblick in das Wortwalzwerk des Sa’um. Und das Buch hat etwas erfrischend Zeitgemäßes, weil es nicht nur an der Dichtung, sondern auch an der Inszenierung der Dichtung arbeitet. Weil es eine Einheit aus Klang, Geste, Gebärde, Bewegung vorstellt, die dieses Kunstwerk ist, das wir eher vorläufig Gedicht nennen, denn:
„Die Aufgabe der sa-umnischen Sprache ist: Eine für die gegebene Sprache ungewöhnliche Lautreihe zu erspüren, das Ohr und den Hals, die den Laut aufnehmenden und reproduzierenden Organe des Hörens und des Sprechens zu erfrischen.“ (Krutschonych in: Woher und wie kamen die Sa-umniki? Phonetik des Theaters. S.64) / Jan Kuhlbrodt, Poetenladen
Alexej Krutschonych
Phonetik des Theaters
Herausgegeben von Valeri Scherstjanoi
Reinecke & Voß 2011
10 Euro, Taschenbuch
Seltsamer Kauz, dieser steppende Conférencier im Glitzerfrack. Lobt die schönen Menschen, die schöne Stadt, das schöne Theater. Und klagt im nächsten Moment radebrechend: „Weiß ich wirklich nicht, wo ist meine Heimat.“ Unvermittelt lässt er Heiner Müllers Lyrik in seine Rede gewittern, „im Regen aus Vogelkot im Kalkfell“, und im nächsten Moment droht er einem Zuschauer „Ich hau dir Fresse ein“. Aber hey, nur Spaß! Ein unberechenbarer Zeitgenosse, dieser Badearzt Tomas Stockmann. Noch dazu ist er schwarz. / Patrick Wildermann über eine Ibseninszenierung, Potsdamer Neueste Nachrichten
Auch nicht schlecht, also wer näher an Paris ist:
Monday 14th May 7:00 pm
Shakespeare & Company, 37 rue de la Bûcherie, 75005 Paris
Tonight we welcome a marathon reading of poets from Brooklyn-based indie Ugly Duckling Presse, ‚a publishing collective specializing in experimental poetry and new editions of forgotten textual artists, produces lovely, cheeky books by authors you’ve probably never heard of but your grandchildren will likely read in college.‘ – New York Times. Afterwards stay for music with punk, electronic Paris-based Ava’s Verden http://www.myspace.com/avasverden.
Authors include Steve Dalachinsky, the author of In Glorious Black & White; Christian Hawkey, the author of three books of poetry and associate professor at Pratt Institute; Filip Marinovich; Matvei Yankelvich, author of Today I Wrote Nothing;
Yuko Otomo bilingual poet and author of Garden: Selected Haiku, Small Poems, The Hand of the Poet, Cornell Box Poems, Genesis, and Fragile; Sarah Riggs, a translator and author of 60 Textos along with 28 télégrammes and 43 Post-Its, also a member of the bilingual poetry association Double Change; Jacqueline Waters, the author of the poetry collection A Minute Without Danger, and two chapbooks, The Saw That Talked and The Garden of Eden a College; Uljana Wolf the author of two books of poetry, kochanie ich habe brot gekauft and falsche freunde, as well as the essay BOX OFFICE. Hosted by Vladislav Davidzon.
KREUZWORT am 14.05. mit GUMZ, HÄFNER, KUHLIGK & ROLOFF
Öffentliche Veranstaltung · Von Kreuzwort Berlin
Montag
20:00
Wir legen noch einen drauf:
ALEXANDER GUMZ
EBERHARD HÄFNER
BJÖRN KUHLIGK
&
MARCUS ROLOFF
lesen Lyrik.
Mehr Informationen hier
Am 14.5.
Im Damensalon
Reuterstraße 39
U7/8 Hermannplatz // U8 Schönleinstraße
M29/194 Pflügerstraße
Einlass: ab 20 Uhr
Damage: 3 €
Aus dem vier Meter großen Verschlag, in dem Günter Ullmann sein Leben lang schrieb, ging der Blick in einen Hinterhof, den der Dichter folgendermaßen charakterisierte:
der winter
bleibt klein
die sonne hat
vier ecken
Es war die Sonne von Greiz, die Sonne der vogtländischen Provinz. Einer Provinz, die, wie es der Autor unseres Buches ausdrückt, die „dichteste Dichte dissidentischer Dichter“ in der DDR hervorbrachte.
Aus dem nur zehn Kilometer entfernten Reichenbach stammen Hans Joachim Schädlich, Jürgen Fuchs und Utz Rachowski, in Greiz selbst lebte lange Zeit Reiner Kunze und eben Günter Ullmann, dem Udo Scheer seine Biographie gewidmet hat. Sie ist nicht nur deshalb von Bedeutung, weil sie einen zu Unrecht wenig bekannten Dichter dem Vergessen entreißt, sondern auch, weil sich in seiner Lebensgeschichte mehrere für seine Generation exemplarische Biographien zu vereinen scheinen, die ein sehr komplexes Bild vom Leben in der großen Provinz namens DDR ermöglichen. / Bernd Wagner, DLR
Udo Scheer: Die Sonne hat vier Ecken. Günter Ullmann – Eine Biographie
Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2012
In Spanien sind bislang unbekannte Schriften des Dichters Federico García Lorca (1898-1936) entdeckt worden. Dazu gehört auch der möglicherweise letzte Liebesbrief, den der Autor vor seinem Tod geschrieben hatte. Wie die Zeitung «El País» am Samstag berichtete, wurden die Schriften im Nachlass des Kunstsammlers und -kritikers Juan Ramírez de Lucas (1917-2010) gefunden, der als junger Student mit dem Poeten eine Liebesbeziehung unterhalten hatte. …
Der irische Hispanist und Lorca-Biograf Ian Gibson plädierte dafür, die jetzt entdeckten Schriften möglichst bald zu veröffentlichen. Der dreiseitige, handgeschriebene Liebesbrief beginnt nach Angaben der Zeitung mit der Anrede: «Mein geliebter Juanito.» Er endet mit den Worten: «Mit Liebe von dieser Pausbacke, die Dich so sehr mag.» / Spaniens Allgemeine Zeitung
Die Identität des Liebhabers, dem Federico García Lorca in den letzten Jahren seines Lebens leidenschaftliche Gedichte schrieb, war bisher geheim. Jetzt wurde bekannt, daß der Kunstkritiker Juan Ramírez de Lucas in einer Schachtel Zeugnisse ihrer jahrelangen leidenschaftlichen Beziehung aufbewahrte, darunter ein bisher unbekanntes Gedicht und ein Tagebuch. Er gab die Schachtel seiner Schwester kurz vor seinem Tod 2010.
Aus den Dokumenten geht hervor, daß Lorca und der 19jährige Ramírez de Lucas gemeinsam nach Mexiko gehen wollten. Aber die Eltern des Studenten verweigerten die Zustimmung und drohten Lorca mit der Polizei.
Deshalb ging er nach Albacete, um mit ihnen zu reden, und Lorca ging nach Granada, wo einige Tage später Francos Truppen einmarschierten. Im August 1936 wurde er erschossen.
Unter den Dokumenten ist ein Brief Lorcas, in dem er den Freund zu Geduld mahnt und ihn auffordert, nicht mit seiner Familie zu brechen, sondern „politisch“ zu sein. Der Brief ist in der spanischen Zeitung El País abgedruckt.
Das handschriftliche Gedicht beschreibt die hoffnungslose Anziehung zum „blonden jungen Mann aus Albacete“. / Giles Tremlett in Madrid , Guardian 10.5.
Das Gedicht war nur zum privaten Gebrauch kostenlos zur Verfügung gestellt worden, wurde aber ohne Erlaubnis monatelang auf einer kommerziellen Webseite verwendet. Deshalb stehe der Dichterin Schadensersatz zu und zwar in der Höhe, die sie normalerweise für ihr Gedicht berechnet hätte. Es bestehe deshalb ein Anspruch in Höhe von 600,- €.
Amtsgericht Düsseldorf, Aktz. 57 C 14084/10 vom 30.03.2011
Quelle: Telespiegel.de
Alles wird gut:
Jeder Musiktitel, jedes Gedicht, jeder Film ist ein Werk, dem Respekt entgegenzubringen ist. (Kauder hilft den Künstlern)
Der Staat wird sich also um jedes Gedicht kümmern. Wenn das nicht schöne neue Zeiten sind. Mehr Respekt, meine Herren! Ihre Abmahnanwälte.
Auch schön:
Die Politik muss die Grundlagen erhalten, dass Künstler von ihrer Arbeit leben können
Autorenförderung? Hungert sie aus! / FAZ
„Der kuriose Herr, der die Nonsense-Literatur, das Limerick-Gedicht erfunden hat“ wurde am 12.5. vor 200 Jahren geboren:
„Es war einst ein Alter aus Wick,
der sagte: „Ticktick ticketick“,
tschickabuh tschickabix –
und sonst sagte er nix, der lakonische Alte aus Wick.“
Eine der scharfsinnigsten Analysen dieser Limerick-Gedichte hat Klaus Reichert gegeben. Das psychisch Derangierte, das in den Gedichten zum Ausdruck komme, werde lakonisch auf sich selbst zurückverwiesen.
„Daher kommt es, dass die Gestalten Lears die verzweifelte Stumpfheit von Irren haben; nicht mehr ansprechbar sind; in ihren Tick sich hüllen wie in einen Königsmantel; aber es ist der Mantel eines vertriebenen Königs, und er haust dort, wo es gleich ist, ob einer lacht oder weint.“ / Christian Linder, DLR
Vom Irren kommen wir auf den Iren: Lesen Sie in der NZZ, daß der Autor
für sein humoristisches Talent einen irischen Ururururururgrossvater verantwortlich machte
There are two Lears in English Literature: King and Edward. One veered off into madness. The other — Edward, born 200 years ago Saturday — veered off into “nonsense, pure and absolute,” as he put it. / Verlyn Klinkenborg, New York Times
Vogelstudien Edward Lears
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