Wenn man in hier in Wellington den Buchladen „Unity Books“ betritt, wird man von einem recht eindrucksvollen Angebot neuseeländischer Lyrik begrüßt. Wer liest Gedichte in Neuseeland?
Schaut man sich die Buchverkäufe an, könnte man denken: so um die 300 Menschen. Lyrik hat in Neuseeland, wie in vielen westlichen Ländern, überhaupt keinen Warenwert. Man könnte sie nicht auf der Straße verkaufen. Ganz anders als Bananen, wahrscheinlich. Aber wenn man zu diesen großen Übergangsritualen kommt, Hochzeiten, Beerdigungen, wenn sich sehr primitive, tiefe menschliche Gefühle ihren Weg bahnen, dann kommen die Gedichte zum Vorschein.
(…)
Stiftet das auch Freiheit zu wissen, dass man kaum beachtet wird?
Ja, ich glaube, der Fakt, dass Poeten weitgehend ignoriert werden, gibt ihnen die Freiheit, die Grenzen auszuloten und sich Themen zu widmen, die bisher vernachlässigt wurden. In den USA der frühen 1960er sprach niemand öffentlich über Depression, psychische Erkrankungen, Abtreibung oder Selbstmord. Und dann schrieben Robert Lowell und Sylvia Plath Gedichte über diese Tabuthemen und machten sie für alle sichtbar. Plath hätte damals sicher keinen Artikel über Suizid in der New York Times veröffentlichen können.
/ Die Frankfurter Rundschau sprach mit dem neuseeländischen Dichter Bill Manhire
Poesie sei die Suche nach Glanz, heisst es an einer Stelle, an einer anderen: «Poesie ist die Freude, unter der sich Verzweiflung verbirgt. Unter der Verzweiflung ist wieder Freude.» Und geradezu lapidar: «Ein Gedicht sollte besser enden als das Leben. Dazu ist es da.»
Zagajewskis Gedichte kennen den Zweifel und die Ambivalenz, das Irren und die Unverzagtheit, sie wissen um die Melancholie des Vergehens, aber mehr noch um Epiphanien von beglückender Schönheit. «. . . Ich suchte dich lange im Labyrinth des Abends; / ich mit dem Buch in der Hand, du im Sommerkleid / (das Buch – ungelesen, dafür öffnete sich das Kleid / wie der Umschlag eines neuplatonischen Traktats). (. . .) Es war Vollmond, leise liefen die Sterne.» / Ilma Rakusa, NZZ
Adam Zagajewski: Unsichtbare Hand
Aus dem Polnischen von Renate Schmidgall
Edition Lyrik Kabinett bei Hanser, München 2012
128 Seiten, 14,90 Euro
Mehr: DLR
Die katalanische Tageszeitung ARA gibt zusammen mit dem Verlag Edicions 62 in diesem Herbst eine 42-bändige Buchreihe »Els millors poetes catalans del segle XX« [›Die besten katalanisch(sprachig)en Dichter des 20. Jahrhunderts‹] heraus. Begleitend dazu wurde für die Ausgabe vom 11. 9. eine 44-seitige Lyrik-Sonderbeilage mit Beiträgen renommierter Journalisten, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler gedruckt.
Jede Woche erscheint ein Band zum Preis von 9,90 Euro (wer die ganze Reihe bestellt, erhält 20% Rabatt, Abonnenten der Zeitung sogar 30%). Zum Auftakt wurde die sehr bekannte Antologia general von Josep Maria Castellet und Joaquim Molas neu aufgelegt. Es folgen 41 Bücher von 33 Autor/inn/en (bei besonders bedeutenden sind es auch mal zwei Bände).
Eine bemerkenswerte Marketing-Idee: Beim Erwerb der gesamten Reihe kann die/der Käufer/in ohne jegliche Zusatzkosten einer Schule ihrer/seiner Wahl eine komplette Sammlung schenken.
Ob dadurch wirklich mehr Lyrik gelesen werden wird? Ein wenig auf jeden Fall, glaube ich, denn wer sich – und sei es aus Prestige- oder Allgemeinbildungsgründen – ein paar Bände sagen wir mal Maragall, Riba, Espriu, Ferrater oder Maria-Mercè Marçal ins Regal stellt (und erst recht, wenn es die ganze Reihe ist), die/der wird dann doch vielleicht eher mal hineinschauen, vielleicht einfach ein Gedicht, das ihr/ihm noch in Gedächtnis ist, nachschlagen oder suchen usw.
Schön finde ich aber darüber hinaus den kultur- und literatursoziologischen Aspekt. Lyrik wird hier offensichtlich weder als marginale Erscheinung gehandelt (obwohl de facto auf zeitgenössischen Poesie-Lesungen in Barcelona oder Lleida im Schnitt kaum mehr Zuhörer anzutreffen sind als in Berlin oder Regensburg) noch als Goldschnitt-Paraphernalium des Bildungsbürgertums oder als Schulpflichtlektüre.
[Natürlich kann man auch Einwände formulieren. Zum Beispiel, dass hier wohl letztlich ein politischer Wille dahintersteckt. Das stimmt, aber dazu kann ich sagen, dass im Koordinatensystem der katalanischen Identität die Lyrik von jeher eine große Rolle gespielt hat (wie natürlich die Sprache überhaupt). Außerdem finde ich es immer noch besser, sich über Gedichte zu definieren als über gewonnene Schlachten. Oder dass die Sammlung nur Autoren umfasst, die bereits gestorben sind. Da denke ich, dass die Herausgeber bewusst die Rangelei vermeiden wollten, die dort (nicht anders als hierzulande) losgegangen wäre.]
Alles in allem eine tröstliche Angelegenheit im Vergleich zu dem, was in #113 vom September vermeldet wird. Und vielleicht kontert die SZ-Bibliothek nun mit den besten oder bekanntesten deutschsprachigen Dichter/inne/n des 20. Jahrhunderts?
Marina Zwetajewa, die große Moskauer Dichterin des „silbernen Zeitalters der russischen Literatur“, hat immer aus dem Vollen gelebt und geliebt. Heute wäre sie 120 Jahre alt geworden. Hier ein Porträt.
… in Lorsch:
dieses Mal fanden sich neben den bewährten Dichtern auch viele Liedtexter, Erich Kästner, Marie Ebner-Eschenbach, Rainer Maria Rilke, Kurt Tucholsky, Elisabeth Lukas und sogar Reinhard Mey. mehr
Na, wo wohl? In Wiesbaden. Nämlich:
Dabei war und ist Wiesbaden auch die Heimat unabhängiger, experimentierfreudiger Verlage mit Mut zum Besonderen, deren Wirken weit über die Grenzen der Stadt hinaus wahrgenommen wird. Hatte früher einmal der Limes Verlag, in dem Werke von Gottfried Benn, William S. Burroughs oder Raymond Queneau erschienen, seine Räume in der Taunusstraße, so logieren heute Annette Kühn und Christian Lux mit ihrem Verlag luxbooks – na wo wohl? – am Luxemburgplatz. Und haben sich als unabhängiger Kleinverlag mit besonderem Schwerpunkt auf US-Lyrik in zweisprachigen Ausgaben sowie junger deutscher Literatur einen sehr guten Namen in den Feuilletons von Zürich bis Berlin gemacht. (…)
Im aktuellen Herbstprogramm der Lyrikspezialisten sollte man vor allem ein Auge auf den Band „raumanzug“ der Dichterin Simone Kornappel, die erst kürzlich mit dem „Orphil“-Debütpreis der Stadt Wiesbaden ausgezeichnet wurde, sowie die Anthologie „40% Paradies“ der äußerst umtriebigen Berliner Lyrikgruppe G13, haben. Und wer tatsächlich immer noch meint, mit Lyrik nichts anfangen zu können, dem liefert Christian Lux ein schlagendes Gegenargument: „Gerade die kurze Form, die sich in Häppchen genießen lässt, passt doch viel besser zu unserer hektischen Zeit als Prosa. Gedichte sind die optimale S-Bahn- oder Klolektüre.“ / Sensor Wiesbaden
Die zwei Bildstrecken laufen aufeinander zu: Leser und Gelesenes sind ein und dasselbe, die Briefe sind Teil der Vergangenheit dessen, der sie liest. In ihnen ist konserviert, was einmal muntere Gegenwart war. Im Gedicht schwingen die Bedenken mit, es könnte davon nicht mehr viel zu finden sein, «spätes lesen» könnte ein zu spätes Lesen werden. Die zweite Strophe ist als Frage gefasst, der das Fragezeichen fehlt und die eher einem Wunsch gleichkommt: Möge noch etwas Licht in mir brennen! / Rudolph Bussmann über Andre Rudolph: spätes lesen. Tageswoche: Wochengedicht
TOM SCHULZ feiert mit und bei uns das Erscheinen seines neuen Gedichtbands „Innere Musik“.
mit dabei sind außerdem:
Mehr Informationen und Texte der Autoren unter:
8. 10.
Im Damensalon
Reuterstraße 39
Berlin
1959 erschien sein erster Gedichtband, „Blätter im Wind“, viele weitere sollten folgen. Zudem übersetzte er aus dem Französischen: Rimbaud, Michaux und Yvan Goll. Dürrson, der 2008 auf Schloß Neufra bei Riedlingen starb, blieb zeitlebens der große Ruhm versagt. Sein aus dem Nachlass von Volker Demuth publizierter Band „Denkmal fürs Wasser“ (Verlag Klöpfer & Meyer, Tübingen 2012) bietet nun eine gute Gelegenheit, den Dichter Dürrson neu- und wiederzuentdecken.
Dürrson hat mit diesem Buch dem alles umspannenden Raum des Wassers ein Denkmal gesetzt, das sich, darf man so sagen, „gewaschen hat“. Dabei wäre ihm das Material zu diesem weitausgreifenden Projekt beinahe außer Kontrolle geraten: einmal wurde das Manuskript von einem Windstoß über die Reling eines Schiffes gefegt, ein anderes Mal samt dem Fahrzeug, in dem es sich befand, gestohlen. Dürrson versuchte, das Möglichste aus seinem Gedächtnis zurückzugewinnen, aber freilich, die ursprüngliche Fassung blieb, wie er in einer Nachbemerkung zum Buch schreibt, „uneinholbar“.
Wir können nicht darüber richten, wie viel von der „Gurgelsprache der Quellen“ Dürrson tatsächlich noch zu retten gelang. Bei diesem Dichter jedenfalls begegnet uns das Wasser in vielerlei Gestalt, wird es nahezu zu einem eigenen Charakter: mal unbezwinglich, mal vom Menschen domestiziert. Und Dürrson warnt: „wer ihm Rhythmen / austreiben will und // also den Fluss begradigt / verkrümmt stattdessen / die Erde.“ Dürrsons großer Zyklus „Denkmal fürs Wasser“ ist zugleich Lehrgedicht und Formenlehre des Meeres, seiner „Ur-Hohlformen“, „Wellungen Faltungen Ein- und Aus- / stülpungen“.
(…)
Mehr Ruhm zu Lebzeiten abbekommen hat eine Dichterin, von der es jetzt ebenfalls Gedichte aus dem Nachlass gibt: Wislawa Szymborska. Die 1996 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnete Polin hat das Buch „Glückliche Liebe und andere Gedichte“ (Suhrkamp Verlag, 2012) noch zusammen mit dem Verlag geplant; nun ist es allerdings zu ihrem Vermächtnis geworden, denn Szymborska starb im Februar diesen Jahres. Sie sei, schreibt ihr Kollege Adam Zagajewski, stets um das „Originelle, Spannende“ bemüht gewesen: „Sie liebte Konversation, gab sich ausgefallenen Lektüren hin und war an den unterschiedlichsten Wissenschaften interessiert.“
Die sie freilich auch hinterfragte, wie etwa ihr Gedicht „Träume“ verrät: „Wider das Wissen und die Lehren der Geologen, / ihrer Magneten, Kurven und Karten spottend – / der Traum türmt im Bruchteil einer Sekunde / Berge vor uns auf, so steinern, / als stünden sie in der Wirklichkeit.“ Über Teenager, alte Professoren, Verkehrsunfälle, Blinde und über Scheidung schreibt Szymborska in ihrem letzten Buch, und sie tut es so heiter und sarkastisch, wie man es seit je von ihr gewohnt ist.
Für den deutschsprachigen Leser zu entdecken ist endlich auch der Lyriker Olav H. Hauge. Hauge kannte jeden Grashalm seiner norwegischen Heimat, er bedichtete das Borstgras ebenso wie den Goldhahn, einen Fichtenwald oder einen einfachen Hauklotz. Nichts Geringes unter der Sonne, alles konnte dem 1908 in Ulvik Geborenen, der so sehr in der bäuerlichen Kultur seiner Heimat verwurzelt war, im Dichten bedeutsam sein. Aber Hauge übersetzte auch: Hölderlin, Trakl, Brecht und Celan ins Norwegische. Und er wusste: „Ein gutes Gedicht / soll riechen – nach Tee / oder nach roher Erde und frischgespaltenem Holz.“ Es mutet ein wenig seltsam an, dass viele norwegische Kritiker das 4000 Seiten umfassende Tagebuch des Dichters als sein Hauptwerk betrachten. Denn immerhin ist auch Hauges Poesie in über 100 Sprachen übersetzt und wird gelesen. Die 340 Seiten starke, von Klaus Anders in der Edition Rugerup (Gesammelte Gedichte, 2012) herausgegebene, übersetzte und kommentierte Auswahl schliesst da nur eine Lücke, von der man bislang nur nicht wusste, dass es sie gab. Weit ist Hauges poetischer Kosmos: „Frage den Wind, / voran den sachten. / Er schweift weit / und kommt oft zurück / mit guter Antwort.“
/ Volker Sielaff, Dresdner Neueste Nachrichten 8.10.
Nicht nur Hartung und von Petersdorff schreiben Sonette! Hier ein Buch, das zeigt, daß das Sonett auch jenseits des Hartungkanons geht (oder überhaupt nur da? Schließlich ist es eine Spielform). Vielleicht ist es eine gute Übung für Kritiker oder Leute, die Geschmack und Urteil schärfen wollen, diese beiden Bücher vergleichend zu studieren? Oder einfach nur Spaß haben (Leute wie Lothar Klünner und HEL stehen dafür). Überhaupt hat es keiner der beteiligten Autoren (ich nenne noch Klaus M. Rarisch und Gisela Kraft) in den Feuilleton- und Akademiekanon geschafft, zu recht? „In hundert Jahren wird man weitersehn“ – Thomas Kunst, auch in einem Sonett, nicht aus dem Band, sondern aus seinen streitbaren Gedichtgedichten. Man kann die Lebenden auch bei Lebzeiten lesen. Lothar Klünner ist 80, nur Gisela Kraft ist früh verstorben. Hier eine Rezension von Ralf Julke aus der Leipziger Internet-Zeitung:
Er trifft sie auch in diesem Büchlein, das sich einer kleinen Anzettelei aus dem Jahr 1995 widmet. So etwas zettelt freilich nur an, wer so eine seltene Spezies wie das Sonett mag. Etwa einer wie Herbert Laschet Toussaint (HEL, heute 55), der 1995 eine Vortragsreihe zum Sonett startete. Und Kollege Lothar Klünner (80) schrieb ein Sonett darüber, das sowas gar nicht mehr ginge. Und Klaus M. Rarisch (76) antwortete mit einem Sonett, das wieder ein Sonett herausforderte – und am Ende beschlossen Klünner und Rarisch einander ein Frühjahr lang mit Sonetten, in denen es auch heftig zur Sache ging, weil echte Sonettisten natürlich sofort sehen, wenn andere zwar so tun, als könnten sie Sonette schreiben – aber die strengen Regeln nicht einhalten.
Zwischenbemerkung: Nach den strengen Regeln der Sonett-Kunst sind einige der schönsten Sonette der Weltliteratur auch keine Sonette.
Was gar nichts macht, auch wenn die beiden in diesem Sonett-Dialog, den sie Tenzone nennen, einander fast die Köpfe abzureißen scheinen. Wobei augenscheinlich auch die „Tenzone“ nicht ganz hinhaut, denn anfangs geben sie sich gar nicht die Mühe, die Endverse ihres Kontrahenten aufzugreifen, um damit ihr eigenes Sonett zu beginnen.
Lothar Klünner und Klaus M. Rarisch & al., Hieb- und stichfest. Streitsonette, Reinecke & Voß, Leipzig 2012
Hier eine Rezension von Dirk Uwe Hansen
Walter Fabian Schmid zu Harald Hartungs Poesierede
„Ewiger Ruhm dem Erfinder des Sonetts“ schrieb Valéry emphatisch – und Harald Hartung will mit seiner Rede vom 06. Oktober 2010 genau diesem Ideal des durchkonstruierten Gedichts auf die Spur. Oder eben nicht. Denn anstatt die streng kalkulierte, geschlossene Form zu untersuchen, sucht er das Offene, das Elastische, vielleicht auch das Chaos. Dazu interpretiert er ein Sonett des US-Amerikaners Robert Lowell und Sonette von deutschen Autoren wie Christian Lehnert, Jan Wagner und Dirk von Petersdorff sowie eigene Texte.
Harald Hartung
Der vierzehngliedrige Salamander
Münchner Reden zur Poesie 10
Herausgegeben von Ursula Haeusgen und Frieder von Ammon
Lyrik Kabinett, 2010
28 Seiten, 12,00 Euro
Zu beziehen ist die Rede über das Lyrik Kabinett ![]()
Beim Poetenladen komplett anhörbar
Das erste Lesen war mir ein Rausch. Niemals zuvor war ich in einer so kurzen Zeit durch einen solchen Berg von Gedichten geritten. Atemlos, erschüttert, befreit. Ja, dachte ich immer wieder, so muss man das machen.
Region der Unähnlichkeit. Region of Unlikeness. Allein das Wort Unähnlichkeit, das Abweichende in der Identität, die selbst nicht identisch, flirrende Ränder, die ganze Dialektik in einem Wort. So wie Geschichte in einem Text von Graham zusammenschnurrt. Das ganze zwanzigste Jahrhundert. Rhythmisch, politisch, intellektuell. Als wäre Ordnung möglich. Als gäbe es einen Sinn jenseits des Gedichts. Aber:
„Schon zu Anfang, schon bevor sie schlüpften
war alles das gewußt werden konnte
vorbei.
Die Mutter war da, ein gelbes Auge auf mich gerichtet“
(Detail aus der Erschaffung des Menschen)
Als gäbe es Geschichte. Als sollte sie endlich beginnen.
/ Jan Kuhlbrodt, Poetenladen
Jorie Graham wurde 1950 in New York geboren, wuchs in Rom auf und studierte an der Sorbonne in Paris Philosophie und an der New York University Film. Für ihre Gedichte hat sie 1996 den Pulitzer Prize for Poetry erhalten. Sie lehrt als Boylston Professor of Rhetoric and Oratory an der Harvard University.
Mein aktueller Lieblingstext im Buch, und ich sage aktuell, weil dieses Buch mich fortan begleiten und dabei auch der Lieblingstext wechseln wird, ist eine Art fiktives Gespräch, das der Autor mit Erik Satie führt. Cage reagiert darin auf Äußerungen Saties und solchen, die ihm zugeschrieben werden. Da Erik Satie mehr als dreißig Jahre zuvor verstarb, hört keiner von uns, was der andere sagt. Schreibt Cage im Vorsatz zu diesem Text. Man könnte meinen, dass das eine denkbar schlechte Voraussetzung für ein Gespräch ist. Was sich aber daraus entspinnt, ist pures Vergnügen. Allein die von Cage zitierte Abkehr Saties vom romantischen Künstlerbild ist ohne Gleichen amüsant und enthält auch eine frühe Abkehr vom Anthropozentrismus: Wir können nicht bezweifeln, dass Tiere Musik sowohl lieben, als auch ausüben. Das ist offenkundig. Doch scheint ihre Musikalität von der unsrigen verschieden zu sein.
Dieses Buch ist ein Buch für Entdecker und all jene, für die Freiheit nicht nur Steuerfreiheit bedeutet. / Jan Kuhlbrodt, Fixpoetry
John Cage: Empty Mind. Eine Auswahl poetischer Schlüsseltexte.Hg. von Marie Luise Knott und Walter Zimmermann.
ISBN 978-3-518-22472-4 € 19,95 Suhrkamp Verlag Berlin 2012.
«The good poem is something we may in time come to recognize New Zealand by.» Mit der programmatischen Forderung, dass gute Lyrik zu einem bestimmenden Merkmal seines Landes werden solle, beschwor der Dichter Allen Curnow in der Einleitung seiner Anthologie «A Book of New Zealand Verse» im Jahr 1945 die Einheit von Lyrik und Nation. Mittlerweile gilt Curnows Buch als wegweisende Publikation, die die Bildung eines neuseeländischen Dichtungskanons massgeblich beeinflusste.
Zumindest aus eurozentrischer Perspektive hat sich des Poeten Hoffnung auf eine synonymische Verschmelzung der Begriffe «Neuseeland» und «Lyrik» allerdings bisher nicht erfüllt. (…)
In Internet-Portalen wie nzepc (New Zealand Electronic Poetry Centre) und Best New Zealand Poems werden aktuelle Gedichte präsentiert. Journale wie «Poetry New Zealand» und «Landfall» publizieren Gegenwartslyrik, Autorinnen und Autoren werden porträtiert und literaturkritische Diskussionen geführt. Die Institution der New Zealand Poetry Society, der alljährlich stattfindende National Poetry Day sowie die Position des New Zealand Poet Laureate, des Nationaldichters, zeugen vom Stellenwert, den man Dichtung in Aotearoa, dem «Land der langen, weissen Wolke», wie Neuseeland auf Maori heisst, zuschreibt.
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