Neu-Isenburg – Wer hat es zu Schulzeiten nicht gehasst, wenn deutsche Lyrik auf dem Lehrplan stand? Die Sprache ist veraltet, der Inhalt langweilig und wen interessiert schon, was uns der Dichter damit sagen will? Nun, Irren ist ja menschlich.
Wenn Michael Quast mit seinen Rezitationen bekannter und unbekannter Balladen loslegt, können Deutschlehrer einpacken. / Von Sina Gebhardt, op-online
„Amerika bereitet sich mit Gelassenheit und Wohlwollen auf seine Besucher, die sich angemeldet haben, vor.“
/ Walt Whitman, Vorwort zur Erstausgabe der “Grashalme” 1855. In: Walt Whitman: Grashalme. Nachdichtung von Erich Arendt. Leipzig: Reclam 1981, S. 23.
Die sich angemeldet haben, wie wahr. Sorgfältig füllen wir die Fragebögen von ESTA & Co. aus („Leiden Sie an einer ansteckenden Krankheit, an einer körperlichen oder geistigen Störung, oder betreiben Sie Drogenmissbrauch oder sind drogenabhängig?“ NEIN. „Waren Sie jemals oder sind Sie gegenwärtig an Spionage- oder Sabotageakten, an terroristischen Aktivitäten oder an Völkermord beteiligt, oder waren Sie zwischen 1933 und 1945 in irgendeiner Weise an Verfolgungsmaßnahmen in Zusammenhang mit dem Naziregime oder dessen Verbündeten beteiligt?“ NEIN. „Beabsichtigen Sie das World Trade Center zu sprengen?“ NEIN.) Hätte es ESTA früher gegeben, wieviel Schlimmes wäre verhindert worden?
Kein Zweifel, Walt Whitman hat ESTA vorweggenommen. Nicht darin besteht sein Irrtum. Aber hätte er uns gesehen, wie wir hunderte Flugreisende, die 9 Uhr abends auf dem J.-F.-Kennedy-Flughafen ankamen und, sofern Ausländer, von einer Feldwebelstimme nach links dirigiert wurden, in eine ein paar hundert Meter lange Schlange gepfercht, wo wir langsam vorrückten und kurz vor Mitternacht am Schalter anlangten, wo ein Beamter unseren Paß scannt und einen Stempel reindrückt, bevor wir zügig mit Airtrain und Subway direkt in Midtown Manhattan ausgespuckt werden, wo wir nicht anders als WOW denken können…; er hätte den Satz gestrichen. Was danach kommt, ist eine andere Sache, da geben wir ihm meistens recht.
A Thoughting is a new kind of poetry for something that is not quite poetry and not quite philosophy while, at the same time, being both poetry and philosophy for the classroom. They are light-hearted exercises for the brain, or, etudes for the mind, (mostly) in verse.
This is an example of a Thoughting – it’s called The Talking Poem:
Hello, I’m a poem,
A poem that talks to you
But a poem that also
Talks back
A poem that says what it wants to
Then says what it thinks you’ll
Say back.
„What do you mean?“
I hear you say out loud.
Well, something a little
Like that!
„Like what?“ you shout out
(Whether you do or not)
Then you reply by saying:
„___________________“
/ Peter Worley, Guardian 1.10.
Deutschstunde – Matinee im Literaturhaus Berlin
Mittwoch 3. Oktober, 11 Uhr
„Fazit“ – Lesung und Gespräch mit Gerhard Schoenberner
Moderation: Martin Jankowski
Immer wieder / steht der Mensch auf / erhebt sich / wird niedergeschlagen / erhebt sich wieder / Für jeden Toten / tritt ein Lebender / an seine Stelle / Man kann nicht / alle erschießen
***
Der 1931 geborene Berliner Essayist und Publizist Gerhard Schoenberner zählt zu den wichtigsten Vertretern der kritischen Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus. Bekannt wurde Schoenberner 1960 mit dem Buch „Der gelbe Stern. Die Judenverfolgung in Europa 1933-1945“, das bis heute als Standardwerk gilt. Das Thema der Judenverfolgung während des Nationalsozialismus begleitete seine Arbeit fortwährend, etwa durch die zwölfteilige Reihe „Film im Dritten Reich“, die er 1969 für die ARD realisierte. Neben zahlreichen beruflichen und ehrenamtlichen Funktionen war Schoenberner von 1973 bis 1978 Leiter des Deutschen Kulturzentrums in Tel Aviv (des späteren Goethe Instituts). Seit 1976 Mitglied des westdeutschen P.E.N.-Zentrums, war er von 1991 bis 1995 dessen Vizepräsident und Writers in Prison-Beauftragter. Schoenberner war zudem Gründungsdirektor der Gedenkstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“ und Mitinitiator der „Topographie des Terrors“. Neben zahlreichen Auszeichnungen erhielt Schoenberner das Bundesverdienstkreuz erster Klasse.
Als neueste Veröffentlichung von Gerhard Schoenberner erschienen im Jahr 2012 Prosagedichte unter dem Titel „Fazit“. Ton und Form der Gedichte erinnern deutlich an persönliche und subjektive Mitteilungen. Thematisch stehen Unfreiheiten, Kriegserfahrungen und die Möglichkeiten des dichterischen Sprechens ebenso im Vordergrund wie positive Erinnerungen an Landschaften und Personen. Das Erscheinen des Gedichtbandes wurde von einer Vielzahl positiver Rezensionen begleitet. So beurteilt Martin Walser die Gedichte in der ZEIT als „reine Literatur“: „Mir ist keine Literatur in deutscher Sprache bekannt, (…) die den Gedichten Schoenberners vergleichbar wäre.“ Fritz J. Raddatz nennt die Gedichte Schoenberners: „das Allerbeste – perfekt rhythmisierte Protokolle gesellschaftlicher Verwerfungen wie psychischer Erschütterungen.“
***
Martin Jankowski, geb. 1965, lebt seit 1995 als freier Schriftsteller in Berlin. Er war Mitorganisator des internationalen literaturfestivals berlin und ist Vorsitzender der Berliner Literarischen Aktion, die neben internationalen Aktivitäten seit Jahren auch Berliner Literatursalons ausrichtet. Jankowski hat neben Essays und zeitgeschichtliche Sachbüchern auch Erzählungen und einem Roman veröffentlicht, aktuell den Gedichtband „sekundenbuch“ (Leipzig 2012).
—
Berliner Literarische Aktion e.V.
Kastanienallee 2
D – 10435 Berlin
Hausach. In seiner mit „Städte, Orte, Gassen“ überschriebenen Abschiedslesung am Freitagabend im Löwen zeigte sich der Hausacher Stadtschreiber Raphael Urweider nochmals von seiner besten Seite. Gemeinsam mit Ntando Cele, einer Schauspielerin und Performerin aus Südafrika, präsentierte er seine Lyrik mit musikalischer Untermalung am Klavier.
José F. A. Oliver bedauerte, dass drei Monate so schnell vergangen seien und der „er- und wahrscheinlich auch belesene“ Zuhörerkreis um Raphael Urweider bereits Abschied vom Stadtschreiber im Bereich Belletristik nehmen müsse. / Laura Armbruster, Schwarzwälder Bote
Nadja Küchenmeister bekommt den erstmals vergebenen Ulla-Hahn-Autorenpreis (die RP berichtete). Die Lyrikerin erhält die mit 6000 Euro dotierte Auszeichnung für ihren Gedichtband „Alle Lichter“. Die Entscheidung wurde einstimmig von einer siebenköpfigen Jury (mit RP-Kulturredakteur Dr. Lothar Schröder) unter dem Vorsitz von Dr. Ulla Hahn getroffen. In der Begründung heißt es: „Nadja Küchenmeisters Gedichte erzählen große Geschichte in kleinen Geschichten, verdichten große Gefühle in knappen Bildern. In Selbstgespräch und Dialog mischen sie gegenwärtiges und vergangenes Erleben zu Erinnerungslandschaften, die den Leser zu immer neuen Sichtweisen herausfordern. Im Zusammenspiel von Modernität und Tradition findet Nadja Küchenmeister zu einer ganz eigenen Sprache, die Sehnsucht nach Zukunft weckt: Ihre Gedichte sind Liebesgedichte an das Leben.“ / Rheinische Post
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
Kay Ryan was our nation’s Poet Laureate at The Library of Congress for the 2008-2010 terms. Her poetry is celebrated for its compression; she can get a great deal into a few words. Here’s an example of a poem swift and accurate as a dart.
Pinhole
We say
pinhole.
A pin hole
of light. We
can’t imagine
how bright
more of it
could be,
the way
this much
defeats night.
It almost
isn’t fair,
whoever
poked this,
with such
a small act
to vanquish
blackness.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2011 by Kay Ryan, whose most recent book of poems is Odd Blocks, Selected and New Poems, Carcanet Press, 2011. Poem reprinted from Poetry, October 2011, by permission of Kay Ryan and the publisher. Introduction copyright © 2012 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
04.10.12 20.00 – / .HBC
Wie klingt Berlin im Internet? Am 4.10. gibt das Texttonlabel KOOK genau 95 Antworten: mit dem Literatur-Experiment „Flarf Berlin“, einer Leseperformance im .HBC am Alexanderplatz.
Mit Ann Cotten, Greta Granderath, Alexander Gumz, Simone Kornappel, Tristan Marquardt, Björn Kuhligk, Sabine Scho, Jan Skudlarek, Ron Winkler, Uljana Wolf
Visuals: Andreas Töpfer
Gastgeber: Stephan Porombka
Für „Flarf Berlin“ stellen sich zehn Lyrikerinnen und Lyriker wechselseitig Suchaufgaben für Google. Zu Material wird, was die Suchmaschine ausspuckt, wenn man ihr Worte mit Berlin-Bezug eingibt. Die ersten Sätze der gegoogelten Listen verwandeln sich in Gedichte, die ein surreales, witziges und zugleich präzises Bild der Berliner Gegenwart im Netz entwerfen.
Dieses von der Flarf-Bewegung aus den USA übernommene Verfahren überschreitet bewusst die Grenze von Zufall und künstlerischer Produktion, von Finden und Erfinden. Ein dezentraler, netzartiger Schreibprozess entwickelt sich, der die vielen Orte und Gesichter Berlins spiegelt.
Alle Textstücke erscheinen zur Veranstaltung in einer Anthologie, die der Grafiker Andreas Töpfer gestaltet und illustriert, basierend auf Fotos, die er mit den selben Suchbegriffen im Internet aufgestöbert hat.
Zusammen ergibt „Flarf Berlin“ ein Portrait der Stadt in Schlaglichtern – eine vielstimmige, gedichtete Symphonie der Großstadt, medial und thematisch aktualisiert für das Jahr 2012.
Flarf the pain away!
Eine Veranstaltung des Texttonlabel KOOK. Gefördert durch: Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten.
Eintritt: 7 € / ermäßigt 5 € (inkl. Anthologie)
Ann Cotten, geboren 1982 in Iowa, lebt seit 1987 in Wien, seit 2006 in Berlin. Ihr Debütband „Fremdwörterbuchsonette“ erschien 2007, 2010 folgte „Florida-Räume“ (beide im Suhrkamp Verlag). Zusammen mit Daniel Falb, Hendrik Jackson, Steffen Popp und Monika Rinck veröffentlichte sie ausserdem „Helm aus Phlox. Zur Theorie des schlechtesten Werkzeugs“ (Merve Verlag 2011). Cotten erhielt u. a. den Reinhard-Priessnitz-Preis 2007, den Clemens Brentano Preis der Stadt Heidelberg 2008 und den Förderpreis des Hermann-Hesse-Literaturpreises 2012.
Greta Granderath, geboren 1985 in Gelsenkirchen, ist Autorin und Theatermacherin, lebt in Hamburg. Veröffentlichung von Lyrik und Prosa in Zeitschriften und Anthologien, u. a. „Jahrbuch der Lyrik“, Edit und randnummer, aktuell in „Westfalen, sonst nichts?“ im [SIC]-Literaturverlag. 2001 erhielt sie den Förderpreis der Stadt Gelsenkirchen, 2004 den Hattinger Förderpreis. Einladung zum internationalen Literaturfestival Lit.Cologne und zum poesiefestival berlin. 2009 war sie Finalistin des 17. open mike der Literaturwerkstatt Berlin
Alexander Gumz, geboren 1974 in Berlin, Redakteur und Veranstalter beim Texttonlabel KOOK und für das poesiefestival berlin. Gedichte und Nachdichtungen in Zeitschriften und Anthologien. Ausgewählte Gedichte wurden ins Englische, Polnische, Spanische, Slowakische, Persische und Hebräische übersetzt. Sein erster Gedichtband, „ausrücken mit modellen“, erschien 2011 bei kookbooks. Wiener Werkstattpreis für Lyrik 2002. Stipendiat der Villa Decius in Krakau 2007 und des Berliner Senats 2010. Clemens Brentano Preis der Stadt Heidelberg 2012.
Simone Kornappel, geboren 1978 in Bonn, Mitherausgeberin der randnummer literaturhefte. Spätherbst 2012 erscheint der Debütband „raumanzug“ bei luxbooks.
Björn Kuhligk, geboren 1975 in Berlin, lebt dort. 1997 war er Preisträger des open mike der Literaturwerkstatt Berlin, 2007 erhielt er ein Arbeitsstipendium der Stiftung Preußische Seehandlung und 2008 ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats. Als Mitherausgeber editierte er zuletzt „Lyrik von Jetzt zwei“ (mit Jan Wagner, Berlin Verlag 2008), und „Das Kölner Kneipenbuch“ (mit Tom Schulz, Dumont Taschenbuch Verlag 2011). Zuletzt erschienen der Gedichtband „Von der Oberfläche der Erde“ (Berlin Verlag 2009), sowie „Bodenpersonal“ (Verlagshaus J. Frank 2010). Im Frühjahr 2013 kommt „Die Stille zwischen Null und Eins“ bei Hanser Berlin heraus.
Tristan Marquardt, geboren 1987 in Göttingen, lebt in München und Zürich. Er ist Mitglied der Berliner Lyrikgruppe G13, deren Mitgründer er 2009 war. Finalist beim 19. open mike der Literaturwerkstatt Berlin. Seit 2011 verfasst er mit Linus Westheuser gemeinsame Gedichte, seit 2012 veranstaltet er mit Walter Fabian Schmid in München eine Lesereihe für neue Lyrik. Publikationen in Zeitschriften und Anthologien, zuletzt: „40 % paradies. Gedichte des Lyrikkollektivs G13“ (luxbooks, 2012). 2013 erscheint sein Debütband bei kookbooks.
Sabine Scho, geboren 1970, lebt in Berlin und São Paulo. Bisher erschienen zwei Gedichtbände von ihr: „Album“ und „farben“ (beide kookbooks 2008) und eine Umdichtung von Adelbert von Chamissos „Frauenliebe und -leben“ (hochroth Verlag 2010). Scho wurde ausgezeichnet u. a. mit dem Leonce-und-Lena-Preis 2001, dem Förderpreis zum Ernst-Meister-Preis 2001, einem Stipendium in der Villa Aurora 2003 und dem Anke Bennholdt-Thomsen-Lyrikpreis der Deutschen Schillerstiftung 2012.
Jan Skudlarek, geboren 1986 in Hamm, wuchs in Deutschland und Spanien auf, lebt in Berlin. Veröffentlichung in Zeitschriften und Anthologien, u. a. in Neue Rundschau, randnummer, [sic], Edit und Versnetze_drei. Sein Lyrikheft „erloschene finger“ erschien 2010 in der parasitenpresse, Köln. Er erhielt u.a. den Literaturförderpreis 2008 der Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit und den Förderpreis zum Ernst-Meister-Preis 2011. 2013 erscheint ein Gedichtband im Verlag luxbooks.
Uljana Wolf lebt in Berlin und Brooklyn. Sie veröffentlichte neben Lyrikübersetzungen die Gedichtbände„kochanie ich habe brot gekauft“ (kookbooks 2005) und „falsche freunde“ (kookbooks 2009), den Essay „BOX OFFICE“ (Lyrikkabinett 2010) und die Sonett-Ausstreichungen „Sonne From Ort“ (kookbooks 2012), zusammen mit Christian Hawkey. Wolf war Mitherausgeberin des Jahrbuchs der Lyrik (S. Fischer 2009). Sie erhielt u. a. den Peter-Huchel-Preis 2006, den Dresdner Lyrikpreis 2006, ein Stipendium der Villa Aurora in Los Angeles 2010 und des Berliner Senats 2012.
Ron Winkler, geboren 1973 in Jena, lebt in Berlin und wechselt sporadisch zwischen Schriftsteller und Übersetzer. 2011 Jahr erschien neben seinem dritten Gedichtband „Frenetische Stille“ (Berlin Verlag) die One-Man-Show „Torp“ (Verlagshaus J. Frank). Er ist Herausgeber u.a. von „Schwerkraft. Junge amerikanische Lyrik“ (Jung und Jung 2007), „Die Schönheit ein deutliches Rauschen. Ostseegedichte“ (Connewitzer Verlagsbuchhandlung 2010) und „Schneegedichte“ (Schöffling & Co 2011). 2005 erhielt er den Leonce-und-Lena-Preis, 2006 den Mondseer Lyrikpreis.
Adresse:
.HBC
Karl-Liebknecht-Straße 9
10178 Berlin
Nichts will ich zwischen uns haben, auch den prächtigsten Vorhang nicht. Was ich sage, bedeutet genau das, was es wirklich ist. Mag, wer will, begeistern, verblüffen, bezaubern oder schmeicheln, meine Ziele wollen die gleichen sein wie die von Gesundheit, Hitze oder Schnee, und wie sie will ich unbekümmert sein, was andere davon halten. / Walt Whitman, Vorwort zur Erstausgabe der „Grashalme“ 1855. In: Walt Whitman: Grashalme. Nachdichtung von Erich Arendt. Leipzig: Reclam 1981, S. 14.
He swears to his art, I will not be meddlesome, will not have in my writing any elegance or effect or originality to hang in the way between me and the rest like curtains. I will have nothing hang in the way, not the richest curtains. What I tell I tell for precisely what it is. Let who may exalt or startle or fascinate or soothe I will have purposes as health or heat or snow has and be as regardless of observation. hier
Tom Marshall
To Whom It May Concern
This book-panelled room is moving
at a great speed throughout the universe
(and this is the kind of statement
my panelled reviewers loathe).
I am not on any drug, even alcohol.
I am not hallucinating. (I suspect I am incapable of it.)
Everything is exactly as it is.
And this panelled room is moving
at a great speed throughout the universe.
Wens was angeht
Dieses buch-panellierte Zimmer bewegt sich
mit hohem Tempo durch das Universum
(und das ist die Sorte Mitteilung die
meine panellierten Kritiker nicht mögen).
Ich bin nicht auf Drogen, nicht einmal Alk.
Ich halluziniere nicht. (Bin nicht einmal fähig dazu).
Alles ist exakt so wie es ist.
Und dieses panellierte Zimmer bewegt sich
mit hohem Tempo durch das Universum.
Muß die Übersetzung das Gedicht erklären? Das Verb to panel bedeutet auskleiden, täfeln. Hier ist es zuerst das mit Büchern zu“tapezierte“ Zimmer. Beim zweitenmal wird es in übertrtagener Bedeutung verwendet. Was ist ein panellierter Kritiker? Im Rechtswesen ist panel die Besetzung der Jury. Paßt das? Ein „bestallter“, quasi amtlicher Kritiker? Ich entscheide mich dafür, das Fremdwort stehnzulassen. So bekommt der Leser Gelegenheit, das dreimalige Vorkommen des gleichen Wortes zu sehen und selber zusammenzureimen. „Alles ist exakt so wie es ist“. Na bitte!
Der kanadische Schriftsteller Tom Marshall lebte von 1938 bis 1993. Er schrieb Gedichte, Essays und Erzählprosa.
Herzliche Einladung zu neuen geistigen Abenteuern
Im Literatursalon am Kollwitzplatz
Mo, 1. Oktober, 20 Uhr Theater o.N.
Brigitte Struzyk kam in den 70ern als Lektorin des Aufbau-Verlags nach Ost-Berlin, wo sie mit befreundeten Autorinnen ihres Jahrgangs die „Gruppe 46“ gründete. Ihre Gedichte erscheinen seit 1973, bekannt wurde sie 1988 durch ihr Buch „Caroline unterm Freiheitsbaum“ über die Romantikerin Caroline Schlegel-Schelling. Nach weiteren Gedichtbänden und zahlreichen Preisen reüssiert Struzyk nun mit ihrem Romandebut „Drachen über der Leninallee“ (Fixpoetry 2012). Ein Foto, das die Geigerin Ulla Wasser am Tag nach dem Mauerfall am Brandenburger Tor zeigt, wird zehn Jahre später als Symbol der Wende von einem großen Nachrichtenmagazin abgedruckt und zwingt sie, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. „Eine wahnwitzige Geschichte, die zu erzählen es Wagemut braucht und Wahrhaftigkeit. Brigitte Struzyk schafft das Kunststück, beide in der Balance zu halten – Chapeau!“ (Kathrin Schmidt)
***
Mit Rajvinder Singh begrüßen wir einen Berliner Dichter, „der ganz in der Sprache lebt und sein Spiel mit den Facetten von Wortbedeutungen treibt“ (Tagesspiegel). 1956 im indischen Kapurthala geboren, ist er schon früh als Dichter, Sänger und Theateraktivist tätig. Rajvinder Singh lebt nach dem Studium in Punjab und Kashmir seit 1981 als freiberuflicher Autor in Berlin. Neben Erzählungen schreibt er vor allem Gedichte, die auf Deutsch und zum Teil in Englisch und Punjabi erscheinen. Einem breiten Publikum ist seine Stimme auch durch seine Tätigkeit als Synchronsprecher bekannt. Singh wurde mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Sein aktueller Gedichtband „Wörterwehen“ ist 2011 im Aphaia Verlag erschienen. Für uns liest „vielleicht der letzte Autor Berlins, der … an die Wirkungsmacht der Dichtkunst glaubt. … (Aus) Indien bringt er das nötige Pathos mit…“. (Jörg Magenau, FAZ)
Herzlich willkommen!
***
LITERATURSALON AM KOLLWITZPLATZ
Wann? Am Montag, den 01. Oktober 2012, um 20 Uhr
Wo? Im Theater O.N. (Zinnober), Kollwitzstr. 53, U-Bahn Senefelder Platz.
„Sehr angenehm durch den Abend führt – wie immer – der freundliche Schriftsteller Martin Jankowski.“ (Die Kritiker) „Jankowski holt einen Moment des Austauschs und der Reflexion in die Berliner Vorlesekultur, der auch anderen Bühnen gut anstehen würde.“ (TAGESSPIEGEL)
>> Literatursalon am Kollwitzplatz: Zwischen März und November an jedem ersten Montag im Monat – in Ostberlins ältester Off-Bühne, dem Theater o.N. … Im Salon ist der legendäre Literatenkiez Prenzlauer Berg noch ganz gemütlich und bei sich selbst geblieben – völlig ohne Latte macchiato. Gastgeber Martin Jankowski stellt bei seiner Einladungspolitik seine Spürnase für zukünftige Stars und Wiederentdeckungen unter Beweis … << (Die Presse, Wien, Januar 2012)
In seinem neuen Gedichtband Eintagsfliegen hat Günter Grass wieder Israel zum Thema gemacht. Der deutsche Literaturnobelpreisträger würdigt in einem der insgesamt 87 Gedichte den wegen Spionage zu 18 Jahren Haftstrafe verurteilten israelischen Nukleartechniker Mordechai Vanunu als „Held“ und „Vorbild“. …
Grass ruft offen zum militärischen Geheimnisverrat auf – überall dort auf der Welt, wo Vernichtungswaffen hergestellt werden: „Drum: Wer ein Vorbild sucht, versuche ihm zu gleichen, entkleide, werde mündig, spreche aus, was anderswo in Texas, Kiel, China, im Iran und Rußlands Weite erklügelt wird und uns verborgen bleibt.“ / Die Zeit
Der neue Band enthält auch eine leicht überarbeitete Fassung des Israel-Gedichts vom Frühjahr und ein Gedicht, in denen Oskar Pastior gegen selbstgerechte Urteile verteidigt wird.
Am 1. Oktober ist es soweit: Eine umfangreiche G13-Anthologie erscheint bei luxbooks! Wir freuen uns sehr, damit erstmals ein Best-of der vielen, vielen Texte vorlegen zu können, die in den letzten Jahren in der Gruppe präsentiert und weiterentwickelt wurden. 14 Stimmen sind mit je ca. zehn Texten vertreten; völlig unterschiedliche Formen, Ausdrucksmittel und Poetologien versammeln sich zu 40 % Paradies. Dass sich luxbooks dieses Projekts angenommen hat, ist ebenso schön wie die Unterstützung unserer LektorInnen, denen ein großer Dank gilt: Gerhard Falkner, Björn Kuhligk, Andre Rudolph, Ulrike Almut Sandig, Daniela Seel, Lutz Steinbrück, Ulf Stolterfoht und Ron Winkler.
Und mit der Anthologie unterm Arm geht es nun auf unsere dritte Tour, für die wir in Zusammenarbeit mit der Regisseurin Marie Drath und der Dirigentin Eva Spaeth wieder ein eigenes Abendprogramm erarbeitet haben:
1. 10., 20 Uhr: Buchvorstellung in der Literaturwerkstatt Berlin
2. 10., 20 Uhr: Kafic, Leipzig – präsentiert von Edit | Literaturzeitschrift
3. 10., 20 Uhr: Projekttheater, Dresden
7. 10., 20 Uhr: A & S Bücherland, Karlsruhe
10. 10., 20 Uhr: Kunstverein, Frankfurt – bei open books an der Buchmesse
12. 10., 21 Uhr: Café Franck, Köln
13. 10., 19 Uhr: Schaubude, Kiel
Bestellen kann man „40% Paradies. Gedichte des Lyrikkollektivs G13“ in Kürze HIER.
Hurra, hurra, hurra, hurra,
Denn ich darf flieg nach Amerika
Neueste Kommentare