41. Nichtgedicht

Gedicht zum Gedicht

Mehr als ein Gedicht
ist beispielsweise: Kein Gedicht,
denn das Nichtgedicht lebt
als sanfte Lauheit der Inspiration:
Umweltgefühl
des Tropfens im Wasser.
Der Leib fühlt sich geborgen.
Das Herz fühlt nichts.
Die Waage ist ausgeglichen.
Das Lot hängt still.

Gedicht ist Zustand,
den das Gedicht zerstört,
indem es
aus sich selber hervortritt.

Günter Kunert: Offener Ausgang. Gedichte. Berlin und Weimar: Aufbau Verlag, 1972 (Edition Neue Texte), S. 76.

40. Lyrik aus Indien

Seit 22 Jahren schon stellt Tina Stroheker mit muttersprachlichen Partnern in der Stadtbücherei internationale zeitgenössische Lyrik in Original und Übersetzung vor. Das Gemeinschaftsprojekt von Volkshochschule und Stadtbücherei ist zu einer festen Größe im literarischen Leben Eislingens geworden. Dieses Jahr wird es Dichtung aus Indien sein. Hindi? Bengali? Urdu? Tamil? Lyrik aus Indien „redet in vielen Zungen“. In den indischen Literaturen des gegenwärtigen nachkolonialen Zeitalters – die Akademie der Literatur (Sahitya Akademi) nennt 22 Literatursprachen – wird die Identitätsfrage neu gestellt. (…)

Die zweisprachige Lesung findet am Dienstag, 15. Januar, in der Stadtbücherei im Schloss statt und beginnt um 20 Uhr.  / Südwestpresse

Lesung mit hebräischer Lyrik

39. Lebensräume

Dagmar Leupold ist die neue Kuratorin des forum:autoren beim Literaturfest München 2013

„Stadt Land Fluss: Geschichten von der Gegenwart“ heißt das Motto des nächsten forum:autoren, das vom 6. bis 15. November 2013 im Rahmen des Literaturfests München stattfinden wird. Im Zentrum wird die literarische Auseinandersetzung mit Lebenswirklichkeiten stehen: „Wie erfahren wir die Gegenwart? Die Literatur ist eine besondere Auskunftei, sie bietet echte Begegnungen mit Gesellschaften und Landschaften anderer. In den durch sie eröffneten Räumen sind wir nicht als Touristen unterwegs, sondern als Entdecker“, so Dagmar Leupold über ihr Konzept. „Kreuzungspunkte zwischen Zeit und Ort(en) zu erkunden ist die Spielregel des nächsten forum:autoren, dessen Suchbewegungen in alle Himmelsrichtungen führen sollen, in Metropolen, Dörfer und Vorstädte, befriedete und unfriedliche Landstriche, die trotz vieler Ähnlichkeiten in einer globalisierten Welt ganz unterschiedliche Geschichten erzählen. Zum forum:autoren 2013 werden sich Erzähler und Dichter begegnen, die in ihren Büchern Aufschluss geben über ihre Lebensräume, ob in Istanbul oder im Allgäu, in Bogotá oder Galizien. Erweitert werden ihre erzählerischen Bestandsaufnahmen u.a. durch Kulturwissenschaftler, Architekten und Stadtplaner, die über die ‚Einrichtung‘ unserer privaten und öffentlichen Lebensräume nachdenken.“

/literaturportal-bayern

38. Performance: Jaap Blonk: Mundlaut und Sprachspuren

11-01-2013 (20:30) „Buchhändlerkeller
Carmerstr.1, 10623 Berlin-Charlottenburg

Mit freundlicher Unterstützung der Botschaft des Königreichs der Niederlande in Berlin und des Letterenfonds Amsterdam.

Jaap Blonk (* 1953 in Woerden, Holland) ist Komponist, Dichter, Klangpoet und Performer. Er studierte zunächst Physik, Mathematik und Musikwissenschaft, brach diese Ausbildung später jedoch ab. In den späten 70er Jahren begann er, Saxophon zu spielen und zu komponieren. Wenige Jahre später entdeckte er sein stimmliches Potential, zunächst beim Rezitieren von Gedichten, dann beim Improvisieren und bei der Aufführung eigener Vokalkompositionen. Fast zwanzig Jahre blieb die Stimme sein Hauptmittel beim Entdecken und Erforschen neuer Klänge. Um das Jahr 2000 begann Blonk auch Elektronik in seine Arbeit mit einzubeziehen. Neben Samples seiner Stimme verwendete er zunehmend dabei auch synthetisch erzeugte Klänge. 2006 zog er sich ein Jahr von der Bühne zurück, in dieser Zeit widmete er sich seinem Interesse für die Mathematik, er begann mit der Erforschung der Möglichkeiten algorithmischer Kompositionen für die Schöpfung von Musik, visueller Animation und Poesie.

Auftritte führten und führen Jaap Blonk durch Europa, die USA, Kanada, Indonesien, Japan, Südafrika und Lateinamerika.

Hartmut Andryczuk (* 1957 in Barsinghausen/Deister) ist Künstler, Autor und Verleger.

1993 gründete er den Hybriden Verlag, der sich zu einem internationalen Forum für zeitgenössische Künstlerbücher entwickelt.

37. Literaturkritik 3.0

Goethes „Werther“? „Hätte sich dieser Lappen nur gleich erschossen, als er angefangen hat, rumzuheulen, wäre mir einiges erspart geblieben. Hemingway hätte den gesamten Inhalt auf einer Seite besser rüberbringen können.“ Oder: „Dieses Buch ist selbst unter dem niedrigen Niveau Goethes. Außerdem besitzt Werther keinerlei Tiefgang, und somit fehlt dem Leser jegliche Identifikationsmöglichkeit, außer er besitzt einen ähnlich miserablen Charakter.“

Kurz fällt das Urteil eines anderen Lesers über Goethe aus: „Er labert.“ Natürlich wird auch jeder Bibelkäufer von Amazon dazu eingeladen, eine Rezension zu schreiben. „Mrs Betty Bowers“ erklärt sich enttäuscht: „Ich weigere mich, die kostbaren Seelen meiner christlichen Kinder mit lasziven Geschichten von Töchtern zu vergiften, die ihren Vater betrunken machen und dann Sex mit ihm haben (Genesis 19:30–38) – oder von Huren, die nach eselsgroßen Penissen gieren (Ezechiel 23:20).“ / Kostproben aus Amazons Leserkritiken in: Die Presse

Weitere Pröbchen:

„Faust I“
„Ich bin kein Goethe-Fan und lese sonst auch eher Krimis, aber der Tragödie erster Teil kann man sich durchaus mal gönnen.“
„Der Plot ist aus heutiger Sicht mittelmäßig; Fausts Midlife-Crisis könnte aus jeder drittklassigen Soap-Opera stammen. Die Mär vom Teufel und der Seele ist für Leser, die weder an das eine noch an das andere glauben, im besten Fall ermüdend. Die textliche Umsetzung des Werkes ist mehr als bescheiden.“

„Romeo und Julia“

„Ich habe dieses Buch gekauft, weil ich dachte, es wäre normal zum Lesen, doch es ist ein Theaterstück und auch so gegliedert.“

„Hamlet
„Natürlich wird Willy als der beste Schreiber aller Zeiten bejubelt, aber das kommt nur daher, dass britische Medien den Mann hypen, nach 400 Jahren.“

36. Auszeichnung

Caroline Manring aus Skaneateles, N.Y., gewann den National Poetry Review Book Prize 2012 fürihren ersten Band “Manual for Extinction.” Sie unterrichtet „environmental literature, creative writing and birding“ in Geneva, N.Y. Die Zeitung The Post-Standard fragte sie nach dem Geheimnis beim Gedichteschreiben: „Das Geheimnis? Nun, ich glaube das ist kein Geheimnis. Ich spreche lieber von ‚Funken‘, es ist die Musik der Worte. Das hat mit Zuhören zu tun – etwas, worin nicht viele Menschen gut sind. Ich sage nicht daß ich es bin, aber ich versuchs. Man muß auf Silben hinhören, die es in Gang setzen können… der Klang eines Wortes, eine Klanggeste, ein physisch fühlbarer Klang. Das genügt.“

Leiden Sie manchmal an Selbstzweifel, Angst, daß das nie jemand lesen wird?

Natürlich.

Wie gehen Sie damit um?

Nun, ich lese es ja. Und mir machts Spaß. Das ist schon mal da.

Und wenn Leute Sie nach ihrem Beruf fragen, sagen Sie „Ich bin Dichterin“?

Normalerweise sage ich, ich unterrichte. Vom Schreiben spreche ich erst, wenn sie mindestens dreimal fragen. Denn die meisten interessiert es sowieso nicht. Bei Cocktailparties genügt es zu sagen, daß ich lehre.

35. Maruša Krese gestorben

Im Dezember 2012, kurz vor ihrem Tod, veröffentlichte sie noch einmal ein Debüt. „Da me je strah?“ – „Ob ich mich fürchte?“ – ist der erste Roman von Marusa Krese. Bei der Lesung in Ljubljana war sie noch als Gast dabei. Am Montag ist sie im Alter von 65 Jahren gestorben, wie der Drava-Verlag mitteilte. Bekannt wurde Marusa Krese als Dichterin und Publizistin. Geboren in Ljubljana, hatte sie Schwierigkeiten, sich eine Slowenin zu nennen. Denn das Land ihrer Kindheit hieß Jugoslawien. / Berliner Zeitung

34. Double entendre

I have had to handle quite a few crises during my 25 or so years at the helm of Poems on the Underground. Censorship raised its head when we featured a medieval carol, I Have a Gentil Cock, alongside its 15th-century manuscript. A tube manager queried this ancient double entendre, but dropped his objection when a newspaper decided to run it full-page, double entendre and all. / Judith Chernaik, The Guardian 9.1.

33. Merkvers

Alle Antworten finden sich hier. Wie viele
Knochen im menschlichen Körper? Genug
einen Archäologen glücklich zu machen.

Sandra Trojan: Ohne Titel. In: S.T.: Um uns arm zu machen. Gedichte. Leipzig: Poetenladen 2009, S. 18.

Ich lese gern alte Texte aus den Frühzeiten der Völker. Man findet da mehr Authentizität als in den tausendsten Aufgüssen. Was nicht heißt, daß ich neue Gedichte generell für Aufgüsse halte. Der Spätere hat es schwerer, zugleich authentisch und originell zu sein, weil soviel schon da war. Aber immer wieder versuchen es manche!.

Vorliegendes Buch heißt Middle English Lyrics. A Norton Critical Edition (zuerst 1974). Das Wort Lyrics muß erklärt werden. Sein Gebrauch für diese Texte, sagt das Vorwort, ist unhistorisch. Die früheste vom OED dokumentierte Verwendung dieses Wortes stammt von Philip Sidney (1554-1586) und stammt aus dem Jahr 1581.

Die Gedichte sind in thematischen Gruppen zusammengefaßt. Gruppe V beginnt mit Merkversen über verschiedene Gegenstände: Welcher Monat hat wieviel Tage? Wie unterscheiden sich die vier Charaktertypen? Ich bleibe hängen an diesem, um das Jahr 1470 offenbar für Medizinstudenten geschrieben:

xxxii teeth that bethe full kene,
cc bones and nintene,
ccc vaines sixty and five,
Every man hathe that is alive.

Zwei Wörter werden erläutert: bethe = are, kene = sharp.

Man kann also übersetzen:

xxxii Zähne die voll scharf sind,
cc Knochen und neunzehn,
ccc Venen [und] fünfundsechzig
Hat jeder lebende Mensch.

Die Fragen scheinen beantwortet: 32 Zähne, 219 Knochen, 365 Venen. Aber stimmt das? Bei den Zähnen ja. Aber dann wird es immer schwieriger. Der erwachsene Körper hat 206 Knochen, lese ich in den meisten Quellen, gelegentlich ist von 206-208 Knochen die Rede. Wie kommen die auf 219?

Vom erwachsenen Körper ist die Rede. Kinder haben um 300 Knochen, heißt es.  Die wachsen erst später zusammen, so daß sich die Zahl reduziert. 219 ist also schon ziemlich nah an der Zahl beim Erwachsenen.

Wenn man sich vergegenwärtigt, daß Papst Sixtus IV. 1481 in sein Amt kam und während seiner Amtszeit in einem Erlaß erlaubte, die Leichen von hingerichteten Kriminellen und unidentifizierte Leichen zur medizinischen Forschung oder zu anatomischen Studien für Künstler freizugeben, stellt das Gedicht ein Dokument aus der unmittelbaren Frühzeit der Leichensektion dar bzw. knapp davor. Bis dahin konnte man nur Totgeburten sezieren. Die Zahl 219 dokumentiert eine schon ziemlich genaue Annäherung, die gültigen Ergebnisse der medizinischen Forschung.* Damit bekommt das Gedicht den von Brecht eingeforderten Status eines Dokuments. Reallyrik im wahrsten Sinne des Wortes! (Die Zahl der Adern ist auch heute schwerer zu bestimmen, die Zahlen schwanken beträchtlich).

Ob es sich dabei um Lyrik handelt? Gehören lyrics, Songtexte, zur Lyrik? Manche Puristen lehnen das ab, aber who cares? Oskar Pastior, in seinen Frankfurter Vorlesungen, sprach den Satz „Ich weiß nicht was Lyrik ist“ und unmittelbar darauf ein Gedicht, das man für zu seinem „Krimgotischen Fächer“ gehörig halten mag, wenn er es nicht anschließend erläuterte:

Ich weiß nicht was Lyrik ist.

… Beli Boku
Stisa Flune
Namagalsi Phoschwehklar
Kakazkati – Wackermann: Feconi!
Cuzygalgen! Assel! Brotcryp! …

Es handelt sich um „die formelhafte Schlüsselstelle – oder Eselsbrücke – aus einem ganz frühen Gedicht (April 1955) mit dem Titel „Das periodische System“, der Elemente natürlich. Das mir – private Weltbeschwörung, durch die Fugen eben einer Eselsbrücke – den Absprung von der Hermannstädter Baufirma ins Bukarester Universitätsgedümpel plausibel machen wie erscheinen lassen sollte.“

Oskar Pastior: Das Unding an sich. Frankfurter Vorlesungen. Suhrkamp 1994, S. 14f.

Das Gedicht mit Nutzwert („Poesie als Sachbuch“, schreibt Pastior), die Reihenfolge der Elemente – Beryllium, Lithium, Bor, Kupfer, Beli Boku, Stickstoff, Sauerstoff, Stisa und so weiter –  und zugleich private  Weltbeschwörung. Oskar Pastior schrieb und publizierte damals auch ganz andere Gedichte: „Als der neue Hochofen fertig war, wurde er angeblasen, und nun liefert er / Roheisen, Charge um Charge. / Nichts ist verwunderlich dran, aber alles ist / wunderbar, denn seit jenem, unserem glühenden August / vollziehen die Menschen in unserem Land / selber die Wunder der Ordnung (…)“. (In: „… sage, du habest es rauschen gehört“.  Werkausgabe Bd. 1. München Wien: Hanser 2006, S. 39). Aber in dem privaten Memoriervers – so etwas in Rumänien zu veröffentlichen wäre völlig unmöglich gewesen – erfand er sich als der Dichter, der er wurde. Die Frage, ob das Lyrik ist, ist irrelevant und in die Irre führend. Vielleicht war es in den Frühzeiten des 15. Jahrhunderts anders, und man mußte nur aufschreiben und es war immer gleich Poesie. (Ovids Liebeskunst war ja  auch ein Sachbuch!). Jetzt, Schiller hat es beschrieben, kann man sich nur aus der Distanz definieren – oder sich neu erfinden. Die soz-realistischen Gedichte waren bloße Reproduktion erwünschter Weltmodelle, im Spiel des Memorierverses ersteht Poesie. Und für mich kobolzen die Verbindungen, wenn ich den namenlosen alten Engländer lese und grad bei Sandra Trojan Spuren aus einem Buch von Bertram Reinecke aufsuchte (sein Gedicht, von dem ich mich auf die Spur setzen ließ, heißt „Für Archäologen“). Lyrik, das ist, wenn Verbindungen hergestellt werden.

Für Leute, die glauben, in einer wissenschaftlichen, kritischen Textausgabe bekämen sie zu lesen, was der Dichter wirklich aufgeschrieben hat, setze ich unter den Strich den Text und die Beschreibung aus DIMEV, dem Digital Index of Medieval Verse, zur Verdeutlichung noch einmal den edierten Text dazu.

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32. „Beatpoeten“

Jan Egge Sedelies ist Organisator des hannoverschen Poetry Slams. Sein Gedichtband „Niemals so ganz“ wurde in den Medien hoch gelobt. Costa Carlos Alexander ist DJ und Produzent von elektronischer Musik. (…) Gemeinsam sind sie die „Beatpoeten“ und Sonnabend, 12. Januar, ab 21 Uhr in der „Lauschbar“ zu Gast.

Sie kombinieren Dichtung und Techno, um deutsche Lyrik weiterzuentwickeln, ihr eine moderne Form zu geben, sie tanzbar zu machen. Dabei sehen sie sich in der Tradition der amerikanischen Beatpoeten der fünfziger Jahre, die ihre Gedichte und Kurzgeschichten mit zeitgenössischem Jazz und Bebop vermischten, genauso wie die ersten Rapper, die in den Siebzigern Spoken-Word-Lyrik zu Funk und Soul brachten. / shz.de

31. Lesung

Lesung Konstantin Ames

Montag 14.01.13, 19:30

Raum 308

Lesereihe in der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden

Wettiner Platz/Schützengasse

Eintritt frei

30. Lyrik

Die Lyrica oder getichte die man zur Music sonderlich gebrauchen kan (…) Martin Opitz, 1624

Lyrik (griech. Lyra = Leier): Einheit von Wort, Rhythmus, Metrum, Melos, zur Lyra gesungen. „Die enthusiastisch aufgeregte Naturform der Poesie“ (Goethe, Noten zum Divan). Hermann Pongs, 1954.

Ich weiß nicht was Lyrik ist. Oskar Pastior, 1994.

Quellen

  • Martin Opitz: Buch von der Deutschen Poeterey, 1624
  • Hermann Pongs: Das kleine Lexikon der Weltliteratur. Stuttgart: Union Deutsche Verlagsgesellschaft, 1954
  • Oskar Pastior: Das Unding an sich. Frankfurter Vorlesungen. Suhrkamp 1994.

29. Böse Gedichte verbieten

Wie verhindert man Schulmassaker? Weniger Waffen, sagen viele. Mehr Waffen, sagt die Waffenindustrie. Tausende Amerikaner folgten dem Ruf und besorgten sich automatische Waffen, bevor es eventuell doch eingeschränkt wird.

Eine Highschool in San Francisco ging jetzt anders vor und suspendierte eine Schülerin, die ein Gedichte über den Anschlag von Newtown schrieb. Das Gedicht verstoße gegen die Schulpolitik gegenüber Gewaltdrohungen. Der Psychiatrieprofessor Ronald Pies hat es gelesen und findet, daß es keine gewalttätige Auflehnung enthalte, geschweige denn Drohungen gegen Mitschüler. Er hält es für einen normalen Ausdruck der Phase des Heranwachsens. Wenn sie schreibt, „Wenn du dich nicht geliebt fühlst, haßt du die Welt“ drücke sie nichts aus als die normale Entfremdung zigtausender junger Menschen. In dem Gedicht versuche sie ihren persönlichen Frust auszudrücken und die Motive des Todesschützen zu verstehen, ohne selber mit Gewalt zu drohen.

Wir wären gut dran, schreibt er, wenn mehr einsame und entfremdete Jugendliche ihre Gefühle in Gedichten ausdrückten und weniger in Gewaltakten. Man brauche jetzt nicht Profiling und Checklisten gegen „auffällige“ Schüler, sondern ausgebildetes Personal, das reale Gewaltdrohungen erkennen könne. Das koste zwar Geld, sei aber effektiver als bewaffnete Wachen in jeder Schule. / PsychCentral

„I understand the killings in Connecticut. I know why he pulled the trigger,“ wrote Courtni Webb in a poem that was not turned in for an assignment, but was found by a teacher and then given to the school’s principal. „Why are we oppressed by a dysfunctional community of haters and blamers?“

Webb, a senior at the Life Learning Academy on Treasure Island, told ABC San Francisco that the poem was just her way of expressing herself. „The meaning of the poem is just talking about society and how I understand why things like that incident happened. So it’s not like I’m agreeing with it, but that’s how the school made it seem,“ she said. „For example, the only person I can think of would be like Stephen King. He writes weird stuff all the time. That doesn’t mean he’s going to do it or act it out.“ / Huffington Post

28. Irseer Pegasus

Zum 15. Mal wurde am Samstag der renommierte Literaturpreis Irseer Pegasus verliehen. Der Preis ist mit insgesamt 3.500 € dotiert. Erster Preisträger ist Harald Jöllinger aus Wien. Mit „Es rötet mir“ zeigt Jöllinger große stilistische Könnerschaft, die höchste Beklemmung erzeugt. Im inneren Monolog spricht ein Patient, an dem gegen Ende des 2. Weltkriegs medizinische Versuche vorgenommen werden. Den zweiten Preis erhält Kerstin Becker aus Dresden. Knapp, unsentimental und in eindringlichen Bildern entfaltet sie in ihrer Lyrik Szenen einer DDR-Kindheit. Helmut Glatz aus Landsberg am Lech überzeugte mit Gedichten über die bayerisch-schwäbische Provinz. Die Widerständigkeit des lyrischen Ichs beeindruckte und brachte ihm den 3. Platz. Den vom Verband deutscher Schriftsteller (VS) gesponserten Jurypreis erhielt der aus Russland stammende, heute in Bonn beheimatete Daniel Ableev für einen experimentellen Computertext mit dem Titel „Über die Selektronik“. Die feierliche, öffentliche Preisverleihung des von der Schwabenakademie veranstalteten Treffens fand in Kloster Irsee statt. / Mehr

27. Forum Stadtpark

Im Dezember erschien die Anthologie „extrakt“ mit allen Forum-Stadtpark-Autorinn+en, die zwischen 2010 und 2012 im Forum zu Gast waren. — mit Lilly Jäckl, Gerhild Steinbuch, Jörg Piringer, Markus Berger, Blazin Tommy Productions, Ilse Kilic, Barbi Markovic, Gerhard Rühm, TextTotal, Margret Kreidl, Helmut Schranz, Robert Prosser, Elisabeth Hödl, Gundi Feyrer, Daniel Wisser, elffriede i.a., Florian Neuner, Clemens Schittko, Petra Coronato, Sylvia Egger, Hansjörg Zauner, Carola Göllner, Bernd Volkert, Stefan Schmitzer, Sarah Foetschl, Evelyn Schalk, Ulrich Schlotmann, D. Holland-Moritz, Bernhard Saupe, K. Silem Mohammad, Stefan Schweiger, Christoph Szalay, Franzobel, Ferdinand Schmatz, Max Höfler, Crauss, Stefanie Sargnagel, Enno Stahl, Bert Papenfuß, Karl Rauschenbach, Ann Cotten, Ulrich Holbein, Sophie Reyer, Alexander Micheuz, Heike Fiedler, Johannes Schrettle, Valeri Scherstjanoi, Markus Köhle, Zuzana Husarova, Ralf B. Korte, Uwe Warnke und Brigitta Falkner.