15. Clips gegen den Krieg

Für den Zeitraum 1. September 2013 bis 30. Juni 2014 schreibt die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. ihren 2. Gedichtfilm-Wettbewerb aus. Eingeladen sind Filmemacherinnen und -macher, Videokünstlerinnen und -künstler sowie Laien aller Couleur, aller Länder und jeden Alters, sich mit bis zu zwei Gedichtfilmen an diesem Wettbewerb zu beteiligen.

Insgesamt stehen 6 Geld- und Sachpreise im Gesamtwert von 2.650 € zu Verfügung. Die Auszeichnungsveranstaltung findet am 14. Oktober 2014 in der Leipziger Stadtbibliothek statt. Am 20. Oktober 2014 werden im DOMFORUM Köln gleichfalls die besten Clips gezeigt.

Vorgegeben werden von der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik 59 Texte, die in der Ausgabe 1/2013 der Reihe „Poesiealbum neu“ mit dem Titel „Gegen den Krieg. Gedichte & Appelle“ veröffentlicht und auf dem Hörbuch „Schwarze Ängste“ als Audio-CD produziert worden sind. / Mehr

14. Schland

Die „Schlandkette“ macht Deutschland kreativ! Gebastelte Ketten, Witze, Gedichte – die BILD-Leser geben ihr Bestes, um eine von zehn echten „Schlandketten“ zu gewinnen, wie sie Bundeskanzlerin Angela Merkel beim TV-Duell am Sonntagabend getragen hat. Eine BILD-Jury entscheidet, wer sich über den Schmuck freuen darf.

Hier eine erste Probe von vielen:

Sie glitzert und sie glänzt,
das Outfit der Kanzlerin perfekt ergänzt.
Eng um den Hals von Frau Merkel geschmiegt,
sie wie ein Vogel in die Twitter-Welt fliegt.
Als heimlicher Star im Kanzlerduell,
wird Schwarz-Rot-Gold wieder tagesaktuell.
Wir froh ich doch wäre,
über solch eine adrette Schlandkette.

13. Stuttgarter Lyriknacht

Die drei Häuser für Literatur in Stuttgart haben sich 2004 zum ersten Mal zusammengeschlossen, um zu einer Nacht der Lyrik einzuladen. Seitdem besuchen zahlreiche Gäste jedes Jahr dieses Wortspektakel.

Am Freitag, 6.9., gibt es u.a.

  • Mit „Dichter im Dialog“ startet der Abend um 19 Uhr im Max-Bense-Forum mit dem Programm des Stuttgarter Schriftstellerhauses. Der Heidelberger Literaturkritiker Michael Braun stellt Rainer Brambachs Werk vor und folgt den Spuren seiner Dichterfreundschaft mit Günter Eich. Dazu liest der Sprecher Florian Ahlborn Gedichte.

    Rainer Brambach (1917-1983) war ein Lyriker außerhalb der Moden, der Cliquen, der Trends: Der ungelernte Landarbeiter und Gärtner fand als lyrischer Autodidakt in Basel seinen Weg in die Literatur. Gemeinsam mit seinem besten Freund Günter Eich entwarf er die ästhetisch eigensinnigste Dichtung der Nachkriegszeit.

  • Um 20.30 Uhr präsentiert das Literaturhaus Uwe Kolbe und Nico Bleutge mit „Lietzenlieder“ – „verdecktes gelände“ im Max-Besen-Forum der Stadtbibliothek. Ein Gespräch in Gedichten gibt Einblick in Uwe Kolbes Band „Lietzenlieder“ (2012) und Nico Bleutges Band „verdecktes gelände“ (2013).
  • In der Galerie b läuft Jörg Piringers Video-Installation „unicode infinite“. Der international bekannte Digital-Poet aus Österreich arbeitet in den Bereichen zwischen Sprachkunst, Musik, Performance und poetischer Software.

Alexander Kappen, Stuttgart-Journal

12. Stammtisch

Ts, ts:

Wenn am lyrischen Stammtisch nach dem möglichen Nobelpreisträger für Lyrik gefragt wird, fallen einige Namen. In der deutschen Literatur reicht keiner an Hans Magnus Enzensberger heran. Doch dass schon wieder ein deutschsprachiger Autor, noch dazu ein so schwer fassbarer intellektueller ausgezeichnet wird, ist unwahrscheinlich. Und Günter Grass, der die aufsehenerregendsten Gedichte der letzten Jahre geschrieben hat, wird dafür den Nobelpreis nicht ein zweites Mal erhalten. / Dieter Lamping, literaturkritik.de

11. Poeticon

Das Verlagshaus J. Frank eröffnet eine neue Reihe und erneuert mit ihr den Aufruf: poetisiert euch!

Die Edition Poeticon ist ein Forum für poetologische Reflexionen, eine Reihe zum Nach-, Um- und Weiterdenken. In der Lyrik eröffnen sich Erfahrungsmöglichkeiten eigener Art. Wie hängen sie mit den Begriffen zusammen, die unsere Diskurse bestimmen und unsere Lebenswelt prägen?
Zeitgenössische Lyrik wird in der Edition Poeticon unter ihrer Optik betrachtet. Politik, Tradition, Liebe, Gewalt, Nation, Geschichte, Wissenschaft, Geschlecht, Tier, Musik, Gedächtnis, Bild, Natur oder Gesellschaft: Dies sind nur einige der Begriffe, die unser Weltverständnis leiten – und deren Bedeutungsumfang Lyrik austrägt, abbaut, erkundet und aufbricht. Sie werden als Themen und kulturelle Hintergründe, als Wirkungsfelder und Formquellen von Poesie kritisch in den Blick genommen.

Die schmalen Bände in offener Fadenknotenheftung versammeln Essays von Dichterinnen und Dichtern, die sich poetologisch auf die zeitgenössische Lyrik und jeweils ein Thema fokussieren. Mit der Zeit wird so ein Katalog an theoretischen Texten zu wichtigen Begriffen in poetischer Annäherung entstehen.

Die Edition Poeticon wird herausgegeben von Asmus Trautsch im Verlagshaus J. Frank | Berlin

Die Edition Poeticon startet im Herbst 2013 mit Veröffentlichungen von Jan Kuhlbrodt, Bertram Reinecke, Swantje Lichtenstein und Tobias Roth. Die ersten vier Bände können hier zum Subskriptionspreis von nur 6,- € vorbestellt werden!

 

10. Wieder: Wahlverwandtschaften

Am Freitag, 6.9., beginnt die Reihe „Poetische Wahlverwandtschaften“ wieder – es beginnen Martin Piekar und Daniela Seel.

Autorinnen und Autoren des Verlagshaus J. Frank | Berlin laden ihre Wunschautor_innen ein, mit deren Literatur sie eine besondere Beziehung verbindet. Diesseits ihrer Schreibtische ergibt sich so für jeden Abend ein neues poetisches Paar, findet in der intimen Atmosphäre der Z-Bar eine literarische Begegnung statt: Die Autor_innen stellen sich einander und dem Publikum in Lesungen vor, lassen ihre Gedichte miteinander in Austausch treten. Sie sprechen über ihre Poetiken, über das, was ihrem Schreiben zugrunde liegt, diskutieren über Gegenwartslyrik und Lyrik in der Gegenwart, über Möglichkeiten und Unmöglichkeiten von Sprache, kurz: sie gewähren einen Blick hinter die Kulissen und zwischen die Zeilen.

Martin Piekar und Daniela Seel
Freitag, 6.9., 21.00
Z-Bar Berlin
Eintritt: 5,- €

Martin Piekar
1990 geboren, Lyrikpreisträger beim 20. Open Mike. Teilnehmer des Schreibzimmers 2007 im Frank­furter Lite­ratur­haus. Ge­winner des Ge­dichts des Jah­res 2010 vom „Lyrix“-Wett­bewerbs des Deutsch­land­ra­dios. 2012 Sti­pen­diat der Stiftung Nieder­sachsen beim Lite­ratur­labor Wolfen­büttel. Mitglied des Jung­autoren­kollektivs des Literaturhauses Frankfurt sexyunderground, veröffentlichte in Lite­ratur­zeitschriften (u.a. POET, Neue Rundschau). Im Frühjahr 2014 erscheint sein Debüt im Verlagshaus J. Frank | Berlin.

Daniela Seel
Daniela Seel gründete 2003 gemeinsam mit dem Buchgestalter und Illustrator Andreas Töpfer denIndependent-Verlag kookbooks – Labor für Poesie als Lebensform. Neben ihrer Tätigkeit als Verlegerin, Kritikerin und Lektorin ist sie Autorin von Lyrik. Ihre Gedichte erschienen in Zeitschriften, Zeitungen, Anthologien, im Radio und im Internet, u.a. in den Literaturzeitschriften Zwischen den Zeilen und Edit, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Deutschlandfunk, poetenladen.de sowie in den Anthologien Lyrik von Jetzt (DuMont 2003) und Jahrbuch der Lyrik (S. Fischer 2009, DVA 2011).
Für ihren ersten Gedichtband, „ich kann diese stelle nicht wiederfinden“ (kookbooks 2011), erhielt sie den Friedrich-Hölderlin-Förderpreis, den Ernst-Meister-Förderpreis und den Kunstpreis Literatur von Lotto Brandenburg.

9. Sappho

Lyric poetry was never so portable as with this Sappho finger puppet. On your finger, she’s a puppet; on your fridge, she’s a magnet!

(Hier käuflich)

8. In Thailand

Am Freitag werden die Gewinner des bedeutendsten Literaturpreises in Thailand, des „SEA Schreibpreises“ (Southeast Asian Writers Write Award), bekanntgegeben. In diesem Jahr wird er in der Kategorie Lyrik vergeben. / Bangkok Post

Er wird seit 1979 jährlich im Oktober in Bangkok an Schriftsteller aus dem ASEAN-Raum vergeben, dazu gehören die Länder Brunei, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, die Philippinen, Singapur,Thailand and Vietnam. / Wikipedia

Offizielle Homepage

7. Vokal-Wiese

Rolle und Funktion des Dichters in der bäuerlich-konservativ geprägten Gesellschaft und gleichzeitig im Kontext der blutigen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten, zwischen Republikanern und dem Vereinigten Königreich anhängenden Unionisten, sind die Eckpunkte seiner frühen Lyrik. Dazu gelingt es Heaney, in kühnen Analogien Geschichts- und Mythenbewusstsein mit dem durchaus nicht unromantischen Bewusstsein um die traditionelle Landschafts- und Naturbeziehung der Iren zu verknüpfen. Sein Bewusst-Sein um Sprache und Schreiben ist dann auch der konstante Faktor in seiner Lyrik. Die Selbstreferentialität, das auf sich selbst Verweisen der poetischen Sprache, verstärkt sich noch in der Ineinssetzung von Sprache und Welt, Sprache und irischer Landschaft:

Anahorish

Mein «Ort klaren Wassers»,
der erste Berg auf der Welt,
wo Quellen ins blanke Gras spülten und
Kopfsteine dunkelten
Im Flussbett des Wegs.
Anahorish, sanftes Gefälle
Von Mitlaut, Vokal-Wiese.

/ Bruno von Lutz, NZZ

6. Pounds Schule

Der Duktus ist, wie es sich für ein Elementarbuch gehört, einigermassen autoritativ: Ezra Pound als Lehrer lässt keinen Zweifel daran, dass hier ein gewiefter Praktiker die Nachwachsenden in die Anfangsgründe seiner Berufserfahrung einweiht, ins rechte Lesen, das allen Schreibens Anfang ist. Recht lesen heisst anders lesen, als es damals, 1934, bürgerliche Lektüregewohnheiten und Lehrpläne der Universitäten (Pound definiert sie gern als «Anstalten zur Verhinderung des Lernens») vorsahen.

Das Alternativprogramm der «Ezraversity» bietet Grundlagenforschung und eine Neubestimmung des Kanons. Was ist Dichtung? Dichtung ist Verdichtung, sagt Pound mit einem deutschen Wortspiel, das etymologisch falsch, aber sachlich richtig ist. Oder: «Literatur ist Neues, das neu BLEIBT», «news that STAYS news»; man könnte auch sagen, eine Nachricht, die immer aktuell ist – gibt es eine bessere Definition? Wortspielerische Lakonik macht solche Merksätze einprägsam, die den Leser anspringenden Grossbuchstaben, so häufig in diesem Text, sorgen für den nötigen Nachdruck. Die etwas aufdringliche Typografie erinnert im Verein mit den Schlagworten an die Manifeste der Avantgarde, deren Nachhut dieses «ABC» bildet, zu einer Zeit, als die meisten Futuristen längst bei den Faschisten mitliefen.

Aber Pound stellt weder, wie einst Marinetti, brüllende Automobile über die Nike von Samothrake, noch wirbt er für den Abriss der Museen. Als konservativer Revolutionär will er den Wust des Tradierten auf seine Tauglichkeit für das Heute hin sichten; denn er sieht, unbescheidenerweise, die Funktion von Literatur darin, die Menschheit zum Weiterleben zu animieren. / Werner von Koppenfels, NZZ

Ezra Pound: ABC des Lesens. Aus dem Amerikanischen übersetzt und mit einem Nachwort von Eva Hesse. Arche Paradies, Arche-Literatur-Verlag, Zürich/Hamburg 2013. 138 S., Fr. 20.90.

5. Wie das Bildungsfernsehen

… die Lyrik sieht:

Wenn ein Schriftsteller Gefühle wie Leid, Freude und Liebe ausdrücken will, welche literarische Gattung liegt dann näher als die Lyrik? Keine – wie auch die Menge an klassischen Liebesgedichten zeigt.*

(Früher nannte man die Zahl von 70 Jahren für den Abstand zwischen Schulwissen und Wissenschaft. Zwei literaturwissenschaftliche Konzepte von Anfang und Mitte des vorigen Jahrhunderts, das lyrische Subjekt und der allwissende Erzähler, sind fest im Schulwissen etabliert – beim zweiten war der Abstand viel kleiner, ich betone war. Wenn man dem zitierten Bildungsfernsehen traut, hat sich der Abstand vergrößert und liegt jetzt bei 170 Jahren.)

*) Die Differenz zwischen Schule und Praxis ist nicht kleiner als die zwischen Schule und Theorie. In der Lebenswirklichkeit der Schüler (und kaum viel anders als der ihrer Eltern) sieht die Hierarchie anders aus. Wo sucht man den Ausdruck von Gefühlen? 1. Popmusik, 2. Spielfilme, (…) 12. Romane, (…) 97. Klassische Liebeslyrik.

4. Der Körper liest mit

Literatur beeinflusst den Gemütszustand und auch den Körper des Lesers. Die körperlichen Auswirkungen der Lektüre werfen ein neues Licht auf die Mechanismen, die dem Bewusstsein die von den Wörtern geschaffenen Stimuli übermitteln. Die Lektüre von Substantiven, Verben und Adjektiven mit negativem Inhalt (Krieg, Nazismus, foltern, zerstören, infam, tot . . .) und diejenige von Wörtern mit positivem Inhalt (Liebe, Freiheit, lachen, küssen, grossartig . . .) bewirken unterschiedliche Veränderungen der Pupillen, der Pulsfrequenz und der Färbung der Haut. Wörter mit starkem emotionalem Inhalt (die «Tabuwörter») verlangsamen die Lektüre, weil die nervösen Mechanismen ihre Wahrnehmung bremsen. Wenn man den Satz liest: «Der Dichter schrieb die Gedichte mit Tinte» ist die Gehirnaktivität anders als beim ähnlichen, aber sinnlosen Satz: «Der Dichter schrieb mit Butter.» Wenn wir in einem Sportbericht lesen, ein Fussballer habe mit dem rechten Fuss ein Tor erzielt, werden im Gehirn nicht nur die Sprachregionen, sondern auch die für den rechten Fuss zuständigen motorischen Zentren aktiviert, obwohl sich der Fuss nicht bewegt. Wenn wir nach mehrmaliger Lektüre des Fussballberichtes mit dem rechten Fuss einen Ball treten, tun wir es genauer als vorher. Lesen und Zuhören vermitteln den Hirnzentren visuelle oder akustische Signale, die das Bewusstsein als Wörter mit Bedeutung, Sinn, Ton, Rhythmus, Bild und Emotion erreichen. Ein Text ist nur ein Gekritzel, solange er von einem Gehirn nicht gelesen und verstanden wird.

Undurchdringliches Rätsel

Das Selbstbewusstsein erforscht durch die Poesie jene verborgenen und geheimen Winkel der Seele, die es in der Sprache der Prosa nicht beschreiben könnte. Das Rätsel der Poesie ist nicht nur für Ästhetikforscher und Literaturwissenschafter, sondern auch für Naturwissenschafter nahezu undurchdringlich. Warum stimulieren Wörter, die in einer bestimmten Reihenfolge stehen, das limbische System und einen Teil der vorderen Hirnrinde bis zu jenem Punkt, an dem die unaussprechliche Schönheit der poetischen Kunst erfasst wird, während dieselben Wörter nichts anderes als Bedeutungsträger sind, wenn sie in einer anderen Reihenfolge angeordnet sind? Warum wurde die Poesie erschaffen? Ist sie lediglich eine Zier des Lebens, oder hat sie eine existenzielle Bedeutung? Warum bestehen Verse aus kurzen Textzeilen, und warum bedient sich die Poesie oft des Reims?

/ Arnaldo Benini, NZZ

3. Poetopie

ein Stück Himmel über jedem Kopf, unter jedem Fuß ein Stück Erde

/ Hansjürgen Bulkowski

2. Übersetzt

Gedichte des deutschpersischen Dichters Cyrus Atabay wurden von Bijan Elahi (mit Unterstützung des 1996 gestorbenen Dichters) ins Persische übersetzt und erschienen jetzt in Teheran, meldet IBNA.

1. Zum Tod von Seamus Heaney

Sein Ruhm wuchs ständig und mit ihm die Anerkennung in Form von Preisen. Sie gipfelte im Literaturnobelpreis 1995, sie drückte sich aber auch darin aus, dass er in seiner Heimat, dem vielleicht „literarischsten“ europäischen Land, quasi als Nationaldichter verehrt wird.

In einem Gespräch mit dem Standard vor vier Jahren reagierte er verhalten auf diese Zuschreibung. Irische Dichter hätten immer die Rolle nationaler Barden einnehmen sollen. Aber heute würden sie auf diese Tradition zu Recht „vorsichtig, oft ironisch, manchmal sogar mit Spott“ reagieren. Kein Dichter könne es sich leisten, zum Sprachrohr einer Parteilinie zu werden.

Sehr wohl kann er aber für ungewöhnliche Poesie das Wort ergreifen. So lobte Heaney einmal unter den verwunderten Blicken der anwesenden Philologen die „verbale Energie“ des Rappers Eminem. / Der Standard

Was hören und sehen wir bei ihm? Eine unendliche Fülle von Materie. Das Hämmern des Amboss, Dreck und Schlamm, das Rauschen des Regens, Erdklumpen, die einem ins Gesicht fliegen, landwirtschaftliches Gerät. Vergehende Jahreszeiten, mieses Wetter, Menschen, die sich bücken müssen. Auch wenn man diesen traditionsbewussten, ebenso zupackenden wie nachdenklichen Poeten gern mit W. B. Yeats verknüpft, dem Leitstern der dichterischen Moderne in Irland, erinnert Heaneys lyrische Archäologie in ihrer konkreten Körperlichkeit fast an die amerikanischen Puritaner, deren dichterischer Bildervorrat sich aus Radmachen, Erntearbeit und Bierbrauen speiste. Daneben allerdings gibt es den zweiten Heaney, einen poeta doctusohne Bildungsdünkel, den Gastprofessor in Harvard und anderswo. Hier ist er demütig, erinnert an die Jahrhunderte vor ihm, und erweist sich als Hüter einer poetischen Tradition von Gerald Manley Hopkins bis Ossip Mandelstam. Seine akklamierte Übersetzung des altenglischen „Beowulf“ wurde zum Bestseller der Seminarräume. / Paul Ingendaay, FAZ

Wir erwarten von jedem Gedicht eine Ahnung dessen, was in der Sprache möglich ist, und spüren sofort, wenn es ihm daran ermangelt. Aber sogar ich ändere meine Gewohnheiten und muss Ihnen gestehen, dass ich in den letzten vier oder fünf Jahren zu einem Googler geworden bin: Ich hätte vor unserem Gespräch Ihren Namen googlen sollen. / Heaney im Gespräch mit der FAZ

Gedicht Die Schlammvision /  Digging

Mehr: Die Welt / taz /  Badische Zeitung / Berliner Zeitung / New York Times / Irish News