20. Rachmon, du bist die Sonne

Eigentlich sollte die dreijährige Gulnigor ein Gedicht über die tadschikische Fahne vortragen. Doch als der Hubschrauber des Präsidenten auf dem Flugplatz ihrer Heimatstadt Farchar landete und Emomali Rachmon über den roten Teppich ging, sagte sie nur, ihr sei kalt. Seit 6 Uhr morgens hatte sie an diesem Tag Ende Oktober mit anderen Kindern gewartet, um den tadschikischen Staatschef zu begrüßen. Rachmon zeigte sich verwundert und unzufrieden, dass wegen seines Besuchs Kinder leiden müssen. Es sei doch nicht seine Schuld, dass das tadschikische Volk ihn so sehr liebe, will er offenbar jedes Mal demonstrieren. „Rachmon, du bist die Sonne! Unser Glück! Unsere Zukunft!“, so wird dem Präsident in Liedern gehuldigt… / Die Welt

„Bei einer Wahlbeteiligung von 86,3 Prozent (3,640 Millionen Wähler) haben 83,6 Prozent [gestern] für Emomali Rachmon gestimmt“, teilte der Leiter der Zentralen Wahlkommission, Schermuhammad Schochien, am Donnerstag in der Hauptstadt Duschanbe mit. … Emomali Rachmon leitet die ehemalige Sowjetrepublik Tadschikistan, das ärmste zentralasiatische Land, seit 1992 und bekleidet seit 1994 das Präsidentenamt.
Die nächsten Präsidentenwahlen, bei denen Rachmon laut der Verfassung nicht mehr kandidieren darf, sollen 2020 stattfinden. / ria.ru

(Aber vermutlich wird er vorher die Verfassung erneut ändern!)

19. Mutig-Preis 2013

Der Dissident Liao Yiwu scheut sich nicht, die Kommunistische Partei Chinas zu kritisieren. Ein Gedicht brachte den Schriftsteller ins Gefängnis, seit 2011 lebt er im Exil in Berlin. Am Samstag, 9. November bekommt er den Aschaffenburger Mutig-Preis. / Main-Echo

18. zwischen unge / sehnen orten

Die Techniken der Überblendung und des zerspaltenen Versbruches stellen einen Zusammenhang der inneren und äußeren Welt her, der in seinem Spiel der Figur des Apokoinu ähnelt – das läuft nicht immer bruchlos über die Schwelle, aber gerade in Bezug auf die Brüche, die rauen Flächen unter den semantischen Fingerkuppen, könnte es der Dichter noch mehr absehen. Denn in den Unebenheiten steckt in diesem Falle die größte lyrische Spannung – gerade wenn sie so sorgsam und wortgenau auch über Sprachen hinweg gesetzt sind wie bei Hansen. Die letzten beiden Verse des Bandes, im Gedicht Schmetterlingsgalerie, benennen in diesem Sinne die Technik der Gedichte und geben Ausblick auf ihre erhoffte Verschärfung: Schwarz auf Glas das Muster gebrochen; Farbe / bricht sich Bahn an den Schnitten verschwindet das Weiß.

zwischen unge / sehnen orten eröffnet die neue Silbende Kunst-Reihe im gleichnamigen Verlag, hervorgegangen aus der gleichnamigen Zeitschrift, von der seit 2010 acht Ausgaben erschienen sind. Die kleinen Hefte wirken zwar nicht allzu robust, aber strahlen die zierliche Selbstverständlichkeit und Leichtgängigkeit aus, die Lyrik in unserer Gesellschaft haben sollte; nicht nur im Sinne des erlösenden salto mortale hinter die funktionale Differenzierung zurück. / Tobias, Roth, Signaturen

Dirk Uwe Hansen: zwischen unge/sehnen orten. Gedichte. Köln (silbende_kunst) 2013. 44 S., 7,50 Euro.

17. Neuer Band von Miłosz

Der 1911 geborene Czesław Miłosz gilt als einer der wichtigsten Literaten in Polen. Er erhielt 1980 den Literaturnobelpreis. Jetzt gibt es einen neuen Band mit rund hundert Gedichten, die einen nachhaltigen Eindruck von Miłosz‘ lyrischem Schaffen geben. / DLR

Czesław Miłosz: „Gedichte“, übersetzt aus dem Polnischen von Doreen Daume, Karl Dedecius, Gerhard Gnauck und Christian Heidrich. Hanser Verlag, München 2013, 134 Seiten

16. „Deutsch-arabischer Lyrik-Salon“ in Aachen und Bonn

Mit zwei literarischen Abenden setzt der von Fouad El-Auwad gegründete „deutsch-arabische Lyrik-Salon“, der in der ersten Jahreshälfte u.a. schon mit einer Lesung des syrischen Lyrikers Adonis auf sich aufmerksam machte, seine Veranstaltungsreihe fort. Die erste – wie immer zweisprachige – Lesung findet am Donnerstag, 7. November, 19.30 Uhr in der Aula der Domsingschule in Aachen (Ritter-Chorus-Str. 1-4) statt. Neben dem Gastgeber lesen hier Michael Augustin, Christoph Leisten, Suleman Taufiq, Franco Biondi, Christoph Wenzel, Francisca Ricinski, Hedil Al-Rashid, Dragoslav Dedovic, Hussein Habasch und Klára Hůrková. – Die zweite Veranstaltung findet am Freitag, 8. November, in Bonn (19.30 Uhr, Stucksaal des Poppeldorfer Schlosses, Meckenheimer Allee 171) statt. Dort werden Fouad El-Auwad, Michael Augustin, Mohammed Bennis, Jean-Baptist Para, Christoph Leisten, Suleman Taufiq, Franco Biondi, Francisca Ricinski, Dragoslav Dedovic, Gabriele Frings, Hussein Habasch und Klára Hůrková ihre Gedichte vorstellen.

Weitere Informationen: www.lyrik-salon.de

15. Was trägt man zu einer Lesung?

Guter Rat muß nicht teuer sein. Here you can help a budding poet.

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14. Fucking Zornig

Der 18 Jahre alte Yahya Hassan ist die Sensation der dänischen Lyrikszene. Der Sohn palästinensischer Flüchtlinge schreibt über Männer, „die zum Freitagsgebet gehen, aber alle anderen Tage stehlen, hehlen, saufen und huren“. Dafür kriegt er Lob von Islamkritikern und Todesdrohungen von Extremisten. …

Gedichtbände werden in Dänemark, wenn überhaupt, in Auflagen von 400 Stück gedruckt (was in Deutschland nicht viel anders ist). Für Hassans Erstling verdoppelte man die Zahl, so viel versprach sich der Verlag Gyldendal von dem Debütanten. Jetzt, zwei Wochen später, sind 25000 Exemplare aufgelegt, das wären, gemessen an der Bevölkerungszahl, im deutschen Sprachraum 500.000 Bücher für einen Lyrikanfänger. / Hannes Gamillscheg, FR

13. Vertikales Lesen

Am Wochenende war der syrische Dichter Adonis beim Internationalen Festival Mutanabbi in Zürich zu Gast. Im Gespräch mit der NZZ über

Arabische Sprache

Aber man könnte sagen, dass es eine fleischliche Sprache ist, eine Sprache des Körpers. Es ist nicht intellektuell, jedenfalls nicht im abstrakten Sinn des Wortes. Es ist eine Sprache, die sich den Dingen, dem Körper und dem Gefühl verbindet, dazu kommt die Musikalität, die ein konstitutives Element des Arabischen ist – in diesem Sinn ist es eine sehr poetische Sprache. Sie drückt sich nicht analytisch, objektiv aus, sondern über die emotionale, visuelle oder imaginative Beziehung des Sprechers zum Gegenstand.

Leser:

Wenn man sich dem grossartigsten Text mit kleinen Gedanken, engstirnigen Visionen annähert, dann wird auch der Text eng und klein. Und leider mangelt es unserer Zeit zunehmend an grossen Lesern – in der arabischen Welt wie im Okzident. Die Kultur des Lesens hat sich verflacht, sie ist funktional und oberflächlich geworden. Es dominiert die horizontale Lektüre; was wir jedoch nötig hätten, wäre die vertikale Lektüre, die in die Tiefe geht.

Orient und Okzident:

Unglücklicherweise redet man immer noch von Orient und Okzident, als gäbe es eine grosse Barriere oder Differenz zwischen den beiden. Aber «Orient» und «Okzident» sind zunehmend nur noch geografische Begriffe, vielleicht auch wirtschaftliche oder politische – aber aufs Existenzielle treffen sie nicht mehr zu. Wo ist der Unterschied zwischen einem sogenannt orientalischen und einem sogenannt westlichen Menschen? Wo war der Unterschied zwischen Hafis und Goethe, wenn es ums Schöpferische geht? Wo ist er, wenn wir Zaha Hadid mit Mario Botta vergleichen? Die Globalisierung macht diese Gleichheit evident; was ich heute in Zürich sehe, kann ich morgen in Kairo und übermorgen in Schanghai sehen.

(In Bezug auf Lyrik sieht er den Unterschied dann aber doch):

Auf den Okzident trifft leider zu, was Sie sagen. Aber eines meiner Bücher wurde vor zwei Jahren ins Chinesische übersetzt, und wir sind jetzt bei der elften Auflage. Und in den arabischen Ländern ist es bis heute die Lyrik, die zählt. Im Okzident dagegen hat sich, mit der Macht des Internets, der Bilder, der Unterhaltungsindustrie und der Massenmedien auch ein Wandel des Kulturverständnisses ergeben. Der okzidentale Leser zieht es mittlerweile vor, die Kultur zu konsumieren, und die Kultur wird umgekehrt zum Konsumartikel. So entfernt sich der Leser vom kreativen Prozess, von jener Vertikalität, die ich zuvor erwähnte.

Den Koran:

Leider wird die Lesart der meisten Muslime diesem Text bei weitem nicht gerecht. Der Koran wird schlecht gelesen, schlecht interpretiert; so hat die Lektüre den Text des Korans deformiert. Darum sage ich: Der Text ist letztlich das, was der Leser aus ihm macht. Wenn er im Geist der Offenheit, der Grösse und der Menschlichkeit gelesen wird, wird auch der Text gross; wenn nicht, wird er klein – sogar der Koran.

Religion:

Eine Revolution in einem arabischen Land darf nicht auf der Religion gründen. Die Religion ist keine Lösung; bei uns ist die Religion das Problem.

Syrien:

Ein Land, das auf eine Zivilisationsgeschichte von siebentausend Jahren zurückblickt – solch ein Land wird irgendwann eine Lösung für seine Probleme finden.

12. American Life in Poetry: Column 441

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

April Lindner is a poet living in Pennsylvania who has written a number of fine poems about parenting. Here’s an example that shows us just one of the many hazards of raising a child.

Dog Bite

The worst for him was his friend turned wolf,
and the blood that splattered as he ran. The worst
for us: the hospital, his upper lip tugged back
to show the gash—the flesh halved deeply,
cleanly—while I hold him for the needle
that rubs pain out. He submits
to the quick stitch, the thread black
against pink skin, calm now he sees
the doctor can be trusted, his voice
soothing, his face clean shaven,
the clues that signal kindness to a child.
He’s worried, though, about his pet
who didn’t mean it, Mom. His voice is flat.
He knows the months he’s tried to woo this dog
were over when it leapt for his throat
and caught his mouth. The scars, at least,
will be invisible. At home, he’ll sleep,
big boy between his parents, till he’s sure
no beast will tear into his dreams. And we
will want him there, our bodies makeshift walls.
We who led the stranger to our home,
fixed him a bowl, taught him to sleep
under our blankets, we who taught our son
to rub the muzzle that sheathes the teeth.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2012 by April Lindner from her most recent book of poems,This Bed Our Bodies Shaped, Able Muse Press, 2012. Poem reprinted by permission of April Lindner and the publisher. Introduction copyright © 2013 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

11. Aus dem dogmatischen Schlummer geweckt

Now, imagine approaching poetry as a teenager in 1971. The first poem you read in your English class’ textbook begins:

in Just-
spring when the world is mud-
luscious the little
lame balloonman
whistles far and wee
and eddieandbill come
running from marbles and
piracies and it’s
spring
when the world is puddle-wonderful

And the next one:

Buffalo Bill’s
defunct
who used to
ride a watersmooth-silver
stallion
and break onetwothreefourfive pigeonsjustlikethat

In a flash, the poems jolt you out of your dogmatic slumber.

The lines dance and writhe, alive with electricity and innovation, fueled by a fractured typography, by a short-fused syntax. New words burst onto the page like particles colliding in a physics experiment. The poem’s shape mimics what it says; it builds and breaks with an unpredictable spontaneity and delight, with abandon.

Congratulations. You have just been baptized into the poetic world of E. E. Cummings, and you’ll never steer clear of poetry again.

Instead, you’ll jump at the chance to take part in the making of each poem, to decode its cryptic message tangled in a spider’s web of type, to re-create the swoosh of letters sweeping down the page.

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le
af
fa
ll
s)
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(By Arlice Davenport, The Wichita Eagle)

Und fast genauso gings mir, fast zur gleichen Zeit. Nur war es bei mir kein Schulbuch, sondern ein verirrtes Exemplar der 73 poems. Und drei Gedichte springen in meine Anthologie. Ein Frühlings-, ein Amerika-, ein Herbstgedicht.

10. Transporter

Amazon Publishing hat ein digitales Literaturmagazin für seine US-Kunden gestartet − „Day One“. Das Magazin soll wöchentlich erscheinen und Kurzgeschichten, insbesondere von Debütanten, sowie Lyrik transportieren. Dabei sollen jeweils ein Autor und ein Dichter im Mittelpunkt stehen, teilte Amazon mit.

Erscheinen sollen der Website von „Day One“ zufolge in dem digitalen Magazin Kurzgeschichten von Debütanten, englische Übersetzungen von Stories weltweit sowie Lyrik. Die Cover dürfen jeweils aufstrebende Künstler und Illustratoren gestalten. Die erste Ausgabe ist bereits erschienen, so die Amazon-Mitteilung weiter, darin die Kurzgeschichte „Sheila“ von Rebecca Adams Wright und das Gedicht „Wrought“ von Zack Strait. / Börsenblatt

9. Wenn du fertig bist

Am Anfang steht ein Gedicht. Peer Steinbrück trägt es in seinem Büro im Willy-Brandt-Haus unvermittelt vor. Es stammt von Günter Grass. „Wenn du fertig bist, wenn man dich fix und fertig gemacht hat: flachgeklopft entsaftet zerfasert“, trägt Steinbrück vor. „Wenn du (. . .) für immer aufgegeben hast, (. . .) dann stehe auf und beginne dich zu bewegen, dich vorwärts zu bewegen.“ / Südwestpresse

8. Poetopie

der erste Ton des Klaviers schlägt dich an – auf deinem Platz im Konzertsaal erklingst du

Hansjürgen Bulkowski

7. Patent

Der Österreicher Leopold Stöckl erfand mit 74 einen Teigroller zum Kekserlbacken, damit die Kekserl alle gleich dick werden. Er meldete ihn in Linz als Patent an und schrieb ein Gedicht:

„Er hat an Teigroller, auf den hat er a Patent. Wos nutzt eahm des Patent, wenn den Teigroller neamt kennt.“

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6. Das Schweigen ist zweisprachig

Der Band besteht aber hauptsächlich aus der Gegenüberstellung zwischen Rumänien in den 80er Jahren und dem Westen, der Bundesrepublik, Ende der 80er Jahre. Das autobiografisch geprägte lyrische Ich bewegt sich in der einen wie in der anderen Welt unsicher. Da gibt es die Unfreiheit in Rumänien, die Samson ganz klar benennt: „Niemand darf reden“ (S. 50). Die Dichter werden einerseits besungen, andererseits belogen. Den Zeitungen kann man nicht trauen, sie sind „dressiert“ und die „Erfolge brennen darin lichterloh“. Der Geheimdienst ist allgegenwärtig, die „Technik im Telefon schläft nie“. Und der Zensur kann man nur mit einer „Kriegserklärung“ begegnen, indem man zurückdichtet. Selbst „Die Wände horchen,/ ob wir noch da sind, und trauen/ Ihren Ohren nicht“ (S. 63). In diesem Land gehen einem die Träume aus und die Hoffnung, „wächst unaufhaltsam/ in die Erde“ (S. 16). Die Folge davon ist: „Wir ducken uns/ Unter die Haut. Ringsum explodieren/ Die Wörter“ (S. 16). Die Gedichte bleiben unveröffentlicht, man schreibt für die Schublade und mit kalter Tinte.

Der Rückzugsort des lyrischen Ich ist selbst prekär, besteht aus „grauen Zweigen, Papier und Altweibersommer“. Das Schweigen ist belastend und zweisprachig. Die Lage ist für die Dichter gefährlich, sie werden „an ihren Worten aufgehängt“. So kommt es zu einer Auswanderungswelle in den Westen oder in die Verzweiflung:

„Und auf großen Geldscheinen/ Rudern westwärts die Freunde“ (S. 10), und andere übersiedeln nur in die Schnapsflaschen.

Auch das lyrische Ich entscheidet sich, zu gehen: „Der Landsegen hängt schief/ Über meinem Gedicht. Ja ich gehe/ Mit meinem Schreibtisch unterm Arm/ Ins mögliche Nichts“ (S. 13). Es geht den verlogenen Sätzen davon und den Reden, aber es geht in die Ungewissheit und eine Tür fällt hinter ihm zu.  (…)

Auch im Westen sind keine Wunder zu erwarten, die Fremdheit nimmt überhand, denn „die Heimat hat keinen Platz mehr im Mund“. Auch hier trifft das lyrische Ich auf eine kleine Hölle, auch hier ist das Gedicht nicht unschuldig und nicht frei von Leid, es redet „in Narben“. Und dennoch, trotz dieser existenziellen Zwangslage, die sich im Westen nun auch breit macht, schimmert an mancher Stelle die Hoffnung: „Gedichte/ Sind ein Zuhause/ Für alle/ Die keins haben“ (S. 126).

Neben diesem allgegenwärtigen Fremdsein finden wir aber auch das schöne Gedicht über den Vater, der in den Krieg zieht („Pünktlicher Lebenslauf“), Gedichte als Erinnerungen an Albrechtsflor, an Zuhause, etwa an eine Schweineschlacht im Banat, jene über das Kinderzimmer oder eine Kinderzeichnung, die nicht ganz unbeschwert sind, oder jenes über die Treibjagd auf die Wörter, den Tatort des Schreibens oder über die Literatur. / Edith Ottschofski, Siebenbürgische Zeitung 5.11. (sic)

Seine Gedichte machen uns die Grenzen, die Begrenzungen und Einengungen des Daseins bewusst, die nicht nur im einstigen Kommunismus präsent waren, sondern auch in der freien, neuen Welt anzutreffen sind: Einsamkeit, Schlaflosigkeit, Verlassensein, Selbstbestimmung. / Katharina Kilzer, Banater Post 20.9.

Ich hatte es bislang nicht wirklich kapiert, die Maschinensprache hatte mich hinters Licht geführt, aber die deutschsprachigen rumänischen Autoren, die in Deutschland leben, sind Emigranten. Sie kamen, weil sie vom politischen Druck des Kommunistischen Regimes von Vernichtung bedroht waren, und kamen nach Deutschland, das ihnen ein fremdes Land war und manchen immer noch ist. Dass einige von Ihnen die literarische Landschaft in Deutschland stark prägten und prägen, liegt unter anderem in einer Tradition der rumänischen Dichtung begründet, denke ich, die eine europäische ist, und in der sprachlichen Vielfalt, die dort einmal herrschte.

In Samsons Band gibt es ein Gedicht, das So könnte es gewesen sein heißt, und dem rumänischen Dichter Urmutz gewidmet ist, einem Avantgardedichter von Anfang des 20. Jahrhunderts. Hier ist Einiges von der Ambivalenz der rumänischen Herkunft zu erfahren. / Jan Kuhlbrodt, Fixpoetry

Horst Samson: Kein Schweigen bleibt ungehört. Gedichte, Ludwigsburg, Pop Verlag, 2013, 161 Seiten, 14,99 €, ISBN 978-3-86356-055-3