Dieter Hildebrandt war entsetzt über die Entwicklung in unserem Land, über den Verfall des Geistes, Korruption, maßlose Bereicherung und öffentliche Niedertracht. Dieter Hildebrandt war alarmiert und hatte das dringende Gefühl, dass etwas Dramatisches passieren muss, um das Ruder herumzureissen. Dieter war angriffslustig – und er hat angegriffen.
Und wie! Dieter hat sich auch außerhalb der Bühne immer vehementer eingemischt. Er hat sein ganzes Gewicht als moralische und geistige Instanz in die Waagschale geworfen. Er das Projekt StörsenderTV aus der Taufe gehoben. Das wird uns bleiben und das ist ganz wichtig: der Störsender muss weiterleben und weiterwachsen!
Bleiben wird uns auch das Werk und die Erinnerung an einen grandiosen Kabarettisten, Schauspieler, Autor und fabelhaften Menschen – aber plötztlich fehlt da ein Freund, ein Vorbild, die Ehrlichkeit, der Anstand, der Scharfsinn und die Klugheit des Dieter Hildebrandt. / Konstantin Wecker, mehr hier
Die Vorjury hat
Konstantin Ames, Berlin
Eric Giebel, Darmstadt
Alexander Gumz, Berlin
Dirk Uwe Hansen, Greifswald
Anja Kampmann, Leipzig
Andra Schwarz, Leipzig
zur dritten Lesung am 13. Dezember,
um 19:30 Uhr, ins Münchner Literaturbüro,
Milchstraße 4, eingeladen.
Die Abendjury:
Bettina Hohoff, München
Jan Kuhlbrodt, Leipzig
Àxel Sanjosé, München
Tom Schulz, Berlin
Bis jetzt sind ins Finale (am 22. Februar) gewählt:
Dominic Angeloch, Berlin
Kerstin Becker, Dresden
Odile Kennel, Berlin
Birgit Kreipe, Berlin
Martin Piekar, Bad Soden
As a boy raised by artists, the poetry of life was inescapable. When Mother played Debussy on the piano or Dad played a recording of Gershwin’s „An American In Paris,“ this was nothing less than audible poetry. Grandmother’s watermelon rind pickles, the crisp cloves exploding with each crunchy bite, tasted poetic. And when Mother immersed the house ceiling to floor in painted coats of vivid color, the surface shades spoke to us as visual poets. / Rawlins Gilliland, Kera News
Lesungen von Timo Berger, Rafael Mantovani (Port. / Dt.) und Emanuele Rodo.
Freitag, 22.11.
Ausland
Lychener Strasse 60, 10437 Berlin
Geöffnet ab 20 Uhr, Beginn um 21 Uhr | Eintritt 5 EUR
Timo Berger wurde 1974 in Stuttgart geboren. Er lebt und arbeitet in Berlin als Journalist, Herausgeber und Übersetzer aus der Spanischen und Portugiesischen. Zusammen mit Rike Bolte gründete er 2006 das mobile lateinamerikanische Lyrikfestival „Latinale“. Letzte Veröffentlichungen (als Herausgeber) „Popcorn unterm Zuckerhut. Junge brasilianische Literatur (Wagenbach, Berlin, 2013) und „De ahí nomás. Poesía de Centro América y el Caribe“ (Vox / Germinal, Bahía Blanca und San José, 2013); Als Autor „AmérikaNoAmérika“ (Bonobos, Mexico, 2012) und „Ferne Quartiere“ (lyrikedition 2000, München, 2008).
Rafael Mantovani wurde 1980 in São Paulo geboren. Er hat Linguistik an der Universität von São Paulo studiert und arbeitet seit 1998 als Übersetzer. Seine Gedichte wurden in Zeitschriften wie Opiniães, Rubato, Rosa und Lado7 veröffentlicht. Sein erster Gedichtband „Cão“ erschien 2011 bei dem Verlag Hedra. Er lebt derzeit in Berlin, wo er an der Humboldt Universität Philosophie und Gender Studies studiert. Er war einer der Gäste bei der Latinale – Lateinamerikanisches Poesiefestival 2013.
Emanuele Rodo, born in Rome 1974, is based in Berlin, lives across the border, in Europe. He underwent a set of mutual (reciprocal) acts of a sentence and passion throughout figurazioni (2004-), and figurae (2007-), respectively, in the declared manifestos – with Matteo Rovesciato, after T (2007-) – of in folio (2008-, with Manon Greiner), in pianto (2008-, with Dario Fariello) and posto (2009), a (potential) lore of (coded summits of) the above sentence. In ausland, he’ll present the work `pose (ηλεκτρον)‘.
Rap ist cool und dabei doch nichts anderes als? Lyrik, genau. Denn Rap besteht aus Wörter, die sich reimen, Geschichten erzählen und Gefühle offenlegen. Und seine Sprache ist jung. Nur die Themen sind seit Jahrhunderten die gleichen – auch wenn heute ein „Alter!“ davor gesetzt wird. Oder nach was hört sich folgender Reim an? „Du musst auf dein Herz hör’n, hör wie es schlägt, wie es fleht, wie es schreit, hör wie es lebt, wie es lacht, wie es weint.“ Schiller oder Sido? Tatsächlich Sido. / Julia Dreier/Willi Adam, Badische Zeitung
Man sagt, Dichter sehen das Leben durch rosa Brillen, aber ich sage lieber, durch ein starkes Fernglas mit Pastelltönung.
They say poets look at life through rose-colored glasses but I’d say it’s through high-resolution binoculars with a pastel tint.
/ Rawlins Gilliland, Kera News
Heute abend (MEZ) startete die Marssonde MAVEN, die die Marsatmosphäre untersuchen soll, aber auch eine künstlerische Mission hat. Auf einer DVD transportiert sie Bilder und rund 1500 Gedichte – englischsprachige Haikus, die von tausenden Erdlingen eingesandt wurden. Ob die Marsianer Englisch verstehen oder einen DVD-Player besitzen, ist insofern irrelevant, als die Sonde nicht landen, sondern den Mars nur in 150 bis 6000 km Abstand umkreisen wird.
Hier der Link zum NASA-TV-Kanal, hier Informationen zum Flug und ein paar Texte und hier alle 1500.
Die meisten Stimmen bekamen:
It’s funny, they named
Mars after the God of War
Have a look at Earth
(Benedict Smith
United Kingdom)
Thirty-six million
miles of whispering welcome.
Mars, you called us home.
(Vanna Bonta
USA)
Eine junge, schöne Frau wird von Uniformierten in einen Käfig gesperrt. Sie trägt Handschellen und schlägt die Augen nieder. Ihr Vergehen ist weltbekannt: Sie hat einen der mächtigsten Männer der Erde beleidigt,Geschäftspartner des deutschen Altkanzlers Schröder, Herr über 143 Millionen Menschen und ein Drittel der Erdgasvorräte der Welt. In einem neostalinistischen Schauprozess wurde sie zu zwei Jahren Gulag verurteilt. Seither sitzt sie in ständig wechselnden sibirischen Straflagern, wartet, näht, hungert und wartet weiter.
Nadeschda Tolokonnikowa und ihre russische Band Pussy Riot führen neben den ukrainischen Femen die radikalste feministische Revolte Europas an. Beide Frauenpunkbewegungen konzentrierten sich bisher auf ihre Aktionskünstlerschaft und beschränken sich auf schlanke Forderungen: Verjagt Putin, die Ukraine ist kein Bordell, weg mit der Prostitution. / Iris Radisch schreibt in der Zeit über den Briefwechsel zwischen Nadeschda Tolokonnikowa und Slawoj Žižek.
Dante Alighieri und André Rieu tummeln sich in den Höllenkreisen aus der Göttlichen Komödie; das Prinzenbad könnte auch der Hades sein; und die Hölle, das sind nicht die Anderen, sondern die Fußgängerzone der Stadt Kassel. Ob die mythische Medusa oder Madonna in einer gelben Speedo-Badehose auf einem Ein-Meter-Brett: auf überbordende, vor Sprachspiellust und Anspielungswut fast berstende Weise malt der Autor ein illustres Weltuntergangsszenario zwischen Schaudern und Satire. Hier ist der Armageddon ein fett gemästetes Showprogramm, mit einemlangverweste Dante als kompetenter Reisebegleitung.
Lässig wäre wohl das passende Wort um die Haltung des lyrischen Ichs auf dieser Reise zu beschreiben. Durch die Apokalypse glitt ich körperbetont. Ein Flip-Flop-Flaneur, der mit distanziertem und sarkastischem Blick den wüstesten Szenen beiwohnt. Denn der Weltuntergang findet in Form von H&M und Hartz IV schon seit Längerem und gleich um die Ecke statt, z.B. am Kottbusser Tor.
Aber an den Obstständen vorm Kotti (schau an)
noch lebendige Tote mit jodgefüllten Lebern
stehen Leichen labbrig ledern im lauen Wind
im Wiegeschritt taumeln wir den Apokalypso mit
Dieser Apokalypso, der Totentanz als mittelalterliche Allegorie auf die Gewalt des Todes über das Menschenleben ist das zentrale Thema des Bandes. Die alte Frage, was kann der Mensch tun, im Angesicht der ständigen Bedrohung durch den Tod und der Vergänglichkeit von Welt und Leben. Wie auch die Maler im Zeitalter des Barock scheint Voß dem horror vacui eine Überfülle an Ornamente entgegensetzen zu wollen. Man hat mitunter den Eindruck, als wolle er den Tod totlabern, begraben unter einem Wall von großartigen Alliterationen, Assonanzen und geglückten Wortspielen (Zerebraler Zerberus, Sternen-Staub-Sauger, Barock-Brocken), die vor dem letzten und absoluten Schweigen feien sollen. / Mónika Koncz, Fixpoetry
Florian Voß
In Flip-Flops nach Armageddon
Verlagshaus J. Frank
2013 · 100 Seiten · 13,90 Euro
ISBN: 978-3-940249-78-4

This poem translated from the Nigerian language group by Roger Wescott propounds a simple truth: it is a good thing to have children. Twins in particular have a religious significance. One of the cults of the Yoruba in Nigeria and Dahomey in West Africa is that of the ibeji (twins). The Yoruba differ from most West African tribes in welcoming the birth of twins and not considering them a moral calamity. Whenever one or both of the twins die, small twin figures such as the ones pictured here are carved in order to avert further visitations of death on the family. The figures are kept in family shrines and are ceremonially fed and anointed with oils on certain days to insure that the spirits of the dead twin or twins may remain with the tribe. /

Ich brauch jetzt mal ein unverständliches Gedicht, was für den kleinen elitären Zirkel. Die anderen können in der Zwischenzeit was andres machen.
Ursonorous Disruptions-Wu Tang
Kurt Schwitters‘ Ursonate played back using phonetic fragments from multiple Ursonate performances mixed with various songs by Wu Tang clan. By Dan Richert and Mathew Timmons.
das geschäftig durch die Stadtstraßen hastende Volk macht mich nur traurig
Hansjürgen Bulkowski
Unter den bekanntesten Dichterinnen sind zu nennen: Hsieh T’ao 薛濤 * , 768-831, die Kurtisane von Shu. Sie stammte aus guter Familie, die aber in grosse Armut geraten war, so dass sie Schönheit und Liebe andern zur Verfügung stellen musste. Sie verkehrte viel mit Dichtern wie Po Chü-i, Yüan Chên, denen sie viel verdankte. Ihr Leben war reich an künstlerischem Schaffen.**
Aus: Eugen Feifel: Geschichte der chinesischen Literatur. Mit Berücksichtigung ihres geistesgeschichtlichen Hintergrundes. Dargestellt nach Nagasawa Kikuya: Shina Gakujutsu Bungeishi. Vierte, neu bearbeitete u. erw. Aufl.. Hildesheim, Zürich, New York: Georg Olms, 1982, S. 254.
*) Xue Tao (simplified Chinese: 薛涛; traditional Chinese: 薛濤; pinyin: Xuē Tāo; Wade–Giles: Hsüeh T’ao, 768–831), courtesy nameHongdu (洪度/宏度) siehe Wikipedia (englisch, französisch, spanisch, polnisch usw., leider nicht deutsch)
**) Sela, Psalmenende
“Wir entschuldigen uns für die intellektuell aufgeblasene Diskussion hier vorne. Doch das ist nur die Rache für den ersten Teil der Veranstaltung”, witzelt der polnische Lyriker Tadeusz Dąbrowski völlig unerwartet mitten im Gespräch mit Alexander Gumz.
Der erste Teil der Eröffnung des diesjährigen Polenmarktes bestand in einer Preisverleihung des “Förderpreises des Wissenschaftlichen Botschafters”, Jerzy Marganski der Republik Polen. (…)
Doch zurück zur intellektuell aufgeblasenen Diskussion: Wenngleich der polnische Lyriker im Mittelpunkt des Geschehens stand, wurden auch einige wenige Gedichte von Alexander Gumz vorgetragen. Das Erfrischende dabei ist, dass beide zu jener Kategorie von Lyrikern gehören, die wollen, dass ihre Texte auch von den Lesenden verstanden werden. Das mag vor hundert Jahren durchaus noch alltäglich gewesen sein. Häufig findet man heute völlig unverständliche Gedichte mit dem Etikett des “avantgardistischen” verknüpft. Worin das Bestehen soll, wird auch nicht deutlich. Es klingt aber wenigstens schön.
Der Lyriker Tadeusz Dabrowski liest aus seinen Gedichten. Ganz Links: Alexander Gumz
Tadeusz Dąbrowski hat es poetischer formuliert: “Wenn Lyrik zum poetischen Design wird, ist es keine Lyrik, sondern bloßes ästhetisches Spiel.” Zudem hebt er hevor, dass ein jedes Gedicht immer die Chance an das Publikum geben sollte, dass es jenes verstehen kann. Darüber hinaus sollte sich in jedem Gedicht immer auch eine Konstruktion der Wahrheit wiederfinden. Ist ein Gedicht nicht auf der Suche nach Wahrheit, so würde es seine eigentliche Funktion verlieren. “Das ist vielleicht auch der Grund, weshalb meine Gedichte so klar sind.” Das sind sie in jedem Fall. Sie verfolgen ein sehr geradliniges, strukturiertes Konzept.
Die Inhalte sind extrem verdichtet und man versinkt recht schnell in den Versen. Es könnte unmittelbar neben dem Lesenden, in diesem Fall Hörenden, eine Bombe hochgehen. Er würde sich bestenfalls die Augen reiben und murmeln: “Was war jetzt los?” Seine Gedichte eröffnen den Raum zum grenzenlosen Denken. Die einzelnen Verse sind vollgepackt mit sprachlichen Bildern, dass man einerseits viele Möglichkeiten hat, ein Verständnis für das Gedicht entwickeln zu können, zugleich aber immer irgendwie das Gefühl hat, zu wissen, worum es geht.
Selbst wenn man es einem Dritten gegenüber wiederum nicht unbedingt in Worte fassen könnte. Und obwohl Dąbrowski zugleich meint, dass jedes Gedicht eine “Rebellion gegen alle vorgegebenen Strukturen” sei, stellt diese Aussage keinen Widerspruch zu dem klar strukturierten Aufbau seiner Lyrik dar. Der Bruch mit allen vorgegebenen Strukturen setzt sich aus der gelungenen Komposition der Worte zusammen. Sie sind ganz bewusst an bestimmte Stellen im Text gesetzt, dass sie einen geistigen Horizont eröffnen, der an den Grenzen des Universums sein Ende finden wird.
In dem Dichtergespräch wurde jedoch nicht nur die Lyrik der beiden thematisiert. Es stand auch die Zukunft der gesellschaftlichen Stellung der Lyrik im Mittelpunkt. Beide Autoren haben davor Angst, dass Lyrik zu einem Gegenstand sich elitär gebender Zirkel wird, die in einem hermethisch abgeriegelten Raum ein Schattendasein führt. “Wir können uns jetzt also gegenseitig unterbieten”, meinte Gumz, als beide feststellten, dass Lyrik im öffentlichen Bewusstsein zunehmend auf dem Rückzug sei. Um dieser Tendenz entgegen zu treten, lasen sie zum Abschluss noch ein paar Gedichte, bevor dann das Buffet eröffnet wurde. / Marco Wagner, Webmoritz
polenmARkT ist ein jährlich stattfindendes Festival in Greifswald. Hier das Programm.
Bevor der Lyrik-Abend losging, schlüpften einige Besucher erst einmal hinter den roten Vorhang und beantworteten Fragen: „Wie und wo hast du zuletzt Poesie erlebt?“ oder: „Was kann Poesie bewirken?“ Wer dann noch wollte, durfte einen Vers aufsagen. Was dabei herauskam, haben die „O-Poeten“ – ein Sprechtheater-Ensemble dreier Studenten mit türkischen Wurzeln – mit einer Kamera gefilmt. Am Ende der Veranstaltung haben sie die Videoaufnahmen dem Publikum gezeigt.
Es war einer von mehreren guten Ansätzen, mit denen die jungen Augsburger „O-Poeten“ Serkan Erol, Eren Mert und Burhan Kaçar ihr Publikum auf einen Ausflug ins „Paradies der Poesie“ nehmen wollten. / Stefanie Roth, Augsburger Allgemeine
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