34. Richard Wall

Wall hat seit seinem Erstling mit Nachrichten „aus der Pendlerprovinz“ („Ringsherum Schnee“, 1987) 20 Gedicht- und Prosabände veröffentlicht, einer schöner und gehaltvoller als der andere, und doch muss man der literarischen Öffentlichkeit immer wieder aufs Neue sagen, was sie an diesem Einzelgänger hat, der sich nach Gemeinschaft sehnt und sich ihrer, reisend, auch versichert.

(…) Während die meisten Kollegen, Kolleginnen der schreibenden Zunft, wie Igelmann und Igelfrau im bekannten Märchen, sofort Wendepunkt und Ziel des literarischen Parcours besetzen, rennt Richard Wall in die Welt hinaus, von seiner Entdeckerfreude und ebenso vom heimlichen Wunsch geleitet, Verbündete im Kampf gegen die Miserabilität der Gegenwart zu finden. (…)

Besonders deutlich zeigen sich seine weit gestreuten Interessen in der Zusammenschau der verstreut publizierten Aufsätze, Glossen und Reportagen. In seinem jüngsten Prosaband, „Kleines Gepäck“, versammelt er Berichte aus 15 Jahren und 16 Ländern, für die er den Fährten von Antonin Artaud und Ivo Andrič, James Joyce und Bruno Schulz, Petr Bezruč und Bohumila Grögerová, Miguel Torga und Federico García Lorca gefolgt ist. Zwischendurch besucht er Hans Wollschläger und Wolf Suschitzky, erinnert sich an eine Wirtshauslesung von Franz Kain (die ihn in seine Jugend und noch weiter zurück in den Partisanenkampf im Ausseer Land katapultiert), liest aus den Altersfotos österreichischer Spanienkämpfer deren wechselhafte Biografien heraus und nimmt die politischen Wandmalereien in der sardischen Ortschaft Orgosolo zum Anlass, noch andere Ausdrucksformen einer jahrhundertelang marginalisierten Kultur zu würdigen. / Erich Hackl, Die Presse 7.12.

Richard Wall
Kleines Gepäck
Unterwegs in einem anderen Europa. Prosa. 278 S., brosch., €19 (Kitab Verlag, Klagenfurt)

33. Dichter als Boxer & Diwane

Klanglandschaft Algerien – 11.12.2013:
Dichter als Boxer & Diwane

Zwei Darbietungen, gewidmet dem großen algerischen Autor Kateb Yacine und den „Diwane“ genannten Musiktraditionen aus dem südlichen Algerien, die mit der bei uns bekannteren marokkanischen Gnawa-Kultur verwandt sind.

Die Texte des Musiktheaters stammen aus einer Sammlung von Interviews mit Kateb Yacine aus der Zeit zwischen 1954 und seinem Todesjahr 1989. Sie thematisieren das Leben und die politischen Positionen des freigeistigen Dichters und linken Oppositionellen, der der arabisch-islamischen Prägung seiner Heimat immer eine multikulturelle Vision entgegenhielt. Einige der Lieder transportieren die – teilweise revolutionär geprägten – Texte Yacines aus der Zeit des algerischen Widerstands gegen Frankreich. / wdr3

32. Neue Lyrik: Rüge & Ratschlag

Der Krüger des Tages (siehe L&Poe hier und hier) stammt heute von Adolf Endler:

Möglicherweise aber ist Hans Richters Stirnrunzeln nichts anderes als die Frucht der Ungeschicklichkeit des sonst recht geschickten Organisators seiner Texte, der merkwürdigerweise immer dann ungelenk wirkt, wenn es um Rüge und Ratschlag geht für junge und neuere Poeten, wie man sie offenkundig von deutschen Literaturprofessoren heutzutage erwartet. Möglicherweise will er nur seinem Eindruck oder Gefühl Ausdruck geben, daß sich die neuere deutsche Lyrik nicht mehr so kontinuierlich entwickelt wie vorgestern, daß die Maschine stottert. Dann allerdings wäre Richter zu einem falschen Eindruck gekommen. Denn wer die veröffentlichten (und vor allem die Vielzahl der unveröffentlichten) Arbeiten der jüngeren Lyriker der DDR vor Augen hat, der lebt mit dem begründeten Bewußtsein, daß sich unsere Lyrik in einer Phase permanenter und nicht abreißender Produktivität befindet!

Adolf Endler, in: Sinn und Form 6/ 1971 (sein Beitrag, Antwort auf ein Buch des Jenaer Germanisten Hans Richter, leitete und läutete eine kontroverse Lyrikdebatte ein). 

Was das mit Michael Krüger zu tun hat? Nicht nur daß, davon bin ich überzeugt, sich die Debatten, die expliziten und impliziten, zu allen Zeiten an allen Orten letztlich immer um dasselbe oder zumindest -gleiche drehen; Michael Krüger stellte als junger Autor in Heft 5 der Akzente von 1973 ein Dossier zur Literaturkritik in der DDR zusammen, darin auch Beiträge von Endler. Im gleichen Hefte Interviews mit Volker Braun, Bernd Jentzsch und Martin Stade, Prosa von Elke Erb, Irmtraud Morgner, Kristian Pech, Karl-Heinz Jakobs und Fritz Rudolf Fries sowie Gedichte von Heinz Czechowski, Rainer Kirsch, Adolf Endler und Bernd Jentzsch.

(Die Serie wird morgen fortgesetzt)

31. Basler Lyrikpreis für Anja Utler

Die deutsche Lyrikerin Anja Utler wird mit dem Basler Lyrikpreis ausgezeichnet. In einer Medienmitteilung des Literaturhauses Basel heisst es: «Anja Utler erhält den Preis für ihre innovative Darstellung aktueller Themen wie Ökologie in der Poesie», ausserdem war ihr «gleichermassen reflektierter und sinnlicher Umgang mit dem Verhältnis von Sprache und Körper» ausschlaggebend für die Wahl.

Die Lyrikerin Brigitte Oleschinski beschreibt treffend, zu welcher Lektüre Utlers Gedichte verleiten: «Ein Hören mit den Augen, ein Lesen mit den Ohren.» / Tageswoche

30. Sms-Interview & -pdf-publikat mit 5. Nahbeller (2004) Alex Nitsche

Im August 2012 trafen sich der bei Bremen lebende Alex Nitsche und der Neuddorfer Tom de Toys am Düsseldorfer Altstadtufer erstmals nach einem Jahrzehnt wieder, als Nitsche unterwegs zu Ron Schmidt an den Niederrhein war, um deren Gedichtband “GOLD” zu konzipieren. Seitdem schicken sich Nitsche & De Toys Gedichte per SMS. Daraus entstand die Idee, Nitsches SMS-Gedichte in der Edition P.D.F. (Poemie Digital Fusion) zu veröffentlichen. Vorher wird derzeit das Nahbell-Interview mit ihm per SMS geführt, das sich dann 2014 im Anhang des PDF-Publikats (Titel: “alles und alles”) wiederfinden wird:

http://poemie.jimdo.com/nahbellpreis/preistr%C3%A4ger-portraits/interview-pdf-publikat-2014/

AUSZUG AUS DEM INTERVIEW (UNTERSEITE @ http://www.NAHBELLPREIS.de):

5.NAHBELLFRAGE (7.12.2013):
Du bist ja durch das ddr-system staatlich geprüfter dichter. Hat dir das damals für dein prestige irgendwelche vorteile eingebracht? Oder galtest du als schräger intellektueller und wurdest von der stasi bespitzelt? Was hälst du von heutigen literaturinstituten wie dem leipziger?

5.NAHBELLANTWORT (7.12.2013):
in den späten 80er jahren der ddr gab es soetwas wie eine geduldete opposition die natürlich bespitzelt wurde.mein politisches erwachen und meine ersten gedichte fallen in diese zeit.ich war damals 16,17, ziemlich jung und punk was 1988 auch im osten nichts wirklich außergewöhnliches war.über die bedeutung des literaturinstituts,frag mal nen historiker und keinen zeitzeugen.

8.NAHBELLFRAGE (8.12.2013):
Dein kommender sms-gedichtband “ALLES UND ALLES” (oder titel klein geschrieben? was ist dir lieber?)* im g&gn-verlag wird von einem titellosen gedicht eröffnet, das du am 31.8.2012 als sms gesendet hast, ich zitiere es hier vollständig als exklusives preview:

“unterm schweißfilm der oberflächen arbeiten zufall und schicksal an ihrem gewebe aus liebe und raum wo wir vergangne jahre zu goldfäden spinnen die kaum sichtbar sind dünner als haar und schwerer als blei.”

Was hat dich dazu inspiriert? Kannst du den leser ein wenig in das geheimnis des entstehungsprozesses einweihen? Wer oder was dich inspirierte und wie es entstand: als allmähliche schwere geburt oder urplötzlich in einem guss oder wie sonst?

* Nitsches Antworten auf die Frage nach der Orthografie seiner Gedichte:
“immer alles klein” und “Nitsche nur echt mit punkt am ende.” (8.12.2013)

29. Poetopie

in welche Richtung? auf dem Kompass dreht sich der Pfeil der Zeit im Kreise

Hansjürgen Bulkowski

28. Zu Zürn

Jan Kuhlbrodt
Zu Unica Zürn

Unica Zürn passt nicht ganz in den zeitlichen Rahmen der Münchner Anthologie, denn sie starb am 19. Oktober 1970 in Berlin, andererseits passt sie sehr gut, denn ihr Werk wurde in der männerdominierten deutschen Nachkriegsgesellschaft verdeckt und verborgen.
Vielleicht braucht es fremde Einflüsse, um auf eigene Leerstellen aufmerksam zu werden. Ganz sicher braucht es das.
Zwei Leerstellen, die ich im letzten Jahr nur mühsam füllen konnte, waren die des weiblichen deutschsprachigen Surrealismus, Leerstellen, die die Namen Unica Zürn und Meret Oppenheim tragen und jetzt durch jene Autorinnen besetzt wurden, Künstlerinnen, die ich, jede auf ihre Art, zutiefst bewundere. (…)

Wenn man in der Liste lieferbarer Bücher nach ihrem Namen sucht, ist die Ausbeute überschaubar, und im Falle Zürns landet man letztlich immer wieder bei einer wunderschön gestalteten Ausgabe des Berliner Verlages Brinkmann & Bose aus dem Jahre 1988.

Von der Mitherausgeberin Sabine Scholl erschien 1990 im Athenäum Verlag das Buch: Fehler Fallen Kunst. Noch immer scheint dieses Buch das umfangreichste zu Unica Zürn zu sein, noch immer ist Unica Zürn zumindest in Deutschland ein Geheimtipp. Deshalb bin ich auch der brasilianischen Autorin und Zeichnerin Érica Zíngano dankbar, von der gerade im Hochroth Verlag eine Hommage á Zürn erschienen ist. / mehr

27. Ohne Klimmzug

Dass Lyrik keine Angelegenheit sein muss, bei der die Zuhörer intellektuelle Klimmzüge zu vollbringen haben, um auch nur einen Hauch Sinn zu erkennen, beweist der Bielefelder Dichter Hellmuth Opitz. / Mindener Tageblatt

26. Lisa Elsässer

Hier glücken der Lyrikerin zauberhafte Bilder: «in dieser nacht // schliefen die sterne auf dem schnee».

Die lyrischen Äusserungen jedoch brechen das syntaktische Gefüge auf, so dass die Wörter manchmal wie Findlinge dastehen: einsam, unübersehbar. Es ist ein Stammeln, das mit solchen Satzfragmenten hörbar wird. Das Auge wiederum nimmt die verschiedenen Textbilder der Gedichte wahr, die sich bald in Kolonnen ordnen, bald Lücken zulassen. Diese Formenvielfalt wird nicht mehr – wie oft in den früheren Gedichten – von einem manierierten Gestus begleitet, sondern vertraut entspannteren Formen. Da erstaunt es auch nicht, dass Lisa Elsässer in aller Selbstverständlichkeit Dialektausdrücke (Hoger, Schinte, knorzen) einfügt, die diese oft federleichten Gebilde erden.

Von «einem wütenden hunger nach leben» spricht das lyrische Ich, und jedes Gedicht versucht, diese Sehnsucht mit den Mitteln der Sprache einzufangen. Gleichzeitig wächst die kühne Hoffnung, das Buch nur noch mit einem einzigen Gedicht ausstatten zu können. Noch radikaler gebärdet sich «das gedicht / ohne worte», denn hier wagt sich Lisa Elsässer bis zur letzten Pforte vor. / Beatrice Eichmann-Leutenegger, NZZ

Lisa Elsässer: Feuer ist eine seltsame Sache. Erzählungen. Rotpunktverlag, Zürich 2013. 176 S., Fr. 32.–. Lisa Elsässer: Da war doch was. Gedichte. Wolfbach-Verlag, Zürich 2013. 88 S., Fr. 29.–.

25. Langes Gedicht

Erich Hackls episches Gedicht „Dieses Buch gehört meiner Mutter“

Beim Öffnen des Bands hält man inne. Statt auf die erwartete Hackl’sche Prosa fällt der Blick auf Gedichtzeilen, nicht gereimt zwar und nur selten regelmäßig gruppiert, aber doch klar „poetisch“ arrangiert. Über 116 Seiten hinweg, mit nur wenigen „Prosa“-Einschüben, ergibt das tatsächlich ein episches Gedicht. Beginnt man laut zu lesen, hört man eine Erzählerstimme, die in leicht rhythmisierter Sprache und mit einer Mischung aus Volkstümlichkeit und Archaik aus ihrem Leben erzählt. Man möchte sich jemanden vorstellen, der spätnachmittags in der Küche sitzt und laut nachdenkt. Die durch die Verszeilen produzierten Pausen deuten auf die Tätigkeit des Erinnerns, aber auch auf den Versuch hin, mental noch unverbundene Inhalte zusammenzufügen und zu einem Narrativ zu spinnen. / Walter Grünzweig, Album, DER STANDARD, 7./8.12.

Erich Hackl, „Dieses Buch gehört meiner Mutter“. € 18,40 / 112 Seiten. Diogenes, Zürich 2013

Hinweis: Erich Hackl liest am 10.12. um 19 Uhr im Literarischen Quartier Alte Schmiede aus dem besprochenen Band.

24. Mit einem einzelnen Text

STANDARD: Tatsache ist, dass Lyrik geachtet, aber wenig gelesen wird.

Krüger: Tatsache ist auch, dass jeder von uns – also auch der größte Verächter von Poesie – ununterbrochen mit den Formen von Dichtung umgeht. Nämlich im Lied, im Song, jeder Rapper ist ein Dichter, jedes Kind lernt Lieder auswendig. Und da jeder Englisch kann, versteht man sogar, was Bob Dylan singt. Was aber verlorengegangen ist, ist das Verhältnis des Einzelnen zu einem einzelnen Text. Das Massengefühl, mit mehreren Tausend Menschen in einer Arena zu sitzen und einem Sänger zuzuhören, kennt jeder. Aber zu Hause zu sitzen und ein Gedicht von Novalis, vom späten Goethe oder von Hölderlin zu lesen ist immer mit einem Müssen verbunden. Warum das so ist, weiß ich nicht. Ich denke aber, dass vielleicht eines Tages, wenn der Verdruss an der öffentlichen Rede so groß geworden ist, man es einfach nicht mehr aushalten wird.

Als ich den Wahlkampf in Deutschland verfolgt habe, musste ich oft einfach aufstehen und schreien. Ich bin schreiend durch die Wohnung gelaufen und habe mir gedacht: Das darf nicht sein! Es ist einfach unmenschlich, einen zu zwingen, sich diesen Unsinn anzuhören! Mit dem Dichter Joseph Brodsky bin ich folgender Meinung: Unsere Zivilisation sähe anders aus, wenn in den Parlamenten und in den Vorstandsetagen vor jeder Sitzung, bei denen es um wichtige Entscheidungen geht, ein Gedicht vorgelesen wird. Ich bin mir sicher, jeder würde sich anstrengen, anders zu sprechen. Ja, die Welt sähe anders aus.

/ Andreas Puff-Trojan, DER STANDARD, 7./8.12.

Michael Krüger, „Umstellung der Zeit. Gedichte“. € 19,50 / 122 Seiten. Diogenes, Zürich 2013

23. Krüger schlägt Poesiepreis vor

Herr Krüger, Sie sollen Ihr Büro zum 31. Dezember an Ihren Nachfolger übergeben. Sieht aber nicht so aus, als wäre der Raum je dazu bereit.
Das Schlimmste sind diese Bücher. Wenn ich eins in die Kiste schmeiße, wo drauf steht »Weg damit!«, dann schaut mich das Buch an und sagt: »Hör mal, ich habe dir doch vor 30 Jahren ein paar ganz tolle Stunden unter einem Lindenbaum gegeben – und jetzt willst du mich wegschmeißen?« Dann sage ich: »Nein, nein, das war ein Versehen«, hole das Buch wieder raus und tue es in die Kiste »Aufheben«. Ich finde in den Büchern Briefe, die plötzlich rausfallen. Gestern habe ich eine Postkarte gefunden in einem Buch von Hildesheimer, wo er mir 1982 mitgeteilt hat, dass er nun nicht mehr schreiben werde.

(…)

Haben Sie dem Vorsteher des Börsenvereins schon Ihren Vorschlag unterbreitet, doch endlich einen Preis für Poesie auszuloben?
An dem Brief arbeite ich tatsächlich gerade. Ich glaube, dass unsere Dichter – Lutz Seiler, Jan Wagner, Nora Bossong, Monika Rinck und wie sie alle heißen – wunderbare Schriftsteller sind. Aber selbst, wenn sie Preise für ihre Gedichte kriegen, werden die Auflagen nie höher als 3 000. Meistens bleibt es bei 700, 800 Exemplaren. Deshalb muss es einen großen Preis für Poesie geben. Wir leben jetzt im Zeitalter der Prosa, des zielgerichteten Schreibens. Da sind diese schweifenden, träumerischen, nachdenklichen Typen nicht mehr so gefragt. Deshalb wäre es toll, wenn der Börsenverein so einen Preis erfände – wo dann auch mal für ein, zwei Wochen der Buchhandel mitmacht. Dann hätten wir Fenster voller ­Poesie. / Börsenblatt für den deutschen Buchhandel

22. American Life in Poetry: Column 445

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

Sit for an hour in any national airport and you’ll see how each of us differs from others in a million ways, and of course that includes not only our physical appearances but our perceptions and opinions. Here’s a poem by Ada Limón, who lives in Kentucky, about difference and the difficulty of resolution.

What It Looks Like To Us and the Words We Use

All these great barns out here in the outskirts,
black creosote boards knee-deep in the bluegrass.
They look so beautifully abandoned, even in use.
You say they look like arks after the sea’s
dried up, I say they look like pirate ships,
and I think of that walk in the valley where
J said, You don’t believe in God? And I said,
No. I believe in this connection we all have
to nature, to each other, to the universe.
And she said, Yeah, God. And how we stood there,
low beasts among the white oaks, Spanish moss,
and spider webs, obsidian shards stuck in our pockets,
woodpecker flurry, and I refused to call it so.
So instead, we looked up at the unruly sky,
its clouds in simple animal shapes we could name
though we knew they were really just clouds—
disorderly, and marvelous, and ours.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2012 by Ada Limón, whose most recent book of poems is Sharks in the Rivers, Milkweed Editions, 2010. Poem reprinted from Poecology, Issue 1, 2011, by permission of Ada Limón and the publisher. Introduction copyright © 2013 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

21. Babelsprech

Heute Abend in der Literaturwerkstatt BerlinBabelsprech.live!! Es lesen und diskutieren Anja Kampmann (Leipzig), Simone Lappert (Basel), Martin Fritz (Innsbruck) und Jan Skudlarek (Berlin), moderiert von Michael Braun. Es geht um Eigenarten und Perspektiven in der jüngeren deutschsprachigen Lyrik.

(Schreibt einer mit? Babelsprech-Karte?)

20. Lieder vom Rad der Zeit

Zum Abschluss des Gedenkjahres zum 100. Geburtstag des katalanischen Dichters Salvador Espriu bringt die Zeitschrift Akzente einen seiner bekanntesten Zyklen in einer neuen deutschen Übertragung.

Der Tagesablauf in zwölf Liedern – wobei der Todesgedanke nicht klassischerweise erst gegen Abend, sondern bereits im Morgengrauen präsent ist. Dass Salvador Espriu (1913–1985) trotz seiner eher hermetischen Lyrik im katalanischsprachigen Raum eine ungewöhnliche Beliebtheit erlangte, liegt neben einigen politischen Implikationen nicht zuletzt auch an der Vertonung dieses eigenartigen Zyklus von Tageszeitengedichten durch den Liedermacher Raimon in den 1960er Jahren. Àxel Sanjosé versucht in einer neuen Übertragung, die im Dezemberheft der Zeitschrift Akzente erscheint, möglichst viel von Rhythmus und Tonlage des Originals ins Deutsche zu überführen. / llull.cat

Salvador Espriu
„Cançons de la roda del temps / Lieder vom Rad der Zeit“
In: Akzente 6/2013, Hrsg. v. Michael Krüger, München : Hanser Verlag
Aus dem Katalanischen von Àxel Sanjosé (mit einer Notiz zum Espriu-Gedenkjahr).