Der Zyklus dieser „schauerlichen Gedichte“ hat Schubert mehr angegriffen, als dies je bei seinen anderen der Fall war. Aus der bloßgelegten Emotionalität der Gedichte und ihrer durch Schubert sensibel differenzierten wie genialen Vertonung schimmert jene dialektische Lebensauffassung der Romantik durch, die eine Verstärkung des Lebens durch den Tod erkennt. Die Winterreise, als Monolog eines in der Liebe verwundeten trostlosen, tieftraurigen Menschen, könnte nicht trefflicher durch den Satz Sigmund Freuds erfasst werden: „Niemals sind wir ungeschützter gegen Leid, als wenn wir lieben, niemals hilfloser unglücklich, als wenn wir das geliebte Objekt oder seine Liebe verloren haben.“ / Peter Szaunig, Siebenbürgische Zeitung
Übernahme von dasgedichtblog
Lyrik-Neuerscheinungen ausgelesen!
Rezensionen von Paul-Henri Campbell
Der deutsch-amerikanische Lyriker und Übersetzer Paul-Henri Campbell rezensiert Lyrik-Neuerscheinungen in einem zweiwöchigen Rhythmus. Alle Rezensionen von Paul-Henri Campbell auf dasgedichtblog finden Sie hier.
Martina Hefter »Vom Gehen und Stehen. Ein Handbuch«
von Paul-Henri Campbell
Etwas, das man zur Hand nimmt. Ein Buch, zum Beispiel – ein Handbuch. Martina Hefter überreicht dem Leser mit »Vom Gehen und Stehen. Ein Handbuch« (kookbooks, 2013) ein vierteiliges Kompendium, das die sonderbare Spannung zwischen Bewegung und Stillstand verhandelt. Erst im dritten Teil begegnet man einer Art Poetologie, die ringt zwischen leiblicher Expressivität und skripturaler Anamnese, zwischen Ausgedrücktem und Erinnertem (oder Abgedrücktem): »Wenn aus dem Schreiben eine Haltung wird und man konserviert das, was man geschrieben hat, aber die Haltung nicht, was dann? Wie man sich in eine Haltung hineinschreibt, so kommt man aus ihr nicht heraus. […] Aus der Haltung könnte eine Bewegung werden, deren passivster Teil ich bin« (Martina Hefter: Sitzen. Stehen. Gehen. Sätze).[1]
Dies ist eine bemerkenswerte Einsicht für eine Lyrikerin, die doch professionsmäßig ständig bemüht ist durch Sprache Bedeutungsüberschüsse zu arrangieren. Diese Einsicht, denke ich, entspringt aber dem schmerzvollen Wissen, das Schreiben immerfort auch Reduktion meint – und zwar trotz aller Deutungspotenz der Sprache. Hefter präsentiert ihren Zugang zum Schreiben allerdings nicht in Form eines achtblättrigen Traktats, sondern im Stil einer Meditation. Aber dazu sogleich.
Denn insofern das »Handbuch« auch einen gewissen ästhetischen Erfahrungsraum bereitstellt, den man Seite um Seite durchschreitet, ermöglicht uns Martina Hefter zunächst einige angenehme Erfahrungen dessen, was ich als die Wandelbarkeit und Variabilität des Sinns bezeichnen werde. Ich gebe nun nicht mehr als meine Lesart ihrer Gedichte wieder und schlage vor, Martina Hefters Büchlein unter vier Aspekten zu betrachten: I) das Verb als Ereignis; II) der heimlich arrangierende Rezipient; III) akustische Morphologien; IV) Handbuch der Freiheit.
Das Ereignis im Verb
Grundformen. Die Gedichte im ersten Teil von Hefters »Handbuch« tragen Titel wie »stehen«, »Schürsenkel binden«, »stampfen«, »hechten« oder »tanzen«. Noch kein Subjekt ist zu diesen Infinitiven gekommen und hat sie durch ein »Ich« oder »Du« oder einer »Sie« gebeugt; noch kein Subjekt hat aus diesen wundervollen Titeln Prädikate gemacht. Noch ist alles offen in der duktilen Unentschiedenheit des Infinitivs. Nachgestellt sind den Gedichttitel in dieser Sektion (»Bewegungen«) des Buches Angaben wie diese: »auf der Straße«, »bei einer Begrüßung während der andere die Arme ausbreitet« oder »nach dem Knauf der Wohnungstür, / nachdem man sich selbst ausgesperrt hat«. Nachdem also der Titel, die Bewegung nur benennt, folgt ein Art Untertitel, der diese Bewegung situativ verortet. Titel und Untertitel zusammengenommen machen also, denke ich, folgendes: Es sind typologische Bewegungen innerhalb einer spezifizierten Situation. Auf jeder Seite werden dem Leser nur zwei Gedichte dargeboten, von denen das erste eine lexikalische Matrix für das zweite Gedicht darstellt.
Hier ein Beispiel von der ersten Seite des Kapitels. Das obere Gedicht heißt »stehen« und ist per Untertitel verortet »im überfüllten U-Bahn Wagen«: »Mich verabschieden vom Muster / ‘Aufplustern herbeizaubern’. // Tu ich das Menschenmögliche? […] ich fädle mich ins Wachsen, wachse / zur Gestalt, normal entwickelt, (…) fahre Achsen ein. / Zwinkere aus meiner streunenden Form. // So überschatte ich den Nebenmann, / quetsche Zartheit in seine Taschen.«
Darunter steht ein weiteres Gedicht, welches sich aus dem Vokabular des Vorausgegangenen speist. Es heißt »→ Schnürsenkel binden« und ist situiert »auf der Straße«: »Von der Stirn bis in die Taschen quetscht sich die Achse, / mein Schatten schrumpft in Gestalten, überwachsen // von einem Verlangen. […] Ich bin kein Streuner // Was ich tu, ist möglich. / Ein Abschied von Zauberei«.
Die Sprache der beiden Texte ist zwischen (dem unbewusst zum Text kommenden) monologue intérieur und dem Selbstgespräch (das mehr oder weniger einen bewussten, durch Sprache vermittelten Selbstbezug schriftlich fixiert) gehalten. Gewiss haben beide Gedichte, auch ohne aufeinander verwiesen zu sein, ihren Reiz. Liest man sie jedoch als Thema und Variation, entsteht per Lektüre zwischen diesen beiden Gedichten – sowie allen anderen Gedichtpaaren in diesem Kapitel – eine weitere, dritte Relation. Der Leser selbst ist dieses dritte Ungeschriebene. Diese (ungeschriebene) Relation sodann kann wie ein Frage-Antwort-Spiel wirken. Man beachte hierzu die dritte Zeile aus Text 1 »Tu ich das Menschenmögliche?« und den Zeilen 8 und 9 aus Text 2: »Was ich tu, ist möglich. / Ein Abschied von Zauberei«.
Der Leser als Komplize
Was Martina Hefters Gedichte provozieren, ist eine besondere rezeptionsmäßige Komplizenschaft. Sie fordern den Leser dazu auf, Korrespondenzen zu identifizieren und zwischen den Gedichten zu lesen, dort ein drittes Gedicht zu entdecken, das ganz dem Leser gehört. Ist diese Variation tatsächlich eine dialogische Situation oder einfach nur ein Echo? Was passiert, wenn Worte, die in einem Gedicht verwendet werden, in einem zweiten Gedicht in neues syntagmatisches Verhältnis gebracht worden sind?
Was passiert da, wenn es z.B. in Text 1 heißt »Mich verabschieden vom Muster« und in Text 2 die Worte neu kombiniert sind, und es heißt: »Viele Menschen, mich musternd«. Was vormals ein Nomen (»Muster«) war, verwandelt sich nun zum Partizip 1 »musternd«. Hefters Gedichte stoßen also ein morphologisches Spiel mit den Wortarten, mit Bedeutungskontexten an; sie fordern ein festgeschriebenes Arrangement durch ein zweites Arrangement heraus. Man kann sich in diesen Variationen verlieren. Was die Dichterin damit beabsichtigt, ist unerheblich, da sie in einem herrlichen Respekt vor dem Leser, ihm überlässt, sich darin als Co-Arrangeur zu verstricken.
Der Leser begegnet auf diese Weise Gedichtpaare, die unterschiedliche Perspektiven des Alltäglichen ausloten etwa die Gedicht »sich die Haare aus der Stirn streichen« und »sich den Pullover anziehen«: »Hilf der Hand, Weiches zu finden, / wo das Weiche schon da ist, Fleece ist, / Kapuzenshirt, Haar.« und dann im zweiten Gedicht dieses Paars: »Ich schaue aus der Kapuze in die Welt gegenüber. / Nesteln, an nichts, verwresteltes Haar, / die Geste hilft nicht beim Duschen«. Befinden wir uns bei diesen beiden Gedichten in einem Dialog? Oder ist es ein Vorher und Nachher?
Die Variationen sind unterschiedlich in ihrer inhaltlichen Akzentierung – zum Beispiel korrespondieren die beiden Gedichte »tanzen« und »Kopfschütteln«[2] im Sinne von Erlebnis und Erinnerung – eine durchtanzte Nacht und der Tag danach.
Aber die Gedichte in der Abteilung »Bewegungen« erschöpfen sich nicht nur darin, spielerische Interpretamente für onanistisch-obsessive Semantiker zu ermöglichen. Sie haben freilich nicht nur eine noetische Dimension. Man muss sie nicht verstehen, um ihre poetische Qualität zu begreifen. Viele der Gedichte sind als klanglich ansprechende Kompositionen vorgetragen: »[…] / Air, Asphalt, ein Stauen im Lauf, / ich wollte nie stoppen, hopsen / stirbt ja zuletzt, ich wollte schauen pachten, Verdacht auslösen, mich / hochschrauben, / in Schüben abtauchen, […] Aussicht spenden, Aufprall verschwenden […]«. Man beachte die euphonische Schönheit dieser Verse, zunächst mit immer dunkler, bis in den Diphthong gehenden A-Laute (Ai – A – au – au), die dann überwechseln zu O-Lauten, die durch plosive Konsonanten noch exponiert werden (»stoppen« und »hopsen«). Die Wiederaufnahmen der Klangfolge »ich wollte« schaffen Tempo; der natürliche Binnenreim auf »spenden« oder »verschwenden« sammelt unsere Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Sinnspitze des Textes.
Ein weiteres Beispiel dieser Melismatik findet sich in »Schlittschuh laufen«: »Sich verwickeln ins Gelingen, obs glückt / oder nicht, twisten, mittendrin, wo Mitten / sich entziehen dem Thema rühren an Tilts, / sich türmen, dazu nicken, sich schleppen, wohin […]«. Angefangen mit Zischlauten (»sich«) und Vibranten »verwickeln«, die helle I-Vokale akustisch umrahmen, kommt dann eine stakkatoähnliche Versfolge, die mit Dentallauten in Wörtern wie »twisten«, »mittendrin«, »Thema« oder »Tilts« gebildet wird.
Das akustische Band
Ich springe aus dem ersten Kapitel und wende mich dem letzten Kapitel des »Handbuchs« von Martina Hefter zu. Es trägt den Titel »Stille Post« und trägt Gedichte in dreier und vierer Gruppierungen vor, die sich durch ihre klangliche Signatur ähneln. Hefter merkt am Ende ihres Bandes hierzu folgendes an: »Das Kinderspiel ‘Stille Post’ dient mir als Vorlage für Variationen […]. Jedes Wort wurde von mir beim leisen wie auch beim lauten Lesen zugleich absichtsvoll und intuitiv missverstanden«. Das poetische Konzept ist also denkbar simpel. Was herauskommt, ist allerdings äußerst spannend.
Hier wird die akustische Signatur eine Anordnung von Wörtern ist Hörfeld gebracht. Ein Gedicht wird in drei weiteren Versionen »missverstanden«. Freilich ist das »Missverständnis« geplant. Man könnte sagen, es handelt sich um eine Radikalisierung des Reims, indem man ihn auf jedes Wort im Gedicht anwendet, um ein weiteres Gedicht zu gewinnen. Verfolgen wir so einige Einzelverse durch mehrere Gedichte hindurch: »mit krachendem Charme« wird im Folgegedicht zu »Rache und Scham«, was wiederum zu »die Rache der Scham« und schließlich zu »Arachne, der Schah«. Es ist also so, dass man zunächst die vier Gedichte jeweils für sich lesen kann, aber auch einfach einzelne Verwandlungen versweise nachgehen kann und sich an der suggestiven Verschiebung des Wortsinns amüsieren kann. Gelegentlich können solche Relationen, freiwillig oder unfreiwillig, geplant oder zufällig, zu einer unheimlichen Verbindung werden; beobachten wir jeweils einen Vers durch seine Verwandlungen in vier Gedichten an: »Das Weltflüchtige brütet« → »Lass hellsichtige Mythen« → »Blass hellgesichtiges Üben« → »Blattzellen, gedichtet Sybill«. Obwohl die vier Verse jeweils in einem eigenen Gedicht, somit in einem eigenen Kontext eingebettet sind, kann man sie als Leser herauslösen und über die darin nur per Gleichklang aktivierte Bedeutung rätseln. Dieses poetische Konzept verbindet also einerseits die Linearität traditioneller Gedichtschreibung, aber auch das Cut-Up.
Das »Handbuch« als Anleitung zur Freiheit
Ich möchte nun noch einige Beobachtungen zum zweiten Kapitel »Aufgaben« sowie dem separaten Beiheft mit Illustrationen von Andreas Töpfer. Die Illustrationen sind interessant, allerdings kann ich dazu lediglich sagen: Sie sind blau und niedlich. Das zweite Kapitel jedoch unterbricht die traditionelle Präsentationsform der Texte. Wir finden keine brav untereinander notierten Verse. Stattdessen leere, querrechteckige Kästen von unterschiedlicher Dimensionierung und einzelne imperativartige Wortgruppen in Großbuchstaben. Durch die Wahl des Papiers schimmern die Kästen der Rückseite durch; durch das Layout umrahmen sie die Wortgruppe die sonst frei auf dem Papier stünde. Auch hier fordert Martina Hefter auf der Ebene der Seite sowie auf der Ebene von Text-und-Nichttext Korrespondenzen heraus. Die Wortgruppen sind unaufhebbar eigenartig und wohl je nach Leserichtung oder Leseverfahren frei kombinierbar. Hier ein paar Beispiele: »SPIELE / IN SELBIGE / RICHTUNG« oder »FÜHLE DIE KRAFT / EINES SCHWARMS« oder »EIN / WINKEN / DENKEN« oder »PROTHESE SEIN/ FÜR DIE EIGENE / INNERLICHKEIT« oder »EINFACH NUR EIN GORILLA«.
Ich lese diese Sektion, die aus acht Blättern besteht, als eine Antwort auf das Problem, das Martina Hefter im dritten Kapitel in meditativer Prosa ausführt und womit ich diese Rezension begonnen hatte, die prinzipielle Insuffizienz der Sprache gegenüber dem, was wir Wahrnehmen und Imaginieren nennen. Nicht alles, was wir fühlen, denken, uns vorstellen, lässt sich sprachlich kodifizieren. Es ist freilich eine alte These, die häufig problematisiert wird. Den Problemaufriss, den Martina Hefter im dritten Kapitel ihres »Handbuchs« in Form eines leitmotivisch durchgearbeiteten Fließtextes herstellt, ist wunderbar, weil er weitausufernd sich am menschlichen Körper orientiert, der als eine in der Zeitlichkeit durch variierende Haltungen geprägte Expressivität nicht einfach durch einen Textkörper »konservieren« lässt.
Wenn es eine Disziplin gäbe, die sich »Ausdrucksforschung« nennen würde, so wäre dieser prosaische Text von Martina Hefter gewiss ein Grundlagentext. Ich habe eingangs schon daraus zitiert. Er beginnt mit »Wenn ich merke, dass ich dabei bin, eine Haltung auszuhalten, muss ich gleich überprüfen, ob ich damit nicht eine Haltung einnehme […] Will ich [die Bewegung/Haltung] vor dem Vergessen bewahren, muss ich sie aufschreiben, sie filmen oder zeichnen, oder ich muss sie einer anderen Person zeigen, die sie nachmacht und sie aufbewahrt in und mit ihrem Körper.« Es geht also darum, gewahr zu werden (»zu merken«), dass so etwas wie eine »Haltung« überhaupt eingenommen wird. Wir sind hier bei einem Urbild der Selbstreflexion, die Voraussetzung ist, um »vor dem Vergessen bewahren« zu können.
Sich über die immanente Bedeutung der eigenen (körperlichen) Expressivität oder den menschich-leibliche Ausdruck als existierendes Wesen gewahr zu werden, ist für Martina Hefter die Grundvoraussetzung (»muss«), um überhaupt in einen Prozess einzugehen (»aufschreiben« / »filmen« / »nachmachen«), der diese Haltung festhält und für seine künftige Erkennbarkeit konservierend sorgt.
Aber das ist schon das Problem. Denn obgleich Martina Hefter sich wünscht, dass »alle meine Bewegungen mich überleben«, braucht es Rezipienten: »ich werde es hier für euch wiederholen«. In dieser pro nobis Geste von Martina Hefter, wird das Motiv ausdifferenziert. Sie möchte nicht all ihre Bewegungen für sich selbst, also egoistisch, konservieren, sondern »für euch,« denn die Anderen (die Übrigen, die Späteren, Wer-auch-immer) sind jene, auf deren Körper, Martina Hefter die Spuren ihrer selbst hinterlässt: »Man soll den Druck meiner Hand auf seinem eigenen Arm noch jahrzehntelang spüren können«. Das dialogische Prinzip, das Hefter hier anspricht, macht vielleicht auch ihre Beschäftigung mit so vielen Variationen in diesem Gedichtband deutlich, wie ich sie im Hinblick auf das erste und letzte Kapitel des Buchs oben besprochen habe. Es sind die Korrespondenzen bzw. die Zwischenräume, in denen durch Druck und Widerstand ein Abdruck entsteht.
Zum Schluss ihrer poetologischen Meditation hin kommt Martina Hefter zu folgender Formulierung: »Das ist, was ich bestimme, was von mir übrig bleiben soll. Ein Abdruck meines Schwankens in der Stadt. Ich war hier und ich hatte mich ganz in der Hand«. Was die Expressivität, also das Einnehmen, Wahrnehmen und Festhalten vieler verschiedener Haltungen oder Variationen, produziert, ist ein Zeugnis, nämlich davon, dass man sich in dem, was man festhält, »ganz in der Hand« hatte. Worauf Martina Hefter also abzielt, denke ich, ist eine poetische Erfahrung dessen, was wir Autonomie nennen. Aus diesem Grund möchte ich diesen Gedichtband unbedingt zur Lektüre empfehlen.
Vom Gehen und Stehen. Ein Handbuch
Martina Hefter
kookbooks, Berlin 2013
80 S., mit beiliegendem Heftchen mit Illustrationen von Andreas Töpfer
€ 19.90 (Broschur mit Umschlag-Poster)
Martina Hefter: »Vom Gehen und Stehen. Ein Handbuch« bei Calle Arco kaufen
Diese Rezensionen werden Ihnen von Paul-Henri Campbell präsentiert. Campbell ist 1982 in Boston (USA) geboren und schreibt Lyrik sowie Prosa in englischer und deutscher Sprache. Gedichtbände: »duktus operandi« (2010), »Space Race. Gedichte:Poems« (2012). Er ist ebenfalls Übersetzer und Mitherausgeber der internationalen Ausgabe der Lyrikzeitschrift DAS GEDICHT (»DAS GEDICHT chapbook. German Poetry Now«). Soeben erschienen ist »Am Ende der Zeilen. Gedichte | At the End of Days. Gedicht:Poetry«.
Der Lyriker, Essayist und Erzähler Uwe Berger ist tot. Nach Angaben seiner Frau Dr. Anneliese Berger ist der Autor am Sonntag, dem 16. Februar in Berlin gestorben. Das hat der Mecklenburger Verlag EDITION digital am 17. Februar mitgeteilt. Bei EDITION digital war aus Anlass von Bergers 85. Geburtstag am 29. September vergangenen Jahres sein gesamtes Prosawerk als E-Books erschienen.
Dazu gehören sein bis dahin unveröffentlichtes Tagebuch „Ungesagtem lauschen“ aus den Jahren 2000 – 2012 sowie sein letzter Roman „Suche nach mehr“. Uwe Berger hatte nach der Veröffentlichung der E-Books im Herbst vergangenen Jahres noch erklärt, wie glücklich er über diese Form der Veröffentlichung seiner Prosa war. Einen Teil seiner Lyrik hatte in den letzten Jahren außerdem der Zwiebelzwerg Verlag Willebadessen in Nordrhein-Westfalen veröffentlicht. Der 2007 veröffentlichten Gedichtband DEN GRANATAPFEL EHREN mit außergewöhnlichen Versen aus vier Jahrzehnten ist eine Zusammenfassung seines Schaffens und die Vorbereitung für weitere weltoffene Gedichte. / Bayrischer-Wald-News
Mittwoch 19. Februar 2014, 20:00 Uhr, Eintritt frei!
literaturlabor in der Lettrétage, gefördert vom Berliner Senat
Mehringdamm 61, U6/U7 Mehringdamm
bei anwesenheit mehrerer schallquellen die schallanteile richard duraj, peter dietze, simone kornappel und andreas bülhoff
N.N, N.N., N.N und N.N. im lettrétage literaturlabor
Der Cocktailparty-Effekt, auch intelligentes oder selektives Hören, bezeichnet die Fähigkeit des menschlichen Gehörsinns, bei Anwesenheit mehrerer Schallquellen die Schallanteile einer bestimmten Schallquelle aus dem Gemisch des Störschalls zu extrahieren, belehrt uns wikpedia. Die Autorin und Mit-Herausgeberin der randnummer literaturhefte, Simone Kornappel, hat für das literaturlabor am Mehringdamm eine Versuchsanordnung der außerordentlichen Art geplant. Bringen Sie, wenn möglich, bitte Kopfhörer mit! Und klar, selbstverständlich können Sie in bester Abendgarderobe kommen, das doch eh.
Im Namen der Lettrétage lädt Sie herzlich ein
Tom Bresemann
Wie Internetquellen berichten, ist der iranische Dichter, Dramatiker und Autor Mansour Koushan im Alter von 66 Jahren im norwegischen Exil verstorben. Sein norwegischer Wikipediabeitrag bestätigt die Todesnachricht. 2010 erhielt er die Carl-von-Ossietzkymedaille für seinen Kampf für Menschenrechte und Redefreiheit. Mehr
Susanne Baghestani schreibt:
Er war prominentes Mitglied des Iranischen Schriftstellerverbands und Mitstreiter von Huschang Golschiri in dem Literaturzirkel „Djonge Esfahan“ (Isfahaner Anthologie). Mitherausgeber bedeutender Literaturzeitschriften wie Takapou, Donya-ye Sokhan und Adineh (inzwischen sämtlich verboten). Nach den Kettenmorden an Politikern und Intellektuellen, darunter der Dichter Mohammad Mokhtari im Winter 1998, musste er Iran verlassen.
Kushan war in Stavanger vorwiegend als Dramatiker aktiv, 2010 erhielt er die Ossietzky-Medaille. Sein umfängliches Oeuvre umfasste 8 Gedichtbände, 7 Romane, mehrere Erzählbände und mehr als 30 Theaterstücke.
Hier ein Foto: http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/49516/
Um 1,5 Millionen Franken wird heuer die [norwegische] Literaturförderung gekürzt. Neben vielem anderem ist auch das Herzstück des Systems betroffen, die «Einkaufsordnung»: Von allen belletristischen Neuerscheinungen norwegischer Autoren kauft der Staat nahezu unbesehen tausend Stück, die er an Bibliotheken verteilt. Selektive Einkaufsordnungen für Kinderliteratur, Sachbücher und übersetzte Literatur kommen hinzu, so dass das Königreich alljährlich eine halbe Million Bücher erwirbt.
Von Autoren und Verlagen wird das Programm geschätzt. Nebenwirkungen sind aber unverkennbar. Viele der rund 150 jährlich verlegten Lyrikbände werden kaum je ausgeliehen, wie die Bibliothekschefin der Region Hordaland einer Zeitung erzählt: «Wenn sie fünf Jahre im Regal gestanden haben, werfen wir sie weg.» Ein Kritiker des Geldverteilens ohne wirksame Qualitätskontrolle ist der Schriftsteller Jon Fosse: «Es gibt einen Unterschied zwischen seriöser Literatur und dem, was man früher Kioskliteratur nannte, z. B. Krimis. Diesen Unterschied hat man aus kulturpolitischen Gründen zu verwischen versucht.» Mit dem Vorschlag, Unterhaltungsliteratur von der Einkaufsliste zu streichen, provozierte er einen Sturm der Entrüstung. Der Kulturrat, dem die Umsetzung der Massnahme obliegt, hält denn auch am Giesskannenprinzip fest. Bis ein neues Konzept erarbeitet ist, wird aber der Preis, der den Verlagen pro Buch bezahlt wird, um dreissig Prozent gekürzt. / Aldo Keel, NZZ
Zu den Eigenarten der Bücher Monika Rincks zählt es, dass der Leser das Gefühl hat, nach ihrer Lektüre schlauer zu sein als vorher, mag er auch nicht aus allem klug werden. Rincks jüngste Veröffentlichung (nach dem feinen, mit dem Peter Huchel-Preis ausgezeichneten Band Honigprotokolle) bildet hierin keine Ausnahme.
Hasenhass. Eine Fibel in 47 Bildern heißt das schöne, intelligente und alberne poetische Buch, das der Peter Engstler Verlag nun in bibliophiler Ausstattung herausgebracht hat. (…)
Aufmerken lässt vorab die Gattungszuordnung „Fibel“, die mit Bedacht gewählt ist. Der etwas aus der Mode gekommene Begriff bezeichnet ein bebildertes Lesebuch für Erstklässler und ein Lehrbuch, das in die Grundlagen eines bestimmten Fachgebietes einführt. In Hasenhass verknüpft Rinck beide Aspekte und kombiniert knallharte Theoreme mit erschütternd Albernem, Simplem, ja Kindischem.
Sie lässt den Leser an Lesefrüchten teilhaben, zitiert Dichterkollegen: Ghérasim Luca, Christa Reinig, Jean Paul, Eichendorff, Ovid, misst dem iPhone „Ich-Energie“ zu, die sie in einem neuen Modell durch „Furcht“ ersetzt („Ruf mich auf dem fearPhone an“), sie beobachtet „Idioten an luftverschalteten Kontakten“ und kennt die „Reine Leere“, die sich schnell als „La Reine Leere“ entpuppt, als Königin Leere, unterwegs zur „Wüstenbude“, wo sie „etwas Sprudel oder Dudler“ kauft, um ihre Kamele zu tränken.
Ein guter Witz – so sollte das Büchlein zunächst heißen: „Witz“ einerseits in seiner alten Bedeutung von Wissen, Verstand, Klugheit, Weisheit und andererseits in der heute gebräuchlichen einer pointierten lustigen Erzählung.
Reichlich Absurdes, gezeichnete und erzählte Witze, der Witz als philosophisches und psychologisches Problem – dies alles findet sich hier, mit Grips und leichtem Sinn. / Meinolf Reul bei satt.org (mehr)
Monika Rinck, Hasenhass. Eine Fibel in 47 Bildern. 40 Seiten, geheftet, mit Illustrationen von Monika Rinck. Peter Engstler Verlag, Ostheim 2013. 12,00 Euro
in weit ausschwingenden, raumgreifenden Schritten gleiten die Eisschnellläufer dahin – ruhig und geschwind zugleich
Hansjürgen Bulkowski
Die Dichterin Maxine Kumin starb am vergangenen Dienstag im Alter von 88 Jahren in ihrem Haus in Warner, N.H. 1981/82 war sie Beraterin der Library of Congress (das Amt wurde später in Poet laureate umbenannt). 1989-94 war sie poet laureate von New Hampshire. 1973 gewann sie den Pulitzerpreis für ihren vierten Gedichtband “Up Country”. Unter ihren fast 20 Gedichtbänden waren auch “Halfway” (1961); “The Retrieval System” (1978); “Our Ground Time Here Will Be Brief” (1982); “The Long Marriage” (2001) und “Where I Live” (2010). !998 trat sie gemeinsam mit Carolyn Kizer vom Amt als Kanzler der Academy of American Poets zurück aus Protest über das Fehlen von Frauen und Vertretern von Minderheitengruppen in der Akadmieführung. Dennoch war ihre Poesie selten offen politisch. Außer Gedichten veröffentlichte sie Romane, Kurzgeschichten, Essays und Kinderbücher. In diesem Frühjahr erscheint der Band „And Short the Season“, ein teilweise autobiographischer Roman für junge Erwachsene über ein Mädchen mit Rückenmarksverletzung. / Margalit Fox, New York Times 8.2.
textkette. gute gedichte ins facebook
Lyrikzeitung dokumentiert die gemeinfreien Texte der auf Facebook vor kurzem begonnenen Anthologie Textkette. Ausgehend von einem Gedicht Kurt Tucholskys entwickelte sich in kurzer Zeit eine umfangreiche, schier exponentiell wachsende Anthologie nach folgendem Verfahren: Wer bei einem bereits vorhandenen Gedicht auf “Gefällt mir” klickt, erhält von der Person, die das Gedicht vorgeschlagen hat, einen Autor benannt, von dem er/sie wiederum ein Gedicht auswählen muß.*
Ausgewählt von Michael Gratz im Auftrag von Norbert Lange.
Heinrich von Morungen, da ist man rechtlich auf der sicheren Seite. Der Minnesänger starb vor beinahe 800 Jahren in Leipzig. Kein Erbe und kein Anwalt verbietet das Abschreiben.
Ich schwanke, nehme ich das Taglied oder das kleine mit der sanften süßen Töterin? Ich nehme beides.
Vil süeziu senftiu toeterinne
Vil süeziu senftiu toeterinne,
war umbe welt ir toeten mir den lîp,
und ich iuch sô herzeclîchen minne,
zwâre vrouwe, vür elliu wîp?
Waenent ir, ob ir mich toetet,
daz ich iuch iemer mêr beschouwe?
nein, iuwer minne hât mich des ernoetet,
daz iuwer sêle ist mîner sêle vrouwe.
sol mir hie niht guot geschehen
von iuwerm werden lîbe,
sô muoz mîn sêle iu des verjehen,
dazs iuwerre sêle dienet dort als einem reinen wîbe.
In möglichst wörtlicher Rohübersetzung (Wörtlichkeit wichtiger als „richtiges“ Verstehen):
Viel süße sanfte Töterin
warum wollt ihr mir den Leib töten,
wo ich euch so herzlich liebe,
wahrhaftig, Frau, mehr als alle Frauen?
Glaubt ihr, wenn ihr mich tötet,
daß ich euch nicht mehr anschauen kann?
Nein, meine Liebe zu euch hat mich dazu gebracht (genötigt),
daß eure Seele meiner Seele Herrin ist.
Soll mir hier nicht Recht geschehen
von euerm werten Leibe,
so wird meine Seele euch versichern,
daß sie dort eurer Seele dienen wird wie einem reinen Weib (einer unbefleckten Jungfrau).
Owê, sol aber mir iemer mê
1
Owê, —
Sol aber mir iemer mê
geliuhten dur die naht
noch wîzer danne ein snê
ir lîp vil wol geslaht?
Der trouc diu ougen mîn.
ich wânde, ez solde sîn
des liehten mânen schîn.
Dô tagte ez.
2
‚Owê —
Sol aber er iemer mê
den morgen hie betagen?
als uns diu naht engê,
daz wir niht durfen klagen:
‚Owê, nu ist ez tac,‘
als er mit klage pflac,
dô er jungest bî mir lac.
Dô tagte ez.‘
3
Owê, —
Si kuste âne zal
in dem slâfe mich.
dô vielen hin ze tal
ir trehene nider sich.
Iedoch getrôste ich sie,
daz sî ir weinen lie
und mich al umbevie.
Dô tagte ez.
4
‚0wê,-
Daz er sô dicke sich
bî mir ersehen hât!
als er endahte mich,
sô wolt er sunder wât
Mîn arme schouwen blôz.
ez was ein wunder grôz,
daz in des nie verdrôz.
Dô tagte ez.
1
O weh, –
wird mir jemals wieder
durch die Nacht leuchten
ihr wohlgebauter Leib?
Der trog meine Augen.
Ich glaubte, es wäre
des hellen Mondes Schein.
Da tagte es.
2
„O weh –
wird er jemals wieder
den Morgen hier erleben?
Daß uns die Nacht vergeh
ohne daß wir klagen müßten:
‚O weh, nun ist es Tag‘,
wie er wehklagend tat,
als jüngst er bei mir lag.“
Da tagte es.
3
O weh, –
sie küßte ungezählt,
in jenem Schlafe mich.
Da fielen zum Boden
ihre Tränen nieder.
Doch tröstete ich sie,
so daß sie zu weinen aufhörte
und mich umarmte.
Da tagte es.
4
„O weh, –
daß er sich so oft
an mir sattgesehen hat!
Als er mich aufdeckte,
wollte er ohne Kleidung
mich Arme* nackt beschauen.
Es war ein Wunder groß,
daß ihm das nie zu viel wurde.“
Da tagte es.
*) Eigentlich mîn arme, meine Arme. Einige Forscher nehmen „mich Arme“ an, andere bestreiten es.
Gertrude Steins rhythmische Sprache der Doppelungen, abstrusen Reime und Gedankensprünge wird bei Marc Benjamins Faust zum leicht gelangweilten Rap, und Lukas von der Lühe spielt das ewige „Dankeschön“ des Hundes lässig per Tastendruck ein – Sprachdestruktion 2.0. Brigitte Hobmeier kann von innen leuchten, und Max Simonischeks Tontechniker-Mephisto wird für sein protestantisches Arbeitsethos freundlich belächelt. Ein junger ästhetischer Lichtsprachmusikabend – sehr Gertrude Stein. / CORNELIA FIEDLER, Süddeutsche Zeitung 7.2. Gertrude Stein, München, Theater, Cornelia Fiedler
textkette. gute gedichte ins facebook
Lyrikzeitung dokumentiert die gemeinfreien* Texte der auf Facebook vor wenigen Tagen begonnenen Anthologie Textkette. Ausgehend von einem Gedicht Kurt Tucholskys entwickelte sich in kurzer Zeit eine umfangreiche, schier exponentiell wachsende Anthologie nach folgendem Verfahren: Wer bei einem bereits vorhandenen Gedicht auf “Gefällt mir” klickt, erhält von der Person, die das Gedicht vorgeschlagen hat, einen Autor benannt, von dem er/sie wiederum ein Gedicht auswählen muß.**
Ausgewählt von Parlandopark für Textkette.
Alexej Parschtschikow (geb. 1954)
СОМ
Нам кажется: в воде он вырыт, как траншея.
Всплывая, над собой он выпятит волну.
Сознание и плоть сжимаются теснее.
Он весь, как чёрный ход из спальни на Луну.
А руку окунёшь – в подводных переулках
с тобой заговорят, гадая по руке.
Царь-рыба на песке барахтается гулко,
и стынет, словно ключ в густеющем замке.
Wels
Uns scheint, er liege im Wasser, wie ein Schützengraben ausgehoben.
Taucht er auf, wirft er eine Welle,die gleichsam über ihm steht.
Bewußtsein und Fleisch ziehen sich zusammen, werden eng verwoben.
Er ist wie der Hinterausgang einer Schlafkammer, die zum Mond hinführt.
Du tauchst die Hände ein – sofort beginnt unter See in den Seitengassen
ein Zureden, Rufen und dir wird Zukünftiges aus der Hand geweissagt.
König Fisch zappelt im Sand – dann stirbt der Widerhall, das Klatschen.
wie ein Schlüssel, der in einem plötzlich zugedickten Schloss stakt.
Alexej Parschtschikow: Erdöl · Gedichte. Russisch-Deutsch. Aus dem Russischen von Hendrik Jackson. kookbooks _ Reihe Lyrik _ Band 19, 2012.
112 Seiten, gestaltet von Andreas Töpfer, Klappenbroschur, 19.90 Euro, ISBN 9783937445434
*) Dieser Text ist natürlich nicht „gemeinfrei“, aber Nachdichter und Verlegerin haben einer Veröffentlichung hier zugestimmt.
**) Gilt (leider) vorerst nur bei Facebook.
Ein aufmerksamer Leser schreibt:
wie ich eben sah, hat LITERATUREN seine Archive geöffnet.
Man findet zum Beispiel diese wichtigen Artikel:
http://www.cicero.de/salon/banane-ist-hase-ich-weiss-von-nutz/47384
http://www.cicero.de/salon/arbeiten-schafe-gruppen/43939
Die Suche nach LYRIK liefert viel. Sogar die Gegenfrage „Did you mean LOGIK?“
Vielen Dank, gern geben wir die Empfehlung weiter!
In den verlinkten Sammelrezensionen von Peer Trilcke und Michael Braun geht es um diese Bücher:
Christoph Buchwald (Hg.)
25. Jahrbuch der Lyrik. Die schönsten Gedichte aus 25 Jahren
S. Fischer, Frankfurt a. M. 2007. 416 S., 20 €
Konstantin Ames
Alsohäute
roughbooks: Leipzig und Holderbank SO 2010.
Heinz Ludwig Arnold (Hg.)
Junge Lyrik
Edition Text + Kritik, München 2006. 90 S., 16 €
Nico Bleutge
klare konturen. gedichte
C. H. Beck, München 2006. 83 S., 12 €
Roman Bucheli (Hg.)
Wohin geht das Gedicht?
Wallstein, Göttingen 2006. 125 S., 14 €
Harald Hartung
Aktennotiz meines Engels. Gedichte 1957–2004
Wallstein, Göttingen 2005. 410 S., 28 €
Thomas Kling
Gesammelte Gedichte 1981–2005
Hg. von Marcel Beyer und Christian Döring.
DuMont, Köln 2006. 975 S., 68 €
Björn Kuhligk, Jan Wagner
Der Wald im Zimmer. Eine Harzreise
Berliner Taschenbuchverlag, Berlin 2007. 176 S., 8,90 €
Marion Poschmann
Grund zu Schafen. Gedichte
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt a. M. 2004. 92 S., 15,90 €
Monika Rinck
Ah, das Love-Ding! Ein Essay
kookbooks, Idstein 2006. 200 S., 18,90 €
Anja Utler
münden – entzüngeln. Gedichte
Edition Korrespondenzen, Wien 2004. 91 S., 17,40 €
brinnen
Edition Korrespondenzen, Wien 2006. 62 S., 13,50 €
Audio-CD. Akademie Schloss Solitude, Stuttgart 2006. 15 €
Jan Wagner
Guerickes Sperling. Gedichte
Berlin Verlag, Berlin 2004. 83 S., 16 €
Uljana Wolf
kochanie ich habe brot gekauft. Gedichte
kookbooks, Idstein 2005. 72 S., 13,80 €
Jahrbuch der Lyrik 2011
Hrsg. v. Christoph Buchwald und Kathrin Schmidt
DVA, München 2011. 272 S., 19,99 €
Jan Wagner
Australien
Berlin Verlag, Berlin 2010. 110 S., 18 €
Judith Zander
oder tau
DTV, München 2011. 96 S., 11,90 €
Ulrike Almut Sandig
Dickicht
Schöffling & Co, Frankfurt a.M. 2011. 80 Seiten, 16,95 €
Nora Bossong
Sommer vor den Mauern
Hanser, München 2011. 96 S., 14,90 €
Auf der mir von Jan Kuhlbrodt aufgetragenen Suche nach Gedichten von Dieter Roth fiel mir ein Bändchen der von Max Bense mitherausgegebenen Reihe „edition rot*“ in die Hand, bzw. ich entnahm es dem Regal mit dieser. In den frühen 90er Jahren gab es Hefte dieser Reihe noch in der alten Autorenbuchhandlung. Zuerst in die Hand geriet mir ein Heft nicht von Dieter Roth (der sich auch diter rot* schrieb), sondern von Manfred Esser:
Manfred Esser, D(ICH)T. (rot 58). Stuttgart 1994
Die quadratischen Hefte sind vorn rot*-weiß gestreift mit unterlegtem Text „rot 58“. Auf dem weißen Rücktitel steht in roter* Schrift:
Es gibt auch rote* Geheimnisse in der Welt, ja, nur rote*.
Ernst Bloch
Das Heft beginnt mit folgendem Text als Motto, der sich in meine Anthologie mischt.
Herr: Wie fängt der Tod an, Alte?
Alte: Wie? Mit einem harten T.
Herr: Und endet?
Alte: Mit Weichem.
Sohn: Wie?
Herr: Wie Deutschland.
(Aus "Stück Dreck; der Schäng", 1965)
*) Jan, du siehst, ich arbeite mich an Dieter Roth heran.
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