Für eine breitere öffentliche Wirkung der belarussischen Literatur setzt sich der Leipziger Übersetzer Thomas Weiler mit dem von ihm gegründeten Portal literabel.de ein. Eugen El sprach mit Thomas Weiler über die Besonderheiten der belarussischen Sprache und Literatur sowie über ihren Stellenwert in Deutschland und der Welt.
Der Übersetzer Thomas Weiler im Faust-Gespräch, Auszug:
Der Lyriker Aleś Razanaŭ wäre in meinen Augen jemand, der internationales Renommee verdient hätte. Aber er ist von der stillen, kargen Sorte, was der Aufmerksamkeit nicht eben zuträglich ist. Ketzer würden fragen: Gibt es zeitgenössische belarussische Autoren, die sich national behaupten können?
Was ist für Sie das Besondere an der belarussischen Sprache?
Der Buchstabe ў? Dass sie Wörter wie „rychtyk“ kennt? Dass sie ein schlichtes, wunderbares Wort für den jungen, wieder zunehmenden Mond hat? Dass man in ihr ganze Palindrompoeme schreiben kann? Dass sie über ein Trasjanka-Register verfügt? (Als Trasjanka bezeichnet man eine dem Belarussischen zwar nahe, aber größtenteils auf dem Russischen basierende, im ländlichen Raum verbreitete Umgangssprache – Anm. d. Red.) Besonders ist vielleicht vor allem ihre Situation. Mehrere orthografische Varianten existieren parallel zueinander, neben dem kyrillischen gibt es auch ein lateinisches Alphabet, die Łacinka. Sie wird in Belarus nur von einer Minderheit aktiv verwendet, und ihr haftet immer der Ruch des Oppositionellen an. Vor wenigen Jahren war sie noch als Sprache der Ungebildeten Landbevölkerung verpönt, inzwischen hat sie als die Sprache der kulturellen Eliten deutlich an Attraktivität gewonnen.
Einmal im Monat, jeweils zum 15., finden Leser auf www.bingen.de ein Werk Stefan Georges mit einer kurzen Kommentierung. Den in Bingen geborenen Lyriker auch in seiner Heimatstadt den Menschen näher zu bringen, ist das gemeinsame Anliegen von Bingens Oberbürgermeister Thomas Feser und dem Vorsitzenden der Stefan-George-Gesellschaft, Prof. Wolfgang Braungart. / Allgemeine Zeitung
Mayröcker: Ende 2011 habe ich mir gedacht, dass es schön wäre, wenn ich Proeme schreiben könnte. Der französische Schriftsteller Francis Ponge hat das gemacht. Es ist ein Mittelding zwischen Gedicht und Prosa. Ich habe damit begonnen, und dann wollte ich nicht mehr aufhören, ich hänge so sehr daran, dass sich das Buch mit diesen Proemen fast verzögert hätte. Sie waren immer eine Seite lang. Jeden Tag habe ich eine Seite geschrieben. Ponge mit seinen Prosagedichten hat mich sehr beeinflusst, ich liebe ihn sehr.
Die Welt: Francis Ponge ist der Poet der Dinge. Geht es bei Ihnen auch um die Dinge?
Mayröcker: Ich habe diesen Dichter vor zwanzig Jahren zum ersten Mal gelesen. Er begleitet mich sehr lange schon. Ich lege ihn wieder weg, und dann kommt er wieder. Es gibt in meinen Texten inhaltliche und formale Entsprechungen, aber es sind völlig verrückte Sachen. Es sollte sich das Wahnwitzige zeigen, auf das kommt’s mir besonders an. Das war schon in „Brütt“ so und in meinen letzten Büchern. Es geht um den Wahnwitz der Sprache, der Leser kann einem jetzt schon leidtun. Aber ich bin ganz besessen von diesem Wahnwitz, dass ich vielleicht für die nächsten Jahre dabei bleibe. / Die Welt
Navid Kermani, deutsch-iranischer Schriftsteller und Orientalist, sieht in der Offensive der Gotteskrieger im Nahen Osten eine dem Ersten Weltkrieg vergleichbare Katastrophe und ruft zur vereinten Abwehr auf.
Dass die Weltgemeinschaft – nein, nicht nur die Amerikaner –, den drohenden Genozid an Christen, Jesiden und anderen religiösen Minderheiten verhindern muss, scheint sich in diesen Tagen als ein zivilisatorischer Konsens herauszukristallisieren. Sowohl die amerikanische wie auch die iranische Regierung liefern Waffen an die Kurden, die sich gegen den „Islamischen Staat“ stemmen, und die Erzfeinde unterstützen auch gemeinsam den designierten Premierminister Haider al-Abadi bei seinem Versuch, in Bagdad endlich eine überkonfessionelle Regierung zu bilden.
Die europäische Außenpolitik hat sich überraschend umstandslos aus den Fesseln ihrer notorischen Uneinigkeit befreit, indem sie sich selbst für bedeutungslos erklärte und den nationalen Regierungen freie Hand gab, einzugreifen oder nicht oder nur ein bisschen. In Deutschland sind sich grundverschiedene Politiker wie Gregor Gysi, Cem Özdemir und Elmar Brok einig, dass die Gegner des „Islamischen Staates“ militärische Unterstützung benötigen, wohlgemerkt auch aus Deutschland.
Dabei waren ausgerechnet die Grünen, die mit der Friedensbewegung entstanden sind, die erste Partei, die die amerikanischen Luftanschläge auf Stellungen des „Islamischen Staates“ ausdrücklich begrüßte – und zwar mit dem bemerkenswert selbstreflexiven Hinweis, dass man Terroristen nicht auf Jogamatten und in Gesprächsrunden besiegen könne, sondern „so, wie es die Amerikaner machen“. Es gibt Gründe zu hoffen, dass die Weltgemeinschaft noch rechtzeitig genug eingreift, um humanitäre Korridore für die Flüchtlinge zu schaffen und den Fall der kurdischen Städte wie Erbil, die zu Zufluchtsstätten der verfolgten Minderheiten geworden sind, zu verhindern. Aber reicht das? (…)
Dass zur Zeit die nationalstaatliche Ordnung des Nahen Osten gesprengt wird, könnte, ja müsste Europa vielleicht noch hinnehmen – ist sie doch so willkürlich im 20. Jahrhundert entstanden, dass eine Neuordnung nicht zwingend schlechter sein muss. Nicht hinnehmbar ist, für kein mitfühlendes Herz, dass eine einzelne Terrorgruppe wie der „Islamische Staat“ das fragile und doch so wertvolle, zivilisatorisch so reiche Gebilde unterschiedlichster Ethnien, Religionen und Sprachen vernichtet, das sich am östlichen Mittelmeer über viele tausend Jahre relativ kontinuierlich herausgebildet hat.
Der Kampf gegen einen solchen, sich islamisch begründenden Extremismus darf nicht von Amerika allein geführt werden oder von christlichen Ländern, die sich um ihre Glaubensgeschwister zu Recht sorgen. Dieser Kampf muss ein Kampf gerade der islamischen Staaten, aber auch ihrer Theologen, ihrer Intellektuellen, der Muslime insgesamt sein. Ihre eigene Tradition ist es, die von den Dschihadisten zugunsten einer imaginierten, historisch, dogmatisch und vor allem auch menschlich völlig unhaltbaren Urgeschichte für obsolet erklärt wird. / Berliner Zeitung
Die romantische Gestalt Lord Byrons hat viele und oft widersprüchliche Facetten und ist schwerlich mit einer Formel zu erfassen. Dennoch hat er selbst (im Gespräch mit Lady Blessington) so eine Formel geprägt: ‘a strong love of liberty, and a detestation of cant’ –– ‘eine starke Liebe zur Freiheit und Abscheu vor affektierter Phrasendrescherei’. Und er hat recht: beide Züge kennzeichnen Persönlichkeit und Werk von jung an, beginnend mitChilde Harold’s Pilgrimage (1812–18), das ihn schlagartig berühmt machte, und ausklingend in den beiden großen Parodien Don Juan (1819-24) und The Vision of Judgement (1820), dieser locker parlierenden Anti-Vision, die wir hier zweisprachig vorlegen.
Sie war Teil der publizistischen Fehde, die Byron gegen seinen Intimfeind Robert Southey, den zum Reaktionär gewandelten Radikalen und damaligen Poet Laureate, geführt hat. Die sechsseitige Vorrede Byrons war einzig dieser Fehde gewidmet; sie reagiert auf bestimmte böswillige Invektiven Southeys, die heute ‘Geschichte sind’, und läßt das Gedicht für sich selber sprechen. Deshalb mag es erlaubt sein, sie hier auszublenden und den zeit- und ideengeschichtlichen Hintergrund des Gedichts, soweit er im Text selber laut wird, durch ANMERKUNGEN zu erläutern.
Byron standen die Worte zu Gebote wie nur wenigen. Als Deutscher kommt man kaum umhin, an Heinrich Heine zu denken. Auch bei ihm ist romantisches Hochgefühl mit romantischer Skepsis versetzt. Auch er parodierte brillant und mühelos wie Byron. Dieser Mühelosigkeit versuchsweise ein deutsches Pendent zu geben, ist ein Wagnis, weil um des Parlando-Tones willen so einiges Inhaltliche auf der Strecke bleiben muß. Aber es lohnt sich, weil es Spaß macht, beim Schreiben und hoffentlich auch beim Lesen. Wie weit das Wagnis geht, erläutert z.B. die Anmerkung zum Schlußvers.
Günter Plessow, im Juli 2014
Lord Byrons 106-strophige politische Parodie „The Vision of Judgement“, übersetzt von Günter Plessow, Signaturen
Denn wenn der gebürtige Völklinger dieser Tage aus der Wahl-Heimat Berlin ins Saarland zurückkehrt, tut er dies als ein weit über die Berliner Lesebühnen hinaus gefeierter Nachwuchs-Poet, als einer, dem die FAZ „hochkarätige Lyrik“ attestiert, der etliche Förderpreise und Stipendien abräumte, in renommierten Zeitschriften publiziert und als Mitherausgeber des Online-Literaturmagazins karawa.net selbst Poesie kuratiert. Gerade erst wurde Ames für seine Lyrik mit einem der begehrten Venedig-Stipendien des Kulturstaatsministerium für seine Lyrik ausgezeichnet. Wobei er den Begriff eigentlich gar nicht mag. Lyrik – das klinge zu sehr nach „hohem Tonfall“. Dabei könne man heute doch problemlos von Hölderlin zu Bukowski schwenken, sagte er. Lieber spricht er von „Poesie“. (…)
Seine Gedichte gleichen klanghaft schillernden Sprachgebäuden, mal verwinkelt, mal klarer konturiert. Erbaut mit feinem Sinn für Rhythmus und einem geradezu unbändigem Spieltrieb, was das Rohmaterial Wort betrifft: Er zerlegt, reichert an, bläht auf oder lässt Luft raus, jongliert, knetet und setzt neu zusammen. Sprachkunst. Als Selbstzweck? Nein, sagt er. Vielmehr legt Ames Fährten aus, „Anknüpfungspunkte“, wie er sagt. Poesie sei für ihn „Kommunikation“, eine „Mitteilung, wenn auch keine direkte, zweckgerichtete“. Unverständnis als Publikumsreaktion kennt er, häufiger jedoch Überraschung. Am liebsten sei ihm, sagt er nach kurzer Überlegung, ein Gedicht löse „produktive Verunsicherung“ aus. / Johannes Kloth, Saarbrücker Zeitung
Dramatisch verlief die Lesung für diesen Saarländer:
„Wie eine rote Schaumkugel ditscht etwas an meine Schädel innendecke“, heißt es in der Variante von Konstantin Ames. Im runden Kopf des aus Völklingen stammenden Dichters muss es ziemlich oft ditschen. So rasant schlägt sein Denken Haken, fährt das „Etwas“ zwischen die Wörter, zerstückelt sie und setzt sie neu zusammen, dass man seiner Lesung am Montag im Saarländischen Künstlerhaus wie beim Hunderennen folgt.
Der Québécker Lyriker haïtianischer Herkunft Anthony Phelps wird für sein Buch «Femme Amérique» (Mujer America) mit dem mexikanisch-quebeckianischen Lyrikpreis «Gatien Lapointe – Jaime Sabine» ausgezeichnet. Phelps war in Haiti unter dem Dikatator François Duvalier (1957-1971) in Haft, emigrierte dann nach Kanada und hielt sich in den 80er Jahren einige Zeit in Mexiko auf. Die Preissumme beträgt 50.000 mexikanische Pesos (etwa 4000 US-Dollar). Ab 2015 soll die Summe für den jährlichj vergebenen Preis verdoppelt werden. / AlterPresse.
Das fünfte Internationale Lyrikfestival MERIDIAN CZERNOWITZ wird vom 5.-7-9- in der westukrainischen Stadt Czernowitz stattfinden. An ihm nehmen teil: Dragica Rajčić / Schweiz, Petro Midjanka / Ukraine, Ljudmila Chersonska / Ukraine, Midna / Ukraine, Dmytro Lasutkin / Ukraine, Andrij Bondar / Ukraine, Olexandr Boytschenko / Ukraine, Jurij Izdryk / Ukraine, Taras Prochasko / Ukraine, Irena Karpa / Ukraine, Andreas Neeser / Schweiz, Oksana Sabuschko / Ukraine, Igor Pomeranzew / Großbritannien-Ukraine, Juri Andruchowytsch / Ukraine, Mark Belorusez / Ukraine, Petro Rychlo / Ukraine, Serhij Zhadan / Ukraine, Chrystia Wengryniuk / Ukraine, Andrij Ljubka / Ukraine, Kateryna Babkina / Ukraine. Mehr
Franzliks „Erinnerung an Wolfgang Hilbig“ besteht aus kurzen, beiläufigen Skizzen, die die Gefühle und Krisen in ihrer Beziehung nie thematisieren, sondern Schauplätze und kleine Begebenheiten ins Zentrum rücken. Die beiden lernten sich 1969 kennen, in der HO-Naherholungsgaststätte „Nonnenhof“ am Tollensesee bei Neubrandenburg. Sie war damals gerade mal 19 Jahre alt und wartete den Sommer über auf einen Studienplatz, er war mit 28 von Meuselwitz zusammen mit dem Freund Gert Neumann in den Norden gegangen, um den Sommer über die Existenz eines freien Schriftstellers auszuprobieren.
Ihre Beziehung dauerte immerhin bis Anfang der Achtzigerjahre, die gemeinsame Tochter Constance wurde 1980 geboren, und Margret Franzlik zählt die Namen der „Clique“ auf, mit der Hilbig um das Jahr 1970 herum in Meuselwitz zusammen war, man besuchte gemeinsam Rockkonzerte im Stadthaus: Eschi, Schrips, die Katze, der Beatle, Dionys Kohl, der junge Liedermacher Dieter Kalka und andere. Danach ging es noch mit Wein zu Eschi in seine „Bärenhöhle“ in Zipsendorf, zu Schmidtke in dessen fast leeres Haus am Baderdamm, zu Schrips in die Kressestraße oder zur „Katze“ in der Nähe der Poliklinik. Zu Hilbig ging es allerdings nie, seine Mutter musste früh zur Arbeit. (…)
Es sind Erinnerungen, die die Genese des Dichters Hilbig beschwören und die privaten Konstellationen nicht weiter problematisieren. Wie es schließlich zur Trennung zwischen Wolfgang Hilbig und Margret Franzlik kam, wird genauso ausgespart wie alle anderen emotionalen Irritationen. Der Gestus des Buches ist nüchtern, aber untergründig doch aufgeladen mit Pathos.
Zu den atmosphärisch zum Teil sehr dichten Abbildungen gehört eine Quittung, die der Buchhändler Fiedler in seinem kleinen Laden in der Meuselwitzer Bahnhofstraße dem unbekannten Heizer Hilbig Anfang der Siebzigerjahre ausstellte: über einige Exemplare der Zeitschrift Sinn und Form und der Wochenzeitung Sonntag – dieser kleine Laden war wie ein Tor zur Welt. Und die langjährige Wohnung in Berlin-Lichtenberg wird mit ihren Kohleproblemen, den unzugänglichen Kellerfluchten und dem verfallenden Treppenhaus als Urgrund Hilbigscher Literaturphantasien evoziert.
Einmal erscheint ein Bild, wie Hilbig spät in der Nacht angetroffen wird, „ein Dichter bei der Arbeit“: Er schreibt, und im Kachelofen prasselt das Feuer. Am Schluss heißt es: „Der Heizer hat ganze Arbeit geleistet.“ Dieses Erinnerungsbuch ist Arbeit am Mythos, aber gleichzeitig gibt es dem Rätsel, das der Schriftstellerexistenz Wolfgang Hilbigs anhaftet, einige Konturen mehr. / HELMUT BÖTTIGER, Süddeutsche Zeitung 6.8.
Margret Franzlik: Erinnerung an Wolfgang Hilbig. Transit Verlag, Berlin 2014. 104 Seiten mit Fotos, 16,80 Euro
Martin Mooij, einer der Gründer des Festivals Poetry International, ist am Dienstag in Rotterdam verstorben. Er war 83 Jahre alt. 1970 eröffnete er zusammen mit Adriaan van der Staay die erste Veranstaltung, auf der ein polnischer, ein französischer und ein österreichischer Dichter auftraten. Seit 1987 war Poetry International eine selbständige Organisation, die er leitete. Mooij, der auch Publizist und Erzähler war und Bücher von Horst Bienek, Peter Handke, Joseph Roth und Anna Seghers übersetzt hat, setzte sich auch für verfolgte Dichter ein. Jedes Jahr wurde einem inhaftierten Dichter der Poetry Award verliehen. / NU.nl
Ein kleiner Gelsenkirchener Verlag setzt seit 40 Jahren Lyrik groß in Szene. Zum Konzept von Verlegerin Irmgard Stein gehört die Kombination von Gedicht und Grafik. Eine Erfolgsgeschichte.
Die Bestsellerlisten erobern Gedichtbände eher nicht. Bücher mit kunstvoll gedrechselter Lyrik liegen schwer in den Buchregalen, mutieren rasch zu Ladenhütern*. Und dennoch trat Irmgard Stein das Wagnis an: Die Ückendorferin gründete mutig den kleinen, aber feinen Verlag Xylos, um der zeitgenössischen Lyrik angemessen Gehör zu verschaffen. Mit Erfolg: Am 23. August feiert die Edition 40. Geburtstag. (…)
Dieser Verlag, zu Hause an der Bergmannstraße 65, ist nicht nur als Ein-Frau-Betrieb ein ganz besonderer. „Von Anfang an“, erzählt Irmgard Stein, „hatte ich die Idee, Lyrik immer nur in Verbindung mit Grafik herauszubringen.“ Radierung, Lithographie, Holzschnitt vor allem. Verheiratet mit dem Holzschneider Heinz Stein, konnte die Verlegerin hier aus dem Vollen schöpfen, konnte kreative Verbindungen schaffen zwischen bildender Kunst und Literaten.
(…) Dann wird auch das neueste Blatt präsentiert, eine Wiederauflage von 1974. Den Text „Ein Mensch wie ich“ schrieb der Gelsenkirchener Autor Jürgen Völkert-Marten, den Holzschnitt schuf Heinz Stein. Vielen jungen Lyrikern diente Xylos als Sprungbrett.
Gelsenkirchener Edition Xylos feiert 40. Geburtstag | WAZ.de – Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/staedte/gelsenkirchen/gelsenkirchener-edition-xylos-feiert-40-geburtstag-id9693574.html#plx980044515
*) Ah, die Verfasser der Nachricht sind wohl Kenner? Egal, ich zitiere sie trotz des kunstvoll gedrechselten Aufhängers. Obwohl die Buchhandlung, in der viele Lyrikbände schwer in den Regalen liegen, müßten sie auch erst mal zeigen.
Im Mai 2013 veröffentlichte ich in der Tageszeitung Libération einen Artikel mit dem Titel « Die Nicht-Poesie der Nicht-Poeten ». Er verursachte Aufschreie, brachte mir Sympathien ein und gebar Fehlinterpretationen. Es handelte sich um einen Artikel mit exoterischen Zielen: Er nahm sich vor, die breite Öffentlichkeit einem Paradox auszusetzen. Er wandte sich nicht an die Lyrikleser und die Lyriker hätte er auch nicht zwangsweise tangieren müssen. Er hatte didaktische und kosmopolitische Ziele. So.
Es war kein Aufsatz über « Poetik » oder einen Versuch, sie zu erklären: Weder versuchte ich zu « begreifen », was Poesie ist, noch wollte ich sie in ihre Essenz oder Selbstidentität zurückführen.
Ich interessierte mich weniger für die Identität der Dichtung als vielmehr für das allgemeine Lob und das Paradox eines Urteils – das ist poetisch und seine seltsame Verbreitung im öffentlichen Raum. Wenn ich heute darüber nachdenke, würde ich sagen, es handelt sich um ein Paradox der zeitgenössischen Poesie in Frankreich zum « Zeitalter des kulturellen Kapitalismus ».
/ Martin Rueff: „Die Nicht-Poesie der Nicht-Poeten“ – Rückversicherung, bei Signaturen
Local news, Bronx. In New Yorks Botanischem Garten gibt es nicht nur viele Bäume und Blumen, sondern auch Poesie. Ein Lyrikspaziergang, Gedichte von Edna St. Vincent Millay (1892-1950) in Landschaft.
Assault
I had forgotten how the frogs must sound After a year of silence, else I think I should not so have ventured forth alone At dusk upon this unfrequented road. I am waylaid by Beauty. Who will walk Between me and the crying of the frogs? Oh, savage Beauty, suffer me to pass, That am a timid woman, on her way From one house to another!
Frank O’Hara’s “Lunch Poems,” the little black dress of American poetry books, redolent of cocktails and cigarettes and theater tickets and phonograph records, turns 50 this year. It seems barely to have aged.
O’Hara wrote these poems, some during his lunch hour, while working at the Museum of Modern Art. He started at MoMA as an information desk clerk and, though he lacked formal training, became a curator. He had a painterly eye and a silvery personality.
“Lunch Poems” was urbane and sociable, a cheerful rebuke to the era’s more determined academic verse. “I do this I do that” poetry, O’Hara called his work, and this collection’s first poem, “Music,” sets the tone of his free-associating voice and method.
If I rest for a moment near The Equestrian
pausing for a liver sausage sandwich in the Mayflower Shoppe,
that angel seems to be leading the horse into Bergdorf’s
and I am naked as a table cloth, my nerves humming.
“Naked as a table cloth,” “nerves humming”: These are not-bad distillations of O’Hara’s sensibility. / Dwight Garner, NYT 9.8.
Peter Mendelsund often says that „dead authors get the best book jackets.“ / New York Times 29.7. S. C1
Garry Kasparov, the former world chess champion … was born in Azerbaijan and is half-Armenian and half-Fewish“ / New York Times 10.8. S. 3
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