50. Stipendien für irische Dichter

Die Witwe des irischen Dichters Patrick Kavanagh hat die Rechte und Lizenzgebühren für sein Werk an Treuhänder übergeben, die es für bedürftige irische Dichter mittleren Alters verwenden sollen. Die Patrick and Katherine Kavanagh Fellowships 2014 gehen an Gearoid Mac Lochlainn (€8,000), Joseph Woods und Enda Wyley (je €6,000). / Irish Times

49. American Life in Poetry: Column 494

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

I’d guess that a number of our readers have had MRIs. One of my neighbors, a gravel hauler in rural Nebraska, told me that his test sounded as if he were on the inside of a corn sheller. Jackie Fox, also a Nebraskan, has a different take on the experience. Would you rather find yourself confined in a corn sheller or a dryer? It’s no wonder we call ourselves patients.

MRI

It thuds and clanks
like tennis shoes
in a dryer, only
I am the shoe,
sour, damp and
wedged into
the narrow
metal tube,
heart clanging.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2013 by Jackie Fox. Poem reprinted from Bellevue Literary Review, Volume 13, no. 2, Fall 2013, by permission of Jackie Fox and the publisher. Introduction copyright © 2014 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

48. Horst Samson

Die im Ludwigsburger POP-Verlag vom Verlagsleiter Traian Pop selbst herausgegebene Vierteljahresschrift BAWÜLON nennt sich im Untertitel „Süddeutsche MATRIX für Literatur und Kunst“. (…)

Aus besonderen Anlässen rückt die Zeitschrift Werk und Wirkung eines Schriftstellers oder einer Schriftstellerin ins Zentrum einzelner Ausgaben. Nach Julia Schiff und Johann Lippet würdigt BAWÜLON nun in Nr. 2/2014 die Persönlichkeit und das vielseitige literarische Schaffen des in Albrechtsflor aufgewachsenen Dichters und Journalisten Horst Samson anlässlich seines 60. Geburtstags. Eine „Festschrift“ der besonderen Art! Nicht Laudationes sind hier versammelt, sondern eine Auswahl von Gedichten, Prosastücken und essayistischen Texten des Jubilars aus dreieinhalb Jahrzehnten. (…)
Sein vielbeachteter Gedichtband „La Victoire. Poem“ (München, 2003) wird von Peter Motzan als „Protokoll einer Entheimatung und Zerstörung“ bezeichnet.

Über seine bitteren Erfahrungen in den dunklen achtziger Jahren in Temeswar, im Visier des Geheimdienstes Securitate, über den Literaturbetrieb und den zunächst immer noch lebendigen Adam-Müller-Guttenbrunn-Literaturkreis, dessen Sekretär er war, und schließlich über die Last des Neubeginns im Westen ab 1987 berichtet Samson ausführlich im Gespräch mit Stefan Sienerth, das gleichsam als verkürzte Selbstbiographie zu lesen ist. (…)

In sprühender Sprache verankert Horst Samson im Kern seines bisherigen Gesamtwerks Selbstbiographisches exemplarisch im zeitgeschichtlichen Geschehen der letzten vier Jahrzehnte, dem politischen Klima der Aussiedlungszeit, wird so zum poetischen Chronisten der Endzeit der Banater Deutschen in der Heimat und der Befindlichkeiten der Ausgewanderten beim Übergang in den westlichen deutschen Sprachraum. Die Frage, ob dieser Vorgang als Emigration bzw. Exil zu deuten ist, muss offen bleiben. / Walter Engel, Banater Post 15.9.

47. Poetopie

wir, in der U-Bahn uns gegenübersitzend – ungewollt einbezogen ins heimliche Gespräch der Blicke

Hansjürgen Bulkowski

46. Afrikanischer Beitrag zum Islam

Wir haben seit Jahrhunderten einen Islam, der friedfertig ist und nie Probleme bereitet hat. Diese Organisationen wollen den senegalesischen Islam politisieren, indem sie ihn mit salafistischen und wahhabitischen Ideologien infizieren und Konflikte der arabischen Welt in die hiesige Gesellschaft importieren.

Was versprechen sie sich davon?

Dahinter steckt ein arabischer Paternalismus, der davon ausgeht, dass die afrikanischen Muslime zu wahren Muslimen gemacht werden müssten. Die arabische Welt nimmt uns Afrikaner gewissermaßen als Unter-Muslime wahr, aber das ist nichts Neues.

Sondern?

Schon 1591 kam der Sultan von Marokko und sagte, er wolle jetzt Mali islamisieren – da war Timbuktu schon längst eines der größten islamischen Zentren überhaupt. Das eskalierte dann in der Schlacht von Tondibi, etwa 60 Kilometer nördlich von Gao. Als im Jahr 2012 die Dschihadisten die Mausoleen in Timbuktu zertrümmerten, steckte dahinter abermals die Botschaft, dass wir Afrikaner nichts zum Islam beigetragen hätten – und man uns einen reinen Islam bringen müsse. Der kulturelle Beitrag der afrikanischen Muslime zur islamischen Zivilisation soll zerstört werden.

Worin genau besteht dieser Beitrag?

Die Afrikaner haben etwas Außergewöhnliches vollbracht: eine kritische Assimilierung der Religion. Sie haben die Zugehörigkeit zum Islam mit den bestehenden kulturellen Realitäten vereint – mit der Folge, dass der Islam zur integrierenden Kraft wurde, basierend auf Frieden und Dialog. Ein friedfertiger, spiritueller Islam, der keine Spannungen zwischen Kultur und Religion erzeugt. Ein Glaube, der den Islam nicht politisiert, sondern für sozialen Zusammenhalt sorgt.

/ Der senegalesische Islamforscher Bakary Sambe über friedfertigen Glauben und die Verbreitung von Dschihadismus im Sahel, Süddeutsche Zeitung 6.9.

45. Christine Busta

In Wien sind demnächst wieder Gedichte der etwas in Vergessenheit geratenen katholischen Lyrikerin Christine Busta (1915-1987) zu hören. Am 9. Oktober erinnert eine Lesung unter dem Titel „einfach so“ im Literaturhaus an das zu ihren Lebzeiten hochdekorierte Schaffen der vor fast 100 Jahren geborenen Dichterin. (…)

„Mein Grundthema ist die Verwandlung der Furcht, des Schreckens und der Schuld in Freude, Liebe und Erlösung“, wird Busta in der Ankündigung zitiert. Doch habe sie nie die Schattenseiten der Realität ausblenden wollen, stellte sie einmal in einem Gedicht („Erklärung“) gegen Kritiker klar: „Nie habe ich einer heilen Welt das Wort geredet. Immer nur einer verletzlichen, um deren gefährdete Schönheit ich bangte – schon auf Heilung bedacht.“ / Kathweb

Dieser Text stammt von der Webseite http://www.kathweb.at/site/nachrichten/database/64568.html des Internetauftritts der Katholischen Presseagentur Österreich.

44. H.D. und Sappho

— Wie wird gesprochen? Eigenartig bildhaft, bildkräftig. Konkrete Bilder, die Ezra Pound bewunderte und von Imagismus sprechen ließ. Metaphern, die in konkrete Bilder zurückverwandelt sind. Bilder, die nicht eigentlich schildern, sondern auftreten wie handelnde Personen im Drama. Hart zupackende Verben. Knappe, harsche Attribute, die wie Kieselsteine in der Hand liegen. Konkret und enigmatisch zugleich.

— Wovon handelt diese Sprache? Wieviel Augenblick und wieviel Mythos kommt hier zu Wort? Ist es, wie Eileen Gregory* uns nahelegt, die Gestalt der SAPPHO, die hier auflebt, überraschend neu und so fern dem Bild, das die Spätromantik von ihr gezeichnet hat? Erkennen wir SAPPHO? Und hinter ihr die Gestalt der Gottheit, die sie besingt?

(…)

[Eileen Gregory] betont aber auch das Gefühl der Distanz der modernen Frau und Dichterin gegenüber dem Lesbos SAPPHOs, derer H.D. sich tief bewußt war. Eine Distanz, der sie durch radikale Strenge ihrer Bildsprache Ausdruck gab, die alle überkommene Metaphernpoesie vergessen macht.

(…)

Daß sich von SAPPHOs Werk nur Bruchstücke erhalten haben (Zitate und Verweise bei hellenistischen Dichtern und ein Sammelsurium von Papyrusfetzen, die erst in jüngerer Zeit entdeckt wurden), mag nicht unwesentlich dazu beigetragen haben, daß auch H.D. bei aller Gemessenheit sprunghaft und fragmentarisch schreibt, ihre Gedichte oft in eine numerierte Folge von Einzelpassagen auflöst, in denen die sprechenden Stimmen sich abwechseln, einander ergänzen oder widersprechen und zusammengenommen enigmatisch bleiben, rätselhaft offen wie die dem Leben erwartungsvoll geöffnete Seele, deren Regungen hier laut werden. Gedichte, die für sich genommen und als Gedichtfolge Offenheit und Geschlossenheit zugleich präsentieren, die nicht assoziativ, sondern pointiert gesprochen und bewußt komponiert sind, zugleich aber offen für jene Mythen, die um vieles älter sind als die, die SAPPHO lebendig hielt, offen für das ganze von der menschlichen Stimme belebte All: Wind, der befruchtet und zerstört, Salz, das Bitternis beisteuert zur Süße, und See, die Gefahrenreiche, aus der alles Leben stammt.

/ Günter Plessow, aus: See Garten – H.D. und ihre Sappho. In: Signaturen

* Eileen GREGORY, Philologin, University of Dallas. H.D. and Hellenism. Classic Lines (1997); Rose Cut in Rock: Sappho and H.D.s Sea Garden (1986), reprinted in: Susan Stanford Friedman / Rachel Blau DuPlessis (ed.): Signets: Reading H.D. (1990).

43. Gestorben

Karl Heinz Schreiber ist tot. Er verstarb am 26. Mai 2014 nach kurzer, schwerer Krankheit.

Karl Heinz Schreiber, geboren am 16.9.1949, war ein deutscher Schriftsteller, der seine Werke in verschiedenen Anthologien veröffentlichte. In seinem eigenen Publikationsforum „AALFAA EnterBraynMent“ gab er die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift „Kult“ heraus, seine Rezensionen, die in verschiedenen Zeitschriften erschienen, waren hochgeschätzt.

Als Initiator einiger „PoetenStammTische” hat Karl Heinz Schreiber erfolgreich ein Netzwerk von jungen und älteren Lyrikern gebildet, das weit über die Grenzen Bayerns, dem Bundesland seines Wohnortes Aschaffenburg, berühmt war.

Seit 2007 veröffentlichte Karl Heinz Schreiber, der hauptberuflich als Studiendirektor an einem Gymnasium arbeitete, seine Texte unter dem Pseudonym „ Schrybyr“ in dem Literaturinternetforum „keinverlag.de“. Dort galt er als bedeutender Autor und Rezensent, dem gerade die Förderung junger Autoren am Herzen lag. Das Forum verliert durch seinen Tod ein wertvolles Mitglied seiner Gemeinschaft. / 16 Seiten

42. Sascha Kokot

erhielt am Donnerstag um 17 Uhr im Literaturhaus Magdeburg den mit 5000 Euro dotierten Georg-Kaiser-Förderpreis des Landes. 1982 in Osterburg (Landkreis Stendal) geboren, wuchs Kokot in der Altmark auf, wurde in Hamburg zum Informatiker ausgebildet und studierte ab 2006 am Literaturinstitut in Leipzig. 2013 veröffentlichte Kokot, der in Leipzig lebt, seinen ersten Gedichtband: „Rodung“ im Verlag Edition Azur. Die Fragen an Sascha Kokot stellte unser Redakteur Christian Eger. / Mitteldeutsche Zeitung

41. Gleich verstopften Schubladen

Wenn man sich an Etiketten versucht, lägen Begriffe wie Alltagslyrik oder Gelegenheitsdichtung nahe. Mal lakonisch-kurz, dann im Zeichen des Langgedichts, wie es z. B. Günter Herburger in den 70er Jahren poetologisch auf den Punkt gebracht hat: Gedichte sollen verstopften Schubladen gleichen. Um Gedichte im Handgemenge, so eine seinerzeit populäre Formulierung, handelt es sich dabei freilich nur in seltenen Fällen. (…)

Es war eine wunderbare Idee des Verlags, diese Lyrik-Sammlung zu veranstalten. Der Rezensent liest Kiwus’ Gedichte als »Momentbilder sub specie aeternitatis«, wie einmal eine Kolumne in der Zeitschrift »Jugend« aus dem Jugendstil hieß: ganz nah an ihrer eigenen Zeit und doch wieder weit darüber hinaus weisend. / Aus einer Rezension von Werner Jung, Neues Deutschland

Karin Kiwus: Das Gesicht der Welt. Gedichte. Schöffling & Co. 352 S., Leinen, 22,95 €.

40. Neue Reihe Edition ReVers

Verlagshaus J. Frank | Berlin startet neue Lyrikreihe – ausgewählte Gedichte von Wladimir Majakowski, Konstantínos Kaváfis und Wilfred Owen in deutscher Erstübersetzung

Am 1. Oktober erscheinen die ersten drei Bände der neuen, hochwertig gestalteten Lyrikreihe Edition ReVers. In zweisprachigen und in zwei Farben (Gold/Schwarz) illustrierten Ausgaben mit offener Fadenheftung stellt der Berliner Verlag ausgewählte Gedichte von Wladimir Majakowski, Konstantínos Kaváfis und Wilfred Owen in deutscher Erstübersetzung vor. Für 2015 kündigt das Verlagshaus J. Frank | Berlin Gedichte der brasilianischen Lyrikerin Hilda Hilst (1930-2004) und des englischen Schriftstellers Siegfried Sassoon (1886-1967) an.

„Mit der Edition ReVers wenden wir uns internationalen Dichter_innen der Vergangenheit zu, die ein ganz besonderes poetisches Potential für die Gegenwart haben. Wir freuen uns sehr, mit Majakowskis Langgedicht ‚Der fliegende Proletarier‘ eine echte Entdeckung gemacht zu haben und diesen eindrucksvollen Text erstmals auf Deutsch veröffentlichen zu können. Auch die Hidden Poems von Kaváfis und zahlreiche Gedichte von Owen legen wir in unserer Reihe in deutscher Erstübersetzung vor. Für die Übertragungen haben wir die Gegenwartsautoren und -lyriker Jan Kuhlbrodt und Boris Preckwitz gewinnen können, die eine ganz eigene literarische Stimme haben. Ein wesentlicher Aspekt der Reihe sind zudem die Illustrationen: Die Illustrator_innen stellen sich den Texten, entwickeln künstlerische Positionen zu ihnen und entwerfen eine kontemporäre Bildsprache, die Leser_innen erste Zugänge eröffnen“, so Johannes CS Frank, Andrea Schmidt und Dominik Ziller, die Verleger_innen vom Verlagshaus J. Frank | Berlin.

Eröffnet wird die Edition ReVers mit Wladimir Majakowskis „Der fliegende Proletarier“. Das Lang­gedicht ist in der russischen Gesamtausgabe enthalten, fand aber keine Aufnahme in die beiden deutschen Gesamtausgaben. Das Gedicht ist über weite Strecken in einem atemlosen Telegrammstil abgefasst. Majakowski (1893-1930) setzt Verfahren ein, die er aus sozialistischer Werbesprache, dem Agitprop der Plakatkunst und den Szenenbeschreibungen seiner Film-Scripts entwickelte. Boris Preckwitz hat Majakowski aus dem Russischen ins Deutsche übertragen, Jakob Hinrichs die Ausgabe illustriert, das Nachwort ist von Jan Kuhlbrodt.

Konstantínos Kaváfis Gedichte „Im Verborgenen“, die u. a. die Homosexualität des griechischen Dichters thematisieren, versteckte Kaváfis (1863-1933) bei Freunden und Liebhabern. Die Hidden Poems wurden in Griechenland erst Anfang der 1990er Jahre veröffentlicht. Für das deutschsprachige Publikum werden sie jetzt zum ersten Mal zu lesen sein. Jorgos Kartarkis und Jan Kuhlbrodt haben die Texte übersetzt, Anja Nolte hat sie zeichnerisch kommentiert und interpretiert. Das Nachwort ist vom brasilianisch-Berliner Autor Ricardo Domeneck.

Wilfred Owen gilt als der wichtigste War Poet, seine Gedichte zählen zum kulturellen Gedächtnis Großbritanniens. Im deutschsprachigen Raum ist Owen hingegen kaum bekannt. In seinen Gedichten gibt der vier Tage vor Ende des Ersten Weltkrieges getötete Dichter Einblicke in das Grauen des Krieges und zeigt, wie Krieg Individuum und Gesellschaft prägt und verändert. Mit „Die Erbärmlichkeit des Krieges“ erscheinen die gesammelten Gedichte von Wilfred Owen (1893-1918) erstmals auf Deutsch. Erweitert wird die Ausgabe durch ausgewählte Briefe Owens. Johannes CS Frank hat die Texte übersetzt und ein Nachwort beigesteuert. Andrea Schmidt ist die Illustratorin des Bandes.

„poetisiert euch“ – lautet das Motto des Verlagshaus J. Frank | Berlin. 2015 wird der Independent-Verlag aus Prenzlauer Berg seinen 10. Geburtstag feiern. Schwerpunkte des Verlages liegen auf Gegenwartslyrik, Kurzprosa und dem Zusammenspiel von Illustration und Text.

39. Rheinische Stimmen erscheinen

Von Thomas Kling stammt die Selbstaussage, ihn interessiere jede „Land- oder Stadtschaft als eine riesen summende Insektengesellschaft“, aus der er in seinen Gedichten einzelne Stimmen „herauspräparieren“ müsse. In Beyers neuem Gedichtband „Graphit“ (erscheint im Oktober), in dem vielfach Fotos Auslöser gewesen sein dürften, hört man immer wieder solche einzelne Stimmen heraus. Das Rheinland natürlich. Konkrete Nachrichtenbilder stehen hinter den Gedichten „Graphit“ und „Das Rheinland stirbt zuletzt“, Fotos von der Neusser Kunstschnee-Halle sowie Fotos vom Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009. Rheinische Stimmen erscheinen. „Himmel, sieht es hier aus,“ lautet eine Zeile und „flück flück flück“ eine andere – jenes Kölner Stoßgebet zum Heiligen Antonius, das nicht Auffindbare zurückzubringen („Hillijer Tünnes, flück flück flück, zejschens schnell ding Meisterstück“). Und mit Verkürzungen wie „Ein Broich. Ein Busch. / Ein Rath“ stehen auch die „Runkelrübenäckerweiten“ um Orte wie Grevenbroich oder Benrath direkt vor uns. / Aus: Marie Luise Knott, Perlentaucher

38. 7. ZEBRA Poetry Film Festival

Das Programm

Die imaginären Welten der Lyrik treffen auf die audiovisuellen Möglichkeiten des Kurzfilms: Der Poesiefilm ist so alt wie das Filmemachen selbst und erlebt seit dem Einsatz der digitalen Medien einen wahren Boom. Bereits zum siebten Mal zeigt das ZEBRA Poetry Film Festival vom 16.–19.10.2014 im Kino Babylon in Berlin-Mitte die besten Poesiefilmproduktionen aus aller Welt. Aus 70 Ländern wurden 770 Filme eingereicht, alle beruhen auf Gedichten und sind nicht länger als 20 Minuten. Eine Programmkommission kreierte aus den Einsendungen die Programme des Festivals und nominierte 29 Filme für den Wettbewerb um den besten Poesiefilm. Eine Jury vergibt Preise in Höhe von € 12 000. Neben dem Wettbewerb zeigen wir in verschiedenen Programmen eine Auswahl an Filmen aus den diesjährigen Einsendungen. Der diesjährige Fokus liegt auf Norwegen, mit einem Filmprogramm, einer Ausstellung und einem Werkstattgespräch mit dem norwegischen Animationsfilmer Kristian Pedersen und einer Lesung mit sechs norwegischen Dichtern. Auch dieses Jahr schrieb das Festival wieder ein Gedicht zur Verfilmung aus: 23 Filmemacher aus zehn Ländern machten einen Poesiefilm zu Björn Kuhligks Gedicht „Die Liebe in den Zeiten der EU“. Im Festival werden die drei interessantesten Filme in einem Gespräch mit Dichtern und Filmemachern vorgestellt. Außerdem gibt es ein Kolloquium zur Verbreitung von Poesiefilmen in der Digitalen Welt und eine Lesung mit Dichtern des Festivals. Die „Rückblende“ widmet sich dieses Jahr dem Lebenswerk des Dichters, Grafikers und Aktionskünstlers Dieter Roth und Videopoemen der 1960er -1980er Jahre. Ein Kinder- und Familienprogramm und verschiedene Gastprogramme u.a. mit eigens für ZEBRA geschaffenen Poesiefilmen aus Nordrhein-Westfalen ergänzen das Festival.
Das vollständige Programm finden Sie ab 15.9.2014 unter www.zebra-award.org

Das ZEBRA Poetry Film Festival zeigt Kurzfilme, die auf Basis eines Gedichtes entstanden sind. Das Festival findet statt vom 16. – 19.10.2014. Es ist ein Projekt der Literaturwerkstatt Berlin in Kooperation mit interfilm Berlin sowie mit der freundlichen Unterstützung durch den Hauptstadtkulturfonds, den Deutschen Literaturfonds e.V., das Auswärtige Amt, das Goethe-Institut und die Alfred Ritter GmbH & Co KG. Den ZEBRINO-Preis stiftet Berlin on Bike. Das ZEBRA Poetry Film Festival findet statt im Rahmen des poesiefestival berlin.

Do. 16.10. – So 19.10. 2014
7. ZEBRA Poetry Film Festival
Babylon, Rosa-Luxemburg-Str. 30, 10178 Berlin

37. Das hermetische Sehen

Aber was bedeutet es, wenn das Gedicht tanzt?

Die besondere Qualität eines solchen Gedichts – oder seine Dunkelheit, wie manche sagen – läge nicht im Transport bestimmter, mal schwerer mal leichter verständlicher Informationen; vielleicht bestünde sie gerade darin, dass es darin keinen manifesten Sinn gibt.
Stattdessen ermöglichte das Gedicht eine Emphase, die Bedeutung erst generiert – nicht aus den Wörtern, sondern durch die Wörter.

Nichts anderes scheint die „Schöpfung aus dem Nichts“ zu meinen, von der Ekelöf gesprochen hat. Überträgt man diesen ursprünglich religiösen Gedanken verallgemeinernd auf die Poesie, läge deren emphatisches Wissen im Austausch mit einem Numinosen, dessen Zeichen Gedicht und Leser zu gleichen Teilen wären. So einfach könnte es tatsächlich sein: das Gedicht, vom Verdikt seiner Verständlichkeit oder Unverständlichkeit befreit, würde so offen für die Kommunikation mit seinem Leser. Erst diese auf Augenhöhe stattfindende Begegnung garantierte dann, dass sie beide wechselweise Wirkung entfalten können.

In Xoanon ist die Schwelle zwischen dem Verstehen und seinem Gegenteil mit dem Wechsel vom Du zur unbestimmten dritten Person möglicherweise schon überschritten. Man befindet sich dann in einem liminalen Raum, dessen Konturen und Formen ineinander übergehen und kommt, mit Ekelöf gesprochen, „zu jenem vibrierenden Nichts, das zwischen Menschen ist, von welchem Geschlecht, Stand, welcher Rasse, welchem Vorurteil, Glauben sie auch sein mögen.“ / Norbert Lange, aus seiner Interpretation von Gunnar Ekelöfs Gedicht „Xoanon“, Münchner Anthologie

36. D‘ Wältwuche

Roger Köppel ist ein konkretes Gedicht. Egal, mit welchem Argument er konfrontiert wird, er pariert mit: «D‘ Wältwuche…». Diese Wiederholungen erinnern mich an das Serielle der konkreten Poesie. Sprache wird hier zum Schutzwall. Mit den Mitteln der Poesie versuche ich dann, die Sprache der Politik zu demaskieren. / Der Schweizer Stimmartist Jurczok 1001 im Gespräch mit dem Tagesanzeiger