Der Schriftsteller und Essayist Utz Rachowski erhält für seinen beeindruckenden wie berührenden Gedichtband „Miss Suki oder Amerika ist nicht weit“ den Nikolaus-Lenau-Lyrikpreis des Jahres 2014. Die Vergabe des Preises setzt an das auszuzeichnende Werk voraus, „[…] seine Offenheit gegenüber neuen Entwicklungen, seine Zeitbezogenheit, seine Begegnung mit anderen Nationen, sein Geist der Verständigung mit den östlichen Nachbarn, vor allem aber seine literarische Qualität.“ All diese Maßstäbe erfüllte der Dichter Utz Rachowski in allen seinen bisherigen literarischen Veröffentlichungen. Er ist, wie der große Kollege Hans-Joachim Schädlich schreibt, „ein Schriftsteller sui generis. Das zeigen seine Erzählungen ebenso wie seine Essays und seine Gedichte.“ Ich gratuliere!
Die Vergabe findet am 5. Oktober 2014 in Esslingen statt.
Axel Reitel
Von Susanne Baghestani
Seit Jahren fristet die unabhängige iranische Literaturszene ein Schattendasein. Besonders in Ahmadinedjads zweiter Amtsperiode (2009 bis 2013) wurden renommierte Verlage wie Nashr Cheshmeh, Nashr-e Ney, Ghoghnous oder Roshangaran auf die schwarze Liste gesetzt oder mit Publikationsverbot belegt.
Schon 2011 berichtete der Internationale Verlegerverband IPA, manche ihrer iranischen Mitglieder hätten für rund 70 Buchmanuskripte noch keine Druckerlaubnis vom Ershad, dem berüchtigten Ministerium für Islamische Führung und Kultur. Angesichts relativ kleiner Programme bedeutet das den finanziellen Ruin der nicht-subventionierten Verlage.
Hinzu kamen verschärfte Zensurmaßnahmen bei der Internationalen Teheraner Buchmesse. Mussten missliebige Aussteller früher nur einzelne Titel von ihren Messeständen entfernen, so wurden sie im Frühjahr 2012 komplett verbannt. Zur Veranschaulichung des Sachverhalts stelle man sich die Frankfurter Buchmesse ohne Suhrkamp, Beck oder Hanser vor.
Die prekäre Situation der Unabhängigen hat sich auch unter dem neuen, als moderat gepriesenen Präsidenten Rouhani nicht verbessert. Shahla Lahiji, die engagierte Verlegerin von „Roshangaran“, klagte im Frühjahr, 55 ihrer Buchmanuskripte warteten immer noch auf die Druckfreigabe. Mangels Neuerscheinungen ist der auf Frauenthemen und feministische Literatur spezialisierte Verlag wieder nicht bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse vertreten.
Statistiken belegen den staatlich verordneten Kahlschlag: 2013 wurden 300 neue iranische Buchtitel zugelassen, dieses Jahr sind es nur noch 200. Im vergangenen Jahr waren 42 Verleger präsent, dieses Jahr haben sich laut IBNA (Iranian Book News Agency) lediglich 31 Verlage aus Iran angemeldet. Auch 2014 bleiben unabhängige Verleger weitgehend ausgeschlossen.
Ein Blick auf die diesjährige Buchmessenpräsenz Irans ist aufschlussreich: zugelassen sind 6 religiöse Verlage oder Institutionen, 6 Kinderbuchverlage und 3 Kochbuchverlage. Vier Verleger präsentieren iranische Kultur und Geschichte. Bei den übrigen handelt es sich um staatliche Organisationen für Buchvertrieb, Verlagswesen und internationale Messen, Universitätsverlage sowie das gleich doppelt vertretene Dokumentationszentrum des Islamischen Parlaments.
Mangels akzeptabler Neuerscheinungen wird der angesehene Hushang Golshiri-Preis in diesem Jahr nicht vergeben. Dies kündigte Farzaneh Taheri, Witwe des im Jahr 2000 verstorbenen Schriftstellers und Initiatorin des nach ihm benannten Literaturpreises, erst kürzlich an.
Eine Verbesserung der Lage ist offenbar nicht in Sicht. Immer mehr iranische Autoren lassen deshalb ihre Werke bei einschlägigen Online-Verlegern im westlichen Ausland erscheinen.
Roland Erbs neuer Gedichtband „Trotz aller feindlichen Nachricht“ hätte auch den einfachen Titel „Ausgewählte Gedichte“ tragen können. Doch fanden der Autor und die Herausgeber einen besseren: Sie nahmen die Überschrift eines Gedichts und formten diese zum Standpunkt, von dem aus der Leser einen renitenten Blickwinkel auf die Textinhalte gewinnen kann; auch wenn das gleichnamige Gedicht gar nicht im Zentrum des Bandes steht.
Für „Ausgewählte Gedichte“ spricht die Versammlung von Texten aus verschiedenen Schaffensperioden Erbs; einige Texte erschienen bereits in den beiden Vorgängerbänden „Die Stille des Taifuns“ (Aufbau-Verlag, 1981) und „Märzenschaf“ (Hellerau-Verlag, 1995). Die Gedichte sind auf sechs titellose Kapitel verteilt; hier finden diese thematische und stilistische Schnittpunkte, ohne jedoch streng sortiert zu sein. Auf die Entstehungsdaten oder eine chronologische Ordnung wurde verzichtet, doch Erbs Gedichte fassen oftmals Fuß im Zeitgeschehen der letzten Jahrzehnte, so dass dies eine bewusste, vielleicht sogar schwere Entscheidung gewesen sein muss. Für ein Kind der 90er Jahre erfordert es ohnehin einige Mühe, den Ernteeinsatz im märkischen Sand (S.10) oder das Gefühl der Verfremdung einer alten, geliebten Kopfsteinpflasterstraße durch Asphaltierung und gesprengte Gebäude (S.11) nachzuempfinden. Doch die Gedichte Erbs verorten und verzeitlichen sich meist von selbst oder legen willentlich falsche Fährten. Hier liegt eine Stärke des Bandes: Nach Abschluss der Lektüre gewinnt der Leser unweigerlich an (Fremd-)Erfahrung dazu.
Schnell fiel das Gedicht „Walpurgis“ in meinen Blick; Jan Kuhlbrodts Hinweise am Ende des Bandes, insbesondere auf die Stadt Nordhausen und deren Historie, das Kyffhäuser- und eben jenes Harzgebirge mit dem Brocken als sagenhaften Ort der Walpurgisnacht, führten dazu. Hier wuchs der 1943 geborene Roland Erb auf, legte das Abitur ab und ging anschließend zum Studium nach Leipzig.
Im gewendeten Besenschrank steht
mein unerwarteter Stoßtrupp,
der springt staubdürstend durchs Zimmer,
stößt mich, klopft mich, entführt mich,
wirbelt hinaus […] (S. 14)
So beginnt „Walpurgis“. Das Schrankinventar zieht zum Blocksberg und es wird nicht deutlich, ob es auf seinem Weg „geflutete[…] Straßen“ , den „Lärm“ und das „zerfetzte[…] Gebein“ erzeugt oder eben „staubdürstend“ seinem Verwendungszweck nachgeht und jeglichen Tumult bereinigt. Letztendlich erweist sich die Erscheinung als „Trugbild“ . Das Gedicht bleibt in der Schwebe zwischen Zerstörung und Erneuerung.
Wie in vielen von Erbs Gedichten hat man das Gefühl, das dichterische Ich sei dem Autor sehr nah, als gewinne man einen persönlichen Eindruck, als webe man sich beim Lesen in die Privatsphäre eines anderen. Die Texte tändeln zwischen Aufbruch und dem Zurücklassen, ohne dabei Ruhe zu finden. Aufbruchsangst und -hoffnung spuken ebenso durch Erbs Gedichte wie die Bilder der Vergangenheit.
Der Leser hat mit dieser Sammlung die Chance, sowohl das Vergangene als auch dessen Abbild in der Gegenwart, dessen Auf- und Abtauchen an neuen und wiederbesuchten Orten wahrzunehmen. Die Sprache ist stets einfach gehalten, verfällt selten in hohe Töne und wandelt zwischen einer Fülle von Stimmen umher, deren Spektrum dabei über brausend, sanft oder beschwingt weit hinaus reicht, so dass man oft gewillt ist, die eigene in diesen Stimmen entdecken zu wollen, allen „feindliche[n] Nachrichten“ zu trotzen. Spätestens bei dieser Erkenntnis erspürt man die Übersetzertätigkeit Erbs, seine Fähigkeit, einen eigenen vielseitigen Ton zu schaffen und immer den passenden zur Vermittlung des Inhalts zu wählen.
Einige Texte enthalten derart präzise Beobachtungen, dass diese nahezu als Vorahnungen verstanden werden müssen oder in solchen gipfeln, wie z.B. in dem Gedicht „Die Beobachtung“ :
Du, diese Geste
des Zigarettenanzündens,
als gäb es nur das,
wenn etwas hell, etwas finster,
wenn etwas unwiderruflich vorbei.
Du, diese Geste, die Geste,
als gäb es nur das, ach,
als gäb es nur das! (S. 76)
Es ist schwer, in wenigen Zeilen die reichhaltige Lyrikproduktion eines Autors über vier Jahrzehnte hinweg auf den Punkt zu bringen. Genau aus diesem Grund liegt uns nun Roland Erbs neuer Gedichtband mit einem guten Umfang von 124 Seiten vor. Zu loben ist dabei auch die Gestaltung des Buches. Ein robuster, orangefarbener Einband umfasst die kräftigen Seiten. Haptisch ansprechend und schlicht ansehnlich ist der von Miriam Zedelius entworfene Umschlag.
Ein beachtenswertes Gedicht ist dem Band vorangestellt. Zum Glück fehlt auch hier eine Entstehungszeitangabe; der zarte Ton könnte seinen harschen Gehalt sowohl in den 1980ern als auch in den letzten Wochen empfangen haben.
Das Ohr
Wir halten das offene Ohr
an die Erde, sehr schwach
dringt ein Beben herauf
wie von hastig stampfenden Hämmern
weit über Land oder
Panzerketten, die blindwütig
Dörfer einebnen, wir halten
das offene Ohr an die Erde,
sehr schwach (S. 5)
Christoph Georg Rohrbach
Greifswald, 16. September 2014
Roland Erb: Trotz aller feindlichen Nachricht. Gedichte. Hrsg. von Jayne-Ann Igel, Jan Kuhlbrodt und Ralph Lindner (Reihe Neue Lyrik, Bd. 7). Leipzig (Poetenladen) 2014. 128 S., 16.80 Euro.
JAN VOLKER RÖHNERT: „WOLKENFORMELN“ – BUCHPREMIERE
5.10. 20:00
Geöffnet ab 20:00 Uhr, Beginn um 20:30 Uhr (mehr)
Jan Volker Röhnert stellt seinen neuen Lyrikband „Wolkenformeln“ vor, der frisch im ersten Programm des neugegründeten Verlags edition faust erschienen ist.
Aus diesem Anlass lesen außerdem als Gäste:
Ulrike Almut Sandig & Ron Winkler!
Moderation: Tom Schulz
Verlagsankündigung zu Wolkenformeln:
In seinen bisher acht Lyrikbänden hat Jan Volker Röhnert einen eigenen Ton herangebildet, eine unaufdringliche Eleganz, die zwischen Sehnsüchten, Beobachtungen und realitätsüberschreitenden Phantasien vermittelt. Intensiver und umfassender den Augenblick festzuhalten, als eine Fotografie das vermag, dazu ist der Himmel vonnöten, eine Hingabe an die Situation und eine enorme Fähigkeit, Wahrnehmung und Empfindung in geglückten Sprachbildern zu bündeln. Röhnerts Gedichte schwingen dem Lesen noch lange nach.
Die Gedichtfolgen des Bandes »Wolkenformeln« sind durchdrungen vom Licht und bedacht gefüllt mit Farben, die den Landschaften und Tageszeiten entnommen sind.
Jan Volker Röhnert: Wolkenformeln. Gedichte. edition faust 2014.
ISBN 978-3-945400-02-9
Jan Volker Röhnert, *1976 in Gera, lebt nach mehreren Jahren in Jena, Weimar und Sofia seit 2011 in Braunschweig, wo er Literaturwissenschaft an der TU unterrichtet. Seit dem mit Lyrik-debütpreis des LCB prämierten Band „Burgruinenblues“ (2003) erschienen die Gedichtbände „Die Hingabe, endloser Kokon“ (2005) und „Metropolen“ (2007). „Wolkenformeln“ ist sein erster umfassender Band seit sieben Jahren.
Ulrike Almut Sandig, * 1979 in Großenhain (Sachsen), lebt als freie Autorin von erzählender Prosa und Gedichten in Berlin. Sie schrieb auch Hörspiele (SWR 2008, 2010, Transstar Europa 2014), gab die Literaturzeitschrift EDIT mit heraus und tourte mit Marlen Pelny im Programm „Dichtung für die Freunde der Popmusik“ durch Clubs und Literatur- häuser. Sie studierte Indologie, Religionswissenschaft und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Zuletzt erschienen ihr Gedichtband „Dickicht“ und, gemeinsam mit Marlen Pelny, ihr Hörbuch „Märzwald“ (beide 2011). Im Frühjahr 2015 kommt ihr zweiter Erzählband „Buch gegen das Verschwinden“.
Ron Winkler, *1973, lebt am Zusammenfluss von Ich und Selbst und hat zuletzt den Gedichtband „Prachtvolle Mitternacht“ (2013) veröffentlicht.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
We’re at the end of the gardening season here on the Great Plains, and the garden described in this poem by Karina Borowicz, who lives in Massachusetts, is familiar to tomato fanciers all across the country.
September Tomatoes
The whiskey stink of rot has settled
in the garden, and a burst of fruit flies rises
when I touch the dying tomato plants.
Still, the claws of tiny yellow blossoms
flail in the air as I pull the vines up by the roots
and toss them in the compost.
It feels cruel. Something in me isn’t ready
to let go of summer so easily. To destroy
what I’ve carefully cultivated all these months.
Those pale flowers might still have time to fruit.
My great-grandmother sang with the girls of her village
as they pulled the flax. Songs so old
and so tied to the season that the very sound
seemed to turn the weather.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright © 2013 by Karina Borowicz, whose most recent book of poems isProof (Codhill Press, 2014). Poem first appeared in the journal ECOTONE and is reprinted by permission of Karina Borowicz and the publisher Introduction copyright © 2014 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Schon bald wurde er mit seinen Liebesgedichten bekannt. Wegen seiner jüdischen Abstammung kam Miklós Radnóti aber ab 1942 zum Arbeitsdienst und wurde 1944 in ein Arbeitslager gebracht – Gedichte schrieb er trotzdem.
Bei einem Gewaltmarsch Ende 1944 wurde der 35-Jährige erschossen. „Er hat viel unmenschliches erlebt. Doch seine Gedichte sind immer menschlich geblieben“, sagt Etelka Kobuß, Ausländerbeauftragte in Chemnitz. Deshalb widme der ungarische Kulturverein dem Dichter und seiner Frau Fanni im Rahmen der jährlichen Veranstaltung „Wortschatz“ eine Schau im Ikarus-Treff. Es werden Fotos und Gedichte von Miklós Radnóti und seiner Frau gezeigt. Radnótis bedeutendsten Werke werden heute in deutscher Sprache rezitiert. / Freie Presse
Die Veranstaltung des ungarischen Kulturvereins beginnt heute, 18 Uhr, im Ikarus-Treff in Chemnitz, Dr.-Salvador-Allende-Straße 34. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung ist noch bis Ende Oktober zu sehen.
Die Autorin und Künstlerin Emmeline Payet-Coupama aus Sainte-Suzanne (Réunion) starb nach langer Krankheit am 21.9. Sie war eine engagierte Frau, die sich Verdienste um die Bewahrung des materiellen und und immateriellen Erbes und die kulturelle Identität Réunions erwarb, erklärte der Bürgermeister von Sainte-Suzanne (Réunion). / Linfo.re
Die Insel Réunion liegt im Indischen Ozean westlich von Madagaskar und ist ein Überseedepartement Frankreichs. Amts- und Schriftsprache ist Französisch, die Mehrheit der Bevölkerung spricht Réunion-Kreolisch.
Emmeline Payet-Coupama wurde 1935 „durch Zufall“ in Marseille geboren. (Mehr)
Qual und Spaß – auf der Suche nach sich selbst treiben Zigtausende ihre trainierten Körper durch die Stadt
Hansjürgen Bulkowski
Einerseits gilt nun „Grodek“ in den Übersichtsdarstellungen und Anthologien des Weltkriegsgedenkjahres als wichtigstes literarisches Denkmal der Ostfront, wobei man sich mit der Deutung des Textes ausgesprochen schwertut. In einem süddeutschen Feuilleton las man vom „Ton der Heldenklage“, von Zeichen eines Opfers „für eine größere Sache“. Andererseits stellt man Trakls Tod gern als direkte Folge traumatischer Erlebnisse in Grodek, oft als Suizid dar.
Bei solchen Ungenauigkeiten und Unsicherheiten ist es gut, dass sich nun mit den beiden wichtigsten Publikationen zum Trakl-Jahr Klarheit verschaffen lässt. In der aktualisierten Neuausgabe der vor genau 20Jahren erschienenen Biografie Hans Weichselbaums kann man (wieder) nachlesen, dass das, was an den Todesumständen Trakls geklärt ist, die Selbstmordthese nicht absichert: Die Ärzte des Krakauer Garnisonsspitals notierten Intoxicatio cocainum, Kokainvergiftung, in die Krankengeschichte, die genauen Umstände bleiben Spekulation. / Wolfgang Straub, Die Presse 27.9.
Rüdiger Görner
Georg Trakl
Dichter im Jahrzehnt der Extreme. 352 S., geb., €25,60 (Zsolnay Verlag, Wien)
Hans Weichselbaum
Georg Trakl
Eine Biografie. 224S., geb., €24
(Otto Müller Verlag, Salzburg)
Der Schweizer Dichter Jürg Halter und der japanische Poet Shuntaro Tanikawa verfassten vor einigen Jahren ihr erstes gemeinsames Kettengedicht «sprechendes Wasser». Das Projekt dauerte damals vier Jahre. Nun wagten sie sich an ein neues Gedicht. Dieses schufen sie in nur fünf Tagen und trugen Ausschnitte davon in Japan einem kleinen Publikum vor.
Bericht in Tagesschau am Mittag vom 14.09.2014, 13:00 Uhr
Vor genau zehn Jahren, am 26. September 2004, starb der Lyriker Jürgen Dziuk an seinem 44. Geburtstag in Kuala Lumpur, wo er für einen deutschen Konzern tätig war. Dziuk stammte aus Nürnberg und zog Mitte der 1980er Jahre zum Studium der Sinologie nach München. Dort war er in der Lyrik-Szene aktiv, u.a. als Mitorganisator der Initiative Junger Autoren; Gedichte von ihm wurden in diversen Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. 1993 verließ er Deutschland und verstummte als Dichter fast vollständig.
2007 erschien im Verlag Ralf Liebe (Weilerswist) eine Auswahl seiner Gedichte unter dem Titel »was bleibt ist Ferne«<hier>.
ausgeschwanzt
von den Freunden blieb der Morgen
und das vergebliche Bimmeln der Schuluhr
im Dreivierteltakt
vom Torschrei blieben die Raben
auf der Asttribüne
verständnislos versteinert
von den Toren blieb die Regenrinne
verbeult sich ans Dach klammernd
fertig zum Sprung
und jemand schwanzt die Zeit aus
(Spätestes erhaltenes Gedicht von Jürgen Dziuk, September 2002)
We previously featured Henri Matisse’s illustrations for a 1935 edition of James Joyce’s Ulysses. If the Odyssey-themed etchings he did for that book surprised you, have a look at his illustrations for Charles Baudelaire’s poetry collection Les Fleurs du mal, first published in 1857. (…) he went an even more unconventional route this time, accompanying Baudelaire’s poems with nothing but portraiture.
The edition’s 33 portraits, including one of Matisse himself and one of Baudelaire, capture a variety of subjects, mostly women — also a source of inspiration for the poet. However, as the site that bears his name makes clear, “Matisse did not indulge in the biographical fallacies of the literary critics of his day who attempted to understand Baudelaire by associating each poem with the woman who may have inspired it. Thus, his gallery of facial portraits provides an accompaniment rather than an imitative rendition of selected poems.” Would that more illustrators of literature follow his example and make a break from pure literalism, allowing the meaning of the relationship between text and image to cohere in the reader-viewer’s mind. You might say that Matisse pioneered, in other words, the most poetic possible method of illustrating poetry. (…)
If you want to buy one of the 300 copies with Matisse’s illustrations, you will have to shell out about $7500. / open culture (mit Beispielen)
Das Rumänische Kulturinstitut in Stockholm verleiht heute auf der Göteborger Buchmesse den Marin-Sorescu-Preis 2014 an den Essayisten, Literaturkritiker und Übersetzer John Swedenmark. Der Preis besteht aus 50 000 Kronen und einer Statuette in Silber und Bergkristall von dem rumänischen Künstler Kuki Constantinescu. Er wird seit 2007 jährlich vom Rumänischen Kulturinstitut in Stockholm an einen schwedischen Schriftsteller verliehen, der mit seinem Werk „die Grenzen auflöst und Orte der Begegnung schafft“.
Bisherige Preisträger waren Steve Sem-Sandberg 2007, Nina Burton 2008, Peter Handberg 2009, Carl-Johan Malmberg 2010, Karin Johannisson 2011, Aris Fioretos 2012 und Marie Silkeberg 2013. Von Marin Sorescu (1936–1996) erschienen sieben Bücher in schwedischer Übersetzung.
Quellen: Wikipedia Schwedisch und Rumänisch sowie Pressemeldungen von heute.
Jirí Kolář war ein Grenzgänger zwischen den Genres: Lyriker und bildender Künstler. Und er war einer der ersten Unterzeichner der Menschenrechtserklärung „Charta 77“.
Die Documenta 4 in Kassel, Juni bis Oktober 1968: neben Werken amerikanischer Pop-Art-Künstler wurden zum ersten Mal Arbeiten des Tschechen Jirí Kolář im Westen gezeigt. Bald fanden sie auf dem internationalen Kunstmarkt Beachtung und wurden in Venedig, New York oder Paris ausgestellt. In seiner Heimat waren sie dagegen lange stigmatisiert. Weniger bekannt als sein bildkünstlerisches Werk wurde bei uns sein literarisches: Es umfasst Kinderbücher, Theaterstücke, Essays, Prosa und Gedichte – beeinflusst war Jirí Kolář von den Surrealisten und Futuristen.
„Lese
ein Häufchen Kiesel zusammen
und verfasse daraus
egal wo
Steinchen für Steinchen
Wort für Wort
Reihe auf Reihe
wie Vers auf Vers
ein Gedicht.“
Nach der Niederschlagung des „Prager Frühling“ 1968 wurde der Künstler vom Husák-Regime verboten und diffamiert. Als er die Menschenrechtserklärung „Charta 77“ unterschrieb, verschärfte sich der Konflikt mit dem Staat. 1979 ging Kolář als Gast des Deutschen Akademischen Austauschdienstes für ein Jahr nach Berlin. Als er anschließend einen Arbeitsvertrag am Pariser Centre Pompidou annahm, wurde er in der ČSSR in Abwesenheit zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, sein Besitz wurde beschlagnahmt und ihm die Staatsbürgerschaft aberkannt.
/ Doris Liebermann, DLR
Ein Sammelband mit Gedichten und Collagen erschien 1971 bei Suhrkamp:
Er ist auch enthalten im Band
Ein Gedichtband ist was Feines – vorausgesetzt, der geneigte Leser kann mit Lyrik etwas anfangen. Denn ein bissl Zeit braucht es schon, sich mit einem Gedicht auseinanderzusetzen. Die Worte wollen nicht verschlungen werden wie bei einem Roman. Sie wollen verweilen, sich setzen, nachhallen und im Kopf ein wenig kreisen, bis sie im besten Fall ins Herz hinunter gesickert sind und die Gefühlswelt aktiviert wird. Das geht prinzipiell mit allen Gedichten. Man muss es nur zulassen. Der Lichtung Verlag gibt einem nun dazu Gelegenheit – mit “Vastehst me“, worin die Herausgeber Eva Bauernfeind, Hubert Ettl und Christina Pöschl gut 150 Gedichte von 50 Autoren aus 40 Jahren zusammengesammelt haben – auf Bairisch*.
Mundart-Gedichte sind nicht zwingend auf der Stelle verständlich
“Vastehst me” heißt das gut 200 Seiten starke Buch, das kartoniert daherkommt, mit Klappen, die man gut als Eimiagal (Lesezeichen) verwenden kann. /Stephan Hörhammer, hogn.de
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