Konstantin Ames‘ umfangreicher Text kommentiert Stefan Mesch – kann aber auch für sich einstehn. Zitate:
Ich bewundere Ross Sutherland auch dafür, dass er seine Mitmenschen dazu ermutigt, Wege durch die Scheißrealität hindurch zur Poesie zu suchen, indem er Schreibkurse gibt. Es zeigt eine Aufgeschlossenheit und eine Freude an der Sache, die den Plattmachern hierzulande und anderswo völlig abgeht; da wird dann lieber von den zu Vielen-die-Gedichte-schreiben geschwätzt oder von einem Überangebot oder von Exportüberschüssen (!) von Poesie, von bandwurmartiger Coolness, die um sich gegriffen habe. Einige Meisterdenker können wohl nur in den Dimensionen von Wirtschaft und Krankheit denken. Es werden rasch immer mehr. Das soll natürlich diejenigen, die >es geschafft haben< von denjenigen, die es nicht schaffen sollen, abgrenzen. Solange niemand genau hinschaut, dient das sogar der Profilierung der Plattmacher als Freigeist und enfant terrible, wo tatsächlich nur strategische Kommunikation im Zeichen des Egoismus, eben Plattmacherei, stattfindet.
Man muss nicht den in Ehren ergrauten herrschaftsfreien Diskurs herbeizitieren, um eine Bigbrotherisierung (ich meine die amerikanische Serie, nicht Orwells „1984“) auch des deutschen Literaturbetriebs zu konstatieren: Kompetition, die sehr belebend ist, und Streit der Positionen, weichen zunehmend einer Tendenz, Nachwuchs fertigzumachen und Konkurrenz proaktiv auszuschalten. (…)
Das close reading, das Stefan Mesch betreibt, müsste man als noch verdienstvolleren Diskussionsbeitrag werten, wenn es nicht in den letzten beiden Jahren eine ganze Reihe von wichtigen poetologischen Statements (und zuweilen amüsant hochfahrenden Haltungsschulen-Ratschlägen) von Lyriker/innen für Lyriker/innen gegeben hätte: Im Frühjahr dieses Jahres ist die von Norbert Lange herausgegebene Anthologie „Metonymie“ (endlich doch noch!) erschienen; in Nummer 246 der Zeitschrift „die horen“ äußerte sich die Dichterzunft mittels Kollegenporträt auf Einladung von Kerstin Preiwuß und Jürgen Krätzer ausführlich und meist sehr instruktiv über Bewundertes und Problematisches fremder Poesie; Nummer 25 der „Kritischen Ausgabe – Zeitschrift für Germanistik & Literatur“ war der zeitgenössischen Literatur und der Reflexion darüber gewidmet, auch einige Beiträge über Lyrik beinhaltend; Walter Fabian Schmid hat jüngst einen Diskussionsbeitrag zum Thema Avantgarde und Experimentallyrik (ist „Quatsch“) auf „Lyrikkritik.de“ publiziert. Ergo: Wer den Beitrag von Stefan Mesch über den grünen Klee loben würde (sagen wir im Gestus des „Endlich sagt’s mal einer!“), dem könnte ich nur schulterzuckend die Frage stellen, ob sein Leseverhalten nicht eventuell zu konsonant ist, und ob er eher kein Interesse hat, auf dem neuesten Stand der Diskussion unter dichtenden Menschen zu sein. Die angebliche Bereitschaft zur Diskussion innerhalb der Poesieszene wird ja turnusmäßig gelobt! Da sollte man also ruhig mal einen Blick in die eine oder andere Zeitschrift riskieren. Das sind ja keine germanistischen Spezialdiskurse. – Es sind ja Klischees wie etwa: Es gibt gute verständliche, lebenssatte Lyrik („Realpoesie“, Poetry Slam, Eigentlichkeit der Provinz) und hermetische Weltfremdheit, die irgendeine schwer zu beurteilende Ausdrucksform gefunden hat, und dann bei „Verschrobenbooks“ (Preckwitz) verlegt wird, die auf dem besten Wege sind, sich im gesellschaftlichen Konsenssessel niederzulassen. Auch die gute alte „tageszeitung“ macht für solche „Unmutsbekundungen“ (https://lyrikzeitung.com/2014/09/19/63-unmut/) immer mal wieder gern Geld locker… In diesem Kontext, das muss Stefan Mesch klar sein, trägt er seine Thesen und ersten bis vierten „Ideen“ vor.
Er war die schillerndste Figur der „Wiener Gruppe“: Konrad Bayer, der Dandy der österreichischen Literatur. Vor 50 Jahren nahm er sich das Leben. Aus diesem Anlass erscheint sein Montageroman „der kopf des vitus bering“ in der „Reihe Österreichs Eigensinn“. / Die Presse
Ein Wortfeld, das sie darin literatur- und gedichtfähig macht, ist das der Börsensprache. Man kann daher diese Gedichte durchaus gesellschaftskritisch lesen. Sie sind aber nie so verkniffen oder simpel wie es politischer Dichtung manchmal unterläuft. Nein, Katharina Schultens hat Humor, und ihre Gedichte knistern erotisch.
Moment, Finanzmarkt und Erotik? Nun, geht es an der Börse nicht um Begehren und Begierden? „morgens wenn es dämmerte ging ich gewöhnlich tanzen / es gab einen club der wechselte die treppenhäuser“, heißt es in Schultens Gedicht „massive attack“. Die Attacke startet hier eine Praktikantin, der man „zwei schlangen zugestanden“ hat. „ich tanzte mit einem kollegen in bärenkostüm / ich trug die stiefel aus meinem Büro // wenn ich mich drehte bohrte ich den absatz immer genau zwischen die zehen seiner tatzen / ich war fast sicher er war unabsichtlich barfuß // (…) ich hob die arme fuhr mit allen fingern tief ins haar / und aktivierte probehalber diesen einen blick / die zungen blitzten auf: brillant- / reflex. denn das genügte“.
Die Börsensprache arbeite ja mit Mystifizierungen, meint Schultens im Gespräch. Da habe eine Vereinnahmung stattgefunden, die wolle sie rückgängig machen. Gerade die Chartanalyse verwende faszinierende Metaphern: „black marubozu“ und „white marubozu“ zum Beispiel, die beiden Kerzenformen, die Tageskursspannen beschreiben. Und dann gebe es Worte, die ganze Heldengeschichten transportieren, oder Fabelwesen, den Bären und den Bullen zum Beispiel.
Schultens freier, assoziativer Umgang mit diesen Begriffen ähnelt Durs Grünbeins Begeisterung für die Bedeutungsräume von Namen und Fachbegriffen aus der Geschichte des Mondes. Anders als bei den Gedichten von Grünbein muss man bei Schultens aber keine Lexika wälzen, um ihren Witz zu entdecken. / Insa Wilke, Süddeutsche Zeitung 23.9.
Katharina Schultens: gorgos portfolio. Gedicht. Kookbooks, Berlin 2014. 88 Seiten, 19,90 Euro.
Der Schweizer Schriftsteller Urs Mannhart schreibt:
Es gibt Neuigkeiten zu meinem Roman: Ich stehe unter Schock. Ich kann das Urteil des Handelsgerichts betreffend vorsorglicher Massnahmen gegen mich und meinen Verlag nicht nachvollziehen. Aber so ist es: Mein Buch darf nicht mehr beworben und nicht mehr zugänglich gemacht werden. Mir ist es provisorisch verboten, Lesungen damit zu halten, was einem Berufsverbot gleichkommt, da ich ohne Nebenerwerb bin und von den Honoraren für Lesungen lebe. Ich frage mich: Soll es Schriftstellern künftig verboten sein, Informationen, die sie in Zeitungen und Sachbüchern finden, literarisch zu verarbeiten? Soll es verboten sein, reale Personen, Themen und sprachliche Elemente aus journalistischen Texten in einen Roman einzuweben? Soll es mir verboten sein zu erzählen, dass in Serbien während der NATO-Bombardierung die meisten Hamburger- und Ćevapčići-Buden des fehlenden Stroms wegen außer Betrieb waren und deswegen die Holzofen-Pizzerias auflebten – soll ich das nicht erzählen dürfen, weil ich es nicht selber erlebt, sondern beim serbischen Schriftsteller Lázló Végel gelesen habe? Darf ich die Wortfolge «Hamburger- und Ćevapčići-Buden geschlossen» im Zusammenhang mit «Holzofenpizza» nur verwenden, wenn ich in einer Fussnote erwähne, woher diese Information stammt? Müssen also Romane künftig geschrieben sein wie wissenschaftliche Hausarbeiten, weil es nicht auf die poetologische Verarbeitung, Verdichtung und Konstruktion einer Wirklichkeit ankommt, sondern nur noch ganz positivistisch auf den Wortlaut? Falls dies so wäre, dann müssten wohl unzählige Romane ergänzt mit einer beeindruckenden Summe an Fussnoten neu herausgegeben werden. Künftig könnte man Autoren nur raten, bei Romanen möglichst auf Abstand zur Wirklichkeit zu gehen, wie sie sich in Artikeln, Büchern oder sonstigen Berichten darstellt. Was für ein armseliger literarischer Diskurs steht uns hier bevor, wo mit der Keule des Urheberrechts die Verbreitung von Wirklichkeit in Schach gehalten wird. Ich halte das Verkaufs-, Werbe- und Leseverbot für mich selbst für eine haarsträubende Unverhältnismässigkeit. Darüber hinaus aber ist dieses Urteil ein Angriff auf die Literatur insgesamt. Wenn es Bestand hat, wird unsere Kultur künftig ärmer sein. Urs Mannhart, am 22. September 2014
Aus der Presseerklärung des Verlages:
Von den vom Kläger Thomas Brunnsteiner angeführten 114 Textfetzen, die ein Plagiat belegen sollen, hat das Urteil gerade einmal sechs berücksichtigt, wobei es sich in keinem einzigen Fall um einen vollständigen Satz handelt. So erkannte der Richter etwa in dem Satz „Das Kaspische Meer ist so groß wie Deutschland“ eins der sechs Beispiele für ein Plagiat, weil Brunnsteiner in einer Reportage geschrieben hatte: „Das Kaspische Meer mag so groß sein wie Deutschland.“
Das Gericht verkennt dabei vollkommen, dass es sich bei Urs Mannharts Buch um ein fiktionales Werk handelt, das wie fast jedes andere fiktionale Buch auch Material und Fakten aus nicht-fiktionalen Werken wie eben auch aus den Reportagen oder Berichten von Journalisten aufnimmt. Wenn aber das Zitieren von Fakten, Namen und Begebenheiten künftig in literarischen oder anderen Kunstwerken verboten sein sollte, weil Autoren das Urheberrecht an Fakten und Begebenheiten, über die sie schreiben, erwerben können, dann würde dies eine wesentliche und vollkommen unangemessene Einschränkung der Kunstfreiheit und der Debattenkultur bedeuten.
Darum kommt dem Versuch von Thomas Brunnsteiner, Kapital für sich aus Urs Mannharts Werk zu schlagen, in unseren Augen grundsätzliche Bedeutung zu, die über den Einzelfall weit hinausreicht.
In einer Ära abklingenden Verheerungen klingt der hohe Ton wie Blech – keine Gedichte nach Auschwitz, es sei denn solche, die im Erschrecken ihrer Urheber wie Sohlen am Tal der Tränen kleben. „Mondlicht“ schminkt „schmale“ Städter, während eine Flut sich Bauernhäuser greift. Nichts ist urban in diesem Kosmos, Deutschland erscheint als Dorf in den Gedichten des erwachenden Müller. In „Bruchstedt“, der Name spricht, ruft der Dichter: „Mann auf dem Traktor /…/ Ein Dorf braucht deine Hilfe“. Die Bauern liegen am Boden, der Boden gibt nichts her. Nach Müller beschreibt das einen verlangsamten Geschichtsprozess, in dem der Abstand des Autors zur Geschichte gering und die Geschichte gegenständlich erscheint. Das erlebt Müller als Chance. Er weist ex negativo darauf hin, wenn er am Ende des Jahrtausends sagt: „Hamletmaschine meldet doch nur noch die Unmöglichkeit: ein Stück zu schreiben.“ Im Jetzt von Neunundvierzig ist die Geschichte zum Greifen nah und Müller greift zu, weit weg von der Hypertrophie des Bühnenbildes, der Entpolitisierung des Theaters und des Dekorationswahn als einem Dekadenzphänomen. / Jamal Tuschik, Freitag Community
„Was ham wir eigentlich gegen die hoffnungslosigkeit?
dieweil sie uns astrein aus dem hoffnungsknast befreit…“
Man muss lange suchen*, um in der deutschen Gegenwartslyrik so tiefe, originelle und witzige Verse zu finden, wie sie Judith Zander schreibt. Man würde die Dichterin, 1980 geboren in Anklam, darum gern zu den größten lyrischen Nachwuchshoffnungen unserer Tage zählen, aber dann sperrte man sich – und sie – ja wieder in diesen tückischen Hoffnungsknast.
In der NDR Kultur Reihe Lauter Lyrik können Sie ab dem 15. September eine Woche lang täglich um 10:40 Uhr eines ihrer zwischen Melancholie und Komik wild hin- und herpendelnden Gedichte hören. Zuvor unterhält sich Alexander Solloch mit Judith Zander über ihre Lyrik: Wie kommt sie zu ihr? Muss sie einfach zupacken? Und was hat das mit Pu dem Bären zu tun?
*) Vgl. auch den Kommentar von Ron Winkler vorgestern (Unmut): „Als könne man seine Argumente nicht mehr absolut vortragen, sondern nur noch in Relation zu etwas, das als minderwertiger verkauft wird.“
ein Ende vorauszusagen ist einfacher als einen Anfang zu erinnern
Hansjürgen Bulkowski
Ein großer Dichter und Humanist ist gestorben – der Dichter, Schriftsteller, Essayist und Lehrer Gilbert Desmée. Er starb am vorigen Sonnabend in Ohio in den USA, wo er sich zusammen mit seiner Frau, der Bildhauerin Maria Desmée, aufhielt.
Gilbert Desmée wurde am 29.1. 1951 in Suresnes (Hauts-de-Seine) geboren. Er war Präsident des Schriftstellerverbands in der Picardie und der Kommission Literarisches Leben des Centre régional du Livre en Picardie (CR2L).
Er veröffentlichte ein Dutzend Gedichtbände u.a. bei L’Arbre à Parole, éditions Rencontres, Corps Puce sowie Essays. / Courrier Picard
Weitere Todesfälle der letzten Wochen:
Wie ein Psychiater den Autor mit einem Gedicht gerettet hat und wie schwer es mit 70 ist, ein guter Mensch zu werden: Peter Turrini sprach mit der „Presse“ über sein Leben und den Menschen als „Fraß der Ökonomie“. / Die Presse 9.9.
Im Kampf der Titanen zwischen den gedruckten und den elektronischen Büchern um die Vorherrschaft in der Literatur gab es Nischen, welche ich uneinnehmbar für die Newcomer hielt. Man kann Börsenberichte auf dem Bildschirm lesen, Zeitungen und vor allem auch ganz dicke Romane, die empfindliche Sehnenscheiden entzünden. Aber Lyrik? Nein!
Dachten wir vom Klub der zarten Dichter im Salon des Gegengiftes. Jetzt aber hören wir (woher sonst als aus den USA?), dass Gedichtbände als E-Books unglaubliche Steigerungsraten erzielen. Noch vor sieben Jahren publizierten die Verlage dort nur 200elektronische Bände mit Poemen. 2013 waren es bereits zehnmal so viel. Bei insgesamt 10.000 Lyrik-Büchern ist das wirklich eine beachtliche Zahl. / Norbert Mayer, Die Presse
Ein Gedicht von Wolf Biermann an den alten Poeten in Moskau, Jewgeni Jewtuschenko, der als junger Mann 1962, mitten im Kalten Krieg, diese Zeile prägte: als Wortkanone gegen den heißen Krieg
„Meinst du, die Russen wolln,
meinst du, die Russen wolln,
meinst du die Russen wollen Krieg? …“
Nein, nein, mensch! auf gar keinen Fall, denn
Auch Russen wolln lieber leben, Idiot!
Wolln Frieden, wolln Butter und Freiheit aufs Brot
– nur Putin und seine Canaillen
der KGB-Offizier allein
macht Krieg mit Stalin und Gott im Verein
nur Putin und seine Canaillen“
der vollständige Text mit Anmerkungen in der Welt.
Jewtuschenkos Gedicht von 1962 hier auf Russisch und Malayisch, hier auf Deutsch
Am Donnerstag erhielt die Schriftstellerin Elfriede Czurda in Wien den H.C.-Artmann-Preis: “Elfriede Czurda ist eine der großen in Wien lebenden Schriftstellerinnen, die aus der österreichischen Literatur nicht wegzudenken ist. Zahlreiche Buchpublikationen, dramatische Werke aber auch erfolgreiche Hörspiele zeugen von ihrem erzählerischen und vor allem lyrischen Talent, das ihr treues Publikum seit Jahren fasziniert. Mit dem Preis feiern wir eine herausragende Künstlerin, die das Kulturleben der Stadt auf ganz besondere Weise bereichert”, soWiens Kulturstadtrat Mailath.
“Es ist mir eine große Ehre, einen Preis annehmen zu dürfen, der nach einem so wichtigen Dichter wie H.C. Artmann benannt ist. Der weit gereiste, mit vielen Sprachen spielende H.C. Artmann mochte die große poetische Geste und den sinnlich-artikulatorischen Überschwang. In der Spielfreude seines konzeptuellen Alphabets finde ich viel Anregendes, in der Erfinderlust seiner Erzählmotive einen ganz großen Horizont, der mich sofort aus der monotonen Realität hinausholt – und mich seit jeher geprägt hat: Das Ideal eines Schreibens, das aus der Selbstermächtigung stammt und nur auf sich selbst, nicht auf die Einflüsterungen des Marktes und der Moden hört, ist gerade heute recht bedenkenswert”, zeigt sich die Preisträgerin Elfriede Czurda über die Auszeichnung erfreut.
In der Jury-Begründung heißt es: “Elfriede Czurda ist eine Autorin (…), die immer wieder neu zu entdecken und dennoch nicht zu erobern ist, und mit ihr eine Welt, die nicht in Norden, Süden, Westen oder Osten liegt und die sich unaufhörlich dreht.”
Der Preis
Die Stadt Wien zeichnet mit dem “H.C.-Artmann-Preis” herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Lyrik aus. Der Preis ist mit 10 000 EUR dotiert und wird im Zwei-Jahres-Rhythmus vergeben. PreisträgerInnen sind Autorinnen und Autoren, die ihren Wohnsitz in Wien haben, oder deren Werke einen intensiven Wienbezug oder eine Verbindung mit dem Werk H.C. Artmanns aufweisen. Die Erben H.C. Artmanns werden von der Verleihung des Preises verständigt und zu ihr eingeladen.
Lesen Sie bei in|ad|ae|qu|at kritische Anmerkungen zu Text und Art der Mitteilung
Nach Peter Waterhouse, Ferdinand Schmatz, Oswald Egger, Erwin Einzinger und Franz Josef Czernin ist sie die erste Frau, die den seit 2004 alle zwei Jahre verliehenen Preis erhält.
Wer sagt, Gedichte könnten nichts bewirken. Ich habe es selbst gelesen, in der Zeitung. Der Kritiker Fritz J. Raddatz hört auf, denn: „Zu zahlreich die Gedichte, die keinen lyrischen Atem mehr haben…„. Aus der Begründung:
Ich habe mich überlebt. Was heißt das für einen Autor, einen Literaturkritiker zumal? Es bedeutet: Meine ästhetischen Kriterien sind veraltet, das Besteck des Diagnostikers rostet, meine Gierfreude am Schönen der Kunst ist zu Asche geworden, der gefiederte Pegasus, mit dem ich durch Bild und Text galoppierte, lahmt. Diese Welt – in der ich mich durchaus noch kundig machen möchte – weicht von mir, gibt mir keine Kunde mehr; ich bin aus der Welt gefallen. Ihre Zeichen werden mehr und mehr zu Rätseln – unlösbar oft, abstoßend nicht selten, sind meiner Lebensart, meinem Habitus, meinem – Pardon für das harte Wort – Geschmack ungemäß.
Ich bin nicht mehr zeitgemäß. Ergo sollte ich nicht weiterhin richten noch rechten noch urteilen; wer urteilt, gibt ja zumindest vor, Bescheid zu wissen; und wer nicht mehr Bescheid weiß, soll sich bescheiden. Wer nicht unersättlich ist, hat in diesem Beruf nichts zu suchen (und findet nichts). Aber wer satt ist, der kostet nicht mehr, schmeckt gar nichts. (…)
Alles Leben hat seine Grenze. Alles Erleben auch. Wem die Töne seiner Gegenwart nur mehr Geräusche sind, die Farben Kleckse, die Wörter klingende Schelle: Wo wäre dessen Legitimation zu lautem Klagelied (oder, sehr selten, leisem Lobpreis)? Ich spreche sie mir ab, fürderhin. Zu viele Gedichte sind mir nur mehr halbgebildetes Geplinker, zu viele gepriesene Romane nur mehr preiswerter Schotter. Der nicht mehr liebt, der räsoniere nicht. Liebeleere ist keine Qualität. Schon gar nicht für einen Kunstrichter.
Also beende ich hiermit meine Zeitungsarbeit, die ich mit 21 Jahren begann: die als Literaturkritiker, die als kommentierender Journalist – nicht ohne indes den Dank an meine Leser zu vergessen. Ich bin vor drei Wochen 83 geworden. Time to say goodbye. Goodbye.
Am 2. Leseabend des Lyrikpreises München 2014, am 19.09., wurden von der Jury ins Finale gewählt:
Damit stehen für das Finale am 18.10. um 19 Uhr im Vortragssaal der Bibliothek des Gasteig für den ersten und zweiten Preis fest:
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