Die Dichterin Elke Erb bekommt den Anke Bennholdt-Thomsen-Preis für Lyrik der Deutschen Schillerstiftung. Die Jury lobte Erbs anspruchsvolles Schreiben und ihre hochreflexive Sprache, wie die Schillerstiftung mitteilte.
In der Begründung hieß es auch: „Die 1938 in Scherbach in der Eifel geborene Dichterin Elke Erb, die 1949 mit ihrer Familie in den Osten Deutschlands ging, hat in ihrem über Jahrzehnte angewachsenen Werk eine völlig eigenständige Poetik entwickelt.“
Als älteste bürgerschaftlich organisierte Fördereinrichtung unterstützt die Deutsche Schillerstiftung von 1859 Autorinnen und Autoren. „Seit fast 150 Jahren zeichnen wir besondere schriftstellerische Leistungen aus“, erklärt sie auf ihrer Homepage. Seit 2010 wird alle zwei Jahre der Anke Bennholdt-Thomsen-Lyrikpreis vergeben. Er fördert deutschsprachige Lyrikerinnen, die durch ihre künstlerische Leistung hervorgetreten sind. Bisherige Preisträgerinnen waren Dorothea Grünzweig (2010) und Sabine Scho (2012). Der Preis ist mit 10 000 Euro dotiert und wird im kommenden Mai zusammen mit der Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung in Weimar verliehen. Diese mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung geht an den Lyriker Volker Sielaff.
Bei Fixpoetry hat die Mayröckerfeier begonnen, nix wie hin! Ich zitiere 1 Satz aus Theo Breuers Feierbeitrag:
Wir frozzeln, wir knabbern, wir schwatzen, und irgendwann geht es um Lieblingsdichter (die Kunst, unbeirrt auf ein bestimmtes Thema zuzusteuern – und zwar ohne Rücksicht auf Verluste –, hat mir der Vater beigebracht, der immer, immer, immer aufs Thema ›Amerika‹ zu schwenken in der Lage war, stets fand er irgendein, ach Gott, ja: bloß scheinbar belangloses Stichwort, egal, wie überlegt ich formulierte, um weit, weit weg von Amerika zu bleiben, an das er, irgendwie, anzuknüpfen verstand, und schon befanden wir uns inmitten des Jahres 1944 im Bundesstaat Milwaukee …), und als ich den Namen Friederike Mayröcker nenn, ich beschrieb in meinem Kopf pausenlos was ich geträumt hatte, schaun die sympathischen Damen* mich mit mehr oder weniger großen Augen an, freimütig, leicht beschämt einräumend, dem Namen noch nirgends begegnet zu sein, was der Stimmung allerdings keinerlei Abbruch tut – im Gegenteil: Derartig offne Eingeständnisse spornen mich doch bloß zusätzlich an, und mir wird »sternklar«, von einer Sekund auf die andre: Ja, hier bin ich richtig, ja, hier bin ich gern.
*) „drei frischgebackne Deutschlehrerinnen (»When shall we three meet again – in thunder, lightning or in rain?«), die an verschiednen großstädtischen Gymnasien unterrichten“
STANDARD: Ihr Stück „die unverheiratete“ ist zur Gänze in Jamben geschrieben. Das erzeugt eine eigenartige Wirkung beim Lesen. Verraten Sie den Grund?
Ewald Palmetshofer: Es gibt zwei. Zum ersten habe ich sehr viel Recherchearbeit aufgewendet. Ich war auf der Suche nach einem Ton, einer sprachlichen Form für die Gerichtssituation. Das Aktenmaterial zu dem Entnazifizierungsprozess ist sehr eigenartig.
STANDARD: Inwiefern?
Palmetshofer: Ich wusste nicht, dass die österreichische Protokollpraxis in diesen Jahren anders war als bei den Entnazifizierungsprozessen, die man aus Deutschland kennt. Dort herrschte die amerikanische Ordnung. Das bedeutet, dass in direkter Rede protokolliert wurde. In Österreich wurde indirekt protokolliert, gleichsam paraphrasierend.
STANDARD: Sie meinen Sätze von bürokratischer Verstiegenheit?
Palmetshofer: Diese eigenartige Sprachlichkeit des Materials zwingt die unterschiedlichen Sprecher in ein einheitliches Sprachkorsett. Man hat keine O-Töne. Der Ton geht immer ums Eck.
STANDARD: Werden die Figuren dadurch ein Stück weit „gesprochen“?
Palmetshofer: Ich habe Sehnsucht nach einem „originalen“ Ton gehabt. Ich musste aber zur Kenntnis nehmen, dass der verloren und verschüttet ist. Ich habe Sprecher, die im vorliegenden Material von anderen gesprochen werden. Die einzige Quelle, die einen Hauch von Originalität besitzt, das sind die Zeitungen der Zeit, die eine Ahnung von der Temperatur vor Gericht vermitteln.
STANDARD: Wodurch bewiesen scheint, dass Zeitungen für etwas gut sind.
Palmetshofer: Da gibt es wenigstens eine Differenz. Die Temperatur im Gerichtssaal ist aus dem Aktenmaterial einfach nicht herauslesbar. Nicht nur die Sprache, sondern auch die Emotionen scheinen wie durch einen Filter gepresst.
STANDARD: Man kann auf die Figuren nicht unmittelbar zugreifen?
Palmetshofer: Es gibt diesen Zugriff nicht. Das war eine Enttäuschung im Archiv. Das hätte ich mir eigentlich anders gewünscht. Damit war aber auch umzugehen. Alle Ersteinvernahmeprotokolle sind ähnlich. Individualität ist ausgelöscht, es hat alles schön auf einer DIN-A4-Seite Platz. Der zweite Grund für die künstliche Sprachform: Es gibt eine antike Folie. / Ronald Pohl, Der Standard
Fellbach – Der in Berlin lebende Schriftsteller Jan Wagner wird mit dem Mörike-Preis 2015 der Stadt Fellbach ausgezeichnet. Der Lyriker und Essayist bekomme den mit 15 000 Euro dotierten Preis am 22. April 2015 verliehen, wie die Stadt am Mittwoch mitteilte. Seine Gedichte «leben ebenso sehr vom freien Spiel mit der Sprache wie von der Lust an der strengen Form», begründete Literaturkritiker Lothar Müller die Preisvergabe an den 1971 in Hamburg geborenen Wagner. «Sie öffnen die Augen für die Natur wie für die Rätsel der Dinge, scheuen weder den unreinen Reim noch die barocke Gelehrsamkeit.» / Die Welt
Die Stadt Fellbach über den Preis:
Seit 1991 vergibt die Stadt Fellbach im Andenken an den Dichter Eduard Mörike, der 1873 einige Zeit in Fellbach gelebt hat, den Mörike-Literaturpreis. In der deutschen Literaturszene hat sich der Fellbacher Mörike-Preis seither fest etabliert. 2015 wird der in Berlin lebende Lyriker und Essayist Jan Wagner mit der renommierten Auszeichnung geehrt. Den Förderpreis hat Jan Wagner dem Leipziger Lyriker und Übersetzer Andre Rudolph zuerkannt.
Konstitutiver Bestandteil der Preisverleihung ist die Mörike-Rede des Preisträgers. Die Geehrten legen darin ihre persönliche Sicht auf den Namensgeber des Preises dar. Die Verleihung des Mörike-Preises ist stets mit den Fellbacher Literaturtagen verknüpft. Sie dienen der Beschäftigung mit dem Werk des Preisträgers, beleuchten aber auch Mörike selbst immer wieder neu.
Die Vergaberichtlinien
Der Mörike-Preis der Stadt Fellbach wird seit 1991 in dreijährigem Turnus verliehen. Er ist mit 12 000 Euro dotiert. Ausgezeichnet werden deutschsprachige Dichter und Schriftsteller, die durch die Qualität ihres Schaffens würdig erscheinen, im Namen von Eduard Mörike geehrt zu werden. Mit dem Mörike-Preis ist ein Förderpreis verbunden, der auch an fremdsprachige Autoren vergeben werden kann. Er ist mit 3000 Euro dotiert.
Über die Zuerkennung des Mörike-Preises entscheidet eine Vertrauensperson in alleiniger Verantwortung. Die Vertrauensperson wird vom Oberbürgermeister der Stadt Fellbach auf Vorschlag einer Jury benannt. Die Jury besteht aus einem Vertreter des Literaturarchivs Marbach und einem ordentlichen Professor für Literatur an einer deutschsprachigen Universität. Der Förderpreis wird vom Preisträger vergeben. (Mehr)
Schwarze Sneakers, zerschlissene Jeans, ein rotes Baseballcap. Lukas fällt in der Gruppe von Studenten vor dem Unipark Nonntal nicht sonderlich auf. Der 22-Jährige studiert Biologie an der Uni Salzburg, er ist leidenschaftlicher Basketballer. Doch sein wohl größtes Hobby ist Dichten – ja, Dichten. „Mein Bruder hat mich mit 17 das erste Mal zu einem Poetry Slam mitgenommen. Seitdem mache ich bei den Wettkämpfen mit.“ Bei einem Poetry Slam werden selbst geschriebene Texte performativ vorgetragen. Wer die „Dichterschlacht“ gewinnt, entscheidet das Publikum. „Für mich ist ein Slam sportlicher Wettkampf und persönlicher Ausdruck zugleich“, ergänzt Lukas. Formaten wie dem Poetry Slam ist es zu verdanken, dass Lyrik wieder massen- und vor allem jugendtauglicher wird. Erleben wir also eine Hochphase der modernen Dichtung?
Poetry-Slammer Lukas ist sich sicher, dass sich in den vergangenen Jahren viel bewegt hat. Nicht umsonst sei die deutschsprachige „Slam-Szene“ die zweitgrößte der Welt – nach der englischsprachigen. (…)
Doch ist moderne Lyrik überhaupt mit „Gedichte schreiben“ gleichzusetzen? Laut Uta Degner muss der Begriff viel weiter gefasst werden. Die Stipendiatin am Fachbereich Germanistik der Uni Salzburg erläutert: „Moderne Lyrik ist gerade in der Gegenwart all das, was zu Lyrik erklärt wird – poetische Regeln gibt es keine mehr.“ Es gebe immer noch traditionell gereimte Lyrik, aber auch ganz offene Formen von Prosagedichten, Lautgedichten etc. Trotz der weitreichenden Definition sieht Degner Lyrik immer noch als „Nischenphänomen, abseits von großen Verkaufszahlen“. Lediglich die Poetry Slams seien ein Zeichen für „ein gewisses Comeback der Lyrik unter jungen Menschen“.
Manfred Glauninger bescheinigt der modernen Lyrik ein besseres Bild. Für den Sprachwissenschafter ist etwa der Poetry Slam keine Modeerscheinung. „Die Poetry Slams sind für mich jetzt schon eine etablierte Form von Musikkunst oder Literatur.“ Zentral sei die Musik als „Transportmittel“ für die gedichteten Verse. „Moderne Lyrik ist sehr stark mit Songtexten, speziell mit Rap verbunden. Seit den ersten US-Rappern in den 80ern – und Falco in Europa – ist es ,cool‘, sich auf diese Weise auszudrücken.“ Inzwischen sei sogar eine Sogwirkung für andere Altersklassen zu bemerken: „Es gibt immer mehr Teilnehmer über 30, 40 oder 50, die an Poetry Slams teilnehmen.“ / Ralf Hillebrand, Salzburger Nachrichten
Stets hält die 1973 in Karlsruhe geborene und heute in Frankfurt am Main lebende Autorin ihr animalisches Karussell in Schwung, drapiert es mit Effekten aus Gruselkabinett und Zirkus. Ihr vierter Gedichtband verblüfft nun mit leiseren Tönen, die umso intensiver klingen. (…)
Silke Scheuermann begann schon in „Über Nacht ist es Winter“ das Verschwinden der Arten zu thematisieren. Ihre „Martha, letzte Wandertaube der Welt“ begegnet dem Leser hier erneut, dazu andere, vor langer Zeit ausgestorbene Tiere wie Mammut, Säbelzahntiger und Höhlenlöwe, Dodo und Uraniafalter. Sie alle werden im erinnernden Gedicht aufgehoben – wie einst die immer seltener werdenden Schmetterlinge im Sonettenkranz „Das Schmetterlingstal“ der großen Dänin Inger Christensen.
„Zweite Schöpfung“, das bezieht sich sowohl auf die bewahrenden Kräfte der Poesie als auch auf eine Rekonstruktion der Verlorenen durch Genforschung. Das Ich spricht das Tier voller Empathie an, reflektiert die Hintergründe seines Verschwindens und trauert über Unwiederbringliches. Damit grenzt es sich gegen biotechnologische Experimente ab: „Dies ist die Freiheit / unserer Art, neue, andere Arten zu machen. / Gott hat uns mit einem Bausatz beschenkt.“ / Dorothea von Törne, Tagesspiegel
Silke Scheuermann: Skizze vom Gras. Gedichte. Schöffling&Co, Frankfurt a.M. 2014. 104 Seiten, 18,95 €.
In einem leidlich amüsanten, wohl eher von Häme als von kritischem Interesse diktierten Aufruf (an wen eigentlich?) wird mein Herbstbuch „Leben & Werk“ zum Verriss freigegeben. Sei’s drum. Ich kann und will die Rezeption der von mir verantworteten Texte nicht beeinflussen, auch nicht kommentieren. Bücher haben bekanntlich ihr eigenes „Schicksal“, nehmen ihren eigenen Weg, treffen dort ein, wirken dort fort, wo sie gebraucht werden und wo man mit ihnen „etwas anfangen“ kann. Wo das nicht der Fall ist, kommt ohnehin jede Hilfe, jede Hoffnung zu spät. Insofern interessiert mich das Schicksal meiner Bücher nicht. Sobald sie veröffentlicht sind, fallen sie von mir ab, sie gehen fremd, kommen mir abhanden, gehören mir nicht mehr. Man kann sie schätzen, man kann sie schänden, man darf sie auch missverstehen; mich berührt das alles nicht.
Von daher kommt mir auch die eher dürftige Idee mit dem physischen Verriss eines Buchs – hier also von „Leben & Werk“ – gar nicht so abwegig vor. Denn tatsächlich lässt sich dieser mehrfach gemoppelte Text auch in Stücken, Fetzen,Versen, Einzelsätzen durchaus adäquat lesen – man liest drin, und man weiss, man ist vom linearen Durchlesen dispensiert. Steht ja auch im Vorwort des Autors. Dass das Verreissen auch ganz praktisch als Zerreissen getätigt werden kann, will ich durch die folgende Episode bezeugen.
Ich bin von Kijiw nach Lwiw im Zug unterwegs. Hocke zwischendurch im ungeheizten Klo, spüre von unten den eisigen Fahrtwind, am Boden liegt ein Bündel von Zeitungsausrissen, die offensichtlich das fehlende Klopapier ersetzen sollen. Auf einer der Zeitungsseiten steht ein Gedicht. Ich greife nach dem zur Hälfte zerrissenen Blatt, versuche den Text – ukrainisch – zu lesen, lese ihn mehrmals, und er kommt mir dabei immer bekannter vor. Der Name des Autors wie auch der Gedichtanfang fehlt, ist weggerissen. Unter dem Gedicht steht, dass es sich um eine Übersetzung aus dem Deutschen handelt. Vom Namen des Übersetzers bleiben bloss ein paar Buchstaben: Wolod… ‒ Doch nun dämmert es mir: Das ist mein Gedicht. Das ist eins meiner Gedichte, zumindest ein Teil davon. Ich hab den Ausriss dann doch nicht als Klopapier verwendet. Hab ihn am Kleiderhaken an der Innenseite der klappernden Toilettentür aufgehängt. Für einen unbekannten Leser. Für eine andere Lesart. Vielleicht also doch ein „fröhlicher“ Verriss!
Felix Philipp Ingold
(…) das Lied der Maria aus Tschaikowskis „Mazeppa“. Der Stoff zu dieser Oper stammt von Lord Byron und Alexander Puschkin. Heine und diese beiden Poeten bilden ein Dreigestirn. In „Mazeppa“ geht es um ein Drama der Unversöhnlichkeit in der Ukraine. Ein dortiger Herrschersohn, zu Gast am polnischen Hof, verführt Frauen. Von deren Ehemännern wird er auf ein Pferd genagelt.
Das Pferd, zum Wahnsinn gebracht durch die Nägel, galoppiert mit dem nackten Prinzen zum Dnjepr und bricht dort tot zusammen. Der Prinz aber wird Hetman der Ukraine. Kaum an der Macht, überwirft er sich mit allen anderen und bringt einige davon um. Er verbündet sich mit dem Westen, mit der Armee des Schwedenkönigs Karl XII. In der Schlacht von Poltawa schlägt Zar Peter der Große beide aufs Haupt. Die einzige Frau, die Mazeppa wirklich liebte, verfällt dem Wahnsinn. Ihr Lied am Ende der Oper bleibt als Trost.
„Jede Zeit ist eine Sphinx,
die sich in den Abgrund stürzt,
sobald man ihr Rätsel gelöst hat.“
(Heinrich Heine)
Heinrich Heine ist luzide. Er ist Öffentlichkeitsmacher. Er ist publizistischer Architekt seiner Epoche. Er ist aber auch Dichter von Dunklem, verschlossenen Farben, verdichteter Erfahrung, die keine Marktgängigkeit besitzt und die notwendigerweise zur Orientierung unserer Seelen gehört. Das entspricht dem Begriff des Kritischen und der Romantik, einer kritischen Romantik. Heine ist angetan vom Fortschritt, von Revolution und Freiheit, von Industrie, Telegrafie und Eisenbahnen. Das, was Walter Benjamin in seinem Passagenwerk an Phänomenen aufführt, von Paris als der Hauptstadt des 19. Jahrhunderts über den Bürgerkönig Louis Philippe bis zur frühen Fotografie, zu Eisen, Salon, Mode, Weltausstellung und der Utopie der „Quatre Mouvements“ des Charles Fourier, spiegelt auch die Lebenswelt Heinrich Heines.
/ Alexander Kluge, aus der Dankesrede zum Heinrich-Heine-Preis 2014, Süddeutsche Zeitung 15.12.
Lieber Literaturbetrieb!
In a 1964 response to an inquiry from his Hungarian publisher, Europa Konyvkiado, Samuel Beckett gives a handy thumbnail sketch not only of his career but of his character:
“As a writer I have no feeling of any national attachment. I am an Irishman (Irish passport) living in France for the past 27 years who has written part of his work in English and part in French. The following plays were written in French:
and the following in English
“If you should see fit to include one of the latter in your British anthology and one of the former in your French I should be pleased. If this is not possible and a choice must be made, I should prefer to figure in your French anthology.”
While this isn’t quite so pithy as Beckett’s retort to a French journalist on the question of his being English (“Au contraire”), it does nonetheless give the gist of his contrarian, and often contradictory, personality. / Paul Muldoon, New York Times 14.12.
G&GN-INSTITUT – Eller Süd, den 12.12.2014 / Zum Jahresausklang verfasste der Düsseldorfer Dichter Tom de Toys (Profil) ein kritisches Manifest zur Lage der Literatur, das auch als Fotomontage (Motiv: alter Röhrenfernseher) in Druckqualität vorliegt.
Tom de Toys, 9.+12.12.2014 © POEMiE™
DYSTOPISCHE DEPRESSION
(VON DER NUTZLOSIGKEIT DER LITERATUR)
was macht der mensch hier den ganzen tag lang
er sitzt und er steht und er läuft herum und
er wartet tagtäglich auf feierabende um
irgendwo anders herum zu sitzen vor monitoren
mit tausend sendungen auf hundert kanälen
hört er die ewig gleichen meldungen
ewig gut gelaunter showmaster die
den neuesten krieg ganz genau erklären und
das neueste produkt zur sensation verklären
ja sogar EIN ECHTES BUCH wird dort angepriesen
mit ganz wunderbar trivialen texten
die uns köstlich amüsieren
bestsellerromane und blockbusterfilme
versorgen die masse mit unterhaltungswerten
die gesellschaft zelebriert ihre totale
geselligkeit alles wird gnadenlos zur
ablenkung von tieferen fragen missbraucht
hier wird produziert
dort wird konsumiert
nichts wird mehr reflektiert
alles findet aus selbstzweck statt
literatur ist prinzipiell unpolitisch
gedichte sind doof oder richtig schön
© Entnommen aus: „SCHULGEDICHTE“ @ http://www.schulgedicht.de
wir Derwische – drehen uns um uns selbst in Trance
Hansjürgen Bulkowski
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