33. Zukunftsentwürfe und Zivilgesellschaft

Der Kongress „Werte und Wandel. Zukunftsentwürfe für Kultur und Zivilgesellschaft in der Ukraine, Belarus, Moldau und Georgien“ versammelt Intellektuelle, Kulturschaffende und Zivilgesellschaftsaktivisten aus den genannten Ländern und Deutschland und geht in Workshops und Diskussionen der Frage nach, welche Konzepte für die Zivilgesellschaftentwicklung es angesichts der zunehmenden Bedrohungen für demokratische Entwicklungen seitens Russlands und der islamischen Welt in den kommenden Jahren geben kann.

Als Referenten sind unter anderem eingeladen: Serhij Zhadan, Karl Schlögel, Yaroslav Hrytsak, Belorusets Yevgenia, Andrij Bondar, Ostap Slyvynsky und Nicoleta Esinencu.

Weitere Informationen unter http://valuesandchange.de/ | https://www.facebook.com/events/745300625549173/

32. American Life in Poetry: Column 506

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

I flunked college physics, and anything smaller than a BB is too small for me to understand. But here’s James Crews, whose home is in St. Louis, “relatively” at ease with the smallest things we’ve been told are all around and in us.

God Particles

I could almost hear their soft collisions
on the cold air today, but when I came in,

shed my layers and stood alone by the fire,
I felt them float toward me like spores

flung far from their source, having crossed
miles of oceans and fields unknown to most

just to keep my body fixed to its place
on the earth. Call them God if you must,

these messengers that bring hard evidence
of what I once was and where I have been—

filling me with bits of stardust, whaleskin,
goosedown from the pillow where Einstein

once slept, tucked in his cottage in New Jersey,
dreaming of things I know I’ll never see.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2013 by James Crews, whose most recent book of poems is The Book of What Stays, University of Nebraska Press, 2011. Poem reprinted from Ruminate Magazine, Issue 29, Autumn 2013, by permission of James Crews and the publisher. Introduction copyright © 2014 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

31. Whitman poem discovered

An associate professor of art history at University of Nebraska-Lincoln has discovered a new poem by Walt Whitman.

Wendy Katz was working as a Smithsonian senior fellow in Washington, D.C., researching art criticism in the penny newspapers, when she found a poem in the June 23, 1842 issue of the „New Era“ by „W.W.“

The poem, “To Bryant, the Poet of Nature,” addresses William Cullen Bryant, an American romantic poet and editor of the New York Evening Post.

Her recently published article in the summer/fall 2014 issue of the “Walt Whitman Quarterly Review” outlines her reasons for believing the poem was by Whitman. / omaha.com

30. Arten von Dichtern nach Art der Begabung

(Scaliger)

Nach der Begabung unterscheidet Scaliger (Arten von Dichtern (Scaliger)) 2 Arten von Dichtern. „Daß sie sich durch ihre Begabung unterscheiden, sagen sowohl Platon als auch Aristoteles. Die einen würden nämlich als solche geboren, die anderen dagegen, von Geburt unempfindlich oder gar roh und ungeeignet, würden von Raserei erfaßt und so von der gemeinen Sinnenwelt abgezogen; dies sei Götterwerk, und die Götter bedienten sich ihrer als Diener.“ [1]

Deshalb nenne Platon sie im „Ion“ „Mittler“ und Diener der Götter. [2] Scaliger betont, daß dies Platons Aussagen im „Staat“ über die Dichter, die keinen Platz im Staat haben, weil sie lügen, relativiere. Wenn Platon einige Schriften der Dichter verdamme, brauche man deswegen nicht auf die übrigen zu verzichten, die Platon selbst häufig zitiert. [3]

Die Dichter riefen also die Musen an, „damit sie von Raserei erfüllt vollbringen, was ihre Aufgabe ist.“ A.a.O. Von diesen „Gottbegeisterten“ habe er 2 Arten festgestellt. „Der ersten kommt jene göttliche Kraft vom Himmel herab von selbst und unvermutet zu Hilfe, oder einfach auf einen Anruf hin…“ [4] Er erwähnt auch, daß Hesiod sich selbst zu dieser Gruppe zähle. [5] Homer aber werde allgemein ebenfalls dazugezählt.

  • „Die zweite Art schärfen die Ausdünstungen des Weines, die die Werkzeuge der Seele und den Geist selbst von den stofflichen Teilen des Körpers hinwegziehen. Als solchen bezeichnet Horaz Ennius [6]; als solchen bezeichnen wir Horaz. Über Alkaios und Aristophanes ist dasselbe überliefert. Auch Alkman war von dieser üblen Nachrede nicht frei, und selbst Sophokles hat es dem Aischylos vorgeworfen.“ [7]: ‚Der Wein‘, sagte er, ’nicht er selbst sei der Verfasser seiner Tragödien“. [8]

Quelle:

  • Iulius Caesar Scaliger: Poetices libri septem. Sieben Bücher über die Dichtkunst. Hrsg. Luc Deitz und Gregor Vogt-Spira. Band I. Bücher 1 und 2. Stuttgart-Bad Cannstatt 1994. Erstes Buch („Historicus“), Kap. 2: Der Name „Dichter“, die Herkunft der Dichtung, sowie die Wirk-, Form- und Stoffursache. S. 73-91.

Zitate

  • [1] Scaliger, a.a.O. S. 83
  • [2] Platon, Ion 534 c-e
  • [3] Außerdem zitiere Platon auch häufig „dumme und niedrige Geschichten“: „Es wäre auf jeden Fall richtig gewesen, das ‚Symposion‘ und den ‚Phaidros‘ und andere solche Ungeheuerlichkeiten nie zu lesen.“ A.a.O. S. 83.
  • [4] A.a.O. S. 85
  • [5] In der Theogonie, Vers 22-34, erzählt Hesiod, wie die Musen ihn persönlich unterrichten. Hesiod, Sämtliche Werke. Deutsch von Thassilo von Scheffer, Leipzig: Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung, 2. Aufl. 1965, S. 3f.
  • [6] Vgl. Horaz, Episteln 1, 19,7.
  • [7] Vgl. Athenaios 10, 428f-429b. „Alkman“ ist ein Versehen Sc.s; gemeint ist Anakreon (429b) (Anm. der Buchausgabe)
  • [8] Scaliger, a.a.O. S. 85.

29. Bei Ling bei Schülern

„Ich habe Bei Ling auf einer Vernissage in Bonn kennengelernt“, erzählt die Initiatorin Antje Waßmann. „Eher im Scherz habe ich gefragt, ob er nicht mal an unsere Schule kommen möchte.“ Zur Vorbereitung auf den großen Tag hatte die Deutschlehrerin in den neunten Klassen und der Oberstufe Bei Lings Gedichte mit den Schülern bearbeitet. „Seine Gedichte sind im ersten Moment schwer zu verstehen“, erzählt sie weiter. „Aber meine Schüler waren am Ende total begeistert und haben sich auf die gemeinsame Lesung gefreut.“

Lesung eines chinesischen Dissidenten: Aus dem Exil nach Siegburg | GA-Bonn – Lesen Sie mehr auf:

http://www.general-anzeiger-bonn.de/region/rhein-sieg-kreis/siegburg/Aus-dem-Exil-nach-Siegburg-article1512047.html#plx929496978

28. Katholischer Kulturpreis

Der Schriftsteller Ralf Rothmann ist am Freitag mit dem „Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken“ geehrt worden. Der Preis ist die höchste katholische Auszeichnung im Bereich Kultur.

Bei der Verleihung des mit 25.000 Euro dotierten Preises würdigte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, in München den Schriftsteller, dessen Bücher den Blick für die Würde und Verletzlichkeit, die Sehnsüchte und Beschwernisse des Menschen in seiner Alltäglichkeit öffneten. „Es lohnt sich, hinzuschauen und zu lesen“, fügte Marx hinzu. Rothmanns literarische Erkundungsgänge führten zum „wahrhaft Menschlichen“ dieser Welt. „Das darf man einen durchaus christlichen Blick nennen“, sagte der Erzbischof von München und Freising. / domradio

27. Manfred Schlösser 80

Allein als Mit-Herausgeber eines einzigen Buches hat sich der Verleger Manfred Schlösser, der heute in Berlin seinen 80. Geburtstag begeht, unermesslich große Verdienste erworben: Seine Anthologie „An den Wind geschrieben. Lyrik der Freiheit 1933-45“ ist seit der ersten Auflage 1960 in der Schriftenreihe Agora der Klassiker der lyrischen KZ- und Exilliteratur. Spätere Auflagen erschienen im nunmehr selbstständigen Agora Verlag Schlössers und schließlich in einer Auflage von 40 000 Exemplaren im Deutschen Taschenbuchverlag.

Für junge Leser der Nachkriegsliteratur war das Buch ein poetisches Pendant zu Gerhard Schoenberners Dokumentation „Der gelbe Stern“, beides Schlüsselwerke zum Gedenken an die Verfolgung und Vernichtung jüdischen Lebens in Deutschland und Europa. (…)

Über die Mauer hinweg wurde er zum Verleger der Kritischen Werkausgabe des in Ostberlin lebenden Dichters Erich Arendt, dem er – von der Stasi misstrauisch beobachtet, aber nicht belästigt – eine Festschrift zum 75. Geburtstag mit Autoren aus Ost und West widmete. / Hannes Schwenger, Tagesspiegel

26. Ermordet

Am 6. Dezember wurde der griechische Schriftsteller Menis Koumandareas (83) in seiner Athener Wohnung tot aufgefunden. Die Polizei geht von einem Mord aus.

Siehe Ekathimerini

Wikipedia: Murdered authors

25. Rainer M.

In der Frankfurter Anthologie kommentiert Ron Winkler das Gedicht „Hinweise zur Erderwärmung“ von Marion Poschmann („Sie schafft eine Klarheit wolkiger Ordnung, die man erlebt haben muss.“). Als Bonus: Thomas Huber liest „Hinweise zur Erderwärmung“ von Rainer Marion Rilke. Anklicken, lesen und wenn Sie mögen: (vergleichend) hören.

24. Die schönste Fremdsprache der Welt

Richard Kämmerlings lobt ein Kinderbuch, analysiert nebenbei die LAGEDERLYRIK, definiert den Vers und gibt den Dichtern Empfehlungen:

Das Schöne ist, dass man sich an Gedichten kaum überfressen kann, weil man einfach mit der Zeit selbst anfängt zu dichten und zu reimen und zu keimen. „Kakaraka! Ich bin der Hahn, / der eine fremde Sprache kann.“ Und Lyrisch ist eben die erste und schönste Fremdsprache auf der Welt, und die einzige, die man sofort verstehen kann. „Krawau! Krawau! Krawau! So bellt / der kleinste Krähenhund der Welt.“

Aber diese Fremdsprache ist auch vom Aussterben bedroht, und jetzt also doch etwas auf Literaturkritisch. Georg Bydlinski wurde 1956 in Graz geboren, seine ersten Gedichtbände, für Erwachsene und für Kinder, erschienen Anfang der Achtziger. Das war die Zeit, als Lyrik (für Erwachsene) zum letzten Mal für richtige Verkaufserfolge sorgte, mit den Bänden Erich Frieds, später dann auch mit Ulla Hahn oder, ja, so waren die Achtziger, Kristiane Allert-Wybranietz. Robert Gernhardt wurde gerade erst so richtig entdeckt.

Seither aber hat sich die Gegenwartslyrik immer weiter von den Lesern entfernt. Die bedeutendsten jüngeren Dichter wie Jan Wagner, Marcel Beyer oder Marion Poschmann kennen nur wenige Eingeweihte, von den mikroskopischen Verkaufszahlen zu schweigen. Das schlägt natürlich auch bis in die Kinderzimmer durch, wo dann zum Vorlesen wieder die Horrorpädagogik des „Struwwelpeter“ oder der ewige Wilhelm Busch herausgekramt wird. Man kann es den Autoren nicht verdenken, dass sich kaum einer an die harte und brotlose Arbeit des Verseschreibens macht. Dabei täte eine Renaissance der Dichtung für Jung und Alt dringend Not. Der Niedergang verstärkt sich wechselseitig: Kinder lernen keine Gedichte mehr, weil die Eltern keine mehr kennen. / Die Welt

Georg Bydlinski: Das Gnu im linken Fußballschuh. Gedichte für neugierige Kinder. Illustriert von Susanne Straßer. Boje, Köln. 64 S., 9,99 €. Ab 6 J.

23. Poetopie

ich auf der Waage – zu schwer für ein leicht genommenes Leben

Hansjürgen Bulkowski

22. Kunststück

Dem in Dresden lebenden Romancier und Dichter ist mit dem Band „Graphit“ ein großes Kunststück gelungen. In seinen Gedichten wird das Wissen um die Kniffe der poetischen Moderne mit wacher Zeitgenossenschaft verquickt

(…)

Die Lyrik darf sich von allen Literaturgattungen den geringsten Zuspruch erwarten. Magier wie Beyer fallen keineswegs hinter den Stand der Dinge zurück. Sie überschreiben zum Beispiel Georg Trakl lautlich (An die Vermummten) und finden plötzlich Platz für Osama Bin Laden und dessen Tötung: „RASEND PEITSCHT GOTTES ZORN den Heli übers Anwesen, / Stroboleuchten ertasten zwei braune Augen, mehr nicht.“ Es ist die Poesie, die die Spuren sichert. / Ronald Pohl, DER STANDARD, 5.12.

Marcel Beyer, „Graphit“. Gedichte. 210 Seiten / € 21,95. Suhrkamp, Frankfurt 2014

21. Best Poetry Books 2014

By Jonathon Sturgeon, Flavorwire on Dec 5, 2014 12:45pm

If you fell asleep on poetry in 2014, you might not actually be asleep: you might be dead. Poetry this year not only proved itself the liveliest and healthiest genre of writing, it also showed itself to be the most intellectually voracious. (I would even argue that one of the best American novels of 2014 was written by a poet.) Here are the ten best books of poetry from 2014. Frankly, they may just be the ten best books.

  • Motherland Fatherland Homelandsexuals, Patricia Lockwood (Penguin)
  • Mature Themes, Andrew Durbin (Nightboat Books)
  • Rome, Dorothea Lasky (Liveright / WW Norton)
  • If the Tabloids Are True What Are You?, Matthea Harvey (Graywolf)
  • Prelude to Bruise, Saeed Jones (Coffee House Press)
  • Citizen, Claudia Rankine (Graywolf)
  • Repast: Tea, Lunch, and Cocktails, D. A. Powell (Graywolf)
  • Mala, Monica McClure (Poor Claudia)
  • The Second Sex, Michael Robbins, (Penguin)
  • Titanic, Cecilia Corrigan (Lake Forest College Press)

(Jeweils mit Leseprobe)

20. List of poets

A List of Things to Ask Yourself When You’re Making a List of Poets

1. Am I including poets who do not live in Brooklyn?
5. Have I looked at poets who write about poetry?
7. Have I looked at recent big prize winners (and read their books)?
8. Have I asked a poet which poets he or she is reading right now?
10. Have I discussed poetry with an indie bookseller yet?
13. Have I looked into cool ways to read poetry digitally?
15. Did I remember to include the poet laureates — aka bosses?

19. Christian Steinbacher

Hätten diese Gedichte Knochen – sie wären vom Rasen über die Zeilen- und Gedankensprünge gebrochen. Dass dies Zweck der lyrischen Übung ist, macht der Vers „sprengst die Gelenke in barockes Maßwerk“ klar: Steinbacher beschwört gegebene Formen, die er dann aufgreift, um sie zu reaktivieren, indem er ihnen „Gelenke“ implantiert, die er sogleich in alle möglichen Richtungen auskegelt. Referenzen wie der Barockdichter und Jesuit Jacob Balde in der Übersetzung von Max Wehrli (der Umdichtungszyklus Auf Schnitt und Tritt) oder Paul Wühr, dem er als Geburtstagsgruß fünf Anagramme (Was, was, was, was, was) gefertigt hat, erhalten so in der Umdichtung eine ungeahnte, neue Beweglichkeit. Das „Instabile, / das Heimstatt sei doch auch, nämlich für Möglichkeiten“ wird damit zum Konstruktionsprinzip dieser Gedichte. / Michael Wurmitzer, DER STANDARD, 5.12.

Christian Steinbacher, „Tief sind wir gestapelt“. Gedichte. 175 Seiten / € 19,90. Czernin, Wien 2014