Heimrad-Bäcker-Preis für Monika Rinck

Nach Entscheidung der Jury (Franz Josef Czernin, Thomas Eder und der letztjährige Preisträger Paul Wühr) werden die diesjährigen Preise verliehen an:

Monika Rinck (Heimrad-Bäcker-Preis, dotiert mit Euro 8.000.-)

Michael Hammerschmid (Förderpreis zum Heimrad-Bäcker-Preis, dotiert mit Euro 3.500.-)

Begründung der Jury:

Das poetische Werk Monika Rincks überblendet unterschiedliche Diskursebenen im dialogischen Begegnungsort Gedicht. Wissenschaftliche, alltägliche, theologische, pseudo-philosophische und poetische Äußerungsformen sind so ineinander verzahnt, dass die Verwendung der Satzsplitter im Ursprungszusammenhang deutlich bleibt, aber zugleich aus deren Zusammenfügung eine neue Textkohärenz und Textbedeutung entsteht. In ihrem jüngsten Gedichtband „Honigprotokolle“ führt Rinck das dichterische Sprechen in einen Zwischenbereich von Leichtigkeit und Konstruiertheit.
Ihre Kohärenz beziehen diese Gedichte aus einem Assoziieren entlang gestalthafter Ähnlichkeiten.

Programm

Dienstag, 2. Juni 2015
19.30 Uhr
Verleihung der Heimrad-Bäcker-Preise

Heimrad Bäcker hat in seinem Werk die Mittel der Avantgardekunst und der konkreten Dichtung auf die die Sprache der Shoah angewendet. Ann Cotten untersucht in ihrem Vortrag die Frage nach einer Literatur, die sich mit der vereindeutigenden Lesart des Gedenkens beschäftigt und in der Kunst als Kriterium verschwindet.

Im Anschluss werden der Heimrad-Bäcker-Preis an Monika Rinck und der Förderpreis an Michael Hammerschmid verliehen.

Die Vergabe der Heimrad-Bäcker-Preise wird maßgeblich unterstützt durch eine Förderung des Kulturamts der Stadt Linz gemeinsam mit der Landeskulturdirektion des Landes Oberösterreich, sowie durch das Bundeskanzleramt/Kunstsektion.

19.30 Uhr
BSI Dipl.-Päd.in Notburga Astleitner, Abgeordnete zum oberösterreichischen Landtag
Begrüßung

Ann Cotten: Zeigen und Sehen. Beobachtungen, in denen „Kunst“ als Kriterium verschwindet. Zu Heimrad Bäcker

Laudatio: Judith Nika Pfeifer
Lesung Michael Hammerschmid

Laudatio: Ulf Stolterfoht
Lesung Monika Rinck

Monika Rinck, *1969 in Zweibrücken, lebt in Berlin. 1998: NEUES VON DER PHASENFRONT – ein Theoriecomic über unproduktive Phasen bei bbooks Berlin. 2001 erschien Begriffsstudio 1996 – 2001 in der edition sutstein, (www.begriffsstudio.de), 2004 der Lyrikband Verzückte Distanzen im zu Klampen! Verlag. Im Oktober 2006 folgte der Essayband: Ah, das Love-Ding! bei kookbooks, und im Frühjahr 2007 der Lyrikband zum fernbleiben der umarmung im gleichen Verlag. 2008 das Hörbuch: Pass auf, Pony in der edition sutstein. 2009 folgt der Lyrikband HELLE VERWIRRUNG / Rincks Ding- und Tierleben bei kookbooks, Berlin.
Im Herbst 2011 erschien PARA-Riding (mit Christian Filips) als roughbook 015 bei Engelers Erben und die kollektive Poetologie HELM AUS PHLOX im Merve Verlag (zusammen mit Cotten, Falb, Jackson, Popp). Außerdem: ICH BIN DER WIND. Geschwinde Lieder für Kinder (mit W. Taubert, K. Tchemberdji) bei kookbooks. Im Frühjahr 2012 erschien ihr jüngster Lyrikband HONIGPROTOKOLLE bei kookbooks. 2010 erhielt sie den Georg-K-Glaser-Preis, 2012 den Kunstpreis Berlin Literatur, 2013 den Peter-Huchel-Preis für das Buch HONIGPROTOKOLLE, und soeben den Kleist-Preis 2015. Im Winter 2013 erschien HASENHASS – eine Fibel in 47 Bildern im Verlag Peter Engstler, 2014 CANDY – Geschichten vom inneren Biest, im gleichen Verlag. Im Frühjahr 2015 folgte: RISIKO und IDIOTIE, Streitschriften, bei kookbooks.

Monika Rinck ist Mitglied im P.E.N.-Club, der Lyrikknappschaft Schöneberg und der Akademie der Künste Berlin und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Sie übersetzt, kooperiert mit Musikern und Komponisten und lehrt von Zeit zu Zeit. Im Winter 2014 war sie Stipendiaten der Deutschen Akademie Rom, in der Casa Baldi.

Michael Hammerschmid, geboren 1972 in Salzburg, lebt und arbeitet als Dichter und Universitätslektor für Literatur, Medien und Sprachkunst in Wien. Er ist Vater zweier Töchter, lebte zwei Jahre in Paris, wo er an der Sorbonne Paris IV unterrichtete. Als Autor trat er zunächst mit Hörspielen hervor. Als Literaturvermittler ist Michael Hammerschmid regelmäßig fürs Literarische Quartier der Alten Schmiede, Wien, tätig und richtet dort Textvorstellungen und die internationalen Lyrikfestivals „Poliversale“ (erstmals 2014 gem. mit Kurt Neumann) und „Dichterloh“ (2015) aus. 2009 erhielt er den Reinhard-Priessnitz-Preis. 2014/15 erhielt er das Projektstipendium des bmukk. Michael Hammerschmid publiziert in Literaturzeitschriften und Anthologien und veröffentlichte als Autor, Übersetzer und Herausgeber u.a.:
Skeptische Poetik in der Aufklärung. Formen des Widerstreits bei Johann Karl Wezel. Würzburg: Königshausen & Neumann 2002. Ghérasim Luca: Lapsus linguae / Das Körperecho. Gedichte. Französisch und Deutsch. gem. mit Theresia Prammer / Mirko Bonné. Wien u. Basel, Weil am Rhein: Urs Engeler Editor 2004. „von einen sprachen“. Poetologische Untersuchungen zum Werk Ernst Jandls. (gem. mit Helmut Neundlinger) Innsbruck, Wien: Studien-Verlag 2009. Hg.: Räuberische Poetik. Spuren zu Robert Walser. Wien: Klever 2009. Hg.: (ohne titel). Zu einer Archäologie des Unveröffentlichten. Dossier. Wespennest. Zeitschrift für brauchbare Texte und Bilder. Heft-Nr. 158, Wien, Mai 2010. die drachen die lachen. Kindergedichte. Wien: edition krill 2013. Hg.: Poliversale. Das Wiener Lyrik-Fest der Alten Schmiede. Der Hammer. Die Zeitung der Alten Schmiede, Nr. 69, Mai 2014. Nester. Gedichte. Wien: Klever-Verlag 2014. „Draußen die Stadt“ (gem. mit Barbara Schwarcz) in aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Wespennest“,

Ann Cotten, geboren 1982 in Iowa, wuchs in Wien auf. Seit 2006 lebt sie in Berlin und Wien. Für ihr Debüt Fremdwörterbuchsonette (2007) erhielt sie den Reinhard-Priessnitz-Preis sowie den Clemens-Brentano-Förderpreis für Literatur der Stadt Heidelberg, für ihren Erzählband Florida-Räume (2010) den Förderpreis des Hermann-Hesse-Literaturpreises. 2014 wurde sie mit dem Wilhelm-Lehmann-Preis und dem Adelbert-von-Chamisso-Preis für ihr bisheriges Gesamtwerk, insbesondere für den Erzählband Der schaudernde Fächer (2013), ausgezeichnet. 2008 erschien ihre Studie „Nach der Welt. Die Listen der konkreten Poesie und ihre Folgen“, in dem sie sich u.a. mit dem Werk Heimrad Bäckers auseinandersetzt.

Jung und frech

Wer in die Hölle kommt und wer in den Himmel, das entscheidet ER – Dante nämlich, vor 750 Jahren geboren und Leitstern von Friedrich Christian Delius, der dem großen italienischen Dichter in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG ausführlich huldigen darf. Das macht der Schriftsteller und Büchner-Preisträger Delius so begeistert und mitreißend, dass man die ungelesene, angelesene, achtel- oder halbgelesene Göttliche Komödie sofort aus dem Bücherregal ziehen, den Staub wegpusten und loslegen möchte. Das muss ein Feuilleton erstmal hinkriegen!

Dabei bekennt Delius beruhigenderweise, dass auch er sich an den Übervater der italienischen Literatur erst so nach und nach herangerobbt hat, bis er begriff:

„Hier schreibt der frechste Dichter aller Zeiten“. 

Ob Himmel, Hölle oder Vorhölle – Dante sortiert selbst, wen er schmoren lässt und arbeitet dem Jüngsten Gericht schon mal vor. Allein sechs Päpste hat der Dichter um 1300 erlebt – „fünf verurteilt er zur Hölle, einen zur Vorhölle.“

Nicht auszudenken, welche Eiferer heute jemand auf den Plan riefe, wenn er’s dem vor 750 Jahren geborenen Dante irgendwie nachtäte. Friedrich Christian Delius macht in der FAZ jedenfalls neue Lust auf ein uraltes Buch und einen ewig jungen Dichter. / Ulrike Timm, DLR

How Great Poems Transform the World

Some people feel intimidated by poetry and they look away when what they should look for is poet Jane Hirshfield’s “Ten Windows: How Great Poems Transform the World” (Knopf). In 10 essays, Hirshfield discusses the meanings of dozens of poems — by Matsuo Basho and Emily Dickinson, among others — and explains different kinds of poetic magic. / Jan Gardner, Boston Globe

Lyrik am Vormittag

(später nachlesbar!)

Die Lyrik fristet ein Schattendasein. Das „Notizbuch“ stellt in einer Serie moderne Gedichte vor, die Justina Schreiber szenisch ausdeutet. Sie zeigt: Poesie ist aktuell, sie bringt eine besondere Saite in uns zum Klingen. Lyrik am Vormittag – eine Kooperation mit der Stiftung Lyrikkabinett in München-Schwabing. / bayern2

aktuell u.a. Katharina Schultens, Brigitte Oleschinski, Ulrike Draesner, Thomas Kling, Marcel Beyer, Sabina Lorenz, Johannes Kühn, Sabine Scho, Àxel Sanjosé u.v.a.

Burlesken des Körpers

Die poetischen Körper-Erkundungen von Carolin Callies verbieten sich jede Harmonisierung der versehrten Körperlichkeit. Aber selbst die krudesten Beschreibungen somatischen Unheils trägt die Autorin in einem burlesken Ton und in schwarzhumorigem Sarkasmus vor, so dass die Bilder beschädigter Leiblichkeit nicht als finsteres Endspiel, sondern als groteske Komödie daherkommen. Gedichte wie «vom logieren innerhalb eines fleischfarbenen lappens» oder «dir & dem feuchten» oszillieren zwischen harter Desillusionierungs-Poesie und frivoler Leichtigkeit und leisten sich die kalauernde Verabschiedung erotischer Illusionen: «die feuchten zwischen zähnen & kronen / & du fragst: war das noch geschlechtsorgan / oder doch schon trockenobst?» Mit ihren Burlesken des Körpers hat Carolin Callies einen neuen frechen Ton für die Sensationen unserer Sinne gefunden, lästerliche Lieder «zwischen haut & welt». / Michael Braun, Neue Zürcher Zeitung

Carolin Callies: fünf sinne & nur ein besteckkasten. Gedichte. Schöffling-Verlag, Frankfurt am Main 2015. 112 S., Fr. 28.90.

Pfingsten ist ein Werk

Tagung der Oskar-Pastior-Stiftung, organisiert in Zusammenarbeit mit der Oskar-Pastior-Stiftung und dem Verein zur Förderung des Kunst- und Kulturraumes Hombroich

Raketenstation Hombroich
Freitag, 22. Mai und Samstag, 23. Mai 2015

Öffentliche Lesung aller an den Gesprächen Beteiligter
Veranstaltungshalle, Raketenstation Hombroich 32
Samstag, 23. Mai 2015, 19 Uhr
Bitte melden Sie sich zur Lesung via mail oder telefonisch über 02182/ 887-4000 an.

Der Lyriker Oskar Pastior (1927-2006), bis zu seinem Tod vertrauter Gast in Hombroich, verfügte testamentarisch die Gründung der Oskar-Pastior-Stiftung zur Förderung experimenteller Literatur. Zu seinem Gedenken treffen sich Urs Allemann (Goslar), Gabriel Horatiu Decuble (Bukarest), Oswald Egger (Hombroich), Elke Erb (Berlin), Jean-René Lassalle (Bad Krozingen) sowie Herta Müller, Monika Rinck, Ulf Stolterfoht, Sissi Tax und Ernest Wichner (alle Berlin) auf der Raketenstation Hombroich. Sie nutzen die Tage mit Referaten und Statements zum Austausch über Oskar Pastior als übersetzendem und als übersetztem Dichter, ebenso zum Gespräch über das eigene poetische Tun.

Oskar Pastior wurde 1927 in Hermannstadt (Siebenbürgen) geboren. Von 1945 bis 1949 war er im sowjetischen Arbeitslager im Donbas. Nach seiner Rückkehr schlug er sich mit Gelegenheitsarbeiten durch, begann ein Studium der Germanistik und arbeitete beim Rundfunk in Bukarest. 1964 erschien der erste Gedichtband «Offene Worte». 1968 floh er in den Westen. Seit 1969 lebte Pastior als freier Schriftsteller und Übersetzer in Berlin. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Peter Huchel-Preis und den Erich Fried-Preis. Oskar Pastior war Mitglied der Werkstatt für Potentielle Literatur OULIPO in Paris, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt sowie der Akademie der Künste in Berlin. Oskar Pastior starb am 4. Oktober 2006 in Frankfurt/Main während der Buchmesse. Die Verleihung des ihm zugesprochenen Georg Büchner-Preises erfolgte posthum.

Nach seinem Tod wurde am 28. April 2008 die Oskar-Pastior-Stiftung in Berlin gegründet. Oskar Pastior hatte dies testamentarisch verfügt und die Stiftungsratsmitglieder Marianne Frisch, Herta Müller, Klaus Ramm (Vorsitzender), Dierk Rodewald, Ulf Stolterfoht, Christina Weiss und Ernest Wichner (Stellv. Vorsitzender) benannt. Die Stiftung hat das Ziel, die literarische und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit experimenteller Literatur sowie mit dem Werk von Oskar Pastior zu fördern.
Die Stiftung vergibt zudem den Oskar Pastior-Preis, mit dem Autoren ausgezeichnet werden, deren Werk in der Tradition der Wiener Gruppe, des Bielefelder Colloquiums Neue Poesie und von OULIPO (der Werkstatt für potentielle Literatur) steht. 2014 erhielt Marcel Beyer den mit 40.000 Euro dotierten Preis, der alle zwei Jahre verliehen wird. Der Hombroicher Lyriker Oswald Egger war 2010 der erste Preisträger der Oskar-Pastior-Stiftung.

Die Tagung organisiert die Stiftung Insel Hombroich in Zusammenarbeit mit der Oskar-Pastior-Stiftung und dem Verein zur Förderung des Kunst- und Kulturraumes Hombroich.

/ Stiftung Insel Hombroich

 

Im Wortbergwerk

Alltagssprachliches sorgt in Stolterfohts Lyrik für den besonderen Sound. Gedichte sind schließlich nicht aus Gefühlen, sondern aus Worten gemacht, und diese finden sich in Büchern, in TV-Sendungen, auf der Straße und auf Waldbühnen. Seine Arbeitsweise – Montage, Kompilation und Persiflage – hat Stolterfoht in „Neu Jerusalem“ weiter verfeinert. „so wahr ich hier schreibe“, schwört das Ich. Und schon weiß der Leser: Alles ist erfunden und doch aufs Köstlichste wahr. Hat man die Idee von der Aussage eines Gedichtes und von der Lesbarkeit der Welt erst hinter sich gelassen, beginnt ein Hören, in das man einfach eintauchen kann.

Bereits seit vielen Jahren betreibt Ulf Stolterfoht neben seiner Poesie intensiv den öffentlichen Dichter-Austausch: Er bringt zusammen, was sich zuhören und inspirieren könnte. Zur „sittlich-moralischen Unterstützung von Dichtern und deren Arbeit im Wortbergwerk“ schuf er gemeinsam mit anderen Ende der 1990er Jahre die „Lyrikknappschaft Schöneberg“, die allein durch ihr sprachliches Vorhandensein so manchem Poeten Schutz und Schirm gewährt. 2003 veröffentlichte er den Band „Elf Widerstandsnester“, darin u.a. Wort- und Bild-Beiträge von Paulus Böhmer, Oswalt Egger, Bert Papenfuss und Hans Thill. 2008 edierte er mit Christoph Buchwald das Jahrbuch der Lyrik. Und 2010 rief er TIMBER ins Leben, ein „Forum für kollektive Poetologie“ samt zweitägigem Poetentreffen im Berliner Literaturhaus.

In diesem Frühjahr nun hat Stolterfoht den Verlag Brüterich Press gegründet, um versprengt arbeitenden Kollegen auch in diesen verlegerisch schwierigen Zeiten eine Heimat zu bieten, wie es ehedem der Verlag Urs Engeler für ihn gewesen ist. „Es gilt, denen eine Chance zu geben, die sonst keine haben auf dem Markt“, sagt er. Denn: „Wir brauchen uns.“

Gedruckt wird alles, womit er sich gerne verbinden möchte. Und: Gedruckt wird, solange das Geld reicht. / Marie Luise Knott, Tagesspiegel

Ingolds Einzeiler

Was ist’s, das den Hahnenfuss in perfekter Neigung stehn lässt, derweil aus blitzenden Nähten – jetzt – der Regen platzt?

Jeden Donnerstag punkt 11 Uhr veröffentlicht L&Poe ein ungedrucktes Monostichon des Schweizer Dichters Felix Philipp Ingold. Mehr

Treffen der Nationaldichter

Zum „Treffen der Nationaldichter“ kommt es am Donnerstag, 21. Mai, in Frankfurt/Main: Charles Ducal aus Flandern und Anne Vegter aus den Niederlanden wurden in ihrem jeweiligen Heimatland zum „Dichter des Vaterlands“ gekürt. Diesen Titel gibt es in den Niederlanden seit dem Jahre 2000, in Belgien seit 2014. Die Geehrten haben die Aufgabe, zu wichtigen Ereignissen im Land Gedichte zu schreiben. Ducal und Vegter werden aus ihren „nationalen“ Gedichten auf Niederländisch und auf Deutsch vorlesen. Sie werden über ihr Amt und dessen Ausfüllung sowie über die Entstehungsgeschichte der nationalen Gedichte erzählen. Der Abend wird ebenfalls zweisprachig sein. Im Anschluss bietet die Generaldirektion der Regierung Flanderns in Berlin einen Empfang an.

Auch der Auftaktabend zum dreitägigen 8. Europäischen Poesiefestival Frankfurt am darauffolgenden Tag präsentiert zwei niederländischsprachige Poeten: Willem van Toorn (Niederlande) und Miriam Van hee (Belgien) werden ebenso wie Franco Buffoni (Italien) und Barbara Zeizinger (Deutschland) aus ihren Werken vortragen. Anschließend findet eine Diskussion statt zum Thema: „Europa heute. Wie die Dichter es empfinden“. / Goethe-Universität

  • Treffen der Nationaldichter: Lesung mit Charles Ducal und Anne Vegter, Donnerstag, 21. Mai 2015, 19 Uhr, Raum 1.801, Casinogebäude, Campus Westend
  • Auftakt zum 8. Europäischen Poesiefestival: Lesung mit Willem van Toorn und Miram Van hee, Freitag, 22. Mai 2015, 19 Uhr, Raum 1.802, Casinogebäude, Campus Westend

Gegenwart in der Lehre

„Im Zentrum stehen Gedichte von Konstantin Ames, Kenah Cusanit, Daniela Danz und Lutz Seiler, die in ihrem Form- und Sprachbewusstsein exemplarisch für die Lyrik der letzten zehn Jahre sind. Durch die Interpretation soll der Umgang mit Texten geübt werden. Dabei findet man sich in einer Lage, die gegenüber zeitgenössischer Literatur typisch ist: Es liegt meist wenig oder keine Sekundärliteratur vor. Das Seminar möchte daraus einen Gewinn ziehen. Der fehlende externe wissenschaftliche Diskurs soll durch dezidierte methodische Positionen kompensiert werden, die wir zu Beginn des Seminars erarbeiten und die sich in der Praxis der Seminardiskussion immer wieder neu bewähren müssen. Neben der konkreten Textarbeit werden die Institutionen und Mechanismen der Lyrik-Szene hinterfragt, die Bedeutung von Zeitschriften, Verlagen, Netzwerken, Lesungen und Preisen diskutiert.

Wie die Astrologen

Immer wieder findet sich die Anrufung an die Sonne, den Tag-Stern, und das Licht als Lebenselixier. Das Licht einer südlichen Landschaft, gleißend vor Helle und ägäischer Transparenz. Dabei reichen die Referenzflächen und Traditionslinien, die Jan Röhnert berührt, von der Moderne zu den französischen Dichtern des neunzehnten Jahrhunderts bis hinein in die Klassik. So lässt er gleich im ersten Gedicht „Landschaft“ den Leser wissen: „Ich will, um mit meinen Liedern abzuheben,/unter freiem Himmel wie die Astrologen leben,/und den Bildern, angespornt von Wind,/folgen an den Tagen, die aus Sonne sind.“ *) War wirkliche Dichtung jemals frei von wahrhaftigem Pathos? Röhnert scheut sich nicht etwas aufzurufen, das in uns verborgen liegt: die Tage der Kindheit und die Sehnsucht nach einer anderen Welt, vielleicht sogar nach einem Fantasie-Reich. Um an die weniger belichteten Stellen der eigenen Geschichte zu treten und zu reflektieren, dass die Erinnerung ein „unscharfes Sommerbild“ ist. Dem Akt des Erinnerns wird das Positive zugeschrieben: Was immer wir im Spiegel erkennen, der Blick ist unvermeidlich – und was immer wir sehen, es zeigt unser wirkliches Bild. / Tom Schulz, Signaturen

*) also bis hinein in die klassische Moderne

Preis für uruguayische Dichterin

Die uruguayische Dichterin Ida Vitale (91) bekommt den mit €42.100 dotierten Reina-Sofía-Preis für Iberoamerikanische Lyrik. Mit dem Preis ist auch die Herausgabe eines Sammelbandes verbunden sowie die Veranstaltung einer Tagung über die Autorin. Ziel des Königin-Sofia-Preises ist die Würdigung des Gesamtwerks eines lebenden Autors, das in seinem literarischen Wert einen relevanten Beitrag zum gemeinsamen kulturellen Erbe Iberoamerikas und Spaniens bildet. / El país

New Zealand Poetry Prize

Wellington poet Diana Bridge was announced as the winner of the Sarah Broom Poetry Prize at the Auckland Writers Festival on Sunday 17 May.

Bridge has published five collections of poems, the latest of which, aloe & other poems, came out in 2009. She was awarded the Lauris Edmond Memorial Award in 2010, for her distinguished contribution to New Zealand poetry, and her essay, „An attachment to China“ won the 2014 Landfall essay competition. / More

Museumsschreiberin

Michael Braun: Sie haben mir en passant er­zählt, dass Sie auch als „Museums­schreibe­r­in“ über die Kunst­halle Biele­feld tätig waren, im Rahmen eines Projekts des Literatur­büros Ost­west­falen. Und hier ist auch eine eigene kleine Publi­kation von Ihnen ent­standen, über „Das Leben des Lichts“. Und die Gedichte dieser kleinen Publik­ation finden wir alle auch in dem „Helenas Traum“-Kapitel in „Skizze vom Gras“. Wie ist es denn zu Ihrer „Beru­fung“ als „Mu­seums­schreibe­rin“ gekommen?

Silke Scheuermann: Das war eine Anfrage, die ich sehr dankbar aufgenommen habe. Man wusste von meinem Interesse an bildender Kunst. Als Museums­schrei­be­rin hatte ich mich mit der Kunsthalle Biele­feld zu beschäftigen, schaute mir die Kunst­halle und ihre Exponate an, machte mir Notizen. Dann schaute ich mir die Kunstwerke ein zweites Mal an und dann habe ich mir Kunstwerke aus­gesucht, über die ich Gedichte geschrieben habe. Andere Museums­schreiber haben Geschichten geschrieben oder einen Essay. Ich hatte gar nicht vorge­habt, ein Gemälde­kapitel oder ein Kunst-Kapitel in „Skizze vom Gras“ aufzunehmen, zum Kapitel „Zweite Schöpfung“ passte es dann aber sehr gut. Als die Schöp­fung der Menschen, als Parallel-Aktion zur Natur­schöpfung, als das Geniale, was der Mensch hinbekommt.

Aus: Ein Gespräch mit Silke Scheuermann über Poesie und bildende Kunst mit Michael Braun, Poetenladen

Skizze vom Gras. (Schöffling & Co, Frankfurt am Main, 104 Seiten, 18,95 Euro)

Nachruf

In Memoriam Marcus Brühl – Nachruf von Waldtraut Lewin

Ein Versuch, mit Fassungslosigkeit umzugehen

Warum?
Das alte Monster Tod schlägt zu, unersättlich, blind und ohne Gnade. Das wissen wir ja. Aber warum er, der, wie es aussah, gerade dabei war, wieder einen Weg zu finden zu sich selbst, zu seinen Poesien – warum einen Jungen, wo andere vielleicht verzweifelt um Erlösung vom Erdendasein flehen?
Wir kannten einander seit zwanzig Jahren. Beim Treffen Junger Autoren, wo ich in der Jury saß, kam er Rad schlagend in den Raum, tänzerisch, überströmend vor Lebensfreude, und schockierte den angereisten Bonner Beamten, indem er im Fummel, auf Pumps und die Federboa um den Hals, seinen Preis entgegennahm.
Eine Zeitlang lebten wir sogar unter einem Dach, in freundlicher Symbiose.
Er war verspielt, unordentlich, soff Kaffee wie ein Muselmann, quarzte, was das Zeug hielt, war dem Alkohol ganz und gar nicht abgeneigt.
Wo es aber niemals liederlich zuging, das war, wenn es sich um seine Poesien handelte.
Von Anfang an war da die Pranke des Löwen zu spüren.
Diese filigranen Gebilde, meist nur ein paar Zeilen, waren bei aller Zartheit von solcher Stringenz, so genau erdacht und erfühlt, dass es nichts daran zu rütteln gab. Sie waren hauchdünne Spinnweben – und dabei unzerstörbar wie Stahl.
Er schrieb ein Buch, das in der Szene gleich zum Beststeller wurde, er versah seinen unterm Pseudonym Penelope geschriebenen „Tuntenleitfaden“ mit all dem skurrilen Humor, der ihm zur Verfügung stand.
Was noch? Er war freundlich, ein Freund. Liebenswert.
Er sollte uns nicht verlassen müssen.
Vor ein paar Tagen schenkte ich ihm mein jüngstes Buch. Es ist – zunächst – eine Auseinandersetzung mit dem Tod. Er kam nicht mehr dazu, es zu lesen.
Darin heißt es, im direkten Gespräch mit der Naturgewalt: „Niemand kann DICH besiegen. Aber DIR Paroli bieten, indem man gegen das Vergessen angeht.
Erinnern ist Leben.
Dem Unsinn des Vergehens setze ich meinen Trotz entgegen.“
Marcus, wir hätten dich noch gebraucht.