Off-Festival

KUNO bat Samuel Lépo darum, das 3. Offlyrikfestival vorzustellen. Zitat:

Die Literaturszene besteht nicht nur aus Bestsellerautoren und Preisträgern. Es gibt eine Offszene aus Lyrikern, die auf der Bühne zuhause sind. Sie performen ihre Gedichte in ihrem ganz eigenen Stil, treten aber bei Poetryslams eher selten auf. Ihre Wortkunst entfaltet sich magisch und popschamanisch, ihre Lesungen sind legendär! Und wir reden hier nicht von vergangenen Tagen, denn diese Dichter sind kein Mythos, sondern leben im Hier und Jetzt. Sie produzieren Livelyrik mit Tiefgang! Tiefenliterarische Ekstasen! Das 1.Offlyrikfestival fand 1995 im Kölner BelAir statt. 1996 dann das zweite im Kieler SubRosa. Lyrikperformer wie stan lafleur, Alex Nitsche, Harald ‘Sack’ Ziegler, Peter Rech, Thorsten Nesch, Hadayatullah Hübsch, Ron Schmidt und Tom de Toys intonierten ihre poetischen Texte mit teilweise geradezu theatralischer Stimmakrobatik – ein Fest für die Ohren, progressive Lyrik der Offszene so zu erleben! Mit 20-jähriger Verzögerung plant nun das G&GN-INSTITUT das 3.Festival in Düsseldorf, mit einigen Veteranen und Newcomern der Lyrikszene.

Spiel-Arten

Die Lyrikgesellschaft Zwickau veranstaltet bis Samstag die 3. „Tage der Poesie in Sachsen“ mit Lesungen, Poetry Slams und Musik.

Im Zentrum der Poesietage steht die Tagung „Spiel-Arten der Lyrik“, die am Freitag im Schumannhaus Zwickau stattfindet. Das Tagungsthema umfasst Möglichkeiten und Formen des Zusammenspiels von Lyrik und Musik, darstellender sowie bildender Kunst. Rund um die Tagung steht Poesiefans ein vielfältiges Veranstaltungsangebot an verschiedenen Orten in Zwickau offen.

Beteiligt:

Franziska Holzheimer, Marlen Pelny, Dieter Treeck, Krisztin Kiss, Gabriele Frings, Ralph Grüneberger, Franziska Röchter, Maria Schüritz, Rainer „Reno“ Rebscher, Nadine Maria Schmidt, Olaf Stelmecke, Safiye Can, Peter Gosse, Manfred Jendryschik, André Schinkel, Eugen Gomringer, Thomas Heyn, Helen Ispirian, Monika Littau, Frank Norten, Maren Schönfeld

Folksong-Karten

Drei interaktive Kartenprojekte zeigen die in Liedern erwähnten Ortschaften:  America by SongBob Dylan und Ottomanische Lieder (Balkan, Türkei und Mittelosten). Man kann mit Hinweisen, Textübersetzungen usw. mitwirken.

Gestorben

Der syrische Dichter Omar al-Farra starb am Sonntag in Damaskus im Alter von 66 Jahren. Al-Farra wurde 1949 in Palmyra geboren, jener Stadt in Mittelsyrien, in der die Terrororganisation des selbsternannten „Islamischen Staats“ wütet. In seinen Gedichten vertrat er die gerechte Sache der Unterdrückten und die Liebe zu seinem Vaterland, schreibt Algérie Presse Service.

Gestorben

Der italienische Dichter, Schauspieler, Bildhauer, Maler, Sänger und Humorist Rémo Remotti starb am Sonntag im Alter von 90 Jahren. Er spielte u.a. in Filmen von Nanni Moretti, Marco Bellocchio, Francis Ford Coppola, Woody Allen und Ettore Scola, zuletzt 2012 in „Vive l’Italie“ von Massimiliano Bruno.  Sein bekanntestes Buch wurde „Diaro segreto di un sopravvissuto“  (Geheimes Tagebuch eines Überlebenden)), 2006 bei Einaudi. / Julie Torterolo, ActuaLitté

Wunderland für Lyrik

Manchen Deutschen kommt Island so vor. Die isländische Autorin Steinunn Sigurdardottir sieht es andersherum. Im März 2001 stand es in der Lyrikzeitung:

Als Lyrikerin seit ihrem 17. Lebensjahr – „in den wilden Jahren“ – und mit sechs Bändchen neben „fast sechs Romanen“ lobt die Isländerin Deutschland als das „Wunderland für Lyrik, das einzige Land, wo Lyrik verkaufbar ist„, ebenso wie später für das hier vorhandene Umweltbewusstsein. (sagt die isländische Schriftstellerin Steinunn Sigurdardottir in der Fuldaer Zeitung vom 27.3.2001)

Ingolds Einzeiler

Mehr Hund und mehr Idol als alles, was `nen Namen hat. Ist er. Egal ob Audiberti oder wer.

Jeden Donnerstag punkt 11 Uhr veröffentlicht L&Poe ein ungedrucktes Monostichon des Schweizer Dichters Felix Philipp Ingold. Mehr

Katalog des Garstigen

Tilman Krause ist Leitender Feuilletonredakteur der Zeitung „Die Welt“ und hauptberuflicher Linkenbasher. Links ist für ihn alles was ihm nicht ähnlich sieht, Wolfgang Koeppen etwa, der nicht zur Gruppe 47 ging, die Gruppe 47 natürlich sowieso, die 68er, die Avantgarde und all das. Heute hatte er wieder eine Gelegenheit. In seinem Nachruf nennt er die am Montag verstorbene Gabriele Wohmann „das Spice Girl der Bewegung“, womit („Bewegung“) er alle „irgendwie progressiven, links orientierten Autoren“ [meint]: „Viele von ihnen waren mit der Gruppe 47 groß geworden. Jetzt saß diese Richtung fest im Sattel. Und sie besaß in Ingeborg Bachmann, einer tränenseligen Österreicherin, die herrliche Gedichte schrieb, ihre Galionsfigur.“ Die Metapher „Spice Girl der Bewegung“ kannte ich bisher nicht und verstehe sie auch nicht, da kenne ich mich zu wenig aus, das ist nicht meine Musik. Wahrscheinlich nicht tränenselig, nicht progressiv, nicht links orientiert. Gabriele Wohmann gehörte in den 60er/70er Jahren dazu, aber eben als Spice Girl, was Tilman Krause gefällt. Sie war in seinen Augen, sagt er nicht völlig grammatisch korrekt und mit rasanten Wendungen im Satz, „eine ganz und gar nicht elegische, erdabgewandte Anbeterin des Großen Bären, sondern ein freches, rauchendes Weibsbild mit Stahlhaar, aber aus einem Pfarrershaushalt in Darmstadt.“ Herrliche Gedichte gefallen den Matadoren des konservativen Feuilletons, auch wenn sie von progressiven Tränen-und Flintenweibern wie Bachmann oder so Revoluzzern wie Rimbaud stammen; herrliche Gedichte ist ihr furchtbarstes Stigma. Marcel Reich-Ranicki war auch ein Meister, ach was, war ein Meister des Genres. Er war es auch, der den Feuilletonrittern die Lesart lieferte, mit der sie Bachmanns Gedichte genießen und gegen ihre Prosa, die Person und die ganze Bewegung ausspielen konnten. Ich ahne, das Spice Girl der Bewegung ist für Feuilletonritter die Herrlichkeit und Schönheit und (ich verwende ein Wort aus krausefeindlichem Gelände, also gegen den Strich) Ästhetizität innerhalb der sonst dekadenten Musikbewegung. Herrlich ist das Ästhetische, zumindest die höchsten Grade davon, garstig ist das Politische, Avantgardistische und Dekadente, Goethes singender Kleinbürger aus Auerbachs Keller läßt grüßen.

Tilman Krause bringt das Kunststück fertig, in seinem Nachruf auf Gabriele Wohmann einen Katalog seiner Feindbildprojektionen zu liefern, nicht ganz vollständig aber beeindruckend, Katalog des Garstigen, Linken, ich zähle auf: Gruppe 47 und Bachmann hatten wir schon; ferner: modische Amerikaner, elliptisches Erzählen (außer Wohmann), Raymond Carver, („diesen Namen, den Gott sei Dank keiner mehr nennt“)*, Feminismus, „Theorieansätze“ (Anführungszeichen im Original), Christa Wolf, intellektuelle Debatten und Moden, politisch oder gendermäßig Korrektes, „der allfällige goldene Regen der Preise, Ehrungen und Auszeichnungen“, antiautoritäre Erziehung und die Zerstörung des Bildungsbürgertums und der Lebensform Kleinfamilie**.

*) Erschrocken habe ich im L&Poe-Archiv nachgesehen, oh doch, Raymond Carver wird genannt, sogar in akademischen Kontexten wie zuletzt 2014 in der Münchner Empfehlungsliste 2014.

**) Wobei nicht jede Pfarrersfamilie eine Kleinfamilie genannt werden kann.

Gabriele Wohmann ist tot

Mit unnachahmlicher Schärfe beschrieb Gabriele Wohmann die unerfüllten Sehnsüchte des Bürgertums und wurde zu einer der großen Schriftstellerin der Bundesrepublik. Jetzt ist sie im Alter von 82 Jahren gestorben. / ROSE MARIA GROPP, FAZ

Vor drei Jahren hatte Wohmann geäußert, sie fühle sich in der angelsächsischen Literatur besser aufgehoben. „In Deutschland wird meine Ironie nicht verstanden.“
„Wir haben eine kluge Chronistin des Alltags und scharfe Kritikern alles Ideologischen verloren“, sagt Darmstadts Oberbürgermeister und Kulturdezernent Jochen Partsch (Grüne). Mit kühlem Blick habe sie Verdecktes und Verdrängtes erkannt und in ihrer Literatur hervortreten lassen, „autoritäre Strukturen der Nachkriegszeit ebenso wie die Fixierungen der 68er-Generation“. / hr

Spiegel /

„Großes Literaturstipendium“ des Landes Tirol für Barbara Hundegger

Die „Großen Literaturstipendien“ 2015/2016 gehen an Barbara Hundegger und Petra Maria Kraxner

Kulturlandesrätin Beate Palfrader überreichte die mit jeweils 15.000 Euro dotierten „Großen Literaturstipendien“ des Landes Tirol für die Jahre 2015 und 2016 am Abend des 22.06. im Landhaus in Innsbruck. Barbara Hundegger erhält das Arbeitsstipendium in der Sparte Lyrik für ihren Langtext „anich.atmosphären.atlas“. Petra Maria Kraxner überzeugte die Jury mit dem Stück „Schubladen-Kind-Dreivierteltakt. Ein Spiel mit Zuordnungen und Schubladendenken“ in der Sparte Drama. „Ich freue mich, dass wir mit Hilfe der Stipendien die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das Schaffen dieser beiden Autorinnen lenken können,“ gratuliert LRin Palfrader.

„Barbara Hundegger will mit ihrem lyrischen Großprojekt die Welten des Tiroler Kartografen Peter Anich einfangen und in einer Art Gedichte-Atlas sein Leben und Werk reflektieren“, begründet LRin Palfrader die Entscheidung der Jury. Diese erkennt darin ein „stimmiges Konzept“, das die Tiroler Persönlichkeit „in einem neuen Blickwinkel erscheinen lassen kann“. Gerade die Gattung Lyrik biete dabei „besondere Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit literarischer Imagination und historischem Faktenmaterial“, so die Jury. „Durch Sprachkritik und Sprachspiel, aber auch durch die formale Gliederung der Texte zeichnet die Autorin nicht nur ein differenziertes Bild der fiktiven oder faktischen Person, sondern auch seines kartografischen Handwerks nach.“

(…) Der Kulturbeirat für Literatur, darstellende Kunst und Film des Landes Tirol wählt die Stipendiaten auf Vorschlag der Jury einstimmig aus. Dieses Jahr bestand diese aus Doris Happl, Chefdramaturgin am Volkstheater Wien, Gabriele Wild vom Literaturhaus am Inn und Regisseur sowie Autor Ekkehard Schönwiese. / Österreich Journal

Lichtveränderung

Romantiker im Sinne von Träumer ist Schulz auch im Politischen. Er weiß: Wir sind „abhängig von den toxischen Konzernen“. Und einmal lesen wir: „Alles Leid / der Erde glänzte golden über dem Ginster“. Doch die Hoffnung, dass „das Reich der Poesie komme“, will er nicht preisgeben. Dem Klee denkt er ein fünftes Blatt zu. Und vieldeutig fordert er: „vergiss, / was du gelesen hast, Adorno und Freud, das Manifest / vergiss es noch nicht, vielleicht kommt noch ein Tag / mit klarem Licht und Bergen hinter den Fenstern.“ / Hans-Dieter Fronz, Badische Zeitung

Tom Schulz: Lichtveränderung. Gedichte. Verlag Hanser Berlin, Berlin 2015. 84 Seiten, 15,90 Euro.

Falscher Enzensberger

Michel Abdollahi: Wir haben im Deutschkurs Gedichte interpretiert, und ich fand die zu starr. Also hab ich selbst eins geschrieben und es Vom Dach der Welt genannt und die Lehrerin gefragt: „Können wir das interpretieren? Das versteh ich nämlich nicht.“ Sie sagte gleich: „Klar. Vom Dach der Welt, ganz berühmt. Das einzige Gedicht, in dem Enzensberger jedes Wort mit Großbuchstaben anfängt.“

Jan-Oliver Lange: Das haben wir dann sofort behandelt. Unsere Lehrerin hat Bilder entdeckt, Metaphern, alles.

Abdollahi: Erst nach dem Wochenende sagte sie, sie sei alle Enzensberger-Werke durchgegangen und habe dieses Gedicht nicht gefunden. Meinetwegen wurde eine Schulkonferenz einberufen.

/ Die Zeit

Zartes Pflänzchen

Dichtung ist ein zartes Pflänzchen, das wird sich wohl nie ändern. Doch seit 15 Jahren, sagt Jan Wagner, gebe es eine ganz junge Szene, „großartig und sehr lebendig“: „Da kann man alles beobachten, von Naturlyrik über politische bis zu experimentellen Gedichten.“

Die Lyrik, sagt Wagner, sei „im Moment die aufregendste Gattung der Literatur“. Dass das eine breite Öffentlichkeit „nicht wirklich mitbekommen“ hat, weiß er allerdings auch. „Hartnäckige Vorurteile“ seien daran schuld: „Viele Leute glauben nach wie vor, dass Lyrik etwas Schwieriges, Kopflastiges ist, und merken erst auf Lesungen: Mein Gott, es hat ja doch etwas mit mir zu tun und bringt etwas in mir zum Schwingen.“ / Dierk Wolters, Frankfurter Neue Presse

In der Sauna

Wie in einer Sauna sei es, beschwert sich ein älteres Paar, noch ehe es richtig losgegangen ist.

Rund einhundert Zuschauer haben sich eng zusammengedrängt, es gibt nicht genug Sitzplätze für alle. Gleich treten Michael Krüger und Jan Wagner auf, und obwohl alle es kaum abwarten können, der bulligen Hitze später wieder zu entkommen, verlässt in den folgenden anderthalb Stunden kaum jemand vorzeitig den Raum. Alle schwitzen und lauschen gebannt den Versen der beiden Dichter über Flohkraut, Stechmücken oder Bäume. Es sind „Gedichte über Kleinigkeiten“, sagt Wagner, „die aber doch, wenn man sie nur lang genug betrachtet, das Große in sich tragen“. / Frankfurter Allgemeine

Straßenkunst in Bern

Der Lyrikhype des deutschen Börsen-Feuilletons flackert weiter. Auf fast allen Blättern wird eine Gattung wiederentdeckt oder gar als Ware entdecktwird der Begeisterung für Poesie ein Impuls gegeben usw. Nachbarin, euer Fläschchen!Hier ein Gedicht des Berner Greenpeace-Aktivisten und Schriftstellers Kuno Roth aus seinem Gedichtband «Im Rosten viel Neues». Poesie auf Baugerüste!