Gestorben

Der Dichter und Dramatiker Cosmas Koroneos starb am Donnerstag im Alter von 82 Jahren. Er wurde 1933 in Griechenland geboren und ließ sich Anfang der 60er Jahre nach längerem Aufenthalt in der Schweiz in Frankreich nieder. Sein letztes Buch, „Faits divers, Description d’un messie“ (Verschiedene Fakten. Beschreibung eines Messias), erschien 2005. / rtbf.be

Poetopie

Kinderfüße trippeln an Land – bringen den Erdteil in Schwingung

Hansjürgen Bulkowski

Weltempfänger-Bestenliste

Auf der Weltempfänger litprom-Bestenliste 28 vom Herbst 2015 sind diese Gedichtbände:

  • Platz 3: Shuntarō Tanikawa (Japan): „Minimal“. Lyrik. Aus dem Japanischen von Eduard Klopfenstein (Secession)
  • Platz 5: Tomás González (Kolumbien): „Mangroven“. Lyrik. Aus dem Spanischen von Karina Theurer, Peter Schultze-Kraft und Gert Loschütz. Zweisprachige Ausgabe (Edition 8)

Für eine Übersetzung ins Deutsche empfiehlt Jury-Mitglied Katharina Borchardt folgende Spoken-Word-Texte von Marc Nair (Singapur): „The Poet of Unlove“(Red Wheelbarrow Books, 2015). Ihre Begründung: „18 Spoken-Word-Texte, die Nair bereits öffentlich performt hat. Er erzählt von den Peinlichkeiten des Schwimmenlernens, der euphorisierenden Wirkung von Pizza und von seinem Bart, der mit Terrorismus nichts zu tun hat. Er zeigt, wie fragil Männlichkeit sein kann, und wie schwer es ist, Liebe auszudrücken. Kraftvolle Prosagedichte, drängend und heutig, grundiert von einer feinen, unstillbaren Sehnsucht.“

Hier die komplette Weltempfänger-Liste (inklusive Jury-Urteile).

Poesietag

Vor rund 36 Jahren gründete der Basler Autor, Verleger und Buchhändler Matthyas Jenny den Poesietag und führte ihn von 1979 bis 1988 jährlich durch. Seither hat sich wenig verändert. Der Grundsatz ist immer noch derselbe: Poesie, als Form des nichtalltäglichen Sprechens, solle die Konfrontation mit der Sprechweise des Alltags, der Politik, der Wirtschaft und der Industrie suchen. Die Lyrik erhält an einem Tag im öffentlichen Raum eine lebendige Präsenz und zeigt so die Vielfalt verschiedener Ausdrucksformen auf.

Ganz im Sinne der Tradition beteiligt sich auch die bz am Anlass. Dafür haben wir den Basler Regisseur Laurent Gröflin, die Schriftstellerin Simone Lappert und den Schriftsteller Rudolf Bussmann gebeten, uns ihr Lieblingsgedicht zu schicken.

Kommentare zu «Zweimal im September» von Nicolas Born, «Erinnerung an Las Vegas» von Jan Wagner und «Die Ameisen» von Joachim Ringelnatz.

Sie blieb

Vor mehr als hundert Jahren veröffentlichte Friedrich Eisenlohr seine „Kriminal-Sonette“, eine Sammlung formvollendeter lyrischer Hochkomik. Am Mittwoch erst starb seine Witwe, die Schriftstellerin Annemarie Bostroem.

Bis vorgestern wusste ich nichts von Annemarie Bostroem. Die Schriftstellerin starb am Mittwoch im Alter von 93 Jahren. Auch jetzt weiß ich nicht viel mehr von ihr, als dass sie Lyrik (die zum Teil vertont wurde) und Theaterstücke verfasste. Sie lebte im Ostteil Berlins, manchmal wurde ihr übel mitgespielt. Zu ihren Liebesgedichten merkte 1947 ein Literaturbürokrat an, es handle sich um „abstoßende Neigungen und Triebe einer Dichterin, bestenfalls der Beachtung eines Psychiaters wert“. Sie blieb. / Lorenz Jäger, FAZ

Frei

„Früher fand ich Lyrik gestelzt. Ich dachte, da muss man reimen, Silben zählen und auf Hebungen achten. Doch tatsächlich ist Lyrik die freiste Form des Schreibens.“ / Ansgar Riedißer, 17, spiesser.de

Skandalös?

Über die Auszeichnung des syrischen Autors Adonis mit dem Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück wird seit einigen Tagen öffentlich gestritten. Ausgelöst wurde der Streit durch Einsprüche von Seiten des Regimekritikers und Journalisten Ahmad Hissou sowie des deutsch-iranischen Autors Navid Kermani. Nun verlangt auch der Menschenrechtsaktivist Rupert Neudeck im Kölner Stadt-Anzeiger eine Rücknahme der Jury-Entscheidung. Er begründet dies mit der Haltung des 85-jährigen Adonis zum Regime des syrischen Herrschers Baschar al-Assad. „Ein Wahnsinniger macht sein Land kaputt und bringt die Menschen um, während Adonis ruhig daneben steht und nur zu bedenken gibt, dass es die Assad-Gegner vielleicht noch schlimmer treiben könnten“, sagte Neudeck. Von Wut und Verzweiflung über das Elend des eigenen Volkes sei bei Adonis nichts zu spüren. „Bequem in einem Pariser Café sitzen und den Assad-Gegnern raten, es doch mal gewaltfrei zu probieren, das zeugt von einer skandalösen Haltung“, so Neudeck. „Adonis ist ein guter Literat. Aber als Träger eines politischen Preises in der Tradition des leidenschaftlichen Pazifisten Remarque ist Adonis deshalb für mich völlig unvorstellbar.“ Der Jury sei klar gewesen, hieß es in einer Erklärung der Stadt Osnabrück, dass die Verleihung eine kontroverse Diskussion entfachen würde: „Mit der Auszeichnung für Adonis ist aber auch beabsichtigt gewesen, intensiv über die Problematik in Syrien ins Gespräch zu kommen, über Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren.“ / Süddeutsche Zeitung 4.9.

Yellowfacing. Racial Bias

Nachdem Michael Derrick Hudson unter eigenem Namen lange Zeit keinen Verlag für die Veröffentlichung eines Gedichts fand, wählte er das chinesische Pseudonym Yi-Fen Chou und hatte damit auch Erfolg: Sein Gedicht „‚The Bees, the Flowers, Jesus, Ancient Tigers, Poseidon, Adam and Eve“ ist derzeit in der Anthologie „The Best American Poetry 2015“ zu finden.

Vor der ersten Veröffentlichung bei einem Verlag sei es unter seinem eigenem Namen Michael Derrick Hudson jedoch 40 Mal abgelehnt worden, erklärte der Dichter nun auf seiner Facebookseite – „wenn es tatsächlich eines der besten amerikanischen Gedichte im Jahr 2015 ist, brauchte es ganz schön viel Aufwand, um es zu veröffentlichen“.

Wegen seines Vorgehens steht Hudson nun aber im Kreuzfeuer der Kritik. Schriftstellerkollege Jeong Min etwa monierte, dass sich hier jemand eine fremde Kultur aneigne, um persönlichen Erfolg zu haben – „für asienstämmige Amerikaner ist der Namenswechsel eine Strategie, um in einem rassistischen und nativistischen Amerika zu überleben“. Der Blog „Angry Asian Man“ bezichtigte Hudson gar des „Yellowfacings“, auch der Vorwurf des „Gedicht-Kolonialismus“ fiel. / Spiegel

In response to the controversy over his [Sherman Alexie’s] decision to include „Yi-Fen Chou’s“ poem in the Best American Poetry anthology even after discovering that Yi-Fen Chou was actually a pen name that a white poet named Michael Derrick Hudson used in order to get published, Alexie admitted that, to him, dumping the poem would have undermined his decision to use racial bias in his selection process. Excluding the poem, he said, „would have cast doubt on every poem I have chosen for BAP. It would have implied that I chose poems based only on identity.“

Of course, Alexie didn’t choose poems based only on identity. He chose them because he liked them. But he also chose to use his status as a big deal writer to champion writers of color, who have to leap over many more hurdles in the writing world than white writers do, a condition that Alexie knows about from a lifetime of being not-white in the literary world. So, in this case, for the sake of equity in publishing, he wanted to lend his power to those who have less.

Alexie’s racial bias in this instance shows a top-down approach to advocating for racial justice within the current publishing system. But there’s a bottom-up reason to use „racial nepotism“ in editorial processes as well.

Readers are clearly hungry for work by non-white voices. Editors can see this hunger on their social media feeds, in articles, in classrooms, etc. (If they’re good editors, then they’re also just plain ol‘ curious about how lots of different people engage with the traditions of poetry. I think of Frank O’Hara buying an issue of New World Writing just „to see what the poets in Ghana are doing these days.“) Readers like to buy books and magazines, and so publishers are making an effort to give readers what they want. / Rich Smith, the Stranger

Ja Gott, die Welt ist so

Rainer Kirsch erzählt, wie er sich sein Grab ausgesucht hat. Burga Kalinowski erzählt von ihrer letzten Begegnung mit Rainer Kirsch und veröffentlicht ein Interview mit ihm. Darin sein letztes Gedicht und sein Grabgedicht mit einem Gutachten für die Friedhofsverwaltung oder den Kirchenvorstand, das Volker Braun schrieb, weil es vielleicht Zweifel gab:

Vier Verse nur: und welcher Trost, welche versöhnende Heiterkeit! Auf einen Grabstein gesetzt, wären sie Verweis auf die Kunst des Toten, und er hinterließe hier, der Nachwelt zur Freude, ein gültiges Signum. Die letzte Zeile allein eine schönste Metapher für Schlaf und Tod; das Ganze aber mag dem Vorübergehenden eine Ermutigung sein; ja mir selbst, wenn ich ausgestreckt drunten läge, wäre wohler.

Kirsch im Interview über die 90er und Schere im Kopf:

Schlechte Zeiten für Dichtung.

Ja Gott, die Welt ist so. Ich kann es nicht ändern. Ich fange mal anders an: Nach der Wende wurden wir außer Gefecht gesetzt durch ganz einfache primitive Floskeln. Zum Beispiel hieß ein Vorwurf »Kirsch klagt«. Der Präsident der Industriellenvereinigung durfte ununterbrochen klagen, dass sie zu viel Lohn bezahlen müssen. Aber ein Schriftsteller aus der DDR durfte seine Rechte nicht einfordern. Oder: »Sie hatten ja die Schere im Kopf«. Das heißt, es wurde behauptet, man hätte sich fortgesetzt selbst zensiert. Man hat sich eben nicht zensiert und hat es mit Gelassenheit ertragen, wenn etwas nicht gedruckt wurde. Nicht mal die Verlage, bei mir auch nicht die Zeitungen, trauten sich, in den Texten rumzuklieren. Und dann kam die Wende und der freie Westen und eine Schweizer Herausgeberin dichtete in meinen Übertragungen herum. Und als ich sie anrief, da sagte sie: Ja, das ist doch völlig normal. Ich untersagte den Abdruck. Punkt. So hatte ich es in der DDR gemacht. Dann wurde man eben nicht gedruckt. Es gab Weicheier – würde man heute sagen – die haben umgeschrieben. Na gut, es ist ihnen letztlich nicht bekommen.

Sie haben das nicht zugelassen?

Nein!

Gestorben

Die Lyrikerin Annemarie Bostroem ist am 9. September im Alter von 93 Jahren verstorben. Das teilte der Verlag Razamba der in Berlin erscheinenden Tageszeitung „neues deutschland“ mit.

Bostroem, 1922 in Leipzig geboren, wurde nach dem Krieg literarische Mitarbeiterin im Aufbau-Bühnenvertrieb und Fachassistentin in der Sektion Lyrik der Akademie der Künste der DDR, ehe sie ab 1956 in Berlin freiberufliche Schriftstellerin wurde. Neben dem Gedichtband »Terzinen des Herzens« und einem Schauspiel sind ihr zahlreiche Nachdichtungen russischer, armenischer, ungarischer, türkischer Lyrik in rund 95 Anthologien und Einzelausgaben zu verdanken.  / Presseportal

Ingolds Einzeiler

Was für’n Fest! wo das Vergangene nicht mehr betrifft und wo wir verlieren ohne Verlust.

Jeden Donnerstag punkt 11 Uhr veröffentlicht L&Poe ein ungedrucktes Monostichon des Schweizer Dichters Felix Philipp Ingold. Mehr

Nationaldichter

Der 1997 verstorbene guyanische Nationaldichter Martin Carter sollte nach Meinung von Rev. Gideon Cecil in den Schulen des Landes gelehrt werden. Für die junge Generation sei er vielleicht nichts als ein weiterer Name aus der Liste der nationalen Helden. Die Literatur sei wegen des schlechten Schulsystems vor langer Zeit gestorben.

1963 habe Carter gesagt: „In diesem Land Gedichte zu veröffentlichen ist, als würde man Bücher an Leichen verkaufen. Nur wenige lesen sie, und diesen fehlt es an Neugier oder Sensibilität, um sie zu verstehen.“

Martin Wylde Carter war der größte Dichter, den Guyana hervorgebracht hat, einer der größten Intellektuellen der Karibik. Zu vergleichen mit Derek Walcott, V S Naipaul, Wilson Harris, Ian McDonald, A J Seymour und Kamau Braithwaite. Seine Gedichte können mit Tagore, T S Eliot, Ezra Pound, W H Auden und W B Yeats verglichen werden. Seine politischen Gedichte formten den Protest gegen den britischen Kolonialismus und sprachen gegen Armut, Ungerechtigkeit und Entmenschlichung der Massen. / Stabroek News

Mandelstamjahr

Am 15.1.1916 feiert Rußland den 125. Geburtstag des Dichters Ossip Mandelstam. Die Feiern werden das ganze Jahr andauern, ja das Mandelstamjahr beginnt in diesem November mit dem traditionellen Festival in Woronesch, wo er mit seiner Frau Nadeshda lebte. Im Dezember eröffnet eine große Ausstellung im Staatlichen Literaturmuseum (25.12.-3.4.). Im Anschluß wird sie in seiner Geburtsstadt St. Petersburg gezeigt.

Das Festival trägt den Titel „Mandelstamstraße“*.

Bereits am 24.10. findet im Kinosaal des Kaufhauses GUM die Premiere eines Films von Roman Liberow statt, der Episoden aus dem tragischen Leben des Dichters zeigt. Der Film wird auch in Frankreich, Deutschland, Italien, Griechenland und Armenien gezeigt und natürlich in Rußland zwischen Petersburg und Wladiwostok. Auch erscheint eine Briefmarke mit dem Bild des 2008 in Woronesch eröffneten Mandelstamdenkmals. Zahlreiche Veranstaltungen wie Konferenzen, Wettbewerbe, Ausstellungen von Schüler- und Studentenarbeiten, Podiumsdiskussionen, ein Festival der Poesie, Führungen, Workshops, insgesamt mehr als 100 Veranstaltungen sind in Vorbereitung. / litcult.ru

*) Wie, mein Herr, heißt die Straße dort?
Ossip-Mandelstam-Straße.
Gottseibeiuns, was für ein Wort!
Es verdreht sich im Mund sofort:
Krumm klingt das, statt gerade.

Nie war an ihm eine Linie klar.
Wie er, Herr, nie eine Lilie war.
Darum heißt dort die Straße auch −
Besser: diese Kuhle im Schlamm −
Immer noch (Namen sind selten Rauch)
Nach ebendem Mandelstam.

Übersetzt von Rainer Kirsch

Todesfuge Chinesisch

Wie auf ein Stichwort rezitiert der chinesische Dissident und Flüchtling Liao Yiwu, Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels, Paul Celans „Todesfuge“, eines der erschütterndsten Gedichte des 20. Jahrhunderts. Rudolf Müller liest das Original, ruhig und klagend, und was dann folgt, ist nicht weniger als ein Erdbeben. Auf Chinesisch wird daraus eine Wutrede, vom heiseren Flüstern bis zum Schrei. Lyriker Liao Yiwu zieht eine Verbindungslinie zum Massaker auf dem Pekinger Platz des Himmlischen Friedens in seiner einstigen Heimat. Auch in der fremden Sprache macht die „schwarze Milch“ von Celan atemlos. / Rheinische Post

Lyrik wäscht sich nicht

Das neue Heft der in Prenzlauer Berg herausgegebenen Zeitschrift „Abwärts!“ nimmt die lockere Scheck-Bemerkung* zum Anlass für einen Generalangriff auf diese Kultur und wählt dafür das Leitmotiv: „Lyrik wäscht sich nicht“. Freunde und Mitarbeiter der Zeitschrift waren gebeten worden, zu der Frage Stellung zu nehmen, wie hygienisch Dichter und Gedichte sein sollen.

Das beigefügte Postscriptum stammt von Bertolt Brecht: „Waschen verdirbt das Talent“. Es entspricht der umwegigen Herangehensweise der Zeitschrift, dass sie ihr Thema auch jetzt nicht mit gängigen Etiketten versieht und damit leichter schematisierbar macht. Und doch tritt die Art selbstbewusste Marginalität, mit der ein nicht westdeutsch sozialisiertes Milieu auf den gesamtdeutschen Mainstream blickt, da deutlicher akzentuiert hervor, als man es seit langem gewohnt ist.

„Krank bin ich und ungewaschen / Oft lieg ich besoffen im Eck / Nur Kupfer und Dreck in den Taschen / Mein Herz ist ein Hassversteck“: So beginnt ein Gedicht des 1950 in Stendal geborenen Autors und Regisseurs Jörg-Michael Koerbl und schlägt dabei von vornherein den anti-optimistischen, anti-coolen Ton an, der das ganze Heft prägt. (…)

Und der 1966 in Karl-Marx-Stadt geborene Lyriker Jan Kuhlbrodt schlägt vor, dem „neuen Biedermeier“, das er für die Literatur der Bundesrepublik konstatiert, ein neues Barock mit einem „unreinen Konzeptionalismus“ folgen zu lassen: „Wie wenn maneinen halbverrotteten Zweig vom Komposthaufen abhebt und des Gewimmels gewahr wird, das darunter neues Leben verheißt“.

All das ist für „Abwärts!“ höchst programmatisch. Personell und ideell behauptet die Zeitschrift mit dem kargen, auf billigem Papier gedruckten Anti-Design eine direkte Kontinuität zum Beginn der neunziger Jahre, als der Ost-Berliner Dichter Bert Papenfuß die Zeitschrift „Sklaven“ gründete (F.A.Z. vom 19. Februar 1997), die sich nach internen Streitigkeiten in die „Sklaven“ und den „Sklavenaufstand“ aufspaltete und ihr „Kommissariat“ in der gleichfalls von Papenfuß und anderen geführten Kneipe „Torpedokäfer“ hatte. Die Namen sowohl der Kneipe wie der Zeitschrift gehen auf den Dadaisten, Spartakisten und Lebenskünstler Franz Jung (1888 bis 1963) zurück, dessen „aktive Apathie“ (Fritz Mierau) sich die Redakteure zum Vorbild erkoren. Das Umfeld blieb, die Namen wechselten: Auf die „Sklaven“ folgte die Zeitschrift „Gegner“, aus dieser ging im März 2014 „Abwärts!“ hervor (…) In einem programmatischen Text heißt es: „Seit den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts glaubt sich die westliche Welt in der Offensive, aber (. . .) sie ist nur übriggeblieben und überfällig.“ In einem Wort: „Es geht abwärts“. / Mark Siemons, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 6.9.

*) Denis Scheck, anläßlich der Nominierung Jan Wagners für den Preis der Leipziger Buchmesse 2015: „Jan Wagner schreibt wunderbare Gedichte über so gegensätzliche Themen wie den Giersch im Garten oder Koalabären, außerdem besitzt er perfekte Umgangsformen und nutzt sein Dichtertum nicht als Ausrede für schlechtes Benehmen und mangelnde Körperhygiene. Was kann man von einem Lyriker mehr erwarten?“ (Quelle)