Poetopie

ob gewünscht oder nicht – schon 2015 war für uns ein neues, neuartig fremdes Jahr

Hansjürgen Bulkowski

Starker Tobak

Mit seinem neuen Lyrikband setzt der 1977 geborene Daniel Falb Maßstäbe für die Qualität politisch und gesellschaftlich relevanter Poesie heute. Der in Berlin lebende und im kookbooks-Verlag beheimatete Autor hat Naturwissenschaften und Philosophie studiert. Mit französischen Klang hat Falk den Titel seines neuen Lyrikbandes „CEK“ unterlegt: „COÖPERATION EST KOÖRDINATION“.

Was auf den ersten Ton leicht ironisch klingt und verspielt daherkommt, ist starker Tobak: global gesellschaftskritisch, elegant in der Verknüpfung von Zeitgeschehen, Alltag, Philosophie und Naturwissenschaften. (…)

„CEK“ unterscheidet sich dabei von der seit den Sechzigerjahren mit warnenden Ausrufezeichen operierenden Ökolyrik, die sich an Einzelerscheinungen abarbeitet. Falb schreibt nämlich „Terrapoesie“: Geologie, Physik, Biologie und Archäologie hat Falb nach für die Lyrik brauchbaren Mustern abgeklopft und mit bildhaften Szenen, vorwärts drängenden erzählenden Passagen und Sprachbildern verknüpft – alles im Zusammenspiel von altsprachlichen, englischen, arabischen und französischen Zitaten und Zeichen.

Soviel Entgrenzung war nie. / Dorothea von Törne, Die Welt

Daniel Falb: CEK. Kookbooks, Berlin. 74 S., 19,90 €.

Glass! Love!! Perpetual Motion!!!

Paul Scheerbart, a German writer whose name is only now becoming familiar to English readers, a hundred years after his death. Scheerbart, born in 1863, was never a major figure in German letters. He was, rather, a literary bohemian—“a mainstay of cafe society” in Berlin, according to Christopher Turner, writing in the recent University of Chicago anthology Glass! Love!! Perpetual Motion!!!: A Paul Scheerbart Reader. Alcoholic, eccentric, and prolific, supported mainly by his wife, Scheerbart produced “over thirty major works and hundreds of minor works of staggering diversity.” But he had little commercial or critical success, and only a small audience appreciated his speculative science fiction or his wildly imaginative, futuristic manifestoes. These works—at least, the ones that have been translated into English so far—are driven by a technological utopianism so extreme, and yet so apparently earnest, as to make them tantalizingly strange.

 

Scheerbart often reads like an apocalyptic mystic out of the Middle Ages who was somehow transported to the age of railroads and telegraphs.New York Review of Books

Figure 23 from Paul Scheerbart's The Perpetual Motion Machine: The Story of an Invention, 1910Figure 23 from Paul Scheerbart’s The Perpetual Motion Machine: The Story of an Invention, 1910

Glass! Love!! Perpetual Motion!!!: A Paul Scheerbart Reader is published by the University of Chicago PressThe Perpetual Motion Machine and Rakkóx the Billionaire & The Great Race are published by Wakefield Press.

Schlecht übersetzt

Ein chinesischer Autor erregt die Gemüter in China (und Indien!) mit einer verfälschten Übersetzung von Rabindranath Tagores (Thakurs) Gedichten, die ihnen sexistische, pornographische Bedeutung einschreibt. Der Autor, Feng Tang, kann kein Bengali und benutzt offensichtlich ältere chinesische Übersetzungen für seine Fassung. In „Stray Birds“ (Herumirrende Vögel) heißt es in Fengs Übersetzung: „Die Welt öffnete den Hosenstall vor ihrem Geliebten“ („The world unzipped its pants in front of his lover.“). Die chinesischen Medien berichten (schreibt die Times of India), daß die korrekte chinesische Version laute: „Die Welt nimmt die Maske ihrer Unermeßlichkeit ab für ihren Geliebten“ („The world puts off its mask of vastness for its lover“). Schade allerdings, daß die englische Fassung nicht aus dem Chinesischen übersetzt ist, sondern im Wortlaut Tagores eigene Übersetzung ins Englische.

Tagore erhielt 1913 als erster Asiate den Literaturnobelpreis. Als im Jahr 2002 das Copyright erlosch, hieß es über die Lage im deutschen Sprachraum:

Aktuell sind in Deutschland nur wenige schmale Bände des Nobelpreisträgers in kleineren Verlagen erhältlich. „Um Tagore als Figur der Weltliteratur darzustellen, bedarf es anderer Anstrengungen“, sagte Kämpchen. Nur ein kleiner Teil des Gesamtschaffens von Tagore ist nach Darstellung des Übersetzers bisher überhaupt in deutschen Übertragungen zugänglich. Die Werke seien nicht selten tendenziös ausgewählt worden und meist schlecht übersetzt.

Zwei indische Leserkommentare:

„hang him instantly“

„In China little knowledge was never dangerous…“

Stray Birds in Tagores eigener Übersetzung

Reading poetry on Christmas

… might not be a widespread tradition, but maybe it should be. With all the clamor of kids playing with their new toys, family members catching up with one another and basketball blaring on the TV, it’s probably a good idea to reserve a little time to yourself.

If it’s all getting too much for you, feel free to sneak off to a quiet corner and enjoy some of these Christmas poems. / Michael Schaub, Los Angeles Times (mit Links zu 6 Texten, darunter [little tree] von e.e. cummings).

In Mainz im Müll im März

Die Wahrheit ist dann doch eher so wie in den Gedichten von Ror Wolf:

„Seit zwanzig Jahren das vertraute Schnaufen / in Mainz im Müll im März im dritten Stock, / im großen Zimmer wo ich hock im trock / im trocknen Rock beim Dichten und beim Saufen // Seit Jahren bin ich hier herumgelaufen, / wobei ich kalt an meiner Pfeife sog / Ich lief zwei dreimal um den Häuserblock, / um Brot und Bier und warme Wurst zu kaufen // Und zweimal dreimal viermal fünfzehnmal / lief ich in etwa achtundzwanzig Tagen / hinüber in das griechische Lokal // und saß danach mit angefülltem Magen / in Mainz im Müll im März ach: ganz egal, / im dritten Stock. Viel mehr ist nicht zu sagen.“ („Am oberen Rand des Topfes. Sonett.“ 2009)

Das ist Lyrik, die man eigentlich nur schreiben kann, wenn man Skeptiker und Stoiker, also ein grundvernünftiger Mensch ist: diese Schwermut, die sich einstellt, sobald man sich erinnert, dass man ein Naturding ist – etwas, das wächst, aber auch wieder welkt; und zugleich die seltsame Widersetzlichkeit, doch noch so etwas wie ein Gedicht zu schreiben, eine Geste der Autonomie, ein paar Zeilen lang. Es ist wie in diesem alten Popsong der Bee Gees, der die Teenage-Angst besingt: „I started a joke“, heißt es darin, „which started the whole world crying“. Bei Ror Wolf verhält es sich umgekehrt. Er erzählt einen Schmerz, aber alle schmunzeln darüber. / Peter Praschl, Die Welt

Ror Wolf
Die plötzlich hereinkriechende Kälte im Dezember
Gedichte
ISBN 9783895613067
Gebunden, 160 Seiten, 24,95 EUR

Alternative histories of poetry

Poetry is all but absent from Cultural Studies. Most treatments of the genre tend to focus on canonized poets whose work is wilfully difficult and obscure. Alternative histories should be explored, opening up possibilities to view poetry again as a culturally relevant art form. The demotic and popular strain provides a case in point. From the Romantics onwards modern poetry linked itself with oral or folk traditions like the ballad. Socially the most popular of these forms is the pop lyric. Since the 1950s rock lyrics have been studied in Social Studies, Cultural Studies, Musicology and some English Departments, but rarely within the context of Poetics or Comparative Literature. Rap and canonized singer-songwriters like Dylan and Cohen are the exceptions to the rule. Systematic attention to both lyrics and performance may open up current ideas of what a poem is and how it works.

/ Geert Buelens, Utrecht University/ Stellenbosch University: Lyricist’s Lyrical Lyrics: Widening the Scope of Poetry Studies by Claiming the Obvious

Paper from the Conference “Current Issues in European Cultural Studies”, organised by the Advanced Cultural Studies Institute of Sweden (ACSIS) in Norrköping 15-17 June 2011. Conference Proceedings published by Linköping University Electronic Press: http://www.ep.liu.se/ecp_home/index.en.aspx?issue=062. © The Author.

Twitteratur

Technische Neuerungen sind immer auch eine Chance für scheinbar überholte literarische Formen. Bisher bilden die kleinen Formen in jeder Systematik der Literaturwissenschaft neben Epik, Lyrik und Dramatik mit unterschiedlichen Bezeichnungen eine Randgruppe: Epigramm, Sprichwort, Prosagedicht, Kürzestgeschichte und selbstverständlich der Aphorismus. Dank des Kurznachrichtendienstes Twitter ist der althergebrachte Aphorismus in Form des Mikroblogging eine auflebende Form. Bestand die Modernität dieser Notate bisher in ihrer Operativität, so entspricht diese literarische Form im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit der Denkgenauigkeit der Spätmoderne. Es ist Twitteratur. Der in der Schwebe gelassene Sinn, die Produktion von Ambiguität – was für Roland Barthes Brecht im Theater geleistet hat, indem er die Sinnfrage zwischen Bühne und Zuschauerraum neu verteilte – findet sich in dieser Kunstform wieder. Wir stellen in dieser Twitteratur-Anthologie unterschiedliche Statements von und über Anja Wurm, Franz Kafka, Ulrich Bergmann, Karl Kraus, HEL, Karl Feldkamp, Jesko Hagen, Michel de Montaigne, A.J. Weigoni, Sophie Reyer, Tamara Kudryavtseva, Tom de Toys, Francisca Ricinski, Joanna Lisiak, Angelika Janz, Michael Gratz, Holger Benkel, sowie Haimo Hieronymus, Peter Meilchen und ein fulminates Nachwort von Denis Ulrich vor. Die Autoren bestehen in ihren Ausführungen darauf, daß auch eine alte Kunstform die neue Wirklichkeit entlarvend aufschließen kann. / mehr: Twitteratur, ein vorläufiges Resüme. Von

Empfehlungsliste

In der New York Times erklärt David Orr den Sinn von Listen:

Die in einem Kalenderjahr erscheinenden Gedichtbände nehmen gewöhnlich 18 Kubikfuß Raum ein, das entspricht etwa dem Fassungsvermögen eines durchschnittlichen Kühlschranks. Aber wenn man Literaturkritiker ist, kann man es sich wahrscheinlich nicht leisten, über längere Zeit jährlich das Volumen eines wichtigen Haushaltsgeräts einzubüßen. Deshalb muß man bis Ende Dezember entscheiden, was man wegwirft und was man behält.

Er beruft sich auf die Politik der New York Times, wonach keine Bücher von Freunden,Verwandten, Kollegen usw. aufgenommen werden. Außerdem habe er Bücher von Dichtern bevorzugt, über die er in den letzten Jahren nicht geschrieben hat.

Seine Liste empfehlenswerter Bücher des Jahres 2015 hat nur eine Überschneidung mit dieser Liste des Kansas City Star (keine Häme, zwei Listen sind besser als eine): 

  • Mary Jo Bang, “The Last Two Seconds.”

Die anderen Titel:

  • Christopher Gilbert, “Turning Into Dwelling.”
  • Linda Gregerson, “Prodigal: New and Selected Poems, 1976-2014.”
  • Marilyn Hacker, “A Stranger’s Mirror: New and Selected Poems, 1994-2014.”
  • Devin Johnston, “Far-Fetched.”
  • Troy Jollimore, “Syllabus of Errors.”
  • Robin Coste Lewis, “Voyage of the Sable Venus.”
  • Ada Limón, “Bright Dead Things.”
  • Cate Marvin, “Oracle.”
  • Lawrence Raab, “Mistaking Each Other for Ghosts.”

Absturz der Nationalkultur

Am 5. Dezember 1965 schreibt Kulturredakteur Klaus Höpcke im SED-Zentralorgan „Neues Deutschland“ bildkräftig  über die „Drahtharfe“:

„Was Wunder, dass Biermann in einem (…) Gedicht davon faselt, die Partei der Arbeiterklasse hacke sich die Füße ab. In Wirklichkeit handelt es sich um die tönernen Füße des Skeptizismus des Herrn Biermann. Er zerhackt die Verbindungen mit dem Volke, die Verbindungen mit der Partei. Er greift auch in den Draht seiner Harfe, um gehässige Strophen gegen unseren antifaschistischen Schutzwall und unsere Grenzsoldaten erklingen zu lassen. (…) Ist es etwa Zufall, dass solche Verse ausgerechnet in Westberlin gedruckt werden?

Nein, natürlich nicht. Ich nehme an, in Ostberlin warn keine Kapazitäten frei.

Ein anderer Literaturkritiker war der 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Halle, Horst Sindermann:

Könnte ein Volk den Absturz vertragen von Goethes ‚Edel sei der Mensch, hilfreich und gut‘ zu Biermanns Reimerei ‚Es war einmal ein Mann, der trat in einen Scheißhaufen‘.

Der Reim war mir gar nicht aufgefallen. Mir fehlte der Klassenstandpunkt. Unser Lehrer erklärte: „Es kann nicht sein, daß ein junger Dichter dichtet: ‚Es war einmal ein Mann, der trat in einen Scheißhaufen‘.“ Okay, das war auch die einzige Zeile, die er kannte. Literaturkritiker Sindermann erklärt die Nationalkultur, auch er bildkräftig, wieder anhand der Zeile mit dem Scheißhaufen:

Bei einem solch geistigen Absturz muss sich eine humanistische Nationalkultur den Hals brechen. Unweigerlich. Was aber ist an Biermann zu verunglimpfen, was er nicht selbst schon längst verunglimpft hätte. Angeblich haben wir seine Seele, die er als die Seele Francois Villon deklariert, auf der Mauer um Westberlin erschossen. Was legt er seine Seele zwischen Sozialismus und Imperialismus? Warum leidet seine Seele so großen Kummer? Nur weil wir drei imperialistische Armeen in Westberlin eingemauert haben, damit sie hier nicht das gleiche machen können, wie in Vietnam?“

Biermann rächte sich ruchlos:

Ach Sindermann, Du blinder Mann / Du richtest nur noch Schaden an / Du liegst nicht schief, Du liegst schon quer / Du machst mich populär

Der Westberliner Verleger Klaus Wagenbach 1993 im Interview:

„Nach der Veröffentlichung von Biermann kam ja der berühmte junge Journalist Höpcke und hat mir dieses unsittliche Angebot gemacht: Wenn Sie Biermann nicht weiterdrucken, können Sie die Lizenzen haben von allen DDR-Autoren die Sie haben wollen. Silvester 1965. Da ich das nicht gemacht habe, kriegte ich nicht nur die Lizenzen nicht, sondern ich kriegte auch ein Einreiseverbot und ein Durchreiseverbot. Das heißt, die Mauer drückte sich wirklich ein dreiviertel Jahr nach Verlagsgründung bei mir so aus, dass ich hier nur noch mit dem Flieger rauskam.“

Zitate aus Deutschlandfunk

Biermann, Wolf: Die Drahtharfe – Balladen, Gedichte, Lieder
Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1965

Ich – Dylan – Ich

Seelenverwandschaft, Wahlverwandschaft – Peter Wawerzinek schreibt über den großen walisischen Dichter Dylan Thomas, und schreibt dabei auch über sich selbst: „Ich – Dylan – Ich“ / BR

Last minute

Und warum keinen Gedichtband zu Weihnachten schenken? Ein bißchen Schönheit in dieser finstren Welt?

Et pourquoi pas un livre de poésie comme cadeau de Noël ? Un peu de beauté dans ce monde plutôt sinistre. Le poète-écrivain Pierre Thiollière vient de sortir un livre de poèmes «La vie pourtant… Poèmes pour un siècle nouveau». / La dépêche

12 Sätze

Ein böser Streit zweier Dichter, die ich bewundere (beide auch im polemischen Zugriff, wenn auch vielleicht nicht in jeder polemischen Windung) zuckt durch die Szene. Ich widerstehe der Versuchung, was auch immer „bezeichnende“ Stellen herauszupicken, sondern zitiere jeweils die ersten vier Sätze in umgekehrt chronologischer Folge.*

Ann Cotten: Antwort auf Gerhard Falkner
In: lyrikkritik.de

Lieber Gerhard,

einen bestürzenden Knäuel Gekränktheit hast du jetzt ausgespuckt zwei Jahre nach dem Aufsatz über ein paar Gedichte von dir in Text und Kritik, den ich auf deine Anfrage hin über dich schrieb im dich ehrenden Band. Inzwischen habe ich deine Ignatien getreulich übersetzt, die in Manfred Rothenbergers starfruit press erschienen, mit im Grunde der selben relativ gleichmütigen Haltung, die ich dir gegenüber allgemein hege. Auf der Ebene, wo du dich hier bewegst, möchte ich mich nicht aufhalten. Gehässiges Geschnatter, seniles Getue.

Gerhard Falkner: Ann Cottens Schwuppdiwuppismus
Antwort auf Ann Cottens Beitrag: Katachresen.
Beobachtungen an Gedichten von Gerhard Falkner | Text + Kritik. In: Poetenladen

Um erst gar keinen falschen Eindruck entstehen zu lassen, ich liebe Ann Cotten; (als Autorin). Jeden­falls hin und wieder. Ich würde auch mit ihr ins Bett gehen, wenn das dazu beitragen würde, ihre aber­witzigen Speku­lationen über meine Sexualität zu über­winden.

Aber gerade, weil ich sie als Dichterin zu den doch gegenwärtig Interessanten zähle, möchte ich ihren – gern diskutierten und zitier­ten – Beitrag im kürzlich erschie­nenen Text + Kritik-Heft über „mein Werk“ einem kritischen Blick unterziehen.

Ann Cotten: Katachresen
– Beobachtungen an Gedichten von Gerhard Falkner. –
In: Text+Kritik. Heft 198. Gerhard Falkner, edition text + kritik, April 2013. Auszug bei Planet Lyrik

Vermutlich bin ich die jüngste Falkner-Leserin in diesem Band. Davon darf man sich mit Fug einen frischen und, sage ich Ihnen, unvoreingenommenen Blick auf die Gedichte von Gerhard Falkner versprechen. Im Folgenden habe ich einige ,Patentmethoden‘ des Autors, die mich interessieren, zu benennen und anschaulich zu machen versucht. Diese – die Zotenpointe, das Husarenstück und die fickende Uhr – erscheinen eingebettet in ein Weltmodell, das mich diese Gedichte erahnen lassen.

*) Ich beschloß das mit den vier Sätzen nach ratlos-verstörtem (Wieder-)Lesen der Texte, ohne mich in dem Moment an diese jeweiligen Sätze zu erinnern, erschrak dann als ich das Ergebnis sah – aber ich bleibe jetzt dabei. Der Einstieg in einen Text repräsentiert diesen ja schon, wenn auch wohl meist nicht metaphorisch (im Sinne von Jakobsons Unterscheidung von Metapher und Metonymie).

In Gott

STANDARD: Lassen Sie mich unser Gespräch mit Goethe beginnen. „Wenn Islam Ergebenheit in Gottes Willen heißt, / In Islam leben und sterben wir alle …“, schrieb er im „West-östlichen Divan“.* Stimmen Sie ihm zu?

Ahmad Milad Karimi: Voll und ganz. Ich lebe, was Goethe dichtete. Diese Hingabe in Gott befreit mich als Mensch. / Der Standard

*) Genauer gesagt:

Närrisch, daß jeder in seinem Falle
Seine besondere Meinung preist!
Wenn Islam Gott ergeben heißt,
In Islam leben und sterben wir alle.

(Aus dem Hikmet Nameh. Buch der Sprüche)

Best poetry books of 2015

▪ “Conflict Resolution for Holy Beings,” by Joy Harjo (Norton). … She is a member of the Muscogee Creek Nation of Oklahoma and uses her heritage to prove poetry transcends despair.

▪ “Felicity,” by Mary Oliver (Penguin). …

▪ “How to Be Drawn,” by Terrance Hayes (Penguin). African-American legacies underpin this book that is as broad, deep and swift as the Mississippi. The poet’s online notes include songs, books, photographs, newspapers and videos.

▪ “The Last Two Seconds,” by Mary Jo Bang (Graywolf). …

▪ “Memories,” by Lang Leav (Andrews McMeel). …

▪ “My Secret Wars of 1984,” by Dennis Etzel Jr. (Blazevox). … He mixes 1984 texts from Marvel comics, Ronald Reagan, feminist writings and George Orwell.

▪ “Report to the Department of the Interior: Poems,” by Diane Glancy (University of New Mexico Press). Glancy’s versified history, or docu-poetry, stretches from the first Native American prison school to Red Lake Reservation shootings of 2005.

▪ “Scattered at Sea,” by Amy Gerstler (Penguin). … Gerstler shows what to do with gazillions of factoids accumulating in the age of the Internet. She collages them in exuberant verse scrapbooks.

▪ “A Small Story About the Sky,” by Alberto Rios (Copper Canyon Press). The first poet laureate of Arizona writes lyrical works about the Mexico-United States border. …

▪ “Twelve Clocks,” by Julie Sophia Paegle (University of Arizona Press). …

▪ “War of the Foxes,” by Richard Siken (Copper Canyon Press). …

/ The Kansas City Star