Kategorie: Deutsch

»Den speisest du, den du, den ich.«

Die Drei Drei Reiter nach verlorner Schlacht, Wie reiten sie so sacht, so sacht! Aus tiefen Wunden quillt das Blut, Es spürt das Roß die warme Flut. Vom Sattel tropft das Blut, vom Zaum, Und spült hinunter Staub und Schaum. Die Rosse schreiten sanft… Continue Reading „»Den speisest du, den du, den ich.«“

Wer lieben wil / mus nicht so blöde seyn

HJer hab ich nun mein sehnliches Verlangen : hier liegt mein Lieb / hier ligt mein ander ich : hier giebt das Glück sich selbst gefangen mich[1] : hier mag ich nun mein Lieb vielmahl umfangen : ¶ hier mag ich nun auch küssen… Continue Reading „Wer lieben wil / mus nicht so blöde seyn“

Röschen

Joachim Ringelnatz (7. August 1883 Wurzen – 17. November 1934 Berlin) Ein Liebesnachts-Wörtchen Ja – – ja! – -ja!! – – ja!!! – – Du hast so süße Höschen. Nun sind wir allein. Und es ist Nacht. Ach hätte ich Dir doch ein Röschen… Continue Reading „Röschen“

Hört weg!

Christa Reinig (6. August 1926 Berlin – 30. September 2008 München) HÖRT WEG! kein wort soll mehr von aufbau sein kein wort mehr von arbeit und altersrente hört weg – ihr helden – ich rede allein für asoziale elemente für arbeiter die nicht mehr… Continue Reading „Hört weg!“

Ein deutscher Dichter gallisch-alemannischen Geblüts

René Schickele (1883-1940) Sonnenuntergang Ich stieg vom Keller Bis unters Dach, Immer heller war das Gemach, Die Stadt, sonst verdrossen, Hob Kuppeln aus Gold, Es glühten die Gossen Wie Adern von Gold. Die Felder brandeten, Meer in Meer, Vögel landeten, Von Feuer schwer, Auf… Continue Reading „Ein deutscher Dichter gallisch-alemannischen Geblüts“

Merlin

Weil das Volk seine Reden alle wieder erfuhr, und jener Mann ihn auf die Probe zu stellen gedachte, beschloß Merlin, nun nicht mehr so offen zu sprechen, sondern alle seine Sprüche und Worte wurden nun dunkler und man verstand sie erst, nachdem sie eingetroffen.… Continue Reading „Merlin“

Dänholmer Dichterstreit

Dänholm ist eine kleine Insel zwischen Stralsund und der großen Insel Rügen. Vor 15 Jahren beobachtete ich dort in einer trostlosen Bushaltstelle einen Dichterwettstreit zwischen rechten (Nazis) und linken („Zecken“) Jugendlichen in Gestalt zweier als Graffiti an die Wände geschriebenen Vierzeiler. Dieses Stück politischer… Continue Reading „Dänholmer Dichterstreit“

Finde fünf Unterschiede!

In meiner Anthologie, in der ich ein paar Jahre vor Gründung der Lyrikzeitung Gedichte veröffentlichte, gab es die Rubriken: (Die Namen sind Farben der damaligen Apple-Farbpalette). Heute: Zement. Finde heraus, warum Text Nummer 1 nach Heinrich Heine klingt (Auszug aus dem Gedicht Himmelfahrt), Text… Continue Reading „Finde fünf Unterschiede!“

Batzal

Gleich noch einmal Ernst Jandl, etwas zum Thema „Die Lyrik als Ausdruck“: HOHES UND NIEDRIGES aus aian orphischn oaschloch druckts es maunchmoe a batzal nemtsas glei auf de zungen olle lyrik gheat gsungen Die ersten drei Verse sind durch eine Zäsur vom vierten Vers… Continue Reading „Batzal“

Ernst Jandls Sommerlied

Erster August ist Jandltag. sommerlied wir sind die menschen auf den wiesen bald sind wir menschen unter den wiesen und werden wiesen, und werden wald das wird ein heiterer landaufenthalt Aus: Ernst Jandl: dingfest. gedichte. mit einem nachwort von hans mayer. Darmstadt und Neuwied:… Continue Reading „Ernst Jandls Sommerlied“

In lauen Sommernächten

Heute ein Sommergedicht von Georg Weerth (17. Februar 1822 Detmold – 30. Juli 1856 Havanna, Kuba). Weerth beteiligt sich an revolutionären Umtrieben in Paris und in Deutschland. Nach dem Scheitern der Revolution rächte sich das Establishment und sperrte ihn unter einem Vorwand für fünf… Continue Reading „In lauen Sommernächten“

Der Juli

Von Erich Kästner (23. Februar 1899 Dresden – 29. Juli 1974 München) das siebte seiner dreizehn Monatsgedichte, eindeutig ein Sommergedicht. Der Juli Still ruht die Stadt. Es wogt die Flur. Die Menschheit geht auf Reisen oder wandert sehr oder wandelt nur. Und die Bauern… Continue Reading „Der Juli“

Der Meister vom Stuhle

Eine Goetheparodie von Clemens Brentano, der heute vor 175 Jahren, am 28. Juli 1842, starb. Es saß der Meister vom Stuhle, Gar frech im eignen Kot, Wer wagt sich zu dem Pfuhle, Es tun ihm Prügel not, Wer schmeißt mich über und über, Wer… Continue Reading „Der Meister vom Stuhle“

Improvisation

Karoline von Günderrode nahm sich am 26. Juli 1806 in Winkel im Rheingau das Leben. Liebst du das Dunkel mündliche Improvisation, niedergeschrieben von Bettina Brentano Liebst du das Dunkel Tauigter Nächte? Graut dir der Morgen, Starrst du ins Spätrot, Seufzest beim Mahle, Stößest den… Continue Reading „Improvisation“

Wenn man zum Kuß den Mund hinhält

Und noch ein Sommer- und Kußgedicht. Max Dauthendey Die Herzensfrau Der Mittag liegt mit mir im Gras, Die Wolken ziehn tiefblaue Straß, Die Welt ist grün und weiß und blau, Zu mir setzt sich die Herzensfrau. „Rot,“ spricht sie, „ist die ganze Welt, Wenn… Continue Reading „Wenn man zum Kuß den Mund hinhält“