Noch mehr Lyrik

Lyrik erlebt derzeit ein Hoch: Der Leipziger Buchpreis an Jan Wagner, Festivals wie die Frankfurter Lyriktage (10.-20. Juni), eine sehr lebendige Szene, engagierte Verlage und Sortimenter sind Indizien und Beweise dafür, dass die Gattung auch beim Publikum besonders geschätzt wird. Dem Buchhandel in der Breite wäre zu wünschen, dass er mehr mit dem poetischen Pfund wuchert. Eine Lagebeschreibung von Michael Roesler-Graichen, Börsenblatt

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Martin Hielscher, Programmleiter Belletristik bei C. H. Beck, sieht etwa fünf bis sechs verschiedene Strategien am Werk, die sich entweder einer offenen, lockeren Erzählform bedienen oder aber strengere, klassische Stilmittel wie den Reim oder Formen wie das Sonett wählen. Während der größere Teil der Gegenwartslyrik „dezidiert antihermetisch“ sei, gebe es auch Vertreter einer sehr verschlüsselten Lyrik, die häufig an das Werk Thomas Klings anknüpfe, beispielsweise die Dichtung Monika Rincks; andere Lyriker hingegen könne man eher zu den epigonalen Vertretern dieser Richtung rechnen.

Bei dieser Art Dichtung finde man einen unzugänglich wirkenden „geschlossenen Raum vor, den man nur auf Zehenspitzen betreten darf“. Andererseits gebe es Konzept­lyriker wie Nico Bleutge (bei C. H. Beck), die sich bewusst mit Erinnerungsspuren in Landschaften beschäftigen und auf ihre Weise das Landschaftsgedicht neu erfunden haben.

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Heinrich Detering, Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und selbst Lyriker (zuletzt im März bei Wallstein erschienen: „Wundertiere. Gedichte“), sieht ebenfalls die verschiedenen Schreibweisen im Konzert der Lyriker und beobachtet zugleich, dass die Fraktionsbildung in der deutschsprachigen Gegenwartslyrik rückläufig sei. Dafür spreche etwa, dass die Leipziger Auszeichnung für Jan Wagner von Kollegen unterschiedlicher Couleur begrüßt worden sei.

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Was aber soll der Buchhandel tun? Er könnte zum Beispiel, so der in Kiel lebende Dichter Arne Rautenberg (zuletzt erschienen: „seltene erden“, Edition Voss / Horlemann), „in einem Lyrikregal eine gut sortierte Auswahl an Gedichtbänden bereithalten, stolz darauf sein und bei passender Gelegenheit darauf verweisen„.

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