1. Reimzeug

Bei aller Liebe zur deutschen Sprache fällt doch unangenehm auf, wie viele unserer Wörter auf der hässlichen Nachsilbe -zeug enden: So sagen wir Werkzeug, Spielzeug, Flugzeug, Schlagzeug, wo etwa das Englische tool, toy, plane und drums verwendet. Allein der Verlust für die Lyrik ist unübersehbar, wenn man überlegt, dass sich auf die genannten englischen Wörter etwa fool, boy, insane und bums reimen, womit jede Menge Assoziationen geweckt, ja ganze Pop-Opern angedeutet werden.

Auf Bettzeug, Badezeug, Fahrzeug, Flickzeug, Handwerkszeug, Regenzeug, Schreibzeug, Schuhputzzeug, Unterzeug, Zaumzeug usw. jedoch reimt sich eigentlich gar nichts. Sie sind lyrische Sackgassen. / Alan Posener, Die Welt

4 Comments on “1. Reimzeug

  1. reine reime finden ist ein sport, wie anagramme basteln oder formen bedienen oder text aus textbausteinen oder wörter finden bzw. -erfinden;
    es ist ein arbeitsschritt / eine methode, für einen text, der wiederum was präsent- oder repräsentiert ob er nun will oder nicht (so nach kloppstock
    bis enzensberger) und damit auch ein weit größerer spaß für den autor, als für seine leser oder hörer.

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  2. Wenn nun wie luschig auch immer auf eine Heideggerkritik angespielt wird, in welcher Richtung ich sie auch sehen würde (ich finde Heideggers Texte über Hölderlin mehr Heidegger als Hölderlin) dann halte ich das für einen Fortschritt, denn früher bekam man für solche Kritik gerade von derartigen Kulturwarten ordentlich auf die Mütz. Die Geschichte mit dem Reim halte ich allerdings auch mehr für einen Witz, denn Dichtung neigt oft zur Konkretion und es ist meist sowieso besser einen Hammer zu nehmen, als ein Werkzeug. Überdies gilt sie nur für reine Reime, auf die sich die Gernhards dieser Welt (im Gegensatz zu Gernhard oder Heine) angewiesen fühlen.

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  3. Hm … über-zeugt mich nicht! Reimzeug ist lässig ^^

    Sackgassen sind doch wichtig für den Schaffensprozess und mit Sprache kann man mehr als Reimen

    Scheinbar böses Zeug (πράγμα) das wir von den Griechen haben – Herr Pos(en)ers Keule gegen Heidegger:
    Ich glaub Heidegger wusste auch, dass die Sprache mehr kann als Reimen. Wer sagt sonst: „Die Sprache ist das Haus des Seins“.
    Mochte der Heidegger nicht auch Hölderlin?

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