17. Falsche Freunde

Rolf Dieter Brinkmann und Ralf Rainer Rygulla experimentierten in den sechziger Jahren mit Oberflächenübersetzungen: Übertragungen von Texten rein nach ihrem Klang und ohne Kenntnis der Originalsprache – so wurde etwa aus Appollinaires „La jolie rousse“, also „Die hübsche Rothaarige“, im Deutschen „Der joviale Russe“.

Aus diesem Geiste kommt auch Uljana Wolfs Wörterbuch „für falsche freunde“. Der Klangreichtum aus Alliterationen und Binnenreimen, der genau komponierte Rhythmus machen die Texte zu verführerischen Miniaturen. Gleichzeitig öffnen sich durch das Falschverstehen und Wörtlichnehmen, durch die Verschiebung von Redensarten und die Vermischung von Sprachen neue Assoziationsräume. …

„Falsche Freunde“ ist ein kunstvolles Spiel mit den Fallstricken der Sprache. Man kann sich darin spielend verheddern – oder innehalten und andere, zweite Wahrheiten entdecken./ Ulrich Rüdenauer, Tagesspiegel 4.2.

Uljana Wolf:
falsche freunde.
Gedichte. kookbooks Verlag. Idstein 2009. 88 Seiten, 19,90 €.

3 Comments on “17. Falsche Freunde

  1. und wieder ein kommentar im spamfilter gelandet 🙂 vielleicht findest du ihn ja, michael? ich glaube, ich weiß warum: es passiert immer, wenn ich eine NEUE webseite eintrage! ein technisches muß aus sicherheitsgründen? mein kommentar bezieht sich auf die phonetische übersetzung „vom deutschen ins deutsche“ als spielart der brinkmannschen experimente – eine G&GN-azubi hat das mal zur übung machen müssen…

    DNÄ (Der Nachäffer), 7.3.99
    (inspiriert durch R.M.Rilke: „BUDDHA IN DER GLORIE“)
    ÜBERSTROM (BRAUCHBARER GLAUBE)

    http://www.wulle.de/GGN/DerNachaeffer/ueberstrom.html

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  2. daß brinkmann sowas gemacht hat, wußte ich gar nicht, danke für den hinweis! eine andere spielart der phonetischen annäherung verfolgte vor einigen jahren ein mitarbeiter des G&GN-Instituts als auftragsarbeit: vm deutschen ins deutsche übersetzt 🙂 DNÄ übertrug meine lieblingsgedichte von RILKE in ein phonetisches update, aber inhaltlich aktualisiert, wobei sich der gleichklang der wörter manchmal nur an den anfangsbuchstaben entlanghngelt (als wären diese die noten der melodie oder ersten stimme), manchmal auch an gleichen reim-endungen. als beispiel möge dieses eine hier angeführt sein, das sich auch im G&GN-Archiv online befindet:

    http://www.wulle.de/GGN/DerNachaeffer/ueberstrom.html

    DNÄ (Der Nachäffer), 7.3.1999:

    ÜBERSTROM (BRAUCHBARER GLAUBE)

    Mitten ohne Mitte, kernlos klein,
    Menschen, die sich öffnen statt versauern, –
    diese alle bis ins Steueramt
    sind deine Freunde: Seid gegrüßt !

    Seht, wir feiern, alles mit den nackten Händen;
    im Unglaublichen ist reine Schönheit,
    unser Ort strömt voller Sachen über.
    Und von innen heilen ihn Gespräche,

    denn ganz unten warten keine Särge
    leer und gläsern überdreht.
    Noch wirkt echtes Sein besonders,
    bis ihr in den Strom eingeht.

    Rainer Maria Rilke:

    BUDDHA IN DER GLORIE

    Mitte aller Mitten, Kern der Kerne,
    Mandel, die sich einschließt und versüßt, –
    dieses alles bis an alle Sterne
    ist dein Fruchtfleisch: Sei gegrüßt.

    Sieh, du fühlst, wie nichts mehr an dir hängt;
    im Unendlichen ist deine Schale,
    und dort steht der starke Saft und drängt.
    Und von außen hilft ihm ein Gestrahle,

    denn ganz oben werden deine Sonnen
    voll und glühend umgedreht.
    Doch in dir ist schon begonnen,
    was die Sonnen übersteht.

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