104. Preis für Herbert Kuhner

Der Theodor-Kramer-Preis für Schreiben im Widerstand und Exil geht heuer an den Wiener Autor Herbert Kuhner. Dies teilte die verleihende Theodor Kramer Gesellschaft am Montag in einer Aussendung mit. Die mit 7.300 Euro dotierte Auszeichnung wird am 13. September im niederösterreichischen Niederhollabrunn überreicht. / Der Standard

102. Nicht schlimm

Das war’s also. Ich hatte 97 Minuten und 25 Sekunden gebraucht. In meiner Altersgruppe wurde ich die Letzte. Nach mir kamen noch vier Schwimmerinnen und ein Schwimmer ins Ziel. Ich hörte mich sagen: Es ist gar nicht schlimm, die Letzte zu sein. (Ilse Kilic, Album, DER STANDARD, 23./24.8.2014)

Ilse Kilic, geboren 1958, lebt im Fröhlichen Wohnzimmer in Wien (www.dfw.at).

Zuletzt erschienen: “Du siehst ja noch ganz gut aus. Ein Comic vom Älterwerden” (gemeinsam mit Fritz Widhalm)

101. Werner Liersch gestorben

Der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Werner Liersch starb am 23.8. im Alter von 81 Jahren.

Liersch wurde am 23.9. 1932 in Berlin geboren. Er war ein bekannter DDR-Literaturkritiker, 1982 erhielt er den Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste der DDR.Von 1987 bis 1990 gehörte er der Jury des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs in Klagenfurt an. 1990-1992 war er Chefredakteur der Zeitschrift “Neue Deutsche Literatur”.  Zuletzt erschien von ihm der Gedichtband “Stille finden. Brandenburg im Gedicht” (2014).

“Liersch sorgte 2008 für Schlagzeilen, als er aufdeckte, dass der Schriftsteller Erwin Strittmatter (“Der Laden”) im Zweiten Weltkrieg in einer SS-Polizeieinheit gedient hatte. Ein Skandal, denn der Star-Autor der DDR hatte sich stets als Antifaschist und Deserteur stilisiert.” / Der Standard

100. Sweethearts oder Bukowski in Iran

Nach iranischen Medienberichten werden Liebesgedichte von Charles Bukowski über Alkohol, Sex und die Outsider der Gesellschaft zum ersten Mal in Iran veröffentlicht.

Der Verlag Sarzamin-e Ahurayi sagte, er wird die Gedichte, welche der Schriftsteller Alireza Behnam ins Persische übersetzt hat, veröffentlichen. Es war jedoch nicht bekannt, wie genau die Übersetzungen den Originalen entsprechen.

Bücher in Iran benötigen die Zustimmung zur Veröffentlichung des Ministeriums für Kultur und islamische Unterweisung. Es hat strenge Kriterien für die Veröffentlichung erhoben, insbesondere hinsichtlich erotischer Inhalte. Solche Bücher sind verboten, die erotischen Passagen werden entfernt oder islamkonform umgeschrieben.

Die Genehmigung des Ministeriums kann auch nach der Veröffentlichung eines Buches zurückgenommen werden. Genau das war dem Roman von Gabriel Garcia Marquez mit dem Titel Erinnerungen an meine traurigen Huren. “Whores” im Titel wurde in “Sweethearts” umgeändert, um die Genehmigung für die Veröffentlichung zu erhalten, aber es wurde danach dennoch verboten, denn das Ministerium nannte es unmoralisch und behauptete, es fördere die Prostitution. Das Verbot weckte damals erst recht das Interesse der Iraner an diesem Buch, das dann für den doppelten Preis auf dem Schwarzmarkt verkauft wurde. / پارسه و پارسه   Pârse&Pârse

 

99. Gerald Zschorsch

Das hätte man 1989 zitieren können: „Und warten nah der Grenze/mit Lied und mit Gedicht/dass durch die vielen Strophen/die Mauer einmal bricht.“ „Grenzübertritt“ heißt das Poem mit seinem prophetischen Hoffnungsüberschuss. Es wurde zuerst 1977 in Gerald Zschorschs lyrischem Debüt Glaubt bloß nicht dass ich traurig bin abgedruckt und erschien noch einmal in der poetischen Gesamtschau Torhäuser des Glücks. Bündig sind die frühen Gedichte. Isoliert stehen sie im Kanon der Siebzigerjahre, einer von Aufbruch und Restauration bestimmten Zeit. Und doch nicht so isoliert, um der einschlägigen, den Topos der Vereinzelung feiernden Legendenbildung Vorschub zu leisten. (…) Immerhin weiß er inzwischen, dass Mielke persönlich eine paranoide Notiz über ihn verfasste, mit der Zschorsch als Überzeugungstäter und „sehr gefährlich“ zu einer Bedeutung kam, die er in der gesamtdeutschen Kultur bestimmt nicht mehr erlangen wird. / Freitag-Nutzerbeitrag von Jamal Tuschick

98. Preis für Robert Hass

Die Akademie der amerikanischen Dichter verlieh am Dienstag den mit 100.000 $ dotierten Wallace-Stevens-Preis an Robert Hass für sein Gesamtwerk. Der 73jährige Dichter war der Poet laureate der Vereinigten Staaten von 1995-97 und ist Träger des Pulitzerpreises. Bekannt sind seine Gedichtbände Time and materials und The apple trees at Olema.

Er ist auch Kritiker und Übersetzer, so des polnischen Dichters Czesław Miłosz und der japanischen Haikumeister Basho, Buson und Issa.

In Kanada gibt es seit 2001 das Amt des Offiziellen Dichters des Parlaments. Gegenwärtig hat der Quebecer Michel Pleau das Amt inne. / ICI Radio-Canada