77. Büchnerpreis für Jürgen Becker

“Wir ehren ihn nicht nur im Rückblick, sondern auch im Hinblick darauf, dass er immer noch ein außerordentlich produktiver und innovativer Autor ist”, so Heinrich Detering, Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in einem Gespräch mit der Deutschen Welle. Gerade auf diesen Aspekt hätte die Akademie besonderen Wert gelegt, so Detering. Der 1932 in Köln geborene Becker hat sich noch lange nicht aufs Altenteil zurückgezogen. Er schreibt fleißig weiter.

Und dass er auch noch viel Einfluss ausübt auf Jüngere, dass er also auch “innovativ” ist, wurde bei der Frankfurter Buchmesse gerade noch einmal sehr deutlich. Becker stellte dort ein Buch zweier Germanisten vor, das besonders auf sein Frühwerk eingeht. Das war in den 1960er Jahren vom Zusammenspiel der verschiedenen Künste, Dichtung, Malerei und Collage, bildende Kunst und moderne Musik geprägt. Avantgardistisch und revolutionär, mutig und sperrig waren diese erste Texte Beckers – vieles, was heute als dichterische Avantgarde gilt, wirkt dagegen bieder.

(…)

In der Preisbegründung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung heißt es nun, Becker habe “die Gattungsgrenzen von Lyrik und Prosa beharrlich neu vermessen und verändert. Seine Gedichte leben aus einer sensiblen, sinnlichen, neugierigen Weltzugewandtheit und einer vollendeten, dabei ganz unaufdringlichen Sprachkunst.” Bei aller bildlichen Brillanz und aller Lust am leuchtenden Detail der umgebenden Natur erkunde sie stets eine von den Spuren der Geschichte und ihrer Katastrophen gezeichneten Landschaft. Jürgen Becker mag mit seinen nunmehr 82 Jahren ein ungewöhnlicher und beim breiteren Lesepublikum wenig bekannter Autor sein, ein würdiger ist er allemal. / Jochen Kürten, Deutsche Welle

Zum Weiterlesen: Anne-Rose Meyer-Eisenhut und Burkhard Meyer-Sickendiek: “Fluxus und/als Literatur – Zum Werk Jürgen Beckers”, Verlag edition text + kritik, 978-3-86916-325-3. Beim gleichen Verlag liegt die Zeitschrift für Literatur vor, der Band VII/03 widmet sich dem Werk Beckers. Dort schreibt auch Buchpreisträger Lutz Seiler über den Büchner-Preisträger 2014. Die Auszeichnung wurde Jürgen Becker heute im Rahmen der Herbsttagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verliehen.

76. Jüdischsein

Ist es für Sie schwierig, Ihr Jüdischsein in eigene Worte zu fassen?

Nein, jedoch setze ich mich in den Büchern, die ich schreibe, mit meiner jüdischen Identität auseinander. »Four Jews on Parnassus« etwa, das ich zu einer Zeit schrieb, in der ich wusste, dass meine Frau Diane Middlebrook an Krebs sterben würde, stellt die Herangehensweisen von vier jüdischen Intellektuellen, Benjamin, Adorno, Scholem und Schönberg, an ihre jüdische Identität dar; Walter Benjamin, der jüdische Deutsche oder deutsche Jude, der Zionist Gershom Scholem, dann Arnold Schönberg, der zum Protestantismus konvertierte und später wieder dem Judentum beitrat; ich selber habe mein Jüdischsein zwar nicht verneint, aber lange versteckt.

Im Wien meiner Kindheit vor unserer Flucht vor den Nazis waren wir »Weihnachtsbaum-Juden« – wir feierten kein Chanukka, aber stellten einen Weihnachtsbaum auf – ohne Christus. Als ich dann als traumatisierter Teenager und jüdischer Flüchtling in die USA kam, vermutete ich Antisemitismus an Orten, an denen er kaum existierte, oder erlebte seine amerikanisch-akademische Ausprägung. Damals gab es zum Beispiel an der Columbia University – in New York, der jüdischsten aller Städte – einen Numerus clausus, der besagte, dass nur zehn Prozent aller Medizinstudenten jüdisch sein durften. Harvard nahm bis 1938 keine jüdischen Professoren für englische Literatur auf, weil man dachte, Juden gehörten nicht zur englischen Kultur und könnten keine englische Literatur interpretieren. Die Chemie war lange ein antisemitisches Fach; während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es an führenden Universitäten nur eine Handvoll jüdischer Chemieprofessoren. Ich bin also nie mit meinem Jüdischsein hausieren gegangen; für viele klang mein Nachname »Djerassi« arabisch.

/ SARAH PINES: Carl Djerassi, der Entwickler der ersten Antibabypille, im Gespräch mit Sarah Pines über Sex, Chemie und seine Gedichte, Jungle World

75. Mongolische Lyrik-CD

Einen Eindruck von ihren Gedichten hat die gebürtige Mongolin Solongo Treml den Meringern bereits bei der Paarkunst vermittelt. Mit den Lyrikübertragungen aus ihrer Muttersprache ins Deutsche hat sie eine ganze CD zusammengestellt. Zur offiziellen Vorstellung am 7. November findet ein großer Festakt in der mongolischen Botschaft in Berlin statt.

Solongo Treml lernte schon seit ihrem neunten Lebensjahr Deutsch bei Missionaren. / Meringerin verfasst deutsch-mongolische Lyrik-CD – weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine

74. Feldkircher Anthologie

Der Feldkircher Lyrikpreis, eine Initiative der Autorin und Literaturvermittlerin Erika Kronabitter gemeinsam mit dem Theater am Saumarkt, wird bereits seit 2003 international ausgeschrieben und soll deutschsprachige Lyrik auszeichnen.
Die Lyrik-Anthologie „Feldkircher Lyrikpreis“ erscheint jedes Jahr parallel zur Preisverleihung des Feldkircher Lyrikpreises Anfang November und gibt einen sehr reizvollen Einblick in die zeitgenössische Lyrikproduktion, denn neben Gedichten der drei Preisträger umfasst sie noch eine exklusive Auswahl an preiswürdiger Lyrik. / Vorarlberger Nachrichten

Erika Kronabitter (Hg.): „Lyrik der Gegenwart, Feldkircher Lyrikpreis 2013“, 174 S., Verlag Edition Art Science.

73. Teppich aus Luft

Gedichte von Hans Raimund aus unterschiedlichen Werkphasen hat die burgenländische “edition lex liszt” in einem aus mehreren Gründen beachtenswerten Sammelband (“Auf einem Teppich aus Luft / On a carpet made of air”) vereint. Keine “Best-of”-Blütenlese, sondern eine subjektive, vom Autor selbst getroffene, englischsprachigen Übersetzungen gegenübergestellte und in Zyklen gefasste Auswahl.

Die mühsame und oft unbedankte Praxis des Übersetzens und die Reflexion über Grenzen von Übersetzbarkeit, speziell bei Lyrik, beschäftigen den in Petzelsdorf (Bezirk Scheibbs) geborenen Niederösterreicher seit jeher. Umso reizvoller ist es nun, sorgfältige Mittel und entsprechende Zugänge mit ihm befreundeter Autoren und Übersetzer (Timothy O’Brien, David Chorlton, Robert Dassanowsky, Vera Neuroth und Christopher Whyte) zu erkunden. / Kleine Zeitung

72. Kosovarisches Lyrikertreffen

Die Einladung aus Prizren, einen Binger Lyriker zum Lyriktreffen „Takimet e Gjeçovit“ zu entsenden, ist bestes Beispiel für einen lebhaften Austausch. Auch Oberbürgermeister Thomas Feser begrüßt diese Form des kulturellen Diskurses, u.a. ein Ergebnis seines letzten Besuchs in der Partnerstadt im Juli dieses Jahres. Der Binger Lyriker Sören Heim, der auch für die AZ schreibt, hat nun die Reise angetreten und das 43. Lyriktreffen „Takimet e Gjeçovit“ besucht.

Bei diesem renommiertem Lyriktreffen in Gedenken an Shtjefën Gjeçovi, einen katholischen Mönch und Autor, haben kosovarische und albanische Autoren und Gastautoren, darunter der Binger Sören Heim, ihre Werke vor etwa 500 interessierten Gästen vorgestellt. (…)

” (…) Mit hochkarätigen Lyrikern zusammenzutreffen, bekannte kosovarische Schauspieler kennenzulernen, vor 500 Zuhörern zu stehen und dann mit einem Preis ausgezeichnet zu werden, der Presserummel und die Aufmerksamkeit, die man der Lyrik und meiner Person gewidmet hat, ist surreal. Der Preis Pena e Anton Pashkut, zu deutsch: Stift des Anton Pashku, (Paschku gilt als der Vater der modernen albanischen Literatur) ehrt mich.“ / Allgemeine Zeitung

71. Preisverleihung

Für seinen Gedichtband „Kein Schweigen bleibt ungehört“ wurde Horst Samson, Redaktionsleiter des Bad Vilbeler Anzeigers, mit dem Gerhard-Beier-Preis der Literaturgesellschaft Hessen ausgezeichnet. Die Feierstunde fand in Kronberg statt. (…)

Außerdem erreichte Samson die Nachricht, dass er für seinen gerade erschienenen Gedichtband „Das Imaginäre und unsere Anwesenheit darin“ mit der Stefan-Jäger-Ehrenmedaille in Rumänien ausgezeichnet wird. / Frankfurter Neue Presse

Horst Samson: „Kein Schweigen bleibt ungehört“ ist im Pop-Verlag Ludwigsburg, erschienen und kostet 14,99 Euro.