123. Gedächtniszeilen

Textenet

Àxel Sanjosé wurde 1960 in Katalonien geboren, in Barcelona. (Durchaus ein Sehnsuchtsort von mir – mehr als ein paar Stunden habe ich bislang nicht geschafft, aber immerhin.) Wenn man ein bißchen Spanisch kann, ist die katalanische Sprache fremdelnd, manchmal  auf den ersten Blick lustig.  “De tant en tant” (von mal zu mal, dann und wann) la mort I jo (der Tod und ich) som u (sind eins), lese ich. (Bestimmt spreche ich es falsch aus, ich habe diese Sprache nicht gelernt.) Die Arbeit an der Lyrikzeitung hat es mit sich gebracht, daß ich mich seiner Expertisen in Übersetzungsdingen versichern kann. Das ist schön.

2004 erschien sein erster Gedichtband – “Gelegentlich Krähen”.

Ein Kritiker sprach von der “Beschaulichkeit” seiner Texte – ich bin nicht sicher, ob ich den Eindruck teilen kann. Es sei denn, man zerpflückt das Wort. Tatsächlich, der beschaut die Dinge, bis sie seltsam wirken, manchmal unheimlich. Seinen kurzen Zeilen und meist einfachen Sätzen kann man leicht folgen, zB hier:

Und hatten wir nicht gestern
Den Abend noch gepriesen,
War die Luft nicht seltsam grün,
Roch es nicht tatsächlich
Nach Roggen und Lupine?

Klare Konturen, aber was geschieht hier eigentlich? Sie können es weiterlesen und ein wenig jetzt hören. Ich möchte nur noch eine meiner Gedächtniszeilen zitieren – so nenne ich sie, weil sie sich in meinen Gedächtnisvorrat eingeschmuggelt hat:

Der Mund spricht ein O, eine Lüge.

(Das wäre das Thema Vokale)

Hören und sehen Sie Àxel Sanjosé – heute abend in Leipzig und in Kürze hier im Video

122. Angelika Janz liest heute abend

Textenet

Gast bei textenet ist Angelika Janz. Sie wurde 1952 in Düsseldorf geboren und hat sich als Autorin und bildende Künstlerin seit den 70er Jahren zuerst in ihrem Herkunftsland Nordrhein-Westfalen und dann bundesweit und international bei Szenekennern einen Namen gemacht. Mancher, dem ich das sage, hält es für eine Übertreibung. Es ist aber keine. Die Betonung liegt auf Szenekennern. 1995 gab der österreichische Schriftsteller Franzobel – einer dieser Kenner mithin – in der Wiener „edition ch“ eine Auswahl ihrer Gedichte heraus, ich zitiere aus dem Nachwort:

„Längst ist überfällig, daß von Angelika Janz nun endlich auch Gedichte vorliegen. Gedichte, die auf den ersten Blick vielleicht überraschen mögen, weil sie traditioneller, vielleicht auch konventioneller gebaut sind als die von der Autorin weithin bekannten Fragmenttexte. Frühestens der zweite Blick erkennt die vor allem syntaktische Verwandtschaft zur Cutup-Methode der Fragmenttexte…“

Ihre Fragmenttexte sind in einem halb Dutzend schmaler Bände abgedruckt und finden auch den Weg in Anthologien, von Franzobels „Kritzikratzi. Anthologie gegenwärtiger visueller Poesie“ bis zur Reclamsammlung „Poetische Sprachspiele“, herausgegeben von Klaus Peter Dencker, wo sie zwischen Walther von der Vogelweide und Michael Lentz gefunden werden kann – natürlich ist auch Kuhlmann dabei, Oskar Pastior, Carlfriedrich Claus, nur Valeri Scherstjanoi fehlt dort aus mir unerfindlichen Gründen…

Hinzuzufügen bleibt, daß sie vor allem seit ihrem Umzug vom Rhein nach Vorpommern vermehrt Prosa schreibt. Poetologisches – ein großes Projekt treibt sie seit Jahren um – und auch sozialkritisches. Angelika Janz ist nicht nur eine genaue Beobachterin, sondern wirkt auch seit vielen Jahren mit viel Engagement und Selbstaufopferung an sozialen Projekten im ländlichen Raum, vor allem mit Kindern und Jugendlichen. Vergangenes Jahr wurde sie dafür in Leipzig mit dem Deutschen Lokalen Nachhaltigkeitspreis Zeitzeiche(N) ausgezeichnet. Auf dem festival textenet ist sie mehrfach präsent. (Klicken Sie ihren Namen in der Schlagwortwolke)

Video ihrer heutigen Lesung folgt in Kürze hier

121. Dear Fellow Poetry Lovers,


Let us remember that in the end we go to poetry for one reason, so that we might more fully inhabit our lives and the world in which we live them, and that if we more fully inhabit these things, we might be less apt to destroy both.
—Christian Wiman, Editor, Poetry

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—Poetry Foundation

120. Versnetze 2 – Virtuelle Lesung (real in Leipzig)

Textenet

Dienstag, 24. November 2009 um 21:30 Uhr

Werkstatt für Kunstprojekte:
Versnetze 2 – Virtuelle Lesung
Moderation: Michael Gratz

Dienstag abend gibts beim Leipziger Textenet-Festival eine ganz besondere Lesung. Vier Autoren + 3 Überraschungsgäste lesen

Axel Kutsch ist ein Kölner Lyriker und außerdem ein Anthologist vor dem Herrn. Versnetze – Das „große Buch der neuen deutschen Lyrik“ erschien 2008 mit der fruchtbaren Idee, Gedichte jenseits der Grenzen von Generationen oder ästhetischen Schulen zu versammeln. Die Netzkarte der deutschen Bahn und das Postleitzahlenbuch bieten das neutrale Ordnungsprinzip. Wer sich über Gedichte ärgert, die ihm nicht nach dem Herzen gesprochen sind, verkennt vielleicht das großherzige und, ja: demokratische Prinzip dieser Ordnung. Es war ja eine Besichtigung und für den Leser eine Einladung zur Reise durch alle Ecken des Landes von Pommern bis Baden und von Schleswig bis zur Donau. Nicht zu vergessen Ausflüge über die Grenze.

Ein Jahr später liegt der 2. Band vor, und dazwischen gabs noch die politisch grundierte Deutschland-Anthologie. Ich sehe diese Anthologien für mich selber als unverzichtbare Quellen und für die Öffentlichkeit als Versuch, Grenzen zu durchstoßen. Grenzen, wie man sie leicht überall beobachten kann: ob bei den Sachwaltern des Literaturbetriebs im großen Feuilleton, im Buchhandel oder auch bei den Lesern, Liebhaber oder „Profis“. Vielleicht ein zum Scheitern verurteilter Versuch, aber die Bücher sind ja da. Und auch wir sind da, auch ich – wie Sie auf dem Bildschirm oder der Leinwand sehen. In dieser Lesung sollen Stimmen aus dieser Netzwelt versammelt werden. Bertram hat Vorschläge gemacht, ich habe zugestimmt, wohl auch mit Gegenvorschlägen. Einige Autoren waren aus technischen Gründen nicht erreichbar. Dafür habe ich mir erlaubt, 3 Überraschungsgäste mitzubringen.

Sie hören und sehen heute, ich folge Axel Kutschs mit Mehdorn abgestimmter Anordnung:

  • Johanna Schwedes aus Leipzig (1979 Frankfurt/ Main)
  • Angelika Janz aus Aschersleben in Vorpommern  (1952 Düsseldorf)
  • Stan lafleur aus Köln (1968 Karlsruhe)
  • Und Àxel Sanjosé aus München. (1960 Barcelona)

Außerdem drei Überraschungsgäste. Drei der vier ausgewählten Lyriker haben jeweils 15 Minuten in ein Video gelesen, außerdem liest die einzige in Person anwesende Autorin, Johanna Schwedes, live. Die Lesung wird also ca. 90 Minuten dauern.

119. Gedichte aus mathematischen Gründen

Mathematik und Literatur gehen nicht zusammen. Die Literatur kennt keine Formeln, wie etwa eine Erzählung aufzugehen hätte, nur ungefähre Rechnungen, an die man sich halten sollte. Das Ergebnis ist dann nicht unbedingt richtig, mit ein wenig Glück aber wenigstens ganz gut.

Alfred Schreiber gelingt das Kunststück, doch beides unter einen Hut zu bringen, wenn auch nicht im oben angedeuteten Sinne einer Lösung, wie etwas zu verfassen wäre. Indem er Gedichte nach mathematischen Bewandtnissen absucht, diese literatur- und ideengeschichtlich beleuchtet und nicht zuletzt mit seinen fachlichen Kenntnissen als Mathematiker kommentiert, bringt er beides zusammen. Das darf man ruhigen Gewissens als Marotte bezeichnen, eine im besten Sinne. In ihr erweist sich Schreiber als ausgesprochene Koryphäe. Von Menschen seiner Art können die Künste gar nicht genug haben, denn nichts ist geeigneter, den Blick zu schärfen, als der Blick aus einer ganz anderen, völlig unerwarteten Perspektive. »Die Leier des Pythagoras« ist wie ein Biotop, in dem jedes Gedicht mit Mathematik gedüngt auf ganz neue Art zur Geltung kommt. So gelingt eine außergewöhnliche Fundgrube für Literaturliebhaber genauso wie für mathematisch Interessierte, da kommt sich nichts in die Quere, ganz im Gegenteil: Beide noch so widersprüchlich anmutenden Gebiete gewinnen voneinander. Die Mathematik wird da poetisch und die Poesie – die Poesie ist seit jeher allem gegenüber offen, auch dem Widersprüchlichsten. / Iven Einszehn, junge Welt 24.10.

Alfred Schreiber (Hrsg.): Die Leier des Pythagoras – Gedichte aus mathematischen Gründen. Verlag Vieweg + Teubner, Wiesbaden 2009, 244 Seiten, 19,90 Euro

 

118. American Life in Poetry: Column 244

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

Love predated the invention of language, but love poetry got its start as soon as we had words through which to express our feelings. Here’s a lovely example of a contemporary poem of love and longing by George Bilgere, who lives in Ohio.

Night Flight

I am doing laps at night, alone
In the indoor pool. Outside
It is snowing, but I am warm
And weightless, suspended and out
Of time like a fly in amber.

She is thousands of miles
From here, and miles above me,
Ghosting the stratosphere,
Heading from New York to London.
Though it is late, even
At that height, I know her light
Is on, her window a square
Of gold as she reads mysteries
Above the Atlantic. I watch

The line of black tile on the pool’s
Floor, leading me down the lane.
If she looks down by moonlight,
Under a clear sky, she will see
Black water. She will see me
Swimming distantly, moving far
From shore, suspended with her
In flight through the wide gulf
As we swim toward land together.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2009 by George Bilgere, whose most recent book of poems is Haywire, Utah State University Press, 2006. Reprinted by permission of George Bilgere. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

117. Der Pasewalker Stadtdetektiv

Ein Projekt der Kinder-Akademie Uecker- Randow und des Pasewalker Kunstvereins November bis Dezember 2008

Von Angelika Janz

Textenet

 

Walk over Pasewalk Passing

Long silly grey station, nirgends

Erschrocken die Fahrkarte 3

Junguniformierten 

hingehalten

noch kreischen die Bremsen
so schmerzhaft im Stand.

Antithese Paris!

Ununterbrochen
tragische Ankunft.
Zeile für Zeile entlang
offnen Kellern

carcase stink and workable motor shows

abgeschnittene Sprache
uneingerichter Not
im lichten Anstieg zu

Pommes mit Bock punkt 12

Jetzt kürassier du,
ganz oben hin zu Land
Rates Ziegel Palast,

Philosophers ` stone, out of joint.

du, Bäuerchen von der Uecker.

Der Pasewalker Stadtdetektiv ist in der Regel 5, allerhöchstens 6 Jahre alt. Er oder sie – als ein typisch vernetzter Kopfhandfußmensch, meist mit der 50-Euro-Digitalkamera und einem Beutel für Fundstücke unterwegs, liebt es, Dinge in seiner Stadt zu entdecken, die sonst niemand sieht, in einer Stadt, die traurig macht, wenn man sie nur kurz mit dem Auto passiert, depressiv, mutlos, manchmal verzweifelt oder wütend: Die Antithese zu Paris. Jedes vierte Kind ist hier akut von Armut bedroht (in den 70er Jahren war es noch jedes 70. Kind!)

Vor etwa 10.000 bis 15.000 Jahren mündete das Urstromtal, in dem die Uecker heute durch die Stadt fließt, in den Haffstausee. Auf 55 Quadratkilometern leben verstreut ungefähr elftausend Menschen der sogenannten „Modellregion“: Arbeitsverlorene und sehr viele verarmte Rentner, Trinker, Depressive und psychisch Kranke, einige wenige Junge mit dem Zwangslächeln der Gefährdeten, die diese alle Hoffnungen erstickende Gegend dienstleistungsmäßig am Leben erhalten (der Rest bleibt gen oder im Westen orientiert). An den Straßenrändern vor den Kiosken sitzen täglich seit 8 Uhr morgens die einstigen Facharbeiter von Rindermast, VEB Medizinmöbel oder die einstmals Tüchtigen vom einstigen Güterbahnhof der größten Ost-Westdrehscheibe stumm vor ihren Bierflaschen auf dunkelgrünen Plastestühlen vor dunkelgrünen Plastetischen. Sie verfolgen den Durchgangsverkehr bis Punkt 12 zur Mittagszeit, während ihre Frauen (es gibt davon hier 500 mehr als Männer) mit fast leeren Rieseneinkaufswagen durch den Supermarkt kreisen, immer herum, manchmal pausierend, lauernd, ob sich nicht eine Gelegenheit bietet, eine Leidensgenossin zu entdecken, zu begrüßen, um Zeit totzuschlagen mit dem für diese Region etwas schwerfälligen Austauschen häuslicher und außerhäuslicher Informationen, deren sparsame Bildgehalte sich wie ein Zeitlupenfilm zäh in die Länge ziehen.

Der Pasewalker Stadtdetektiv registriert das alles ganz selbstverständlich. Er begrüßt seinen Papa dort am Tisch und besucht seine Mama im Supermarkt. Pasewalk, Kreisstadt des Landkreises Uecker-Randow, liegt nahe an der Grenze zu Polen, einstige Garnisonsstadt, Kürassierstadt einer fernen Königin, mit einem Garnisonsmuseum. Umzingelt von 15 hoch verschuldeten Landgemeinden, deren Arbeitslosigkeit hoch, deren Hoffnungsmut tief gesunken ist seit der Wende, deren versteckter oder offener Alkoholismus, Pessimismus, Rassismus bis in die armseligen Gemeindefeste hinein wuchert. Hier richtet die NPD die Kinderfeste aus und die Linken schicken ihre Spitzel dorthin.

In Pasewalk begann das Alphamonster des NS-Regimes seine Karriere – als weinerlicher Psychopath mit wochenlangen Blindheitsanfällen. Aber der Pasewalker Stadtdetektiv sieht, was die Bürger der Stadt nicht sehen: Mutmaßlich Belangloses im trüben Winterlicht, Mauersignaturen, Spuren und Relikte verborgener Sehnsüchte und Süchte, er liebt das Vorgarten- und Hofambiente besonders dort, wo morgens niemand mehr das Haus zum Arbeiten verlässt, er liebt den Millionen alten Himmel, der sich niemals verändern wird und unbekannte Silhouetten leer gezogener und halb rückgebauter Gebäude. Mitglied in der städtischen Kita Am Mühlentor oder im „Regenbogen“ heftet er gern seinen Blick konsequent auf die Erde, studiert botanisch gestaltete oder architektonisch verhöhnte Strukturen seines unmittelbaren Morgenweges zur Kita, er zielt mit der Fotolinse gegen Fenster und Balkone, gegen trübe, wochenlang nicht gewechselten Schaufensterdekorationen, denn dahinter muckert das Leben, es wimmert, hustet, schimpft, zankt und dampft, riecht komisch, aber lässt Kosmisches ahnen.

Wo der Pasewalker Stadtdetektiv hin- und hergeht, wächst das Gras noch, findet sich auch im Winter immer etwas Blühendes, da tanzen betagte Hühner in Garagen-Verschlägen den Eiertanz und die unerbittlichen Verwaltungsbeamten des unverhältnismäßig weitläufig und protzig angelegten Landratsamtes enttarnen sich als erschrockene Kettenraucher dort, wo er auftaucht und seine Kamera einfach ins lungenzugatmende Pausenleben hineinhält. Der junge Detektiv hat den Schriftzug am Bahnhof entdeckt: „Zottel, kommste heut abend zu mir einen saufen?“ Fast jeder Pasewalker Stadtdetektiv möchte nicht Detektiv bleiben. Denn was er oder sie entdecken, erzählt meist eine Geschichte mit traurigem Ende. Man möchte später lieber Polizist, Zahnärztin, Frisörin, Pferdedoktor oder Hochspringer werden und niemals Hartzvierer wie die Eltern werden. Wenn das wachsame Stadtdetektivwesen seine Streifzüge später zeichnerisch protokolliert, malt es Häuser, immer wieder Häuser, schwarze Häuser ohne Innenleben, Häuser ohne eine Spur Grün drum herum, obwohl sich so ungrün Pasewalk gar nicht gibt zwischen den Platten. Aber meistens ist das Grün Pasewalks bis ans Leben beschnitten – wie ein zu kurz geschnittener Fingernagel, schmerzend, blutend, dem Körper der Stadt unzugehörig.

Weiteres von dieser Autorin bei Textenet hier und hier

Außerdem in dieser Sparte der textenet.galerie:

116. FORTGESETZTE QUELLENKUNDE

Von Norbert Lange

Textenet

(Aus der textenet-Galerie, Abteilung: Nachdenken)

Quellenkunde. Der Gedanke, daß Geschriebenes auf Geschriebenes zurückführt, ist nicht neu. Und obwohl der damit verbundene Begriff von Schreiben nun eigentlich zu den Basics gehört, will ich hier noch einmal darauf zurückkommen. Quellenkunde setzt ein, wenn ich das Gedicht eines anderen lese, Quellenkunde setzt aber auch ein, wenn ich mich mit meinem eigenen Gedicht auseinandersetze, um es fertigzustellen. Spreche ich von Fertigstellung, dann zielt der dichterische Begriff auf eine Arbeit, in der Wissen und Intuition austariert werden müssen. Ich kann kein Gedicht schreiben, dessen Verlauf in erster Linie die Intuition bestimmt, da sich dabei formale, für mich typische Klischees aufdrängen – Strophenform, Zeilenlänge, klangliche und grammatische Eigenschaften. Ebensowenig kann ich mich rein von meinen Verstand leiten lassen, da ich dabei zu einer Form gelange, die ich inhaltlich nicht mehr einlösen kann – das dabei Entstehende könnte man sich als Gebilde vorstellen, das die Zeilen mit Recherche füllt. Mit Recherche kommt Quellenkunde gleich wieder ins Spiel. Denn man muss sich Quellenkunde inhaltlich und formal unterteilt vorstellen; in das nämlich, was ein Dichter von einem anderen an Idee und Weltauffassung übernimmt, und in die Art und Weise wie sich der Dichter zu den Mitteln verhält, die sein Vorbild verwendet, um diese Ideen auszusprechen. Der von mir sehr geschätzte Urs Allemann beispielsweise schreibt „Hälfte des Lebens“ neu, indem er jedes Wort der Vorlage durch einen Reim ersetzt, und kommt von „Im Winde klirren die Fahnen“ zu „im kinde schwirren die ahnen“. Das ist ein denkbar einfaches Verfahren, und wie ich finde an Anschaulichkeit kaum zu überbieten, es steht hier als Referenz an eine Art des Schreibens, die mich beim Schreiben und Lesen besonders beschäftigt. Zuletzt geht es eben um die Frage, was ein Gedicht ist und welche Möglichkeiten ihm innewohnen, wie also im Winde die Fahnen klirren, aber auch von wo das Gedicht die Möglichkeiten hernimmt, um im Kinde Ahnen schwirren zu lassen. Gleichzeitig führt dieses kurze Vexierspiel von Original und Anverwandlung auf die Fährte, die ich hier einschlagen will; wenn das Schreiben eines Gedichts sich stets auf Quellen stützt, wozu auch solche gehören können, über die ich mir nicht unmittelbar bewusst bin, lässt sich davon ausgehen, daß man es bei einem Gedicht immer mit einem Palimpsest zu tun hat.

Weiterlesen

115. Stil

… hat man oder hat ihn nicht. Der 72-jährige CDU-Politiker und General a.D. Jörg Schönbohm, „bekannt für starke Worte und klare Meinungen“ (Morgenpost), hat ihn und die Ostdeutschen, (sein Spezialgebiet), denen er jahrelang als Innenminister dienen wollte, wofür sie ihm wenig Dank zollten, halt nicht:

Auf die Frage, welche anderen Folgen von 40 Jahren DDR bis heute noch wirken würde, nannte Schönbohm eine „weit verbreitete Stillosigkeit – im Umgang wie bei der Kleidung.“

Da wird er schon was Richtiges sagen, ist ja auch nicht weiter wichtig. (O Gott, was weiß der über meinen Umgang?!) Nur fällt mir beim Thema Stil ein, was mir meine (ostdeutsche) Mutter beigebracht hat. Es ist schlechter Stil, hat sie gesagt, wenn man allemal ausspricht, was man Schlechtes über andere Leute denkt. Wahrscheinlich, werde ich ihr sagen, hat sich halt auch der Stil in 40 Jahren Trennung auseinanderentwickelt. (Und wahrscheinlich müssen wir mehr fernsehen –  per definitionem der Ort, wo gutangezogene Menschen Stilvolles reden & tun!)

 

114. Pantheonisierung

Der Sohn von Albert Camus möchte nicht, daß sein Vater ins Pantheon kommt. Er fürchtet die politische Vereinnahmung. Die Camus scheuen das sarkozyanische Pantheon wie die Pest. Was für eine Naivität. Man pantheonisiert immer aus schlechten Gründen: die Pantheonisation ist immer Mißbrauch des Genies für die (zeitweiligen) Bedürfnisse der Republik. pardon: des Präsidenten der Republik.  …

Nie wird man den Marquis de Sade dort erblicken, nie Céline. Man wird weder Rimbaud noch Lautréamont einlassen, und es ist gut, daß Péguy nicht drin ist. Jean Genet kommt nicht hinein. Und wenn Proust hineinkommt, dann aus unguten Gründen. Vielleicht kommt Sartre hinein, denn er tut keinem mehr weh, aber immerhin hat er vielen wehgetan. Doch hat man viel zuviel Angst, daß sich sein Leichnam weigern wird. / Yann Moix, La règle du jeu 21.11.

113. Friedrich Torbergs „Die Rettung“ erworben

Die Österreichische Nationalbibliothek hat eine von Friedrich Torberg zusammengestellte Gedichtauswahl mit dem Titel „Die Rettung“ erworben. Sie stammt aus dem Nachlass der Schauspielerin Judith Holzmeister.

Das Typoskript stelle „ein interessantes Bindeglied zwischen den Motiven eines frühen Entwurfs und denen der eigentlichen Publikation dar, die vor allem das Erleben der Flucht und des Heimatverlustes thematisiert“, hieß es seitens der Nationalbibliothek. / ORF

112. «Wilne schtot fun gajst un tmimes»

«Wilne schtot fun gajst un tmimes», Wilna, Stadt des Geistes und der Vollkommenheit – so beginnt ein jiddisches Gedicht aus dem 18. Jahrhundert, das, zu einem Lied umgearbeitet, den Beginn einer Theaterveranstaltung im Ghetto markierte. Dass die Juden sogar unter den existenziell dramatischen Umständen im Ghetto in diesem Lied Trost fanden, zeigt ihre besondere Anhänglichkeit an die Stadt, die in Europa «litauisches Jerusalem» genannt wurde.

Tatsächlich war Wilne, wie die Stadt auf Jiddisch heisst, eine jüdische Stadt: eine Hochburg jüdischer und jiddischer Gelehrsamkeit, ein zentraler Ort sowohl des Chassidismus als auch der Haskala und darüber hinaus eine bedeutende Verlags-, Literatur- und Theaterstadt. Vielleicht auch deshalb hatte die Wilnaer Haskala, die jüdische Aufklärung, anders als die Berliner Haskala, kein assimilatorisches Ansinnen. Während die jüdischen Intellektuellen in Berlin Jiddisch abschätzig als Jargon bezeichneten und das Idiom ablegten, um deutsche Gelehrte, Philosophen und Dichter zu werden, wurde Wilna das Zentrum der jiddischen Literatur und des Jüdischen überhaupt. Zu den bedeutendsten Kultureinrichtungen in Wilna gehörte das Jüdische Wissenschaftliche Institut, an dem Abraham Sutzkever lernte, bevor er sich dem avantgardistischen jüdischen Schriftsteller- und Künstlerkreis Jung-Wilne anschloss. Sutzkever, 1913 in Smorgon geboren und in Wilna aufgewachsen, gehört zu jenen jiddischen Dichtern, die den «Jargon» zu einer literarischen Sprache umformten.

Sein dichterisches Schaffen wird nun zusammen mit seiner dokumentarischen Darstellung des Wilnaer Ghettos in einer zweibändigen Ausgabe vorgestellt, die zu den letzten Grosstaten des Ammann-Verlags gehören wird. Hubert Witt hat eine schöne Auswahl der Gedichte getroffen und sie angemessen, also in einer behutsamen Gratwanderung zwischen Rhythmus, Reim und Sprachbildern, übersetzt. In «Wilner Getto», das jetzt erstmals in deutscher Übersetzung vorliegt, beschreibt Sutzkever die Ghetto-Wirklichkeit und zugleich die Entstehung der Gedichte, die ihrerseits diese Wirklichkeit festhalten. So stellt diese Ausgabe den Lyriker als Zeitzeugen und den Zeitzeugen als Lyriker vor.

Sutzkevers erstes Gedicht erschien 1932. Danach veröffentlichte er in regelmässigen Abständen Prosa und Verse in jiddischen Zeitschriften, und 1937 erschien sein erster Gedichtband, «Lider» – Gesänge. In diesen Gedichten schafft er suggestive Sprachbilder, um seelische Landschaften zu zeichnen, und kombiniert archaische mit modernen Ausdrücken – wie man in der von Hubert Witt nun besorgten Auswahl der Gedichte erkennen kann. Aber der Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Wilna unterbrach abrupt seine gerade begonnene literarische Karriere und setzte einem Kapitel jüdischer Geschichte ein absolutes Ende: «Als ich am 22. Juni frühmorgens das Radio anschloss, da sprang es mir entgegen wie ein Knäuel Eidechsen: ein hysterisches Geschrei in deutscher Sprache.» So beginnt Sutzkevers Bericht «Wilner Getto». / Stefana Sabin, NZZ 21.11.

Abraham Sutzkever: Wilner Getto 1941–1944 / Gesänge vom Meer des Todes. Gedichte. Aus dem Jiddischen von Hubert Witt. Ammann-Verlag, Zürich 2009. 2 Bände in Schuber, 272 und 192 S., Fr. 67.90.

Da die Ausgabe leider nicht zweisprachig ist, hier ein Hinweis auf ein Originalgedicht Sutzkevers auf Jiddisch (mit hebräischer und lateinischer Schrift) und eine Übersetzung von Paul Spinger. Die erste Strophe geht so:

אונטער דײַנע ווײַסע שטערן
שטרעק צו מיר בײַן װײַסע האַנט.
מײַנע װערטער זײַנען טרערן
װילן רוען אין דײַן האַנט.
זע, אעס טונקלט וײער פֿינקל
אין מײַן קעלערדיקן בליק
און איך האָב גאָרניט קײן װינקל
זײ צו שענקען דיר צוריק.

unter dayne vayse shtern
shtrek tsu mir dayn vayse hant.
mayne verter zaynen trern,
viln ruen in dayn hant.
ze, es tunklt zeyer finkl
in mayn kelerdikn blik,
un ikh hob gornit keyn vinkl
zey tsu shenken dir tsurik.

Unter deinen weißen Sternen,
Reich mir deine weiße Hand.
Meine Wörter sind wie Tränen,
Wollen ruhn in deiner Hand.
Sieh, wie sich der Glanz verdunkelt
Unter meinem finstern Blick;
Ich hab keinen Ort gefunden;
Wie geb ich sie dir zurück?

(In Huberts Witts Übersetzung hat das Gedicht vierzeilige Strophen)

Hier Paul Spingers Sammlung jiddischer Lyrik

Unbedingt lesenswert! Am bewegendsten das Gedicht eines jüdischen Mädchens, das etwa 1944 im Alter von 12 Jahren in Bergen-Belsen ums Leben kam: Ester Shtub, Das Lied vom Barackenbauen. Ein gar nicht kindliches, starkes Gedicht des durch Not frühreifen Kindes. Ich zitiere die erste Strophe:

eyns, tsvey, dray –
ven veln mir zayn fray?
hungerik, borves, opgerisn,
fun tate-mame gor nisht visn –
got! vi tut dos vey.

(v lies w, z lies stimmhaftes s. borves = barfuß, tate = Papa)

Und ein um 1350 geschriebenes jiddisches Liebesgedicht, lid fun der hertsalerlibst, überliefert als Glosse in einem Kommentar des Rabbi Solomon ben Yitskhok.

111. Poesie des Untergrunds, aufgetaucht

Nur gut, dass das Bett von Elke Erb zusammengebrochen ist. Darunter kam ein Bettkasten zum Vorschein, der allerlei Bilder und Manuskripte enthielt. Die Lyrikerin meldete sich bei den Kuratoren der Ausstellung „Poesie des Untergrunds – Die Literaten- und Künstlerszene Ostberlins 1979 bis 1989“: Sie sollten kommen und holen, was sie brauchen könnten. Denn wenn das Bett erst repariert wäre, dann verschwinde die Kiste wieder für die nächsten zehn Jahre.

Die DDR-Geschichte versinkt mit atemraubendem Tempo in der Vergangenheit, so dass selbst deren Protagonisten sich ihrer Herkunft immer wieder versichern müssen und überrascht sind, was unter ihren Betten zum Vorschein kommt. Das ist wohl der Hauptzweck dieser Schau, die eben keine Ausstellung über die Kunstszene ist, sondern eine Selbstdarstellung der Beteiligten: Seht her, es war schön, und wir waren viele! Es gehe darum, „die Deutungshoheit über unsere eigene Geschichte zurückzugewinnen“, sagte der Kunstwissenschaftler Christoph Tannert bei der überfüllten Eröffnung am Freitagabend. Die Bereitschaft, Erinnerungsstücke zur Verfügung zu stellen, war groß, leicht hätten größere Hallen gefüllt werden können als das Prenzlauer-Berg-Museum. In einer parallelen zweiten Ausstellung, die kommenden Samstag im Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum in Rheinsberg eröffnet werden wird, sind deshalb ganz andere Exponate zu sehen.

Die Ausstellung beginnt mit einem Gruppenfoto aus dem Jahr 1981, das nach einer Lesung in der Keramikwerkstatt von Wilfriede Maaß entstand. Im Hintergrund Flaschen, Bilder und alte Schränke. Davor haben sie sich aufgebaut wie für ein Mannschaftsfoto: Helden einer Zeit, in der man karierte Hemden trug. Wer kennt sie noch: Eberhard Häfner oder Roland Manzke, Michael Rom oder Rüdiger Rosenthal? Nur wenige wie Jan Faktor oder Uwe Kolbe haben sich über die Wende hinaus als Schriftsteller etabliert. Die älteren, berühmteren, wie Wolfgang Hilbig, Adolf Endler, Elke Erb oder die mit ihren Bildern heute so erfolgreiche Malerin Cornelia Schleime, fehlen auf diesem Foto. Der bekannteste ist wohl der als Stasi-Spitzel enttarnte Sascha Anderson, der auch hier im Mittelpunkt sitzt. Einer seiner IM-Berichte – genaue und ausführliche Psychogramme aller befreundeten Künstler – ist das womöglich interessanteste Dokument der Ausstellung. / Jörg Magenau, Tagesspiegel 22.11.

Bis 7. Februar, Prenzlauer Berg Museum, Prenzlauer Allee 227/228, Sa–Do 10–18 Uhr, Eintritt frei.

Begleitbuch zur Ausstellung: Uwe Warnke, Ingeborg Quaas (Hrsg.): Die Addition der Differenzen. Verbrecher-Verlag Berlin, 2009. 290 S., 19,90 €.

Beim Leipziger textenet-Festival gibt es gegenwärtig Zeichnungen aus diesem Umkreis zu sehen

Nur noch bis 23.11. (!) in der Werkstatt für Kunstprojekte, Karl Heine Straße 46-48

Proben siehe

98. Bert Papenfuß und Ronald Lippok

110. Hellmut Seiler über Herta Müller

Und hier eine echte Herta-Müller-Nachricht, sie kommt wie die nachrederische aus Rumänien, aber von einem Autor, den ich etwa solange kenne wie Herta Müller und aus derselben Quelle. Ich habe gelegentlich mit Studenten ein unter damaligen Umständen in Rumänien ebenso wie in der DDR subversives Gedicht gelesen (gedruckt wurde es aber nur in Rumänien, in der Zeitschrift Neue Literatur), es hieß „Agronomisch“ und beschrieb die Menschenpflanzschulen unserer jeweiligen Diktaturen. Vielleicht konnte der dortige Zensor kein Deutsch und war einfach zufrieden, wenn am Beginn des Heftes die obligate Eloge auf Ceausescu stand? Hellmut Seiler schreibt in der Siebenbürgischen Zeitung über Herta Müller und die damalige deutschrumänische Szene:

Mit manchen Menschen sind flüchtige Begegnungen gar nicht möglich; seien sie auch noch so kurz, so sind sie doch nie oberflächlich, bleiben nachhaltig im Gedächtnis haften. Meine Be­kannt­schaft mit Herta Müller ist von dieser Art. Begegnet ist sie mir zuerst in Textform; in der Mai-Nummer 1979 der Neuen Literatur las ich ganz ungewöhnliche Texte einer mir bis dahin unbekannten Autorin, eine auffallend persönlich geprägte Prosa, ein unverwechselbarer Ton.

Kennengelernt haben wir einander 1980 in Temeswar, im Rahmen des „Adam-Müller-Gut­tenbrunn“-Literaturkreises (AMG), dessen Mit­glied ich geworden war, anlässlich einer Lesung von mir ebenda. Von den deutschsprachigen Li­teraturkreisen in Rumänien – es gab deren auch in Klausenburg, Kronstadt, Bukarest je einen, den der Germanistik-Fakultät in Hermannstadt habe ich selber von 1972-76 geleitet – war der AMG sicherlich der lebhafteste, der mit den meisten Mitgliedern, darüber hinaus der einzige, der einen Beitrag erhob und aufgrund dessen Preise auslobte. Auch derjenige, der der Staats­macht der spitzeste Dorn im Auge war und über den der Geheimdienst daher intensiv wachte. Die Diskussionen in den Redaktionsräumen der Neuen Banater Zeitung wurden privat fortgesetzt, die halbe Nacht hindurch in der Wohnung (Richard) Wagner / (Herta) Müller.

Zugegen waren die Mitglieder der vormaligen „Aktionsgruppe“ Johann Lippet, William Totok, Horst Samson, Helmut Frauendorfer, auch Roland Kirsch, den die Securitate auf dem nicht existenten Gewissen hat. Es ging in erster Linie um literarische Belange, die (häufig von den Ver­lagen aufgeschobenen) Bucherscheinungen des einen oder anderen, die neuesten Entwicklungen in der DDR und in Westdeutschland, das nächste Themenheft der Zeitschrift Neue Literatur etc. Es ging auch darum, wer welche Bücher/Litera­turzeitschriften auf verschlungenen Wegen gera­de erhalten hatte; wir waren als eingeschworene Gemeinschaft durch intensiven Austausch ziemlich auf dem Laufenden mit den Neuerscheinun­gen. Es war nicht nur Beflissenheit, unser Welt­bild war literaturzentrisch, aber unter Einbezie­hung der Ver­hältnisse, wir verstanden uns als politische Literaten, wir wollten uns aber dort artikulieren und etwas verändern, keiner von uns trug sich (noch) mit Auswanderungsabsich­ten. An Hertas Wortmeldungen erinnere ich mich als nüchterne, sachliche Einlassungen, auch von dunklem Humor geprägt. In der lebhaften Runde war sie eher zurückhaltend.

109. Aufruf

Für das randnummer literaturheft 02 suchen wir unveröffentlichte Texte (Lyrik, Prosa und Essay).

Das Thema Stadt möchten wir in der nächsten Ausgabe weiter vorantreiben und den Fokus auf den politischen Aspekt legen.

Wir freuen uns beispielsweise über Texte, die sich einer unkonventionellen Form bedienen (wir wollen nicht den „totalen Schrebergarten“) und auch sprachlich über den Gartenzaun hinauskommen.

Über Texte, die unter „politisch“ lediglich plakativ ausgearbeitete Inhalte verstehen, freuen wir uns nicht so sehr.

Einsendeschluss ist der 15. Januar 2010.

Texteinsendungen ausschließlich per E-Mail an: redaktion@randnummer.org

Lyrik:
maximal 12 Gedichte

Prosa/Essay:
maximal 15.000 Zeichen pro Text (mit Leerzeichen)

Der Einsendung sollte eine Kurzbiographie beigefügt sein.