52. Unter dem Titel

„Grammatik der Sprachen von Babel“ wird eine Veranstaltung zum Thema Poesie und ihre Poetik in Gedicht und poetologischer Erzählung angekündigt. Johanna Schwedes, Norbert Lange, Jürgen Buchmann und Sophie Dethleffs bei Reinecke&Voß. Musik: Frank Hilpert, Sa 20.03. Beginn: 19.00 Uhr, Eintritt frei, Cafè Anton Hannes, Beethovenstraße 17

Über Jürgen Buchmann und Norbert Lange wurde jüngst berichtet, hier noch ein wenig aus der Werbeprosa des Verlages zu den beiden anderen:

Der sonore Ton von Johanna Schwedes entfaltet einen soghaften Reiz. Gedichte voller Melancholie aber auch voll feiner Komik, die selbst da absolut zeitgenössisch bleiben, wo von abgelegenen Dingen wie Hexen und Feen die Rede ist.

Wenn Klaus Groth der Goethe des niederdeutschen Sprachraums ist, dann ist Sophie Dethleffs dessen Wieland. Wie dieser wurde sie von ihrem unmittelbaren Nachfolger, der sich selbst eine Klassik erfand, an den Rand gedrängt und verunglimpft und ist deshalb heute weithin unbeachtet.

51. Nelly-Sachs-Ausstellung

Das Jüdische Museum Berlin eröffnet am 24. März eine Ausstellung über Leben und Werk der Dichterin Nelly Sachs. Die Ausstellung «Flucht und Verwandlung» würdigt die Nobelpreisträgerin anlässlich ihres 40. Todestages, wie das Jüdische Museum mitteilte. Es werden bisher unveröffentlichte Fotos, Manuskripte sowie Ton- und Bildaufnahmen gezeigt. / Berlin Online

50. Klerikal-Rambo

Mathilde Vietze hat Walter Mixa ein Gedicht gewidmet.

Mixa, das Sprachrohr der Reaktionäre tönt sehr laut,
damit endlich mal wieder die Presse auf ihn schaut.

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49. Vogel im Salat

Ganze Hochkulturen gingen unter in den großen Bränden der Antike. Doch die Tontafeln, auf denen die Sumerer ihre Keilschrift aufbewahrten, wurden in den Flammen nur noch härter. Gut 4000 Jahre alt sind einige der dadurch überlieferten Gedichte, die zwar kultisch-religiösen Zwecken dienten, doch im Ritual der Fruchtbarkeit auch explizite, exzessive Sexualsymbolik transportierten. Wenn der „Vogel“ im „Salat“ (oder der „Kresse“) wildert und das „Beet der Beine“ eine „Wässerung“ empfängt, ahnt man noch heute, was gemeint sein könnte. …

Die eigenen Gedichte Schrotts kommen der Triebkontrolle eines kultivierten Mitteleuropäers näher. / Hans-Günter Fischer, Mannheimer Morgen 9.3.

48. Wechsel in der Leitung des Lyrik Kabinetts – Dr. Maria Gazzetti nach München

Nach zwanzig intensiven Jahren zieht sich die Gründerin, Ursula Haeusgen, in den Vorstand der Stiftung zurück und übergibt die Leitung des Lyrik Kabinetts Dr. Maria Gazzetti. „Ich bin zufrieden und glücklich, dass sich alles so gefügt hat“, sagt Ursula Haeusgen. Sie schätze Maria Gazzetti sehr, ihre Liebe zur Literatur, ihre Begeisterung, Energie und Phantasie. „Ich bin überzeugt, sie ist die Richtige, der nicht ganz einfachen Vermittlung von Poesie noch einmal einen neuen und kräftigen Impuls zu geben“. Maria Gazzetti hatte nach 15-jähriger erfolgreicher Tätigkeit als Programmleiterin des Literaturhauses Frankfurt am Main letztes Jahr bekannt gegeben, ihren bis zum 30. Juni 2010 befristeten Vertrag nicht mehr zu verlängern. Sie beginnt ihre neue Aufgabe in München Ende dieses Jahres.

Zur Unterstützung des Lyrik Kabinetts hat sich auch ein neues siebenköpfiges Kuratorium konstituiert – zu seinem Vorsitzenden wurde Michael Krüger, zum stellvertretenden Vorsitzenden Christian Döring gewählt.

München, den 8. März 2010

Ursula Haeusgen

Stiftung Lyrik Kabinett
Lyrik-Bibliothek
Amalienstraße 83a
80799 München

47. American Life in Poetry: Column 259

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

Wisconsin writer Freya Manfred is not only a fine poet but the daughter of the late Frederick Manfred, a distinguished novelist of the American west. Here is a lovely snapshot of her father, whom I cherished among my good friends.

Green Pear Tree in September

On a hill overlooking the Rock River
my father’s pear tree shimmers,
in perfect peace,
covered with hundreds of ripe pears
with pert tops, plump bottoms,
and long curved leaves.
Until the green-haloed tree
rose up and sang hello,
I had forgotten. . .
He planted it twelve years ago,
when he was seventy-three,
so that in September
he could stroll down
with the sound of the crickets
rising and falling around him,
and stand, naked to the waist,
slightly bent, sucking juice
from a ripe pear.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2003 by Freya Manfred. Her most recent book of poems is Swimming With A Hundred Year Old Snapping Turtle, Red Dragonfly Press, 2008. Poem reprinted from My Only Home, Red Dragonfly Press, 2003, by permission of Freya Manfred and the publisher.

Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

46. Zitieren

Aus einem Gedicht wird nie ein Maschinengewehr, aber genausowenig ist die Poesie ein geschütztes Reservat, selbst wenn ich denn mit Preisen und Stipendien überhäuft werde. Der Anspruch ist, das Niveau zu halten, und das schließt ein, dass ich meine Position hinterfrage. Welche Gedichte werden prämiert, welche Konventionen bestehen? Jedes Gedicht setzt sich einem Generalverdacht aus, weil Sicherheit nicht nur als Bedürfnis gilt, sie wird zur Gefahr, wenn man sich auf Positionen zurückzieht, die Sicherheit versprechen.

Norbert Lange, Das Geschriebene mit der Schreibhand. Aufsätze. Leipzig: Reinecke & Voß 2010, S. 36

Jedes Zitieren verpflanzt, und verfälscht somit. Und es gibt Richtiges im Falschen. Ich zitiere, also bin ich. Position.

Noch einmal Norbert Lange:

Niemand würde von einem Tischler erwarten, dass er mit seinem Tisch zum Weltgeschehen Stellung nimmt, oder von dem Jobber im Call-Center, dass er in den Haushalten politische Aufklärung betreibt. Warum eigentlich nicht?

45. Palpable explorations of womanhood

In honour of International Women’s Day, we’ve created a new PIW Archive Tour, with poems (by both men and women) which explore gender and celebrate women. The selection ranges from  Kazuko Shiraishi’s memories of her deceased mother to a Poetry Clip of Dorothy Porter’s ‘Trouble’ and a divorce poem by Israeli poet David Avidan. Poems by, among others, Ronelda Kamfer, Mallika Sengupta and Halyna Krouk are palpable explorations of womanhood as well as critical reflections on gender issues. / Lucy Pijnenburg, Poetry International Web

44. Stipendium für Röhnert

Der Autor Jan Volker Röhnert erhält das mit 12 000 Euro dotierte Harald-Gerlach-Literaturstipendium. Das Stipendium, das den Namen des 2001 gestorbenen Lyrikers, Schriftstellers und Bühnenautors Harald Gerlach trägt, wurde 2009 auf Initiative des Thüringer Literaturpreisträgers Ingo Schulze und der Literarischen Gesellschaft ins Leben gerufen. Röhnert debütierte 2001 mit dem Künstlerbuch „Fragment zum französischen Süden 1 & 2“. / SZ 3.3.

43. Hopkins‘ Erfindungen

Es grenzt an Tollkühnheit, wenn ein Verlag einen Band mit Journalen und Tagebüchern von Gerard Manley Hopkins, einem ebenso gerühmten wie zugleich unbekannten Dichter, vorlegt in einer Zeit, da alle Buchherstellung auf Verkauf sinnt. Hopkins (1844-1889) war ein Sonderling in seinem Leben wie in seinem Werk. Als Werk hat er seine Sprachspielereien, Sprachexperimente, Sprachforschungen und Gedichte ohnehin nie verstanden. Er machte sie denn auch zu Lebzeiten nur einem kleinen Freundeskreis bekannt. …

Die stets sich wandelnde Gestalt dieser Luftbildungen festzuhalten, ihr Changieren in Farbe und Gestalt zu beschreiben, erfindet Hopkins eine eigene Sprache, in der die Worte so wenig haltbar sind wie die Naturerscheinung selbst. Er entwirft ein Idiom, das die Grammatik nicht achtet, keine Wortgrenze, keine Kompositionsvorschriften kennt. Worte und Dinge zerfließen in eins. Die Schönheit der Wolkenszenarien reißt ihn so hin, dass sie nur wie stotternd beschrieben werden kann, die Augenweide, die er genießt, geht in Stammeln unter: „Nach sechs ein sehr mager-strukturierter und blasser Damm von Pferdeschwanz Wolken nach Nordosten und Südwesten, die Formation der Haare oder Fäden im rechten Winkel, und näher betrachtet wurde es erkennbar als gegliederte Zweige. Ebenso am Morgen blasse durchsichtige entballende weiß-rosa Wolke in Blau getränkt und bald schwindend.“ …

Hopkins‘ Übersetzung von Naturbeobachtungen in Dichtung noch einmal in eine Fremdsprache zu transponieren, scheint kaum möglich zu sein, ein Grund für die geringe Bekanntheit dieses Autors außerhalb Englands. Der Übersetzung von Peter Waterhouse ist das schier Unmögliche jedoch gelungen. / HANNELORE SCHLAFFER, SZ 2.3.

GERARD MANLEY HOPKINS: Journal. Aus dem Englischen von Peter Waterhouse. Verlag Jung und Jung, Salzburg 2009. 279 Seiten, 28 Euro.

GERARD MANLEY HOPKINS: Geliebtes Kind der Sprache, zweisprachige Ausgabe, aus dem Englischen übertragen und kommentiert von Dorothea Grünzweig, 299 Seiten, Klappbroschur, Edition Rugerup, Nimrod Förlag, Hörby (Schweden) 2009.

GERARD MANLEY HOPKINS: Auf dem Rückflug zur Erde, englisch und deutsch (gesprochen von George L. Low und Helmut Becker), Einführung von Dorothea Grünzweig, Cembalo-Kompositionen von Henry Purcell (gespielt von Peter Kofler), Hörbuch, CD und Booklet, Edition Rugerup, Lyrik Kabinett und INIGO Medien, München 2009.

42. Das Verblüffendste an Kling

Vergil, Horaz, Hölderlin, George, Trakl, Benn: „Man kann eigentlich gar nicht mehr überinterpretieren, man kann nur unterinterpretieren“, stöhnt Norbert Hummelt. Kling habe, so Peer Trilcke, seine Funktion darin gesehen, „das historische Gedächtnis einer Gesellschaft zu bewahren“, aber seine Gedichte breiteten Wissen nicht aus, sondern rissen es nur an. Grinsend verwischen sie die Fährten, die sie selbst legen. Diese Ambivalenz und Vielstimmigkeit sei, mahnte Markus May, das Wesen von Klings Gedichten, man müsse ihn als „den lustvollsten Spracherfinder, den wir in der Gegenwart haben“ verstehen. Für den selbsternannten „Sprachinstallateur“ sei, so Norbert Hummelt, die Sprache das erste „Ekstaseinstrument“, er schreibe daher „Sprachgeschichte als Stammesgeschichte“: „Persönliches verbirgt sich unter der Maske des Naturforschers, Archäologen, Historikers, Reporters.“ Noch die eigene Krebserkrankung habe Kling analytisch und sezierend verhandelt.

Doch das Verblüffendste – und für die Philologie Schwierigste – an Kling ist, dass, wer ihn laut liest, ihn durchaus versteht. / Michael Stallknecht, SZ 2.3.

41. „Was bitte schön ist Lyrik?“

Oder wächst die angeblich existierende, urheberrechtsfreie „Internetkultur“ vielleicht nur deshalb, weil Literaturschaffende hierzulande zumeist schlechter entlohnt werden als Baumwollpflücker in der Dritten Welt?

fragt das Hamburger Abendblatt und gibt Antwort:

Fakt ist: Es gibt sehr viele Menschen, die vom Schreiben leben, die dies häufig sogar wollen, und zwar auf beiden Seiten des Schreibtischs. Etwa 2000 Buchverlage geben allein in Deutschland pro Jahr rund 185.000 Neuerscheinungen heraus. Allerdings sind es nur noch drei mächtige Verlagsgruppen (Random House, Holtzbrinck, Bonnier) und einige wenige selbstständige Großverlage wie Hoffmann & Campe, Suhrkamp oder Hanser, die sich die saftigen Kuchenstücke vom Teller ziehen, der große Rest prügelt sich um die Krümel. …

Und im Sachbuchgeschäft sorgt zumeist der Name fürs Kassenklingeln: „Etwa 60 Prozent der erfolgreichsten Neuerscheinungen eines Jahres in diesem Segment werden von prominenten Autoren geschrieben“, sagt Heldt. Agenturen und Lektorate passen sich dieser Entwicklung an: Was bitte schön ist Lyrik?

40. Japanischer Lyrikpreis für chinesischen Dichter

Der angesehene H-Shi-Preis, der jährlich für einen neuen Dichter herausragender Gedichte in japanischer Sprache vergeben wird, geht an den Chinesen Tian Yuan, teilten die Organisatoren am Sonnabend mit.

Er erhält ihn für den Band „Ishi no Kioku“ (Erinnerung aus Stein). Zum ersten Mal geht der Preis an einen Chinesen.

Tian, 44, wurde in der Provinz Henan geboren und lebt zur Zeit in Sendai in Nordostjapan, wo er Chinesisch unterrichtet.

Das Buch ist sein zweiter Gedichtband. Es enthält auch eine Elegie über das verheerende Erdbeben in der Provinz Sichuan vom Mai 2008. / Mainichi Japan 7.3.

39. Literatur in Diktaturen bei der zehnten Lit.Cologne 2010

Das Kölner Literaturfestival, das am Mittwoch (10.3.) startet, will unter anderem mit Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller die Rolle und Arbeit von Künstlern in Diktaturen besprechen. Dass der ebenfalls zu diesem Thema geladene chinesische Autor Liao Yiwu fehlen wird, gibt dem Ganzen besondere Brisanz: China verweigerte ihm wieder einmal die Ausreise. «Wir lassen trotzdem lesen», kündigt Festivalleiter Rainer Osnowski an. …

Erstmals wird die musikalische Lyrik ein besonderes Forum haben: An vier Abenden wird das Opernlibretto und die Entstehung von musikalischen Texten vorgestellt. Außerdem liest der deutsche Popmusiker Max Herre seine Songtexte. / Aachener Zeitung 7.3.

38. Das „ekstatisch-empirisch-esoterische mOMent“ der Direkten Dichtung; oder: 1 Unwort sagt mehr als 1000 Gedichte, aber was, bleibt offen (EEE-Teil 3)

„Einst war das Alter, da Ymir lebte,
Da war nicht Sand, nicht See, nicht salzige Wellen,
Nicht Erde fand sich noch Überhimmel,
Gähnender Abgrund, und Gras nirgends.“
(Die Ältere Edda)

G&GN-Institut, Berlin-Neukölle (Fortgeschrittener Anfang März 2010) / Ich (Sebastian Nutzlos) fühle mich nun als Vorsitzender persönlich durch den Verlauf der Debatte auf das Schlachtfeld gerufen. Alles begann mit der kritischen Nachfrage unseres Institutsmitarbeiters Herrn De Toys, ob der Jungautor Thien Tran das Bild der NULL zu Unrecht (nämlich „redundant“) verwende, insofern er in seinem Gedicht „Reduktion I“ dem Leser ernsthaft versichern wolle, daß die Unzahl einen Zustand des sanften Schwebens oder Hängens über dem Boden ermögliche, da die Null gerade die substanzlose BODENLOSIGKEIT symbolisiere, also KEINEN Boden nirgends erwarten lässt, geschweige denn eine Himmelsdecke (selbst in unendlicher Ferne nicht!), von der sich herabhängen ließe:

„… den Punkt halten / der die Waage im Gleichgewicht hält / und ich füge hinzu, ich / / versichere: es ist ein sanftes Schweben / oder hängen über dem Boden / Zustand Null …“
Thien Tran (*1979), in: Lyrikmail #2139 „Reduktion I“ (4.2.2010)
http://www.lyrikpost.de/blog/2010/02/04/lyrikmail-2139-tran/

Aufgrund Trans gekränkten Kommentares, daß sein Gedicht tatsächlich ERNST gemeint sei, ließe sich ergänZENd bereits die zweite Zeile insofern kritisieren, als daß wir bei unseren Recherchen keine einzige Kulturtradition entdeckten, die ein „Halten“ eines PUNKTES (rein mathematisch ein Synonym für die Null) in irgendeinem Bewußtseinszustand als realistisch beschreibt, so daß wir nun davon ausgehen müssen, daß Trans sogenannte „Lösung“ entweder eine neue paranormale, ja geradezu schamanistische Fähigkeit verkündet oder sein Gedankengut einer Art spätsurrealistischen Poetologie verpflichtet scheint. Beides wissen wir nicht, da der Autor sich zu seinem Text „nicht äußern will“, denn „T. Tran hat dafür keine Zeit“ (L&Poe-Kommentar am 2.3.2010 zu EEE-Teil 2). Verständlicherweise, denn preisgekrönte Dichter leben ja heutzutage dank Goethe-Institute und anderer Traditionshüter „über den Wolken“, jetten wie Topmanager um die Welt, um das vergessene Deutschland der Dichter und Denker wiederzubeleben. Auch Herr De Toys durfte bereits 2001 dank einer großzügigen Goethe-Spende seine damals frisch erfundene Quantenlyrik an der Universität von Sao Paulo uraufführen (bei Prof. Beil, dem ersten Dumontdichter der Stunde Null für Sehr Neuere Lyrik), was allerdings nachträglich eher wie ein trojanisches Pferd empfunden wurde. Tranische Pferde haben es da gewiss leichter, mit ihren „Spielfiguren oder Miniaturlandschaften“ ein gewisses ausgehungertes Fastfood-Klientel zu bedienen, denn Trans Reduktionen der Null auf seinen sehr persönlichen Erfahrungsbericht sind in einer derart metaphorisch-„indirekten“ und dadurch EXTREM-ESOTERISCHEN Sprache verpackt, die sich künstlerisch anmutig gibt wie des Kaisers neue Kleider (sein „Leid, ungerechtigkeit, Wunsch“ wirkt auf uns wahrlich „unpersönlich, unecht“), daß sein Weg in „die großen Zeitungen“ und zu irgendeiner „Ehrendoktorwürde“ dadurch vermutlich perfekt geebnet ist. Nahezu sprachlos stehen wir darum heute wie schon gesten und auch morgen und übermorgen mit offenem Munde vor einem rätselhaften Phänomen der Geschichtsschreibung: In Lexika sowie Kanon-beschwörenden Standard-Anthologien wird besonders ausführlich festgehalten, was die Masse auswendig lernen soll und angeblich sogar will, der Rest bleibt eher Geschichte – für „Eingeweihte“ (Insider als Outsider: Randlagen-Eigenbrödler)… Froh sind wir deshalb immerhin über das schillernde Hintergrundblubbern des kosmischen Monsters (tohu wa bohu = Tehomot & Behomot? kopulierende Urdrachen!) – dank Seife und anderer SubstanZEN für uns jederzeit abrufbar (nicht nur für Zenmeister!), wie schon Jean Gebser in seinem Hauptwerk „URSPRUNG UND GEGENWART“ (1949) bemerkte, wenn er die absolute Gegenwart als „ganzheitliche Leistung“ betrachtet, weil sie den Ursprung in einem überbewußten Nullzustand des meditatiefen Normalbewußtseins erfahrbar macht:

„Die Griechen waren davon überzeugt, daß die Dunkelheit die Urmutter aller Dinge sei und daß aus der Dunkelheit das Chaos entspringe. Dunkelheit und Chaos brachten dann die übrige Schöpfung hervor. Nach den hebräischen Schöpfungsmythen wa die Erde wüst und leer, bis Gott sie mit Licht überflutete und mit seinen Geschöpfen bevölkerte. Die älteren hinduistischen Überlieferungen berichten von einem Schöpfer, der die Butter des Chaos in die Erde schlägt, und altnordische Mythen künden von einer offenen Leere, die mit Eis bedeckt wurde; aus dem Chaos, das aus der Vermischung von Feuer und Eis hervorging, entsprangen dann Giganten. Leere und Unordnung kennzeichneten folglich den urzeitlichen, natürlichen Zustand des Kosmos, und ständig nagte an den Menschen die Furcht, am Ende aller Zeiten könnten Chaos und Leere wieder die Oberhand gewinnen. Die Null repräsentiert ebendiese Leere. Die Furcht vor der Null war jedoch keineswegs nur ein Unbehagen angesichts der Leere, sondern sie ging tiefer.“
Charles Seife, aus: Zwilling der Unendlichkeit
(2000: „Zero. The Biography of a Dangerous Idea“)

Das Institut für Ganz & GarNix dankt der Lyrikzeitung hiermit unter Strom für die Bereitschaft, auch abwegigen „Unterströmungen“ seitens ehemaliger „Außerliterarischer Oppositioneller“ (A.L.O.: A jetzt für anachronistisch? oder arational?) gegen das Vergessen & VerschanZEN ein leeres Flußbett auszuheben und sich nicht zu scheuen, Weltnachrichten aus ALLEN unter-dem-Teppich-hervorquellenden Eigenwelten bereitzustellen, die das legal sublimierte Verschieben der Gürtellinie enttarnen und kein Blatt vor den offenen Mund nehmen, sich ihrerseits gegen Verleumdung und Rufschädigung mit Hand und Fuß zu wehren. Der offensichtlich projizierte „kohlschwarze Frust“ eines Thien Tran, den die G&GN-Ticker zu sehr verwirren (indem er sie als „wirr“ empfindet), um seine abscheulichen Behauptungen wissenschaftlich zu untermauern (jaja, DIE Zeit nehmen sich andere!), hier würden „eine ganze Menge andere fe[r]nöstlicher Philosophien durcheinander“ gebracht (welche bitte??? wir möchten unsere eigene Bildungslücke füllen!!!), ist für uns wahrlich schwer zu „kapieren“ und befriedigt unsere kindliche Neugier keineswegs. Bleibt uns nur die Notlösung: Wir führen weiter schizophrene Scheingefechte, bis der Engel der Geschichte seine eigene Nichtexistenz geschichtlich nachweisen kann (ein Koan! Verwirrung selbstredend vorprogrammiert!). Und verabschieden uns mit einem brandneuen Beispiel für transesoterische „Direkte Dichtung“, das derzeit in unserem hauseigenen Lyrik-Labohr (ja, mit H wie damals zu Tacheleszeiten) für die luXXus-Edition auf www.wOManticum.de alchemistisch in ein königliches Fotocollagen-POEMiE-Design umgewandelt wird:

Tom de Toys, 6.3.2010 für Ex-O.O.
(14:02:17h c/o Schlachtensee)

ANTI-TV-GLOT-Zen
(SEEELENWARTUNG I)

und irgendwann irgendwo
mitten im wald einfach
nur stehen bleiben und
in die hervorbrechende
sonne starren das
telefon zücken
um dir zu erzählen
ES SCHNEIT PLÖTZLICH
sehr windige flocken
das eis auf dem see funkelt
und blendet ich glaube
das ist der geheime
frühling die wolkenfront
zwingt mich zur umkehr
ich komme nach
hause tief in mir selbst
wartet das nichts als
elektrische information
alle seelen…
anteile

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