Schon der erste Vers kann ein Druckgefühl hinter den Augen auslösen. Romane und Filme katapultieren einen, rastlos modern, wie sie sind, vorwärts ode rückwärts durch die Zeit, über Tage, Jahre oder gar Generationen hinweg. Die Lyrik hingegen mit ihren Eindrücken und Urteilen balanciert auf der Nadelspitze des Augenblicks. Sich verlangsamen, vollkommen innehalten, um ein Gedicht zu lesen und zu verstehen, das ist, als erwerbe man althergebrachte Fertigkeiten wie das Kitzeln von Forellen oder das Errichten von Trockenmauern.“ (Ian McEwan: Saturday, S. 178)
Gefunden von Wilhelm Fink, Hamburg
Nagut, man könnte jetzt diskutieren, ob die Gedichte von Lorine Niedecker und Emily Dickinson, die Bill Murray dem guten Dutzend verblüffter Bauarbeiter im Rohbau des Poet’s House in Manhattan, Battery Park, vorträgt, strenggenommen tatsächlich in die Kategorie “Arbeiterliteratur” fallen. ABER: Sieht es nicht verdammt nach Arbeiterliteratur aus? / goldmag.de
(Klicken, Video ansehen!)
Am 15. Juli 2010 ist Einsendeschluss für den 18. open mike – Internationaler Wettbewerb junger deutschsprachiger Prosa und Lyrik. Der open mike wird ausgeschrieben von der Literaturwerkstatt Berlin und der Crespo Foundation und ist mit insgesamt 7.500 EUR dotiert.
Teilnehmen können deutschsprachige Autorinnen und Autoren, die nicht älter als 35 Jahre sind und noch keine eigene Buchpublikation vorzuweisen haben. Berücksichtigung finden kurze Prosa, ein in sich geschlossener Auszug aus einem längeren Text ODER Lyrik.
Lektoren aus renommierten Verlagen wählen die Teilnehmer aus, die am 13. und 14. November 2010 zu einer öffentlichen Lesung nach Berlin eingeladen werden. Die Autoren-Jury vergibt einenPreis für Lyrik und zwei Preise für Prosa in der Gesamthöhe von 7.500 EUR.
Kurzbeschreibung der Teilnahmebedingungen:
Der Umfang der eingereichten Texte muss in etwa einer 15-minütigen Lesezeit entsprechen. Formatvorgabe: A 4-Format, einseitig bedruckt, Schriftgröße 12, Zeilenabstand 1,5. Die Manuskripte müssen in zweifacher Ausfertigung als lose Blätter (ohne Heftung) eingesandt werden. Auf den Manuskriptseiten darf weder der Name des Absenders noch ein Zahlencode, Kennwort o. ä. erscheinen. Eine kurze Biographie mit Adresse, Telefonnummer und E-Mail-Adresse ist beizulegen. Eine Rücksendung der Manuskripte kann leider nicht erfolgen.
Genaue Teilnahmebedingungen für den 18. open mike im Internet unter www.literaturwerkstatt.org
Einsendeschluss der Texte: 15. Juli 2010 (Datum des Poststempels)
Einsendungen unter dem Kennwort „open mike“ an:
Literaturwerkstatt Berlin
Knaackstraße 97 (Kulturbrauerei)
10435 Berlin
Der open mike ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Literaturwerkstatt Berlin und der Crespo Foundation in Zusammenarbeit mit der WABE und dem Allitera Verlag.
Die Deutsche Bank wettet auf den Tod. Seit 2005 verkauft sie Fonds, die sich für Anleger rechnen, wenn Lebensversicherungen früh ausgezahlt werden.
So klingt Lyrik: „Wer an der Küste bleibt, kann keine neuen Ozeane entdecken“ beginnt der Prospekt, in dem die Deutsche Bank ihr Fonds-Produkt „Kompass Life“ beschreibt. Die Worte stammen vom portugiesischen Seefahrer Magellan. Dazu: nautische Karten und nostalgische Zweimaster, die gen Sonnenaufgang segeln. Entdeckerdrang, Perfektion – die Bank hat tief in die Marketingkiste gegriffen, um ihren Fonds ins rechte Licht zu rücken. „Die Erträge aus dem Kompass Life Fonds werden voraussichtlich weitgehend unabhängig von Wind und Wetter und dem Wechsel von Sonne und Regen an den Aktien-, Immobilien- oder Rohstoffmärkten sein“, dichtete die Lyrik-Abteilung der Bank noch hinzu. / Handelsblatt
Dienstag, 08 Juni 2010
Einlass 19:00, Beginn 20:00 Uhr
Das Konzert ergründet die Beziehungen zwischen Lyrik und zeitgenössischer Musik, die sich in der zweiten Hälfte des 20ten Jahrhunderts eigenartig gelockert haben. Eine mögliche Erklärung für diese Abkehr ist sicher die ästhetische Entwicklung beider Ausdrucksformen, die komplexe Ausformung der entwickelten Hilfsmittel sowie die unterschiedlichen Produktionsstätten. Nur noch wenige zeitgenössische Komponisten suchen weiterhin in der Lyrik ihre Inspirationsquelle, einen signifikanten Widerhall – also einen „Wesensverbündeten“, wie es René Char nannte. In diesem Sinn hat das Ensemble Alternance ein Programm zusammengestellt, das Dichter und Musiker zusammenführt, um aktuelle Konvergenzen hörbar zu machen.
Programm :
Klaus Huber Plainte – Lieber spaltet mein Herz
für Flöte, Viola d’Amore – 6′
Text : Ossip Mandelstam (1)
Raphaël Cendo Furia – Uraufführung
für Violoncello und Klavier – 11’
Text : Jean Daive (2)
Klaus Huber Askese
für Flöte, Sprechstimme, Tonband – 6’
Text : Günter Grass (3)
Philipp Maintz Trawl – Uraufführung
für Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello, Klavier – 13’
Auftragswerk der Ernst von Siemens Stiftung
Text : Ron Winkler (4)
Ensemble Alternance:
Frédéric Baldassare – Violoncello
Jeanne-Marie Conquer – Violine
Jean-Marie Cottet – Klavier
Dirk Descheemaeker – Klarinette
Jean-Luc Menet – Flöte
Zum Sommersemester 2010 richtet die Universität in Landau eine Poetik-Dozentur ein. Unter dem Motto „LITERATUR jetzt!“ kommen künftig namhafte Literaten jedes Semester nach Landau und stellen dabei ihre Werke vor. Erste Inhaber der Dozentur: Der Dichter Eugen Gomringer und seine Tochter Nora. Vom 15. bis 17. Juni 2010 stehen Lesungen und Literaturperformances auf dem Programm.
Für das kommende Wintersemester ist die Landauer Poetik-Dozentur an die Schriftstellerin Theresia Walser, die Tochter von Martin Walser, und ihren Mann Karl-Heinz Ott verliehen worden. / idw
Veranstaltungen im Rahmen der Poetik-Dozentur:
15. Juni // Audimax der Universität // 20.00 Uhr
Nora Gomringer // Poetry Slam // Lyrik und Larynx: Die Sprechdichtung!
16. Juni // Audimax der Universität // 20.00 Uhr
Eugen Gomringer // Poetik-Vorlesung: Überlegungen zur Realität der Poesie
17. Juni // Universum Kino Landau // 20.00 Uhr
Gomringer hoch2 // Konkrete Poesie gibt Laut!
Texte von und mit Eugen und Nora Gomringer & Baby Sommer Jazz Percussion.
„Als ich geboren wurde, im Dezember 1909, trank mein Vater eine Flasche Sekt, er konnte es sich leisten.“ So stellte sich der junge jüdische Autor Hans Keilson der Öffentlichkeit vor, als 1933 sein Buch „Das Leben geht weiter“ im S.-Fischer-Verlag erschien. / FAS 6.6. (der Rest kost was)
(Und als wir am Sonnabend in Saßnitz picknickten, tranken wir zu Wurst Zwiebel und Gurken Champagner, das ging auch.)
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
Whether we like it or not, we live with the awareness that death is always close at hand, and in this poem by Don Thompson, a Californian, a dead blackbird can’t be pushed out of the awareness of the speaker, nor can it escape the ants, who have their own yard work to do.
Yard Work
My leaf blower lifted the blackbird—
wings still spread, weightless,
floating on the loud, electric wind
almost as if it were alive.
Three or four times it flew,
but fell again, sideslipped down
like a kite with no string,
so I gave up. . . I had work to do,
and when the dust I raised
had settled in that other world
under the rose bushes, the ants
came back to finish theirs.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2009 by Don Thompson, and reprinted from his most recent book of poems, Where We Live, Parallel Press, 2009, by permission of Don Thompson and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Der Kieler Frisist Dr. Ommo Wilts würdigt am Mittwoch, 11. August, Mungards besondere Persönlichkeit, der Vortrag heißt „Friesische Lyrik als Widerstand“. / Die so angekündigte Pressemitteilung ist „bislang nicht für Journalisten freigegeben“.
Wikipedia weiß:
Jens Emil Mungard (* 9. Februar 1885 in Keitum; † 13. Februar 1940 in Sachsenhausen) war ein bedeutender Dichter der nordfriesischen Sprache. …
In einigen Gedichten prangerte er das Regime an, verspottete es. 1935 wurde Mungard zum ersten Mal verhaftet. Weitere Verhaftungen folgten. Wegen seiner Kontakte zu niederländischen Westfriesen galt Mungard auch als „national unzuverlässig“. In dem Schutzhaftbefehl vom 13. Juni 1936 hieß es: „Ihr bisheriges Verhalten rechtfertigt den dringenden Verdacht, daß Sie auch weiterhin im Ausland das Ansehen des Deutschen Reiches schwer schädigen.“ 1938 wurde Mungard mit einem Schreibverbot belegt. Als er dem keine Beachtung schenkte, wurde er Ende 1938 erneut verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht, wo er 1940 an den Folgen der Haft nach 377 Tagen starb.
Warum denn jede Diktatur so viel Angst vor Dichtern habe, fragte Matthias Göritz, Lyriker und Moderator des Abends, gegen Ende des Gesprächs in die Runde. Weil, so antwortete der Kubaner Carlos A. Aguilera, die Literatur einen Raum der Reflexion schaffe, der unkontrollierbar sei. Weil Poesie grundsätzlich ein Praktizieren von Freiheit sei, antwortete der im Nord-Jemen geborene Mansur Rajih. Die originellste Replik kam vom Syrer Faraj Bayrakadar: Alle Systeme hätten Angst vor Dichtern, Propheten und Wahnsinnigen, weil die sich nicht scheuten, die Wahrheit zu sagen.
/ CHRISTOPH SCHRÖDER, FR 7.6.
Nein! – dieses Gedicht ist nicht Thomas Bernhard gewidmet. Doch fast jedem Helden Bernhards würde dieses Gedicht in seiner Hermetik und in seinem Zwang zur gedanklichen Wiederholung gut zu Gesicht stehen. Doch Jonkes Gedicht spricht eben auch vom Gehen, vom „Aufundabgehen“ der Dichter wie wir es seit Hölderlin kennen – erst im Gehen kann der Rhythmus des Gedichts seine ihm eigene Form gewinnen.
Aber Jonkes Gedicht zeigt noch etwas anderes: Der Autor hat auch eine Prosafassung des Gedichts erstellt, für den Band „Beginn einer Verzweiflung“ von 1970. Und selbst 26 Jahre später hat Jonke diese Prosafassung im Buch „Stoffgewitter“ leicht variiert abgedruckt. Das heißt, viele Gedichte Jonkes nähern sich dem poème en prose, dem Prosagedicht an. / Andreas Puff-Trojan, Ö1 6.6.
Gert Jonke, „Alle Gedichte“, Jung und Jung Verlag
Nelly Sachs, Schriftstellerin, Berlin/Stockholm« im Jüdischen Museum zählt zum Intimsten der Berliner Ausstellungslandschaft. Danach macht die Schau zum 40. Todestag der Lyrikerin in Stockholm, Zürich und Dortmund Station – Orte, die für sie wichtig waren. …
Ihre Gedichte erscheinen ab 1933 in Zeitungen, bald nur noch in den wenigen jüdischen. Als der Straßenzug, in dem Nelly und die Mutter wohnen, »entjudet« wird, gelingt, den Deportationsbefehl schon in der Tasche, mit einer der letzten zivilen Maschinen von Tempelhof aus die Flucht nach Schweden. Eine Empfehlung von Lagerlöf hatte das Visum erwirkt, die Habe fasst ein Lederkoffer.
In Schweden wird sie bis zu ihrem Tod 1970 bleiben, zunehmend hoch geehrt, dennoch tief verletzt. Höhepunkt wurde 1966 die Verleihung des Nobelpreises für Literatur. Krankheit prägt die späten Jahre: Krebs und Paranoia, im Glauben, von einer »Naziliga« verfolgt zu werden. Einmal nur, 1965, zur Auszeichnung mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in Frankfurt, besuchte sie noch die Geburtsstadt, deren Ehrenbürger sie wurde. / Volkmar Draeger, ND 7.6.
Der neuseeländische Dichter Sam Hunt liebt es, die Geburtstagsehrung der Queen mit seiner Liebe zu einem berühmten chilenischen Dichter in Zusammenhang zu bringen: sie beide seien nun „Genossen“.
Hunt wurde für seine Verdienste um die Poesie Mitglied des Neuseeländischen Verdienstordens (New Zealand Order of Merit).
„Genosse“ nennt er sich nach Pablo Neruda, an dessen Grab die Trauergäste 1973 aus Protest gegen Chiles Militärdiktatur „Genosse Pablo Neruda“ riefen.
„Ich bin Genosse. Ich weiß nicht, was man im Buckingham Palace davon hält, aber das bin ich: Genosse“, sagte Hunt.
Der hochgewachsene Mann ist einer der bekanntesten Dichter unseres Landes.
Hunt veröffentlicht seit über 40 Jahren, und der Verdienstorden folgt des Königlichen Verdienstmedaille, die er 1986 erhielt. / New Zealand Herald
Sind Sie religiös erzogen?
Nein. Ich habe eine Zeit lang noch an einen Gott geglaubt – aber der hat sich zunehmend vergeistigt, und irgendwann war er ganz weg. Die jüdische Religion ist ja wie alle biblischen Religionen frauenfeindlich. Auch wenn es heute weibliche Rabbis gibt, ich weiß: Sie werden sich nur die Köpfe blutig schlagen. Im Judentum sind zehn Männer eine Gemeinde. Keine Frauen. Männer. Und ich habe spät erfahren, dass es ein Morgengebet gibt, in dem sich die Männer beim Herrgott dafür bedanken, dass er sie nicht als Frau erschaffen hat.
Der Protestantismus ist in diesem Punkt am weitesten.
Da lohnt sich ein genauerer Blick. Warum gibt es etwa so wenige protestantische Autorinnen*? Die Klöster haben auch mit sich gebracht, dass Frauen am geistigen Leben teilnehmen durften. Man denke nur an die Nonnenlyrik. Bei den Protestanten war eine nicht verheiratete Frau eine alte Jungfer. Oft verkehrt sich ein Nachteil so in einen Vorteil.
/ Ruth Klüger, Die Presse 6.6.
*) Aber in Greifswald haben wir eine: Sibylla Schwarz, 1621-1638, die hat sich als Mädchen das Recht ertrotzt, am geistigen Leben teilzunehmen und war keine alte Jungfer. Man nannte sie die pommersche Sappho, die zehnte Muse, die pommersche Sibylle. Ich nenne sie jetzt die protestantische Dichterin. Den weiblichen Opitz. Den Widerstand ihrer (männlichen) Kritiker beschrieb sie im Motiv des Neides, wie hier:
Ein Gesang
wieder den Neidt
HAtt zwar die Mißgunst tausendt Zungen /
Und mehr dan tausend ausgestreckt /
Und kompt mit macht auf mich gedrungen /
So werd ich dennoch nicht erschreckt;
Wer Gott vertrawt in allen dingen /
Wirdt Weldt / wird Neidt / wird Todt bezwingen.
Hör ich gleich umb und umb mich singen
Die sehr vergifftete Siren;
So soll mich dennoch nicht bezwingen
Ihr lieblichs Gifft / und hell gethön;
Ich will die Ohren mir verkleben /
Und für sie frey fürüber schweben.
Gefellt dir nicht mein schlechtes Schreiben /
Und meiner Feder edles Safft /
So laß nur balt das Läsen bleiben /
Eh dan es dir mehr unruh schafft;
Das / was von anfang ich geschrieben /
Wird kein verfalschter Freund belieben.
Weistu mich gleich viel für zuschwetzen /
Von meiner Leyer ab zustehen;
So soll mich doch allzeit ergetzen
Das Arbeitsahme müssig gehen;
Laß aber du dein Leumbden bleiben /
Damit du mich meinst auff zureiben.
Ich weiß / es ist dir angebohren /
Den Musen selbst abholt zu sein /
Doch hat mein Phoebus nie verlohren /
Durch deine List / den hellen Schein;
Die Tugend wird dennoch bestehen /
Wen du / und alles wirst vergehen.
Ein grimmes Thier hat dich erzeuget /
Die Höllgöttinnen haben dich
An ihrer harten Brust geseuget /
Und Momus nennt dein Vater sich;
Dein Vaterland ist in der wüsten /
Da Basilisk und Eulen nisten.
Solt ich üm deinet willen hassen
Den allzeit grünen Helicon /
Und mich zu dir herrunter laßen /
So hett ich warlich schlechten Lohn.
Nein / ich bleib auf Parnaßus Spitzen /
Du magst in Plutons Reiche sitzen.
Was würde wol mein Phöbus sagen /
Wen ich das grüne Lohrberlaub
Mir würde selbst vom Häupte schlagen /
Und werffen in der Erdenstaub?
Euterpen würd es ja verdrüßen /
Wenn Ihre Magd wehr außgerißen.
Thalia würd es hoch empfinden /
Und Clio würde zürnen sehr /
Ließ ich die werthe Leyer hinden /
Und liebte Neid und Leümbden mehr:
Drüm laß nur ab mit deinen Rencken /
Mein zartes Alter baß zu krencken /
Vermeynstu / daß nicht recht getroffen /
Daß auch dem weiblichen Geschlecht
Der Pindus allzeit frey steht offen /
So bleibt es dennoch gleichwohl recht /
Daß die / so nur mit Demuht kommen /
Von Phoebus werden angenommen.
Ich darf nun auch nicht weitergehen /
Und bringe starcke Zeugen ein;
Du kanst es gnug an disem sehen /
Daß selbst die Musen Mägde sein:
Was lebet soll Ja Tugendt lieben /
Und niemandt ist davon vertrieben.
Gantz Holland weiß dir für zusagen
Von seiner Bluhmen Tag und Nacht;
Herrn Catzen magstu weiter fragen /
Durch den sie mir bekant gemacht:
Cleobulina wird wol bleiben /
Von der viel kluge Federn schreiben.
Was Sappho für ein Weib gewesen
Von vielen / die ich dir nicht nenn /
Kanstu bey andern weiter lesen /
Von den ich acht und fünffzig kenn /
Die nimmer werden untergehen /
Und bey den Liechten Sternen stehen.
Sollt ich die Nadel hoch erheben /
Und über meine Poesey /
So muß ein kluger mir nachgeben /
Daß alles endlich reisst entzwey;
Wer kann so künstlich Garn auch drehen /
Das es nicht sollt in stücken gehen?
Bring alles her auß allen Enden /
Was je von Menschen ist bedacht /
Was mit so klugen Meister Händen
Ist jemahls weit und breit gemacht /
Und laß eß tausend Jahre stehen /
So wird es von sich selbst vergehen.
Wo ist Dianen Kirch geblieben?
Des Jupters Bild ist schon davon;
Sind nicht vorlengst schon auffgerieben
Die dicken Mauren Babilon?
Was damahls teuer gnug gegolten /
Wird jetzt für Asch und Staub gescholten.
Doch daß / was Naso hat geschrieben /
Was Aristoteles gesagt /
Ist heut bey uns noch überblieben /
Und wird auch nicht ins Grab gejagt /
Sie leben stets und sind gestorben /
Und haben ewigs Lob erworben.
Was uns die Schar der Klugen lehret /
Wird heut noch durch der Feder Macht /
Auff Fama Pfeiffen angehöret /
Und uns zur Nachricht fürgebracht /
Ihr Lob wird weit und breit erschallen /
Bis alles wird zu Boden fallen.
Wan selbst das weite Rund von innen
Auch wehre lauter schwartze Dint /
So wird es doch nicht leschen können /
Wes man von den geschrieben findt /
Die mit geflügelten Gedancken
Nicht von der Weißheit bahne wancken.
Mein Opitz (dem das Lob gebühret /
Das Teutschlandt / seiner Sprachen Pracht
Und edlen Leyer halben führet /
Weil Er den anfang hat gemacht)
Wird billig oben an geschrieben
Bey den / die Kunst und Tugend lieben.
Sein Lob wird nicht verdecket werden /
Kein Neid verbirget seinen Preiß /
Weil selbst das große Rund der Erden
Mit seiner Kunst zu pralen weiß;
O möcht ich halb so guht nur singen /
Und so den Thon der Leyer zwingen!
Laß nur / O Neid! dein Leumbden bleiben /
Ich weiß es ohn dich mehr als wol /
Wen ich nicht mehr Poetisch schreiben /
Undt dieses hinterlassen soll.
Ich wil mich in die Zeit wol schicken /
Du solt mich doch nicht unterdrücken.
Ich wil hinfüro GOTT vertrawen /
Von dem soll sein mein Tichten all /
So kan mich auch für dich nicht grawen /
Drüm sag ich billig noch einmahl:
Wer GOTT vertrawt in allen Dingen /
Wird Welt / wird Neid / wird Todt bezwingen.
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